FuldaerMZeitung
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mit Nnterhattungs-Beikage „Ilkustrirte Sonntags-Zeitungs petersgaffc Nr. » (Larmonie).
M 21.
JuLda, Donnerstag, den 26. Januar 1899.
26. Jahrgang.
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Fuldaer Zeitung
nebst der Wochenbeilage ,Jll«strirte Sonntags-Zeitungs für die Monate Ievrnar «nd März werden zu jeder Zeit von allen Postanstalten, den Landbriefträgem, Zeitungsträgem sowie in unserer Expedition (Harmonie) zum Preise von 1 Mark angenommen.
O Die Etats-Debatte im preußischen Abgeordnetenhause
ist es werth, daß man ihr einen kleinen Rückblick widmet; und geschähe dieses auch einzig und allein nur wegen der merkwürdigen Rede des Ministers des Innern, Herrn Freiherrn von der Recke! Ter Herr Minister hat es fertig bekommen, sich Widersprüche zu holen bei sämmt- lichen, aber auch wirklich sämmtlichen Parteien des Hauses, und sogar die Redner der freikonservativen und konservativen Partei, die Herren Freiherr von Zedlitz und von Heyde- brand und von der Lasa, sahen sich ge- nöthigt, die verfassungsmäßigen Rechte des Parlamentes gegen die Uebergriffe des Herrn Ministers zu wahren. Und das alles geschah durch eine Rede, auf die der Herr Minister sich zwei Tage lang vorbereiten konnte, da er es vorgezogen hatte, Herrn Eugen Richter nicht sogleich zu antworten, um — gleich am ersten Tage „die Ministerreven nicht gar zu sehr zu häufen!"
Den einstimmigen Widerspruch des Hauses hat der Herr Minister namentlich durch die Art und Weise erregt, wie er die Frage von der Bestätigung oder vielmehr noch nicht erfolgten Bestätigung des Berliner Oberbürgermeisters behandelte. Herr Richter hatte es, und mit Recht, getadelt, daß die Entscheidung der Regierung über die Berliner Oberbürgermeisterwahl noch immer nicht erfolgt ist: diese Wahl hat nämlich schon im Juni 1898 stattgesunden. Und darauf antwortete der Herr Minister nach zweitägiger Ueberlegung: „Die allerhöchste Entscheidung steht noch aus. Mag sie nun so oder so ausfallen, jedenfalls unterliegt sie nicht der Kritik des hohen Hauses."
Der lebhafte Widerspruch, der sich sofort von allen Seiten gegen diese Aeußerung erhob, zeigte dem Herrn Minister sogleich, daß er sich mit seinen Auffassungen weit ab von den richtigen und verfassungsmäßigen Wege befindet; und die folgenden Tage haben darüber hoffentlich keinen Zweifel mehr gelassen. Die Schuld an der Verzögerung liegt doch sicherlich in den Kreisen der Regierung, in den Kreisen, denen der Herr Minister selbst angehört. Herr v. d. Recke aber sprach mit augenscheinlicher Absichtlichkeit von einer „allerhöchsten Entscheidung" und erwecke dadurch den Anschein, daß er sich mit der Autorität des Monarchen decken wollte. An und für sich fordert ein solches Verfahren die
Feder, Lchwert nni Fackel.
Sine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.
Von Philipp Wasserburg (Laicus).
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Die beiden anderen Stadtknechte gedachten aber keineswegs ihren Kameraden im Stiche zu lassen, und unser Magdeburger Bürger und Zünftler sah sich plötzlich von drei Seiten angegriffen und polizeilich bearbeitet.
„Mordio! Hilfe!" schrie der Geprügelte aus Leibeskräften.
„Hört!" sprach Mansfeld, „da kommt schon die Gestalt des Flüchtlings in Sicht. Ihr werdet jetzt schon mit ihm zurecht kommen; gebt mir Euren Stock! Das halt' ich nicht aus!"
„Aber was wollt Ihr? Junker!"
„Der dumme Kerl hält' uns zwar den Spaß verdorben, aber die Knechte verdienen Prügel!" v _
Inzwischen hatte der Jüngling bereits die Klinge der Hellebarde abgeschraubt, und eilte in demselben Augenblicke nach der Mitte des Rathhausplatzes, als Gilden das Seil losließ und auf die Straße sprang.
