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mit Zlnterhakümgs-Meitage „Jssuflrirle Sonntags-Zeitung" peterssage Nr. » (Darmonie).
Jt2 299.
JuLöcr, Samstag, den 31. Dezember 1898.
25. Jahrgang.
Fünfundzwanzig Jahre
alt wird heute die .Fuldaer Zeitung', und da geziemt es sich wohl, einen Rückblick zu werfen auf das zurückgelegte erste Viertel-Jahrhundert und gute Vorsätze zu faffen beim Eintritt in das zweite.
Als am 1. Januar 1874 die erste Nummer der ,Fuldaer Zeitung' erschien, gab sie die Erklärung ab: „Die.Fuldaer Zeitung' wird ihre Aufgabe vor allem darin erblicken, der katholischen Sache nach Maßgabe ihrer Kräfte zu dienen, sowohl in politischen wie in kirchlichen Fragen. Sie will die katholischen Interessen vertreten und zwar mit Entschiedenheit; sie wird festhalten an dem Grundsätze: „Gebet dem Kaiser was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" und mit diesem Maßstabe der Wahrheit, des Rechtes und der Religion wird sie die Er- eigniffe des Tages auf kirchlichem und politischem Gebiete bemessen und beurtheilen. Während wir aber für die Grundsätze der Wahrheit und des Rechtes im Geiste der Religion einstehen, werden wir uns zugleich bemühen, die Forderungen der Gerechtigkeit auch Andersdenkenden und anderen Konfessionen gegenüber zu erfüllen und über der Wahrheit die Liebe nicht zu vergessen." Weiterhin bezeichnete die ,Fuldaer Zeitung' von vornherein ihre Stellung dahin, „daß wir ebensosehr die wahre Freiheit fördern und vertheidigen, und dem wahren Fortschritt huldigen werden, wie wir dem falschen Fortschritte und dem mit erlogenen Namen sich brüstenden Liberalismus entgegenzutreten gesonnen sind."
Heute nach 25 Jahren darf die ,Fuldaer Zeitung' sich das Zeugniß ausstellen, daß sie sich stets redlich bemüht hat, diesen Versprechungen und Vorsätzen nach Kräften gerecht zu werden. In den schweren Zeiten des unseligen Kulturkampfes hat sie unbekümmert um das Stirnrunzeln der Gewalrhaber und die wuth- schnaubenden Ausfälle der Gegner muthig und MNdhllst die Rechte uüseidr hl. Kirche oertheidigt und die Fahne des Cent rums hochgehalten mit dem schönen Wahlspruche: Für Wahrheit Freiheit und Recht! Nachdem dann die Wogen des Kulturkampfes sich wieder geglättet hatten und die Waffen auf dem Fechtboden niedergelegt waren, da durfte auch die ,Fuldaer Zeitung' sich ruhigerer Zeiten erfreuen; aber in richtiger Erkenntniß der Zeitverhältniffe war sie energisch darauf bedacht, die in hartem Kampfe errungene Position zu behaupten und zu befestigen. Uebrigens sorgten zu jeder Zeit auch die Angriffe von versteckten und offenen Gegnern, sowie Schwierigkeiten mancherlei Art, mit denen die Zeitung fast ununterbrochen zu kämpfen hatte, in reichlichem Maße dafür, daß sie stets auf dem Posten sein, die Augen offen und das Pulver trocken halten mußte.
Die stetig wachsende Anerkennung, welche die Bestrebungen der ,Fuld. Ztg.' bei dem katholischen Volke fanden, gab ihr fortwährend neue Kraft und ' neuen Muth und ermöglichte es zugleich, auf die Verbesserung und innere Vervollkomm-
Mn, Schwert nnb Fackel.
! Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.
' Von Philipp Wasserburg (Laicus).
' 11 ------ (Nachdruck verboten.)
; „Wohlgesprochen, Vater! Wir hätten auch nur Deinen Segen gebraucht. Mit dem Hause
, und der Stellung, die er mir angeboten, wäre ich i zusrieden gewesen."
„Und welche Stellung wäre denn das?"
„Wer sein Wiffen und seine Arbeit in Anspruch nimmt, der muß ihn lohnen."
„Das heißt aber doch, daß Du ihm Haus und Stellung verschaffst."
