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mit Ilnterhattungs-Weilage „Illuflrirte Sonntags-Zeitungs' peterrgajk« «e. 2 (Darmani«).'

JuLöa, Freitag, den 13, Januar 1899,

10.

26, Jahrgang.

X Die katholischen Anstalten für schwachsinnige Kinder.

"Dieser Tage brachte die .Fuldaer Zeitung' einen Artikel über die Fürsorge für geistig zu­rückgebliebene Kinder. Zur Vervollständigung und Ergänzung der in diesem Artikel gemachten Angaben mögen nachstehende Zeilen eines rheinischen Mitarbeiters der .Germania' dienen: Es gibt, Gott sei Dank, in Deutschland eine größere Zahl von katholischen Anstalten, in denen geistig zu­rückgebliebenen Kindern ein systematischer Unter­richt ertheilt wird und deren Bestreben dahin geht, die armen Kinder auf den Empfang der hl. Sakramente vorzubereiten und dieselben so weit auszubilden, daß sie sich später in der An­stalt oder draußen im Leben nützlich machen können. Vor mir liegt: „Die Anstalten für Idioten und Epileptische in Deutschland und in der deutschen Schweiz; eine statistische Zusammen­stellung, herausgegeben von Dr. H. Sengel- mann, Direktor der Alsterdorfer Anstalten." In dieser Zusammenstellung sind folgende "sinter katholischer Leitung stehende Anstalten ver­zeichnet:

1. Privatanstalt in Burgkundstadt (Ober­franken). Von 26 Zöglingen am 1. Januar 1898 wurden unterrichtet 8 in 2 Klaffen durch zwei Lehrerinnen in den Elementarfächern der Volksschule. Die älteren Mädchen haben Fort- blldungsunterricht.

2. St. Vincenz-Jdiotenanstalt zu Cloppen­burg (Oldenburg). Von 38 Zöglingen am 1. Januar 1898 wurden unterrichtet 38 in drei Ksafsen (1 Vorschule), von 3 Lehrerinnen (2 seminaristisch, 1 nicht seminaristisch gebildet) in hkn Elementgrfächern.

3. Anstalt in Deybach bei Lautrach (Bez.- Amt Memmingen). Von ISS.Höolinaen am 1. Januar 1898 wurden unterrichtet 44 in 6 Klassen (1 Kindergarten) durch 6 Lehrkräfte (1 seminari­stisch gebildet) in den Elementarsächern, Sprach- und Handfertigkeits-Unterricht,

4. St.Josephshaus zu Gemünden am Main. Schwachsinnigen - Bildungs- und Pflege-Anstalt. Von 116Zöglingen am 1.Januar 1898 wurden unterrichtet 58 in 3 Klassen durch 2 seminaristisch gebildete und 2 nichtseminaristisch gebildete Lehr­kräfte in sämmtlichen Gegenständen der Volksschule.

5. St. Josephs - Anstalt in Herthen (Amt Lörrach, Baden). Von 3S6 Zöglingen am 1. Ja­nuar 1898 wurden unterrichtet 50-60 in 2 Klassen (1 Vorschule) durch einen Lehrer und eine Leh­rerin (seminaristisch gebildet) in Unterrichts-Gegen- ständen der Volksschule.

6. Privatanstalt Holnstein (Oberpfalz). Von 76 Zöglingen am 1. Januar 1898 wurden unter­richtet X8 in 2 Klaffen durch 2 Lehrkräfte (nicht seminaristisch gebildet) in den Elementarfächern; für die Schulentlassenen Fortbildungs-Unterricht.

7. Franz-Sales-Haus zu Huttropp bei Essen (Ruhr). Von 342 Zöglingen am 1. Januar 1898 wurden unterrichtet 175 in 6 Klassen (2 Kinder-

Mer, Schwert nnii fmktl.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

21 ------ (Nachdruck verboten.)