„Gottes Lohn über Euch," sprach der Befreite, indem er Gilbert die Hand bot, „ich kenne Euch nicht. . . ."
„Ist auch nicht von Nöthen," unterbrach ihn Gumbert. „Aber rasch fort!"
Beide verschwanden im Dunkel des Nebengäßchens.
„KenntJhr das Haus des Kaufherren Locana?"
Kritik heraus. Dann aber läuft es geradezu der Verfaffung zuwider. Der Herr Minister hat, wenn eine solche Entscheidung fällt, dieselbe gegenzuzeichnen, und damit geht dieVerantwortung dafür, wie so ziemlich wohl jeder volljährige Staatsbürger ganz genau weiß, auf den gegenzeichnenden Mitt ist er über. Durch diese Gegenzeichnung wird die Krone jeder Verantwortlichkeit entbunden, und Jedermann im Staate gewinnt dadurch das Recht der Kritik, das Parlament, die Presse, jeder Staatsbürger. Daß sogar konservative Redner aufstanden, um gegen die verfassungswidrige Anschauung des Herrn Ministers Widerspruch zu erheben, möge diesem das beste Zeichen dafür sein, daß er sich mit seinen Anschauungen im Widerspruche befindet mit der Gesammtheit der Nation — ohne Zweifel kein angenehmes Bewußtsein für einen Minister. Noch unangenehmer muß es für ihn sein, wenn er sich nachweisen lasten muß, daß er sich in unmittelbarem Widerspruche befindet mit der Staatsverfassung und mit dem öffentlichen Rechte.
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Deutsches Deich*
Berlin, 25. Januar.
0 Die Streitigkeiten auf den Samoa-I» sek« lenken das allgemeine Interesse erneut auf dieselben hin, namentlich auf die wirthschaftlichen Verhältnisse dort. Die Deutschen sind auf den Samoa-Inseln jedenfalls am stärksten vertreten. Der deutsche Landbesitz beträgt dort 30 375 Hektare, davon 3200 Hektare mit 2000 Arbeitern in Kultur. Die Engländer besitzen noch die Hälfte, die Amerikaner etwa nur ein Viertel so viel wie die Deutschen. Diesen Verhältnissen würde es entsprechen, wenn die drei betheiligten Mächte auf den Vorschlag sich einigen würden, den, wie man sagt, die Vereinigten Staaten machen wollen: nämlich die Samoa- Inseln so zu theilen, daß die größte Insel Upolu mit der Hauptstadt Apia an Deutschland fiele, Tutuila an Nordamerika und Sawaii an England. Nach einem anderen Berichte geht der Grundgedanke der Theilung von Deutschland aus und erst der Vorschlag dieser Art der Vertheilung von Nordamerika.
* Die preußische Staatsschuld ist in dem Etat für 1899 auf 6,505,650,595 Mk. angewachsen. Da für 1899 ein neuer Zinsbedarf von 3‘/a Millionen ausgeworfen ist „zur Verzinsung der bis zum Schluffe des Etatsjahres 1899 noch auszugebenden Staatsschuldverschrei- bungen", so nimmt die ,Freis. Ztg/ an, daß demnächst noch für mehr als 100 Millionen neue Anleihen ausgenommen werden sollen.
Der Ausschuß des „Vereins der Spiritus- Fabrikanten Deutschlands" hat am Abend des letzten Dienstag in Berlin eine Vorbesprechung abgehalten, um in den Grundzügen den Plan festzustellen, von dem man sich eine sehr vortheil- hasle Kevuug der Spiritus - Industrie verspricht. Mehrfach ist in dielen Tagen schon in den Zeitungen von diesem Plane die Rede gewesen, auch wohl unter der Bezeichnung eines „Spiritus-Monopols". In den Hauptsachen handelt es sich dabei um einen Verband von Brennern, dem alle Brennereien beitreten sollen.
fragte Gumbert flüsternd, während sie eilig durch die Nacht dahin schritten.
„Gewiß!" flüsterte Gilden.
„Wohl; sollten wir getrennt werden, dort findet Ihr für diese Nacht eine Zuflucht."
„Locana! sagt Ihr?" fragte Gilden überrascht.