„Nein, Vater!"
„Er würde doch von mir diesen Lohn be- ' ziehen."
„Warum?" fragte Gerda. „Er könnte auch Anderen dienen."
„Und das wäre Haus und Stellung?" „Wenn ich damit zufrieden bin . .
„Und Du würdest das Geschäft Deines eigenen Vaters schädigen lasten?"
„Vater, wenn es Dir zum Nutzen gereicht, daß er bei Dir bliebe, dann sage nicht, Du gibst ihm Stellung und Haus. Er gibt Dir mehr, als Du ihm!"
Der Kaufherr schwieg einen Augenblick, dann begann er wieder:
„Nun, das ist vorbei!"
„Vater, willst Du?" fragte Gerda erregt.
„Weißt Du» wo er sich befindet?" fragte Locana, besten Miene sich bei diesem Gedanken verfinsterte.
nung der Zeitung unablässig bedacht zu sein. So ist es denn nach und nach gelungen, die Fuldaer Zeitung zu einem angesehenen Blatte zu machen, dem auch die Gegner — so schwer es ihnen fallen mag — die Anerkennung nicht versagen können, daß es allen Anforderungen gerecht wird, die man billiger Weise an ein Provinzialblatt stellen kann. Daß die Fuldaer Zeituna trotz aller Schwierigkeiten und Hinderniffe dieses Ziel erreicht hat, verdankt sie zu nicht geringem Theile der Unterstützung, die ihr von Anfang an von zahlreichen Freunden und Gesinnungsgenossen in Stadt und Land zu Theil geworden ist. Besonderen Dank schulden wir den Herren Geistlichen, die von der hohen Bedeutung der katholischen Presse durchdrungen, durch Mitarbeit zu der Hebung der Fuldaer Zeitung und durch Empfehlung zu ihrer Verbreitung beigetragen haben. In der gleichen Weise danken wir den Herren Lehrern für die freundliche und thatkräftige Unterstützung, die sie jeder Zeit der Fuldaer Zeitung in reichlichem Maße zugewandt haben. Auch gar viele Freunde der katholischen Sache aus dem Bürger stände, Gewerbetreibende, Handwerker, Landwirthe und Arbeiter haben erfreulicher Weise nach Kräften mitgewirkt, durch Zuwendung von Informationen und Nachrichten unsere Zeitung in die Lage zu versetzen, über alle wichtigen Vorkommniste und Ereigniffe schnell und zuverlässig zu berichten, sowie durch Agi- tation und Empfehlung in den Kreisen ihrer Be- zannten ihr neue Leser und Abonnenten zuzuführen. Ihnen allen fagen wir heute, am Tage des silbernen Jubiläums der ,Fuldaer Zeitung' Herz- lichen Dank, und verbinden damit zugleich die Bitte, auch in Zukunft uns in gleicher Weise in unseren Bestrebungen unterstützen zu wollen.
Für uns aber soll der freudige Rückblick auf das verfloffene erste Vierteljahrhunderl der .Fuldaer Zeitung' ein Sporn sein, im zweiten desto eifriger darauf bedacht zu sein, das Blatt nicht nur auf der gewonnenen Höhe zu halten, sondern unablässig an seiner inneren und äußeren Hebung und Verbesserung zu arbeiten, Daß die ,Fuldaer Zeitung' auch fürderhin in guten und schlimmen Tagen unentwegt, und feL zgr.Fahne d s Centrultz^ stehqn wird, brauchen wir wohl nicht erft zu jagens an unserem Programm wird niemals etwas geändert werden. Die ,Fuldaer Zeitung' betrachtet es als ihren höchsten Ruhmestitel, ein katholisches Blatt zu sein; sie steht treu zu Kaiser und Reich, ohne sich der Kriecherei und blinden Liebedienerei schuldig zu macken; sie tritt mannhaft und entschieden für die Rechte des Volkes ein; sie erstrebt eine Lösung der sozialen Frage auf christlicher Grundlage; im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit suchtfirben berechtigten Interessen allerStände: der Beamten, des Gewerbes, der Landwirthschaft, des Handwerks und der Arbeiter gerecht zu werden. Diese Grundsätze hat die .Fuldaer Zeitung' bisheran immer treu beobachtet: dieselben werden ihr auch für die Zukunft als Richtschnur dienen. Mit diesem Gelöbniß feiern wir heute daS silberne Jubiläum unserer Zeitung und sehen mit Vertrauen der Zukunft entgegen.
