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Aus dem Jahres - Berichte der Handelskammer zu Hanau.

Der Umschlag im Weinhandel war nach übereinstimmenden Berichten einer Reihe von

zunächst stehenden Kreisen als geradezu kläg­lich bezeichnet. Die wochenlangen Zeugenver­nehmungen haben thatsächlich nichts Anderes zu Tage gefördert, als Belege für die Uneinigkeit und beispiellose Gehässigkeit, mit der fic sämmtliche leitende Personen während des Krieges gegenüberstanden. Am schärfsten war der Gegen­satz zwischen dem Kriegssekretär Alger und dem Oberkommandirenden General Miles. Aber auch zwischen letzterem und General Shafter bestand grimme Eifersucht, und eben so sehr befehdeten sich Landheer und Flotte. Admiral Sampson soll seine anfangs kaum verständlichen Flotten­bewegungen absichtlich so eingerichtet haben, um dadurch den General Miles zu ärgern und dessen Feldzugspläne zu durchkreuzen. Und schließlich suchte wieder Kommodore Schley seinem Vorge­setzten Sampson bei jeder möglichen Gelegenheit einen Streich zu spielen, um diesen nicht die Siegespalme erringen zu laffen. — Alle diese Machenschaften, die gegenüber einem nur einiger­maßen ebenbürtigen Gegner zu den schwersten Niederlagen der Nordamerikaner hätte führen müssen, wurden in den Zeugenvernehmungen eingehend geschildert, und wurde dabei festgestellt, daß die erbärmlichsten Zustände in der He eres- verpflegung und die fast unglaublichen Be­trügereien bei den Lieferungen der Lebens­und Arzneimittel, der Bekleidungsgegenstände und Transportmittel gerade durch diese Nebenbuhler­schaft der Heeres- und Flottenführer ermöglicht wurden.

findenden Kröffuuug des Landtages werden auf Befehl des Kaisers die in Berlin garniso- nirenden aktiven Generale, Admirale, Obersten, Kapitäns zur See und Regiments­kommandeure beiwohnen.

-In derMudget-Aommiffia« des Reichs­tages sind die Referate vertheilt worden. Referenten für den Militär-Etat sind: Grä Roon und Dr. v. Hertling für die fortdauern­den Ausgaben, Gröber und GrafKlinckowström für die einmaligen Ausgaben. Die Ernennung von Referenten für den mit der n e u e n Militär- Vorlage zusammenhängenden NachtragS-Etat ist noch vorbehalten. Für die M a r i n e und Kiautschou sind Abg. Lieber und Graf Stolberg zu Re­ferenten bestellt, für die Post- und Tele­graphen - Verwaltung Dr. Paasche und Lingens, für dasAuswärtige und dieKolo-

D «Masset, 8. Jan. Das Schulverord­nungsblatt (Beilage zum Amtsblatt der Kgl. Regierung zu Kassel) veröffentlicht u. A. folgende Personalien: Zu Ortsschulinspektoren wurden er­nannt: Dompfarrer Schmelz zu Fulda über die dompfarrlichen Schulen daselbst und Pfarrer G ut- berlet zu Mackenzell, Kreis Hünfeld, über die Schulen seiner Pfarrei; der Lehrer Weber an der katholischen Schule zu Hünfeld wurde zum Hauptlehrer ernannt; versetzt wurden der Lehrer Will zu Melperts, Kr. Hersfeld, an die katho­lische Schule zu Hilders, die Lehrerinnen G n a u )u Somborn nach Ulmbach, und Göb zu Ulm­bach nach Magdlos; endgiltig angestellt wurde der Lehrer Schramm zu Wickers; einstweilig angestellt die Lehrer Fink zu Mendorf nach Schröck, Wüst zu Haselstein daselbst, Grosch zu Leimbach daselbst, Röhrig aus Treffurt nach Sarrod, Nolte zu Wachstädt nach Pilgerzell und Pyroth aus Fritzlar nach Kerbersdorf; pensionirt wurde der Lehrer Both zu Schröck.

Aus dem Nachbargebiet.

