FuldaerW-Ieitung
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mit Anterhaltungs-Meilage „Zssustrirte Sonntags-Zeitung!' peteesgasse Nr. 2 (Darmonie).
JK 13.
Itutöcl, Dienstag, den 17. Januar 1899.
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26. Jahrgang.
0 Die feierliche Eröffnung beider Häuser des preußischen Landtages erfolgte in althergebrachter Weise im Prunksaale des königlichen Schlaffes zu Berlin. Von den Mitgliedern des Herrenhauses und Abgeordnetenhauses zusammengenommen waren gegen 400 Herren erschienen, eine ungewöhnlich große Anzahl. Diesmal überwog, abweichend von dem Bilde, das die Reichstags-Eröffnung im Dezember bot, die Uniform. Um 11 Uhr erschien der Kaiser im Saale, gefolgt von den königlichen Prinzen, denen Prinz Albrecht voranschritt, empfangen von einem dreimaligen Lebehoch, das der Fürst zu Wied, der ehemalige Präsident des Herrenhauses, ausbrachte. Der Kaiser trug die Uniform des Regimentes Gardes du Corps. Der Monarch durchschritt den Saal, stellte sich vor dem Thronsessel auf, bedeckte das Haupt mit dem Adlerhelme, und vor ihm versammelten sich im Halbkreise die Mitglieder der beiden Häuser des Landtages. Alsdann trat Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hervor und überreichte dem Kaiser mit einer tiefen Verbeugung zur Verlesung folgende Thronrede:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!
Indem ich Ihnen beim Beginn eines neuen Abschnitts der parlamentarischen Arbeiten meinen Königlichen Gruß entbiete, gebe ich meinem Vertrauen Ausdruck, auf Ihre verständnißvolle Unterstützung auch bei den bevorstehenden wichtigen Aufgaben rechnen zu können.
Die Finanzlage des Staates ist fortdauernd eine günstige. Die Rechnung des Jahres 1897/98 hat ebenso wie die der Vorjahre mit einem beträchtlichen Ueberschusse abgeschlossen. Auch das laufende Jahr wird ein befriedigendes Ergebniß bringen. In dem Staatshaushaltsetat für 1899 hat, entsprechend den zu erwartenden höh er en Einnahmen, namentlich bei den Betriebsverwaltungen, dem steigenden Ausgabebedarf wiederum in weitem Maaße Rechnung getragen werden können. Insbesondere sind für die von der Staatsregierung in Aussicht genommene, von dem Landtage befürwortete Neuregelung der Gehaltsverhältnisse einzelner Klassen von Unterbeamten die erforderlichen Mittel bereit gestellt, und zwar in einem Umfange, welcher über die gegebene Anregung hinausgeht. Mit dieser abermaligen Aufwendung für die Unterbeamten, welche auf einige bisher nicht berücksichtigten Kategorien von mittleren Beamten ausgedehnt wird, ist die im Jahre 1890 begonnene allgemeine Aufbesserung der Beamtenbesoldungen abgeschlossen.
Nach dem Vorbilde der Fürsorge für die Hinterbliebenen der unmittelbaren Staatsbeamten soll ferner die Wittwen- und Waisenversorgung der Bolksschullehrer anderweit geordnet werden.
Die Anstellung und Versorgung der Kommunal- beamten bedarf allgemein, sowohl im Interesse der Beamten als auch der Gemeinden, einer gesetzlichen Regelung, welche sich gleichfalls an die für die unmittelbaren Staatsbeamten geltenden Bestimmungen anlehnen wird.
Die Medizinalverfassung des Staates wird in der Lokalinstanz in einer den gesteigerten Anforderungen an die Gesundheitspflege entsprechenden Weise gesetzlich auszvgestalten sein. Auchsollen im Interesse der Hebung des ärztlichen Standes ehrengerichtliche Einrichtungen ins Leben gerufen und den Aerztekammern erweiterte Befugnisse gegeben werden.
