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KuIdaerMZeitung

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für Iris^ate^I. parzeller in Lnlda. Ultf ) peterszasse Nr. 2 (Larmonie).

M 19.

Julda, Dienstag, den 24. Januar 1899.

26. Jahrgang.

um die andere schlagen zu hören, und er be­gleitete fast mechanisch den letzten Ton der Glocke mit dem Witze: „Wieder eine ins Meer der Ewigkeit!" Die ersten paar Tage hatte er auf eine Untersuchung, eine Anklage gehofft. Das wäre ein Wechsel, eine Aufregung gewesen; Er- eigniffe hätten sich gefolgt; man hätte die ver­rinnende Zeit gefühlt. Aber es kam nichts. Um die nämliche Zeit erschien der nämliche Wärter mit der nämlichen knappen Nahrung, die er auf die nämliche Stelle des Tisches setzte, worauf er mit dem nämlichen Schweigen die Zelle verließ. Für Gilden schien bereits die Ewigkeit heran­gebrochen zu sein.

Und jetzt? Mit welcher Gier zählte er die Stunden; jeder Schlag schien in seinem Gehirne zu tönen; alles vibrirte an ihm. Das letzte Treiben der Stadt erstarb allmälich, das Schweigen der Nacht lagerte über ihr.

Und da oben stand der Gefangene an seinem Fenster und spähte hinaus auf den Rathhaus­platz, woher ihm Hilfe, jedenfalls irgend ein Er- eigniß kommen sollte, welches das Emerlei unter­brach.

Auf dem Platze herrschte tiefes Dunkel, denn damals dachte Niemand daran, die Städte zu. beleuchten; der Bürger ging früh zu Bette, und wer zur Zeit der Nacht seine Wohnung verließ, der trug eine Laterne.

Siehe, da kamen Leute mit Laternen; sie gingen die Breitegaffe hinauf und hinunter; die ersehnte rothe Laterne erschien nicht! Sie konnte auch nicht erscheinen, es h.tte ja eben erst zehn Uhr geschlagen.

(Fortsetzung folgt.)

<5 Das neue Bank-Gesetz ist, wie berichtet, am letzten Donnerstag vom Bundesrathe erledigt worden und am Samstag darauf dem Reichstage zugegangen. Vorlage be­treffend Abänderung des Reichsbankgesetzes vom 14. März 1875 lautet die amtliche Bezeichnung.

Schon früher sind einige wesentliche Bestimm­ungen aus diesem Gesetzentwürfe mitgetheilt worden, und schon aus diesen einzelnen Mittheilungen konnte man ersehen, daß mit der Ausarbeitung dieser Vorlage die verbündeten Regierungen nicht den Wünschen entgegengekommen sind, die man im Bunde der Landwirthe und in verwandten Kreisen hegt. In diesen Kreisen wünschte man, daß entweder das Reich seinen Vertrag mit der Reichsbank kündigen, oder aber der Betrieb der Reichsbank auf eigene Regie übernehmen sollte. Der vorliegende Gesetzentwurf steht weder das eine noch das andere vor; vielmehr bleibt auch nach der neuen Vorlage in dem Verhältnisse zwischen Reich und Reichsbank alles beim alten. Dieses Verhältniß würde sogar durch die Annahme des Gesetzentwurfes noch mehr gefestigt werden.

Die erste wichtige Aenderung, die der Gesetz­entwurf anstrebt, ist eine Erhöhung des Stammkapitals der Reichsbank von 120 auf 150 Millionen Mark. Gleichzeitig wird eine allmähliche Erhöhung des Reservefonds bis zu zwei Fünfteln des vermehrten Grundkapitals, also bis auf 60 Millionen Mark vorgeschlagen. Diese Erhöhung des Reservefonds soll die Reichs­bank fähig dazu machen, auch bei fernerem starkem Anwachsen der Bank allen nur immer möglichen Anforderungen zu genügen, ohne den Gewinn- antheil des Reiches zu schmälern. Durch diese Maßnahme wird gleichzeitig der Vortheil der Antheils eigner gewahrt im Interesse einer bessern Dividende dieser letzteren.

