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FuldaerW-Zeitung

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’TKä’S"' mit Zlnierhattungs-ISeikage „Zssustrirte Sonnlags-Zeitungi' pererssahe to. 2 (Harmonie).

Julöa, Mittwoch, den 4. Januar 1899,

26, Jahrgang.

M 3.

Bestellungen auf die.Fuldaer _ * Zeitung' werden noch fort­während angenommen._____

Ö Das Jahr 1898.

(Nachdruck verboten).

III.

Während in früheren Jahren die „Krisenge­rüchte" nie verstummen wollten, ist im Jahre 1898 davon nur wenig die Rede gewesen, und persönliche Veränderungen hat es im Reichsdienst auch nur im auswärtigen Amt gegeben, wo jetzt alle leitende Stellen in neuen Händen sind: Staatssekretär ist Herr von Bülow — übrigens schon seit dem vorigen Jahr —, Unterstaats­sekretär Frhr. v. Richthofen und an dessen Stelle als Direktor der Kolonialabtheilung ist am 1. April Herr Dr. v. Buchte, bis dahin konservatives Reichstagsmitglied, ein in kolonialen Dingen ganz unerfahrener Mann, getreten. Es scheint fast, als wenn auch ein gewiffer Kourtzwechsel in der auswärtigen Politik unter den neuen Männern zu verzeichnen wäre. Zur allgemeinen Heber« raschung tauchte anfangs September, zuerst in englischen Blättern die Nachricht von „einem deutsch -englischen Bündniß" auf, und stieß anfangs in Deutschland fast überall auf Unglauben. Sollte die russische Freundschaft auf einmal ein Loch bekommen haben? Man hatte bis dahin nichts dergleichen wahrgenommen. Nach so viel bitterer Feindschaft wegen Trans­vaal auf einmal solche Intimität mit dem „treu­losen Albion"? Das schien ganz unglaublich. Und doch stellte sich alsbald heraus, daß ein Vertrag tatsächlich besteht, wenn er auch durch­aus kein Schutz- und Trutzbündniß ist. Zwar wird er bis heute geheimgehalten, doch weiß man soviel, daß er sich auf die afrikanischen Kolonien Portugals bezieht und festsetzt, wem dieselben in ihren einzelnen Theilen zufallen sollen, wenn einmal Portugal sie verkaufen möchte. Danach würde insbesondere die De lag o ab ai, der na­türliche Zugang zur Transvaalrepublik, den Eng­ländern in den Schoß fallen. Um die Sache richtig beurtheilen zu können, muß man abwarten, welche Gegenleistungen Deutschland erhalten soll, und zugleich sich fragen, „ob Deutschland über­haupt im Stande gewesen wäre, den Verkauf der Bai an England überhaupt zu verhindern. Da Portugal übrigens seine Kolonien bisher noch seihst m der Hand behält, hat der Vertrag einstweilen keine praktische Bedeutung; aber als Kennzeichen für die gebesserte Stimmung zwischen England und Deutschland und als Mittel zur werteren Besserung derselben verdient er alle Beachtung.

Die Orientreise des deutschen Kaisers sah man in Rußland anfänglich als den Ver­such einer friedlichen Eroberung Syriens und Palästinas an, nach deren Besitz die Rusien mit größtem Eifer trachten. Der Kaiser hat indeß keine Gelegenheit versäumt, um zu versichern, daß Deutschland nicht auf Landerwerb ausgehe, sondern die Entwickelung seines Handels und feiner Industrie durch sorgsame Pflege der Ab­satzgebiete erstrebe. Dies war der Nebenzweck der Kmserreise; ihr ausgesprochener Hauptzweck

Feder. Schwert s«d Ficket.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

14 —--- (Nachdruck verboten.)

„Schießt das Brandenburger Banner her­unter!" rief Locana den Stadtsöldnern zu.

„Tas Spul zurück!" kommandirte der Haupt­mann. Die beiden Trommler, die an der Spitze marschirt waren, gingen hinter die Front.

Diese unbedeutende vorbereitende Handlung machte einen sehr vernichtenden Eindruck auf die Bürger. So rasch sie gekommen, so rasch begannen sie hinter der Soldateska zurückzubleiben. die immer noch unter dem jetzt rascher werdenden Trommel­schlage oorrückte.