Auf dem Gebiete des Gemeindewahlrechts hat die im Jahre 1891 eingeleitete Steuerreform Verschiebungen verursacht, welche durch das Gesetz wegen Aenderung des Wahlverfahrens vom 29. Juni 1893, wie sich schon jetzt übersehen läßt, nur zum Theil beseitigt sind und einen weiteren Ausgleich erwünscht erscheinen lasten. Zu diesem Zwecke wird ein Gesetzentwurf Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden.
Mn, Lchvcrt nnb Fackel.
Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.
Von Philipp Wasserburg (Laicus).
24 ------ (Nachdruck verboten.)
Locana war nicht mehr der Mann mit dem entschiedenen Selbstbewußtsein, welches ihn noch in der letzten Sylvesternacht charakterisirte. Die Verhaftung und die daran sich schließende Durch- stöberung seiner Papiere lastete schwer auf ihm. Dazu kam dann noch der Umstand, daß er seine Befreiung und die ungestörte Ruhe, deren er sich erfreute, nur dem Edelmuthe seines politischen Gegners zu danken hatte. Das war auch ein Gefühl, deffen er ungewohnt war und das ihn tief beschämte.
Selbst äußerlich trat das zu Tage, er hielt sich nicht mehr so aufrecht wie früher, er erschien etwas gebückt, sein Haar war vollständig ergraut, sein Gang schlaffer. Er war wie verschüchtert, auch in der Rede. Seitdem Bruno Gilden am Ruder war, hatte er sich von allem zurückgezogen. Eigentlich war er immer noch Rathsherr; aber er erschien bei Leibe nicht mehr auf dem Rathhause. Die wilden Vorgänge im Februar konnten sich jeden Augenblick aus anderem Anlaß wiederholen, und er hatte große Ängst vor einer Wiederholung.
Locana stand eben fast ganz vereinsamt. Seine bekannten Kreise hatten sich von ihm zurückgezogen, er gehörte der gestürzten Partei an, und die Anderen wollten selbstverständlich nichts von ihm wiffen; er war ja ihr Gegner! Kaum grüßte ihn
Die kommunale Besteuerung der in neuerer Zeit entstandenen großen Waarenhäuser entspricht nicht ihrer Beoeutung und Stellung im gewerblichen Verkehr; sie bedarf einer besonderen Regelung, welche die gerechtere Heranziehung dieser Betriebe sichert und dadurch zugleich den kleineren Gewerbetreibenden für den Wettbewerb einen wirksameren Schutz gewährt. Ein bezüglicher Gesetzentwurf wird Ihnen voraussichtlich noch in dieser Tagung vorgelegt werden.
Die auf fast allen wirthfchaftlichen Gebieten eingetretene kraftvolle Entwickelung hat auch an die Staatseisenbahnverwaltung außergewöhnliche Anforderungen gestellt. Dank der bereitwilligen Unterstützung des vorigen Landtages haben besondere Maßregeln in die Wege geleitet werden können, deren Durchführung es ermöglichen wird, dem steigenden Verkehrsbedürfniß zu entsprechen. Zur Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes, sowie zur Förderung der Kleinbahnunternehmungen wird auch in diesem Jahre Ihre Mitwirkung in Anspruch genommen werden.
