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M 297.

JuLöcr, Donnerstag, den 29. Dezember 1898.

25. Jahrgang.

L Tas Jahr 1898.

(Nachdruck verboten.)

I.

In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister! Trifft dies schon im Allgemeinen zu, so ganz be­sonders für unsere diesjährige Jahresrundschau. Selten mag ein Jahr eine solche Fülle der wich­tigsten Ereignisse und Wendungen aufweisen, auf dem Gebiete der innern wie der äußern Politik, wie gerade das Jahr 1898. Um dies sofort klarzustellen, genügt ein Blick auf das letzte große Flottengesetz, auf die deutschen Reichstagswahlen, die preußischen Landtagswahlen, auf Bismarcks Tod, den spanisch-amerikanischen Krieg, die Ermor­dung der österreichischen Kaiserin, den Abrüstungs­vorschlag des Zaren, den Dreyfus-Skandal in Frankreich, die Ereignisse in China, den Unter­gang des Mahdistenreiches. Also Kürze muß bei diesem Jahresabschluß ganz besonders unsrer Rückschau Würze sein.

Das erste Viertel des Jahres war im Deutsche« Seiche beherrscht durch den Kampf um das Flottengesetz. War es dem Reichs­marinesekretär Hollmann nicht gelungen, vom Reichstage 323 Millionen für die Erweiterung der Flotte zu erlangen, so glückte es seinem Nach­folger, dem Admiral Tirpitz, für denselben Zweck sogar 410 Millionen zu erhalten. Im Ganzen genehmigte diesmal der Reichstag nicht weniger als 875 Millionen, für die bis zum Jahre 1903 einschließlich nach einem fest umschriebenen Bau­plane eine stattliche Zahl neue Kriegsschiffe fertig­zustellen sind. Sobald die festgesetzte Zahl von Schiffen jeder Gattung erreicht ist, darf sie nie­mals wieder vermindert werden; durch rechtzeitige Einstellung von Ersatzbauten ist sie dann immer mindestens auf der bestimmten Höhe zu erhalten.

Gegen dieses „Aeternat" richteten sich die schwersten Bedenken, namentlich auch innerhalb der Centrumspartei. Wenn schließlich die große Mehrheit der Partei gleichwohl dem Gesetze seine Zustimmung gab und dadurch dessen Annahme im Reichstage sicherte, so geschah dies wesentlich mit Rücksicht auf die vom Centrum erreichte Bindung der Regierungen, die verpflichtet wurden, die Mehrausgaben, falls und so weit sie nicht durch die natürliche Vermehrung der Einnahmen ihre Deckung fänden, auf keinen Fall auf die Schultern der ärmeren und mittleren Steuerzahler abzuwälzen.

Man sagte sich: Fällt die Vorlage und wird der Reichstag aufgelöst, so ist bei der bekannten Milttärftommheit der großen Mehr­heit des protestantischen Volkstheils 10 gegen 1 zu wetten, daß ein Reichstag gewählt wird, der nicht bloß die gegenwärtige Flottenvorlage, sondern noch viel mehr und auch noch indirekte, das ärmere Volk belastende Steuern dazu be­willigt; da ist es schon besser, mit einer Be­stimmung, welche die ärmeren und mittleren Volkeklassen vor neuen Steuern (auch in den Einzelstaaten) schützt, das Gesetz anzunehmen — um Schlimmeres zu verhüten. Auch galt die Nothwendigkeit des Ausbaues der Flotte an sich für nachgewiesen; das gaben auch die­jenigen zu, die wegen des Aeternats und der

fritr, Schwert und Fichrl.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

9 ------ ^Nachdruck verboten.)

Der Begleiter des Herrn Bruno Gilden sah recht gelangweilt aus. Wie Gilden trug auch er das Haar zurückgestrichen, aber die Farbe seines Haares war kein Rahmen für ein menschliches Gesicht Das war der reine Flachs; dazu kamen dann noch ein paar Augen, die nicht bloß wasser- blau, sondern auch matt waren. Die Unterlippe hing etwas verüchilich herab; das war der ein­zige Ausdruck, den fein Gesicht zeigte, sonst war es vollständig nichtssagend. Seine Kleidung war bescheiden; er trug ein dunkelgrünes Gewand, und über dasselbe einen Koller von Elennshaut, der mit einem breiten Gürtel um die Hüfte zu- fammengeschnürt war. Seine Pluderdosen waren von demselben Stoffe, fein.* Beine staken in Stiefeln, die hoch heraufgezogen waren. Er kam hinter Gilden und machte einen höchst unbe­deutenden Eindruck. Und doch mußte der Page, der ja an der Unterredung kaum Theil hatte, immer wieder ihn betrachten. Es lag etwas Knappes, Entschiedenes in Haltung, Bewegung und Wort, daß sich dem Beobachter unwillkür­lich die Frage aufdrängte, ob der Flachshaarige in seinem Aeußeren nicht Komödie spiele.