Außerdem wird, und das ist der zweite Haupt­punkt in der Bank-Vorlage, die Summe der steuerfreien ungedeckten Noten, die der Reichsbank zugewiesen ist, nicht mehr als genügend hoch angesehen, obwohl diese Summe gegen­wärtig schon mehr als 293 Millionen Mark be­trägt. Ehedem nahm man an, der gesammte Umlauf deutscher Banknoten werde die Summe von einer Milliarde Mark nicht überschreiten; aber der Notenumlauf der Reichsbank allein hat sich während der Jahre von 1895 bis 1898 im Durchschnitte bis auf 1097 Millionen Mark er­höht, und deswegen — so ist die Anschauung der Reichsregierung — will die Vorlage das steuerfreie Notenkontingent der Reichsbank von 290 auf 400 Millionen Mark erhöht wissen. Nach den Grundsätzen, die dieser Gesetzentwurf vertritt, soll dieser Betrag bemessen sein nach der Berechnung, die man auch früher für die Be­messung des steuerfreien Notenkontingentes zu Grunde gelegt hatte. Die Regierung hofft, mit dieser neuen Bemessung des Notenkontingentes auch allen Ansprüchen zu genügen, die an die Reichsbank gestellt werden könnten, und damit allen Beunruhigungen des Publikums und des Geldmarktes vorzubeugen.

Nach dem Artikel 2 des Gesetzes soll aus dem Reingewinne der Reichsbank beim Jahres­schluffe zunächst den Antheilseignern eine Divi-

Feder, Lchmrt und Fackel.

Sine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

30 ------ (Nachdruck verboten.)

Das Mädchen ging, und Gilden griff mit einer gewiffen Unruhe nach dem Meffer, den ge­bratenen Hahn zu zerlegen. Bei dem ersten Schnitt in die Bauchhöhle des Thieres stieß er mit dem Messer auf einen fremden Gegenstand.

„Halt!" murmelte er plötzlich, während er sein Blut zu Kopf steigen fühlte; „das Füllsel müssen wrr vorsichtig zu Tage fördern!"

Er vergrößerte den Schnitt, riß die beiden Lappen weit auseinander, und fand ein winziges Päckchen, welches in Schweinsblase eingenäht war. Hurtig riß er es heraus und trat an die Fensteröffnung, welche gerade noch so viel Hellig­keit des scheidenden Tages durchließ, um denJn- hatt erkennen und mustern zu können.

Ein vorsichtiger Schnitt öffnete die Blase und zog ein vierfach zusammengefaltetes Papier heraus, auf welchem die Worte standen:

„Wenn Ihr heute Abend um elf Uhr Männer mit einer rothen Laterne über den Rathhaus- platz gehen seht, dann laßt den Bindfaden her­unter."

„Welchen Bindfaden?" fragte er sich. „Halt, der muß noch im Hahn stecken!"

In der Thal fand er einen ziemlich großen Knäuel starker Kordel, welcher die ganze Bauch­höhle des Hahns ausfüllte.

Daß das auf einen Fluchtversuch hinauslief.

den de von 3'/s vom Hundert des Grundkapitals berechnet werden. Sodann soll von dem Mehr­beträge des Gewinnes ein Bruchtheil von 20 v. H. dem Reservefonds zugeschrieben werden, und zwar so lange, bis dieser die int Gesetze vorge­sehene Summe von zwei Fünfteln des Grund­kapitals beträgt. Der hernach noch verbleibende Rest soll zur Hälfte an die Antheilseigner und zur andern Hälfte an die Reichskasse gezahlt wer­den, soweit die Gesammt-Dividende der Antheils­eigner nicht 5 vom Hundert übersteigt. Von dem noch weiter verbleibenden Reste sollen die Antheils­eigner ein Viertel, die Reichskasse drei Viertel er­halten. Sollte der Reingewinn nicht 3'/, vom Hundert des Grundkapitals erreichen, dann ist das Fehlende aus dem Reservefonds zu ersetzen.

Den bisherigen Antheilseignern der Reichsbank ist der Erwerb der neuen Antheilscheine mit der Bedingung anzubieten, daß die Ein­reichung von je vier alten Antheilscheinen zum Bezüge eines neuen Antheilscheines berechtigt. Der Reichskanzler wird ermächtigt, diejenigen neuen Antheilscheine zu vergeben, über die das Bezugsrecht nicht ausgeübt wird. Die Frist, innerhalb deren das Bezugsrecht geltend zu machen ist, bestimmt der Reichskanzler.

