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mit Unterhaktungs-Aeikage „Issuflrirte Sonnlags-Ieitungl' petersgaSe Ur. 1 (txmnonic).

« 1.

«KMhsrr,»». Bestellungen auf die »Fuldaer gpäelyr Zeitung' * werde» noch fort­während angenommen.

Aus dem Jahresberichte der Hanauer Handelskammer.

Die Handelskammer zu Hanau hat kurz vor Neujahr den Bericht über ihre Thätigkeit im ab­gelaufenen Jahre herausgegeben. Der Bericht schildert die Lage von Handel und G werbe während des Jahres und erörtert zunächst in einem allgemeinen Heberblick die inner- und außerpolitischen Verhältnisse der für den Weltmarkt in Betracht kommenden Staaten, Seren handelspolitische Beziehungen zu einander und deren finanzielle Lage, die Erscheinungen aus dem Geldmärkte, die innere wirtbschaftliche Gesetz­gebung Deutschlands, die für den Handel und Verkehr wichtigen Verwaltungsmaßnahmen u. a. m. Die bedeutsamen Kundgebungen für Erhaltung und Festigung des Weltfriedens, auch die Einladung des Zaren zu einer Abrüstungskonferenz, waren mit Genuglhuung zu begrüßen. Aber gerade im abgelaufenen Jahre häuften sich Er­eignisse, welche sich wie eine Ironie der unerbitt­lichen Thatsachen auf die den Ausbau einer glück­lichen Zukunft der Völker anticipirende Idee dar­stellten. Der Interessengegensatz zwischen Handel und Gewerbe einerseits und dem extremen Agrarierthum in Deutschland andrerseits be­stand in ganzer Schärfe fort. „Wir bekämpfen den agrarischen Sozialismus mit seinen Anfor­derungen an die Reichs- und Staatsmittel und die agrarischen Reaktion in ihrer gegen die Ent­wickelung des Verkehrs und selbst gegen die persönliche Bewegungsfreiheit des Staatsbürgers gerichteten Tendenz. Unseres Erachtens über­schreitet u. a. die Nachgiebigkeit gegen die For­derungen der Landwirthschast die berechtigten Grenzen, wenn der Staat den Genossenschaften erhebliche Kredite nicht etwa nur zur Förderung des lanbwirthschaftlichen Kreditwesens, sondern .auch zur Unterstützung des gegen weite Kreise des ge weibliche:- MükePwdeS gerichtete.'. Wrttbewerb« gewährt. Die Genossenschaften arten theilweise zu großen Handelsunternehmungen aus, di? für den gewerblichen Mittelstand höchst schädlich werden, wenn sie einerseits durch Staatskredit direkt, andererseits durch Freilassung von den sonst den Gewerbetreibenden auferleglen Steuer­lasten indirekt begünstigt werden."

Die frühere Beurtheilung des Börsenge- setzes, des Zuckersteuergesetzes, der Ein­schränkung des sogenannten Detailreisens, die Wandergewerbescheinsteuer für Detailreisende, der dem Margarinehandel auferlegten Ver­pflichtungen u. a. m. könne nur wiederholt werden. Der Handwerksbewegung widmet die Kam­mer Darlegungen unter Bezugnahme auf eine im Sommer erschienene Schrift des Sekretärs K. G. Steller. Man könne gesetzliche Maßnahmen gegen den unlautern Wettbewerb, gegen die Ausartungen des Submissionswesens, gegen die Uebervorthei- lung von Bauhandwerkern u. a. m. erstreben, nicht aber im Prinzip das System der Gewerbe­freiheit verlassen, weil mit dessen Beseitigung Mar1 '.-»MWMM»»M««WMWWW»WMWWWWWWDWU

Iulöcr, Montag, den 2. Januar 1899.

