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mit Nnterhaltungs-Aeikage „Ikkuflrirte Sonntags-Zeitung!' P<t«*a«S« N». 8 tLarmsnie).

Jutöa, Mittwoch, den 11. Januar 1899.

Jli 8.

26. Jahrgang.

O Der Reichstag

hat nun heute, am Dienstag, seine Arbeiten wieder ausgenommen. Sonderlich umfangreich ist das Arbeitsmaterial, das er vorfindet, auch jetzt noch nicht. Dasselbe beschränkt sich zunächst auf die Heeresvorlage, auf diejenigen Theile des Etats, die nicht der Vorberathung in der Budget- kommission unterliegen, und auf die Inter­pellationen und Anträge aus der Mitte des Hauses. Die Gesetzentwürfe über die Abänderung des Postgesetzes und des Bankgesetzes stecken noch in den Ausschüffen des Bundesratbes; andere Gesetzentwürfe sind in ihrer Entwickelung noch weiter zurück. Angesichts dieser Sachlage taucht schon heute die zweifelnde Frage auf, wie es denn der Reichstag machen solle, um bis zum Sommer das umfangreiche Pensum aufzuarbeiten, das ihm angekündigt worden ist? Und schon heute, am Beginne der Tagung, wird die Ver- muthung laut, daß die Tagung auch diesmal nicht geschlossen, sondern im Sommer nur bis zum Spätherbste unterbrochen werden dürfte. Schon früher ist wiederholt so verfahren worden. Dies Hal den Vortheil, daß die während einer Sitzungsperiode geleistete Kommissionsarbeit nicht umsonn geschehen ist, sondern in der nächstfol­genden Tagung dort festgesetzt werden kann, wo sie in der voraufgegangenen aufgehört hat. Namentlich stehen diesmal umfangreiche und schwierige Konimiffionsarbeiten bevor über die angekündigte Gesetznovelle zum Gesetze über die Alters- und Jnvaliditäts - Versiche­rung; und gerade mit diesen Arbeiten könnte es bei einem förmlichen Schluffe der Tagung so gehen, wie es schon einmal gewesen ist: sie könnten alsdann als vergebens geleistete Arbeit unter den Tisch fallen.

Bevor der Reichstag in dieser seiner ersten Sitzung nach den Weihnachtsferien zu dem eigent­lichen Gegenstände seiner Berathungen übergehen konnte, mußte er einer Form genügen und die Wahl eines Präsidiums wiederholen. Viel­fach hört man Verwunderung darüber äußern, daß das Pläsidium des Reichstages angeblich jetzt fchon wieder einer Neuwahl sich unterziehen müffe. Das aber ist es nichr, worauf es hier an kommt. Es handelt sich um die Erfüllung einer Vorschrift, wonach die Wahl des Präsidiums in der ersten Tagung einer neuen Mandatsdauer des Reichs­tages nach den ersten vier Wochen zu wieder­holen ist; aber naturgemäß handelt es sich dabei unter normalen Verhältnisien nur um die Er­füllung einer vorgeschriebenen Form, und das neu erwählte Präsidium wird ohne Frage und ohne-jegliche weitere Bemerkung in seinem Amte bestätigt.

Die erste Lesung der neuen Heeres-Vor- lage wird mit großer Ruhe erwartet; mit einer so großen Ruhe und Gelassenheit, wie sie bisher vor der Berathung einer solchen Vorlage noch niemals da gewesen ist Der ruhigen und sach­lichen Prüfung einer Vorlage kann einer solchen Stimmung nur von Nutzen sein, und namentlich in der Budget-Kommission des Reichstages wird es sich darum handeln, festzustellen, ob die neue Heeresvorlage eine solche Prüfung in allen ihren Theilen aushalten kann. Bemerkens verch ist.

Mr, Schwert und jratktl.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

19 ------ (Nachdruck verboten.)

