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mit Itnlerhattungs-Mäkage „Issustrirte Somrtags-Zeiümgl'

Druck und Verlag der Fuldaer Acnendrucker« petersgaKe Nr. 2 (Darmouie).

«9

WT

26. Jahrgang.

Jutöa, Mittwoch, den 18. Januar 1899.

M 14.

L Dreyfus und kein Ende!

Herr Quesnay de Beaurepaire auf der einen und E h r e n - E st e r h a z y auf der andernSeite sind gegenwärtig die Helden des Tages in Paris. Herr Quesnay de Beaurepaire allerdings ist beinahe schon wieder abgethan,und angeblich gehen jetzt zwei andere Mitglieder des obersten Gerichtshofes mit der Absicht um, den Spuren dieses ihres Berufsgenossen zu folgen. Aber Gewisses weiß man darüber noch nicht. Dagegen steht Herr Esterhazy gegenwärtig im Vordergründe der Boulevard-Gespräche.

Herr Esterhazy hat nämlich, um feiner ge­schwächten Kasse aufzuhelfen, nicht weniger als zwei Bände „Geständnisse" geschrieben, für die ihm ein Pariser Verleger angeblich 100000 Franken Honorar bezahlt haben soll. Zum größten, allergrößten Theile werden diese sogenannten Geständnisse aus Schund bestehen, aus grobem, bösem Schund oder aber aus alberner Schwätzerei. Aber eine Stelle dieser Esterhazy'schen Schreiberei verdient dennoch Beachtung, nämlich die Be­hauptung, daß er mit dem deutschen Militär- Attachö Oberst v. Schwartzkoppen in Ver­bindung gestanden habe. Herr Esterhazy be­hauptet dabei, er habe den deutschen Attache betrogen, während dieser glaubte, von dem da­maligen Major Esterhazy gut bedient zu werden; und dieser stellt die Sache so bar, als sei er von Sandierr, Oberst im großen französischen Generalstabe, zu seinem Vorgehen ver­anlaßt worden. Herr von Schwartzkoppen sollte angeblich „kanalisirt" werden. Unter „ka- nalisiren" habe man Folgendes verstanden: man sollte den deutschen Attache auf andere, natürlich falsche Spuren leiten und gleichzeitig versuchen, ihm allerhand Geheimnisse zu entlocken, während er, der deutsche Attachö, in der Meinung erhalten werden füllte, er sei der Schlaue bei der Sache, und auf dem besten Wege, hinter allerhand fran­zösische Geheimnisse zu kommen. Was nun Herr Esterhazy über diese angeblichen Manöver er­zählt, klingt ganz toll: danach müßte im fran­zösischen Generalstabe und im französischen Kriegs­ministerium in aller Form eine Art von Fabrik für gefälschte Schriftstücke bestanden haben.

Herr Esterhazy soll nunmehr als Zeuge vor dem französischen Kassationshof vernommen werden. Er hat sich bereit erklärt, nach Paris zu kommen, wenn man ihm verspricht, daß er freies Geleit erhält und als „unbescholtener Zeuge" vernommen wird. Vom General stabe wird gleichzeitig erklärt, Herr Esterhazy habe niemals im Dienste der „Gegenspionage" gestanden. Die Freunde der Revision erhoffen von der Vernehmung des Esterhazy doch einen völligen Umschwung im Gange der Sache und baldige Ehrenrettung des Dreyfus.

frier, Lchwktt nud Fackel.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

25 ------ Nachdruck verboten.)

Jetzt näherte sich der Lärm draußen der Thüre; sie wurde geöffnet, da erschollen zwei Rufe: „Gumbert!" „Gerda!" und Beide lagen einander in den Armen.

Das ging Alles schneller, als Jemand ahnen, viel schneller, als Jemand verhindern konnte; selbst die Nächstbetheiligten konnten das nicht. Sie folgten unwillkürlich dem Triebe des Augenblickes, zumal Gumbert nicht gewußt, daß er sich so plötzlich seiner Geliebten gegenüber sehen würde.

Sobald Gumbert sich wieder der Sage bewußt geworben, streifte er leise den um feinen Hals geschlungenen Arm Gerda's, in beren Augen Freudenthranen glänzten, ab, und trat einen Stritt aus den Kaufmann zu, brr schwankenb zwischen Entrüttung unb Rührung als ein stum­mer Zuschauer ber innigen Umarmung bageftanben.