Da sah man über der Barrikade eine Reihe Köpfe erscheinen, dann zuckten Blitze aus zwanzig Musketen; der Donner hallte durch die Straße; zwei lagen mit ausgestrecklen Armen und Beinen auf der Erde. Solle Leute, denen das Blei in Herz und Hirn gefahren; fünf andere stöhnten verwundet — „Feuer!" rief der Hauptmann, die Salve krachte, die Trommeln wirbelten, die Schaar stürmte unter wildem Rufen voran.

Lccana, der seinen ersten Schauder überwunden, befand sich mitten unter der Compagnie, die ihm folgte; er hatte einen Palasch von einem Zünftler genommen, und ermunterte, die Waffe mit jugend­licher Kraft schwingend, die Söldner zum An­griffe.

Als die Stürmer am Fuße der Barrikade angekommen, schienen abermals die Vertheidiger.

war die Befestigung der religiösen Jntereffen des Protestantismus im hl. Lande, der in der Erlöserkirche in Jerusalem eine neue Kultstätte erhielt, und die eigene religiöse Erhebung und Erbauung des Kaiserpaares. Die Hoffnung protestantischer Fanatiker, daß Kaiser Wilhelm der Angelegenheit eine demonstrative Spitze „gegen Rom" geben werde, erfüllte sich nicht, im Gegentheil bewies der Kaiser feine Hochherzig­keit und fein Bewußtsein als Monarch eines paritätischen Landes durch Ueberweisung der sog. Dormition, des Grundstücks des Sterbehauses der aHerfeligften Jungfrau an den katholischen „deutschen Verein vom hl. Lande". Die deutschen Katholiken haben ihren Dank dafür ebenso wie ihre Bischöfe und der hl. Vater in sehr lebhafter Weise zum Ausdruck gebracht.

Zugleich bekundete der deutsche Kaiser mit diesem Geschenk, daß das deutsche Reich gewillt und im Stande ist, feine katholischen Untertanen im Orient selbst zu schützen, sodaß diese des französischen Protektorats nicht bedürfen. Daß dieses letztere auch in seiner neuesten Be stätigung durch den hl. Vater nur insoweit be­steht, als die Katholiken nicht französischer Natio­nalität nicht bei ihrem eigenen Konsuls ge­nügenden Schutz finden, ist zum Leidwesen ge­wisser französischer Politiker auch vom hl. Stuhle wiederholt bekundet worden; sollte in dieser Be­ziehung je ein Mißoerständniß bestanden und zu der Abberufung des preußischen Gesandten von Bülow Veranlassung gegeben haben, so ist das­selbe inzwischen längst beseitigt. Man kennt jetzt in Berlin die volle Loyalität des hl. Vaters und hat darum Herrn von Bülow auch alsbald in Herrn v. Rotenhan, einem Bayern, einen dem hl. Vater besonders genehmen Nachfolger gegeben, ohne den Hetzereien des „Evangelischen Bundes" und anderer Kulturpauken, welche gerathen halten, die Stelle überhaupt nicht wieder zu besetzen. Gehör zu schenken.

Nachdem wir diese in kirchlicher Be­ziehung für uns Katholiken erfreulichen Mo­mente gebührend hervorgehoben haben, müssen wir anderseits aber auch ebenso ehrlich und unum^ wunden gestehen, daß es im Uebrigen in kirchen­politischer Hinsicht durchaus nicht besser geworden ist im Deutschen Reiche. Noch immer ist die Gesellschaft Jesu vom Boden des deutschen Vaterlandes ausgeschlossen, und der Bundesrath hat es nicht einmal für nöthig gehalten, zu den letzten Beschlüssen des Reichstages irgendwie Stellung zu nehmen. Ebensowenig ist eine gesetz­liche oder auch nur praktische, verwaltungsmäßige Milderung der chikanösen Beschränkungen des Ordenswesens im Allgemeinen zu verzeichnen. Jeder Tag bringt bald hier, bald da, neue Be­weise von krasser Jmpariiät zu Ungunften der Katholiken. Auch nicht eine einzige ihrer Forde­rungen zur Wiederherstellung ihrer früheren recht­lichen Stellung ist im abgelaufenen Jahre erfüllt worden. In der Besetzung der Bischofsstühle zeigt man nicht selten eine merkwürdige Lässigkeit von Seiten der Bureaukralie, wen» nicht Schlim­meres. Hat es doch fast 18 Monate gedauert, bis (am 21. März 1898) die Erzdiözese Freiburg wieder einen Oberhirten in der Person des bis­herigen Bischofs von Fulda Dr. Georg Ignatius

