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26. Jahrgang

JuLöa, Montag, den 16. Januar 1899.

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Welche von beiden Auffassungen den Sieg davontragen wird, wird sich aller Voraussicht nach schon durch die Berathungen der Budget- kommission ergeben!

Deutsches R^ch*

Berlin, 14. Januar.

* Ueber den Aufenthalt des kaiserlichen Haares in Palästina entnimmt das Aachener ,Echo d. G.' einem von dort eingetroffenen Pri­vatbriefe: Die kaiserlichen Majestäten haben in ganz Palästina und Syrien einen sehr guten Eindruck hinterlaffen wegen ihrer großen Leut­seligkeit und Herablassung. Das Benehmen des Kaisers an den hl. Stätten war tief religiös und erbauend, aber auch beschämend für manche hohen Häupter, die früher nach Jerusalem gekommen waren. Uns Katholiken hat der Kaiser durch die Erwerbung der Dormition ld. h. jenes Ortes, wo die hl. Jungfrau nach der Ueberliefer- ung gestorben sein soll) zum größten Danke ver­pflichtet. Hoffentlich wird sich an dieser heil. Stätte bald eine herrliche Kirche erheben, welche sowohl dem hochherzigen Geschenkgeber als auch den deutschen Katholiken glle Ehre machen wird, unzufrieden mit der Kaiserreise sind nur die türkischen Beamten. Die kolossalen Summen, welche der Sultan zum Empfang seines hohen Gastes ausgegeben, müssen nun aus dem Volke herausgeschlagen werden, da die Staats­kasse schon vorher ziemlich leer war. In dem ersten halben Jahre wird wohl kein Beamter einen Pfennig Gehalt einkassiren. Das ist so Mode in der Türkei. Die Steuern werden dann auch wohl etwas heraufgeschraubt werden, viel­leicht wird es auch eine besondere Steuer, welche man maimet es-Sultan (Hilse für den Sultan) nennt, Platz greifen, ob auch darunter die armen Bauern, denen man schon so wie so das Fell halb über den Kopf gezogen, zu Grunde gehen. Die Bauern in der Türkei sind ja im Grunde doch nur die Pächter des Sultans, dem aller Grund und Boden gehört.

+ In einer Ausführung an der Sp tze ihrer Sonntagsnummer bezeichnet die ,Norddeutsche Allgemeine Zeitung" das Ergebniß der zweitägigen Debatten im Reichstage über die Wilttärvorrage als „recht günstig". Das halbamtliche Blatt meint, einer „prinzipiellen Opposition begegnete die Vorlage im Grunde ge­nommen, nur bei der Sozialdemokratie, wenn auch der Standpunkt, den die Freisinnige Volks­partei durch den Abgeordneten Richter markiren ließ, dem Effekt nach wegen der Negation aller wichtigeren Forderungen des Gesetzentwurfes nur wenig von einer solchen entfernt ist. Schon im Tone machte sich ein Unterschied zwischen den jetzigen Verhandlungen und denen über frühere Militärvorlagen bemerkbar; die Opposition der Sozialdemokratie selbst bewegte sich in ruhigeren Bahnen ..." Das oberofsiziöse Blatt meint, eS »dürftesich unschwer eine Verständigung der gesetzgeberischen Faktoren erzielen lassen", aber es erwartet, daß diese Verständigung allein durch die Mehrheit des Reichstages herbei­geführt werde. So ganz ohne irgendwelche Zu- geständuiffe der Regierung dürfte es indeffen doch wohl nicht abgehen. ,

0 Die erste Lesung der Militär- Vorlage.

In erfreulich raschem Tempo ist die erste Lesung der neuen Heeresvorlage im Reichstage erledigt worden. ES gibt Leute, denen die Sache zu rasch ging, so als ob der Reichstag nur ober­flächlich über die Vorlage hinweggegangen wäre und dabei nicht genügend die Interessen des Volkes wahrgenommen hätte gegen die neuen Heeresforderungen der Regierung. Aber dieser Vorwurf hat keine Berechtigung. Die erste Lesung einer Vorlage ist eine mehr oder weniger aka­demische Erörterung, bei der gar nicht aus die Einzelheiten genauer eingegangen werden kann. Lange und viele Reden bei einer solchen Ge­legenheit haben darum wenig Zweck. Es genügt, die grundsätzlichen Standpunkte der einzelnen 'Parteien festzustellen; und darum heißt es hier im Interesse des Volkes gehandelt, die Arbeiten des Reichstages nicht ohne Noch in die Länge zu ziehen. Das hatte sogar Herr Bebel einge­sehen. Deswegen war auch er barmherzig und verschonte Reichstag und Land mit einer Rede großen Stils, die sonst bei Herrn Bebel nicht »weniger als zwei Stunden zu dauern pflegt. Bei der ersten Berathung des Etats sprach Herr 'Bebel sogar beinahe drei Stunden lang!