.'Verzeiht, Herr Locana," sagte Gumbert' diesem verwirrt die Hand entgegenstreckend. Ver­zeiht, es soll nicht wieder geschehen; der'Drang des Augenblickes riß mich hin."

Der Alte war durch den bescheidenen, bitten» ten Ton des jungen Mannes im Handumdrehen gewonnen.

„Will's Euch nicht übel beuten, Gumbert," sagte er. „Ihr habt bie Treue bewahrt unb freut Euch des Wiedersehens. Freunde, die das thun, sind mir in dieser Zeit feiten; und so sollt

Deutsches R^ch*

Berlin, 17. Januar.

* Die Iuvellitur und das Kapitel des Schwarze» Adkerordeus fand heute im könig­lichen Schlöffe in der üblichen Weise statt. Der Ankündigung gemäß wurden als Ritter aufge- nornmen Prinz Friedrich Wilhelm, jüngster Sohn be8' Prinzen Albrecht, der General ber Kavallerie von Krosigk, ber beutsche Botschafter in Petersburg und Oberst-Truchseß Fürst zu Radolin, der Minister des königlichen Hauses von Wedel-Pi es dorf, der Staatsminister und Oberpräsident Dr. von Goßler, der kommandirende Admiral von Knorr und der Wirkliche Geheime Rath Professor A. von Menzel. Zur Aufnahme dieser Ritter in die Zahl der kapitelfähigen Mitglieder des höchsten preuß. Ordens war der höchste Glanz entfaltet.

* Beim Kröuuugs- unb Hrdensfeste sind insgefammt 2498 Orden und Ehrenzeichen ver­liehen, darunter 1164 Rothe Adlerorden aller Klassen, 435 Kronenorden aller Klaffen, 109 Hausorden von Hohenzollern (Adler der Ritter, König, bezw. Adler der Inhaber) und für das Uebrige: Allgemeine Ehrenzeichen 790 an der Zahl. Im Vorjahre wurden 600 Auszeichnungen weniger verliehen.

* Das ganze Iesuiteugefetz, nicht nur den § 2 desselben aufzuheben, verlangt jetzt auch das nationalliberale Leipziger Tageblatt', welches schreibt: „Ist man aber bereits so weit, so bleibe man bei der Halbheit ber Preisgebung bes § 2 nicht stehen, sonbern lege resolut bie Hanb an bas ganze Gesetz."

* Eine Zeit lang machten es sich nord- amerikanische Blätter zum Vergnügen, Dentsch- lanb Absichten auf bie Philippinen - Inseln anzubichten, unb selbst bann wollten diese Ver­dächtigungen noch nicht aufhören, als bie beutsche Reichsregierung amtlich in Washington erklären ließ, baß sie mit ben Philippinen gar nichts zu thun haben wolle und sogar auf eine Kohlen- station dort verzichte. Jetzt aber beginnt auch allgemach bei den Amerikanern die Einsicht dafür zu dämmern, daß solche unwahre Ausstreuungen unmöglich noch länger fortgesetzt werden können, unb ein großes amerikanisches Blatt, der ,New- Aork Heralb' bringt eine Nachricht seines Ber­liner Gewährsmannes, wonach biefem ein beutscher Staatsmann gesagt haben soll: „Wenn bie Phi­lippinen uns morgen angeboten würden, würbe ich erroibern, baß Deutschland nichts bavon mag." Mag biefe Aeußerung nun wirklich gefallen sein ober nicht, jedenfalls verhält es sich so, wie der dem ungenannten deutschen Staatsmanne in dell Mund gelegte Satz es ausspricht. Anders steht es mit ben Karolinen-Inseln. Die spanische Regierung will nunmehr bei dem spanischen Parlamente bie Ermächtigung für ben Verkauf ber Karolinen- und der Palau-Inseln wie auch der Marianen nachsuchen, und es wird, wie be­kannt, angenommen, daß Deutschland die Karolinen-Inseln erwerben wolle. Mehrere der größeren unter diesen im allgemeinen sehr kleinen Inseln haben gute Häfen unb sinb beswegen von Bedeutung. Auch gibt es dort schon seit Jahr­zehnten deutsche Ansiedelungen. Bekannt genug

Ihr mir willkommen sein, wenn es auch vielleicht besser gewesen wäre. . ."