Das Gemach stand mit der Person voll­ständig im Einklang. An den Wänden hingen statt der religiösen Bilder Hirschgeweihe und an­dere Jagdtrophäen; ein kunstreich geschnitzter Schrank enthielt kostbare alte Waffen, und auf demselben stand ein blanker Silberhelm, über welchem als Helmzierde ein in Gold getriebener Adler seine Schwingen ausbreitete.

Der^ Administrator trat den Rathsherren einige Schritte entgegen.

„Willkommen, Ihr Herren!" sagte er in wohlwollend herablassendem Tone. „Was haben meine guten Magdeburger zu wünschen?"

„Halten zu Gnaden! Herr Administrator," bemerkte Gilden mit einer tiefen Verbeugung. „Wir find keine Vertreter der stiftischen Magde­burger, sondern Mitglieder des Rathes der Stadt, der freien Reichsstadt."

„Und haben denn Reichsstädtische deshalb weniger Anspruch auf mein Wohlwollen?" meinte der Administrator, unmuthig die Achseln zuckend, „Ich mache diesen Unterschied nicht, und möchte die Einen eben so glücklich sehen wie die An­dern."

„Mögen Markgräfliche Gnaden uns ver­zeihen ; wir machen den Unterschied;" antwortete Gilden ruhig und fest. „Die Emen haben das Recht, ihr Glück von Eurer Gnaden Fürsorge zu

gärten) durch einen geistlichen Rektor und 6 Leh­rerinnen im Hauptamts, 2 Kindergärtnerinnen, 2 Handarbeits-Lehrerinnen, 2 Handfertigkeits-Leh­rer und 2 Taubstummen - Lehrer im Nebenamte. Unterrichts-Gegenstände sind die Elementarfächer, Turnen und Handfertigkeits-Unterricht; eine Abend­schule für die Schulentlassenen.

8. Jdioten-Anstalt Marienhausen bei Aß- mannshausen am Rhein. Bischöfliche Anstalt der Diözese Limburg. Von 106 Zöglingen am 1. Ja­nuar 1898 wurden 92 in 5 Klaffen (3 Schul­klassen und 2 Vorschulen) durch den Hausgeist­lichen und 5 Lehrkräfte (3 seminaristisch gebildet, 2 Kindergärtnerinnen) in den Elementarfächern unterrichtet.

9. Jdiotenanstalt des St. Johannes-Vereins zu Niedermarsberg (Westfalen). Von 331 Zöglingen am 1. Januar 1898 wurden unter­richtet 146 in 7 Klassen und 2 Vorschulen durch 9 Lehrerinnen (4 seminaristisch, 3 nicht semina­ristisch gebildete Lehrerinnen und 2 Kindergärt­nerinnen) in den Elementarfächern.

10. St. Josephsanstalt in Ursbach (Bez.- Amt Krumbach) Bayern. Von 753 Zöglingen wurden unterrichtet 127 in 7 Abtheilungen durch 7 seminaristisch gebildete und 3 nicht seminaristisch gebildete Lehrkräfte in den Elementarfächern, außer Realien und Turnen.

Das ist wahrlich eine ganz stattliche Reihe katholischer Anstalten für geistig zurückgebliebene Kinder, und es liegt daher sicher kein Grund vor, für die Unterbringung solcher Kinder protestan­tische Anstalten zu empfehlen. Wenn überhaupt Unterricht und Erziehung konfessionell sein sollen, so ist dies erst recht nothwendig bei geistig zurück­gebliebenen Kindern. Erster Zweck des Unter­richts bei schwachsinnigen Kindern und auch Haupt­sorge der bekümmerten Eltern ist es, daß die Kinder fähig gemacht werden, mit Nutzen die heil. Sakramente zu empfangen. Wer aber aus Erfahrung weiß, daß gerade solche geistig zurück­gebliebene Kinder überaus vieles lernen durch Gewöhnung und Anschauung, dem ist es klar, daß für solche Kinder einige Religionsstunden in kt Woche nicht genügen^ der ganze Unterricht muß vielmehr durchweht sein vom Geiste der hl. Religion, die Kinder müssen in die katholischen Gebräuche durch tägliche Uebungen eingeführt werden, sie müsfen dieselbe absehen bei ihren Vorgesetzten und Wärtern im täglichen Verkehr mit denselben. Es ist gewiß ein großer Erfolg unserer katholischen Anstalten, wenn alljährlich eine stattliche Anzahl dieser armen Kinder, die draußen physisch und moralisch zu Grunde gehen würden, zur ersten hl. Kommunion geführt werden können und fähig gemacht werden, so weit dies möglich ist, nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden.

