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M 2b 8.
JuLda, Freitag, den 30. Dezember 1898.
25. Jahrgang.
L Das Jahr 1898.
(Nachdruck verboten).
II.
Neben dem starken Erfolge des Centrums, das unerschüttert in seiner ausschlaggebenden Stellung verharrt, und dem Mißerfolge der Sammlung war charakteristisch für die Reichstagswahlen das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen auf über 2 Millionen und der sozialdemokratischen Reichstagsmandate von 48 aus 56. Gleichwohl entsprach dieses Wachs- tdum nicht den Hoffnungen der sozialdemokratischen Führer; auch die Thatsache, daß die Partei gegenüber mehreren Gewinnen auch einige Verluste zu beklagen hatte und in den katholischen Gegenden Stillstand, vielfach auch einen beträchtlichen Rückgang ihrer Wählerzahl verzeichnen mußte, beeinträchtigte ihre Siegesstimmung ganz bedeutend. Gerade die letzten Thatsache müßte sehr zu denken geben, ebenso wie umgekehrt die starke Mehrung der sozialdemokratischen Stimmen in den protestantischen ländlichen Kreisen Ostpreußens und auf Kosten der Demokratie in Würltemberg. Sehr schmerzhaft war für die Sozialdemokratie namentlich auch der Verlust zweier Berliner und eines Münchener Wahlkreises. Letzterer fiel mit wirksamer Unterstützung des Centrums einem Wildliberalen zu; bei der nächsten Wahl darf das Centrum bei kräftiger Arbeit hoffen, wenigstens einen der beiden Münchener Sitze für sich zurückzuerobern. Diese theil- weisen Mißerfolge gaben auf dem fozialdemo- kratischen Parteitage in Stuttgart zu lebhaften Auseinandersetzungen über die richtige Taktik Anlaß; schroff standen sich die Anhänger der alten revolutionären Phrase und der Reformarbeit ohne Rücksicht auf den Zukunftsstaat gegenüber. Eine Einigung wurde nicht erzielt.
Wie anders ging es auf dem deutschen Katholikentage zu Krefeld zu. Dort ewiges Gezänk und Unklarbeil über die wichtigsten Fragen, hier vollste Einmüthigkeit und thatenfrohe Begeisterung für die gemeinsamen klar erkannten Ziele. Und die kolossale Arbeiterkundgebung, die den Katholikentag emleitete — eine Kundgebung, wie sie auch nach dem Urtheile der Gegner keine andere Partei, die Sozialdemokratie nicht ausgenommen, halte zu Stande bringen können, hätte den Häuptlingen der „Genoffen" beweisen können, daß sie kein Recht haben, ihren Anhang als die allein echte «Arbeiterpartei" zu bezeichnen. Wohltbueud hob sich auch wie immer das gänzliche Fehlen konfessioneller Zänkereien in Krefeld von den Hetzversammlungen des Evangelischen Bundes ab, der übrigens sehr viel Pech m diesem Jahre hatte. Sein Protest gegen die Theilnahme des preußischen Gesandten beim hl. Stuhle an der besonderen KaisergeburtStags- feier der katholischen Deutschen in Rom wurde vom Kaiser scharf mißbilligt, und zwei seiner lautesten Vorkämpfer, den Prediger Thümmel- Remscheid und den Exjrsuiten Graf Paul Hoens- broeck, verlor er infolge böfer Skandalgeschichten.
Das hervorstechendste Ereigmß in der Zeit zw scheu dem alten und dem neuen Reichstage war der am 31. Juli erfolgte Tod des Alt- Reichskanzlers Otto v.Bismarck. Leider konnten auch an der Bahre die alten Verstim- ■mpiwi wiwmrin i ri
frört, Schwert Mi) Fachet.
Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).
10 ------ (Nachdruck verboten.)
Den Anforderungen Locana's entsprach der Werber vollauf. Das Haus Gilden gehörte zu den reichste« und angesehensten in Magdeburg; und das war es ja, was er begehrte: angesehene Stellung und reichliches Auskommen.
Er lbeitte seiner Tochter den Antrag mit, aber diese schüttelte lächelnd den schönen Kopf
.Das kann ja Dein Ernst nicht fein, Vater!" meinte sie.
