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Dwmtwortti»: Lar Mt Redaktion ell Sa»», mit Zlnterhattungs-Ieitage „Mstrirte Sonntags-Zeitung« petersgaffe Nr. 2 tLarmoaie).

JuLöa, Samstag, den 21. Januar 1899.

26. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Januar.

+ Der Kaiser hat heute dem großbri- tanischen Botschafter Sir Frank Lascelles zwischen 11 und 12 Uhr Vormittags einen Be­such abgestattet. Der Besuch dauerte etwa eine Stunde. Die Vermuthung liegt nicht allzu fern, daß der Besuch in sachlichem Zusammenhangs mit den Vorgängen auf den Samoa-Inseln steht.

O „Deutschland" — so hat neulich im Kongreß der Vereinigten Staaten von Nord­amerika das Kongreßmitglied Berry gesagt — „sollte von den Amerikanern ebenso verhnuen werden, wie Spanien". Gegen diese liebens­würdige Aufmunterung des heißblütigen Kentuckiers ist durch den deutschen Botschafter in Washington diplomatische Beschwerde bei der nordamerikanischen Regierung erhoben worden. Aber Herr Berry hat nun erklärt, er werde „seine Worte nicht zurückziehen". Er habe „die größte Achtung vor Deutschland, liebe aber nicht die Haltung der deutschen Regierung und des deutschen Kaisers". Dann hat Herr Berry gesagt: „Sollte ein Mitglied des Deut­schen Reichstages mich zur Rechenschaft ziehen, so bin ich bereit, jederzeit Rede zu stehen. Meine Adresse ist Newport, Kentucky." Augenscheinlich also hatHerrBerry Lust, mit einem Vertreter des Reichstages zu boxen oder das Schießeisen zu gebrauchen. Aber so wenig ein ernsthafter Mann einen solchen Hanswurst tragisch nehmen kann, so müßte man doch wünschen, daß solche rabiate Anwandlungen im nordamerikanischen Kongresse selbst in ihre Schranken gewiesen würden. Man kommt sonst gar zu leicht auf den Gedanken, daß die leitenden Größen in Nordamerika ihren Spaß haben an solchen Flegeleien.

Im Herrenhauseist vom Kultusminister ein Gesetzentwurf betreffend den ßcharfreitag eingebracht worden. Der Entwurf enthält nur folgenden einzigen Paragraphen: „Der Char- freitag hat für den ganzen Umfang des Staats­gebietes die Geltung eines allgemeinen Feier­tages." Die Begründung zu dem Entwürfe sagt u.A.: „Der Charfreitag als Gedenktag des Todes Jesu Christi ist für die evangelische und die katho­lische Kirche, sowie überhaupt für alle christlichen Konfessionen und Denominationen ein heiliger Tag und gilt kraft des Gesetzes in allen denjenigen Theilen der Monarchie als staatlich anerkannter, allgemeiner Feiertag, welche bereits bei dem Er- laffe des Ediktes vom 28. Januar 1773 zum Staatsgebiete gehörten. Auch iiy Allgemeinen Landrechte wird der Charfreitag zu den allgemeinen Feiertagen gerechnet. Dagegen wird der Char­freitag nicht als gesetzlicher Feiertag in allen Theilen der Rheinprovinz, namentlich auf der linken Rheinseite, sowie Theilen der Provin­zen Posen, Westfalen und einigen anderen kleinen Bezirken angesehen. Die Rechtslage be-

Mer, Schwert nnb Mel.

Sine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

28 ------ (Nachdruck verboten.)

Das selbstbewußte Austreten des neuen An­kömmlings stand mit seinem noch gar sehr jugend­lichen Aussehen in einem gewissen Widerspruch. Seine Worte lauteten wie der Ausfluß einer frühgeweckten Anmaßung, als ob ein Knabe den Mann spielen wolle und dadurch den Liebreiz x Alters einbüßte, ohne die Würde

des Männlichen sich beizulegen. Und doch war dies nicht der Eindruck, den er machte. Es war

» ob jugendliche Kraft überschäume und sich fast gegen den Willen des Knaben geltend mache; dazu lag rrnl Klange seiner Stimme etwas Einschmeichelndes, Gemüthvolles und in seinen Bewegungen eine unbestimmte Anmuth; das trat selbst zu Tage, als er sich jetzt auf einen hölzernen Sessel warf, und die bestrefelten und bespornten Beine weit hinausstreckte.

Jetzt erst sah er den stillen Gast am Fenster seine Nüsse knuppern; im nächsten Augenblick stand er auf den Füßen.