Für Wahrheit, Freiheit und Recht!
„Willst Du uns Deinen Segen geben?"
„Nein!" antwortete der Kaufherr mit erzwungener Kälte.
Gerda zuckte zusammen, Locana fuhr fort:
„Nenne mich nicht hart, Gerda! Das ist zu Deinem Besten. Gumbert ist jetzt ein armer Junker, der sich durch diese Heirath eine feste Stellung gründen würde. Ob darin auch nicht der Grund lag, daß er Dich zum Weibe begehrte, wer kann das wiffen? Dann hätte sich aber, nachdem die Flitterwochen vorüber, sein adeliges Blut gegen die bürgerliche Gemahlin empört; und nach einigen Jahren hätte er gefunden, daß das häusliche Gewerbe, das Deines Vaters Ehre ist, ihm zur Schande gereiche, und mit Deinem Gelde wäre er ein Herumlungerer geworden, wie andere seines Gleichen, und Deinen Platz hätte er Dir am Herde angewiesen, bei den bürgerlichen Mägden."
„Nie! Me!"
„Wenn er Ansehen und Auskommen hat, und dann wieder kommt, um Dich zu freien, dann will ich Unrecht gehabt haben, und dann sollst Du meinen Segen bekommen. Aber, Gerda, verlaffe Dich darauf, dann wird er eine nehmen, die seinem Geschlechte ebenbürtig ist, und Du, thue desgleichen!"
Gerda schüttelte traurig den Kopf. Sie kam jedoch nicht mehr dazu, ihrem Vater zu antworten, denn ein Hausdiener trat ein, und brachte die Nachricht, daß Herr Rathsherr Selbheim gekommen, und auf der Rechenstube des Kaufherrn warte. Er wünsche ihn dringend zu sprechen.
„Was soll ich ihm sagen?" fragte er, einen fast unwilligen Blick auf Gerda werfend.
rt Zum Jahreswechsel.
(Nachdruck verboten.)
Es ist ein seltsames Ding, das Menschenherz. Hoffnung bringt es jedem neuen Jahre entgegen. Nicht leicht gibt es die Hoffnung auf, so oft sie auch getäuscht wird. Zwar hat der Geist des modernen Heidenthums weite Schichten des Volkes mit dem Gifte des Pessimismus angesteckt, der den Menschen als das unglücklichste Wesen in dieser „schlechtesten der Welten" betrachtet, und die zunehmende Zahl der Selbstmorde ist eine der grauenvollen Früchte dieser verhängnißvollen Saat. Aber nach dem selbstbewußten Auftreten der Vorkämpfer dieser Geistesrichtung sollte man doch noch weit mehr Resultate ihres Treibens erwarten, als sich that- sächlich vor aller Welt zeigen. ES lebt eben doch trotz allem Pessimismus auch im Herzen der heutigen Menschheit zumeist noch die goldene Hoffnung auf eine beffere Zeit für den Einzelnen, wie für die Gesammtheit.
Und doch lehrt die Erfahrung, daß diese Hoffnung, so weit sie sich auf irdisches Glück ünd Wohlergehen richtet, niemals in vollem Maße sich erfüllt, ja oft in ihr Gegentheil sich verkehrt. Wie kann sich dieser Widerspruch zwischen immer grüner Hoffnung und stets wiederkehrender Enttäuschung anders beseitigen lassen, als durch die Annahme, daß die uns innewohnende Hoffnung, die eben darum, weil sie uns von Natur eingepflanzt ist, doch nicht völlig unwahr sein kann, nicht in der Zeit, sondern nur in der Ewigkeit ihre Erfüllung finden kann. Nur so löst sich der scheinbare Widerspruch zwischen der Natur in uns und der Natur außer uns, zwischen unserem Empfinden und der Wirklichkeit der irdischen Dinge. Und diese Lösung, auf die die Vernunft uns hinweist, wird uns bestätigt durch die ewige Wahrheit selbst, die uns ein ewiges Leben verheißen : ewige Strafe den reuelosen Bösen, ewigen Lohn den Guten und reuigen Sündern!
