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mit Unterhallungs-Deitage „Muflrirte Sonntags-Zeitungs pelersgaife Nr.(Harmonie).

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M 5. Jutöa, Samstag, den 7. Januar 1899. 26. Jahrgang.

A Aus der Klarrsr des Malddrudees.

Vom Waldbruder ist diesmal nichts Tröst­liches zu erzählen. Das unwirsche Wetter hat ihn greulich mitgenommen; wenn er5 sein dürfte, wäre er gallig, übellaunisch, daß gar nicht mit ihm zu verkehren wäre, denn so ein grausamer Schnupfen, der einen nicht mehr aus den Augen sehen läßt und ein ebenso bösartiger

MnrfAm(,nfarif(fie Mitarbeit im Reichsrathe; im °b« m°ch'? d>° *«».[. »,r. lomdn ariicke Revolution. Und tn Ungarn steht die ganze Opposition zusammen gegen den Ministerpräsi­denten Baron Banffy und gegen die Partei der Re- aierunqs-Liberalen. Noch steht die Regierung fest tn Ungarn und Baron Banffy hat am Nenjahrstage seine Getreuen um sich versammelt und ihnen Muth einge­sprochen. Aber er kann nichts ändern an der That- sache, daß sehr hervorragende Mitglieder der Regie­rungs-Partei dieser wegen der Gewaltsamkeit und Ver­fassungswidrigkeit der Banffy'schen Politik den Rücken gekehrt haben und ebenso wie die Männer der ent­schiedenen Opposition den Wunsch ganz offen aus­sprechen, Baron Banffy möge einem andern Manne Platz machen. Dieser will das ungarische Parlament vertagen und wie sein Kollege Graf Thun in Oester­reich ohne Parlament regieren. Durch kaiserliche Ver­ordnung ist in beiden Reichshälften angeorvnet worden, daß für 1899 dieselben Staatsmittel zur Verfügung gestellt werden, wie im Jahre vorher. Aber nach der ungarischen Verfassung können nunmehr rückständige Steuern nicht zwangsweise beigetrieben werden, so lange das Budget nicht vorschriftsmäßig durch das Parlament bewilligt ist; und auf lange Zeit hinaus ist dieser verfassungswidrige Zustand in Ungarn noch weniger aufrecht zu erhalten als in Oesterreich. Ganz widerlich aber ist in Ungarn der Duell-Skandalz am letzten Dienstag hat sich nun auch Baron Banffy: selbst mit Horanszky, dem Führer der oppositio­nellen Nationalpartei, geschossen. Die Herren haben freilich nur Löcher in die Luft geschossen. Aber da­durch wird das widerliche Schauspiel nicht weniger widerlich; und wahrlich schlimm ist es um ein Land bestellt, in dem der oberste Regierungs-Beamte ein so gesetzwidriges Beispiel gibt.

Für alle Katholiken ist es ein freudiger Beginn des neuen Jahres, daß der heil. Vater frischer und arbeitssreudiger als lange vorher der Erfüllung seiner großen und schweren Pflichten sich widmet. „Der hl. Vater," so berichtet ein liberaler Zeitungs-Bericht­erstatter, „ist von einer bewundernswerthen Regsam­keit, so daß er nie einen Augenblick hat, in dem er unthätig wäre .... Er arbeitet ohne Unterlaß. Er liest, schreibt und diktirt und beschäftigt sich fortdauernd selbständig mit allen Fragen, die das Interesse der katholischen Kirche in der ganzen Welt betreffen. Mit Aufmerksamkeit verfolgt er alle wichtigen politischen Fragen ohne Ausnahme. Er diktirt, verbessert und ändert die Telegramme und Anweisungen an die Nun­tien, so daß Alles sein persönliches Gepräge erhält. Dabei findet er die Zeit, sehr häufig unter seinem Vorsitze Kardinal-Versammlungen abzuhalten. Weniger als von irgend Jemandem kann man von ihm sagen, daß er sich durch Andere beeinflussen und zu Schritten bestimmen lasse, die nicht von seinem eigenen bestimm­ten Entschlu e ausgehen . . . ." Anfänglich soll der Papst die Absicht gehabt haben, eine Kundgebung gegen den Anarchismus zu erlassen. Hat diese Absicht im Ernste bestanden, so hat sie nachträglich der heil. Vater wieder aufgegeben. Jedenfalls bleibt es jetzt bei der kurzen Brandmarkung, die der hl. Vater in seiner Weihnachts - Ansprache an die Kardinale dem Anarchismus als einer modernen Barbarei hat zu Theil werden lassen, lieber die Beschlüsse, welche die internationaleKonferenz gegen den Anar­chismus in Rom gefaßt hat, beobachten die Regie­rungen Stillschweigen. Die Offiziösen verschiedener Länder versichern zwar, es seien wichtige und bedeu­tungsvolle Maßnahmen beschlossen worden. Aber da England und die Schweiz ihr Asylrecht nicht auf­geben wollen, ist es vorläufig schwer, einzusehen, was für wichtige gemeinsame Maßregeln es sein sollen, welche die übrigen Mächte beschlossen haben. Die Hauptsache hat der heil. Vater in seiner Weihnachts- Ansprache von Neuem gekennzeichnet: klares und festes Gottesbewußtsein muß die Völker und Regie­rungen wieder durchdringen — dann wird das Scheu­sal des Anarchismus von selbst verschwinden.