VI. Hie Stadt — Hie Stift!

lieber den von uns geschilderten Ereignissen war der Abend des Tages heremgebrochen, welcher mit der dem Administrator gewidmeten Huldigung (begonnen hatte. Magdeburg hatte an diesem Dage in einem Meere von Lust zu schwimmen geschienen, und seine Bürger waren nicht wenig >erstaunt, als jetzt, wo bereits die Dunkelheit an« (brach, die Garnison aus allen Theileu der Stadt 4n einzelnen Abheilungen daher gezogen kam und von der Vrückenpsorie bis zum Zt. lllr,chsthor Aufstellung nahm. Das war ungefähr die Grenz- des städtischen Gebietes. Jenseits dieser Lime begann das erzstiftliche Gebiet. Denn wie wir bereits angedeulet, stand Magdeburg unter zweierleiVerwaltung.DerelbaufwärisgelegeneTheil Stil der Vorstadt Suderburg, dem Dom, St. Gan- .golf, St. Nikolai war erzbischöflich, der elbabwärts gelegene Theil mit dem Marktplatz, dem Rathhaus, der Neustadt, St. Katharina, St. Jakob und anderen Kirchen war städtisch d. h. freie Reichsstadt.

Man fragte die Stadtwache, was das zu bedeuten habe: vergeblich. Niemand wußte etwas darum. Es war am Abend eilige Ordre vom Obersten Ritter von Günsheimb gekommen, kriegs­mäßig gerüstet die Stellung einzunehmen und das Weitere abzuwarten. Da standen sie und warteten -das Weitere ab.

daß die Nationalliberalen und sogar ein großer Theil der Freisinnigen schon im Voraus ent­schlossen sind, die Vorlage unverändert anzu­nehmen. Daß die weiter rechts stehenden Par­teien, die Konservativen und Frelkonservativen, von denselben Absichten geleitet und erfüllt sind, ist selbstverständlich. Sehr zu bedauern ist, daß alle diese genannten Parteien auch schon im Voraus darauf verzichtet haben, eine gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit von der Regierung zu verlangen. Eine solche wäre aber gerade von außerordentlicher Wichtigkeit: denn es ist ein ganz merkwürdiger Zustand, daß die gesetzlichen Bestimmungen über die militärische Dienstzeit, die doch gerade ganz besondere Bedeutung für das wirthschaftliche Leben und Gedeihen eines Volkes haben, fortgesetzt als nur „vorläufige" Bestimmungen gelten sollen. Es ist ja doch auch kaum zu glauben, daß die Heeresleitung im Laufe der letzten fünf Jahre noch kein sicheres Urtheil darüber gewonnen haben sollte, wie die Wirkungen der zweijährigen Dienstzeit sich gestalten. Und da niemand im Ernste mehr an die Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit glauben kann, sollte man endlich ein Ende machen mit dem vor­läufigen Zustande und die Frage der zwei­jährigen Dienstzeit auch in aller gesetzlichen Form aus der Reihe derjenigen politischen Fragen aus­scheiden lasten, die noch dem Widerstreite der Meinungen unterliegen.

Deutsches Deich*

Berlin, 10. Januar.

* Der ,Reichsanzeiger' meldet in seiner heu­tigen Nummer: Seine Majestät der König haben Allergnädigst zu genehmigen geruht, daß der Kommunal - Landtag des Regierungs­bezirks Kassel zum 20. Februar d. I. nach der Stadt Kassel berufen werde.

x Immer wieder tauchen in der Presse Mel­dungen auf über den Kmpfang des Dteichs- tags Nräfidinms vetm Kaiser. Jetzt ist es ein Blatt in Elberfeld, das ganz neue Angaben über den Verlauf dieses Empfanges bringt und dabei sich so anstellt, als habe eS diese Angaben von dem Abg. Landgerichtsrath Schmidt empfan­gen, der bekanntlich zweiter Vizepräsident des Reichstages ist und in Elberfeld seinen Wohnsitz hat. In dieser Schilderung kommt namentlich der Reichstags-Präsident Graf v. Ballestrem schlecht weg Danach müßte etwa Graf v. Balle­strem so verfahren fein wie ein Feldwebel, der sich und zwei Unteroffiziere bei einem militärischen Vorgesetzten „zur Stelle meldet", ohne Rücksicht auf die sonst üblichen Gepflogenheiten. Schon daraus kann man entnehmen, daß die ganze Schilderung unzuverlälsig ist. Nun kommt aber noch hinzu, daß alle drei Reichstags-Prä­sidenten, ehe sie vom Kais r empfangen wur­den, die feste Vereinbarung getroffen hatten, über die politische Unterhaltung bei dieser Ge­legenheit vollkommenes Stillschweigen zu beobachten. Also alle di- Blättermeldungen über besagte Unterhaltung können gar nicht zuverlässig fein, müssen vielmehr entweder ganz willkürlich aus der Luft gegriffen oder doch

Eine Abwechselung kam endlich in die Lange­weile eines solchen aussichtslosen Dienstes. Eine Ordonnanz brachte dem Führer jeder einzelnen Abtheilung eine verschlossene Ordre mit dem Auftrage, solche zu öffnen, sobald sie in dem erzbischöflichen Theile schießen hörM würden.