Deutsches Uerch.

Berlin, 12. Januar.

* Dem G rasen G ui^oH en ckel v.Donners- mark auf Neudeck ist von dem Kaiser der Iürsteutitek verliehen worden. Graf Guido Henckel ist 68 Jahre alt und gehört zu den reichsten Leuten Deutschlands. Er besitzt neben seinen riesigen Gütern, die in Ungarn und erwarten, die Anderen haben dies Recht nicht und sind darauf angewiesen, ihr Glück in die eigene Hand zu nehmen."

„Lasten wir das!" meinte der Markgraf, dessen graues Auge unangenehm zu blitzen begann; „des­halb seid Ihr ja wohl nicht hergekommen."

„Nein, es führt uns eine andere Sache her. Euer Geheimschreiber, Herr Peter Meyer, hat sich beikommen lassen, richterliche Handlungen im Stadtbezirke vorzunehmen."

„Wie das?"

„Ec hat bei dem Ralhsherrn Locana eine Durchsuchung der Papiere vorgenommen, und dies Recht steht Niemandem zu, als dem regierenden Bürgermeister, welcher hierzu Vollmacht und Ge­walt ertheilt."

„Locana?" wiederholte der Markgraf. „Den Namen muß ich schon gehört haben. Warum mag wohl das Peterle bei ihm Haussuchung ge­halten haben!" fragte er mehr sich als die An­deren.

„An Gründen hätte es wohl nicht gefehlt," meinte Gilden kalt; „denn er gehört zu den eifrig­sten Parteigängern des Kaisers, aber am Recht."

„Ich meine, wenn wir Gründe hatten, sollten wir "nicht allzu scharf nach dem Rechte fragen," erwiderte der Markgraf ärgerlich.

„Ich bin anderer Meinung. Die Möglichkeit unseres Zusammengehens beruht auf der gegen­seitigen Achtung unserer Rechte."

Der Administrator lächelte sarkastisch.

„Mein lieber Bruno Gilden! Wollt Ihr mir nicht sagen, mit welchem Rechte Ihr eigentlich regierender Bürgermeister von Magdeburg seid?"

„Das habe ich mit Rath und Bürgerschaft

Deutschland an 11,410 Hektar betragen, noch große Bergwerke sowie bedeutende Antheile an oberschlesischen Eisen- und Hüttenwerken. Er ist der Gründer mehrerer großen Aktiengesellschaften und Vorsitzender des Aufsichtsraths der Schle­sischen Gesellschaft für Bergbau und Zinkhütten­betrieb, bekleidet ein hohes Hofamt, gehörte zu den Intimsten des Bismarckschen Hauses und wußte trotzdem am Berliner Hofe persona grata zu bleiben. Ferner ist er Mitglied des Staats­raths, des preußischen Herrenhauses und des Volkswirthschaftsraths, aber er wußte trotz seiner umfassenden Thätigkeit in der Oeffentlichkeit seine eigene Vermögensverwaltung derartig zu führen, daß er bei Allen, die ihn kennen, als das Muster eines routinirten Geschäftsmanns gilt. Die wechselnden Konjunkturen des oberschlesischen Kohlen- und Zinkmarkles verstand und versteht er auszunützen wie schwerlich ein Industrieller außer ihm, und fast sprichwörtlich ist der Er­folg aller seiner Unternehmungen.