Unsere westlichen Nachbarn haben nach wie vor mit der Riesen - Seeschlange der DreyfuS - Sache zu kämpfen. Die neuerdings aufgetauchte Nachricht, der frühere Hauptmann Dreyfus solle nach Frankreich ge­bracht werden, um in Paris selbst vernommen zu wer­den, bewahrheitet sich nicht. Dreyfus soll zwar selbst vernommen werden, aber nicht in Paris, sondern in Cayenne. Inzwischen macht der oberste Gerichtshof in Paris eine unliebsame Entdeckung nach der andern: es wird berichtet, daß die Untersuchung des vielbe­sprochenen geheimen Aktenbündels im Pariser General­stabe noch mehr gefälschte Schriftstücke an's Tageslicht gefördert hat.

Auf der Insel Kreta schaltet und waltet nun­mehr Prinz Georg von Griechenland als Gouverneur oder vielmehr als „Oberkommissar" der Mächte. Aber natürlich sind die Kreter schon jetzt un­zufrieden mit dem neuen Regiment, das nach ihrer Ansicht viel zu selbstherrlich vorgeht. Sind indeffen des Prinzen Thaten ebenso schneidig wie seine Worte, dann wird den Kretern ihr Einspruch wenig nützen : und sollte — so hat der Prinz gesagt — ganz Kreta in eine einzige Kaserne verwandelt werden, Ordnung muß geschafft werden. Vielleicht aber wird der Besen nicht mehr ganz so scharf kehren, wenn er ein wenig abge­nutzt sein wird!

Woche»-Rundschau.

(Rachdrmk verboten.)

X Fulda, 7. Januar.

Nun ist das neue Jahr eingezogen, empfangen mit Glockengeläute und Festesklängen — möge es Segen und Freude bringen in die Herzen der gesammten Christenheit! Frieden und Zufriedenheit in aller Welt!