Ein besonderer Artikel (Artikel 5) regelt das Verhältniß zu den Privatnotenbanken. Diese sollen sich bis zum 1. Dezember 1899 ver­pflichten, vom 1. Januar 1901 ab nicht unter dem Prozentsätze der Reichsbank zu diskontiren. Im andern Falle soll der Bundesrath befugt sein, von seinem Kündigungsrechte der Befugniß zur Ausgabe von Banknoten Gebrauch zu machen.

Deutsches Deich.

Berlin, 23. Januar.

st Obwohl es doch mitten in der politischen Hauptzeit ist, haben einige Blätter Zeit zu ab­sonderlichen eignen Erfindungen; nämlich zur Er­findung von Gerüchten über eine angeblich von neuem entstandene Kemzkerkrife. Auch ernst­hafte politische Blätter wie der,Hannooer'sche Kurier' befaffen sich mit solchen Phantasiegebilden und mehren dadurch nicht gerade den Ruf ihrer Zuverlässigkeit. Im Ernste kann gegenwärtig von Krisen nicht die Rede sein, am allerwenigsten von einer Kanzler-Krise.

+ Die Vorgänge auf Samoa sind noch nicht klar gestellt. Erfreulich aber ist es, daß man in Nordamerika fortgesetzt mit großer Ruhe über diese Vorgänge urtheilt. Man ist sogar nach den neuesten Meldungen davon zu­rückgekommen, ein Kriegsschiff nach Apia zu ent­senden. Die neue Samoa-Konferenz soll bereits beschlossene Sache sein. Es wird be­richtet, daß dieselbe aus besonderen Vertretern der drei betheiligten Mächte zusammengesetzt werden soll, nicht aus den Botschaftern. Im übrigen nimmt man, wie es heißt, in Aussicht, die Samoa-Inseln unter die drei Mächte Deutsch­land, England und Nordamerika zu vertheilen. Herr v. Holl eben, der deutsche Botschafter in Washington, hat am letzten Samstag dem nord­amerikanischen Staatssekretär des Auswärtigen zwei wichtige Berliner diplomatische Depeschen überreicht und alsdann im Anschlüsse daran eine

war ihm vollständig klar. Aber wer mochte das sein? Er zerbrach sich vergeblich den Kopf. Er hatte ja als Bürgermeister der Freunde viele ge­habt. Aber die Handschrift war ihm gänzlich fremd. Und wärs ein Freund gewesen, gewiß hätte er irgend etwas beigefügt, woran er ihn zu erkennen vermochte.

Aber konnte sich denn nicht noch etwas finden? Mit einem Eifer, als ob der grimmigste Hunger in seinen Eingeweiden wühlte, warf er sich auf den Hahn und zerlegte denselben — er fand nichts mehr. Er riß das Brod in kleine Fetzen, ob nichts hineingebacken war; das Brod war Brod und nur Brod; und der Wein war ein gutes Getränke, aber im Kmge befand sich sonst nichts.

Aus's Neue hörte man die leichten Schritte des Mädchens auf der Treppe. Hastig steckte Gilden das Papier und den Knäuel zu sich, und begann zu effen. Das Mädchen trat ein.

„Nun, edler Herr; seid Ihr fertig? Ich fürchte, der Vater kommt!"

„Sage, liebes Käthchen," fragte Gilden, „hat Dir die gute Dame nicht noch etwas für mich gegeben?"

„Mein Herr!" entgegnete das Mädchen ver­letzt. „Glaubt Ihr, ich behalte von dem, was Euch bestimmt ist, etwas zurück?"

„Sei nicht erzürnt, mein liebes Käthchen," be­merkte Gilden, sie unterbrechend. „So meine ich es nicht. Gewiß, ich wollte Dich nicht verletzen; aber ich meine ein Andenken, ein Geschenk, viel­leicht ein Briefchen, irgend etwas, woran ich er­kennen kann, wer die gute Dame war."

„Nichts von alledem, Herr," antwortete Käthe,

lange Unterredung mit demselben gehabt. Allge­mein erwartet man eine friedliche Beilegung des Falles.

* Aus dem aktive« Keere sind neuerdings nach einer Extraausgabe des,Militär-Wochsnbl.' verabschiedet 3 General-Majore, 1 Oberst, 1 Oberst-Leutnant, 3 Majore, 6 Hauptleute oder Rittmeister, 1 Oberst, 9 Leutnants und 3 Fähnriche. Aus dem Beurlaubtenstande sind ausgeschieden 22 Hauptleute oder Rittmeister, 42 Oberleutnants und 22 Leutnants, zusammen also 86 Offiziere. Brandenburg a. H., Menges, Kommandeur der 79. Infanterie-Brigade in Pa­derborn und von Holsteins Kommandeur der 34. Jnfanteriebrigade in Schwerin; General-Major von Weise hat den Charakter als Generalleut­nant erhalten.