* Ueber die künftige Gestaltung der Iekd- arlikkerie des Hardekorps geht uns folgende Mittheilung zu: Wie die anderen Armeekorps wird nach der Annahme der Militärvorlage auch das Gardekorps zwei Brigaden und vier Regimenter bilden. Aus dem jetzigen 2. Garde-Feldartillerie- Regiment in Potsdam wird voraussichtlich das 3. und 4. Garde-Feldartillerie-Regiment hervor­gehen, jedes zu zwei Abtheilungen mit je drei Batterien. Eine Abtheilung wird eine reitende niedrigen Etats sein und erhält zu den beiden vom bisherigen 2. Garde-Feldartillerie-Regiment übernommenen Batterien noch eine dritte von einem Provinzialregiment. Das künftige 1. sowie das 2. Garde-Feldartillerie-Regiment der neuen Organisation werden aus dem jetzigen 1. Garde- Feldartillerieregiment hervorgehen. Zu dem jetzigen Bestände tritt noch eine fahrende Abtheilung hinzu, die neu zu errichten ist. Die bisherige reitende Abtheilung von 2 Batterien hohen Etats bleibt außerdem bestehen und geht im Kriegsfälle an die Garde-Kavallerie-Division über.

* Dem preußische« Landtage werden außer demEinführungsgesetzezum bürgerlichen Gesetzbuche auch ein Entwurf i« frei­willige Gerichtsbarkeit, sowie Vorlagen zugehen, betr. die ärztlichen Ehrengerichte und über die Betheiligung der schlesischen Guts­herrschaften an der Aufbringung der Schullasten.

* Itevsönrg, 12. Jan. Gegen den hiesigen Landrath Rasch hat eine Versammlung des Bundes der Landwirthe am Sonnabend eine Resolution angenommen, welche es laut der ,Fr. Ztg.' als zweifelhaft erklärt, „ob in der Ver­waltung des Kreises nach dem Vorgefallenen noch ein weiteres gedeihliches Zusammenarbeiten mit dem königlichen Landrath möglich sein wird". — Da wird der Herr Landrath wohl den Herren Bündlern gute Worte geben müssen.

Aus dem Reichstage.

9. Sitzung vom 12. Januar.

Die Sitzung wurde um l1« Uhr eröffnet; auf der Tagesordnung stand die erste NeratHung der Wikitiir- vorlage. ....

Vor Eintritt in die Tagesordnung protestlrte

Abg. Dr. Lieder dagegen, daß gestern der zum Bayerischen Bauernbund gehörige Abgeordnete Eß- linger ihm und dem Centrum fälschlicherweise Mit­gefühl für die Landwirthschaft abgesprochen habe, wäh­rend er doch erst noch in seiner letzten Etatsrede die Nothlage der Landwirthschaft anerkannt und bedauert habe. Der gestern von Eßlinger angeschlagene Ton er­innere an den Ton in Versammlungen des bayerischen Bauernbundes, doch werde dieser Ton im Reichstage auf allen Seiten nachdrückliche Zurückweisung finden.

Auch der bayerische Centrumsabg. Herstenverger (Aschaffenburg) wies die Insinuation Eßlingers, als ob es ihm mit dem Eintreten für die Landwirthschaft nicht ernst sei, zurück und überließ das Urtheil über diese bauernbündlerische Redewendung dem Hauses.