„Ei, Herr Ritter, ich bin sehr erfreut. Eure Bekanntschaft zu erneuern," sagte er, indem er auf Gumbert zutrat.

„Solltet Ihr Euch nicht in der Person irren?" fragte Gumbert, der durchaus nichts Ritterliches an sich trug.

„Nein, ich irre mich nicht," meinte der Jüng- ling. „Besinnt 'Euch auf die Straße von Halber-

züglich der Geltung des Charfreitages als eines allgemeinen bürgerlichen Feiertages ist auch da vielfach verdunkelt, wo die staatliche Anerkennung ausdrücklich erfolgt ist. So gibt es Fälle, in welchen der Charfreitag in die bezüglich der äußeren Heilighaltung der Sonn- und Festtage in den letzten Jahrzehnten erlassenen Polizeiver­ordnungen nicht ausgenommen ist, obwohl das Gesetz ihn als gesetzlichen Feiertag für die be­treffenden Gebiete besonders anerkannt haj. Bei der einzigartigen Bedeutung des Charfreitages als eines 'gemeinsamen Gedenktages aller christlichen Kirchen wird sich der Staat der Verpflichtung nicht entziehen können, die staatlichen Bestimmungen über die äußere Heilighaltung dieses Tages in unzweideutiger Form zu regeln. Nach der Lage der Verhältniffe wird diese Regelung zweckmäßig nur dadurch erfolgen können, daß dem Charfreitag durch Staatsgesetz einheitlich für das ganze Staats­gebiet der Charakter eines bürgerlich zu respek- tirenden allgemeinen Feiertages beigelegt wird, ein Charakter, welchen er in dem größten Theile des Staats - Gebietes schon jetzt besitzt. Die kirchlichen Vorschriften über die Feier des Charfreitages werden durch die beab­sichtigte staatliche Maßregel nicht berührt." Letztere Bemerkung ist höchst überflüssig, denn der Staat kann keine kirchlichen Vorschriften er­lassen, wenigstens für uns Katholiken nicht. Zur Sache selbst beschränken wir uns für heute auf die kurze Bemerkung, daß wir entschieden dagegen protestiren müssen, wenn man den Katholiken im Rheinlands u. s. w. eine rein protestantische Ein­richtung gesetzlich aufdrängen will. Mözen die Protestanten den Todestag unseres göttlichen Er­lösers so festlich und feierlich begehen, wie es ihnen gefällt; wir Katholiken haben nichts dagegen einzuwenden, wohl aber wehren wir uns dagegen, daß eine nichtkatholische Mehrheit den Katholiken vorschreiben will, in welcher Weise sie den Char­freitag zu feiern haben.

ft Lehrreich für die Beurtheilung der Ver­hältnisse in unseren afrikamschen Schutzge- vieten ist der Verlauf einer Sitzung, die der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesell­schaft kürzlich abgehalten hat. In dieser Sitzung beschäftigte man sich mit dem Etatsvoranschlage für unsere Schutzgebiete und besprach bei dieser Gelegenheit alle Verhältnisse in denselben. Deutsch- Süd west-Afrika, das alte Schmerzenskind unter unseren Schutzgebieten, aus das man einst­mals so große Hoffnungen gesetzt hatte und zum Theil noch setzt, ist dabei gar nicht gut weg ge­kommen. Wenig wirthschaftliche Entwickelung, geringe eigene Einnahmett (rund 600 000 Mark), erhebliche Kosten (7 Millionen Mark) — so un­gefähr lautete das Urtheil über dieses Schutz- grbiet. Die Verwaltung allein verschlingt 5mal so viel als einkommt und zum Theil ist man in dem genannten Ausschüsse geneigt, dem Gouverneur die Schuld dafür beizumessen. Es wurde hervorgehoben, der Gouverneur erwarte alles, auch die wirthschaftliche Entwickelung des Landes, von Maßnahmen der Regierung und komme dem privaten Unternehmungsgeiste viel zu wenig entgegen. Verhält sich das so, dann ist das ohne Zweifel ein beklagenswerther und schwerer Fehler. Man kann nur wünschen, daß

ftadt. Ihr hattet die Güte, eine Urkunde aufzu- heben, die des Administrators Sekretarius . . ."

„Ja, ja," unterbrach ihn Gumbert. „Ich erinnere mich "

„Aber damals sähet Ihr viel ritterlicher aus, und zogt von Magdeburg in die Welt. Ihr seid zurückgekommen?"

„Nur vorübergehend."