Dieser Glaube, der in Glück vor Heber» muth und im Unglück vor Verzweiflung bewahrt, muß bei jedem Jahreswechsel ganz besonders m'ed-r irtfjtn3 lebendig werden. Wenn wir uns ,agen können, daß wir das Glück, das uns das alte Jahr gebracht, mit weiser Mäßigung aenossen und von unseren irdischen Gütern den rechten Gebrauch gemacht; wenn wir anderseits uns das Zeugniß geben dürfen, daß wir jedes Unglück standhaft ertragen, ohne zu murren, ohne Groll gegenGott und ohne Neid und Mißgunst gegen unsere Nebenmenschen: Dann dürfen wir mit Vertrauen auf Gott in die Zukunft blicken. Aber freilich: wer wird' sich in vollem Maße ein so gutes Zeugniß nach beiden Richtungen hin ausstellen dürfen? Wir alle sind Sünder und müssen heute dessen besonders eingedenk sein, mit wahrer Reue, aber auch mit dem Tröste, den der Heiland den reuigen Sünder gegeben hat.
So werden wir dann auch nicht gleich verzagen, wenn wir nicht das-Höchste und Vollkommenste erreicht, das wir erstrebten. Wir werden uns bescheiden in dem Gedanken, daß alles Menschenwerk unvollkommen und Stückwerk ist. Das gilt für jeden von uns in seinem Be- rufe, in seinem häuslichen Leben und in allen
„Du weißt es, Vater; ich habe keine andere Antwort," sagte diese ruhig.
Der Kaufherr ging. Wenn er aber geglaubt, Selbheim komme, um sich Antwort auf seinen Brief zu holen, so fand er sich getäuscht. Das sah Locana sofort, als er seinen Besuch erblickte. Unruhig trippelte dieser im Zimmer umher, und der gebrechliche Mann mit dem kahlen Schädel hätte gewiß einen bequemen Sessel vorgezogen, wenn fein sichtlich bewegtes Gemüth ihm zu ruhen gestattet hätte.
„Ihr kommt doch heute Mittag in die Rathssitzung ?" fragte Selbheim hastig, ohne auch nur den Eintretenden zu begrüßen.
„Natürlich," antwortete dieser. „Aber was ist Euch! Warum diese Aufregung?"
„Ihr wiffet also nicht . . ."
„Was soll ich wissen?"
„Daß Bruno Gilden einen Antrag einbringen will, den Administrator zurückzurufen!"
„Gegen des Kaisers Verfügung," fragte Locana in zweifelndem Tone.
„Gegen des Kaisers Verfügung," bestätigte Selbheim.
„Aber das ist ja nicht möglich!"
„Und er will die Dringlichkeit beantragen," fuhr Selbheim fort. „Heute noch soll darüber abgestimmt werden."
„Ich erhebe Widerspruch!" tief Locana. „Woher habt Ihr diese Nachrichten?"
„Verzeiht, Herr Locana," bemerkte der im Zimmer anwesende Buchhalter, von seinem Buche aufblickend; „es geht etwas vor. Man steht eben Gilden nie mehr ohne Begleitung eines flachs- haarigen Burschen. Die Packknechte behsupten.
seinen Bestrebungen. Das gilt aber nicht minder auch von der Gesammtheit, der wir angehören. Wenn es in Reich und Staat oft nicht so gegangen ist, wie wir es gewünscht haben — gewünscht nicht blos um unser selbst willen, sondern auch um der Gesammtheit willen, so wie wir eben deren Heil verstehen; wenn in Stadt und Gemeinde so vieles geschehen, das nach unserAnstcht verkehrt ist, und anderes unterblieben ist, das nach unserer Meinung hätte geschehen sollen, so lassen wir deswegen den Muth nicht sinken, sondern arbeiten rastlos weiter, ohne das Heil des Ganzen als Zielpunkt je aus den Augen zu verlieren. Und wenn die Partei, der wir angehören, noch immer fern vom Ziele ihrer Wünsche steht, wenn sie vielleicht nach des Einen oder Andern Meinung dies ober jenes hätte besser machen können: Denken wir an unsere eigne Fehlbarkeit und an die großen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, die der Einzelne aber ost gar nicht ahnt.