Mit Friedensversicherungen hat, Gott sei Dank, auch dieses neue Jahr begonnen. Das ist nun freilich so üblich in den Neujahrs-Ansprachen der verschie­denen Staatsoberhäupter; und manchmal bedeuten diese Kundgebungen nicht viel mehr als die Erfüllung einer althergebrachten äußern Form. Aber gerade jetzt hat es beispielsweise doch eine besondere Bedeutung, wenn Herr Felix Faure, der Präsident der fran­zösischen Republik, in ganz ausgeprägter Weise die friedlichen Bestrebungen Frankreichs heroorhebt. Frank­reich — so sagte Herr Faure beim Neujahrsempfange der Vertreter fremder Staaten in Paris — wird „immer seine Fürsorge für die Befestigung des Frie­dens, dieses für das Glück der Völker so kostbaren Gutes, in die erste Reihe stellen". Dieses Wort des französischen Präsidenten ist deswegen wichtig, weil es in Frankreich Poltergeister gibt, die meinen, das Beste für ihr Land sei wieder einmal ein ordent­licher Krieg, und die lieber heute als morgen Händel mit den Engländern anfangen möchten, weil diese die schönen Eroberungspläne der Franzosen in Afrika so schmählich durchkreuzt haben. Und noch wichiiger für uns Deutsche ist ein Handschreiben, das Kaiser Wilhelm um die Jahreswende an den Z a r e n g e- sandt hat, äußerlich deswegen, weil die Militärakademie in Petersburg die Feier ihres hundertjährigen Be­stehens beging, außerdem aber wohl auch und mehr noch aus innerlichen Gründen, um der Welt zu zeigen, daß die Alarmgerüchte von einer zwischen Deutschland und dem Zarenreiche eingetretenen Svannung keinen thatsächlichen Hintergrund haben. So hat augen­scheinlich auch der Zar die Sache aufgefaßt; denn er hat dafür gesorgt, daß der Wortlaut des kaiserlichen Handschreibens aller Welt bekannt werde. Kaiser Wilhelm versichert darin den Zaren seiner fortgesetzten „h0HeuWerthschätzung und seiner unwandel­baren Freundschaft"; und solche Versicherungen kennen zu lernen, ist allgemein natürlich von großer Bedeutung.

Leider ist die Luft nicht ganz rein zwischen Deutschland undOesterreich-U n garn. Wenn man diese unbestreitbare Thatsache fcststellt, so ist da­bei natürlich noch lange nicht an ein wirklich gespanntes und unerquickliches Verhältniß zwischen den beiden sonst freundnachbarlichen Ländern zu denken. Aber irgend etwas ist nicht ganz in der Ordnung. Das hängt bekanntlich mit den Ausweisungen österreichischer Staatsangehörigen aus Preußen und mit der etwas schroffen Art und Weise zusammen, in der der öster­reichische Ministerpräsivent Graf Thun in uner­wartetem Ausfälle diese Ausweisungen aus Preußen tadelte und mit Gegenmaßrcgeln drohte. Nachher fanden diplomatische Verhandlungen statt. Das amt­liche Blatt der österreichischen Regierung brachte so­dann eine beruhigende Erklärung, und alles schien zu beiderseitiger Zufriedenheit bcigelegt — da erfolgte ein neuer Ausfall gegen die deutsche Regierung durch ein Budapester Blatt, den ,Pester Lloyd', von dem man annimmt, daß er derlei nicht unternehmen würde ohne die Zustimmung der maßgebenden Regierungs­stellen. Der ,Pester Lloyd' hat sich sogar zu der Aeußerung verstiegen, man „kultivire in Deutschland nicht erst seit heute und gestern ein System des Miß­trau e n s gegen unsere (die habsburgische) Monarchie". Damit aber hat er sicherlich über die Schnur gehauen — allermindestens gibt es in Deutschland keine Partei und Niemand im Volke, der nicht nach wie vor das Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn als die natürliche Grundlage aller auswärtigen Politik an- aähe und erhalten missen wollte; und ganz außerordentlich unvolksthümlich würde in Deutschland eine Regierung werden, die das ändern wollte. Und deswegen dürfen wir wohl annehmen, daß man auch in diesem Falle das alte Sprichwort anwenden darf, daß sich das neckt, was sich liebt. Aber allzu häufig sollten solche Neckereien doch auf keinen Fall werden; und in Deutschland ebenso wie in Oesterreich-Ungarn sollte jeder, der dazu berufen ist, alles aufbieten, was iu seinen Kräften steht, um so schnell wie möglich auch diese kleine Trübung wieder von dem deutsch-öster­reichischen Bündniß-Himmel fortzubringen. Daß diese Anschauungen auch in denBe r l in er Regierungs­kreisen maßgebend sind, beweist die Antwort, die die offiziöse »Norddeutsche Allgemeine Zeitung' dem ,Pester Lloyd' gegeben hat. „Wir setzen — so schrieb das Berliner Regierungsblatt — den dunkele» An­spielungen (des ,Pester Lloyd') die unumwundene Erklärung entgegen, daß die deutsche Politik von den Empfindungen, auf die der ,Pester Lloyd' ge- rathen ist, völlig frei bleibt und daß sie die Lob­sprüche der unbedingten Bundestreue und der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit ihrer Ab­sichten sichzueignen muß, die der ,Lloyd'dem Wiener Kabinet spendet." Das ist klar und deutlich gesprochen und verfehlt hoffentlich nicht die beabsichtigte gute Wirkung.