„Und wenn wir uns nicht mehr sehen sollten, so wisset, daß die Tochter Euch heimzahlt, was Ihr dem Vater gethan. Jetzt kennt Ihr Euren Befreier. . ."
„Bei Gott — dann seid Ihr. . ."
„Das gehört nicht hierher!"
Immer noch hörte man das Getöse der Keilerei auf dem Rathhausplatze, welche durch die Dazwischenkunft Mansfeld's an Umfang und Entschiedenheit zugenommen zu haben schien. Einstweilen mangelten Zeit und Umstände, um die Gegend des Thurmes und die Zelle des Gefangenen zu untersuchen, und so entkamen die Flüchtlinge unbehelligt in die Wohnung des Kaufherrn.
Locana war nicht wenig überrascht, als er gewahr wurde, welches Werk seine Tochter nicht nur angestiftet, sondern auch auszuführen geholfen hatte. Seinem ängstlich gewordenen Gemüthe war die Sache sehr unangenehm, aber man konnte Gilden unmöglich die Thüre weisen, nachdem er einmal in das Haus eingetreten war.
Gerda bekam, als die beiden Männer glücklich in einem Verstecke geborgen waren, eine lange Strafpredigt zu hören, die unter ihren Schmeicheleien mehr und mehr vergrollte. Im Grunde hätte ihm die Sache vom Anfang an sehr wohl gefallen, wenn nur schon alles gut abgelaufen gewesen wäre.
die der neuen Gesellschaft ihren Spiritus zur Verwerthung übergeben wollen. Diese neue Gesellschaft, deren Hauptzweck natürlich der ist, ^die gedrückten Spirituspreise zu heben, soll sich zusammensetzen aus „Spiritus - Fabrikanten", das heißt aus solchen, die Spiritus reinigen und in den Handel bringen. Man hat es bei dieser neuen Gesellschaft also mit einem Händler-Ringe zu thun. Die neue Gesellschaft stellt das Betriebs-Kapital, übernimmt die Bürgschaft für etwa entstehende Verluste, die Reinigung und den Handelsvertrieb der Waare und soll dafür bestimmte Antheile vom Gewinn erhalten. Wie berichtet wird, soll die Sache aber so eingerichtet werden, daß bei schlechten Preisen für die Brenner auch die Spritfabrikanten keinen Nutzen mehr haben sollen; und überhaupt wird betheuert, daß die Gesellschaft so arbeiten wolle, daß das Interesse der Fabrikanten mit dem Jntereffe der landwirthschaftlichen Brennereien in Zukunft Hand in Hand gehen solle. So wird zunächst versichert. Ob die Versicherungen den Thatsachen entsprechen werden, wird sich ja bald genug zeigen.
+ In Halle a. S. hat man mit dem dort errichteten Kor«Ha«se recht günstige Erfahrungen gemacht, und fo plant man nun auch in Mühlhausen i. Th. die Errichtung eines solchen Kornlagerhauses, in der Provinz Sachsen in mehreren Städten, so in Nordhausen, Magdeburg, Schönbeck, Wittenberg und Torgau. Das Kornhaus in Nordhausen soll demnächst eröffnet werden und soll einen Vorrath von 36 000 Centnern Korn fassen. In Worbis, ebenfalls in der Provinz Sachsen, wird ein Lagerhaus für Hafer errichtet.