0 In einigen Blättern wird berichtet, das 55.Infanterie Ilegimeut solle von Detmold nach Osnabrück verlegt werden. Verhält es sich so, dann würde man darin ohne Zweifel eine neue Maßregelung von Lippe-Detmold zu erblicken haben.

* Das KerrenHans ist gegenwärtig wie folgt zusammengesetzt: Erbliche Mitglieder 72, Inhaber von Kronämtern 3, Kronsyndici 10, aus königlichem Vertrauen 35, Domstifter 3, provinzielle Grafenverbände 8, Familienoerbände 11, alter und befestigter Grundbesitz 87, Landes­universitäten 7 und Städte 44 Vertreter. In Summa ergibt dies 280 Mitglieder, von denen 176 auf die ostelbischen Provinzen entfallen.

“ * Der zweite allgemeine preußische Städte­tag ist heute Vormittag im Rathhause eröffnet worden, wozu 79 Städte geladen sind. Auf der Tagesordnung stehen ein Gesetzentwurf betreffend die Rechtsverhältnisse der Kommunal­beamten, die Fleisch Versorgung der Städte und Schutz des Kleingewerbes gegen Waarenhäuser. Der Vorsitzende Oberbürger­meister Becker-Köln gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung des Heimganges des Fürsten Bis­marck. Der Städtetag beschloß zunächst dem Beschlüsse des hannoverschen Provinzial-Städte- tages beizutreten, die Staatsregierung zu ersuchen, von der Ueberweisung der ganzen Wasserbau- verwaltung an das Landwirthschaftsministerium Abstand zu nehmen, worauf Stadtrath Mentzel- Breslau zum ersten Punkt der Tagesordnung das Wort ergriff.

* Weimar, 23. Jan. Staatsminister von Groß hat zum 1. April sein Pensionsgesuch eingereicht. Es verlautet, daß der frühere preußische Gesandte hier, Raschdau, als Nachfolger in Aus­sicht genommen sei.

* cholha, 23. Jan. Zur Feier der silb ernen Hochzeit desHerzogs und der Herzogin fand heute Vormittag im Thronsaale des Schlosses ein großer Empfang statt, an welchem besondere Abgesandte der Königin von England, des Prinz­regenten von Bayern, des Großherzogs von Oldenburg, der Herzöge von Sachsen-Meiningen und von Sachsen-Altenburg, des Königs von Rumänien und des Prinzen von Wales, sowie die diplomatischen Vertreter der auswärtigen Staaten, Vertreter des herzoglichen Staatsmini­steriums, des Landtages, der Universität Jena u. A. theilnahmen. Die Stadt Gotha prangte indem sie die vorhandenen Ueöerbleibsel in den Korb räumte. „Ich bringe es Euch morgen früh, wenn der Vater auf dem Rathhause ist, wieder. Es ist immer noch eine gute Mahlzeit."

„Ja, Käthchen, thue das!" sagte Gilden lächelnd. „Was hat denn die Dame alles gesagt?"

„Das habe ich Euch vorhin mitgetheilt, sonst sprach sie nichts. Aber mit meinem Vater hat sie lange gesprochen. Er weiß wohl, wer sie ift Ich will ihn fragen. Warum sollte er mir den Namen verheimlichen? und wenn ich ihn weiß, dann will ich ihn Euch morgen nennen "

„Ja, Kind, das thue," meinte der Gefangene gedankenvoll. Ein eigenthümlicher Verdacht war in ihm aufgestiegen.

„Wie, wenn alles eine Schlinge wäre, die man mir ums Haupt zöge?" fragte er sich, während Käthe ihm gute Nacht bot und mit der Laterne und dem Korbe das hochgelegene Gemach verließ.

Aber bald verwarf er wieder diesen Gedanken. „Das Kind ist zu unschuldig," sagte er sich. „Wenn's eine Schlinge wäre, würde sein Vater darum wissen, und sie fürchtete nicht di; Strenge seiner Hand. Und wäre es," sagte er sich endlich, „wer kann es dem Vogel verdenken, wenn er dem schlecht verwahrten Käfig entflieht!"

