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M 23.
JuLöcl, Samstag, den 28. Januar 1899.
26. Jahrgang.
□ Nochmals der Kaiserbesuch in Hannover.
Ohne Zweifel muß es sehr interessart sein, zu erfahren, wie die Auszeichnungen, die der Kaiser den verschiedenen hannover'schen Regimentern verliehen hat, und die Kabinetsordre, sowie die Ansprache des Kaisers beim Festmah l in Hannover in den Kreisen der deutschhannoverschen Partei aufgefaßt werden. Augenscheinlich ist man angenehm berührt von diesen Auszeichnungen; die ,Deutsche Volkszeitung', das leitende Blatt der deutschhannover'schen Partei, spricht ausdrücklich von Gnadenbezeugungen des deutschen Kaisers in seiner Eigenschaft als König von Preußen und „erkennt es dankbar an, daß durch den Erlaß Sr. Majestät der übertriebenen Centralisation der preußischen Armee ertgegen zu wirken versucht wird". Aber schon in dem Ausdrucke „übertriebene Centralisation der preußischen Armee" liest man ganz klar und deutlich die Verschiedenheit, die die ganze Auffassungsweise der Deutschhannoveraner von derjenigen trennt, aus der heraus diese Gnadenbezeugungen des Kaisers erfolgt sind. Und zum Ueberflusse fügt das genannte hannover'sche Blatt gleich selbst hinzu: „wir erblicken darin zugleich eine Berücksichtigung der als nothwendige Folge ein» tretenden Aufhebung der Annexion und der damit verbundenen Wiedererstehung der königlich hannover'schen Armee eine Förderung unserer Ziele .." Und an einer anderen Stelle: „Die jetzigen preußischen Regimenter hannover'schen Ersatzes . . . können Träger der (hannover'schen) Tradition nur werden, wenn sie wieder königlich hannover'sche Regimenter unter ihrem angestammten Königshause sind."
Wie die Verhältnisse liegen, ist es ausgeschlossen, daß diese Hoffnung oder dieser Wunsch der Althannoveraner jemals sich erfüllen könnte. Und gerade die Verleihung der kaiserlichen Auszeichnungen an die Regimenter in Hannover und die damit verbundene äußerliche Erinnerung an althannoversche Ueberlieferungen sind wohl das sicherste Kennzeichen dafür, daß in Berlin niemand mehr mit der Möglichkeit rechnet, als könnte auch nur jemals wieder in Hannover eine ernstlich zu beachtende Bewegung aufkommen, die Hannover wieder von Preußen trennen wollte. Aus diesem Gefühl vollendeter Sicherheit heraus sind jetzt diese kaiserlichen Auszeichnungen erfolgt, und ohne Zweifel sind sie ein neuer und schöner Beweis für die edele und ritterliche Anschauungsweise des Monarchen, deffen ureignem Denken diese Aktion in Hannover ganz augenscheinlich entsprungen ist.
Aber was für Hannover ausgeschlosfen erscheint, braucht nicht auch für Braunschweig ausgeschloffen zu sein. Daß in neuester Zeit im Stillen mehrfach Verhandlungen stattgefunden haben oder doch wenigstens Fragen gestellt worden find über eine Rückkehr des Hauses Hannover
ftfrtr, Schwert und Fackel.
Sine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).
34 ------ (Nachdruck verboten.)