In Oesterreich-Ungarn selbst ist die politische Lage leider je länger desto mehr das unmittelbare Gegen- theil von klar und deutlich: ja sogar der ganze Parla­mentarismus ist in beiden Reichshälften in Frage ge­stellt. In Oesterreich verweigern die Deutschnationalen

H u ste n kann auch den geduldigsten Mann peinigen, daß er wild werden möchte — wenn er nicht dazu durch andere Gebrechen viel zu malad ge­worden ist. Nun daß ihrs wißt, sänstlich ist heute der Waldbruder nicht aufgelegt, und wer meint, daß er ihm ins Gewissen reden könnte, der mag sich bedenken, ehe er weiter liest. Schmeicheleien sind beim Waldbruder keine gang­bare Münze, heute mag er sie mal gar nicht kennen.

Die Klause ist ringsum eingeschneit, hinter dem Fenster schaut der Waldbruder, den Kopf in dicke Tücher eingehüllt, hinaus, obs denn gar kein Ende nehmen will mit dem Schneien.

Am Syloesterabende ging das Wetter los.

Ich hatte schon vorher an dem abscheulichen Reißen im Bein gespürt, daß etwas im Zuge sei, und da kam es denn auch in der Neujahrs­nacht und am folgenden Tage, Schnee und Regen, alles durcheinander, und so dicht, als ob St. Petrus gar nicht schnell genug das Zeug hätte fort bekommen können.

Gut, daß der Waldbrnder als fürsorglicher Hausvater für die langen Wintertage gesorgt hat. Fenster und Hausthüre sind mit Mooskränzen dicht verstopft, daß der eisige Wind schon einige Arbeit hat, wenn er durchdringen will. Vorige Woche hat der Waldbruder einen ganzen Tag im Holz gearbeitet. Schon im Herbste waren die Buchenstämmchen, welche Brennmaterial liefern sollten, gefällt; jetzt galt's sie hinunter schaffen. Der Schnee kam dazu gerade recht. In den Tagen nach Weihnachten, wo so schöne glatte Schnee­bahn war, ließ sich der Holzschlitten bequem den Berg hinunterschieben. Es war ein gar lustiges Treiben, der Waldhüter Klaus hat wacker mit­geholfen und gesorgt, daß das Holz hinter der Klause hübsch aufgeschichtet wurde. Allein hätt's der Waldbruder mit seinen alten Knochen nimmer fertig gebracht. Jetzt noch einen Tag Arbeit, dann ist der nothwendige Vorrath für das nächste Jahr herbeigeschafft. Für Küche und Keller hat christliche Nächstenliebe das beschafft, was des Klausners kleines Gärtchen allein nicht bieten konnte.

So kann der Waldbruder also mit Gottver­trauen in's neue Jahr sehen.

Was es bringen mag, wir wissen es nicht, die Leser wissen es nicht und der Waldbruder weiß es auch nicht. Das weiß auch kein Mensch, was die nächsten Tage, Wochen Monate ihm be- scheeren werden. Gott hat uns in seiner Weis« die Zukunft verhüllt und das ist unend­lich lieb vom lieben Gott.

Die Welt müßte ja vor Sorgen und Aeng- sten schier umkommen, wenn sie all dem Leid, das ihrer harrte, klar ins Auge sehen könnte. Da muß ein starkes. Gottvertrauen das Rück­grad bilden, welches unsere Hoffnung^ auf eine gute Zukunft aufrecht hält. Dabei sind aller­dings jene leichte Gesellen außer Acht gelaffen, welche in den Tag hineinleben, ohne sich irgend welche Gedanken zu machen. Sie stehen Morgens auf, setzen sich an den gedeckten Tisch, und gehen Abends wieder schlafen, schlafen auch wohl den ganzen Tag mit offenen Augen. So war's gestern, so ist's heute und so bleibt's bei ihnen alle Tage. Also diese Luftici gelten nicht mit, wenn wir hier von ordentlichen Christenmenschen reden. Wer einen pflichtbewußten, seine Ver­antwortungen erkennenden, vernünftigen Sinn hat, den kann eben nur ein starkes Gottvertrauen stützen, wenn er dem ihm noch unbekannten Ge­schick muthvoll entgegensehen will.