Diesmal hatte man sie aber erwartet. Die letzten Glieder waren zurückgeblieben, halten ihre Musketen auf die Gabeln gelegt, und warteten nur auf das Hervorkommen der Köpfe. Zwei Salven krachten zu gleicher Zeit. Schmerzhaftes Gestöhn erfüllte einen Augenblick die Luft, dann wurde es von den Wirbeln der Trommeln und wülhendem Kampfgeschrei übertönt.

Neben dem Brandenburger Banner erschien der Schwede; kaltblütig blickte er in das Gewühl rings umher. Mit seiner Schwertspitze deutete er da- und dorthin, unter, hinter ihm stand eine Truppe, die lautlos seinen Winken folgte. Wo die Angreifer einen kleinen Vortheil errungen, dahin warf der Schwede neue Mannschaft: es war nicht möglich, vorwärts zu kommen; die Vertheidigung blieb fest. Stehen zu bleiben war bei diesem blutigen Ringen noch weniger möglich. Die Reihen begannen zu wanken.

„Auf's Roß, Ernst!" sagte der Schwede zu dem neben ihm stehenden Pagen des Branden­burgers. „Jetzt ist's Zeit zum Einhauen!"

Der Jüngling verschwand in einem der kleinen Nebengäßchen, welche das Rathhaus von den be­nachbarten Häusern trennte. Dort hielt ein Bürger ein gesatteltes Pferd, auf welches sich der Junge warf; wie rasend sprengte er davon.

Zwei Minuten später parirte er sein Roß vor dem Thore eines Hauses, das einen vornehmen Eindruck machte. Eine Mauer nach der Streße schloß das ganze Anwesen ab. Hinter derselben wiesen hohe Bäume auf einen ziemlich weiten Hof- oder Gartenraum; und zwischen den Bäumen hindurch Iah man das steile Ziegeldach eines weit­läufigen Gebäudes, dessen Ecken mit hohen Erkern

Komp erhielt, leider um ihn schon am 11. Mai auf der Fahrt zur Inthronisation wieder durch den Tod zu verlieren. Ihn ersetzte dann freilich glücklicher Weise ohne lange Paule Dr. Thomas Nörber, bisher Klosterpfarrer in Baden-Baden, und auf dem Fuldaer Bischofsstuhle folgte ihm nach ziemlich kurzer Sedisvakanz Herr Adalbert Endert, der seitherige Dompfarrer, als Hüter am Grabe des hl. Bomfatius. Ein ähnliches Schicksal wie die Erzdiözese Freiburg erlitt ihre Suffragandiözese Rottenburg. Am selben Tage wie Erzbischof Komp starb Bischof v. Reiser von Rottenburg ebenfalls auf der Reise. Und fein erwählter Nachfolger, Domkapitular Dr. v. Linsemann, starb gleichfalls, ohne den bischöflichen Stuhl bestiegen zu haben. Ihm ist in der Person des Professors Dr. Paul Keppler ein würdiger Nachfolger erkoren worden. Länger dauerte hinwieder die Besetzung des Bischofs­stuhles zu Limburg; am 6. Februar starb Bischof Karl Klein, und am 15. Juni ward zu seinem Nachfolger Dr. Dominicas Willi, der Abt des Cistercienserklosters Marienstatt, gewählt. Und noch viel länger dauerte die Verwaisung der westpreußischen Diözese Kulm. Ende März starb Bischof Dr. Leo Redner, und erst zu Weih­nachten erhielt die Diözese in der Person des Domherrn Dr. Rosentreter einen neuen Ober­hirten. Die Ernte des Todes war unter Deutsch­lands Bischöfen, wie man sieht, merkwürdig groß im verflossenen Jahre. Dem bereits im November 1897 verschiedenen Erzbischof Dr. Antonius v. Thoma von München-Freising folgte in dieser hohen kirchlichen Würde der bisherige Bischof von Würzburg, Dr. Franz Joseph v. Stein, der seinerseits wieder den Domkapitular Dr. Ferdinand Schlör zum Nachfolger erhielt.

