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Erscheint täglich, m Ausnahme der Sonn* und Feier« jage. Bierteljährl.

Zer«g,prei, ohne Bringerlohn anb Bestellgeld in Fulda und au8» »LrtSlM.bOPf.

FuldaerMZeitung

ZnleratrrDieet» spalt. Garmoud- zeile oder der« Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

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JuLöa, Dienstag, den 3. Januar 1899.

Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung' werden noch fort­während angenommen.

O Einrichtung geeigneter Arbeiter- Wohnungen.

Die Einrichtung geeigneter Arbeiterwohnungen gehört zu den wichtigsten sozialen Fragen her Gegenwart, gleichwichtig für die I n d u st r i e und für die Landwirthfchaft. Theilweise hat man auch für die hohe Bedeutung dieser Frage schon lange vollkommenes Verständniß gezeigt. Aber zum andern Theile, und leider zum größern Theile, liegt auf diesem Gebiete vieles noch recht sehr im argen; und vielleicht trifft die mehrfach aufgetauchte Behauptung das Richtige, daß die Landflucht der Arbeiter, der Zug der Arbeiter ans der Landwirthfchaft nach der Industrie und damit aus den östlichen preußischen Provinzen nach dem an Industrie reichen Mitteldeutschland und Westdeutschland, ebenfalls vielfach mit dieser Frage in Zusammenhang steht.

fAn sich ist darum eine Berathung sehr wichtig, die?in diesen Tagen derBreslauer Ausschuß der'Jnvaliditäts- und Altersversicher­ungs-Anstalt abgehalten hat: nämlich eine Berathung über die Verwendung eines Theiles des Anstaltsvermögens zur Förderung des Baues von Arbeiterwohnungen. Außerdem sind aber bei dieser Berathung noch ganz besondere Gesichtspunkte von grundsätzlicher und allgemeiner Bedeutung zur Sprache gekommen.

Es lag der Antrag vor, j ä h r l i ch eine Summe von 500000 Mark auszusetzen, die als Dar­lehen zu ermäßigtem Zinsfüße und angemessener allmählicher' Tilgung für besagten Zweck herge­geben werden sollen. Dieser Antrag ist ange­nommen worden. Ganz besonders interessant aber ist die Auseinandersetzung, die diesem Be­schlüsse ooraufgegangen ist.

Das Ausschußmitglied von Sa lisch hatte nämlich hatte den Antrag gestellt, die genannte Summe nicht nur den Interessen der- versicherten Arbeiter dienstbar zu machen, sondern auch den kleineren Arbeitgebern damit zu Hilfe zu kommen, und er hatte dies in der Form gethan, daß er beantragte, die Gelder nicht ausschließlich für Arbeiterwohnungen, sondern ganz allgemein für „kleinere Wohnungen" zu bewilligen. Herr von Salisch, der als konservativer Abge­ordneter auch dem Reichstage angehört, führte zur Begründung seines Antrages aus, daß die kleineren Arbeitgeber durch die Zahlung der halben Versicherungsbeiträge große Opfer brächten, ohne dadurch für sich irgend welchen Nutzen zu erlangen. Er meinte damit natürlich die kleinen Arbeitgeber auf dem Lande, und in dem einen allgemeinen Punkte muß man ja dem Antrag­steller recht geben, daß die Lage dieser Klaffe von Arbeitgebern gegenwärtig zum Theile nichts weniger als beneideuswerth ist; namentlich nicht in den östlichen preußischen Provinzen und in einem großen Theile von Süddeutschland. Viel- letcht ift sogar auch ein anderer, bei dieser Ge­legenheit von Herrn von Salisch ausgesprochener Satz richtig, daß nämlich im Vergleiche zu dieser