Nun ja, an Gottvertrauen hapert es ja meist nicht so sehr, oft wird diese Tugend etwas z u stark geübt. Die Tagediebe, von denen oben die Rede war, haben auch eine gute Portion Gottvertrauen, sie vertrauen, daß unser Herr­gott schon alles gut machen werde, sie könnten sich derweil auf die faule Halft legen und warten. So ist das Gotwertrauen aber nicht gemeint. Solch ein Gottvertrauen ist blinder Fatalismus, wie ihn die Heiden und auch die Muhamedaner üben: „Was einmal kommt, dagegen ist nichts zu machen, das muß eben überstanden werden!" sagen sie. Ei, sieh' mir einer diese tugendhaften Leute mit ihrem so lebendigen Gottvertrauen an. Das ist ein sündhaftes Vertrauen, daß Du's weißt!

Gott hat dem Menschen Arme mit starken Ellenbogen gegeben und ein paar kräftige Hände, und Verstand hat er ihm gegeben und freien Willen. Die soll der Mensch gebrauchen und ordentlich gebrauchen, dann hilft Gott auch mit. Vom Zusehen geschieht nichts. Die Hände müssen sich regen munter und flink und unverdroffen, so will's unser Herrgott haben. Mit seinem Vertrauen allein mag der Mensch ganze Berge versetzen, greifen die Hände nicht helfend nach, sondern bleiben müßig hn Schoße liegen, so wird nicht ein Steinchen in alle Ewigkeit bewegt.

Das sollen grade die Katholiken sich immer wieder vorhalten. Nicht mit Unrecht klagen sie darüber, daß sie auf allen Gebieten vielfach zurückgefetzt würden. Wir haben Kopf und Hände, die sind grade so stark, als die anderer Leute; wenden wir sie an, arbeiten wir, arbeiten wir mehr, arbeiten wir besser als die anderen, und es müßte doch sonderbar zugehen, wenn man uns schließlich noch zurücksetzen wollte.

Es genügt nun einmal nicht, daß wir soviel leisten wie jene, wir müssen mehr leisten und wenn anderen ein größerer Löffel in die Hand gegeben wird, die Fettaugen von der Staatssuppe zu schöpfen, so müssen wir mit unseren kleineren Löffeln um so fleißiger und um so öfter schöpfen, dann wollen wir sehen, wer schließlich das meiste erhält. Aber da stehen die Katholiken zurückgedrängt bei Seite und schauen sich an, wenn die anderen sich um die Töpfe vordrängen. Heran! die Ellenbogen gebraucht, daß wir auch einen Platz mitbekommen.

Die Kinder von dieser Welt sind in ihrer Art klüger. Lernen wir in dieser Beziehung von ihnen. Auf dem nichtstaatlichen Gebiete ist für alle Bürger freie Konkurrenz. Die katholischen Arbeiter, Handwerker, die Kaufleute müssen wett­eifern, besseres zu liefern, ihre Arbeitgeber oder ihre Kunden bester za bedienen, dann werden sie auch voränkommen. Wir sind einmal in diese Welt hineingesetzt und müssen in ihr zurecht­kommen. Natürlich sollen wir die andere Welt nicht vergesten, aber das Beten allein hilft nicht. Bete und arbeite heißt es im Sprüchelchen. Das wollen wir uns zur Richtschnur nehmen für das neue Jahr und „Bete und Arbeite" fei des­halb nachträglich der Neujahrswunsch des Wald- bruders. ^121—

Vermischtes.