„Herr Locana," unterbrach ihn ber Junker. „Angesehene Stellung unb hinreichenbes Auskom­men habt Ihr von mir verlangt. . ."

„Sprechen wir nachher davon," sagte ber Kauf­mann rasch einfallenb, mit einem Blicke auf bie Thür, woselbst sich bie auf ber Rechenstube be­schäftigten Personen brängten.

„Auf bie Plätze, Ihr Leute!" herrschte ber alte Jebdingen bie jüngeren Leute an. „Hier wer­ben nicht weiter Maulaffen feil gehalten; wenn bie Vefper läutet, ist's noch immer Zeit, unseren früheren Genoffen nach bem Woher und Wohin zu fragen!"

Damit machte er bie Thüre zu, so baß bie brei im Kabinet bes Kaufherrn befindlichen Per­sonen allein waren.

„Laßt mich vollenden, Herr Locana," erwiederte Gumbert. „Ich bin nicht mehr der Kaufmanns­lehrling, der ich war, als ich von Euch fottging. Ich bin Körnet im Kürassierregiment Pappenheim ; unb wenn mir, was ich zu Gott hoffe, meine Senbung hierher gelingt, so bin ich Offizier im Dienste kaiserlicher Majestät, und führe ein Fähnlein Eisenreiter. Dann bürste wohl meine Stellung berart fein, baß Ihr Euer Sinb mir anvertrauen könnt."

„Setzt Euch, Gumbert, fetzt Euch!" sagte Locana. „Ihr sprecht von einer Senbung; jeden- falls bleibt Ihr einstweilen hier im Hause, bas Ihr nicht so leicht hättet verlassen sollen. Ihr werbet Euer Kämmerlein noch gerabe so finben, wie Ihr es vor einem halben Jahre verlassen. Gerba hat nichts baran änbern wollen."

ist ber Streitfall, ber im Jahre 1885 zwischen Spanien unb Deutschlanb entstaub, weil ein beutsches Kanonenboot auf ber Insel Iap bie beutsche Flagge gehißt hatte. Die spanische Hoheit über ben ganzen Karolinen-Archipel war nicht allgemein anerkannt unb würbe erst burch ben Papst ben Spaniern zugesprochen, nachdem Fürst Bismarck ben hl. Vater zum Schieds- richter zwischen Deutschlanb unb Spanien an­gerufen hatte.

X Die Lage der Landwirlhfchaft ist nach wie vor bedauerlich unb bedarf der Auf­besserung sehr entschieden. Ein Kennzeichen da­für neben anderen ist der fortgesetzte Rückgang der Pachterträge für Staatsgüter. Schon im letzten Jahre ist auf diese Erscheinung auf­merksam gemacht worden. Jetzt tritt dieselbe von Neuem in den Vordergrund durch die Nach­weisung über die Ergebnisse der anberroeiten Verpachtung der im Jahre 1898 pachtlos ge­wordenen Domänen, wie sie soeben dem preußi­schen Abgeordnetenbause zugegangen „ ist. Im Ganzen genommen sind Domänen während des genannten Jahres mit einer Landfläche von 17 959 Hektaren neu verpachtet worden, und diese Domänen bringen nun zusammen jährlich einen Pachtertrag von 531529 Mk. Das macht einen durchschnittlichen Pachtertrag von 29,60 Mk. für das Hektar, während bisher der durchschnitt­liche Ertrag für das Hektar bei denselben Staats­ländereien erheblich mehr betrug, nämlich 37,75 Mk. Nur in ganz seltenen Fällen ist eine Steigerung des Pachtertrages zu verzeichnen, so z. B. bei einer Domäne im äußersten Osten der preußischen Monarchie, im Kreise Stallnpönen, wo bie Pacht von 19,03 auf 28,92 Mark für das Hektar gestiegen ist. Leiber gibt bie Nach­weisung keine Auskunft barüber, warum gerabe in biefem Falle eine Steigerung bes Pachtpreises erzielt worden ist.