Klaffe von Arbeitgebern zum Theile die Ver­sicherten selbst wirthschastlich beffer daran sind als die Arbeitgeber. Aber das alles kann nichts ändern an der Thatsache, daß die Anträge des Herrn von Salisch einer falschen Auffassung entspringen. Das Gesetz über die Versicherung der Arbeiter gegen die Arbeits­unfähigkeit infolge von Alter und Invalidität ist doch eben nur int Interesse der Arbeiter ge­macht worden; und wenn auch nicht ganz klar und unzweifelhaft durch das Gesetz bestimmt wäre, daß derartige Kapitalanlagen mit niedrigerem Zinsfüße nur im Interesse der Versicherten er­folgen dürfen, so würde es doch gegen den ganzen Sinn des Gesetzes verstoßen, wenn nun das Ver­mögen der Versicherungsanstalten auch für andere als die Versicherten selbst verwendet werden sollte. Man muß gerechterweise gemeinsam mit Herrn von Salisch es beklagen, daß gegenwärtig so viel der kleinen Arbeitgeber auf dem Lande in schwerer Nothlage sich befinden; und man muß gleich Herrn von Salisch wünschen, daß diesen Hilfe gebracht werde. Aber nimmermehr darf dies mit den Mitteln und auf Kosten der Versicherungs­anstalten geschehen, die nach Gesetz und Recht in ihrem Vermögen allein und ausschließlich den gegen Alter und Invalidität ^sicherten Arbeitern zugute kommen sollen.

Der Breslauer Ausschuß der Jnvalidi- täts- und Altersversicherungs-Anstalt hat den An­trag des Herrn von Salisch in richtiger Eckennt- niß der maßgebenden gesetzlichen Bestimmungen und Grundsätze abgelehnt; wie es nicht anders sein konnte.

Angenommen hat der Ausschuß einen an­dern Antrag des Herrn von Salisch, den dieser im besondern Jntereffe der Verbesserung länd­licher Arbeiterwohnungen stellte. Danach soll es gestattet fein, Gelder aus dem Vermögen der Versicherungsanstalt zu verleihen zum Bau von Arbeiterwohnungen an Zweckverbände im Sinne der Landgemeinde-Ordnung *) und auch an einzelne Personen, vorausgesetzt daß diese die nothwendigen Bürgschaften bieten. Das beißt sicherlich so weit gegangen, wie der Ausschuß der Versicherungsanstalt nur irgend gehen konnte; und man muß wünschen, daß bei jeder einzelnen Ausführung dieses Beschlusses genaue und strenge Kontrolle darüber geübt werde, ob die dargeliehenen Gelder auch voll und ganz und in geeigneter Weise dem gedachten Zwecke dienstbar gemacht werden.

*) Zu „Zwe ckv erb änden" können nach der Land­gemeindeordnung nachbarlich gelegene Gemeinden und Gutsbezirke behufs gemeinsamer Wahrnehmung ein­zelner kommunaler Angelegenheiten miteinander ver­bunden werden.

Deutsches Deich.

Berlin, 2. Januar.

88 0 Der Kaiser hat, wie schon telegraphisch gemeldet, wegen einer starken Erkältung nicht am großen Neujahrsempfange im Berliner Schlosse theilnehrnen können. Somit fiel der Kaiserin allein die Aufgabe des Empfanges zu. Vom kaiserlichen Hause waren bei dem Empfange

Frdrr, Lchmri nn) Md.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

13 ------ (Nachdruck verboten.)

„Aber es will evangelisch bleiben," donnerte Gilden ihm zu.

„Das hätten wir Katholiken damals auch cfagen können, da man den evangelischen Geist­lichen die katholischen Kanzeln übergab !"

„Wir haben heute vollzogene Thatsachen, die uns gefallen. . ."

„Mir gefallen sie nicht," rief Selbheim da­zwischen.

„Aber der Mehrheit gefallen sie."

R chi?'^ b*e Mch*cheit entscheidet über mein . Der Bürgermeister schlug mit einem elfen­beinernen Hammer auf die vor ihm stehende Glocle.

„Ich muß die Rathsherren bitten, den Gegen­stand zu verlassen. Herr Bruno Gilden hat einen Antrag gestellt, und ich kann ihm nicht ver­wehren, denselben zu entwickeln. Das ist geschehen; wir wissen, um was es sich handelt. Jetzt habe ich zu erklären, daß wir nicht berechtigt sind, da­rüber einen Beschluß zu fassen, und wir gehen zur Verhandlung weiterer Gegenstände über."

„Oho!" rief Bruno Gilden erhitzt aufspringend. „Seit wann ist es des Bürgermeisters Recht. . ."

„Ich entziehe Euch das Wort!" rief der Bürger­meister.

„Ich spreche dennoch weiter," rief Gilden dagegen.