Aber ob wandelbar und vergänglich auch die Personen, so bleibt doch die hehre Kirche Christi in sich selbst unvergänglich und unwandelbar, und sichtbar ruhte auch im Jahre 1898 Gottes Segen auf ihr und ihrem allverehrten sichtbaren Ober­haupte, dem greifen Papste Leo XIII., der von feiner großen, geistigen und körperlichen Frische wiederholt die deutlichsten Beweise gegeben hat. Möge er noch recht lange die Kirche Christi regieren, geliebt von den Seinen, bewundert und vielverehrt auch von den Andersgläubigen!

Deutsches Deich.

Berlin, 3. Januar.

x Der Kaiser konnte den größten Theil )es Montags außerhalb des Bettes zubringen; fein Befinden im allgemeinen ist fortgesetzt wieder gut. Auf die Anordnung des Leibarztes hin wird der Monarch aber die nächsten Tage hin­durch noch das Zimmer hüten und sich auch onst größte Schonung auferlegen. Das Fest­mahl für die Generalität, das am Abend des 2. Januar stattfinden sollte, ist auf den 15. d. M verschoben. Dem Hofberichte zufolge hält auch )eute der Fortschritt in der Besserung des Be­indens oes Kaisers an. Bis zur voll- 'ommenen Wiederherstellung bedarf der Kaiser aber noch einige Tage der Schonung.

* Rechtsanwalt Dr Würmeking, ehedem Centrumsabgeordneter, ist zum kaiserlichen Regie­

versehen waren. Hier wohnte Domherr Bölicke, des Administrators wärmster Freund und Für- precher im Domkapitel, der Einzige, welcher sich >er Absetzung desselben widersetzt hatte.

Man mußte den Pagen erwartet haben, denn !aum konnte man den Galopp des Pferdes hören, als das eiserne Thor sich öffnete und ein Mann in Helm und Harnisch aus demselben hervortrat. Der Knabe winkle mit heftigen Bewegungen und der Geharnischte schrie in den Hof: „Auf die Pferde!" worauf er eilig nach demselben verschwand.

Die Thorflügel wurden weit aufgeriffen und aus dem Innern drang auf einen Augenblick lautes Waffenklirren und dann das Stampfen vieler Pferde. Schon hielt der Junge vor dem Tbore.

„Cs ist Zeit, Ritter von Narzym, es ist Zeit!" rief der Page.

„Wir sitzen schon im Sattel," tönte eine rauhe Stimme ans dem Hofe. „Wohin?"

„Nur mir nach, ich kenne die Wege!"

Der Knabe sprengte weiter.

„Trab !" kommandirte dieselbe rauhe Stimme, und aus dem Hofe sprengten je zwei Mann neben einander geharnischte Reiter, an deren Spitze der Ritter von Narzym ritt, derselbe, der auf die Straße getreten. Haltung und Bewegung zeigten, daß man es hier mit wirklichem Kriegsvolke zu thun habe; es waren zwar außer dem Führer nur 24 Mann, aber dieselben waren an Kampf und Blut gewöhnt.

Voran sprengte der Knabe durch ein Gewirr von Gäßchen, ohne zu zaudern, ohne sich zu be­sinnen, hinten drein raffelten die Geharnischten über Stege, welche oft so enge waren, daß sich die Kniee der Dahinsprengenden berührten.

rungsrath und ständigen Mitgliede des Reichs' Versicherungsamtes ernannt worden.

O Von der preußischen Staatsregierung sind, wie bereits bereits berichtet, Ermittelungen über die Ausweisungen österreichisch-unga­rischer Staatsangehöriger aus Preußen angeordnet worden. Diese Ermittelungen werden für jeden landräthlichen Kreis angestellt und sollen nament­lich Aufschluß geben über die Länge des Zeit­raumes zwischen der Zustellung der Aus­weisungs-Verfügung und der Verwirklichung der letztem, über die Gründe, die Veranlassung zur Ausweisung gaben, und ferner darüber, ob die Ausgewiesenen neu zugezogen waren oder schon länger in Preußen sich aufgehalten haben. Auf die Arbeiter, die nur vorübergehend in der Landwirthschaft ober Industrie beschäftigt werden, sollen diese Ermittelungen sich nicht erstrecken.