X. Pagenstreiche.
Während Gilden und Gumbert in der frischen Morgenlust dahin ritten, befand sich Ernst von Mansfeld in einer keineswegs beneidenswerthen Lage. Er saß auf einem Mauervorsprung im Kellergeschosse des Rathhauses, den Rücken wider die Wand gelehnt, das Kinn auf die Brust gesunken, und schlummerte. An der Stirne hatte er eine Wunde, deren gräuliches Aussehen die Dunkelheit des Raumes verbarg. Das Blut war ihm über die Wange gerollt, und da er kein Koffer hatte, sich zu waschen, hatte es eine trockene Kruste gebildet. Um ihn regte und bewegte siH ßuetlei Gesindel, das nächtlicher Weile hier eingebracht worden, und aus dem halboer- faulten Stroh »auf dem Plattenbelag sich ein Lager zurecht gt» lacht halte; ein paar Landstreicher, Betrunkene, deren von Alkohol duftender Hauch den Apfenthalt unerträglich machte; endlich ein Dieb,- den die Schaarwache auf frischer That ertappt- das bildete nebst zwei Genoffen der Keilerei die mit dem Pagen verhaftet worden waren, die Gesellschaft desselben. Uebrigens kümmerte er sich nicht sonderlich um seine Lage. Nachdem auf seine energlsche durch Angabe von Namen und Stand unterstützte Forderung, in Freiheit gesetzt zu werden, der Wachtmeister der Stadtknechte erklärte, das werde sich alles morgen
nach Braunschweig und auf den braunschweigischen Thron, kann wohl kaum ernstlich bezweifelt werden. Zu hartnäckig erhielten und erhalten sich entsprechende, immer wieder auftauchende Nachrichten darüber in der Preffe; und mögen diese Nachrichten oder, wenn man will, Gerüchte auch noch niemals ganz das Richtige getroffen haben, so. darf man doch wohl auch hier den Grundsatz' des alten Spruches anwenden, daß nämlich dort kein Rauch aufsteigt, wo kein Feuer ist. Ebenfalls Zeitungsgerüchte haben den K a i s e r von Oesterreich und den König von Sachsen als die Anwälte bezeichnet, die mit ihrem mächtigen Einflüsse für die Wiedereinsetzung des Hauses Hannover in Braunschweig wirken sollen; und vollkommen unwahrscheinlich klingen auch diese Gerüchte nicht. Gerade monarchischer Rechtsauffassung müßte eigentlich der Gedanke nahe liegen, durch eine Rückkehr des Hauses Hannover nach Braunschweig die g a n z e Welfenfrage und damit eine Härte aus der Welt zu schaffen, die ehedem bedingt wurde durch die eiserne Nothwendigkeit der Staatenpolitik.
Deutsches Deich.
Berlin, 27. Januar.
* Der Kaiser hat aus Anlaß seines 40. Geburtstages eine große Anzahl von Ordensverleihungen, Standeserhöhungenund Avancements angeordnet. Fürst Herbert v. Bismarck, Graf zu Stolberg-Wernigerode, Graf o. Schönburg- Glauchau, Graf zu Solms-Laubach, Fürst zu Bentheim und Steinfurt, Obersten L la euite der Armee, haben den Charakter als Generalmajor erhalten.
* Ter Kaiser hat nachstehende Ordre dem Generalkommando des ekste« Armeekorps zugehen lassen:
Als Mein in Gott ruhender Großvater im Jahre 1870 zum Schutze von Deutschlands Ehre und Unabhängigkeit Sein Volk zu den Waffen rief, schaarten sich Hessens Söhne voller Begeisterung unter Seine Fahnen. An den blutigen Tagen von Wörth, Sedan, Orleans, Le Mans, St. Quentin, vor Metz und vor Paris bewährten sie die alte hessische Tapferkeit in neuen Groß- thaten, würdig der Ahnen, die in zahllosen Kämpfen auf den Schlachtfeldern von fast ganz Europa und in der Neuen Welt unverwelkliche Ruhmeskränze um ihre Fahnen gewunden hatten. Für diese Hingebung und Treue spreche ich den alten bessischen Kriegern heute erneut Meinen königlichen Dank aus. Diesen Dank zolle Ich auch den tapferen Söhnen Nassaus, die eingedenk des von den Vätern in Spanien und bei La Belle Alliance errungenen Ruhmes mit ihren hessischen Waffenbrüdern in Ausübung aller Kriegertugenden gewetteifert und mitgewlrkt haben, daß die Tage von Wörth und von Sedan Ehrentage deutschen Heldenmuthes wurden. Ich will Meinem Herzenswünsche, den Ueberlieferungen großer Vergangenheit in Meinem Heere eine Stätte liebevoller Pflege zu bereiten, dadurch ein Genüge leisten, daß Ich diejenigen preußischen Truppentheile, welche rm Jahre 1866 hessische oder nassauische Stämme in sich ausgenommen haben, zu Trägern deren Geschichte bestimme. Ist es auch nicht angängig, die hessischen Regimenter, welche den Ereignissen des Jahres 1806 et= legen sind, als in denjenigen Truppentheilen fortbestehend anzuerkennen, die erst nach Vernichtung der Fremdherrschaft wieder aufgestellt sind, so weiß Ich doch, daß auch deren Thaten in den Regimentern Meines tapfern XI. Armeekorps unvergessen bleiben und in ihnen bis in die ernste Zukunft vorbildlich wirken werden. Ich setze hiernach fest, daß als eins angesehen werden sollen:
im Verhöre finden, ergab er sich in sein Schicksals suchte sich einen möglichst bequemen Platz, der ihn nicht gerade mit dem ekelhaften Stroh in Berührung brachte, und war bald eingeschlummert. Zwischen Wachen und Schlafen war es ihm, als ob er sich noch lebhaft auf dem Rulhhausplatze herumbalge; und das gleiche Gefühl hatte er, so oft das Zurückschieben der schweren Riegel er- choll, und der Schein einer Laterne auf das Gesicht des Schlummernden fiel. Das geschah, wenn die Gesellschaft Zuwachs bekam; der Jüngling wurde dann wach, und schlief jedesmal rasch wieder ein.