Der Bürgermeister läutete mit der Glocke, Gilden suchte den Lärm zu beherrschen, im Saal wuchs das Getöse, hier stritten die evangelischen, dort die katholischen Rathsherrn mit Worten, Blicken und Geberden; endlich wurden auch die Fäuste drohend erhoben, und der Lärm ver­pflanzte sich auf die Gallerie. Der Bürgermeister gab den hinter ihm stehenden Waibeln ein Zeichen, welche vordrangen, um die Streitenden zu trennen. In diesem Moment schrie eine helle Stimme von Gallerie: „Der Schuft! Er braucht Gewalt!" Zugleich flog ein Apfel mit wohlgezieltem Wurfe dem nichts ahnendem Bürgermeister in's Gesicht das Blut drang ihm aus Mund und Nase.

„Sperrt die Gallerten! Greift den Uebelthäter!" schrie er wüthend nach einem Augenblick sprachloser Überraschung; dann nahm er den Arm Locana's an, der ihn aus dem Saale nach seinem Arbeits­zimmer auf dem Rathhaufe führte.

Die Waibel eilten mit einigen Stadtknechten, welche sich mit allem, was zur Hand war, be­waffnet hatten, nach der Gallerie, um dem Be­fehle des regierenden Bürgermeisters Nachdruck zu geben. Aber sie fanden sich vor einer feftgefeilten Masse, welche sie mit Hohn und Schimpfreden empfing, worauf dann ein Angreifen, Zurückstoßen, Herumzerren begann, das sich unter fortwährend leigendem Geschrei so lange fortsetzte, bis endlich ein dröhnender Axtschlag die Flügelthüre des Saales aufsprengte, und ein mit Spießen, Helle­barden und Musketen bewaffneter Haufe, geführt von dem mit geschwungenem Schwerte voran eilenden Olaus Björne in den Saal drang.

Mit diesem plötzlichen Erscheinen Bewaffneter, welches der ganzen Rathssitzung ein rasches Ende

außerdem anwesend der Kronprinz und die Prinzessin Friedrich Karl. Ueberdas Be­finden des Kaisers meldet der Hofbericht vom heutigen Tage (Montag): Der Kaiser hütete gestern wegen einer fieberhaften Grippe das Bett. Nach einer sehr gut verbrachten Nacht ist das Fieber geschwunden, und auch die subjektiven Be­schwerden sind wesentlich vermindert.

* Am Feste des Ordens vom Schwarzen Adler, welches mit dem anschließenden Kapitel am Dienstag, den 17. Januar, im Rittersaale des königlichen Schlosses abgehalten wird, werden die Investitur durch den Kaiser als Souverän des Ordens erhalten: der General der Kavallerie von Krosik, ü la suite des Leib-Gardehusaren­regiments, der deutsche Botschafter in Peters­burg, Fürst Radolin, der Minister des königlichen Hauses v. Wedel-Piesdorf, der Oberpräsident von Westpreußen, Staatsminister Dr. v. Goßler, und der kommandirende Admiral v. Knorr. Außer diesen Rittern des höchsten preußischen Ordens ist letzterer im Jahre 1898 noch verliehen wor­den : dem Kaiser von China, dem Prinzen Oskar von Preußen, dem Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin und dem türkischen Großvezier Halil Rifaat-Pascha.

0 Eine Auszeichnung, wie sie in Preußen noch nie einem Künstler zu Theil geworden ist, hat der Kaiser dem Maler Prof. Adolf Menzel verliehen: derselbe hat den Schwarzen Adlerorden, den höchsten preußischen Orden, und damit auch den persönlichen Adel erhalten.

X Schon vor längerer Zeit ist in der Presse angekündigt worden, daß im Heere einige fremd­sprachliche ZSezeichnnnge« für Dienstgrade und anderes durch deutsche Wörter ersetzt werden sollen. Jetzt bringt das ,Armee-Ver­ordnungsblatt' die entsprechende Verordnung. Danach soll es in Zukunft heißen statt: von jetzt ab:

Offizier-Aspirant: Fahnenjunker Portepee-Fähnrich: Fähnrich Second-Lieutenant: Leutenant Premier-Lieutenant: Oberleutnant Charge: Dienstgrad

Funktion: Dienststellung

Avancement: Beförderung

Anciennetät: Dienstalter.

x Im Reichstage bleibt es bei den ur­sprünglichen Bestimmungen: Die erste Berathung der Keeres Dorkage soll am 11. Januar be­ginnen, wenn am 10. Januar alles das für diesen Tag zur Berathung angesetzte Material erledigt werden kann. Dieses Material besteht in der Interpellation Wangenheim über die Fleischnoth und einigen kleinen Vorlagen.