* Lauterbach, 8. Jan. Stationsdiätar Sch mit ter wurde von Hanau an die hiesige Station versetzt.

* Kerskekd, 8. Jan. Der bereits 23 Jahre in gräfl. Diensten stehende Forstaufseher Stein­müller wurde vom Herrn Grafen Karl von Montjoye zum Förster ernannt.

* Masset, 8. Jan. Unter dem Vorsitze Sr. । ixcellenz des Herrn Oberpräfidenten Grafen Zedlitz-Trützschler fand gestern Nachm ttag die erste Sitzung der durch Allerhöchste Kabinetsordre ernannten Ortskommission zur Vorbereitung des im Mai abzuhaltenden Sängerwettstreites deutscher Männer-Gesangvereine statt. Ein Hauptausschuß und sechs Nebenausschüsse wurden gebildet und an Se. Majestät den Kaiser ein Telegramm abgeschickt, in dem für die hohe Auszeichnung gedankt wird, welche der Stadt Raffel dadurch zu Theil geworden ist, daß in ihr der Sangeswettstreit stattfinden solle. Alle Schichten der hiesigen Bevölkerung würden eifrig bemüht sein, dieses Fest deutscher Sangeskunst würdig und den hohen idealen Zielen Sr. Maj. entsprechend zu feiern. Das Fest wird voraus­sichtlich in der Aue unter Mitbenutzung des Orangerieschlosses abgehalten werden und fünf Tage in Anspruch nehmen. 18 Vereine mit 2674 Personen haben sich bereits angemeldet.

* Schmakkakde», 8. Jan. Beim Gemüse­reinigen ging einem Dienstmädchen von dem Messer der Griff ab und um diesen wieder fest­zumachen, setzte sie die spitze Klinge auf den Leib und schlug nun kräftig auf den Griff. Hierbei geschah es nun, daß das Meffer die Kleider durch­stach und in den Leib eindrang. Die Wunde mußte vernäht werden.

* Kirchhain, 8. Jan. Mehrere auf dem Wege von Kleinselheim hierher begriffene junge Leute gelangten auf den Wiesen vor einen ziem­lich breiten Wassergraben und übersprangen denselben bis auf einen, der schlau fein wollte und über einen Weidenbusch kletterte, um auf

soldaten nahm er zwölf Mann, und maschirte an ihrer Spitze zu dem ihm wohlbekannten Wohn­haus des Rathsherrn Locana, wo er die Thüre sofort mit zwei Soldaten besetzte. Auf dem breiten Flur fand er den Buchhalter Jeddingen, dessen Widerstand die Soldaten doch endlich überwältigt hatten, obwohl sie sich redlich Mühe gegeben, darin so lässig zu fein, wie möglich. Dann hatten sie ihm mit einem Stricke die Hände gebunden, und zwei Mann waren zu seiner Bewachung bei ihm.

Nachdem der Hauptmann vom Verbrechen des Buchhalters gehört, befahl er den Soldaten, seine Banden zu lösen, und sich seinen zwölf Mann anzuschließen.

„Ich hab's gedacht, Steph!" meinte der Eine zum Andern, indem er den Strick aufknüpfte. „Heute dieser — morgen jener! Es wechselt."

„Wo find die Andern?" fragte der Haupt­mann.

„Drinnen hinter der Rechenstube im Privat- gemach des Rathsherrn -untersucht Herr Peter Meyer die Papiere."

Der Hauptmann traf ein; das ohnedies schon verschüchterte Personal schrak noch mehr zusammen, als der Mann in blankem Helm und Ringkragen in dem etwas dunklen Zimmer erschien.