Bereits bei dem Bau eines Kanals von Dortmund nach den Emshäfen ist die Herstellung einer leistungsfähigen Wasserverbindung zwischen dem Rhein, der Weser und Elbe im Interesse des Verkehrs und der heimischen Gütererzeugung als noth- wendig anerkannt worden. Die seither eingetretene außerordentliche Steigerung des Verkehrs, insbesondere das Bedürfniß, für Massengüter leistungsfähige, billige Verkehrswege zu schaffen, lassen den unverzüglichen Ausbau einer Wasserstraße zwischen diesen großen Strömen und damit die Herstellung eines für den Westen und den Osten gleich vortheilhaften Verbindungsweges dringlich erscheinen. Demselben wird zugleich die wichtige Aufgabe zufallen, das Landeskulturintereffe der anliegenden Gebiete durch Verbesserung der Wasserverhältnisse zu fördern. Auf Grund der bisherigen Verhandlungen ist zu erwarten, daß die Nächstbetheiligten durch Ueber- nahme der geforderten Garantien ihr Jntereffe genügend bekunden werden. Es wird Ihnen daher eine Vorlage zugehen, welche den Bau von Schifffahrtskanälen von dem Dortmund- und Emskanale einerseits nach dem Rheine, andererseits nach der Weser und derElbe vorsteht, und welche ich Ihrer thätigen Unterstützung empfehle.
Die schwierigen Verhältnisse, mit denen die Land- wirthschaft noch immer zu kämpfen hat, nehmen meine Theilnahme nach wie vor in Anspruch Meine Regierung erachtet es als ihre erste Pflicht, fortgesetzt auf die Hebung der Landwirthschaft bedacht zu sein.
Die Sicherung der im Jahre 1897 von Hochwasserschäden heimgesuchten Landestheile gegen die Wiederkehr ähnlicher Verheerungen ist Gegenstand umfangreicher technischer Vorarbeiten gewesen, nach deren Abschluß Verhandlungen mit den Provinzialvertretungen über die als nothwendig erkannten Abhilfemaßregcln eingeleitet stnd
Das Bürgerliche Gesetzbuch und die gleichzeitig am 1. Januar 1900 in Kraft tretenden Reichsgesetze machen eine Reihe von Vorschriften nothwendig, um das neue Reichsrecht auf den dem Landesrechte vorbehaltenen Gebieten zu ergänzen und ältere Landesgesetze ihm anzupassen. Ihrer Beschlußfassung werden die Entwürfe der hierzu bestimmten Gesetze unterliegen, deren rechtzeitige Verabschiedung zur Durchführung des großen Gesetzgebungswerkes erforderlich ist.
Meine Herren! Die wirthschaftlichen und politischen Gegensätze, von denen unsere Zeit erfüllt ist, legen der Verwaltung und Gesetzgebung in be- fonderem Maße die Pflicht auf, unbeirrt von dem Streite des Tages, die staatlichen Einrichtungen irnJn- teresse aller Klassen der Bevölkerung zu sichern und auszubauen. Die Grundlagen unseres Staats- und Volkslebens sind gesund und festgefügt. In ernstem Streben wird an der Entfaltung der geistigen und sittlichen Kräfte des Volkes gearbeitet. Aus wirth- schaftlichem Gebiete zeigt sich gesteigerte Schaffensfreudigkeit und stetige Entwickelung; der Wohlstand des Landes ist sichtlich im Wachsen. Mit Zuversicht blicke ich deshalb in die Zukunft. Ihren Arbeiten, die Gott segnen möge, wünsche ich vollen Erfolg zum Wohle des Vaterlandes.
Die Thronrede gleicht in einem Punkte derjenigen, mit der der Reichstag eröffnet worden war: sie vermeidet geflissentlich lebhafte Rede-
Jemand, wenn er auf der Straße erschien. Das Ansehen, das bis in den Februar hinein seine Person umgab, war vollständig geschwunden; das kränkte ihn tief; denn Ansehen und Vermögen waren ja seiner Ansicht nach die Grundlagen alles irdischen Glückes!