„Und warum nicht?" fragte Locana.
.Ich bin nicht zwanzig Jahre alt, und er fünfunddreißig," bemerkte sie die Achseln zuckend.
„Das hat nickt viel zu sagen," meinte der Rathsherr. „In zwanzig Jahren bist Du vierzig und er fünfundsünfzig; das paßt ganz gut."
„Mir aber paßt eS nicht, lieber Vater," er- widerte Gerda schelmisch. „Außerdem ist er Protestant und ich werde nie einen Protestanten heirathen."
„Es wäre vielleicht recht gut," meinte Locana nachdenklich, „wenn Katholiken und Protestanten nicht so schroff einander gegenüber ständen. In Regensburg sollen die Fürsten zusammen kommen, und es wird hoffentlich der Friede im Reiche geschloffen; aber ohne dies schroffe „Hie Katholik! Hie Protestant!" möchte der Friede sich leichter und dauerhafter schließen. Vor Gott sine wir am Ende doch alle gleich."
mungen nicht ganz schweigen. Der Kaiser, der auf die Todesnachricht hin seine Nordlandfahrt sofort abgebrochen und mit der Kaiserin zur Beisetzung nach Friedrichsruh geeilt war, fand dort seitens der Angehörigen einen sehr frostigen Empfang und zähen Widerstand gegen seine Absichten zur Ehrung des großen Tobten. Die Veröffentlichungen von „Büschchen" verstärkten die Verstimmung, obwohl die Familie Bismarck die Verantwortung für dieselben ablehnte. Das Centrum seinerseits hat dem Todten keinen Groll nachgetragen. Crntrumsabgeordnete waren es, die Namens des alten Reichstages an der Bahre einen Kranz niederlegten, und.ein Centrumsmann, der neue Reichstagspräsident Graf Ballestrem, war es, der in würdiger Weise sein Präsidium mit einem ehrenden Nachruf an den großen Todten einleitete.
Dieser selbe Graf Balle st rem war stets der Gegenstand des besonderen Hasses des eisernen Kanzlers gewesen, weil man ihm nachsagte, durch ein kräftiges Pfui seine Entrüstung kundgegeben zu haben, als Bismarck den Mörder Kullmann an die Rockschöße des Centrums hängen wollte. Und heute ist Ballestrem Reichstags- präsident und begann sein hohes Amt mit einer schönen Ehrung des todten Gegners! Reichstagspräsident auch durch die Stimmen der konservativen Parteien, die mit den Nationalliberalen aus dem Präsidium geschieden waren, als das Centrum mit der Linken dem lebenden Kanzler eine Huldigung, die politisch ausgebeutet worden wäre, mit Recht versagte. Wie falsch diese Schmollpolitik war, haben sie jetzt durch ihre Theilnahme an der Präsidentenwahl selbst zugegeben. Gern nahmen die Konservativen jetzt aus der Hand desselben Centrums das erste Vizepräsidium an, während die Nationalliberalen das erhoffte zweite Vizepräsidium den Freisinnigen lassen mußten, sodaß das Präsidium ein getreues Abbild des Reichstages ist, seiner 2 Majoritäten nach rechts und nach links mit dem Centrum beidemal als Kerntruppe.
Der neue Reichstag hat im alten Jahre nur die erste Etatsberathung zu Ende führen können. Im neuen Jahre steht ihm als wichtigste Aufgabe die große Militärvorlage bevor, zu welcher die Parteien indeß bisher noch keine Stellung genommen haben. Bei ihrer Erledigung wird die Frage der Festlegung der 2jährigen Dienstzeit eine Hauptrolle spielen. Die neue Militärstrafprozeßordnung, die noch vom alten Reichstag durchberathen und angenommen ist, erhält in dem Abkommen mit Bayern wegen Errichtung eines besonderen bayerifchen Senates nachträglich ihren Schlußstein. Für Preußen und die anderen Bundesstaaten bedeutet das Gesetz ja zweifellos einen großen Fortschritt, in Bayern aber wird es als ein Rückschritt angesehen und namentlich auch die Lösung der Frage des obersten Militärgerichts vom reservatrechtlichen Standpunkte als ungenügend empfunden.