Lassen wir um so weniger die Fahne lästig sinken, je mehr wir davon überzeugt sind, daß diese Fahne keine andere ist als die Sieg verkündende Fahne des Welterlösers! Schauen auch wir zum Himmel empor gleich den Schaaren Konstantins, von dem uns das Zeichen des Heils entgegenstrahlt. Dann leben wir in einer Hoffnung, die nicht getäuscht werden kann, denn in diesem Zeichen werden wir siegen!
Deutsches Deich.
Berlin, 30. Dezember.
h Herr Freiherr von Mirbach, Oberhofmeister der Kaiserin, hat in diesen Tagen einen Vortrag gehalten über die Kaiserreise «ach dem Hrient. Nach einem vorliegenden stenographischen Berichte sagt Freiherr von Mirbach an einer Stelle seines Vortrages: „In Jaffa kam auch eine Depesche mit ernsten Nach- richten über politische Verhältnisse an den Kaiser an, was nachher dazu beitrug, daß die Reise abgekürzt wurde." Offiziell wurde die Abkürzung der Reise auf die große Hitze zurückgeführt.
x Das hochoffiziöse Dementi der ,Nord- deutschen SITgTBreTn e^'ÖTfta'Tvg',-übtr- das an dieser Stelle berichtet wurde, wird von allen Blättern in sehr ausführlicher Weise behandelt. In der gegenwärtigen Zeit war dieS nicht anders zu erwarten, denn es fehlt an politischem Stoffe so sehr, wie selten sonst. Das Eigenthümliche dabei ist, daß nun erst alle Welt erfährt von der unrichtigen Meldung eines Hamburger Blattes, es sei eine Kanzlerkrise vorhanden. Kein Mensch hatte vorher die öffentliche Auseinandersetzung über ein solches Thema gedacht, und thatsächlich ist ja auch gerade gegenwärtig am allerwenigsten Veranlassung dazu vorhanden, an eine Kanzlerkrise zu denken. Es ist darum ein wenig zweifelhaft, ob es sehr geschickt angefangen war, mit so grobem Geschütz vorzugehen gegen eine Falschmeldung, die von keinem ernsthaften Blatte ernsthaft genommen worden war; und hätte es sich wirklich um „scharfe" Gegensätze zwischen dem Reichskanzler und dem Herrn Minister von Miquel gehandelt, so hätte daraus zunächst doch nur eine Miquel-Krise, nicht es fei ein schwedischer Offizier. Aber kein Mensch weiß etwas Rechtes über ihn."
„Es heißt überhaupt, daß Schweden rüste," versicherte Selbheim, „und kein Mensch weiß, warum. Der Polenkrieg ist beendet; Niemand weiß etwas von Gustav Adolf; und die letzte Post aus Schweden meldete, daß der Reichstag entweder schon einberufen fei, ober unmittelbar einberufen werbe."
„Ich will heute noch nach Borgholm auf Oeland schreiben," erroieberte Locana eifrig, dort habe ich einen treuen Geschäftsfreund, und dort kann man von den Rüstungen der Schweden etwas wiffen."
„Die Frachten sind in die Höhe gegangen, weil die Regierung alle Barken gemiethet hat. Gestern hat man es mir von Nexö auf Bornholm gemeldet."
„vielleicht blauer Dunst, um mehr fordern zu können," erwiederte Locana. „In acht Tagen hab' ich sichere Antwort, Herr Selbheim, da werden wir wissen, was rotr demnächst zu erwarten haben. Indessen, es ist Zeit; wollt Ihr, so gehen wir auf das Rathhaus. Wir treffen dann auch wohl den regierenden Bürgermeister noch allein und können ihm Mittheilung über die Dinge machen, die Ihr gehört."
Selbheim war dessen wohl zufrieden, und nachdem Locana dem Buchhalter anbefohlen, in Oeland Erkundigungen einzuziehen, legte er feine go bene Rathskette an, unb verließ mit Herrn Selbheim das Haus. Die plötzlich auftauchende politische Wolke hatte für den Augenblick alle persönlichen Angelegenheiten in den Hintergrund gedrängt. (F. f.)