Doch er hatte noch sein Vermögen. Ganz ohne Schädigung waren freilich die letzten Vorfälle nicht abgegangen. Aber er hatte das Jahr 1629 mitgemacht ohne Einbuße zu erleiden, und was bei den letzten Wirren ihm zu Grunde gegangen war, das mochte kaum ter Rede werth sein. Aber trotzdem warf er sich mit doppeltem Eifer jetzt auf das Geldverdienen. Es dämmerte in ihm der Entschluß, Geld, viel Geld zusammen- zu raffen, und dann aus diesem fortwährend bedrohten Lande zu ziehen, wenn er nur Geld hatte, dann konnte er ja überall wohnen. Er konnte nach der Republik der vereinigten Niederlande ziehen; dort herrschte kein Krieg. Er halte es ja felbst erlebt, wie die Mynheers den Krieg nach Außen spielten und bei sich Ruhe hatten. Es lag ihm an nichts mehr, als daran, daß Ruhe und Ordnung herrsche, wo er wohne.
Aber je rascher er zu Geld kommen wollte, um so weniger konnte er sich von seinen Geschäften losmachen. Er war in weit aussehende Lieferungsgeschäfte verwickelt; dann kam zuerst die Sage, daß Gustav Adolph gelandet, und jetzt hatte ihm die Post ein Schreiben von Lübeck gebracht, welches ihn zur sofortigen Lieferung aufforderte, denn die Schweden seien ins Land gefallen, und die Straßen würden unsicher, da die Kriegsfurie auf's neue losbreche.
Er wußte es wohl, wenn er nicht schleunig
Wendungen, ist vielmehr in geschäftsmäßigem Tone gehalten. Auch irgendwelche Ueberraschungen enthält sie keineswegs. Daß die Finanzen des preußischen Staates sehr günstig geschildert werden würden, konnte man im Voraus annehmen. In der That steht es ja auch mit den Finanzen gar nicht schlecht, und daß nun dieser günstige Finanzenstand theilweise dazu benützt werden soll, um einige Bea mtenbes oldungen aufzubeffern und die Bezüge einiger Klassen von Unterbeamten neu zu regeln, ist sicherlich ebenfalls mit Freude zu begrüßen. Die Thronrede sagt, mit den Be- amtenaufbefferungen, die dem Landtage vorgeschlagen werden sollen, würde „die im Jahre 1890 begonnene allgemeine Aufbesserung der Beamtenbesoldungen abgeschlossen sein". Das war auch vorher schon in der halbamtlichen Presse angekündigt worden, daß mit diesen Beamtenaufbesserungen ein Abschluß derselben erreicht werden sollte; damals ist mehrfach in der unabhängigen Presse darauf erwidert worden, daß nach allen vorausgegangenen Ankündigungen diese Vorlage wohl noch nicht vollkommen als ein solcher Abschluß zu betrachten sein würde. Aber natürlich kann man sich ein endgiltiges Urtheil über den Inhalt dieser Vorlage erst dann bilden, wenn man ihn genau kennen gelernt hat.
Ohne Zweifel ebenso erfreulich ist die Ankündigung, daß besser als bisher für die Hinterbliebenen der Volksschullehrer gesorgt werden soll.
Daß eine Umbildung des kommunalen Wahlrechtes dem Landtage vorgeschlagen werden würde, wußte man ebenfalls schon längst. Leider aber ist durch die Thronrede auch die andere Annahme bestätigt worden, daß eine Reform des Landtags-Wahlrechts noch immer nicht unterwegs ist. Es ist recht dringend zu wünschen, daß diese ebenso nothwendige Reform nicht mehr lange auf sich warten läßt!
„Die wirthfchaftlichen und politischen Gegensätze — so heißt es am Schluffe der Thronrede — legen der Verwaltung und Gesetzgebung in besonderem Maße die Pflicht auf, unbeirrt vom Streite des Tages die staatlichen Einrichtungen im Interesse aller Klassen der Bevölkerung zu s i ch e r n und auszubauen." Dieser Satz bedeutet ein ganzes großes wirth- schaftliches Programm, und wenn die preußische Staatsregierung wirklich und mit allem Ernste dieses Programm des wirthschaftlichen Jnteresfen- Ausgleiches befolgen will, so wird sie sich dadurch ohne Zweifel den Dank weiter Volkskreise verdienen. Denn Ausgleichung und die Versöhnung der wirthschaftlichen Gegensätze, so weit diese möglich sind, hat ja auch das Centrum auf seine Fahne geschrieben!