Deutsches Keich.
Berlin, 29. Dezember.
+ Die .Norddeutsche Allgem. Zeitung' bringt an der Spitze ihrer Freitags-Nummer folgende
„Sage das nicht, Vater," meinte Gerda erglühend. „Wohl möchte es besser gewesen fein, wenn Luther sich von der Kirche hätte belehren lassen, statt ftlbst die Kirche belehren zu wollen. Auf seinem Gewissen lastet all das schwere Unbeil, das auS seiner Auflehnung gegen die Kirche Gottes entstanden ist."
„Gemach, Mädchen! Das ist eben der Streit," meinte Locana 'ächelnd über den Elfer feiner Tochter. .Ich will ja nicht zur Fahne Luther'S schwören; da ich katholisch geboren bin, will ich auch katholisch sterben . . ."
„Nein, Vater," unterbrach ihn Gerda hitzig, „daß ich katholisch geboren bin, ist eine Gnade Gottes. Aber wie immer ich geboren wäre, sterben möchte ich nur als Glied einer Kirche, von deren Wahrheit ich überzeugt bin."
„Meinst Du, Luther sei nicht von der Wahrheit überzeugt gewesen? Er berief sich auf die Bibel."
„Und dort steht zu lesen: „wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch." Und weiter: „wer Euch hört, der hört mich; wer Euch verachtet, oer verachtet mich." Und Luther hat die Nachfolger der Apostel nicht nur selbst verachtet, sondern auch der Verachtung preisgegeben. Er mag sagen, was er will; die Bibel, auf die er sich beruft, verurteilt ihn: er hat Christum verachtet!"
„Greisere Dich nicht, Kind, ich bin weit entfernt, Deinen frommen Glauben stören ober bestreiten zu wollen. Du willst Herrn Gilden nicht zum Gemahl, das ist für mich Grund genug. Ich bin mit ihm befreundet, er scheint mir ein Mann ju sein, der Dir Gewähr für ein geachtetes
hochoffiziöse Kundgebung: „Der,Hamb. Generalanzeiger' veröffentlicht einen .... Artikel, in welchem behauptet wird, es beständen in betreff verschiedener gesetzgeberischer Fragen und einzelner von der Staatsregierung ergriffener Verwaltungsmaßregeln scharfe pokitische Gegensätze zwischen dem Herrn Reichskanzler einerseits und dem Herrn Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums und anderen Mitgliedern des preußischen Staatsministeriums anderseits. An allen diesen Behauptungen ist natürlich kein wahresWort." Daß gerade scharfe Gegensätze in einigen Fragen, z. B. in der Beurtheilung der Ausweisungs-Maßregeln, vorhanden sind, ist im allgemeinen in der Presse gar nicht behauptet worden. Wenn darum das oberoffiziöse Blatt sein Dementi nur und ausschließlich gegen die Behauptung des ,Hamburger Generalanzeigers' richtet, der von solchen „scharfen" Gegensätzen gesprochen hat, so wird dadurch noch nicht die Vermuthung widerlegt, daß Fürst zu Hohenlohe und Staatsminister v. Miquel in manchen Punkten verschiedene Anschauungen haben. Wie wäre es denn überhaupt möglich, daß zwei Staatsmänner immer ganz genau dieselbe Meinung hegen?