Einen recht müden Eindruck machte Herr Eugen Richter. Ist es das nahende Alter, das ihn bedrückt, oder fehlte ihm die Brandung »wild hin- und herwogender Debatten, um ihn in die richtige Kampf- und Schlachtstimmung zu versetzen? Herr Eugen Richter hat von jeher fein Talent und feine ganze Leistungsfähigkeit als Redner immer nur dann entfaltet, wenn es galt, frische und derbe Opposition zu machen. -Diese aber fehlte gerade diesmal in der Rede -Eugen Richters und man gewann aus seinem ganzen Auftreten und Reden den Eindruck, als könnte er nicht fo recht, [wie er wollte oder ge­wollt hatte. Jedenfalls hat Herr Richter sich geflissentlich davor gehütet, auch nur mit einem einzigen Worte zu sagen, daß. die Freisinnige Volkspartei die Vorlage ab lehnen werde. An ernster und lustiger Kritik hat es Herr Richter nicht fehlen lassen. Aber er und seine Freunde wollen augenscheinlich ebenso wie das Centrum ihre Stellung zu der Vorlage von den genaueren Mittheilungen und Erläuterungen der Regierungsvertreter in der Budget-Kommission abhängig machen; und deswegen fehlte den Worten Richters die prickelnde Beigabe der kräftigen Opposition, die er nothwendig braucht, um sich in seinem ganzen Glanze als Redner zu zeigen.

Bestimmte Erklärungen für und gegen die Vorlage haben nur zwei Redner abgegeben: Herr Bebel im Namen der Sozialdemokratie gegen und Herr Freiherr v. Stumm als sreikonser- vativer Parteiredner für die Vorlage. Beide Er­klärungen aber waren vollkommen felbstverständ- lieh und haben zur Klärung der Lage nicht weiter beigetragen.

Bedenken gegen die Vorlage bestehen auch bei den Konservativen. Im Reichstage hat diese Bedenken Herr v. Levetzow zart ange­deutet. Deutlicher werden dieselben in einigen konservativen Blättern ausgesprochen. Es han-

Inseratr: Die«»- spalt. Garmond- »eil« oder bett» Raum IS Pf., Re­klamen die Petit» geile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend- Rabntt gewährt.

x Selbst in kühler Winterszeit bringt die Reporterphantasie mitunter wundersame Dinge zutage. Folgende Meldung taucht in der Mün­chener Allgemeinen Zeitung" auf: „In gut unter­richteten Kreisen wird versichert, daß die Bildung einer agrarische« Krappe int Kenlrum und der Abschluß eines Kartells mit dem Bunde der Landwirthe nunmehr perfekt geworden ist." Es ist schwer zu begreifen, wie ein poli­tisches Blatt von dem Schlage der Münchener .Allgemeinen Zeitung' so blühenden Unsinn in feine Spalten ausnehmen kann. Hätte es das am 1. April gethan, so würde alle Welt gelacht und gesagt haben, das fei ein herrlicher April­scherz. Aber mitten im ernsten Monat Januar sollte derlei doch lieber unterbleiben. Es braucht gar nicht besonders gesagt zu werden, daß an der ganzen Meldung auch nicht ein Sterbenswörtchen wahr ist oder auch nut entfernt an wirklich vor­handene Thatsachen, Erwägungen ober Dinge anklingt, die in absehbarer Zeit noch kommen könnten.

* Ueber die Pläne der Regierung betreffs des Aostzettlmgstarife- verlautet folgendes;

Die Zeitungsgebübren sollen betragen 10 Pfg. für jede Bezugszeit ohne Rücksicht auf deren Dauer, ferner 15 Pfg. jährlich für das wöchentlich einmalige oder seltenere Erscheinen, sowie 15 Pfg. jährlich mehr für jede weitere Ausgabe in der Woche, und schließlich 10 Pfennig für jedes Kilogramm des Jahresgewichtes, mindestens jedoch 40 Pfg. jährlich für jede Zeitung.