* Das «er»« WörtervnÄ für Telegramme in veravredeter Sprache, welches jüngst vom Staatssekretär v. Podbielski angekündigt worden und ein Meister­werk seiner Art ist, wird' in drei aufeinander folgenden Bänden, die in den Jahren 1899, 1900 und 1901 er­scheinen sollen, veröffentlicht werden. Ist das Wörter­buch zur Ausgabe gelangt, dann dü-.sen in den Tele­grammen mit verabredeter Sprache nur noch solche Wörter Verwendung finden, die indem zu diesem Zwecke heraus­gegebenen Lexikon stehen. Das neue Lexikon wird etwa 600,000 Wörter enthalten, die auch besonders im inter­nationalen Verkehr zur Anwendung gelangen werden. Die neuen Wörter enthalten durchweg 10 Buchstaben und find keiner lebenden Sprache direkt entnommen, sondern aus bekannten Wortstämmen nach vorauf gegangener lieber» einkunst frei gebildet. So find z. B. aus dem Eigen­namen August Wörter wie: Augustabos, Augustabo, Augustanos rc. gebildet worden. Für die Verwaltung ist die neue Einrichtung nicht nur überaus zweckmäßig, sondern auch lukrativ. Seither konnten die Geschäfts­leute nach freier Wahl ihre Chiffreworte vereinbaren und z. B.: „Kaufe 10,000 Clr. Weizen" ausdrücken durch „amo", „lieferbar ultimo dieses Monats" durch „Bime". Da in verabredeten Telegrammen jedes einfach zählende Wort nur 10 Buchstaben haben darf, so konnte man mit jedem der neuen Ausdrücke immer nur eine Anwei­sung ertheilen, während man nach dem früheren freiwil­lig gewählten System kurze Chiffreworte anwenden und zwei solche zu einem Telegramm-Worte zusammenziehen und statt „amo Bime" schreiben konnte „amobime".

*,* Ein Leser der Schwarzburg-Rudolstädtischen .Landeszeitung' hat im neuen bürgerlichen Gesetzbuchs ein hübsches Sprach Anriosnnr entdeckt In § 919 des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich liest man:

„Der Eigenthümer eines Grundstücks kann von dem Eigenthümer eines Nachbargrundstücks verlangen, daß dieser zur Errichtung fester Grenzzeichen und, wenn ein Grenzzeichen verrückt oder un­kenntlich geworden ist, zur Wiederherstellung mitwirkt."

Dieses „verrückt gewordene" Grenzzeichen erinnert uns an einen jSatz im Schulprogramm einer Kölner Lehranstalt aus den 80er Jahren, in welchem mit» getheilt wurde, die neu angeschafften Turngeräthe seien „so eingerichtet" daß fie nicht verrückt werden tönune.

* Nie weist reist unfer Auge beim Lesen. Die Entfernung ist keine überraschend große, denn eine Mil­lion neben einander gestellte Buchstaben machen kaum mehr als eine viertel deutsche Meile aus. Der Durch­schnittsleser legt während seines Lebens einen Weg von 500 Meilen Drucklänge mit seinen Augen zurück. Ein Roman von 300 Seiten enthält eine viertel Meile, das heißt, das Auge reist 1855 Meter beim Durchlesen des Buches.

* In respektvoll. „Johann, holen Sie mir ein Lied von Brahms für Klavier und Frauenstimme!"— Johann (in der Buchhandlung): „Ich möchte ein Lied für Klavier und gnädige Frauenstimme!"

* Die guten Freundinnen. „Ich habe mich vorhin in die Zunge gebissen." „Unmöglich, dann wären Sie ja vergiftet."

Gottesdienstordnung in Fnlda.

Sonntag, 8. Jan. Dom. 51/», 6, 63/« und 7-/. Uhr hl. Messen 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christen­lehre, 12 Uhr hl. Messe, 1* . Uhr Andacht und Christen­lehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Predigt und Herz-Mariä-Bruderschaft in der Marienkapelle. Dom- pfarrlicher Mütter-Verein. Während der 6 Uhr-Meffe hl. Kommunion, 2-,« Uhr Predigt und Andacht — Stadt- pfarrkirchr. 51/* vhr hl. Messe und Predigt, 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, S'/» Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 */» Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. — Wicharls- kirche. 10 Uhr hl Messe. - Pfarrkirche pim hl. Meiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — Frauenberg. 5, 6l/» und 8 Uhr hl. Messen, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Predigt unb Andacht für die Antonius- ; Bruderschaft.