Endlich graute der Tag. Das Zwielicht fiel rurch ein in der Höhe des Gewölbes angebrachtes vergittertes Luftloch, das in den Hof des Rath- >auseS mündete.
Plötzlich wurde es lebendig. Man v-rnahrn, wie mehrere Leute im Hof hin- und herrannten; ;ätte der Jüngling nicht gerade fest geschlafen, würde er von einem schändlichen Versuche auszubrechen und von einem schlafenden Gefängniß- wärter vernommen haben, Dinge, die feine Theil- nahme. nicht wenig erregt haben würden. Tie Thalfache war, daß die Schaarwache bei ihrer Rückkehr von einem Rundgange durch die Stadt reim grauenden Tage endlich das vom Thurme ;erabbaumelnde Seil erblickt, und mit gewohntem Scharfsinne Folgerungen darangeknüpft hatte, welche der Wahrheit sehr nahe kamen. Während einer den unteren Zipfel des Seiles bewachte, eilten die anderen auf die Wachtstube des Rath- Hauses, um dort die merkwürdige Mär zu ver- künden. Der sofort benachrichtigte Thurmwächter eute lm oloßen Hemd auf den Thurm: die Zelle
I. Bon den kurhesstschen Truppen: 1. das Leib- Garde-Regiment mit dem Füsilier-Regiment von Gers- dorff (Hessischen) Nr. 80, mit dem 22. November 1813 als Stiftungstag; 2. das 1. Infanterieregiment (Kurfürst) mit dem 1. hessischen Infanterieregiment Nr. 81, mit dem 5. Dezember 1813 als Stiftungstag; 3. das 2. Infanterieregiment (Landgraf Wilhelm von Hessen) mit dem 2. hessischen Infanterieregiment Nr. 82, mit dem 30. November 1813 als Stiftungstag; 4. das 3. Infanterieregiment (Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen) mit dem Infanterieregiment von Wittich (3. hessisches) Nr. 83, mit dem 22. November 1813 als Stiftungstag; 5. das Jäger- und das Schützenbataillon mit dem Hessischen Jägerbatatllon Nr. 11, mit dem 5. Dezember 1813 als Stiftungstag; 6. das Artillerieregiment mit dem Hessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 11, mit dem 22. November 1813 als Stiftungstag; 7. die Pionier-Kompagnie mit dem Hessischen Pionier-Bataillon Nr. 11, mit dem 1. März 1842 als Stifiungstag; 8. die Train- Abtheilung mit dem Hessischen Train-Bataillon Nr. 11, mit dem 13. Juni 1854 als Stiftungstag.
11. Von den nassauischen Truppen: 1. Das 1. Infanterie-Regiment mit dem 1. Nassauischen Infanterie- Regiment Nr. 87, mit dem 14. März 1809 als Stiftungstag ; 2. das 2. Infanterie-Regiment mit dem 2. Nassauischen Infanterieregiment Nr. 88, mit dem 13. August 1808 als Stiftungstag; 3. das Jägerbataillon mit dem hessischen Jägerbataillon Nr. 11; 4. die Artillerieabtheilung mit dem nassauischen Feldartillerieregiment Nr. 27, mit dem 15. März 1833 als Stiftungstag; 5. das Pionierdetachement mit dem hessischen Pionierbataillon Nr. II.
