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uldaerM Zeitung

26. Jahrgang

Iutda, Samstag, den 21. Januar 1899

Jß. 17

Druck und Verla, der Fuldaer Lcireudruckerei peter»,affe Nr. 2 lLarinouit».

A Aus der Klause des Malddrvders.

Alleweil gehts mit dem Waldbruder schon etwas besser, wenn auch noch nicht alles wieder im alten Geleise ist. Vielleicht hat. das Tränk­lein des guten Oldenburgers so gute Wirkung gethan, vielleicht auch, daß der Krankheit es end­lich leid geworden ist, an dem alten Waldbruder herumzuzerren; sie hat ihm einmal ordentlich mitgespielt und sich jetzt, wie man sagt, ausgetobt. So eine Heimsuchung will eben ihre Zeit haben, da läßt sich mit allen Pülverchen und Mixturen schließlich die Natur nicht aus den Kopf stellen.

den Oberen, frei nur ihren Willen durch keine Rücksicht gehemmt ausüben will, sorgt man nicht, daß die entfeffelten Masten wieder unter dem sanften Joche des lebendigen Christenthums Achtung vor Gott, Achtung vor der Obrigkeit und Achtung vor den Mitmenschen und sich selbst lernen, dann werden sie wie die Natur­gewalt losbrechend mit ehernem Schritt alles zermalmen, was noch von Ordnung besteht auf der Welt. Hat man die göttliche Ordnung ge­stürzt, dann stürzen sie konsequenter Weise die menschliche. Dagegen helfen keine kleinen Mittelchen, keine Quacksalbereien und auch kein dreifach dickes Fell, wie beim Andreas, sondern da muß die Welt, wie der Andreas, eine andere werden. ___________

sie lindern das Nebel wohl, aber das Ende kommt roch erst, wenn's wirklich Zeit dafür.

Da gab es, als der Waldburder noch in die Schule seines Heimathdorfes ging, so einen Erz- strolch, der machte dem alten Schullehrer das Leben recht sauer. Eigentlich bösartig war der Bursche nicht, aber ein Faulpelz und Herum­schwänzer erster Güte. Auch spielte er, wenn er konnte, einem Mitschüler, und wenn es sich machen ließ, sogar dem gefürchteten Herrn Lehrer, einen Schabernack. Unser Lehrer war ein alter, ehrwürdiger Mann, der nicht leicht um seine Ruhe zu bringen war. Der Stock wurde nur wenig gebraucht; bei des Eichelbauern Andreas, so hieß der Bursche, wurde es aber doch hin und wieder nothwendig, die Erziehungskunst durch eine frisch geschnittene Hasel energisch zu unter­stützen. Unser Andreas wußte stets, wenn ein Gewitter am Schulhimmel aufzog, er richtete es ja danach ein." Das Geprügeltwerden war bei ihm etwas so Gewohntes, daß er es ganz gleich- gilrig hinnahm und sich nicht im Geringsten auf­regte, wenn der Lehrer ihm wieder handgreiflich wurde. Er dachte, das Gewitter kommt doch, du hast es verdient, es muß eben sein, lassen wir es geduldig über uns ergehen, es hilft doch nichts dagegen. Später kamen wir dahinter, daß er doch ein eigenes Mittelchen zu gebrauchen wußte, damit bie wohlverdienten Prügel nicht gar zu fühlbar wurden. Der Andreas trug nämlich an den Prügeltagen doppelt und dreifaches Gewand, da mochten wohl die Schläge von der zittrigen Hand des greisen Lehrers nicht viel ausrichten. Der Andreas betrachtete die Prügel, wie wir die Krankheit, als eine Heimsuchung, die sich aus­toben, ihre Zeit und ihr Recht haben müsse, der man nicht ausweichen könne, die man nur durch seine Mittelchen lindern könne.

In seiner Weise hatte der Andreas Recht, nur daß er das Uebel an der verkehrten Stelle kurirte. Wenn er sich brav hätte halten wollen, hätte er die Anwendung des Mittelchens gar nicht nothwendig gehabt. Anders ist es, wenn eine Krankheit den Menschen kujonirt. Ich sagte schon, man kann der Natur mit Kommandoworten nicht imponiren. Das Trutzen nutzt schon gar nichts, und mit Schmeichelworten kommt man auch nicht weiter. Sie geht ihren eigenen Weg.