+ Eine etwas sonderbare Mittheilung findet sich in einem als Miquel-offiziös bekannten Blatte. Es heißt dort: „Selbst wenn von der Vor­legung einer WoveKe zn dem Wereinsgesetze (im preußischen Landtage) vorläufig noch Abstand genommen werden sollte" — wird „die Vorlage über das Gemeinde-Wahlrecht Anlaß bieten, die politischen Gegensätze scharf hervor­tret e n zu lassen." Von welcher Seite man scharfen Widerspruch gegen die Gemeinde-Wahlrechts-Vor­lage erwartet, wird sorgfältig dabei verschwiegen; und das ist am Ende nicht besonders wunderbar. Aber die Aeußerung über eine neue Novelle zum Vereinsgesetze klingt fast so, als gebe sich die preußische Regierung der Hoffnung hin, im Laufe der Zeit doch noch im Abgeordnetenhause eine Mehrheit zu erlangen für eine zweite Auflage der „lex Recke" von 1897. Es ist schade, daß man dabei nicht erfährt, auf wessen Umfall dabei wohl spekulirt wird. Haben etwa einzelne national- liberale Landtagsmitglieder die Hoffnung darauf bei der Regierung erweckt?

X Einer Meldung der,Kreuzztg/ zufolge ist der angekündigte Gesetzentwurf über Abände­rung des ILankgesetzes von 1875 tm Auf­trage des Kaisers nunmehr dem Bundesrathe zugegangen. Der Bundesrath wird gegen Ende dieser Woche seine Arbeiten wieder aufnehmen. Zu dem Entwürfe bemerkt halbamtlich die ,Nordd. Allg Ztg/, daß von einer „Verstaatlichung" der Reichsbank nicht die Rede fei. Auch die Wünsche hätten keine Aussicht auf Verwirklichung, welche die bereits bestehende Annahmcpflicht der Reichsbank für Noten von Privat-Noten- banken noch weiter ausgedehnt wissen wollen. Jetzt müssen diese Noten (bayerische, sächsische, württembergische Notenbank, badische Bank, Bank für Süddeutschland, Frankfurter Bank) nach dem Bankgesctze in Städten von mehr als 80,000 Ein­wohnern, sowie am Sitze der betreffenden Bank selbst von der Reichsbank angenommen werden. In agrarischen Kreisen wird man wenig erbaut sein von diesen Mittheilungen. Von anderer Seite verlautet noch, daß der Gesetzentwurf Erhöhung des Grundkapitals, Steigerung des steuerfreien Noten-Kontingentes und eine andere Vertheilung des Gewinnes zwischen Reich und Antheilseignern vorschlägt.

0 Einige Zeitungen bringen es als Neuig­keit, daß das Cent rum im Reichstage weder

Jetzt wurde es vor ihnen hell; hatte man vorher schon Schüsse in ziemlicher Nähe krachen hören, so erscholl (jetzt das Geiöse der Sturm- trommel, der Kampfruf vieler Männer.

Es worein neuer Versuch, den Locana machte, um die von dem Schweden vertheidigte Verramme­lung zu nehmen. Da hörte er hinter sich Rufe des Entsetzens; als er rückwärts blickte, stob das Volk erschrocken auseinander, jeder flüchtete in das ihm zunächst gelegene Haus, und aus dem Domgäßchen heraus trabten die Reiter in den -Farben Brandenburgs.

„Schwerter hoch! Galopp!" rief der Haupt­mann, und vorwärts rasten mit geschwungenem Schwerte die Panzerreiter.

Auch der Schwede hatte von der Höhe der Verrammelung die nahende Hilfe bemerkt. Ec streckte nur den Arm in die Höhe, da erschollen hinter der Verrammelung die Sturmtrommeln, und über die Barrikade fluthete in dichten Haufen das Volk, mit Musketen, Spießen und Helle­barden. Die Stadtwache senkte Die Waffen, da war nichts mehr zu retten, da war nichts mehr zu erobern. Der Markgraf Wilhelm von Bran­denburg war der unbestrittene Herr der Stadt.

5. Gefangen.

„SchlimmeZeiten! Schlimme Zeiten!" meinte Theophras Jeddingen, der alte Buchhalter des Geschäftes, als er am andern Morgen auf der Rechenstube Locana's erschien, um da seines Amtes zu walten.

„Schlrmme Zeiten!" wiederholte er, da er seinen Mantel ablegte und dem wartenden Lohr« jungen übergab, damit derselbe ihn in den Schrank