Die dann beginnende erste Berathung der Militär­vorlage, der auch der Reichskanzler beiwohnte, wurde vom preußischen Kriegsminister v. Gotzker mit einer längeren Darlegung der Ziele der Vorlage ein­geleitet. Dieselbe bezwecke neben einer unbedeuten­den Vermehrung der Friedenspräsenz die längst als dringend nothwendig erkannte Neuordnung der Feldartillerie, dieFormirung drei neuer Generalkommandos und zwei neuer Divi­sions-Kommandos, eine Neuordnung der Verkehrs-Truppen, sowie eine Vermehrung der Kavallerie. Die drei neuen Armeekorps sollen hervorgeben aus dem 11. (hessen-nassauischen), 12. (könig­lich-sächsischen) und 2. bayerischen Armeekorps, die alle drei durch übermäßige Stärke (drei Divisionen) dies längst als erwünscht erscheinen ließen. Die Neuauf­stellung von je einem Divisionskommando beim 1. Korps in Ostpreußen und beim 14. in Baden sei ebenfalls durch durch die Stärkeverhältniffe und die bessere Zusammen­fassung der Truppenverbände an der Grenze bedingt, solle aber nur vorläufig erfolgen. Das Friedensmanifest des russischen Kaisers biete zwar die Gewähr, daß zur Zett ein Angriffskrieg von dieser Seüe nicht beabsichtigt werde, aber eine Abrüstung sei bisher nirgends erfolgt und es werde auch der Wille des mächtigsten Monarchen nicht im Stande sein, die Existenzbedingungen großer Nationen zu ändern. In Betracht komme, daß Rußland und Frankreich eine höhere Präsenz hätten als wir, und daß die letzten Kriege zwischen China und Japan und Spanien und Amerika klar bewiesen hätten, wie schwer der Mangel einer sorgsamen Kriegsvorbereitung im Frieden sich räche. Gerade durch unsere Rüstungen hätten wir uns den Frieden gesichert. Bis auf Weiteres solle die zweijährige Dienstzeit bestehen bleiben. Es sei zwar vorläufig gelungen, trotz der verkürzten Dienstzeit die Anforderungen des Friedensdienstes zu erfüllen, aber ein endgiltiges Urtheil lasse sich heute noch nicht ab­geben. Eingehend verbreitete sich der Minister über die technischen Details der Vorlage.

Abg Aichter (freis. Volksp.) glaubte, die organi­satorischen Maßregeln der Vorlage wären auch in ge­ringerem Umfange und mit .geringeren Kosten zu machen gewesen. Die Hauptstärke der Vorlage liegt in der Artillerie. Was die Vermehrung derselben betrifft, so wogt seit Jahren in der Fachliteratur der Streit der Meinungen, ob eine Vermehrung vortheilhaft sei oder nicht. Bon maßgebender Seitewird sie als e i n t a k t i s ch e r Fehler angesehen. Man ist auch der Ansicht, daß die reitende Artillerie ganz erheblich vermindert werden könne; man spricht ihr bei den heutigen Gefechtsverhältrissen viel an Werth ab. Ich komme nun zur Kavallerie. Ich wundere mich zunächst, daß das Detachement „Jäger zu Pferde" nur in Preußen bestehen bleiben soll. Wir haben übrigens gerade genügend Kavallerie, mehr z. B. wie Frankreich. Wenn unsere jetzige Kavallerie den Bedürfnissen nicht genügt, so nützt auch die geringfügige Vermehrung nichts. Der frühere Hauptzweck der Kavallerie, der der Massen­wirkungen und Attacken, ist heutzutage vollständig wea- gefallen. Ueber die Berechtigung der Jägerbataillone als einer besonderen Elitetruppe, kann man auch verschiedener Meinung sein. Auch die Frage ter Abkommandirungen hängt hiermit zusammen. Das Militär-Wochenblatt' hat vor einem Jahre in einem sehr guten Artikel offen anerkannt, daß namentlich durch Abkommandirungen zu ökonomischen Zwecken der Kompagniedienst schwer leide. Ich habe berechnet, daß nicht weniger als 1000 Unter­offiziere und 4000 Mann dauernd in der Küche beschäftigt sind. Tausende sind in der Waschküche thätig, um die Kompagniewäsche zu reinigen. Man kann sagen, daß mindestens 10,000 Mann mit Dienstleistungen beschäftigt

auszumachen," versetzte Gilden scharf, „die einst­weilen hinter mir stehen; und seid versichert, ich werde leichter mit ihnen fertig,' als Euer Gnaden das Recht, Administrator des Erzstiftes Magde­burg zu sein, nachwessen kann."