Wenn der Waldbruder dem Bergbach, der nahe reißend über die Felsen zu Thal braust, sich entgegenstellen wollte, der würde den Wald­bruder einfach bei Seite schieben und über ihn wegrennen und vielleicht in seinen Fluthen be­graben, und die erbosten Wellen würden über den Wicht spotten, der ihnen gebieten wollte. Und bei dem Sturm erst, der vor einigen Tagen so fürchterlich blies, ist der Waldbruder hübsch in seiner Klause geblieben, er hätte sich stemmen können, wie er mochte, der Sturm hätte darum ebenso stark weiter geblasen und ihn schließlich ganz einfach umgeweht.

Die Natur hat ihre eigenen Wege und kennt keinen Widerspruch, sie vernichtet und zerstört, was sich ihr in den Weg stellt, wenn der Mensch versäumt hat, sie mit Geschick und Hingabe zu zähmen. Aus dem aufgeschlagenen Buche der Natur soll der Mensch lernen. Wie die rohe Naturgewalt äußert sich auch die Gewalt der Volksmassen. Das Heer der Proletarier, so weit es nicht unter der sanften Milde des Christenthums sich gebeugt hat, maschirt eben­falls vor, unaufhaltsam, wie der Bergbach niederjagt und der Sturmwind heulend weiter braust. Wohl versucht man mit kleinen Mittelchen den Strom von einer Seite fortzulenken, aber wenn nicht ein verständiger Baumeister kommt, der die Kraft und die Wirkung des Elements ermessen hat und es geschickt zu nützlichem Wirken zwingt, dann helfen die kleinen Mittelchen nicht, an anderer Stelle bricht der Strom wieder durch und folgt seinem Lauf. Wo die ersten Tröpf- lein durchgeronnen, da folgt die ganze Fluth nach. Auch der Heerhaufen der Proletarier hat sich den Weg nicht selbst gebahnt. Auf den Kathedern, in den Palästen sitzen die Führer, die die Autoritätslosigkeit gepredigt, nachdem sie die oberste Autorität, den Herrgott, abgeschafft, die mit Glaubens- und Zuchtlosigkeit die Wege ge­pflastert haben, auf dem sich die Fluth der Proletarier ergießt. Glaubt es nicht, haben sie gesagt, es gibt keinen Gott, wir die Gelehrten und Erlesenen des Volkes haben es gefunden und handeln selbst danach. Sünde gibt es nicht, denn es gibt ja keinen Gott, der sie richtete. Wir thun, was wir wollen und es geschieht uns nichts.

Der Waldbruder hat keinen Prophetenmantel umhängen, aber das weiß er doch: die Gelehrten und die Oberen haben sich selbst die sanften Zügel der Gottesfurcht abgestreist, die Unteren habens gesehen und gelehrig die goldenen Banden, mit denen Gott die Menschheit an sich kettet, abgeschüttelt. Sorgt man nicht wieder, daß der „befreiten" menschlichen Leidenschaft, die los- gelöst von jeder Ordnung, jeder Achtung vor

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gebrachten feierlichen Weise im Prunksaale des alten Berliner Königsschlosses. Die Thronrede hat kaum noch etwas Neues mitgetheilt. Sie schildert den Stand der preußischen Staats - Finanzen als gut, kün­digt Aufbesserungen in der Besoldung von Beamten an und verspricht eine neue Regelung der Hinterblie­benen von Volksschullehrern. Eine Vorlage soll ge­macht werden über die Besteuerung der Waarenhäuser und Bazare, das kommunale Wahlrecht soll reformirt und es soll eine Vorlage eingebracht werden über Kanalbauten und über besseren Schutz gegen Hochwasser­schäden. Aber die Thronrede sagt nichts davon, daß die Staatsregierung ihr altes Versprechen einlösen und das Verbindungs-Verbot für politische Vereine auf­heben wolle; nichts von der so dringenden Umbildung des Landtags-Wahlrechtes, nichts von einem Volks­schul-Gesetze auf christlicher konfessioneller Grundlage, nichts davon, daß nun endlich ganz aufgeräumt werden solle mit den Resten der Kulturkampf-Gesetzgebung. Der Wünsche für die nächste Zukunft bleiben also noch recht viele! Außerordentlich beherzigenswerth sind dagegen einige Worte, welche die Thronrede am Schlüsse über den gegenwärtig tobenden Kampf materiel- lerJnteressen gegen einander sagt: sie verspricht, daß die Staatsregierung diesem Kampfe gegenüber aus den Standpunkt der ausgleichenden Gerechtig­keit sich stellen und in dem Sinne der Versöh­nung dieses Interessen - Widerstreites wirken wolle. Das ist ein schönes, ein außerordentlich zeitgemäßes Wort, und nichts ist dringender zu wünschen, als daß die preußische Regierung stets nach diesen ihren Wor­ten handeln möge!