+ Im Zwickauer ZLergrevier macht sich nun ebenfalls eine Bewegung bemerkbar, um höhere Löhne im Bergbau zu erreichen. Eine Bergarbeiter-Versammlung, die dieser Tage in Zwickau abgebalten wurde, hat den Beschluß gefayf, 'Schritte' zu lhun für Erlangung einer zehnprozentigen Lohnerhöhung und Einführung einer zehnstündigen Schicht.

G lieber bie Ansiedelung ausländischer Israeliten hat bas Dresbener Stadtoerord- neten-Kollegium eine bemerkenswerte Entscheibung getroffen. Das genannte Kollegium hat bas Gesuch eines in Dresben wohnenben österreichischen Juben mit ber Begründung abgewiesen, daß „bie Naturalisirung ausländischer Juben un- thunlich sei."

h Auch bie IenerSesiattungs-Mereiue sind beim preußischen Abgeorbnetenhause wieder mit ihrer Petition erschienen, bie Feuerbe­stattung im Königreiche Preußen neben der Be­erdigung als erlaubte Bestattung allgemein zuzu­lassen. Die Herren haben es sich sogar nicht nehmen lassen, ihrer Petition eine ausführliche Begründung beizugeben — fruchtlose Mühe!

Parlamentarische Nachrichten.

x Nach einem Beschlüsse des Seniorenkon­ventes wird der Reichstag nicht schon an

Ein freudig flammender Blick traf das junge Mädchen, welches erröthend das Auge zu Boden schlug.

„Seht, Gumbert," fuhr der Kaufmann fort; „die Ansichten ber Menschen sinb wankend. Die Erfahrungen des heutigen Tages werfen über ben Haufen, was man gestern noch für unver­brüchlich sicher gehalten. Eine angesehene Stellung ist gewiß etwas recht Schönes; aber ben Werth, den ich ihr einst beilegte, hat sie doch eigentlich nicht."

Gumbert horchte hoch auf.

„Die Ereigniffe haben meinem Ansehen übel mitgespielt," fuhr Locana fort; „ich bin eine ge­stürzte Größe; und gewiß, es ärgert mich, wenn die Leute, bie früher ben Hut vor mir zogen, unb sich bis zur Erbe verneigten, jetzt eines an- bern Weges schauen, wenn sie mir begegnen. Aber wenn sie das immer gethan, würbe ich mich barüber nicht unglücklich fühlen. Ansehen ber Person ist ein schwankes Brett auf einem stür­mischen Meere. Das ist wandelbar, unb ohne baß wir etwas bazu thun, schwimmen wir heute oben auf ben Schaumkämmen der Wogen, unb morgen in ben Abgrünben, daß wir meinen, die Fluthen stürzten über uns und wollten uns ver­schlingen."

„Sie haben den Vater auf den Thurm ge­setzt," bemerkte Gerda mit einem leisen Schauder.

„Und einem Machtworte des Führers der siegenden Partei verdanke ich Freiheit und Sicher­heit."

„Das weiß man in Halberstadt ganz genau," versicherte Gumbert dem erstaunt aufhorchenden Kaufmann. „Unb gerade deshalb bin ich hierher gesandt. Herr Locana, könnt Ihr mir eine

diesem Mittwoch den Antrag des Centrums auf Aushebung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten berathen, sondern erst am Mittwoch ber nächsten Woche. An biefem Mittwoch soll berathen werben in erster Linie über ben Antrag Gras Klinckowström-Dietrich (kons.) betr. Geheimhaltung von Aktenstücken, in zweiter Linie über ben Antrag ber Sozialdemokraten auf Er­richtung obligatorischer Gewerbegerichte. Der Antrag Rintelen auf Wiedereinführung ber Berufung in Strafsachen soll an einem ber nächsten Tage auf bie Tagesordnung gesetzt werben.

* Im Reichstage hat bie sreisinnigeVer- einigung zu bem Jesuitenantrag bes Centrums ben in ber letzten Session mit großer Mehrheit angenommenen Antrag Mickert wegen Auf­hebung des § 2 des Jesuitengef etzes (Jn- ternirung unb Ausweisung) eingebracht.