Christian Wilhelm biß sich auf die Lippen.

„Ihr sprecht in einem Tone, als stände es Euch frei, mich zu bestätigen oder abzusetzen. „Ich äge Euch aber," die Stimme des Administrators ibrirte — „daß Ihr nichts seid ohne mich. Ihr eid Empörer gegen des Kaisers Majestät, indem Ihr mich in die Stadt ließet, und kaum bin ich da, so lehnt Ihr Euch gegen mich auf. Wisset, Herr Bruno Gilden, ich werde die Stadt schützen, nicht Ihr. Was macht Ihr, wenn das kaiser­liche Kriegsvolk kommt? Ihr habt erfahren, was das heißt. Heute stehen noch in Suderburg die Ruinen, welche dessen Anwesenheit verursacht hat, und waS habt Ihr selber niederreißen müssen, um Raum für Glacis zu schaffen! Meint Ihr, weil ich dazumal außer Landes war, wüßte ich nicht, was vorkam? Wie viele sind am Krakauer Werft gefallen? Wie hoch ist das Getreide ge­stiegen, da die Kroaten die Elbe sperrten?"

„Ihr seid nicht unbewandert in Magdeburgs Unglück. Wir hälten's besser haben können, wenn wir uns mit dem Kaiser vertrugen und seinem Sohne als unserem Erzbischof huldigten. Wir haben's nicht gethan," fuhr Gilden in scharfem Tone fort, „weil wir fürchteten, unsere Gerecht­same könnten Roth leiden. Und Herr Admini­strator, wenn wir das dem Kaiser gegenüber er­wogen, so werden wir solches von Euch uns nicht bieten lassen."

„Ihr unterfangt Euch in solchem Tone . . ."

Gilden unterbrach den Markgrafen.

„Ihr seid heute Administrator des Erzstiftes, weil Ihr zu schwach seid, an unsere Rechte zu greifen; sonst, beim allmächtigen Gott, wäret Ihr noch ein bettelnder Flüchtling am Hofe zu Stock­holm."

„Um Gotteswillen, Herr Bürgermeister," sagte Erk„ die Hand auf Gilden's Schulter legend, „das geht zu weit, das kann zu nichts Gutem führen."

„Klar muß es werden zwischen uns!" fuhr Gilden fort, ohne sich irre machen zu lassen. „Noch ist das Proklama nicht erlassen, dessen Konzept ich Eurem Geheimschreiber abnahm. Warum erkennt Euer Gnaden nicht an, daß wir in allen öffentlichen Angelegenheiten unabhängig vom Stifte sind?"

Der Administrator drehte sich auf dem Ab­sätze um und verließ das Gemach. Ehe der Bürgermeister und die beiden Räthe über diesen plötzlichen Wechsel mit sich im Reinen waren, öffnete sich die Thür, durch welche der Markgraf verschwunden, und ein hoher lutherischer Geist­licher, Bartholomäus Jakobi, der frühere Propst zu Unserer Lieben Frau, trat ein. Der Propst war vor zwei Jahren von der kaiserlichen Par­tei aus seiner Stelle verdrängt worden und hatte seitdem zurückgezogen gelebt. Mit der Ankunft des Administrators hatte er diese Zurückgezogen- heit sofort verlassen und seinem früheren Gönner sich wieder zur Verfügung gestellt.

„Se. Markgräflichen Gnaden haben mich be­auftragt, —" begann der Propst in kühlem Tone.

Bruno Gilden unterbrach ihn.

Spart Euch die Mühe! Wir sind hierher