In Bayern wird im Laufe dieses Winters eine außerordentliche Tagung des Landtages abgehalten werden. Wahrscheinlich im Anfänge des Monats Februar — so wird aus München berichtet — wird der bayerische Landtag mit dieser Tagung be­ginnen, und vermuthlich steht ihm ein sehr umfang­reiches und schwieriges Arbeitsmaterial bevor. Es handelt sich dabei namentlich um das neue Gesetz über Kapital-Rentensteuern, und da die Kammer der Reichs- räthe allem Anscheine nach ganz bedeutende Aenderun- gen an den Entwürfen vornehmen wird, so wird die Kammer der Abgeordneten vermuthlich Wochen lang mit dieser Berathung zu thun haben.

Der Verfassungs-Reform ist in Württemberg auch der Gesetzentwurf über dieUmbildung der direk- tenSteuern gefolgt: am 16. Januar hat die zweite Kammer mit 72 gegen 11 Stimmen den Antrag ab­gelehnt, der Kammer der Standesherreu das Recht einzuräumen, bei etwa eintretenden Erhöhungen der direkten Steuern diese Erhöhungen als Gesetz zu be­handeln, so daß die erste Kammer als gleichberechtigt darüber zu entscheiden habe. Dieses Recht besaß die zweite Kammer bisher allein. In Folge dieses Be­schlusses ist das ganze Reformgesetz gescheitert.

Oesterreich-Ungarn steht nach wie vor unter dem Zeichen der Konflikte. In Ungarn ist der Streit zwischen dem Ministerium Banffy und der Opposition noch nicht beigelegt; in Oesterreich aber hat die äußerste Linke des Abgeordnetenhaufes von neuem eingesetzt mit vollkommenem parlamentarischen Streik. Freilich ist die Zahl der Abgeordneten nicht groß, die sich von neuem zur Anwendung dieses unerbaulichen Mittels entschlossen hat: die gemäßigten Elemente der Oppo­sition haben ausdrücklich eine Betheiligung daran ab­gelehnt. Aber auch schon 78 Mann — so groß ist die Zahl der Parlaments-Streiker! — können ein Parlament in Verlegenheit bringen, wenn sie wollen, und unter den obwaltenden Umständen ist es die Frage, ob der österreichische Reichsrath, der am 17. Januar wieder seine Sitzungen begonnen hat, einigermaßen regelrecht wird wirken können. Eine allen Katholiken sehr unliebsame Absicht hegen diePragerTschechen- führer: diese wollen dem JohannHuß inPrag ein Denkmal setzen und zwar auf demselben Platze, auf dem seit Jahrhunderten eine altehrwürdige Bild- nißsäule der hl. Jungstau Maria steht. Huß, so be­haupten die Leute, sei ein großer „Tschechen-Patriot" gewesen, und deswegen solle ihm diese Ehrung wider­fahren. Natürlich ändert diese Auffassung, die an sich albern und gekünstelt ist, nichts an der Thatsache, daß die Herren damit das Gefühl jedes ehrlichen Ka­tholiken aufs bitterste verletzen.