X Mit außerordentlichem Eifer rühmen gegenwärtig die Preffe-Organe der Regierung die vorzüglichen Zustände unserer Ileichs Imauze«. Eine bekannte halbamtliche Zeitung-Korrespondenz rechnet uns vor, daß im laufenden Etatsjahr ein Ueberschuß von nahezu 90 Millionen Mark zu erhoffen ist, wenn die aufsteigende Bewegung in den Reichseinnahmen so bleiben sollte, wie sie in den ersten acht Monaten dieses CtatSjahres gewesen ist; und nahezu 70 Millionen würde dieser Ueberschuß betragen, wenn die Reichseinnahmen während des letzten Drittels dieses Etatsjahres nicht höher ausfallen sollten, als während derselben Zeit des Vorjahres. Derlei hört man gar gern; und thatsächlich bestreitet es ja auch niemand im Ernste, daß wir uns gegenwärtig in einer Zeit des erfreulichsten wirthschaftlichen Aufschwunges befinden. Auch die günstigen Zahlen der Handels - Statistik für das Deutsche Reich, wie sie kürzlich an dieser Stelle wiedergegeben wurden, lassen denselben angenehmen Schluß zu. Leider hüten sich die halbamtlichen Federn mit großer Sorgfalt davor, das fortgesetzte Anwachsen der Reichsschuld in ihren Auseinandersetzungen zu erwähnen. Davon schweigen sie gänzlich, sowie ebenfalls davon, daß der Reichstag zur Deckung der Kosten der neuen Militär-Vorlage eine neue Reichsanleihe im Betrage von rund 90 Millionen Mark bewilligen soll. Wenn derlei in den Jahren großen wirthschaftlichen Aufschwunges nothwendig ist, was soll dann werden, wenn auf die fetten auch die mageren Jahre kommen? Auf diese Frage bleiben die offiziösen Federn die Antwort schuldig. Dafür aber läßt uns Herr Finanzminister v. Miquel wieder einmal durch die,Berl. Polit. Nachr.' vorhalten, daß wir Deutschen noch lange nicht so viele S teu ernbez ah len wie beispielsweise die Franzosen. Das ist ja auch richtig. Aber ebenso richtig ist es, daß wir auch
und sorgloses Leben geboten hätte; aber wenn Du ihn nicht willst: mir ist er nicht ans Herz gewachsen."
Gerda athmete tief auf.
Nach einigen Augenblicken fuhr Locana fort:
„Eine Fügung des Zufalles ist, daß gerade um die nämliche Zeit auch mein Freund Seld- heirn für feinen Sohn Nikolaus um Deine Hand geworben."
Gerda erbleichte, aber ihr Vater schien das nicht zu bemerken.
„Das ist eine Patrizierfamilie, hervorragend durch Grundbesitz, Einfluß und Verdienst um das Wohl der Stadt. Selbheirn ist dem Glauben seiner Väter treu geblieben; er steht mir zur Seite, wo es gilt, Unbill von der Kirche abzuwenden; sein Sohn ist nur wenige Jahre älter als Du, Du kennst ihn . ."
„Aber ich nehme ihn nicht," antwortete Gerda ruhig und fest.
„Du nimmst ihn nicht?" fragte ihr Vater Überrascht. „Aber ich halte diesen Bräutigam für sehr annehmbar. Alles, was Du an Bruno Gilden auszusetzen hattest, liegt hier nach Deinem Wunsch. Warum nimmst Du ihn nicht?"
„Vater," antwortete Gerda mit gepreßter Stimme, „ich könnte Dir auch hier allerlei Mängel an den Fingern herzählen Aber das ist es nicht. Laß mich wahr fein: und wenn er alle Vollkommenheiten der Welt hätte, ich nähme ihn nicht; denn ich nehme überhaupt keinen anderen, als den Gumbert."
Locana war wie aus den Wolken gefallen.
„Den Gumbert!" wiederholte er mechanisch.
lange nicht so leistungsfähig sind wie die Franzosen. Und das würde eine traurige Finanz- Politik fein, die ihre Grundsätze nur nach den Mängeln und Schattenseiten anderer Länder einrichtet, anstatt darauf bedacht zu fein, die Staatsbürger des eigenen Landes so wenig wie möglich zu belasten und die Schulden des Reiches zu tilgen, anstatt fortgesetzt zu belasten.
0 In der Presse wird ein neues Beispiel angeführt dafür, daß ein städtischer geamtet die Kosten feiner Stellvertretung während der Zeit der Ausübung seines parlamentarischen Mandates selbst tragen muß. Es ist dies der freikonservative Abg. Pauli, Oberlehrer am städtischen Gymnasium in Eberswalde i. Mark. Auch dieser muß nach einem Beschlüsse der Eberswalder Stadtverordneten-Versammlung auf Antra, des Magistrates die Kosten seiner Stellvertretung aus eigenen Mitteln bezahlen.
x Die ,Natl. Korr.' hatte in diesen Tagen berichtet, dem preußischen Landtage werde ein Gesetzentwurf zugehen über die Aestenerung der GroßSazare und Waareuhänser, und zwar noch im Laufe der bevorstehenden Tagung. Nach allem Voraufgegangenen müßte man sich wundern, wenn es anders fein sollte, und in der Thai ist anzunehmen, daß das gefmannte nationalliberale Organ recht berichtet hat. Die Vorlage ist mit Bestimmtheit zu erwarten.