„Erlaubt, daß ich meinen Eierkuchen bei Euch verzehre." Und ohne die Erlaubniß abzuwarten, zog er sich seinen Sessel herbei und setzte sich zu Gumbert. „Ich habe acht Stunden lang nur mit meinem Gaul reden können, und doch plaudere ich gern."

„Das hab' ich damals nicht bemerkt;" erwiderte Gumbert lächelnd, indem er zu­sah, wie der Jüngling den ihm kredenzten Krug mit einem Zuge leerte. „Ihr wäret da­mals sehr kurz angebunden, nahmt mir das Aktenstück, und trabtet von dannen."

„Ihr kamt von Magdeburg, ich zog dahin. Und wo meint Ihr wohl, daß ich jetzt her­komme?" fragte der Junge, indem er die Fäuste auf die Schenkel stemmte und seinem Gesell­schafter in's Gesicht sah.

„Und woher denn? Mein junger Fant!"

„Geraden Weges von der Ostseeküste!" ,

„Alle Teufel!" platzte Gumbert überrascht heraus. „Habt Ihr auch dort ein vom Wind verwehtes Aktenstück geholt?"

„Beinahe!" meinte der Jüngling lachend. „Doch das sind Geschäfte, von denen man nicht gern spricht, wenn man Hunger hat und ge­bratenen Speck wittert. . . Ah, da kommt ja unsere ehrsame Hausfrau."

im deutschen Südwestafrika recht bald das Rezept befolgt würde, das neulich in einer Unterredung, die der K a i s e r einem Plantagenbesitzer gewährte, der Monarch empfahl: nicht zu viel „regie­ren"! In Kamerun sieht es ein wenig besser aus. Dort stehen Ausgaben von 1 713000 Mk. einer Einnahme von 730000 Mk. gegenüber.

X Alle polnische« Studeuteuvereiue an p reußischen Universitäten so llen a u f g e l ö st werden. Der Anfang damit ist in Breslau gemacht worden. Dort wurden die Vorsitzenden der beiden polnischen Vereine „Konkordia" und „Verein obschlesischer Polen" zum Rektor magni- ficus, Professor Dr. König, beschieden; und dieser eröffnete den Erschienenen, daß durch Verord­nung des Ministeriums allgemein die Auf­lösung aller solcher Vereine an preußischen Uni- versitäten angeordnet sei. War das wirklich nothwendig? Werden diese Vereine wirklich dem preußischen Staatswesen gefährlich?

ft Die Einkommensteuer in Kreutzen hat nach dem Staatshaushalts-Etat in ihren Erträgen eine starke Zunahme erfahren. Der Etatsentwurf nimmt an, daß diese Zunahme für das Etatsjahr 1899 gegen das Jahr vorher rund 12 Millionen betragen wird. Im Jahre 1895/96 betrug dieser Einnahmeposten 122,75 Millionen, 1897/98 schon 133 Millionen Mark, und in diesem neuen Etats Voranschlags ist er mit 145 Millionen Mark angesetzt. Voraussichtlich hängt die Steigerung zusammen mit der starken Entwickelung der Industrie.

G In London soll im Juni ds. Js. eine internationale Konferenz zusammentreten, um über wirksame Mittel zur Mekämpfnng des Mädchenhandels zu berathen. In diesen Tagen hat hier in Berlin eine Vorberathung stattgefunden, für die namentlich auch die Kai­serin lebhaftes Interesse bekundet hat. Jeder gesittete Mann kann diesen Bestrebungen, die leider nur allzu zeitgemäß sind, nur die alllrlebhaftesten Sympathien entgegenbringen.

ft Die Novelle zum Atters- «ud Iu- vakidengesetze ist heute dem Reichstage zu- gegangen._______________________________________

Aus dem Reichstage.

14. Sitzung vom 20. Januar.

Eröffnung 1* */« Uhr.

Am Bundesrathsttsche : Staatssekretär Graf Posa- dowsky.

Das Haus ist schwach besetzt.

Eingegangen ist der Entwurf einer Novelle zum Jnvalidit ätsversich erungsgesetz.

Die zweite Berathung des Reichst aushaltsetats wird beim Etat des Reichsamt des Innern fort­gesetzt.

Bevor das Haus in die Verhandlung eintrat, erbat und erhielt der Präsident Graf von Ballestrem die Ermächtigung, dem Kaiser zu dessen bevorstehendem Geburtstage die ehrfurchtsvollen Glückwünsche des Reichs­tages zu übermitteln.