Eine recht böse Erfahrung machen die Nord- am erikaner auf denPhilippinen-Inseln: die Ein­geborenen befinden sich im offenen Kriegszustände gegen die Aankees genau ebenso wie ehedem gegen die Spanier. Aber die Aankees ernten damit nichts weiter als dieselbe Untreue, die sie gesäet haben. Am 25. April 1898 haben die Amerikaner durch ihren Generalkonsul in Singapur den philippinischen Auf­ständischen für deren Hilfe gegen die Spanier die Un ab h ängigk eit versprochen für den Fall, daß die Spanier besiegt würden; hinterher aber haben sie gar nicht daran gedacht, ihr Versprechen zu halten. Jetzt stehen die Philippinos unter Agutnaldo in Waffen gegen die Amerikaner, und diese werden große Mühe und Opfer aufwenden müssen, um sich zu be­haupten. ________

Wochen-Ruridschan.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 21. Januar.

Sturm und Unheil im ganzen nördlichen Europa hat uns das Wetter gebracht, von den Küsten des ge­waltigen atlantischen Weltmeeres her bis tief hinein in das Herz von Europa, bis tief hinein in dre nörd­lichen Vorländer der Alpen. Aber zum Glück ist der politische Himmel während derselben Zeit desto weniger sturmreich gewesen, und statt drohender Wolken und gewaltiger Stürme beeinflussen die politische Lage Zeichen des Friedens und wiedererwachender Freund­schaft unter Völkern, die vorher grollend und drohend einander gegenüber standen. Schon wollten ängstliche Gemüther und solche Leute, denen das recht in ihre dunkelen Geschäfte hineingepaßt hätte, im Geiste den Donner der Geschütze vernehmen in einem bevorstehen­den Kriege zwischen England und Frankreich. Aber so schnell schießen doch auch die Engländer und Fran­zosen nicht; und nunmehr besteht begründete Hoffnung darauf, daß der Zwist zwischen beiden Staaten bald wieder beseitigt sein wird. Der französische Botschafter in London, Herr Paul Cambon, hat, wie nach­träglich bekannt geworden ist, am 11. Januar in London eine wichtige Unterredung mit dem englischen leitenden Minister, Lord Salisbury, gehabt, und da dies seit dem Streite um Faschoda überhaupt wieder die erste Unterredung zwischen den beiden Staats­männern gewesen ist, so deutet man sie ganz unzweifel­haft mit vollem Rechte als ein Zeichen des Friedens. Thatsächlich ist auch in Frankreich im Allgemeinen der Gedanke eines Krieges mit England ganz und gar nicht volksthümlich.

Neue Friedenszeichen steigen gleichzeitig von Osten her auf: Graf Murawiew, der russische Minister des Auswärtigen, hat nunmehr an die Mächte das diplomatische Rundschreiben versandt, in dem er die russischen Vorschläge für das Programm der Ab- rüstungs-Äonferenz mittheilt und nochmals dringend um die Abhaltung dieser Konferenz ersucht. Graf Murawiew schlägt vor, die Staaten sollten dahin Über­einkommen, daß sie ihre Heeresstärke und Flottenmacht nicht noch weiter vergrößern und die Ausgaben für Armee und Marine nicht noch mehr anwachsen lassen sollten. Außerdem verlangt die russische Note ein Uebereinkommen dahin, daß im Kriege der Gebrauch von Explosivstoffen eingeschränkt werden sollte. Das klingt wiederum sehr gut. Aber wird Rußland Ge­hör finden? Leider muß man zweifeln!

In dem Sinne der Mehrung der friedlichen Stim­mung zwischen Deutschland und Frankreich verdient es verzeichnet zu werden, daß der Präsident der französischen Republik, Herr Felix Faure, der Kaiserin Friedrich, der Mutter unseres Kaisers, besondere Aufmerksamkeit erweisen ließ, als diese auf der Reife von England nach der Mittelmeerküste Paris berührte.