+ In diesen an politischem Stoffe so aus­nehmend armen Tagen findet die Presse ein be­sonderes Vergnügen darin, sich den Kopf über das Keulrum zu zerbrechen, was nämlich das Centrum und namentlich das bayerische Centrum mit der neuen Heeres-Vorlage anfangen wird. Durch die bereits gerügte falsche Berichterstattung war die Mär entstanden, der bayerische Delegirtentag des Centrums in München habe den Beschluß gefaßt, fortan gegen jegliche Erhöhung der Militärlasten zu stimmen. Die un­zutreffende Meldung ist ja bereits berichtigt worden. Außerdem aber hat der Abg. Domkapitular

bereitete, hatte es eine sehr einfache Bewandtniß. Der Bürger, welcher Olaus mit feinem Tuche winken sollte, halte diesen Wink gegeben, als die Balgerei begann. Da erscholl plötzlich der Ruf: „Man mordet unsere Mitbürger!" „Waffen! Waffen!" schrieen ein Dutzend andere; Olaus zog das Schwert und beutete mit der Spitze nach dem vierspännigen Wagen, der vor dem Hause Erk's hielt, dort war man schon beschäftigt, die Blähe herunterzureißen, und da boten sich Streitäxte, Spieße, Hellebarden, selbst Schießwaffen dem überraschten Haufen. Im Nu war der Wagen' geplündert, und die bewaffnete 'Masse stürzte nach dem Rathhause, woselbst bei ihrem Erscheinen die ohnehin die Minderheit bildende kaiserliche Partei nach allen Richtungen auseinander stob.

Aber während die Zurückgebliebenen eine Ur­kunde aufnahmen, nach welcher sie, da im Augen­blicke keine rechtsmäßige, obrigkeitliche Gewalt vorhanden sei, sich als einstweilige Obrigkeit er­klärten, um Ruhe und Ordnung im Innern der Stadt aufrecht zu erhalten, begann es plötzlich vom Dome herab zu stürmen.

„Welcher Unsinn!" rief Gilden, als er die ersten Schläge der Glocke vernahm. „Das bringt die Garnison und die ganze kaiserliche Partei auf die Beine!"

„Die Sturmglocken standen unter Bewachung," antwortete Olaus, und eilte hinaus, um einige Leute nach dem Dom zu senden.

Aber auch hier galt die Minute alles.

Als Locana den Bürgermeister in sein Arbeits­zimmer führte, hatte er im Vorübergehen durch ein Fenster des Korridors einen Blick auf den Platz vor dem Rtthhause geworfen und das

26. Jahrgang.

Dr. Schaedler in einer Rede im katholischen Kasino zu Bamberg ganz genau den Standpunkt des bayerischen Centrums zur Heeresoorlage klar gelegt; und dieser Standpunkt entspricht wiederum ganzgenauden Ausführungen der beiden Etats­redner des C ntrnms, den Abgg. Fritzen und Dr. Lieber im Reichstage: das Centrum will erst die Erklärungen der Regierung in der Budgetkommission des Reichstages hören, ehe es eine bestimmte Stellung zu der Vorlage einnimmt. Als Ordnungspartei — so sagte Abg. Dr. Schaedler — bat das Centrum diePflicht, dies zu thun . . . Das ist klar und deutlich, und nur Unwissenheit oder Böswilligkeit kann dem Centrum inneren Zwiespalt wegen dieser Vorlage andichten.

X Die Mndget-Kommisfio« des Reichs­tages wird ihre erste Sitzung, wie früher schon berichtet, am 11. Januar früh 10 Uhr beginnen. Abweichend von dem früheren Gebrauche sollen diesmal die Berathungen mit dem Marine- Etat beginnen. Früher machte man immer den Anfang mit den Etats des Reichskanzlers, des Reichsamtes des Innern, Reichspost uiw.