„Willkommen, Herr Peter Meyer, in Magde­burg," begann der rasch eintretende Gilden, in­dem er dem Geheimschreiber die Hand hin­reichte.

hierdurch bewirkten Einschränkung des Etats­rechts der Volksvertretung das Gesetz ablehnten. Anderseits darf auch die Tragweite des letzteren Bedenkens nicht verkannt werden. Die ablehnende Minderheit erklärte: Wir sind ja bereit, die sämmtlichen neuen Schiffe zu bewilligen, aber nicht auf einmal und auf ewige Dauer, sondern von Jahr zu Jahr; soweit könnten uns die Regierungen also entgegenkommen ohne den ge­ringsten Schaden für die Flottenvermehrung — will sie das nicht, fo hat sie die Verantwortung für die Ablehnung zu tragen.

Der Gegensatz der Meinungen berührte, wie man sieht, nur die etatsrechtliche Frage, in der Sache selbst war man einig. Dazu kam die günstige Gestaltung der Reichseinnahmen, welche mit Sicherheit erwarten ließ, daß die Flotten­vermehrung überhaupt keine Neubelastung der Steuerzahler erfordern werde.

Jedenfalls konnte man aber auf beiden Seiten int Centrum sich auf gute Gründe berufen, und deshalb war es auch durchaus nicht nothwendig, sich wegen dieser Meinungs­verschiedenheit in die Haare zu gerathen oder gar zu spalten. In Bayern, wo die Stimmung der Flottenvorlage im Allgemeinen ungünstiger war als anderwärts und darum auch die Stellung­nahme der bayerischen Centrumsabgeordneten (mit Ausnahme des Frhrn. v. Hertling) gegen die Vorlage noch besonders rechtfertigte, herrschte ja hie und da anfangs eine begreifliche Mißstim­mung, nachdem man unterlegen war, und es wurde sogar der Gedanke einer Trennung vom allgemeinen deutschen Centrum und der Gründung einer besonderen bayerischen katholischen Volks­partei laut.

Indessen erkannte man bald allerseits, daß eine Trennung weder dem einen noch dem anderen Theile, am allerwenigsten natürlich der Gesammtheit der deutschen Katholiken nützen, sondern nur für alle katholischen und auch für die spezifisch bayerischen Interessen eine schwere Schädigung bedeuten würde. Das baye­rische Centrum lehnte denn auch die vorgeschlagene Absonderung entschieden ab und sogar die 2 oder 3 Abgeordneten, denen in dieser Beziehung von ihren Wählern freie Hand gelassen war, zogen in den neuen Reichstag ruhig wieder als Cen- trumsmitalieder ein.

Die Reichstagswahlen bestätigten über­haupt, daß zu einer Schwarzseherei innerhalb des Centrums gar kein Grund vorlag. Das Centrum hat sich bei den Wahlen ganz ausgezeichnet ge­halten, und sogar noch eine Anzahl von Man­daten gewonnen, sodaß es heute mit dem Präsi­denten, der nur formell ausscheiden mußte seines Amtes wegen, 107 Mitglieder zählt. Auch sonst ist es bei den Wahlen ganz nach unserem Wunsch gegangen, da der Anschlag unserer Gegner vom verflossenen Kartell, das diesmal die Firma „Sammlung" angenommen hatte: das Centrum aus seiner ausschlaggebenden Stellung zu ver­drängen durch Schaffung einer Kartellmehrheit, — kläglich scheiterte. Nach wie vor besteht im Reichs­tage eine positive Mehrheit, mit welcher das Centrum sein wirthfchaftspolitisches Programm — Schutz den wirtschaftlich Schwachen, nament­lich auch des Mittelstandes in Stadt und Land,

„Pst! Pst!" flüsterte dieser, sich den Mund abwischend, „ich soll hier Nikolaus Werner heißen!" Damit legte er seine Hand in die Hand Gildens. „Und wen hab' ich die Ehre, in diesem Herrn zu begrüßen?"