Inzwischen ging Bruno Gilden mit unge­duldigen Schritten in seinem Arbeitsgemache auf dem Rathhaus auf und nieder. Bald fah er zum Fenster hinaus auf den Rathhausplatz, wo­selbst eS bereits düster wurde; dann warf er wieder einen Blick auf einen auf dem Tische liegenden Rapport des Obersten.

„Endlich!" seufzte er wie erleichtert, als er rgfd) sich nähernde Schritte hörte.

Der Schwede trat ein; aber nichts verrieth in ihm einen Mann, der in Helm und Harnisch sich auf die Führung eines verstand. Er war wieder zum harmlosen Kaufmann ge­worden, der ob der Vermehrung seiner Kenntnisse eine Reise durch das deutsche Reich unternommen hatte. Seine einfache dunkle Kleidung stach sehr gegen die glänzende Erscheinung Gilbens ab.

Denn dieser trug wiederum, wie am Morgen, die feierliche Amtstracht des Bürgermeisters. Ein schwarzer Sammttalar, mit Purpur ausge­schlagen und mit einem Hermelinkragen geschmückt, umhüllte feine Gestalt. Da dieser Talar vorne offen stand, so erblickte man auf dem dunkeln Leibrock die goldene Amtskette mit dem Magde- burgischen Wappen, zwei Thürmen über einem geöffneten Festungsthor und darüber eine Viktoria, auf feiner Brust. Aber auffallender Weise hatte er, was sonst ungebräuchlich war, ein leichtesSchwert an glänzendem Gehänge um die Hüften gegürtet.

zum allergrößten Theile müßige Phantasie-Gebilde sein. Aus diesem Grunde ist es auch in der,Fuld. Ztg.' von Anfang an unterblieben, den vielerlei Meldungen und Berichten über jenen Empfang und die dabei geführten politischen Gespräche be­sondere Beachtung zu schenken. Sie verdienen eine solche nicht, weil sie nicht auf zuverlässiger Grundlage beruhen können.

ft Nach einer Meldung der .Deutschen Tageszeitung' dürste nunmehr der „Ialk Kotze" aus der Welt geschafft sein. Der Kaiser hat Herrn v. Kotze empfangen, und die Schuldlosig­keit des Herrn v. Kotze stehe nun vollkommen fest u. s. w. „Aus der Welt" kann ein solcher „Fall" niemals kommen. Er wird stets ein wenig rühmliches Zeugniß bleiben dafür, daß in unseren Tagen so häßliche Umtriebe ihr licht­scheues Wesen so lange ungestört treiben konnten!

* Die Austedekuugskommissto« für West- preußen und Posen hat irnJahre 1898 eine umfangreiche Thätigkeit entfaltet. In der Pro­vinz Pofen erwarb die Kommission folgende Güter: Morakowo, Kreis Wongrowitz, gegen 4000 Morgen; das Haertel'sche Freischulzengut Morgenau, Kreis Gnesen, 440 Morgen; die Be­sitzung des Gutsbesitzers Flechtner in Königl. Neudorf, Kreis Wreschen, 400 Morgen; das Gut Xionzno, Kreis Wreschen, 1285 Morgen; Gut Buschkowa, Kreis Schroda, 1000 Morgen; Grzybowo, Kreis Wltkowo, 1200 Morgen; Bachwitz, Kreis Bromberg; Wyszakowo, Kreis Schroda, 1000 Morgen; Retsch bei Janowitz; Rumianek, Kreis Posen-West, 918 Morgen; Radowitz des Prinzen Biron von Kurland im Kreise Schildberg 4904 Morgen; im Ganzen also über 15,000 Morgen ober fast 4000 Hektar.