26. Jahrgang.

weiteste Kreise des Mittelstandes die Fähigkeit, ihre Kräfte in geeigneter Weise zu entfalten, ein­büßen würden. Positive Mittel zur Förderung der Krastentfallung seien z. B. die Hebung drs Schul­wesens, insbesondere des Fachschulwesens, und die Ausgestaltung des Genossenschastswesens. Auf diesem Gebiete bleibe noch Manches zu thun übrig. Die Kammer kritisirt weiterhin die Be­strebungen, dem Kleinhandel durch Unter­drückung großkapitalistischer Unternehmungen auf­zuhelfen; auch hier sei positiven Maßnahmen ungleich größere Wirksamkeit zuzumessen, u. A. in der Richtung, daß für eine gute Ausbildung junger Kaufleute gesorgt würde. „In der Haupt­sache aber ist der Kleinhandel auf den Weg der Selbsthilfe hinzuweisen, einestheils indem er Sorge dafür trägt, bestehende Mißstände im Kleinhandel — u. A. zu lange Kreditirung, die Ueberhand- nahme der Gründung ungenügend fundirter Klein- Handelsunternehmungen — zu beseitigen, andern- theils indem er Interessengemeinschaften bildet und vor Allem seine Wettbewerbskraft durch Organisationen zu gemeinschaftlichem Waaren- bezuge hebt. Auch die Vereinigung zu gemein­schaftlichem Waarenabsatze ist ein vielversprechender Weg, um die Konkurrenz der Waarenhäuser zu begegnen. So lange diese dem Kleinhandel z r Verfügung stehenden Abwkhrmitlel gegen seinen Niedergang nicht erschöpft sind, so lange ist es kaum rathsam, Maßnahmen zu tn ffen,. welche mehr sozialistischen, als sozialen Charakter haben würden."

Unter den für den Handel bedeutsamen Ver­waltungsmaßnahmen wird der Ausweisungen aus Nordschleswig gedacht: „Der Ab­satz von Bijouterie-Artikeln nach Dänemark hat in Folge desselben gelitten. Diese Maß nähme, über deren weittragende handelspolitische Konsequenzen die Verwaltung sich nicht ii-formirt hatte, müssen auch wir in Hinsicht auf die In teressen unserer wichtigsten Export-Industrie mit Bedauern erwähnen." — Die Schaffung eines Check- und Ausgleichsoerkehr bei der Post wird im Interesse der mittleren Geschäfts- I leute, sowie in Hinsicht auf die Beschleunigung ।

G-'dnmko-rjos, fr/w •M.’f zve'tere E nschränk- v ungen der Baarsendungen willkommen geheißen. ' Die Neuerungen auf dem Gebiete des Posttax wesens sind erwünscht; dagegen kann der Fort­gang im Fernsprechwesen keineswegs be- fnedigLN. Die Einführung der Staffeltarife für Stückgüter entsprach durchaus den In­teressen des Bezirkes.

Die Geschäftslage im Hondelskammerbezirke stellt der Bericht dar wie folgt. Das Jn- landsgeschaft war u. a.: steigend in Cigarrenetiketten, Bier, Spirituosen, Kaffeesurro­gat, Siegellack, Maschinen, Eisenkonstruktionen, Thonwaaren, Lack, Kunstdünger, Baumwoll- waaren, Kartonnagen; b e f r i e d i g e n d für Bijou­terien, Golöketten, Platinawaaren, Kunstgußartikel, Stringutwaaren, Zephyr-Wollgarn, Filzschuhe; schleppend für Papier, C-garren, Wollfilz, halbwollene Tucharten, farbiges Spaltleder; ge­ringer für Leinengarn, leinene und halbleinene Gewebe.

Das Exportgeschäft differirte in den ein­zelnen Branchen stark. Für Bijouterie war es

gut nach Argentinien, für Goldketten ebenso nach Südamerika, gleichmäßig nach Oesterreich-Ungarn, zurückgehend aber nach England. Die Ausfuhr von Platinawaaren nach Nordamerika war während des Krieges still, nach dessen Beendigung aber wurde ein Ausgleich erzielt. Der Absatz von Cigarrenetiketten nach Belgien war zeitweise, nach Nordamerika dauernd durch Zollerhöhungen erschwert; von der Ausdehnung des nordameri­kanischen Zolltarifs auf Cuba und die Philippinen werden weitere Nachtheile für die Industrie lithographischer Cigarrenausstattungen befürchtet. Für Maschinen war der Absatz nach dem Aus­lande befriedigend. Die Sleingut-Fabrikation hatte ausreichenden Export nach dem euopäischen Auslande; dagegen erlitt die Ausfuhr nach dem Ver. Staaten von Amerika einen erheblichen Rückgang. Befriedigend war der Export der Fabrikation von Kunstgußwaaren, ferner belebt für Filzschuhe, schleppend für Wollfilz. Dem Exportgeschäfte in Schuh-, Möbelstoffen und Teppichen nachFrankreich Oesterreich-Urgarn, Rußland, den Ver. Staaten stehen zum Theile exorbitante Zölle entgegen.