„Das ist Herr Olans Björne, ein Schwede von Geburt, mir von dortigen Freunden hoch empfohlen, als ein warmer Freund des Mark­grafen, und ein Gegner jeglicher Tyrannei."

„Ei, ei, das ist ja schön," meinte Meyer.

ES folgten dann lange Verhandlungen, die damit endeten, daß der Geheimschreiber ein Hand­schreiben des Markgrafen von Brandenburg an Gilden abgab, in welchem den Bürgern der Stadt ihre bisherigen Rechte auch für die Zukunft in Aussicht gestellt wurden, wenn sie ihre Stadt dem Markgrafen übergeben und die protestantische Religion annehmen wollten.

Der Geheimschreiber, welcher seither noch nicht mit Gilden unterhandelt, hatte biefen bedeutend unterschätzt, und geglaubt, ihn leicht übertölpeln zu können. Mit Verheißungen eines hohen Herrn wollte er den einfachen Bürgersmann, den er bei sich einen Schwachkopf aus dem Krämerstande nannte, hinter das Licht führen. Aber er mußte die Erfahrung machen, daß jeglicher Respekt vor hohen Herren dem Bürger abging, der vielmehr eine sehr hohe Meinung vor bürgerlichen Rechten und Gerechtsamen hatte. Danach bemaß denn auch Herr Peter Meyer sein folgendes Verhalten, und die Sachen wickelten sich darum sehr rasch ab.

Abends trennte man sich. Meyer wollte noch zwei Stunden zurück reiten, wo er in der vorigen Nacht Herberge gehalt-n, und zwei Reiter, die ihn geleitet, zurückgelaffen halte. Bis dahin folgte I

des seßhaften Gewerbes wie des Bauernstandes — verwirklichen kann, und eine Abwehr-Mehrheit, mit der es Übertriebenen Anforderungen des Militarismus, neuen Steuern und Beschränkungen der Volksrechte wirksam entgeaen treten kann.

Deutsches Deich.

Berlin, 28. Dezember.

* Die ,Voss. Ztg/ macht sich den gar nicht üblen Scherz, auf den Zwiespalt hinzuweisen, in welchem sich bei den preußischen Staatsministern Wort und That häufig befinden. Das Disziplinär- verfahre« gege« Delörnck ist bekanntlich von dem Kultusminister Bosse beantragt und im Staats­ministerium unter dem Vorsitz Miquels, der in Abwesenheit desMinisterpr äsidenten Fürsten Hohen­lohe die Verhandlungen leitete, beschloffen worden. Beide Herren scheinen deshalb in der Praxis erheblich anders zu denken als in der Theorie. „Es gibt nur eine Atmosphäre, in der die wurzelechte Arbeit des Geistes gedeiht, selbst die staatliche, geschloffene und zünftige, das ist die reine Bergluft der Freiheit und vollen Unabhängigkeit." So grüßte am 12. Dezember 1897 Herr Bosse, der „Minister des Geistes", die deutsche, die Berliner Schrift­stellerwelt. Er feierte sie: „Der Staat hat kein Recht und keine Macht über Sie, wenigstens nicht über Sie in Ihrem Beruf als freie und unabhängige Schriftsteller. Frei und unabhängig stehen Sie ihm gegenüber. Gott Lob, daß es so ist!" Wenn ein Minister sich in die Gesellschaft begibt und anmuthige Reden auf die Thätigkeit derselben Männer hält, die nur zu leicht mit den Staatsanwälten ungesuchte Bekanntschaft machen und über die Unübertreff­lichkeit deutscher Rechtszustände an den idyllischen Ufern des Plötzensees elegische Betrachtungen anstellen können, so sind die galligen, zu Miß­trauen neigenden Naturen leicht versucht, an die Danaer zu denken, die Geschenke bringen. In der guten Stadt Frankfurt wurde einmal ein Schriftstellertag abgehalten. Zwischen Braten und Käse, vielleicht war es auch schon etwas später, und es war schon reichlich Sekt geflossen, erhob sich ein Polizeipräsident, und still ward's, und jedes Ohr hing an des Redners Munde. Denn, was sprach er? Er brachte ein Hoch aus auf die Preßfreiheit. Da war auch ein anderer Staatsmann, dazumal nur Oberbürgermeister von Frankfurt, inzwischen zu höheren Ehren berufen, jetzt auch mit dem Schwarzen Adler auf der Brust und Edelster der Nation geworden, und siehe da, Herr Johannes Miquel pries die Presse als mächtigstes Kultur- mittkl des Jahrhunderts. Er hatte noch die Zeit gekannt, wo man sang: „Wer die Wahrheit kennet und sagt sie frei, der kommt gewiß in die Stadtvoigtei." Vielleicht meinte Herr Miquel, das fei inzwischen anders geworden, da wir jetzt in der besten der Welten leben. Aber an dem einen Tage lieft man von Ma;estäts - Prozessen und an dem andern von Disziplinär - Prozessen. Auch Herr Hans Delbrück hat dem Festessen bei­gewohnt, wo Herr Bosse seine Freiheitsrede hielt. Wenn man die Schriftsteller beobachtete, in der That, man könnte sie bewundern ob ihrer barm-