Die Einzelheiten müssen abgewartet werden, aber soviel kann man wohl sagen: wenn die An­gaben zutreffend sind, wird der kleine Mann den Schaden haben, indem ihm die billige tägliche Zeitung entzogen wird. Ob damit der Kulturentwickelung gedient ist, lassen wir un­entschieden, aber die Sozialdemokratie, die man zu treffen glaubt, wird sich zweifellos die schöne Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Leute mündlich zu verführen, welche die gutgesinnte kleine Tagespresse sodann nicht mehr über die sozialdemokratischen Volksbetrügereien aufklären kann. Wir verstehen es sehr wohl, daß einzelne große und tbeuere Zeitungen für einen solchen Plan sind, der den Abonnementrpreis ganz unberücksichtigt läßt und die billigste Zeitung der theuersten gleich besteuert; sie machen ihre Geschäfte dadurch, daß die kleine Presse ver­nichtet wird, leider aber auf Kosten der breiten Schichten des Volkes.

• Halbamtlich wird es als sicher bezeichnet, daß dem preußischen Landtage in der be­vorstehenden Tagung der angekündigte Gesetz­entwurf über die Aestenerung der Maarerr- Hänser zugehen werde. Gegenwärtig ist nach dieser Mittheilung der Entwurf noch Gegenstand der Verhandlungen zwischen den beiheiligten Ressorts der Staatsregierung. Der Zweck des Gesetzes soll „lediglich in der ausgleichenden Ge­rechtigkeit auf dem Gebiete der Gewerbehesteuerung zu suchen fein, keineswegs darin, die Maaren- Häuser durch eine übermäßige Besteuerung zu erdroffeln. Leider sagen diese Mitheilungen kein Wort davon, was der Gesetzentwurf thatsächlich an Bestimmungen vorsieht.

• Die Auffassung Derjenigen erweist sich, wie zu erwarten war, als richtig, die noch nie­mals an ernste Konflikte zwischen Irankreich

-krfchemt täglich, m Ausnahme der Soun- und Feier­tage. Bierteljährl.

Bezugspreis ohneBringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus« »ans 1M 50 Pf.

(6 Druck und Verla, der Ealbaer AciiendruckereS

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■*-&£** mit Zlnterhattungs-Aeilage „IlÜtstrirte Sormtags-Seitung

beit sich dabei um die Bildung neuer Truppen­körper, namentlich um die Bildung neuer Divi­sionen und Armeekorps, gegen die auch der Centrums- Redner Freiherr v. Hertling schwere Be­denken geäußert hat. „Es ist auffällig," so läßt sich darüber die .Deutsche Tagesztg." vernehmen, „daßdie Bildung neuer Armeekorps verlangt wird, weil die Zusammenfassung von drei Divi­sionen in einem Armeekorps nicht angängig fei, daß aber gleichzeitig wiederum neue dritte Divisionen gebildet werden. Man neigt in nationalen Kreisen der Meinung zu, daß die Regierung besser daran gethan hätte, offener zu sagen, was nothwendig sei, und nicht lieber« gangs - Formationen zu fordern, die sehr bald nach Vervollständigung schreien . . . Wir sind von unseren Freunden überzeugt, daß sie sammt und sonders entschlossen sind, das als nothwendig Erwiesene zu bewilligen. Freilich, dieser Nach­weis muß geführt werden und hätte etwas besser vielleicht schon in der fabelhaft dürftigen Begründung geführt werden können. . . ."

Die vor dem Beginne der Berathung auch an dieser Stelle ausgesprochene Vermuthung ist eingetryffen, daß der preußische Kriegsminister von Goßler in seiner Eigenschaft als amtlicher Vertreter der verbündeten Regierungen im Reichs­tage nicht in der Tonart des .Militär-Wochen­blattes" und der militärischen Mitarbeiter konser­vativer Zeitungen über die zweijährige Dienst­zeit als über ein Ding reden würde, das man eines schönen Tages wieder abschaffen könnte. Nichtsdestoweniger hat es Herr v. Goßler mit großer Vorsicht vermieden, der zweijährigen Dienst­zeit ein unbedingt und unzweifelhaft gutes Zeugniß auszustellen. Er hat Vortheile aufgezählt, die dem Heere aus der zweijährigen Dienstzeit erwachsen; und er hat sofort hinterher verschiedenes genannt, das er als Nachthelle bezeichnete, die ebenfalls ,» der Einführung ver zweijährigen Dienstzeit ihren Grund haben sollen. Aber ein Facit hat er daraus nicht gezogen.

Daß au eine Abschaffung der zweijährigen Dienstzeit nicht mehr zu denken ist, haben so ziemlich alle Redner ohne Unterschied ausgesprochen; auch die Redner von der rechten Seite des Hauses. Darum also kann es sich bei den weiteren Be- rathungen nicht mehr handeln. Nur darum wird der Streit sich drehen, ob die zweijährige Dienst­zeit schon jetzt gesetzlich festgelegt werden soll oder nicht. Herr Eugen Richter hat angekündigt, daß die freisinnige Volkspartei einen Antrag auf solche gesetzliche Festlegung einbringen wird; und dieser Antrag wird der geeignete Ausgangspunkt für die Auseinandersetzungen über diese Frage fein. Man kann diesen Antrag der freisinnigen Volkspartei recht wohl verstehen; denn gerade unsere Heereseinrichtungen sollten klar und in zweifelloser Weise geregelt sein. Aber auf der anderen Seite haben auch diejenigen nicht ganz unrecht, die jagen: die Ueberzeugung ist allgemein, daß die zweijährige Dienstzeit nicht mehr beseitigt werden kann; und deswegen steht diese Einrichtung als in sich gesichert da, fest gegen alle Anstürme, die etwa noch dagegen unternommen werden könnten, auch ohne ausdrückliche gesetzliche Festlegung in dieser neuen Heeresvorlage.

Mer, Llhwtti uni faiktl.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

23 ------ (Nachdruck verboten.)

„Da? steht bei mir außer Zweifel," bemerkte der Schwede ruhig. „Es ist deßhalb an der Zeit, ihn durch einen zuverlässigeren Mann zu ersetzen."

„An der Zeit war das längst;" erwiederte ^Christian Wilhelm sarkastisch.

„Was haltet Ihr vom Stadtsyndikus Jo­hannes Denhard?" fragte Björne, ohne sich um den sarkastischen Ton des Administrators zu fümmern.

«Ah! der wäre sehr gut!" antwortete rasch her Brandenburger; „der hat vor einem Jahre den Wallenstein'schen Kommiffarien erklärt, ehe die Magdeburger eine kaiserliche Garnison auf« nähmen, würden sie die Stadt mit eigenen Händen anzünden. Aber er hat sich zurückgezogen; er hat nicht einmal mehr die Rathswahl angenommen."

„Wie wär's denn mit dem gegenwärtigen Stadsyndikus Dr. Markus?"

„Dessen bin ich selber noch nicht sicher; aber er neigt sich mir zu, wenn er einen mir zuge- »öanbten regierenden Bürgermeister bekommt. Gefällt Euch Brauns?"

„Meinetwegen; er wird zwar kaum regieren."

„Wir setzen ihm den RathSherrn Kühlewein als zweiten Bürgermeister zur Seite."

„Das wäre ein Plan! Seid Ihr deffen

sicher?"

„Ich glaube. Aber wir veitheilen da die Rollen ohne einen Schein von Aussicht," bemerkte endlich der Administrator.

„Das wäre meine Sorge, Herr Administrator," erwiederte kühl der Schwede. „Ihr möget nur einwilligen, im gegebenen Augenblick mir Euren Namen und Einfluß zur Verfügung zu stellen.""

„Der soll Euch nicht fehlen, wenn ich nur erst weiß..."

„Se. schwedische Majestät wird Ew. Gnaden gegen kaiserliche Forderungen in Schutz nehmen, und nicht gestatten, daß die über Euch verhängte Reichsackt in Vollzug komme. Dagegen verlangt Se. Majestät, daß Ihr offen und rückhaltslos Euch für die Intervention im Jntereffe der reli­giösen Freiheit erklärt, und Se. Majestät einlabet, die Stadt Magdeburg mit starker Hand zu schirmen."

„Das heißt, Kontributionen von ihr zu er­heben, und schwedisches Kriegsvolk hineinzu­legen.""

„Wenn nöthig . . . ja," antwortete Björne nach einigen Besinnen. Dann fuhr er fort: Der König ist mit dreizehntaufend Mann aus­erlesenem Kriegsvolk gelandet. Neuntausend stehen an der schwedischen Küste bereit, um auf den ersten Ruf zu folgen. Herzog Boguslaw von Pommern ist mit Sr. Majestät verbündet, ein Bündniß mit dem Herzog von Mecklenburg ist im Abschluß begriffen. Es bestehen außer­dem noch geheime Traktate, Über welche ich natürlich keine Mittheilung zu machen berechtigt bin; aber dieselben werden offenbar werden, so­bald die Völker Sr. Majestät sich den Landes­grenzen nähern."

„Als ich noch in Schweden war, stand der

König bereits in geheimer Unterhandlung mit dem Landgrafen von Heffen."

Der Schwede verbeugte sich stumm.

„Nun wohl," fuhr der Administrator fort, da er sah, daß Björne auf diese hingeworfene Bemerkung nicht einging. „Bei der Bürger­schaft wird es sehr schwer halten, Kontributionen und Einquartierung annehmbar zu machen; Ihr wißt, daß Magdeburg deßhalb von den Kaiser­lichen blockrrt war, und obwohl der damalige Rath stark kaiserlich gewesen, so hat er doch dem fremden Kriegsvolke den Zutritt verweigert."

„Ich weiß Ew. Gnaden, und verbürge mich für den Ausgang."

„Was mich anbelangt, so stehe ich mit meinem Namen und Anhang zu Sr. Majestät Verfügung, vorausgesetzt ..."

„Vorausgesetzt?" wiederholte fragend der Schwede.

„Daß Se. Majestät sich verpflichtet, mir bei­zustehen, das Erzstift Magdeburg in ein welt­liches Herzogthum zu verwandeln, mit der Stadt als Haupt- und Residenzstadt."

„Und mit Ew. Gnaden als Herzog von Magdeburg."

„Natürlich. Was könnte mir sonst am Her­zogthum liegen?"

„Se. Majestät hat Kenntniß von den Inten­tionen Euer Gnaden, und da er Forderungen an Euch stellt, so zweifle ich nicht, daß er auch be­reit ist, den Preis zu zahlen."

„Habt Ihr Vollmacht, das zuzusagen?"

„Ich bin fein Bevollmächtigter," erwiderte Björne, „sondern habe nur vertrauliche Mit­theilungen zu machen, und solche entgegenzu­

nehmen. Wünscht Ihr eine förmliche Zusage, bann will ich barüber nach Pommern beichten. Aber mich bünft, Herr Administrator, ber König wirb Euch bie Antwort selbst überbringen, und bann möchte er leicht in ber Sage sein, bie Stabt zu besetzen, ohne sich zu irgenb etwas ver­bindlich zu machen."

Der Markgraf zuckte leise mit den Achseln, während ein unmutiger Zug fein Gesicht ver­düsterte. „Berichtet immerhin," meinte er nach einer Pause. „Ich möchte.doch eine förmliche Zufage von des Königs Hand, ehe ich mich mit Haut und Haar verspreche. Schlimmer kann es ja doch nicht werden, als daß ich solche nicht bekomme. Und dann bliebe mir Eins immer noch übrig.“

„Und das wäre, wenn Ew. Gnaden erlauben?" fragte ber Schwede rasch. Dann fetzte er, wie zur Entschuldigung seiner ungeziemenden Frage hinzu: „Ich möchte das doch auch Sr. Majestät berichten."

„Das möget Ihr," sagte Christian Wilhelm gereizt. „Ich kann immer noch einen kaiserlichen General herbeirufen, und dem die Thore öffnen. Bedenkt, Herr Olaus Björne, seitdem die schwe­dische Majestät an's Land gestiegen, sind der Kaiser und feine Generale um Vieles zugäng­licher geworden als früher, und es ist sehr frag­lich, ob sich heute nicht trotz des Restitutions­ediktes ein billiges Abkommen mit dem Kaiser treffen ließe."

Der Schwede schwieg verblüfft und fein Ge­sicht verlängerte sich auffallend. „Ich will's be­richten," stotterte er endlich.

„Thut das!" meinte der Administrator.