(Fortsetzung folgt.)

troffen werden konnte. . . Die dringende Hoff­nung des lippeschen Landes ging dahin, die lippesche Frage möge endlich ein für allemal aus der Welt geschafft werden. Für den Bundes­rath wäre es unseres Erachtens in erster Linie Pflicht gewesen, eine Entscheidung zu fällen, die der leidigen Sache ein Ende machte." Im übrigen stellt sich das genannte Blatt in der Be- urtheilung der lippe'schen Frage auf denselben Standpunkt, der von Anfang an auch an dieser Stelle vertteten wurde; das heißt, es wird die Erwartung ausgesprochen, daß nunmehr das lippesche Land selbst die Sache durch ein Landesgesetz regeln werde. „Es erscheint — so äußert sich die ausgeführte Zeitung — um so mehr als eine unerläßliche Pflicht der gesetzgebenden Faktoren unseres Landes, d. h. der Regierung und des Landtages, die 2chron- folge durch Landesgesetz zu regeln, wie das auch in Meiningen vor Jahren durch den Landtag einstimmig und ohne Zögern geschehen ist." Nach einer Meldung der Berliner,National-Zeitung' soll der Beschluß des Bundesrathes gegen eine Minderheit von zehn Stimmen zustande gekommen sein. Nach anderen Berichten soll nahezu Einstimmigkeit geherrscht haben. Die Entscheidung ist einem Anträge des Königreiches Sachsen gemäß getroffen worden. Der König von Sachsen war bekanntlich Vorsitzender des Schiedsgerichtes, das dem Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld die Regentschaft in Lippe zu­sprach.

h Nach einer Mittheilung der ,Post' wird der Entwurf einer Aypotyekeubauk-Hrduuug int Bundesrathe noch mancherlei Aenderungen er­fahren. Die Berathungen im zuständigen Aus­schüsse sollen beginnen, sobald die Referenten in Berlin eingetroffen sein werden.

0 Der sogen. „Kvaugelische 3$nnb“ hat an den Bundesrath einen Protest gelangen lassen gegen den erneut eingebrachten Antrag desCentrumsaufAufhebungdesAnsnahme- Gesetzes gegen die Jesuiten. Der sogen. „Evangelische Bund" besitzt die Unverfrorenheit, in seinem „Proteste" zu sagen, daß er diesen „erheben dürfe nicht blos in seinem Namen, son­dern im Namen von Hunderttausenden unserer Mitbürger, Protestanten und — Katholiken." Das freilich hatte gerade noch gefehlt, daß der „Bund" auch im Namen von Katholiken handeln will. Nunmehr, wo er auch das sich anmaßt, ist die Hanswurstiade fertig. Kein ernsthafter Mensch kann nach dieser neuesten Glanzleistung des sogen. „Evangelischen Bundes" diesen auch noch für einen einzigen Augenblick ernst nehmen. Er hat sich durch seine unsinnigen Anmaßungen selbst gerichtet.

Ueber die Ergebnisse der NieHzäükuug vom 1. Dezember 1897 int preußischen Staate liegt nunmehr in einem vom Königlichen statistischen Bureau in Berlin herausgegebenen Heft der ausführliche Bericht vor. Danach be- trug die Gesammtzahl der Pferde: 2,808,419 (1892: 2,653,661), der Rinder: 10.552,672 (1892: 9,871,521), der Schafe: 7,859,096 (1892: 10,109,594), der Schweine: 9,390,231 (1892: 7,725,601), der Ziegen: 2,164,425 (1892: 1,964,130). Hiernach zeigt sich für das ^ahr 1897, außer bei den Schafen, wieder ein namhafter Fortschritt. Er beträgt für die Schweine über ein Fünftel, für die Ziegen über ein Zehntel, ffir die Rinder fast ein Vierzehntel, für die Pferde ein Siebzehntel der fünf Jahre vorher ermittelten Gesammtzahl. Nur die Schafe weisen abermals einen Rückgang um reichlich ein Fünftel auf, was mit der veränderten Wirtschaftsweise zusammen - hängt. Mit der Zunahme derBevölkerung i hält die Zunahme des Viehstandes nicht gleichen ' Schritt. 1897 wurde zum ersten Male das ' Federvieh mitgezählt; es betrug die Gesammt­zahl der Gänse: 3 786172, der Enten 1565499, ' der Hühner 31121531. Diese Zahlen find ge- 1 radezu überraschend niedrig. Es beweist das, ' daß unsere Landwirthe über die Einfuhr wohl i Hagen, aber den Markt nicht aus eigener Kraft 1 versorgen können. 1

Lokales.