ihrn der Page, welcher dann wieder der getroffenen Abrede zufolge nach Magdeburg zurückkehrte. Beim Abschiede empfahl Peter Meyer ihm mehr­mals ernst an, ja treu an seinem Herrn zu halten, und sich für die Sache der Bürger nicht ködern zu lassen. „Jetzt gehen unsere Wege zu­sammen, wir nutzen sie aus; aber Herr werden und Herr bleiben muß Sr. Erlaucht, der edle Markgraf Christian Wilhelm von Brandenburg. Das vergiß nie, Junker Ernst!"

Das war das letzte Wort, welches der Jüng­ling von Peter Meyer hörte. Bereits sah man Licht in der einsam gelegenen Herberge. „Gehabt Euch wohl, Meister Meyer," antwortete er, „will mir merken, was Ihr gesagt."

Damit wendete er sein Roß um und trabte munter über die hart gefrorene Landstraße, indem er sich fest in seinen Mantel wickelte.

IV. Ein stürmischer Tag.

Seit den letztgeschilderten Vorgängen waren einige Wochen in's Land gegangen. Der Winter, der seither ein recht düsteres Gesicht gemacht, zeigte leidlichere Mienen. Mariä Lichtmeß kam, und mit diesem Feste begann die Sonne recht freundliche Strahlen auf die noch winterliche Erde herabzusenden. Und als die Lerchen anfingen, wieder zum Himmel zu steigen, aus voller Brust ihr Liedchen in die Lüste zu schmettern, da war es, als ob auch die alte Heiterkeit in Gerda's Gemüth aus'S Neue erwacht sei.

Nachdem Junker Gumbert fortgegangen, schien ihr die ganze Welt öde, und sie selbst erschien sich als die Einzige, die wirklich werth war, unglücklich genannt zu werden. Mit Seufzen

losen Freude an schön gesetzten Worten. Es gab sogar einige vertrauensselige Romanschreiber, di an den Beginn einer neuen Zeit glaubten, als ob sitzt kein Held der Feder mehr hinter der eisernen Gardine die Probe auf die Preßfreiheit machen werde und kein Minister je die „wurzelechte Ar­beit des Geistes" hemmen und hindern werde. Allein schon vor Menschenaltern ist gesagt worden, die Freiheit wohne hinter Kerkermauern, und Herr Bosse, wenn er einen Schriftsteller nicht auf die Anklagebank bringt, stellt ihn doch wie Herrn Delbrück vor das Disziplinargericht, das ihn mit der Entziehung des Gehaltes und der Amtsent- setzung bestrafen und um den Preis der Arbeit eines Menschenlebens bringen kann."

h. Am Dienstag ist Ireiyerr von Soten- harr, der neue preußische Gesandte beim Vatikan, in Antrikts-Audienz vom Papste empfangen worden. Nach Drahtberichten aus Rom dauerte die Audienz eine halbe Stunde und trug einen herzlichen Charakter. Nachher wurde Freiherr von Rotenhan vom Staatssekretär Kardinal Rampolla empfangen.