Von einem Volksschulgesetz auf christlich- konfefsioneller Grundlage schweigt die Thronrede. Auch weiß sie nichts zu vermelden von der Beseitigung der noch vorhandenen Reste der Kulturkamps-Gesetzgebung. Wird die Zeit niemals kommen, in der die preußische Staatsregierung die Nothwendigkeit anerkennt, den Grundsatz der ausgleich end en Gerechtigkeit auch auf das Gebiet der Konfessionen zu übertragen?
lieferte, konnte er überhaupt für nichts mehr stehen, und wie mußten jetzt alle Anschaffungspreise steigen! Ja, wenn die Gedanken Locana's über den Inhalt des Briefes hinausschweiften, wenn seine Miene noch düsterer, noch ängstlicher als gewöhnlich war, so ließ sich das wohl begreifen.
Aus seinem Sinnen wurde er plötzlich durch den stürmischen Eintritt Gerda's aufgeschreckt.
„Vater, Vater!" rief sie jubelnd, „denke Dir, Gumbert ist wieder hier!"
„Wer?" fragte Locana fast erschrocken.
„Gumbert," wiederholt seine Tochter. „Er traf den alten Jeddingen und hat mit ihm gesprochen. Theophrast hat ihm Alles erzählt, was in der Zwischenzeit geschehen; und er ist sehr aufgebracht gewesen, daß sie Dich in den Thurm geworfen, und er will kommen. . .ja, er wollte nur no. . ."
„Was will er denn hier?" forschte der Kaufmann weiter. „Als er von hier ging, meinte ich, ich sähe ihn nie wieder."
„Wer weiß! Du sagtest ihm, Ansehen und Vermögen solle er sich erringen..."
„Hab'ich das gesagt?" meinte Locana in sein Brüten zurückfallend. „Ja, ich erinnere mich! Kind, denke nicht mehr an meine Worte! Was thue ich mit Ansehen und Geld! Wie' viele Leute sind glücklich, die unansehnlich durch die Welt gehen. Sie stürzen nicht, weil sie nicht gestiegen stnd!"
„Vater!" rief Gerda mit gefalteten Händen, „darf ich ihm das sagen?"
„Nein, Kind, das darfst Du nicht," fuhr Locana fast erschrocken auf. „Das könnte er deuten, als böte ich Dich an; und so tief sind
Deutsches Deich.
Berlin, 16. Januar.
X Zer preußische Landtag hat am heutigen Montag seine Arbeiten begonnen. Es ist ein schönes, ein herrliches Haus, das an der Prinz Albrecht-Straße in Berlin die neu gewählten Mitglieder der zweiten preußischen Kammer aufnimmt; und sehr viele bewundernde Stimmen kann man die Ansicht aussprechen hören, daß das neue Gebäude des preußischen Abgeordnetenhauses das Haus des Reichstages an Schönheit übertreffe. Harmonischer und einheitlicher in seiner architektonischen Ausführung ist es auf jeden Fall; freilich in der Pracht der Einzelheiten kann es mit dem Reichstagsgebäude nicht wetteifern. Namentlich der Sitzungssaal in dem neuen Abgeordnetenhause ist ein wahres Meisterstück der Baukunst und des edeln Geschmackes. — Von den 433 Abgeordneten, die dem preußischen Abgeordnetenhause angehören, sind nur 120 neue Männer, solche, die dem Abgeordnetenhause in seiner letzten Legislaturperiode nicht angehörten; und auch von diesen 120 haben 12 schon früher einmal der preußischen zweiten Kammer als Mitglieder angehört. Noch viel geringer ist die Verschiebung, die durch die Neuwahlen am 3. November in der Stärke der einzelnen Parteien entstanden ist. Die stärkste Kohorte stellen im neuen Abgeordnetenhause die Konservativen mit zusammen 144 Mann. Aber ganz allein von allen Parteien ist es nur das Centrum, das in seinem ehemaligen Besitzstände gar keine Einbuße erlitten, sondern alle seine alten Sitze behauptet und noch fünf neue dazu erobert hat. Unter den neuen Mitgliedern der Centrumsfraktion des Abgeordnetenhauses sind namentlich hervorzuheben Prof. Hitze- Münster, Landgerichtsdirektor,S ch mitz-Düsseldorf und Landrath vonSavigny, gewählt in Paderborn-Büren. Die beiden erstgenannten Herren gehörten dem Abgeordnetenhause schon früher an. Leider fehlt diesmal dem Centrum Herr Dr. Spahn, nunmehr Reichsgerichtsrath in Leipzig.