* Erst jetzt, nachdem das amtliche Reichs­tags-Handbuch vorliegt, ist es möglich, zuver­lässige Zusammenstellungen der koufesfionek- fett Werhättaisse der Ileichslags-ASgeord- nete« zu machen, da die Angaben dieses Hand­buches durchweg auf den eigenen Mittheilungen der Abgeordneten beruhen. 164 Abgeordnete be­zeichnen sich als evangelisch (einige darunter als protestantisch); 141 als katholisch oder römisch-katholisch; 41 als evangelisch-lutherisch oder lutherisch ober altlutherisch (Abg. Jakobskötter, kons.); 4 als reformirt; 1 (der nationalliberale Abgeordnete Deinhard) als altkatholisch. 10 Ab­geordnete haben keine Angaben über ihrReligwns- Bekenntniß gemacht, darunter außer Sozialdemo­kraten die Abgg. v. Kardorff, Dr. Hermes und Pachnicke. Ein Abgeordneter, dec Freisinnige Jakobsen, bezeichnet seine Religion als den Egidy'- schen Anschauungen entsprechend. Bebel nennt sich religionslos, 13 seiner „Genossen" be­zeichnen sich als konfessionslos (meist Nord­deutsche), 10 als Dissidenten (meist Mittel­deutsche) und 7 als freireligiös (meist Süd­deutsche). 4 Genoffen: Haase, Singer, Stadt­hagen und Wurm, nennen sich mosaisch (Ge­nosse Dr. Herzfeld hat über feine Religion keine Angabe gemacht, die Genossen Dr. Schönlank und Rosenow nennen sich evangelisch).

X Mehrfach ist während der letzten Zeit in der Preffe der Annahme Ausdruck gegeben wor­den, als habe das Derhättuiß zwischen Deutsch- kand und Itußkand eine Erkältung oder doch wenigstens eine Trübung erfahren. Daran sollte die kühle Ausnahme schuld sein, welche man in Deutschland dem Abrüstungs-Vorschläge des Zaren bereitete, und auch die Reise des Kaisers nach dem Orient sollte dazu beigetragen haben insofern, als die Russen eine Schwächung ihres eigenen Einflusses in Syrien und Palästina als Folge dieser Reise fürchteten. Vermuthlich sind die Dar­stellungen in der Presse in diesem Sinne stark übertrieben gewesen; mindestens sind ja über die Kaiserreise so lebhafte Beruhigungs-Versicherungen abgegeben worden, daß man sich nicht recht denken Gefährliche der Lage sofort erkannt. Eine Seiten­pforte brachte ihn unbemerkt in ein Gäßchen, und er eilte nach dem Dome, um stürmen zu lassen. Er fand einige Männer, die ihm das wehren wollten, aber zwei Stadtknechte, der Küster und andere, die zufällig im Dome anwesend waren, und von der ausgebrochenen Empörung nichts wußten, standen ihm zu Seite. Die Stadtknechte besetzten die Thüren zum Glockenthurm und der Küster schwang den wuchtigen Hammer mit starker Hand.

Als der Bote Björnes keuchend ankam, war es bereits zu spät; wenn er auch über die nöthige Mannschaft hätte verfügen können, um diejenigen zu verjagen, welche sich um Locana gesammelt, so hätte das doch wenig geholfen. Bereits raffelten die Allarmtrommeln der Sladtguardia, einer an­geworbenen, militärisch organiftrten Truppe, die etwa zwölfhundert Mann zählte und eigentlich bestimmt war, die Stadt Magdeburg gegen die damals üblichen Brandschatzungen zu schützen. Hinter dieser Guardia standen bann die zur Wehr organiftrten Zünfte, Gilden und die fonftigen Körperschaften.

Auch die Zünftler eilten zu ihren Fahnen und Sammelplätzen; die Feuerleute öffneten die Lokale zu den Feuerspritzen; eigentlich wußten aber nur die vor dem Rathhause versammelten Hausen, um was es sich handle. Viele meinten, es sei eine Feuersbrunst ausgebrochen. Erst allmählich ver­breitete sich die Nachricht des Geschehenen; und nun wußte man erst recht nicht, was zu thun war. Nicht überall war ein kecker Page vorhanden, der einem regierenden Bürgermeister einen Apfel ins Gesicht warf und damit das Zeichen zur