0 Der schon häufig im voraus angekündigte Gesetzentwurf über die Regelung des Gewerbes der Hefindevermielher «nd Slekken- vermittker soll dem Reichstage nach halbamtlicher Ankündigung noch im Laufe dieser Sitzungsperiode vorgelegt werden.
* Dessau, 29. Dez. Der präsumptive Thronerbe Anhalts, der Sohn des Prinzen und der Prinzessin Eduard von Anhalt, Prinz Leopold Friedrich, der im Februar sein zweites Lebensjahr vollendet haben würde, ist g e st o r b e n. Bekanntlich starb der Erbprinz, ohne einen Sohn zu hinterlassen, seine junge Wittwe hinterblieb mit einer Tochter, Prinzessin Antoinetto; der zweite Bruder, der nunmehrige Erbprinz, ist kinderlos. Prinz Eduard hatte vor diesem Prinzen Leopold eine Locher, die, wie dieser Sohn im zarten Alter starb, und die Ehe des Prinzen Aribert, der bekanntlich in Berlin bei den Garde- Dragonern steht, ist ebenfalls kinderlos.
Ausland.
* Louda«, 29. Dez. Nach dem amtlichen ,Chatholic Directory' welches letzter Tage zum 62. Male erschienen ist, gibt es in England und Wales 17 katholische Erzbischöfe und Bischöfe und 2769 Priester. Die Zahl der katholischen Kirchen und Kapellen beträgt 1509. Es gibt keinen kath. Bischof von London, wohl aber einen von Westminster und einen von Southwark; beides sind Londoner Stadtdistrikte Auch Plymonth besitzt zwei Bischöfe. Schottland hat 6 Bischöfe, 3212 Priester und 1854 Kirchen und Kapellen.
+ Mo«, 29. Dez. Wieder einmal laufen in der Presse Gerüchte um von schlechtem Befinden des Papstes. Aber auch diesmal beruhen diese Gerüchte glücklicherweise auf unrichtigen Angaben. Der hl. Vater befindet sich
Aber das ist ja unmöglich, der ist fort. Willst Du Dich nicht vermählen?"
„Wenn er in angesehener Stellung ist und ein reichliches Auskommen besitzt, bann wird er wieder kommen."
„Und daran glaubst Du, Kind?"
„So gewiß ich glaube, daß morgen die Sonne aufgeht, nachdem sie heute untergegangen."
„Kind, Du kennst die Welt und die Männer nicht," antwortete Locana kopfschüttelnd. „Ich selbst entbehre Gumbert schwer. Als ich sah, wie Du Dich um ihn grämtest, da hab' ich mich insgeheim nach ihm erkundigt. Er ist verschwunden und wird verschwunden bleiben."
„Dann werde ich ihn als einen Todten beweinen."
„Thue das nicht, sondern schlag' ihn Dir aus dem Sinn. Es ist immerhin gut, vaß es so gekommen."
„Das mag sein, Vater! Einstweilen haben mir gethan, was unsere Pflicht war. Wir haben Dir gesagt, wie wir uns lieben; Du hast uns trennen wollen, weil er weder Ansehen noch Reich- thum besaß. Er hat mehr als Ansehen und Vermögen ..."
„Halt, Gerda," unterbrach sie Locana. „So war das nicht gemeint. Ich verachte ihn nicht um deswillen, weil er Güter nicht besitzt, die ich an meinem Schwiegersohn nicht vermissen möchte. Er ist darum wahrlich in meinen Augen nicht geringer . . ."
„Nun denn . . ."
„Gemach! Wer ein Weib heimführen will, der muß seinem Ehegemahl ein Haus oder eine Stellung bieten, aber sich nicht eine solche von seinem Weibe bieten lassen." (F. f.)