Der Reichstag hat seit unserem letzten Wochen­berichte einige hoch interessante Tage gehabt. Erstens ist die neue Heeresvorlage in erster Lesung er­ledigt worden. Es ging freilich dabei alles sehr ruhig und friedlich ab, und sogar Herr Bebel mußte sich von dem antisemitischen Redner Liebermann von Son­nenberg sagen lassen, er sei ein zahmer alter Mann geworden. Nur die Sozialdemokraten haben der Vor­lage gegenüber eine grundsätzlich ablehnende Haltung eingenommen; denn auch Herr EugenRichter hat sich augenscheinlich geflissentlich davor gehütet, ein un­bedingtes Nein zu sprechen. Aber auch ein unbedingtes Ja hat nur ein Redner gesprochen: Herr Freiherr vonStumm von der steikonservativenPartei. Herr von Levetzow, der im Namen der Konservativen sprach, konnte nicht alle Bedenken unterdrücken; ihm erscheinen namentlich die Neubildungen dritter Divi­sionen in einzelnen Armeekorps bedenklich, während doch gerade die Vorlage sejbst die Bildung neuer Armeekorps davon herleitet, daß drei Divisionen für ein Korps zu viel seien und deswegen einige neue Korps gebildet werden müßten. Die Begründung dieser Maßregel ist außerordentlich mangelhaft und bedarf sehr der Ergänzung in der Budgetkommission des Reichstages. Im Namen des Centrums sprach Frhr. von Hertling. Er sprach dieselben Be­denken aus, wie Herr von Levetzow. Außerdem aber bedauerte er sehr, daß die zweijährige Dienstzeit auch jetzt noch nicht geregelt werden soll und daß die Vor­lage eine Vermehrung der Kavallerie in's Auge faßt.

Nicht minder interessant war im Reichstage der letzte Dienstag. An diesem Tage wurde die zweite Lesung des Etats begonnen, und der freisinnige Abg. Lenzmann brachte bei dem Etatsposten „Reichs­kanzler und Reichskanzlei" die Lippesche Thron­folgefrage und die Beschlüsse aufs Tapet, die der B undesr ath in dieser Sache gefaßt hat. Leiden­schaftlich griff der freisinnige Redner den Bundesrath deswegen an; aber gerade wegen seiner Leidenschaft­lichkeit machte er im Hause viel schwächern Eindruck als Dr. Lieber vom Centrum, der gleich Lenzmann den Beschluß des Bundesrathes durchaus tadelte, aber ruhig und klar sprach. Der Bundesrath — so führten beide Redner aus — hätte unbedingt die schaum- burgischen Aussprüche abweisen müssen, denn „Recht muß doch Recht bleiben". Der allge­meine Beifall, der Herrn Dr. Lieber zu Theil wurde, zeigte sehr deutlich, daß die große Mehr­heit des Hauses auf seiner Seite steht.

Am 16. Januar ist der preußische Landtag er­öffnet worden. Die Eröffnung vollzog sich in der fyer-

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Vermischtes.

* Saris, 20. Jan. Einen Einbrecher glaubte kürz­lich in einem bürgerlichen Hause ein Dienstmädchen um 7 Uhr Abends entdeckt zu haben. Es rief die Polizei herbei und alarmirte das ganze Haus. iZwei Schutz leute suchten den Dieb, der eine, ein gewisser Balls, stieg bis aufs Dach. Einer der Mieth er des Hauses sah ihn im Halbdunkel von seinem Balkon aus den eifrigen Schutzmann, hielt ihn für den Einbrecher und schoß auf ihn. Der Verwundete wurde von seinem Kameraden in eine nahe gelegene Apotheke gebracht, wo er den Geist aufgab; die Kugel hatte ihn mitten in die Brust getroffen. Den Einbrecher, der wahrschein­lich in der Einbildung des furchtsamen Mädchens vor­handen war, hat niemand gesehen.

* Nahrungsmittel-Industrie: Wir lesen in der .Konstanzer Zeitung' vom 13. d. Mts. daß die Firma Maggi in Singen (Amt Konstanz) ca. 150,000 qm Land zum Bau großer Fabriken erworben hat. Außer dem wohl in ganz Deutschland bekannten Maggi zum Würzen der Suppen, das ein hervorragendes und und dabei wohlfeiles Mittel zur Kräftigung von Suppen und Speisen darstellt, sollen in Singen nun­mehr noch 2 weitere Spezialitäten „Gemüfekraftfuppen in 50 verschiedenen Sorten" sowie „Bouillonkapseln" hergestellt werden. — Die kaufmännische Leitung des Unternehmens bleibt in Berlin.