Fulda, 9. Januar.

9 Die Gesellschaft Museum wird am nächsten Sonntag wiederum ein Konz ert veran- statten. Für die Solovorträge sind hervorragende Kräfte gewonnen: die Konzertfängerin Margaretha Ger st äcker aus Hannover, die Pianistin Helina Drygas und Herr Dr. Gustav Schneider von hier. Wir dürfen uns also auf einen schönen und genußreichen Abend gefaßt machen.

(*) Die Mauk- und Kkaueuseuche, die im September vorigen Jahres in den Kreis Fulda eingeschleppt war und sich auf 13 Gemeinden verbreitete, ist nunmehr wieder vollständig getilgt. So berichtet am Samstag das amt­liche ,Kreisblatt' des Kreises Fulda, und da wird's denn auch wohl richtig sein. Nun kam uns aber an demselben Tage die neueste Nummer des »Amtsblattes der königl. Regierung zu Raffel' in die Hände, und da lesen wir zu unserem Erstaunen in einet Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten, daß zur Zeit noch die Stadt Fulda und zwölf Ort­schaften des Kreises Fulda von der Maul- unb Klauenseuche betroffen feien. Ein derartiger Widersprach in den amtlichen Organen müßte doch wohl leicht zu vermeiden sein.

Ö Das Kgk. Proviantamt i« Mana» gibt bekannt, daß dasselbe immer noch gesunden, gut gereinigten Hafer, sowie nach dem 15. ds. Mts. auch gesundes Roggen-Flegel- stroh frei Magazinhof Hanau gegen sofortige Baarzahlung an kauft. Bei Hafer-Angeboten ist die Einsendung einer ungeschmeichetten Probe von reichlich '/. Liter erforderlich. Den Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch der Verkäufer Magazinsäcke, jedoch unfratikirt, zur Verfügung gestellt. Die Abfuhr von der Bahn wird auf Wunsch und für Rechnung des Verkäufers Über­nommen; der Centner Hafer kostet 6 Pfg. und der Centner Stroh 15 Pfg. Ferner kauft das genannte Amt auch gesunden, gutgereinigten und besatzfreien Roggen in Waggonladungen und frei Hanau Bahnhof-Nord. Auch bei Roggen- Anstellungen ist die Einsendung einer ungeschmei­chetten Probe von reichlich lU Liter nothwendig. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich ertheilt.

* Die Einlösung der am 1. März d. I. fällig werdenden Aiusavschuitte der Landes üreditkasse wird bei der Landeshauptkaffe in Kassel vom 20. Februar d. I. an, sowie außer­dem bei den ständischen Landes-Rentereien des Regierungsbezirks Kassel erfolgen.

Ausland.

* Madrid, 7.Jan. Ueber die entsetzliche Lage der spanischen Gefangenen auf den Philippinen sind schon wiederholteMit- theilungen in die Okffentlichkeit gelangt. Heute wird weiter gemeldet, daß mehrere Mönche, die von den Insurgenten gefangen genommen waren, in Cagayan in Folge von Hunger und Miß­handlungen gestorben sind. Alle gefangenen Spanier wurden ausgeplündert, bestohlen oder ermordet. Das Nonnenkloster in San Guan- zano wurde geplündert, wobei die Nonnen den größten Brutalitäten ausgesetzt waren. Wie es heißt, weigern sich die Insurgenten, die spanischen Gefangenen auf das Verlangen der Amerikaner hin freizulassen, weil dies einer Unterwerfung den Amerikanern gegenüber gleichkame. Wegen der Freilassung der gefangenen Mönche wollen die Insurgenten mit dem Vatikan (?) unterhandeln.

* Kauea, 7. Jan. Prinz Georg hat eine Kommission von 12 Christen und 4 Musel­manen ernannt, die die Aufgabe hat, Gesetzen!, würfe sowie ein neues organisches Statut aus­zuarbeiten, welche der Nationalversammlung zur Berathung und Bestimmung unterbreitet werden sollen.