Berlin, 24. Januar 1899.
x Der Centrumsabgeordnete Szmnta hat mit Unterstützung der CentrumSfraktion im preußischen Abgeordnetenhaufe von neuem eine Interpellation über die Leuteno th eingebracht. Dieselbe lautet wie folgt: „Ist der königlichen Staatsregierung bekannt, daß in diesem Jahre der Mangel an ländlichem Gesinde und an landwirthschaftlichen Arbeitern sich so vergrößert hat, daß die Fortführung der Bewirlhschaftung größerer und kleinerer Besitzungen in Fraqe gestellt wird, und welche Maßregeln gedenkt die königliche Staatsregierung eventuell zu ergreifen, um dieser Kalamität zu steuern?" Wie unheimlich die Leutenoth auf dem Lande um sich greift, geht am deutlichsten aus einer Statistik hervor, die der Amtsvoc- steher Kutsche-Neunz für den Kreis Neiße ange- stellt hat und in der ,Reißer Zeitung' veröffentlicht. Danach fehlen in dem genannten Kreise Reiße allein 1015 Dienstboten. Von gemieteten Dienstboten sind 135 gar nicht angezogen!
+ Von verschiedenen Seiten ist in diesen Tagen berichtet worden, daß Brüssel zum Orte ber. Abhaltung der vom Zaren vorgeschlagenen Ariedens Konferenz ausersehen sei. Rach einer diplomatisch-offiziösen Wiener Zeitungs-Korrespondenz, der politischen Korrespondenz', ist die Auswahl des Ortes noch nicht bestimmt erfolgt. Aber es sei wahrscheinlich, daß Brüssel gewählt werde. Ebenso ist es nach derselben Quelle noch nicht entschieden, ob Rußland den Vatikan offiziell zur Theilnahme an der Berathung einlaben werbe ober nicht. Als Souverän wolle der Zar ben Papst nicht einladen, umJtalien nicht zu beleibigrn(!). Aber der Zar sei überzeugt davon, daß des Papstes Stimme schwer in die Wagschale des Friedens falle, und deshalb werbe der Zar vielleicht noch in letzter Stunde den Papst persönlich einlaben. Sehr thöricht lieft sich die gleichzeitig zum besten gegebene Anschauung, daß der Papst deswegen nicht als Oberhaupt der katholischen Kirche eig- war leer, der Vogel ausgeflogen, und das obere Ende des Strickes war mit einem starken Knoten an dem Ringe befestigt, den man zur Ankettung störrischer Gefangener im Thurmgelaffe angebracht hatte. Dec Wächter raufte sein Haar, es sei um fein Brod geschehen! dabei befeuerte er, daß er an der ganzen Sache unschuldig sei, wie ein neugeborenes Kind. Während die Stadtknechte sortliesen, um weitere Meldung zu machen, kleidete der Wächter sich rasch an, und weckte seine Tochter, die er unter Fluchen und Jammern beschuldigte, sie müsse dabei die Hand im Spiele gehabt haben, was jene natürlich mit vollem Rechte weinend in Abrede stellte. Endlich hieß der Vater sie die Laterne nehmen und mit ihm hinaufgehen, um nochmals die Zelle gründlich zu untersuchen.
Käthe mußte in alle Winkel leuchten.
„Halt!" schrie der Thurinwachter plötzlich, indem er einen Krug emporhielt. „Woher kommt dieser Krug? ... ES war Wein drin!" polterte er weiter, nachdem er die Rase in das Gesäß gesteckt. „Woher kommt dieser Wein? Den hast Du... "
Er erhob seine Hand zum Schlage gegen das Mädchen, aber dieses, welches bei dem ersten Griffe nach dem Kruge eine solche Entwickelung vorausgesehen, war darauf gefaßt. Es hatte sich an die Thüre zurückgezogen und die Laterne vor sich auf den Boden gestellt; jetzt sprang es hinaus, und leichtfüßig wie ein Reh die Treppe hinunter.
„Ja, lauf' Du nur," rief der Vater ihr nach; „wenn Deine Beine auch flinker sind. Deiner Strafe entläufst Du doch nicht! Warte nur!
geladen werden könne, weil dann auch — die Oberhäupter der griechischen, anglikanischen und — — — jüd.schen Kirche eingelaben werden müßten! Wenn es nicht unzweifelhaft feststände, sollte man es gar nicht glauben, daß die Hochweise Diplomatie zu so ungeheuerlichen Vergleichen gelangen könnte. Die katholischen Mächteaber sollten ihr Aeußerstes aufbieten, um diesem unwürdigen Spiele ein Ende zu machen und dem hl. Vater zu dem Rechte zu verhelfen, das ihm gebührt als einem von allen Staaten durch rechts- giltige Verträge anerkannten Souverän.