* Das größte Iaß der Mett ist nicht mehr das Heidelberger. In Fresno in Kalifornien ist neuerdings ein riesiges Weinfaß errichtet, neben dem das große Faß zu Heidelberg, das seit etwa 150 Jahren weit und breit wegen seines gewaltigen Umfanges gepriesen wurde, sehr verschwindet. Denn während das Heidelberger Faß etwa 190,000 Liter faßt, hat das kalifornische Faß den kolossalen Umfang von 330,000 Litern. Zwei Wagenladungen Eisen waren zu den Reifen erforderlich, mit denen das Riesen­faß beschlagen ist, und das Holz, das dazu verarbeitet wird, genügt zu einem großen Hause. Zwei vollständige Bahnzüge mit kalifornischem Rothholz wurden gebraucht, das zunächst erst zwei Jahre lagern und trocknen mußte. Da das Holz aber absolut astfrei sein mußte, so war von zehn Stämmen nicht einer brauchbar. Die Höhe des Fasses beträgt nicht weniger als 30 Fuß und seine Breite 26 Fuß.

* tzin« erklärliche Verwechslung. In einem fränkischen Dorf, dessen Namen besser nicht genannt fei, hatte kürzlich ein Bäuerlein des Guten zu viel gethan, so daß ihm rathsam schien, seinen Rausch an Ort und Stelle auszuschlafen. Er bettete sich im Viehstall auf ein Strohlager und eine Minute darauf ertönte ein so mächtiges, rasselndes Schnarchen über der Tenne, daß die Rinder erschreckt die Köpfe hoben. Den Ochsen des Stalles ergriff die Neugierde und es gelang ihm, dem Schläfer so nahe zu kommen, daß er diesem mit der rauhen Zunge über das Gesicht fahren konnte. Der gute Mann erwehrte sich der Liebkosungen, ohne aufzuwachen, durch Stoßen mit den Händen und Füßen, und Die hinzu» gekommenen Festgäste hörten ihn dem Ochsen eindring­lich zurufen: „Langsam, Herr Müller, das Messer kratzt!" Der Dorfbarhier soll über diese Verwechslung noch heute entrüstet fein.

* Hartherzigkeit. Alte Jungfer: „DaS Kalbs­herz war aber hart, das sie mir gestern geschickt haben! . . . Das ist gewiß von einem — männlichen Kalb gewesen! ?"

Kiterarrsche».

Kochkunst betitelt sich eine seit dem 1. Januar d. Js. in Frankfurt a. M. erscheinde illustrirte Halb­monatschrift für Hotel-, Restaurant-, Herrschafts- und bürgerliche Küche. Dieselbe wird herausgegeben von dem internationalen Verband der Köche mit dem Sitz in Franffurt a. M. und kostet in Deutschland jähr­lich 4 Mk. Die Zeitschrift will die Erfahrungen und Erfindungen einer Anzahl uneigenütziger hervorragend der Fachmänner allen denen, welche sich für die Koch­kunst interesiiren, zu gute kommen lassen. Nicht nur die feine französische Küche, sondern auch die mittlere Hotel- und Restaurationsküche, sowie die bürgerliche Küche sollen in der „Kochkunst" eingehende Behand­lung finden, sodaß neben dem Fachmann auch die Hausfrau ein Interesse an der neuen Zeiffchrift finden dürfte.

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 22. Jan. Dom. 5‘/s, 6, 63/. und 71/« Uhr hl. Messen, 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christen­lehre, 12 Uhr hl. Messe, l1 > Uhr Andacht und Christen­lehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche. 51/. Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr heil. Messe und Kommunion der Mitglieder des Müttervereins, 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr hl Messe u. Predigt, 9 /> Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für den Mütterverein, 3 Uhr Andacht. — Michaels Kirche. 10 Uhr hl. Messe mit Exposition, 2 Uhr Predigt und Bruderschaft von den 7 Schmerzen Marias. — Pfarrkirche ;nm hl. Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — J.-S. 61/« Uhr General­kommunion in der Michaelskirchr, 28/« Uhr Marien kapelle. — Frauenberg. 6 und 6'/, Uhr hl. Messen, 8 Uhr hl Messe für die Verstorbenen der Bruderschaft, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feiert. Vesper mit sakram Segen.