Der Absatz und Umsatz der Fabrikations- und Handelszweige des Bezirkes war also während des Berichtsjahres, abgesehen von der Textil- Jndustrie, im Ganzen erfreulich befriedigend. Dagegen waren die Preise für die Fabrikations­und Handelsartikel saft durchweg gedrückt, während die Rohmaterialien im Preise stiegen und auch die Löhne bei zum Theile recht empfindlichem Mangel an besseren Arbeitskräften überall im B ziike steigende Tendenz hatten.

Deutsches Keich.

Berlin, 31. Dezember.

* Die Kakko.e« Deputation, welche dem Kaiser bekanntlich alljädrl'ch am Neujahrstage bei der Hoftafel zum neuen Jahre Glück und Segen wünscht und Geschenke (Wurst, Sooleier und Salz) nebst dem „Carmen" der Bruder­schaft bar bringt, ist in Berlin eingetroffen. Sie hat etwa 80 Pfund „Kaiserwurst", prachtvolle Schlackwurst, mitgebracht. Dre Rückkehr der Abordnung nach Hall^ersolgt erst am 9. Januar

"-ff Reichskanzler' Kürst 3« Aoiffa oHe ist am Freitag Abend nach Berlin zurückgekehrt In Baden-Baden hatte der Kanzler eine längere Besprechung mit dem Groß Herzog von Bad en im großherzoglichen Schlosse. Nachher machte der Großherzog dem Kanzler einen Besuch in dem Absteigequartier des letzteren.

X Eine überraschende Entdeckung hat dienationalllberale.Berliner Börsenzeitung' gemacht. Diese Entdeckung besteht darin, daß angeblich „feit einiger Zeit vorwiegend Kattzo- ktke« in die (preußischen) Ministerien gebracht werden." Einzelne Ministerien „sollen" schon jetzt „fast ganz katholisch" sein. . . . „Sollen" {ein ist gut! Das würde doch wirklich recht leicht frstzustellen sein. Warum hält die ,Berl. Börsenzeitung' so geheimaißvoll hinter dem Berge mit dem nothwendigen Zahlenmaterial? Die Antwort ist klar: weil ihre Behauptung vollkommen unrichtig ist. U> klar aber ist es, wie ein Blatt solche Behauptungen überhaupt erst aussffllen kann, die mit, den leider nur allzu

bekannten Thatsachen in unmittelbarem Wider­spruche stehen.

-ff DieHerren Graf Klinckowström und Dietrich haben nach „besten Informationen" der,Kreuzztg.'ihren Antrag gegen die Meröffent- tichnng geheimer Aktenstücke im Reichstage nicht deswegen emgebracht, weil in der,Münchener Allgem. Zig.' Stücke aus dem Etat veröffentlicht wurden, sondern deswegen, weil „der sozial­demokratischen Presse wiederholt durch ge­wissenlose Beamten geheime Aktenstücke zur Ver­öffentlichung zugesteckt worden sind". Diese That- sache an sich ist ja ohne Zweifel sehr bedauerlich. Aber nach wie vor ist nicht einzusehen, wie durch Annahme des Antrages etwas an dieser bedauer­lichen Thatsache geändert werden soll. Beamte, die derlei thun, können schon sitzt auf dem Dis- ziplinarwege hart bestraft werden. Es kommt nur darauf an, solche gewissenlose Beamten zu fassen. Die Nürnberger hingen bekanntlich keinen, ehe sie ihn hatten, und auch mit dem An­träge Klinckowström - Dietrich wird man solche Beamten nicht besser fassen können als jetzt. Auf der einen Seite würde die Annahme des Antrages also nichts nützen, auf der andern Seite aber schaden, wie neulich an dieser Stelle eingehend ausgeführt wurde. Besser ist es also, der An­trag wird nicht zum Gesetz, obwohl die Antrag­steller es damit ganz gut meinen mögen.