* Ilew ZFork, 7. Jan. Das Ergebniß der nunmehr beendeten Arbeiten jener Kommission, die zur Prüfung aller während des Krieges vorgekommenen Unregelmäßigkeiten einge­setzt war, wird selbst in den dem Präsidenten

Großhandlungen in Hanau und Fulda während deS Berichtsjahres im Allgemeinen dem im Vor­jahre erreichten gleich. Dennoch muß der Geschäfts- gang als recht unbefriedigend bezeichnet werden, da der Hauptkonsum in billigen Sorten statffand, welche naturgemäß einen nur sehr kargen Nutzen abwerfen, während der Konsum in Wein besserer und feiner Qualität, welcher in erster Linie die Rentabilität des Geschäftes bestimmt, weiter zurück­ging. Schon seit mehreren Jahren wird die gleiche Erfahrung gemacht. Neuerdings wird noch hervor­gehoben, daß sich zu Ungunsten des WeinhandelS immer mehr ein Vorurtheil gegen schwere, alkohol­reichere Getränke geltend macht und die Mode entstanden ist, anstatt eines guten Dessertweines, den man früher als weit gesünder erachtete, Mouffeux zu konsumiren. Im Jahre 1898 war die Produktion in deutschen Weinbezirken, mitkaumnennenswerthen Ausnahmen, an Qualität und Quantität durchaus" unbefriedigend, dagegen in ausländischen Wein- gebieten, wie Algerien, Apulien, Sizilien und- Dalmatien gut, theilweise sehr gut, so daß für das Jahr 1898 wohl eine (Steigerung des Wein- Imports zu erwarten ist.

Aus Hünfeld wird über die Fabrikation von Rohzucker berichtet: „Trotzdem wir in diesem Jahre (1898) mit einer größeren Anbau­fläche von Zuckerrüben für unsere Fabrik rechnen konnten, überschritt die Gesammtverarbeitung die- jenige des Vorjahres doch nur wenig, da die ungünstige Witterung einen nicht unbedeutenden Ernteausfall hervorrief. Aehnliche Verhältnisse wurden aus fast allen Rüben bauenden Gegenden und Ländern gemeldet; darin beruht wohl auch die Ursache, daß die Preise für Zucker sich gegen das Vorjahr um etwa 1 Mk. für den Centner aufbeffern konnten. Leiderist der Preisstand immer noch sehr niedrig und es kann von einem Arbeiten mit Nutzen für die Rohzuckerfabriken kaum bie- Rede sein. Die Arbeiterverhältnisse in unserer diesjährigen Campagne waren wenig erfreulich; wir mußten uns die nothwendigen Leute unter großem Kostenaufwande aus allen Himmelsgegenden-, beschaffen, da die Arbeiterbevölkerung der Hünfelder Gegend meist nach Westfalen rc. geht. Wir waren deshalb auch gezwungen, nicht unwesentlich höhere. Löhne anzulegen."

Aus Fulda wird über die Lage des Detail- -andels in Kolonialwaaren berichtet, dass m Jahre 1898 wiederum keine Besserung be& Geschäftsganges unb ber Rentabilität zu verzeichnen! gewesen fei. Als Ursachen ber Ungunst ber Ver- rättniffe werden angegeben: die Gründung von Filialen durch auswärtige größere Geschäfte, welche einen starken Preisdruck ausübten; der an Private erfolgende Detailvertrieb durch Großhandlungen, angeblich zu Großhandelspreisen; der in allen Handelszweigen betriebene Wettbewerb durch Kon­umvereine ; endlich auch die Neugründung trow Kleinhandlungen, welche dem Geschäfte stets schabe» en, ohne selbst in nennenswerther Weise zu vev- oienen. Die berichterstattende Firma bezeichnet bas" Geschäft in Spirituosen als im Berichtsjahre rückgängig, dasjenige in Bier und Aepfelwein als- aufsteigend; das Weingeschäft erbrachte bessere Ergebnisse, wohingegen das Fruchtsaftgeschäft den gehegten Erwartungen nicht entsprach. Letzterer Mittheilung wird der Hinweis hinzugefügt, dass )en Beerensammlungen große Schwierigkeiten durch- )ie Forstoerwattung entgegengestellt würben, was um so mehr zu bebauern sei, als bavon nur arme Leute betroffen würben.