X Ein italienisches Blatt, von dem allgemein angenommen wird, daß es in engen Beziehungen zu der italienischen Regierung steht, bringt die Aufsehen erregende Meldung, daß das ganze Aomver» Attentat von Alexandria in das Reich ber gabel zu verweisen sei. Es ist dies das Blatt ,Don ChiSciotte', und der Meldung wird ausdrücklich die Kennzeichnung hinzugefügt, daß sie aus ber Umgebung des italienischen Ministers des Aenßern, Canevaro, stamme. Gleichzeitig wird ans Kairo berichtet, daß alle die Italiener, welche wegen dieses Bomben-Atten« tates verhaftet worden waren, ohne Ausnahme wieder entlassen worden seien, da jeder Verdacht gegen sie als unbegründet sich erwiesen habe und. die Leute nicht einmal Anarchisten seien. Die Bomben, so behauptet,Don ChiSciotte', seien von einem Polizeispitzel verfertigt und in daS Kaffeehaus des Italieners Ugo Parrini verschleppt worden. Roch vor wenigen Tagen sagte Herr Minister Freiherr v. d. Recke im preußischen Abgeordnetenhause: „Dieser ganzen Angelegenheit liege ein sehr ernstes Faktum zu Grunde." Aller Wahrscheinlichkeit nach werde die Sache demnächst dem Schwurgerichte in Ancona überwiesen werden. Angesichts dieser höchst sonderbaren Widersprüche zollte doch so bald wie nur irgend möglich eine amtliche Klarstellung der ganzen unerquicklichen Angelegenheit erfolgen. Sonst kann gar zu leicht in weiten Volkskreisen der häßliche Argwohn entstehen, daß ein preußischer Minister sich dazu hergebe, einen begangenen Fehler absichtlich zu verschleiern, um nicht zugeben zu müssen, daß die öffentliche Meinung in schmählicher Weise irre geführt worden fei. Daß ein preußischer Minister sich nicht mit Absicht dazu hergeben wird, davon sind wir überzeugt. Aber desto mehr ist es nöthig, daß dies auch vor ber Oeffentlichkeit nicht mehr dem leisesten Zweifel unterliege. Das genannte halbamtliche italienische Blatt aber spricht geradezu seine Verwunderung darüber aus, daß ein preußischer Minister Lügen der englischen Polizei bestätige. Und gegen solche Verdächtigungen müsse geharnischte und klare Abwehr erfolgen.
* Für die Offiziere, die im Wege der Verabschiedung ober bes Ausscheidens unter Stellung zur Disposition zur Entlassung kommen, dürfen in Zukunft im Bereiche der Marine- Verwaltung Kijaraklerehrnngen nur dann beantragt werden, wenn ber Betreffende zum ältesten Dritttheil der Offiziere derjenigen Charge gehört, die er inne hat. Für die zum Beurlaubtenstande übertretenden Offiziere ist eine Charakterhöhung nur zulässig, wenn der Betreffende der Ae Hefte im Dienstgrade ist.
Womit einer gesündigt, damit soll er gezüchtigt werden!"
Während er diese Worte im Tone verbissenen Aergers halb vor sich hinflüsterte, schnitt er das obere mit mehreren Knoten versehene Ende deS Strickes ab, nahm seine Laterne und ging bedächtig die Treppe hinunter.
„Käthe," rief er unten und spuckte sich in die Hand, worin er den Strick hielt; „Käthe, jetzt komm' einmal her!"
Aber Käthe kam nicht. Als sie auf fein mehrmaliges Rufen nicht erschien, begann er zu suchen; aber er sand nichts, als die zur Straße führende offene Thüre. Käthe mußte das Haus verlassen haben.
„Sie wird schon zurückkommen," sagte er sich und schloß die ThurmthÜre zu.
Indessen wurde es den Stadtknechten auf der Wachtstube des Rathhauses sehr unheimlich zu Muthe. Dadurch, daß der Gefangene wirklich entflohen, bekam der Streit auf dem Rathhausplatze eine sehr unangenehme Seite. Man hatte ihnen zugerufen, und statt dem Rufe Folge zu leisten und nachzusehen, hatte einer dem Warner einen Faustschlag versetzt. Auf den Unglücklichen, der sich diesen schnöben Mißgriff gestattete, wurde nun alle Schuld gehäuft. Er saß mit sauertöpfiger Miene da, eine strenge Strafe erwartend.
Plötzlich erinnerte man sich auch der beiden Gefangenen, welche man in jener unheimlichen Schlacht gemacht hatte.
„Wir wollen sie wieder loslaffen," meinte der Eine.