Als erster Redner in der Tagesordnung erhielt das Wort der freikonservative Abgeordnete

Freiherr ». Stumm. Herrn v. Stumm ist das „Bremsen" in der Sozialpolitik zur zweiten Natur ge­worden, und diese Natur konnte er auch heute nicht ver­leugnen. Zunächst bestritt er, daß die gestrige Angabe des liberalen Abg. Rösicke richtig sei, die früheren Be­schlüsse zur Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetze seien aus einem Kompromiß in der damaligen Kommission des Reichstages hervorgegangen. Er, Freiherr v. Stumm, sei gerade deswegen aus der Kommission ausgeschied^n.

In der That brachte die ÄZirthin eine irdene Schüssel mit der verlangten Speise und Junker Mansfeld machte sich mit einem wahren Wolfs­hunger darüber her; wobei Gumbert ihm lächelnd zusah.

„So!" meinte er, endlich die geleerte Schüssel von sich stoßend. „Den Göttern Dank! der Junk»r Ernst von Mansfeld ist satt, und wer jetzt einen Schalkstreich von mir gethan haben wollte, der würde mir Freund sein."

Ein Gedanke durchzuckte plötzlich Gumberts Hirn.

„Und wenn ich nun dieser Freund sein wollte?" „Ich hab's Euch gleich angesehen," rief Mans­feld flachend. „Umsonst habt Ihr nicht Ring­kragen und Helm anderswo gelassen, und sitzt hier wie ein schäbiger Ritter von der Elle und dem Bügeleisen. Laßt einen Krug Wein auf­fahren, ich halte mit!"

„Und wisset noch gar nicht einmal, um was es sich handelt?"

„Ihr fehet mir gar nicht aus, als könntet Ihr einen Schurkenstreich planen, und wenn es nur gilt, Einem eine Nase zu drehen . . . wahr­haftig, und wenn's Seine Gnaden der Admini­strator wäre . . . seine Nase sollte er haben!" Dabei lachte der Bursche in Hellem lieber« muthe.

„Ihr könntet dem Dinge näher sein, als Ihr glaubt."

„Heraus damit! He, Wirthin! Wein bet!" „Kennt Ihr den Bürgermeister Gilden?" „Was ist's mit dem? Ein wackerer Mann! Ich war einmal mit ihm zusammen, wo es galt, die städtischen Gerechtsame zu wahren."

weil ein solches Kompromiß nicht zustande gekommen sei. Hernach aber hätten die Kommisfionsbeschlüsse so starken Widerspruch bei den Berufsgenossenschaften gefunden, daß sie schon deswegen nicht hätten ausgeführt werden können. Nachher deutete der Redner die bekannten Februarerlasse des Kaisers ganz in seinem Sinne, ob­wohl er unmittelbar vorher ausgeführt hatte, es stände dem Reichstage gar nicht zu, diese Erlasse zu deuten und zu besprechen. Sehr ausführlich legte dann der Redner seine Ansichten dar über den Schutz der Arbeits­willigen gegen den Terrorismus der Sozialdemokratie und leugnete, daß jemals von den Unternehmern ein Terrorismus gegen Arbeiter ausgeübt werde.

Der sozialdemokratische Abg. Inveik sprach über Mißstände in der Arbeiterausnützung in den Ziegeleien und verwies dabei aus die Berichte der Fabrikinspektoren, aus denen hervorgeht, daß in manchen Ziegeleien die Arbeitszeit bis auf 16 und 18 Stunden täglich ausge­dehnt wird. Auch die Kinderarbeit in den Ziegeleien werde ganz über Gebühr ausgedehnt, daß die Aufstchts- beamten bisweilen die Kinder gewaltsam entfernen mußten. Die Gewerbe-Aufsicht wünscht Redner auf alle Betriebe ausgedehnt zu sehen, auch aus die Hausindu­strie; und ebenso verlangt Redner die Anstellung von weiblichen Aussichtsbeamten.

Alsdann ereignete sich ein fröhlicher Zufall mitten in der so ernsten Debatte. Herr Zubeil sprach davon, daß Freiherr von Stumm mit seiner Sehnsucht nach einem Zuchthausgesetz zum Schutze Arbeitswilliger dem Hause ein„Schreckgesp en st" vorgeführt habe, worauf er von dem Vizepräsidenten Dr. von Frege darauf aufmerksam gemacht wurde, daß das Wort „Schreck­gespenst" nicht parlamentarisch sei. Man kann sich denken, daß große und anhaltende Heiterkeit auf allen Seiten des Hauses entstand.

Staatssekretär Gras Wosadowsky gibt zu, daß in den Ziegeleien noch Mißstände herrschen. Deswegen — so erwiderte er Herrn Zubeil — dürfe man daraus noch nicht darauf schließen, daß die Regierung mcht bedacht sei auf die Abstellung dieser Mißbräuche.