* Die deutsch-Hokkäudische Aeöereiukuuft wegen der Wierärzte ist heute vom Reichs­tage angenommen worden. Deutschland und die Niederlande haben nämlich am 11. Dezember 1873 ein Übereinkommen wegen gegenseitigerZu- lassung von Aerzten, Wundärzten und Heb­ammen, die in den Grenzgemeinden wohnen, geschlossen. Dieselbe soll nun nach einer neueren Uebereinfunft vom 23. Februar 1898 auch auf die beiderseitig gpprobirten Thierärzte ausge­dehnt werden, nachdem inzwischen in den Nieder­landen ebenfalls gesetzliche Bestimmungen über die Erlangung des Thierarzt-Diploms erlassen worden sind, aber niederländischerfeits auf die Thierärzte beschränkt werden, welche das Diplom als „Vee- arts" besitzen. Dieselben sind beiderseitig frei von jeder direkten Abgabe in Rücksicht auf ihre Be- rufsthätigkeit und die daraus fließenden Einnah­men in den Grenzbezirken.

• In Sachen der Ikeischkieferunge« für militärische Zwecke haben zwischen der Land- wirthschastskammer für die Provinz Branden­burg und der Intendantur des Gardekorps in Berlin Verhandlungen ftattgefunben. Letztere hat an bie Kammer einen bemerkenswerthen Be- scheib ertheilt. Es heißt u. A. darin, daß nach den zur Zeit reglementarisch feststehenden Fleisch - lieferungsbedingungen zur Bewerbung an der garnifonroeifen Lieferung des Fleischbedarfs nur leistungsfähige Fachleute: Schlächter (Metzger, Fleischermeister) der Garnison ober bereit Um­gebung zugelaffen ftnb. Sobalb es gelungen

„Wie steht es?" fragte Gilben ben Sintretenben.

„ES ist Alles in Ordnung. Die Stadtsoldaten halten die ganze Grenze des Stiftsgebietes besetzt. Auf dem Domplatze stehen vierzig Magdeburger bereit, mit Degen und Faustrohr bewaffnet, um Euch zu Hilfe z i fein, sobald mit einem weißen Tuche an einem Fenster des Bischofshofes gewinkt wird."

„Und wollt Ihr bie Führung ber Vierzig übernehmen?" fragte Gilden.

Der Schwede besann sich einen Augenblick und sagte bann: „Hier enbet meine Vollmacht. Mein königlicher Herr ist ebenso ber Freunb des Markgrafen wie der Stadt Magdeburg. Es ist unmöglich, daß ich Partei ergreife, wenn es zum wirklichen Kampfe kommt."

„Es wird nur zum wirklichen Kannffr formen, wenn der »cminiflrator seinem gegeilten Worte untren wird," bemerkte Gilden scharf.

„Erlaubt, Herr Bürgermeister, bas ist bie Frage," erwiderte ber Schwede ruhig und fest. „Ihr könnet etwas für einen Wortbruch erklären, was der Markgraf nicht versprochen zu haben behauptet. Ich könnte Euch dann meine Ver­mittelung bieten, aber nicht mein Schwert. Ich darf nicht entscheiden zwischen Euch und dem Markgrafen. Indem ich Euren Auftrag bezüg­lich der Anordnung von Sicherheitsmaßregeln für Eure Person erfüllte, bin ich vielleicht schon über die Grenzen dessen hinausgegangen, was ich hätte thun sollen. Mehr kann ich auf keinen Fall thun."

„Es ist gut, Herr Olaus Björne!" erwiderte der Bürgermeister kalt.

„Aber eine Bitte hätte ich an Euch, Herr Bürgermeister!"

fein werde, landwirthschaftliche Genossenschaften zu bilden, die regelmäßige Fleischlieferungen aus­zuführen in der Sage sind, sei die Militärver­waltung aber gern bereit, die Lieferungsbedingungen dahin zu erweitern, daß außer Schlächtermeistern auch landwirthschaftliche Kreise zu ber Bewerbung um Garnisonlieferungen zugelaffen werden. Dahingehenbe Anträge würden indeffen nicht an das Kriegsministerirm, sondern an bie beteiligten Korpsintendanturen zu richten fein. — Danach scheint bei ber Militärverwaltung zur Zeit noch wenig Neigung vorhanben, auf bie Wünsche ber Landwirthe einzugehen.

* Der Mrlhschafttiche Ausschuß soll sich nach ber ,Rhein.-Westf. Ztg.' mit ber Frage be­schäftigen, ob es angebracht erscheine, m schabet ber zu beachtenden Geheimhaltung der Ergebnisse ber Probuktionsstatt stik im Einzelnen bie Gesammtergebniffe für die verschiedenen Pro­duktionszweige zur öffentlicher. Kenntniß zu bringen. Außerdem wird sich ber Wirthschaftliche Ausschuß auf Wunsch bes Reichsamts bes Innern mit bem neuen belgischen Gesetzentw irf betreffenb bie Erhebung ber Werthzolle in Belgien befassen. _____________

Zkarkamenlarische Nachrichten.