In Hünfeld entwickelte sich bas Kolonial« waaren-Geschäft in bett letzten Jahren auf solcher Basis fort.

nien Prinz Arenberg unb Dr. Haffe. Für bie Reichseisenbahnen sind Möller-Duisburg und Dr.Müller-Sagan bestellt. Eine ganze Reihe von wichtigen Referaten sind dem Avg. MüKer- Intda übertragen worden, nämlich 1) über den Etat für den Allgemeinen Pensionsfonds, 2) über den Etat für den Reichs-.J nva liden- f o n d s, 3) über den der Kommission überwiesenen Theil des Etats der Reichs schuld, 4) über die Allgemeine Finanz Verwaltung; dieses letztere Referat umfaßt 10 einzelne Referate, die betreffen: den Etat für das Reichsfchatzamt, das Bankwesen, die Einnahmen aus der Veräußerung von ehemaligen Festungs-Terrains, die Ueberschüffe aus früheren Jahren, den Ausgleich für die nicht allen Bundesstaaten gemeinsamen Einnahmen, die Matrikular - Beitrage, die außerordentlichen Deckungsmittel, den Entwurf des Etatsgesetzes, den Entwurf des Anleihegefttzes und den Ent­wurf des Schuldentilgungsgesetzes.

* In den Blättern wurden dieser Tage zwei Anträge derKeutrumsabgeorduete« Kröver und Lieber mitgethertt, von denen der erstere die Geheimhaltung ber Unterschriften von Petitionen betrifft, während nach dem andern das Gehalt des Staatssekretärs Grafen Posa dowsky um 6000 Mark verkürzt werden soll. Im Reichstage find diese beiden Anträge, wie jetzt mitgetheilt wird, nicht eingebracht. Wie Herr Äbg. Dr. Lieber der .Germania' mittheilt, ist ihm von dem ihm zugeschriebenen Anträge nicht das Geringste bekannt, auch liege zu einem solchen Anträge entfernt kein Anlaß vor. — Die,Fuldaer Zeitung' hatte die Mittheilung von der Einbringung der beiden Centrumsanträge der,Vossischen Zeitung' entnommen,welche wohl in ber Lage sein wird, der Quelle dieser alschen Nachricht, hinter welcher eine Mystifi­kation, wenn nicht gar eine Bosheit zu stecken cheint, nachzuspürett.

Narkameutarische Nachrichten.

. * Der am 16. d. M., Vormittags 11 Uhr, im weißen Saale des königlichen Schlosses statt- ben Rathsherrn hat, solche bei dem Rathe der Stadt Magdeburg vorzubringen, worauf wir das Geeignete beschließen würden."

„Und wenn er sich auf den Befehl Sr. Er­laucht beruft und nicht gehen will?"

„So sagt ihm, daß Se. Erlaucht nur soweit ju befehlen habe, als die Jurisdiktion des Kapitels reicht; daß aber ein Rathsherr auf städtischem Gebiet wohnt, und nur von der Stadt prozeffirt werden kann."

„Und wenn er doch nicht geht?"

Bruno Gilden trat mit flammenden Blick vor den Hauptmann und maß ihn vom Wirbel bis zur Zehe.

„Ich, der Bürgermeister von Magdeburg, be­fehle Euch, das Haus des Rathsherrn Locana von ber genannten Person zu räumen, und Ihr fragt mich, was Ihr thun sollt, wenn sie nicht geht? Lasset Euch darüber von einem Rottmeister belehren!"

„Ich möchte nur über meine Aufgabe klar fein," bemerke der Hauptmann ruhig. „Ich bringe ihn also mit Gewalt vor die Thüre."

„Ihr könnet ihn auch zum Fenster hinaus werfen, wenn Euch der Weg kürzer und bequemer ift," erwiderte Gilden in gieichgittigem Tone.

Der Hauptmann verbeugte sich und ging.

Aus den vor dem Rathhause lagernden Stadt-