0 Durch die Presse geht die Mittheilung, der Papst wolle eine Anndgevnng gegen de« Anarchismus erlassen. Die Mitlheilung ist nicht, oder vielmehr nicht mehr zutreffend. Diese Absicht hat der hl. Vater vorübergehend gehegt, aber zunächst wieder aufgegeben. Vor­läufig soll es fein Bewenden haben bei der kurzen Erwähnung des Gegenstandes in der Weih- nachtsanfprache an das Kardinals-Kollegium.

x Das ,Militär-Wochenblatt' bringt einen Artikel über die zweijährige Dienstzeit, von dem man wohl annehmen darf, daß er die An­schauungen wiedergibt, die in den maßgebenden militärischen Kreisen darüber bestehen. Immer­hin liegt auch der Gedanke nahe, daß der Kund­gebung auch eine gewisse Berechnung zu Grunde liegt: nämlich die, gerade jetzt vor der Berathurrg der neue" Heerpsvorloae im Reichstage vor allen anoeten Anschauungen die­jenige recht scharf hervortreten zu laffen, die vom militärischen Standpunkte aus die Einführung der zweijährigen Dienstzeit grundsätzlich als ein Hebel betrachtet. Thatsächlich gipfelt denn auch die Darlegung int ,Militär-Wochenblatte' darin, daß zum Ausgleiche für die Mängel der zwei­jährigen Dienstzeit im Vergleiche zur dreijährigen allerhand neue Forderungen für das Heer er­hoben werden: die Truppen sollen auf einen Höheren Etat, auf eine höhere Friedensstärke gebracht werden ; die Vorgesetzten sollen vermehrt und es soll alles gethan werden, um den Zu­drang zur Unteroffiziers-Charge zu fördern; die militärischen Uebungsplätze sollen vermehrt werden ufw. usw. Kurz und gut, die Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Infanterie wird so dargestellt, als verursache es der Heeresleitung die größte Mühe, alle diese Schäden auszu­gleichen, die angeblich daraus entständen. Ja, noch mehr: vielfach soll im Heere die Ansicht

Feder, Lchwnt und Fackel.

'Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Bon Philipp Wasserburg (Laicus).

12 ------ (Nachdruck verböte«.)

Die beiden Rathsherren schritten, ohne ein Wort mit einander zu wechseln, dem Rathhanse zu. AlS sie in dessen Nähe kamen, fiel ihnen eine ungewöhnliche Bewegung auf. Der müßigen Gaffer gibt es ja immer, und so oft Rathssitzung war, sand sich ein halbes Hundert Pflastertreter vor den Pforten des Rathhauses ein, welche Mangels anderer Beschäftigung aus den Mienen der aiikommenden Herren die demnächst zu fassen­den Beschlüsse herausdeuteten. Diesmal aber war e«_ anders. Außer diesen Pflastertretern be­fand sich eine anders geartete, nicht geringe Menge auf dem Platze. In den zusührenden Straßen standen die Leute vor den Thüren und plauderten Über die Tagesfrage, die Allen bester bekannt schien, als dem Kaufmann Locana. Als die beiden Rathsherren über den Platz schritten, gab man ihnen zwar Raum, aber die sonst üb« liche Begrüßung fehlte; man maß sie mit fin­steren, trotzigen Blicken, und mancher offenbar sehr aufrichtig gemeinte Fluch vergrollte leise zwisch-n den Zähnen.

Die Beiden stiegen gerade die Freitreppe am Rathhause hinauf, da hörten sie hinter sich ein lautes Jabelgeschrei, das an einer Straßenecke entstehend sich rasch über den ganzen Platz ver­breitete. Sie schauten sich um. Von ihrem er­höhten Standpunkt aus konnten sie sehen, wie

das Volk sich zu einem dichten jubelnden Haufen an jener Straßenecke zusammendrängte, und über die Köpfe des Haufens ragte ein schwankender Busch Straußenfedern empor, die dem äußeren Anscheine nach eine Helmzierde bildeten.

Jetzt öffneten sich die Reihen.

„Sieh da, Bruno Gilden!" sagte Locana.

„Ihm jubelt das Volk zu."

„Und der neben ihm ist der Schwede!" be­merkte Selbheim. „(Sott strafe mich! In Helm und Ringkragen, ein Schwert an der Seite! Seit wann ist Derartiges in Magdeburg erhört!"

„Wer ist denn der Junge an seiner Seite? Fast noch ein Kmd! Was will der hier?"

„Das muß der Bursche fein, von dem man mir sagte, daß er feit einigen Wochen hier sei und fortwährend mit dem Schweden verkehre."

Jetzt brach ein infernales Geheul los.