Unter wachsender Aufmerksamkeit des Hauses und wiederholtem Beifall sprach sodann der nationalliberale

Abg. Freiherr Keqk zu Kerrasheim. Weibliche Aufsichtsbeamten, so erwidert dieser Herrn Zubeil, sind in Hessen auf das Betreiben von Großindustriellen an­gestellt worden. Alsdann aber stellt der fRedner fest, daß die sozialpolitischen Grundsätze, die (bei der ersten Lesung des Etats vor Weihnachten) der natlib. Abg. Baffermann im Reichstage verfochten habe, den An­schauungen der großen Mehrheit der nationalliberalen Fraktion entsprechen. (Diese Anschauungen waren von einigen nationalliberalen Blättern bekämpft worden. Red.) Abweichende Ansichten, wie sie am Donnerstag ein nationallrberaler geäußert habe (der Abg. Möller- Dortmund. Red.), könnten an dieser Thalsache gar nichts ändern. Die Sozialdemokraten aber haben sich stets als Gegner der sozialen Gesetzgebung gezeigt: sie haben sich ablehnend verhalten gegen die Bersicherungsgesetze, dar Börsengesetz, das Wuchergesetz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Sie können also nicht den An­spruch darauf machen, für die wir hschaftlich Schwachen eingetreten zu sein. Die Nationalliberalen werden nach der Versicherung des Redners immer an der Fortführung der sozialpolitischen Gesetzgebung mit arbeiten. „Wrr bedauern — sagt der Redner wörtlich — aufs tiefste, daß der Abg. Bueck in seiner industriellen Zeitschrift die Rede unseres Freundes Baffermann so ausgelegt hat, als hätten wir uns in ein reaktionäres Fahrwasser drängen lassen." Für Maßregeln gegen die Ausnützung der Kinderarbeit spricht auch der Redner, und ebenso ist er für die Einführung eines Reichs-Arbeitsamtes.

Abg. Professor Dr. Kitze (Ctr.) weist zunächst dem Freiherrn von Stumm mehrere Jrrthümer in dessen Aus­führungen nach: in der einstigen Kommission für die Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetze hat es sich in der That um ein Kompromiß gehandelt, und das Plenum des Reichstages würde diesem Kompromiß auch ohne Zweifel zugestimmt haben. Die Regierung hätte bem= selben ebenso ihre Zustimmung geben können. Auch darin widerspricht der Redner dem Freiherrn v. Stumm, daß die kaiserlichen Februar-Erlasse ausgeführt seien. Der Reichskanzler sowohl als auch Minister Frei­herr von Berlepsch haben seinerzeitanerkannt, daß Theile dieser Erlasse noch nicht ausgeführt seien. Ohne Zweifel sind bedauerliche Fälle von Terrorisirungen

„Ihr wißt wohl auch, daß in der Zwischen­zeit eine Umwälzung stattgefunden."

„Gehört hab' ich davon," meinte der Junker gleichrnüthig.

„Gilden sitzt im Thurrne."

• „Alle Teufel!" rief der junge Mansfeld auf­springend. „Das hat er um die Stadt nicht verdient. Gilden ist ein ehrenwerther Mann."

„Wie wär's, wenn ihn einer herausholte?" fragte Gumbert zögernd.

„Ich bin dabei, Freund!" rief der Junker vergnügt. „Aber," setzte er dann etwas be­dächtiger bei, „man will doch gerne wissen, mit wem man solche Streiche macht. Mein Vater ist der Graf von Mansfeld, in den Niederlanden bin ich geboren, und bis heute eigentlich noch Page Seiner Gnaden des Administrators."

„Eigentlich? Und uneigentlich?"

„Das weiß ich selbst nicht; ich treibe eben mancherlei aus eigene Faust. Doch, wer seid Ihr!"

„Ich? Nun, nennt mich Gumbert. Ich stand hier in Diensten bei dem Kaufmann und Raths­herrn Locana. Von ihm kam ich, als Ihr mir auf der Landstraße begegnet seid, und ihn be­suchte ich eben; jetzt reife ich wieder nach Halber­stadt zurück, und vorher möcht' ich dem Gilden rasch noch helfen."

„Und warum wollt Ihr denn eigentlich dem Gilden helfen?"

.He, junger Fant, Ihr fragt zu viel! Ich werde wohl Verbindlichkeiten gegen Herrn Gilden baden," bemerkte Gumbert kühl. „Sagt, wollt Ihr dabei sein?"

„Meinetwegen; den Kopf wird's nicht kosten, und Gilden ist ein ehrenwerther Mann."