X Der allgemeine preußische Slädletag hat sich am letzten Dienstag mit der Frage der Fleischversorgung der Städte beschäftigt. Es lag ein scharfer Antrag der Stadt Berlin vor, deffen Wortlaut von dem überwundenen Standpunkte ausging, daß Deutschland unter einer Fleischnoth zu leiden habe. Dieser Antrag ist aber nicht zum Beschluffe erhoben worden. Vielmehr hat man sich dann auf eine Resolution geeinigt-, die gemeinschaftlich von den Oberbürgermeistern von Kiel (Fuß) und Danzig vorgeschlagen war. In dieser Resolution wird ausdrücklich die Nothwendigkeit von Maßregeln zur Abwehr der Seuchengefahr anerkannt und ebenso der baldigen und strengen Durchführung einer strengen Fleischbeschau. Es wird darin nur darum gebeten, die zulässigen Sperrmaßregeln im Interesse der Fleischversorgung der Städte in dringenven Nothfällen anzuwenden. Außerdem hat sich der Städtetag auch mit der Frage beschäftigt, wie das Kleingewerbe gegen die Waaren- häuser zu schützen ski. Im Allgemeinen war das Verhallen der Versammlung zu dieser Frage ziemlich kühl; aber auch diese Versammlung erkannte an, daß das Kleingewerbe gegenwärtig sich in einer Nothlage befinde gegenüber den Waarenhäusern. Einer der Redner, Herr Beigeordneter Piecq aus Köln, meinte, „rm großen und ganzen erkenne er diejenige Resolution an, die erkläre, daß überhaupt nichts zu machen sei". Aber zur Ehre der Versammlung nahmen die übrigen Redner doch einen ernsthafteren Standpunkt zu dieser Frage ein; namentlich Stadtv?r-
Noch kündete kaum im Osten ein Heller Streif, daß der Morgen heraufzudämmern beginne, so erhob sich Gumbert von seinem Lager, das er sich zwischen hohen Waarenballen im Magazine Locana's zurecht gemacht. Wie ein gebadeter Pudel das Wasser, so schüttelte er die Strohhalme ab, die an seinen Kleidern hingen; dann tastete er umher, bis er das Gesuchte gefunden: er schlug Feuer und machte Licht.
„Herr Gilden!" rief er leise.
„Hier bin ich!" antwortete augenblicklich eine Stimme, und des Gerufenen Oberkörper tauchte zwischen zwei Baumwollenballen auf. „Was soll's geben?"
„Wir müssen fort."
„Wohin?"
„Ich gehe nach Halberstadt. Wollt Ihr mit? Hier bleiben könnt Ihr doch auf keinen Fall."
„Ich muß erst heim, mein Haus bestellen, mich mit Mitteln versehen . . ."
„Um dann wieder auf dem Tburm Quartier zu nehmen," ergänzte Gumbert lachend. „Nein, mein Bester! Ihr möget gehen, wohin Ihr wollt, nur an einen Ort nicht, nämlich nach Hause."
„Bedenkt, ich bin ganz ohne Mittel . . ." „Dafür ist gesorgt."
„Ich bin Euch schon zu viel verpflichtet."
„Ihr werdet mit einem Eurer Leute Rücksprache nehmen können."
„Dann ist Alles in Ordnung. Verfügt weiter über mich, Herr!"
„Statten wir uns vor Allem heraus, daß wir durch das Thor kommen."
„Jedes Kind in Magdeburg kennt mich!"
ordneter Sombart aus Magdeburg wies darauf hin, wie übel es dem Städletag ausgelegt werden würde, wenn er sich in dieser Frage bankerott erklären wollte; besonders in den Provinzstädten bedeuteten die Waarenhäuser eine kapitalistische Vergewaltigung, dort gehe man durch die Waarenhäuser dem wirthschaftlichen Anarchismus entgegen. Dasselbe lasse sich auch von den Konsumvereinen sagen. Schließlich nahm der Städtetag eine Resolution Adickes-Bender an, die besagt: die Gesetzgebung könne nicht die Entwickelung derKleinhandels-Großbetriebe bekämpfen; aber entsprechend der Leistungsfähigkeit müsse die gewerbliche Steuer umgestaltet und die Ausführung alsdann den Städten überlassen werden; der Staat müsse jeder steuerlichen Bevorzugung Cer Genossenschaften und der Kleinhandels-Großbetriebe vorbeugen.
Aus dem Reichstage.
18. Sitzung vom 25. Januar.
Wer gemeint hatte, es würde heute bei der Be- rathung des Aenlrnms-Antrages auf Beseitigung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuit«« „nichts los" sein, der fühlte sich durch den Verlauf der Berathung stark enttäuscht; aber nicht angenehm enttäuscht. Es wehte wieder einmal etwas wie Kulturkampfsluft durch den Reichstag: eine Kulturkampfstruppe, zusammengesetzt auS den Freikonservativen und je einem Theile der Nationalliberalen und Konservativen lehnte sich scharf gegen jede Aenderung an dem schmachvollen Ausnahmegesetze gegen die Jesuiten auf, und als Renommirredner dieser Truppe, die nun einmal nichts lernen und nichts vergessen kann, schlug der württembergische nationalliberale Abgeordnete Hieb er eine so scharfe Tonart an, daß man sich im Geiste zurückversetzt glauben konnte in jene traurige Zeit vor 25 Jahren, in der Hader im deutschen Volke brannte um der Religion willen und katholische Priester verfolgt und mit Gefängniß bedroht und „bestraft" wurden, weil sie ihrer Priesterpflicht treu blieben. Am Tische des Bundesrathes aber waren alle Stühle — leer!