® Im preußische« Avgeordueteutzause wird die erste Plenarsitzung am 16. Januar Mittags 12 Uhr stattfinden. Arn 17. Januar soll das Präsidium gewählt, am 18. Januar soll der Etat eingebracht werden.

* Die Keutrumssraütio« des Zieichs- tages beginnt am heutigen Mittwoch Abend ihre Berathungen darüber, wie sie sich zur neuen Militärvorlage zu stellen hat.

A«s dem Reichstage.

*<y> 7. Sitzung vom 10. Jonu ar.

Die heutige Plenarsitzung, mit der der Reichstag seine Arbeiten in diesem neuen Jahre wieder begann, machte gerade keinen sensationellen Eindruck. Das Haus war am Anfänge der Sitzung nur mäßig besetzt, aber auch diese mäßige Besetzung verringerte sich im Laufe der Sitzung sehr stark — gelangweilte Gesichter im Hause und auf den Tribunen, das war das Kenn­zeichen des Tages. Auch der Tisch des Bundesraihes war nur schwach besetzt Von Staatssekretären und Ministern fanden sich der Reihe nach ein: Schatzsekrelär Freiherr von Thielmann, Staatssekrelär des Innern Graf Posadowsky und der preußische Land- wirthschaflsminister Freiherr von Hammerstein. Daß der Staatssekretär Graf Posadowsky die Inter­pellation des Freiherrn von Wangenheim über die Fleisch- noth beantworten würde, war schon vor der Sitzung allgemein bekannt.

Bei Beginn der Sitzung wünschte der Präsident Graf von DalteKrem dem ganzen Hause ein glückliches und segensreiches neues Jahr. Dann ehrte das Haus in hergebrachter schöner Weise das Andenken des ver­storbenen ältesten Mitgliedes Dieben durch Erheben von den Sitzen. Auf Antrag des konservativen Abg. v. Levetzow wurde die Wahl des Präsidiums durch Zu­ruf bestätigt, und es folgte nunmehr nach Erledigung einer kleinen Rechnungsvorlage die Interpellation des Freiherrn von Wangenheim: „Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft über die Ergebniffe der Enqueten zu ertheilen, die in verschiedenen Bundes­staaten über die angebliche Fleischnoth stattgefunden haben?" — Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten, und es schritt daraufhin

Abg. Ireiherr von Mangenheim zur Begründung derselben. Redner brachte ein ausführliches Zahlen-

„Wenn wir zurück sinb."

„Nein, ehe wir hingehen."

„Sprecht!" bemerkte Gilben mit leicht gerun­zelter Stirne.

„Ich rottrle nicht wagen. Euch einen Rath zu geben, wenn nicht ber Auftrag meines Königs meine Zunge löste."

„Ich kenne Eure Stellung; spart bie Einleitung."

„Ihr wisset, baß mein königlicher Herr sich rüstet, wirksamer als seither für bas reine Evan­gelium in Deutschland einzustehen."

„Ja," meinte Gilben zögernd. „Man hat mir Andeutungen gemacht;" sagte er nach bet Decke schauend. „Auch ber Markgraf hat mir Andeutungen gemacht, . . Dabei schaute er zu Boden, und eine flüchtige Röthe schoß ihm jn's Gesicht. Er log und war dies nicht gewohnt.

Björne teti dies anders: et

üi^nte, der Bürgermeister habe das Gefühl der Scham, weil er ihm gegenüber fein Wissen ver­heimlicht; und er wolle mit ber Farbe nicht heraus, weil er, Björne, in die Pläne des Königs eingeweiht sei. Er beeilte sich. Gilben zu be­ruhigen.

„Was mir zu wissen frommt, bas weiß ich," antwortete er; „unb wenn Ihr mir bie Absichten Sr. Majestät nicht mitgethcilt habt, so roürbige ich bas vollkommen; das war nicht Euer Geheirn- niß, fonbern das seine."

Der Bürgermeister wies auf einen Sessel, et selbst nahm auf einem anbern Platz. Die Un­geduld, den Markgrafen zu sehen, war vor bem Wunsche, den Schweden in aller Ruhe anzu­hören, gewichen.

Björne folgte ber ©inlabung.