+ Die Mudgetkommisfiorr bes Reichs­tages setzte heute bie Berathung bes Postetats fort unb bewilligte zunächst bie in ber vorigen Tagung abgelehnte Erhöhung bes Staatsfekretar- gehattes von 24000 auf 30 000 Mark, mit ber Begründung, baß nunmehr auch bie Wünsche des Reichstages über die Gehaltsbezüge ber Unter­beamten bewilligt seien. Aus eine Anfrage bes Abg. Dr. Lingens Iheilte Geheimrath Presse! mit, baß bis jetzt 47 vom Hunbert aller Post­beamten jeben zweiten Sonntag frei hätten. Bei ber Berathung bes Etats in zweiter Lesung will Staatssekretär von Pobbielski bie Grunbzüge ber beabsichtigten Personalreform vorlegen. Was die Sonntagsruhe anbelange, so sei es sein fester Wille, baß biefelbe, soweit irgenb möglich, allen Beamten gesichert werbe. Vielleicht werde ein Nachtragselat zur Schaffung neuer Stellen eingebracht werden, veranlaßt durch die Einführung des Checkverkehrs bei der Post unb die dadurch bedingte Vermehrung des Personals. Verschiedene Abgg. wünschten die Ausdehnung des 10 Pfg.-Porto für Postanweisungen auf 10 unb 20 Mark, sowie Fortfall der Bestellgebühr, worauf Staatssekretär von Podbielski bemerkte, daß jttnn ein Ausfall von über 2 Millionen, resp. über 3l/s Millionen entstehen würde. Die Reform des Bestellgeldes bitte er nicht zu überstürzen, er sei mit dieser Arbeit beschäftigt und hoffe im nächsten Jahr einen bezüglichen Gesetzentwurf vor­zulegen. Abg. Wnller-Iukda (Centrum) hält bie Grenze von 5 Mark für eine Abschlagszahlung, man hätte gleich bis 20 Mark gehen sollen. Ein Ausfall sei nicht zu besürchten, dis jetzt habe jede Verbilligung des Tarifs Diehreinnahmen hervorgebracht. Auch die Abschaffung ber lästigen Bestellgebühr sei bringenb zu wünschen. — Die allgemeine Debatte wirb geschlossen. — Die Be- rathung wirb Mittwoch fortgesetzt.

X Auch biesmal sinb, wie wir bereits gestern mitgetheilt, bem Reichstage wieder Anträge ans der Witte des Kaufes, „Jnitrativ-An- tcäge," in reicher Anzahl zugegangen, obwohl eine neue Bestimmung eingeführt worden ist, wo­nach solche Anträge in den ersten zehn Tagen einer Tagung eingebracht werden müssen. Dies­mal sind es 41 solche Anträge, unb es entfallen von ihnen 6 auf bas Zentrum, 2 auf bie Konser­vativen, 11 auf bie Nationalliberalen, 1 auf die

Unterredung mit dem gegenwärtig regierenden Bürgermeister Gilben verschaffen?"

„Unb was soll's bamit?“

„Ich habe einen Auftrag an ihn, vom Grafen Pappenheim."

Der alte Locana wiegte nachbenklich bas Haupt von einer Seite nach ber andern.

„Die Sache könnte gefährlich werden," meinte er. „Ich stehe außerhalb ber Welthänbel, soll ich mich roieber hineinmengen?"

„Thue es doch, Vater! Thne es!" sagte Gerda drängend. „Gumbert räth Dir nichts Böses zu. Wer weiß? Gilden dankt es uns vielleicht, und wir sind ihm zum Danke ver­pflichtet."

„In der That, Herr Locana, Eure Tochter hat Recht. Was mag es schaden, wenn er das weiß, was ich ihm zu sagen hätte? Er ist ja durch das Anhören nicht gebunden."

„Ich will morgen zu ihm gehen, unb ihn von Eurer Anwesenheit in Kenntniß setzen," bemerkte enblich Locana, „bann mag Gilben thun, was ihm gut bünkt. Aber weiter möchte ich nicht in bie Sache verwickelt werden."

Das letztere sprach Locana in so entschiedenen Worten, daß man den Ernst feiner Worte her­ausfühlte. Das Mißgeschick, welches ihn in Folge feiner politischen Parteinahme getroffen, hatte ihm ein- für allemal die Lust, in öffentliche Angelegenheiten noch weiter einzugreifen, be­nommen. Gumbert brach also das Gespräch ab, unb erbat sich die Erlaubniß, seinen früheren Ge­fährten nochmals die Hand schütteln zu dürfen. Locana erwiderte ihm, daß er ihn in der großen Stube erwarte.