0 Das KerrenHatts hat im früheren Gebäude des Abgeordnetenhauses feine erste Sitzung abgehalten und das alte Präsidium wiedergewählt: Fürst zu Wied, Freiherr von Manteuffel und Oberbürgermeister Becker von Köln. Die nächste Sitzung findet am Dienstag Nachmittag 2*/a Uhr statt.
+ Das Avgeordnetenhans hielt am heutigen Montag seine erste, rein geschäftliche Sitzung unter dem Vorsitze seines Alterspräsidenten Abg. von Voß ab, der die Sitzung mit einem lebhaft aufgenommenen Hoch auf den Kaiser eröffnete. Darauf ergriff Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe das Wort, begrüßte die Abgeordneten aufs herzlichste und wünschte ihnen Glück zu den Sitzungen, Berathungen und Beschlüssen, die zum Heile des preußischen Staates ausschlagen möchten. Nachdem dann noch der Präsident von Voß der Todten des Hauses gedacht hatte und diese auf die übliche Weife durch Erheben von den Sitzen geehrt worden waren, vertagte sich das Haus auf Dienstag 27a Uhr Nachmittags. Auf der Tagesordnung
wir nicht gefallen, daß wir solches thun müßten."
„Aber seit Du frei bist, bin ich ganz glücklich; ich merke nichts von einem Falle, und wenn ich das Gumbert sage, wird er gewiß nichts Anderes meinen, als ich ihm sage."
„Nein, nein, Kind! Hätte ich nichts gesagt, und er verlangte nochmals nach Deiner Hand . . . wer weiß? . . ."
„Und wenn er es nun thut?" fragte Gerda.
„Er thut's nicht! Er soll's nicht thun!" erwiderte Locana mit scharfer Betonung. „Ich würde mich dadurch bedrückt fühlen," murmelte er.
„Aber wenn er nun Ansehen und Vermögen gewonnen, wie Du gefordert?" forschte Gerda weiter.
„Und er hält mich beim Worte," sprach Locana ergänzend, „so stehe ich zu meinem Worte. Fast möchte ich glauben," setzte er leiser hinzu, , für Dich gäb's ohne ihn kein Glück! Mädchen, lerne entsagen!"
Ein plötzlich wirres Geräusch, das von der vorderen großen Rechenstube erscholl, unterbrach hier das Gespräch. Laute Ausrufe einer freudigen Verwunderung ertönten; man hörte die Leute von ihren Sitzen aufspringen, und durch das weite Gemach eilen; Alle sprachen auf einmal, so daß man kein Wort eines Einzelnen unterscheiden konnte.
Einen Augenblick stand Gerda da, tief er» röthend, mit wogender Brust und gefalteten Händen; unwillkürlich beugte ihr Oberkörper nach der Thüre sich vor, als wollte sie hinstürzen, dem erwarteten Geliebten entgegen, während die strenge Sitte der Zeit den Fuß an der Selle gebannt hielt, wo er eben weilte. (F. f.)