Um Uebrigen stand es ja ganz bei ihm, wie weit er sich einlassen wollte. Sobald er sich sagte, daß man unehrliches Spiel mit ihm treibe, brauchte er sich nur nicht darauf einzulassen: und schließlich fragte er sich mit einem Seufzer, was er denn eigentlich noch zu verlieren habe?

Im ewigen Einerlei seines Gefängnisses hatte sich Gilden sehr rasch daran gewöhnt, eine Stunde

bereits gestern in reichem Fahnen- und Blumen­schmuck. Vormittags fand ein Festgottesdienst statt. Am Nachmittag wurde von den Gothaer Sängervereinen im Hofe des Schlosses Frieden­stein eine Serenade dargebracht, auf welche ein Fackelzug der Schüler, Vereine und Fabrik­arbeiter, von insgesammt 4000 Personen, folgte. Das Herzogliche Paar nahm mit den Fürstlichen Gästen die Serenade vom Balkon des Schlosses entgegen und ließ auch von hier aus den Fackel­zug defiliren. Abends fand Familiendiner und später Festvorstellung im Hoftheater statt.

"Stuttgart, 23. Jan. Der König er­öffnete heute den Landtag mit einer Thron­rede, in welcher er seine Anerkennung aus­spricht für die Hingebung, welche der Landtag in der ersten Ptriode bewiesen. Der König be­dauert aufrichtig, daß es trotz der aufgewendeten Zeit und Mühe nicht gelungen sei, das von der Regierung unternommene Reformwerk auf den Gebieten des Verfassungswerkes, der Verwaltung und des Steuerwesens zu dem erhofften Abschluß zu bringen. Die Aufgabe der nächsten Periode sei die Feststellung des Staatshaushalts. Die Finanzlage sei günstig, die Ueberschüsse der letzten zwei Jahre gestatteten für die Eisenbahnen und für sonstige außerordentliche Bedürfniffe der Staatsverwaltung Verwendungen zu machen. Die Regulirung der Beamtengehälter und die Besser­stellung der Geistlichen und der Volksschullehrer werde in dem neuen Etat vorgeschlagen werden. Ein Reservefonds der Staatseisenbahnen soll an­gelegt werden. Die Thronrede kündigt sodann weitere Vorlagen an, welche mit dem Bürger!. Gesetzbuche zusammenhängen, sowie eine Anzahl minder wichtiger Vorlagen auf dem Gebiete der Verwaltung und der Besteuerung. Endlich stellt die Thronrede Forderungen zur Verbesserung des Eisenbahnbaues und Eisenbahnbetriebes auf.

Aus dem Reichstage.

•■QP 16. Sitzung vom 23. Januar.

Die zweite Lesung des Etats wird unterbrochen durch die Centrums-Jnterpellation über das Weingesetz. Ehe aber diese an die Reihe kam, wurde noch die erste Berathung des Antrages Rintelen vorgenommen betr. Aenderungen und Ergänzungen des Gerichts­verfassungsgesetzes, der Strafprozeß-Ord­nung und des Strafgesetzbuches, wodurch die Berufung in Strafsachen eingeführt, der Boreid bei Zeugenvernehmungen durch den Nacheid ersetzt und eine Strafe für die Abgabe unrichtiger unbeeideter Zeugenaussagen eingeführt werden soll.

Der Antrag ist ein alter und guter Bekannter aus früheren Sitzungsperioden. Diesmal sprechen, dem Wunsche des Antragsstellers gemäß, sämmtliche Redner für die Ueberweisung des Antrages an eine Kom­mission von 21 Mitgliedern. Es waren dies die Abgg. Malkerma»« (ntl.), Mecüh (freis. Bolksp ), IroHme (Soz.), Graf Aernstorff-Lauenburg (Freikons.) und »iff (wildlib.).

Heroorzuheben ist, daß namentlich der Abgeordnete Aaffermaun den dringenden Wunsch aussprach, die Regierung möge diesmal dem Anträge mehr Entgegen­kommen beweisen, als früher; nachdem im militärischen Strafverfahren die Berufung eingeführt worden ist, sei der abweichende Zustand im Civilverfahren vollkommen haltlos.

Der Antrag wurde dem Wunsche des Antragstellers gemäß an eine Kommission von21Mitgliede rn verwiesen.

Als zweiter Gegenstand der Berathung folgte die bereits erwähnte Centrums - Interpellation betr. das Weingesetz: