Einzelbild herunterladen
 

26, Jahrgang

IuL'öa, Samstag, den 14. Januar 1899.

Jli 11

WKUMllHP »SttsIM.SOPf.

♦ M ZnftrairrDieeti»

- I _j^L ▲ A. a A spalt. Garmond

rtf

Mx H DM ■ H W H H VM Namen die Petit- L/ L-AHAAU^sH» LLL-« wird entsprechend.

Rabatt gewährt.

mit Anterhatlungs-Meicage „Muflrirte Sonntags-Zeitungs

ainnnMfe

0 Die Interpellation Wangenheim

über die Fleischnoth hat den Reichstag zwei ganze Tage beschäftigt, und zwar nicht nur zwei Sitzun­gen von gewöhnlicher Dauer hindurch. Die Sitzun­gen beider Tage waren außergewöhnlich lang, namentlich aber am Mittwoch dauerte die Ver­handlung bis in eine so späte Abendstunde hinein, wie man es sonst nur während der letzten Tage einer Sitzungs-Periode zu erleben pflegt, in denen noch Hals über Kopf allerhand erledigt und nach­geholt werden soll, ehe die Reichstags-Mitglieder wieder ihrem Heim zueilen. Bei Beginn einer Tagung sind derartige ausgedehnte Sitzungen, die 6 Stunden und mehr in Anspruch nehmen, eine Seltenheit.

Daß diese Seltenheit diesmal in Erscheinung trat, kommt wohl hauptsächlich daher, daß cs sich um eine reine Interessen - Frage handelte. Hätte die Interpellation des Freiherrn v. Wangen­heim einen hochpolitischen Gegenstand betroffen, so würde deren Besprechung vermuthlich weit schneller erledigt gewesen sein. Bei solchen Jn- teresien-Fragen aber machen sich gewöhnlich auch innerhalb einer und derselben Partei verschieden­artige Anschauungen geltend, je nach den Einzel- Interessen verschiedener Landstriche und Bevölke­rungs-Klassen, die von den verschiedenen Abgeord­neten im Parlamente vertreten werden, und dann darf und will keiner versäumen, seine besonderen Anschauungen und Erfahrungen zum Ausdruck zu bringen.

In dieser Lage befand sich beispielsweise dies­mal der Abgeordnete Stephan - Beuthen vom Centrum. Das oberschlesische Industrieland, das Herr Stephan im Reichstage vertritt, hat seine ganz besonderen wirthschaftlichen Verhältnisse, die in mancher Beziehung einzig im Reiche dastehen; und daß nun gerade dieses oberschlesischeJndustcie- land gegenwärtig wirklich in einer gewissen Noth- • läge sich befindet, ist eine unleugbare Thatsache, die in der Presse und namentlich auch an dieser Stelle schon mehrfach gekennzeichnet worden ist. Herr Stephan hat durch seine Darlegungen am letzten Mittwoch im Reichstage diese Thatsache von Neuem in's hellste Licht gerückt: er hat über­zeugend dargethan, wie auf den oberschlesischen Industrie-Bezirk ausnahmsweise das nicht zutrifft, was sonst so ziemlich für das ganze Reich paßt, und mit großer Sachkenntniß und anerkennens- werther Pflichttreue hat er die Interessen derer verfochten, deren Jntereffen er im Parlamente zu vertreten die Pflicht hat. Daß er in diesem Sinne und nicht im Namen der Centrums-Frak­tion des Reichstages gesprochen hat, ist übrigens ausdrücklich von ihm in einer persönlichen Be­merkung am Schluffe der Sitzung festgestellt worden.

Wie richtig die Schilderungen des Herrn Abg. Stephan sind, das geht aus allen Berichten her­vor, die über die wirthschaftliche Lage in Ober­schlesien eintreffen. So hat beispielsweise die staatliche Bergwerks- und Hütten-Verwaltung in Königshütte sich genöthigt gesehen, eigene

ftbrr, Lchvert uni) Mel.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

22 ------ (Nachdruck verboten.)

VII. Se. Schwedische Majestät.

In verhältnißmäßig kurzer Zeit hatte die schlaue Politik des Brandenburgers über die Idealität eines ehrlichen Revolutionärs gesiegt. Bruno Gilden wollte wirklich als höchstes Ziel die Freiheit und Selbständigkeit der Stadt, und um dieselbe zu erringen, hatte er das Mittel einer bewaffneten Erhebung nicht gescheut. Das war aber der Jrrthum Bruno Gildens, daß er meinte, eine Revolution führe zur Freiheit, die Revolution führt zur Gewaltherrschaft schlauer Intriguanten. Deßhalb kann eiue Revolution in ihrer werteren Entwickelung doch auch gute Früchte zeitigen; sonst müßte man an der Weis­heit Gottes verzwerfeln, welche das Böse nur deßhalb zuläßt, weil sie die Ereigniffe zum Guten zu lenken vermag.

Christian Wilhelm von Brandenburg wußte genau, was er wollte. Er wollte aus dem Erz­stifte Magdeburg ein weltliches Fürstenthum machen, dessen Fürstenreihe er eröffnete. Natür­lich hatte daneben eine freie Stadt Magdeburg keinen Platz; sie sollte seine Residenz werden, und et hatte auch eine kleine, aber zielbewußte Partei, welcher er vorspiegelte, daß der Glanz eines fürstlichen Haushaltes, der die Landesein­künfte in der Hauptstadt in Umlauf bringe, idealen Rechten, mit welchen man eigentlich keine

Verkaufsstellen für Fleisch zu errichten, weil sonst ihre Arbeiter nicht mit dem nothwen- digen Fleische sich versorgen können; und diese Verkaufsstellen sind so außerordentlich in An­spruch genommen, daß sie Tag und Nacht arbeiten müffen, um die Ansprüche zu befriedigen, welche an sie gestellt werden.

Aber abgesehen von solchen Ausnahmefällen ist ohne Zweifel als Ergebniß der zweitägigen Berathung die Thatsache zu verzeichnen, daß es bei uns in Deutschland eine Fleischnoth nicht gibt. Noch mehr: der Centrumsabgeordnete Pfarrer Gersten berg er hat im Gegentheil fest­gestellt, daß in manchen Theilen des deutschen Reiches, so namentlich in Süddeutschland, großer Reichthum an Vieh beiden Bauern vorhanden ist, und daß diese mitunter große Mühe haben, ihr Vieh zu anständigen Preisen los zu werden. Beide Centrumsredner, Herr Stephan sowohl wie Herr Pfarrer Gerstenberger, haben außerdem festgestellt, daß vielfach die Viehgroßhändler sich zusammenthun, um auf der einen Seite den Ein­kaufspreis für das lebende Schlachtvieh zn drücken, auf der anderen Seite den Preis für das Fleisch in die Höhe zu treiben; und allein die Feststellung dieser bedauerlichen Thatsache ist werthooll und wichtig, auch wenn sonst nichts bei der Debatte herausgekommen wäre.

Freiherr von Wangenheim, der Ur­heber der Interpellation, hat sich bei diesem seinem ersten Auftreten im Reichstage als Präsident des Bundes der Landwirthe nicht gerade als eine Kraft bewährt, wie sie eine solche Körperschaft gleich dem Bunde der Landwirthe zur erfolgreichen Betreibung ihrer besonderen Zwecke sich wünschen müßte; aber das ist eine Thatsache, die weniger bedauerlich ist und die auch nur den Bund der Landwirthe allein etwas angeht, für die Allge­meinheit also getrost auf sich beruhen bleiben kann.

In glänzendem Lichte hat sich dagegen Graf von Ballestrem als Präsident des Reichstages gezeigt. Mit rascher Umsicht, in vollendeter und verbindlicher Form und doch auch wieder im Be­darfsfälle mit dem uöthigen Nachdruck leitet Graf v. Ballestrem die-Verhandlungen des Reichstages, und diesen kann man nicht genug beglückwünschen zu der Wahl gerade dieses Präsidenten. Das ganze Haus ohne Unterschied der Partei gewann am letzten Mittwoch Graf v.Ballestrem in stürmischer Heiterkeit für sich, als er bei einer sogenannten „persönlichen Bemerkung" des sozialdemokratischen Abg. Hase die Glocke schwang, weil dieser die „persönliche Bemerkung" mißbrauchen wollte zu einer neuen politischen Rede und einen Satz be­gann mit den Worten: „Das Volk wird sagen . . " „Herr Abgeordneter — rief Graf Ballestrem dazwischen — was das Volk sagt, ist keine persön­liche Bemerkung!"

Quesnay de Beaurepaire.

Am letzten Donnerstag hat der neugewählte, Präsident der französischen Deputirten- kammer, Herr Deschanel, fein Amt über­nommen. Gleich im Anfänge seiner Thätigkeit hat er einen kräftigen Vorgeschmack bekommen davon, was es heißt, Präsident der französischen Kammer zu sein — unter Umständen eine recht Suppe schmälzen könne, bei weitem vorzuziehen sei. Diese Ansicht war namentlich im Kauf- mannstande und unter den angesehenen Hand­werksmeistern vertreten, während die Patrizier an den pergamenten Rechten der Stadt festhielten, im letzten Grunde deßhalb, weil ihnen dieselben zu Gute kamen, und zu ihnen hielt das gemeine Volk, das sich durch allerlei Phrasen von Gerecht­samen und Privilegien der Stadt, von bürger­licher Freiheit und Unabhängigkeit binreißen ließ.

Nun hatte aber dies gemeine Volk in Bruno Gilden ein Haupt gefunden, welches die Phrasen der allgemeinen Volksrechte gerne zur Wahrheit gemacht hätte. So setzte er nicht ohne große Mühe durch, daß jedes der achtzehn Viertel von Magdeburg einen Viertelmeister wählte, welcher an den Rathssitzungen theilnahm und welche, gleich den römischen Tribunen, ein Veto gegen Rathsschlüsse einzulegen das Recht hatten. Das Volk jubelte Gilden zu, die Patrizier waren wülhend über diese Beaufsichtigung ihrer Herr­schaft, und die Partei des Administrators hatte auf's Neue große und einflußreiche Kreise zu Verbündeten erhalten.

Auch die äußeren Verhältnisse unterstützten den Administrator wesentlich in der Durchführung seiner zunächst auf den Sturz Gildens gerichteten Pläne. Der kaiserliche General Pappenheim, der in Halberstadt kommandirte, konnte unmöglich die Dinge sich ruhig weiter entwickeln lasten; er sandte ein entschieden gehaltenes Schreiben an den Rath, und den daran sich knüpfenden Ver­handlungen war der schlaue Brandenburger ent­schieden bester gewachsen, als der ideale Gilden.

Der Administrator hatte seine Hände viel

dornenvolle Ehre! Denn am Donnerstag wurde die Interpellation über die Angelegenheit des HerrnQuesnay deBeaurepaire verhandelt, und in wilden Tumulten platzten wieder einmal die Geister aufeinander — theilweise nicht nur die Geister, sondern auch die Leiber der ehren- werthen Herren Volksvertreter.

Herr Quesnay de Beaurepaire war, wie be­kannt, der Vorsitzende einer Kammer des obersten Pariser Gerichtshofes, des Kastationshofes. Ec hat nun dieses Amt niedergelegt und hat gleich­zeitig schwere Anklagen erhoben gegen den ganzen Kassationshof. Wenigstens scheinen diese An­klagen bei flüchtiger Betrachtung sehr bedeutungs­voll zu sein: Ausdrücke wie „Vergehen gegen die Amtswürde", „Liebedienerei", „Verdächtig", „Ver­nichtung des Ansehens des höchsten Gerichtes" wimmeln darin. Aber wenn man diese Anklagen genauer prüft, so entdeckt man, daß es darin an eigentlichen Thatsachen recht fehlt, und daß die bombastischen Ausdrücke nach der Art der ange­führten die Hauptsache darin sind. Nichtsdesto­weniger pflegt derlei in Frankreich und nament­lich in Paris selbst den lebhaftesten Eindruck hervorzurufen; und die Regierung mußte sich des­wegen gern oder ungern dazu bequemen, auf die Anklagen des Herrn Quesnay de Beaurepaire hin eine Untersuchung einzuleiten.

Beaurepaire ist einer der Nationalisten heiß­blütigster Art. Deswegen paßte es ihm nicht, daß der Kassationshof vorurtheilslos an die Beurtheilung und Behandlung des Dreyfus-Falles heranging. Er und seine Freunde wollten die Pläne des Kassationshofes durchkreuzen und ver­wirren, und darum erfolgte augenscheinlich dieser Streich zur Freude aller Chauvinisten und Natio­nalisten, die Herrn Quesnay de Beaurepaire, den „ehemaligen Franktireur von 1871", zur Beloh­nung dafür zu ihrem neuesten Helden erhoben.

Die Regierung mußte also einfchreiten, mochte sie nun wollen oder nicht. Der Minister- rath hat mit der Untersuchung Herrn Maze au beauftragt, erster Präsident des Kaffationshofes; und diesen werden dabei zwei Räthe aus dem Justizministerium unterstützen. In der Depu- tirtenkammer wurde außerdem eine Inter­pellation über den Fall Beaurepaire eingebracht, und am letzten Donnerstag wurde über diese Interpellation verhandelt. Gleich während der Rede des Abg. Millevoye, der die Interpel­lation begründete, kam es zu heftigen Tumulten in der Kammer und zu wildem Lärm, als der Redner eine strenge Untersuchung und Strafen gegen die schuldigen Richter verlangte. Und nicht minder laut ging es zu, als nach Millevoye der Antisemit Lasies in dieselbe Kerbe hieb. In einem Punkte freilich mag Herr Lasies ganz das Rechte getroffen haben, als er nämlich sagte: Frankreich habe nun genug von Dreysus.

Aber alles Lärmen hat auch diesmal nichts geholfen: die Regierung hat am Ende einen glän­zenden Sieg davongetragen. Nach Lasies bestieg der Justizminister Sebret die Redner - Tribüne und erklärte, es fei feine erste Pflicht, den regel­rechten Gang der Justiz zu sichern. Es feien be­reits Erhebungen auf die Anklagen Beaurepaire's hin angeordnet, und nach Beendigung derselben werde die Kammer Kenntniß von dem Ergebnisse.

tiefer in den Angelegenheiten der Stadt stecken, als Gilden dieses wünschte, aber es gelang ihm, Zeit zu gewinnen, während Gilden Truppen an- roerben und die Stadt in Vertheidigungszustand setzen ließ. So erschien der Administrator als derjenige, welcher den Frieden zu bewahren suchte, während Gilden anscheinend die Stadt in Krieg verwickeln wollte.

lieber den Unterhandlungen war es allmählig Juli geworden, und plötzlich durcheilte eine merk­würdige, von Vielen nicht geglaubte Sage auf SturmesflÜgeln ganz Deutschland. König Gustav Adolph von Schweden war an der Spitze von 13,000 Mann bei Usedom in Pommern gelandet und bis das Gerücht bis in die Gegend von Magdeburg gedrungen war, hatte dasselbe die dreizehtnausend Mann bis auf sechs unddreißig- taufenb erhöht, und je nach der Stellung der Parteien hatte man hier gehört,daß dem Schweden­könig, als dem Beschützer des reinen Evangeliums, jubelnd alles zufalle, und dort, daß die Schweden sich mordend, sengend und raubend über ganz Pommern ergössen; darüber aber waren alle einig, daß Gustav Adolph rasch vorwärts bringe. Und nicht einmal das war richtig. Selbst die protestantischen Herzoge von Pommern und Mecklenburg wollten nichts von den Schweden roiffen, und mußten zum Bündniffe mit ihm ge­zwungen werden. Er war darum genöthigt, mit ungemeiner Vorsicht vorzugehen.

Am Abende des Tages, da die Kunde in die Stadt gedrungen war, erschien Olaus Björne im Vorzimmer des Administrators, und wurde sofort eingeführt.

„Se. Gnaden gehen schon seit zwei Stunden

dieser Erhebungen erhalten. Schließlich nahm die Kammer mit der starken Mehrheit von 423 gegen 125 Stimmen die von der Regierung gebilligte einfache Tagesordnung an, ging also damit über die eingebrachte Interpellation zur Tagesordnung über.

Der erste Angriff des Herrn Beaurepaire und seiner Freunde ist damit also abgeschlagen.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Januar.

* Am Samstag wird der AttndesratH eine Sitzung abhalten, anstatt, wie sonst üblich, am Donnerstag. In dieser Sitzung sollen die An­träge des Ausschusses über das Jnvaliden- Versicherungs-Gesetz berathen werden.

0 Die Abstimmung Aayerns im Bundes- rathe über die lippesche Frage unterliegt fortgesetzten Widersprüchen. Auffällig ist, daß die Münchener,Allgern. Ztg/ als sicher annimmt, daß Bayern irn Bundesrathe dagegen gestimmt habe und bedauert, daß diese Thatsache geflissent­lich verhüllt werde. Von dem genannten Blatte wird in der Regel angenommen, daß es in guten Beziehungen zu Regierungskreisen stehe.

+ Die Karolinen Anfek« sind gegenwärtig der Gegenstand lebhaften Interesses und ver­schiedener Ausführungen in der Presse. Daß Verhandlungen über die Abtretung an Deutsch­land zwischen diesem und Spanien noch nicht eingeleitet sind, hat, -wie vorgestern berichtet, der spanische Ministerpräsident Sagasta in aller Form und mit vollem amtlichem Ernste festge­stellt. Aber er hat freilich auch nicht in Abrede gestellt, daß derlei nicht noch kommen könnte. Aus Washington wird nunmehr berichtet, daß dort die Meinung besteht, Deutschland werde nach dem Vollzüge des spanisch-amerikanischen Friedens Besitz von den Inseln ergreifen. Aber auch diese Nachricht kommt augenscheinlich viel zu früh. Jedenfalls wird in einer Meldung, deren Ursprung ohne Zweifel in Berliner Re­gierungskreisen zu suchen ist, bestimmt versichert, daß alle diese Nachrichten „verfrüht" seien; „es dürfe jedoch angenommen werden, daß die deutsche Regierung nicht unterlassen werde, die Interessen Deutschlands in dieser Angelegen heil zu wahren". Das klingt mehr wie Bejahung als Verneinung, daß die Reichsregierung ernsthafte Absichten auf die Karolinen hat!

st Nach dem Entwürfe des neuen ZLank- gesetzes, das jetzt dem Bundesrathe vorliegt, soll einem plarlamentarischen Berichterstatter zufolge eine Vermehrung des Grundkapitals der Reichs­bank von 120 auf 150 Millionen Mark vorge­sehen sein. Das steuerfreie Notenkontingent soll von 293,4 auf 400 Millionen Mark erhöht werden.

X Dem Bundesrathe liegt gegenwärtig, wie schon in der ,Fuld. Ztg/ berichtet wurde, die neue Novelle zum N-Ägesetze vor. Nach der Meldung eines parlamentarischen Berichterstatters soll das Höchstgewicht bei 10 Pfg. Briefporto von 15 auf 20 Gramm erhöht werden, wie man längst weiß. Ebenso ist bereits bekannt, daß die

im Zimmer hin und her," flüsterte ihm der Ge­heimsekretär Peter Meyer zu, welcher den Schweden im Vorzimmer erwartet hatte. „Bringt Ihr Nachrichten?"

Olaus nickte nur und verschwand im Kabinete des Administrators.

„Was ist's? Was soll ich glauben ?" fragte Christian Wilhelm stürmisch.

„Glaubt, daß Se. schwedische Majestät an der Spitze eines auserlesenen Heeres auf deutschem Boden sich befindet."

„Und was hab' ich zu erwarten? Ich habe drei Wochen keine Silbe aus Stockholm gehört."

„Natürlich!" erwiderte Olaus. „Aller Ver­kehr war gesperrt, während die Truppen sich zur Einschiffung sammelten. Es durste kein Kahn abstoßen, damit die Gegner keinerlei Nachricht erhielten. Meine Nachrichten sind nicht jünger, als die Euren."

„Geht zum Teufel, wenn ihr nichts anderes wißt!" brauste Christian Wilhelm enttäuscht auf.

„Ich habe aber andere Nachrichten, als Ihr", meinte der Schwede, sarkastisch lächelnd.

„Sprecht! Wißt Ihr, wie Se. Majestät ge­sinnt ist?" fragte der Administrator gierig.

„Se. Majestät ist nach Deutschland gekommen," begann Olaus ruhig und kalt, „um dem von papistischem Greuel bedrohten reinen Evangelium zu Hilfe zu eilen.“

„Ihr habt ganz Recht, Herr Schwede, wenn Ihr das in der Rathsoeisammlung sagt; Ihr werdet ja ohne Zweifel dorthin berufen werden. Aber wir wollen uns doch nicht Dinge erzählen deren Alfanzereien wir beide kennen. Se. Majestä, will ein Weltreich gründen und zu seinen schwe^