Außer dem Centrums-Antrage („Graf Hompesch und Genossen", auf Aufhebung des Jesuitengesetzes, standen noch zur Berathung die beiden der Sache nach genau mit einander übereinstimmenden Anträge der Abgg. Graf Limburg-Stirum (kons.) und Rickert (freis. Verein.), die wenigstens den zweiten Paragraphen des Jesuitengesetzes aufgehoben wissen wollen. Es ist dies der sogenannte Expatriirungs- und Jnternirungs-Paragraph, der den Jesuiten ihren Aufenthaltsort anweifen und sie ohne weitere Begründung außer Landes verweisen kann.
Abg. Hraf Hompesch weist in seiner Begründung darauf hin, daß die Anträge, die heute vorliegen, schon mehrfach den Reichstag beschäftigt haben. Aber noch niemals hat der Bundesrath zu einer Entschließung darüber kommen können. Es scheint, als befinde er sich in Verlegenheit darüber, in einer Lage, die ihm eine Entschließung unmöglich macht. Deswegen hat das Centrum nun seinen Antrag von neuem eingebracht. Vielleicht werde, wenn dieser Antrag von neuem angenommen sei, alsdann endlich der Bundesrath Farbe bekennen. Das Centrum wird in erster Linie für seinen Antrag einstehen. Aber es wird auch für die beiden anderen Anträge eintreten, obwohl es in diesen nur einen schwachen Nothbehelf erblicken kann. Der Reichstag möge doch aber seinen Vorgängern nicht nachstehen, sondern lieber den Centrumsantrag annehmen.
Abg. IiiLert (freis. Ver.) erklärt, seine Freunde könnten für den Antrag Hompesch nicht stimmen, und bittet um Annahme seines Antrages, um „die größten Härten des Jesuitengesetzes" zu beseitigen.
Abg. Hraf KimvurgStirnm (kons.) meint, in der gänzlichen Aufhebung des Jesuitengesetzes würde eine Gefährdung, nicht eine Förderung des konfessionellen Friedens liegen, und befürwortet seinen Antrag. Denn ihm graut vor dem Wiederausbruche des Kulturkampfes, und der zweite Paragraph des Ausnahmegesetzes ist
„Das dachte ich auch," bemerkte Gumbert, der inzwischen etwas Wasser in eine zinnerne Schüssel gegossen und dann einen Klumpen roth- gelber Erde zerrieb, so daß der Sand in die Schüssel fiel. Das ganze knetete er zu einem ziemlich steifen Brei.
Gilden schaute verwundert zu, wie Gumbert seine Tuchjacke ablegte, und sich die Aermel des Hemdes ausschürzte.
„Thut wie ich, Herr Oberbürgermeister; reibt Arme, Hals und Gesicht tüchtig mit Ocker ein, dann nehmt Ihr diese Theerjacke statt Eurer sammtnen und zieht über Eure Strümpfe diese Wasserstiefel an."
Dabei wies Gumbert auf die bereitliegcnben Kleidungsstücke, und begann sich selbst gleichzeitig in einen von Sturm und Wetter gebräunten Fischer zu verwandeln. Gilden folgte ohne Zögern seinem Beispiele.
„Jetzt lasset mich Euren Bart kürzen, und nehmt diese blonde Perrücke mit langem Bart; ich bin überzeugt, Eure Mutter würde nicht mehr wissen, woran sie mit Euch fei."
Gumbert sprach nicht zu viel. Niemand hatte in der schmutzigen Theerjacke den vor Kurzem noch regierenden Bürgermeister von Magdeburg erkannt,
„Kommt," flüsterte Gumbert und öffnete ein wenig das nach dem Hofe führende Thor. Dann verlöschte er b:e Kerze. Beide traten in den Hofraum, wo kaum die nächsten Gegenstände zu unterscheiden waren.
Am Brunnenstock lehnte eine dunkle Gestalt, die sich alsbald loslöste und den Flüchtlingen näher trat.