* Der Alterspräsident des Reichstages und Landtages, Abgeordneter Khrikian Dieder», ist heute Vormittag 9 Uhr in feiner Heimath Herzig a. d. Mosel sanft im Herrn entschlafen, nachdem er vor einigen Tagen, am 17. Dezember, fein 88. Lebensjahr vollendet hatte. Seme sterbliche Hülle wird am letzten Tage des alten Jahres in Uerzig der heimathlichen Erde übergeben werden, fein Andenken aber wird fortleben bei allen, die >hn kannten, besonders aber bei feinen politischen Freunden. Nahezu ein halbes Jahrhundert hat der nun verewigte „Papa Dieden" als Vertreter des katholischen Volkes, ein treuer Vorkämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht, dem Parlament angehört, feit 1854 als Mitglied des Abgeord­netenhauses, feit 1874 als Mitglied des Reichs­tages. Die Centrumsfraktion verliert in ihm eines ihrer treuesten und pflichteifrigsten Mit­glieder. R. I. P.

X Das neue Gesetz über die Kommunal­wahlen soll im preußischen Landtage alsbald nach dessen Zusammentreten eingebracht werden. Ueber die Schicksale der Kanal-Vorlage wird verschieden berichtet. Während von der einen Seite angegeben wird, sie sei noch nicht so weit gediehen, daß sie alsbald dem Landtage unterbreitet werden könnte, wird von der anderen Seite berichtet, der Kaiser persönlich interessire sich in außergewöhn­lichem Maße für diese Vorlage und werde das Mögliche dazu beitragen, um d>e Vorlage dennoch bald zur Einbringung im Landtage fertig werden zu lassen. Leider wird gleichzeitig gemeldet, daß die Aufwendungen für die Maßnahmen gegen die Hochwassergefahren in Schlesien immer mehr in dem Entwürfe der Regierung zusammen- schrumpfen, je länger diese sich mit der Sache beschäftigt. Anfänglich batte man für diesen Zweck eine Summe in Aussicht genommen, die weit über 60 Millionen Mark hinausging. Jetzt sollen „Nach­prüfungen" ergeben haben, daß „der Haupttheil der erforderlichen Arbeiten mit 30 Mill. Mark sich bestreiten lasse." Es würde ja ohne Zweifel erfreulich sein, wenn derselbe Erfolg durch bessere Pläne und Anlagen mit geringeren Mitteln sich erzielen kaffen würde. Aber man wird doch k um

ging sie zu Bette, mit rothgeweuiten Äugen er­schien sie des Morgens, um ihren Vater zu be­grüßen. Sie klagte nicht, sie sprach nicht; sie wurde nur bleicher und bleicher. Cleophas Lo- cana kannte wohl den Sitz ihres Uebels, und nicht selten wünschte er alle seine guten Grund­sätze über die Verheiratung seiner Tochter zum Henker. Wäre Gumbert nochmals zur Stelle gewesen, er hätte vielleicht einen besseren Bescheid bekommen. Aber der war fort; Niemand wußte wohin, und daß Gerda eine fo ernste Neigung zu dem Junker gefaßt, das hatte er selbst nicht geahnt.

Auch ihm fehlte Gumbert an allen Ecken und Enden. Erst da er fort war, erkannte der Handelsherr feinen wahren Werth. Man hatte sich im Hause daran gewöhnt, ihn als die rechte Hand Locana's zu betrachten, wozu das große Vertrauen, welches der letztere in ihn setzte, be­rechtigte. Stets wendete man sich zuerst an ihn, und so blieb Locana von hundert Verdrießlich­keiten verschont, die jetzt wieder mit der alten Gewalt auf ihn einstürmten. Aber was nützte ihm aller Aerger: Gumbert war und blieb ver­schwunden. Er erkundigte sich unter der Hand. Er sand die Herberge heraus, wo die ganze Zeit über das Pferd des Junkers gestanden. Aber weiter hörte er nichts von ihm. Seine letzte Hoffnung war die Zeit. Wenn Gerda erst einige Monate ihr Weh um den Verschollenen getragen, dann, dachte er, würde die geschwundene gute Laune zurückkehren.. Denn am Ende verkümmert auch die Liebe, wenn sie durch nichts genährt wird.

Er war nicht wenig überrascht, diese Hoff­nung viel früher erfüllt zu sehen, als er erwar-