„Das gilt uns, Herr Rathsgenoffe! Seht, sie deuten mit den Fingern auf uns und Gilden scheint, sie beschwichtigen zu wollen."

„Ich denke, wir suchen den Bürgermeister auf," erwiderte Selbbeim auf die Bemerkung Locana's. „Unter solchem Pöbel find nufere Be­rathunzen nicht frei. Er soll die Stadtwache unter die Waffen treten und das Rathhaus be­setzen laffen."

Sie schritten rasch noch die paar Stufen hin­auf und verschwanden im Portale, begleitet von dem Gejohle des tobenden Haufens.

Bei dem Bürgermeister aber fanden sie keines­wegs das erwünschte Verständniß; er hielt im Gegentheil die Befürchtungen der beiden Raths- Herren für übertrieben. Er hatte zwar auch ver­nommen, daß Bruno Gilden einen Antrag auf

Rückberufung des Administrators euibringtn werde; meinte aber, dieser Antrag müsse eben mit Rücksicht auf die kaiserliche Absetzung ab« gelehnt werden. Unter den Protestanten weide zwar einige Entrüstung entstehen, aber das werde zu nichts weiterem führen, als zu ein paar kleinen Ausschreitungen, welchen der Stadtprofoß mit feinen Waibeln und Knechten sehr bald ein Ende machen werde.

Die Rathsherren fummelten sich allmählig; die Einen behaupteten, daß die Ansammlungen von Minute zu Minute bedrohlicher würden, die Anderen bestritten das auf das Entschiedenstem es kam ganz auf die Konfession und die Parlei- stellung der Betreffenden an.

Endlich begaben sich die Rathsherren unter dem Vorantritt der in die Stadtfarben gekleideten Waidel in feierlichem Zuge in den Be athungs- faal. auf dessen Gallerten sich das Volk unge­duldig drängte. In dem Augenblick, da iie Raths Herren Platz nahmen, erschien ein Bürger unter dem Portale, woselbst Olaus Björne, be­quem an einem Pfeiler gelehnt, mit dem Junker Ernst von Mansfeld plauderte.

„Sie find eben eingetreten", flüsterte der Bürger dem Schweden zu.

„Ihr kennt Eure Ausgabe", fragte der Schwede sich aufrichtend den Pagen. „Habt Ihr noch Muth?"

„Dazu bedarf es keines Mathes, sondern nur der Keckheit!"

„Seid Ihr mit dem Apfel versehen?"

„Mit sechsen!"

„So geht mit Gott! Und Ihr," fügte der Schwede bei, sich zu dem Bürger wendend, „wenn's

droben lustig wird, dann gebt mir einen Wink am Fenster mit Eurem Tuche."

Der junge Mansfeld war bereits verschwunden, jetzt folgte ihm auch der Bürger, während der Schwede langsam seinen Schnurrbart streichend die Stufen hinabstieg, und auf der Mitte des Platzes Posten faßte, von wo er bequem die Fenster des Rathhaussaales übersehen kannte. Es dauerte kaum einige Minuten, so hatte sich ein halbes Dutzend verwegen ausfehender Männer um ihn zufammengesunden. Aber die kleine Gruppe verhielt sich in dem sich immer steigern­den Lärm sehr still. Man sprach dort kaum ein lautes Wort und unterhielt sich vielmehr mit Ge- berben. Einmal beutete einer stumm nach der Richtung, wo die Straße auf den Rathhausplatz mündete, alle blickten dorthin und wie Sonnen­schein flog es über die Gesichter, obwohl eigent­lich nichts Besonderes zu entdecken war. Aber vielleicht sah man nicht mehr, was der erste ge­sehen; denn ein großer, von vier mächtigen Pferden gezogener Wagen rasselte langsam die Straße daher: einer jener, mit einer riesigen Blähe bedeckten Fcachtwagen, welche damals die Heerstraße zu Hunderten bedeckten. Vor dem großen Hause „zum Hirschen", woselbst der Rathsherr Erk wohnte, hielt der Wagen — der Fuhrmann, der dort ein Geschäft haben mußte, trat ein, und bald darauf kamen zwei Spann- knechte heraus, welche einstweilen auf Pferde und Fuhrwerk Acht hatten.

Junker Ernst halte sich inzwischen auf die Gallerie des Sitzungssaales begeben, und es war ihm gelungen, rrn Laufe der Berathung einen der vordersten Plätze zu erobern, und er befand sich