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mit Nnlerhattungs-Beikage „Muflrirte Sonntags-Zeitungs

Druck und Verla« der Mldaer Rmendrnckeeei! pe'erosaüe H». i (Barmonit).

25. Jahrgang.

Jutöa, Samstag, den 24. Dezember 1898.

M 294.

Wegen des hl. Weihnachtsfestes wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Dienstag ausgegeben.

ö Weihnachten.

(Nachdruck verbotiN.)

Gar viel ist in diesen Tagen vom Weihnachts­zauber zu lesen, auch in Zeitschriften und Zei­tungen, die alles eher als christlich sind. Wie oft wird da wiederholt, daß sich doch kaum Ein Mensch diesem Zauber entziehen könne, daß ein merkwürdig weiches und warmes, den moderr en Geld- und Genußmenschen sonst ganz fremdes Gefühl sie alle beschleiche. Und so unklare Ge­fühlsphilosophie auch aus solchen Betrachtungen spricht, etwas Wahres ist doch daran: auch der Ungläubige wird, wir sehen es ja fort und fort, von diesen Empfindungen vielfach mit er­griffen ; er fühlt sie, wenn er sich auch über ihre Herkunft und Bedeutung keine Rechenschaft zu geben weiß.

W:r aber wissen es. Es ist der Gedanke an die unendliche Liebe Go-tes, der seinen ein­geborenen Sohn Mensch werden ließ, um die Menschheit zu erlösen, und dieser Gedanke weckt unsere Rührung, unsere Dankbarkeit und Demuth, entzündet auch unsere Herzen zu flammender Gottes- und Nächstenliebe, erfüllt uns mit heiliger Freude underregt in uns das Bedürsniß, an dieser Freude auch unsere Mitmenschen, insbesondere die uns nahe stehen, theilnehmen zu lassen. Alles das lebt in der Brust eines Ungläubigen, Halb­gläubigen oder Lauen freilich nur noch als eine mehr oder minder dunkle Erinnerung, als ein unklares Gefühl; aber sein Ursprung gibt sich doch noch deutlich kund: jeder erkennt, daß die Liebe es ist, die dem Feste seinen eigenen Reiz verleiht. Darum beschenken wir uns, darum fühlen wir uns so merkwürdig erwärm^ gerührt und einander näher gebracht unter dem kerzen­schimmernden Weihnachtsbaume. Freilich, gar zu viele denken nicht daran, daß der Funke der Liebe, der so in ihnen sich neu entzündet und belebt, göttlichen Ursprungs ist; göttlichen Ursprungs, wie das Fest, das sie feiern; wie die Kirche, die es eingesetzt hat; wie das Christen- thum, dessen Gaben sie festhalten, dessen Wahr­heiten sie aber nicht anerkennen wollen.

Eine dunkle Ahnung davon, daß er auf dem falschen Wege ist, daß Zwiespalt in seinem Herzen herrscht, mag wohl manchen von diesen Unglücklichen einen Augenblick ruhig machen, wenn er so unter den Kerzen des Christbaumes steht und den Einfluß des Weihnachtszaubers fühlt. Aber diese Regung dauert leider meist nicht lange. Zu sehr haben Weltlust und eitler Wabn sie umfangen und ihr Herz wie mit Eis um­klammert, als daß diese harte Eisrinde so schnell unter den flüchtigen Strahlen des Weihnachts- lichtes dahinschmelzen könnte.

friirr, Schwirl und Fsckel.

Sine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

------- (Nachdruck verboten.)

Gumbert war noch nicht zwei Stunden in seinem Sinnen verloren dahin geruten, so begegnete ihm ein sonderbares Paar. Een kleiner, hagerer Mann mit spitzer Nase, dünnen Lippen und oorstehen- dem Kinn saß auf einem Maulthiere, das Schritt um Schritt langsam daher kam. Er war voll­ständig in einen mit Fuchspelz besetzten und ge­fütterten Mantel von braunem Wollenbieber ein­gehüllt, aus welchem oben der kleine, mit einem ungeheuren Hute bedeckte Kopf, unten ein paar mit wildledernen Reitstiefeln bedeckte Füße heraus- fahen. Jeden Augenblick klirrten in den Steig­bügeln die fast fußlangen Sporen. Daneben kam denn auch noch an der linken Seite die Spitze eines langen Schwertes zum Vorschein.

Kleidung und Rüstung erschienen beinahe ziembch kriegerisch, und doch hätte den Reiter Niemand für einen Krieger gehalten. Denn dem widersprach das glatt rasirte Gesicht und die grauen Augen, die zwar recht tückisch, aber durchaus nicht kühn dreinschauten; dem widersprach die Sorgfalt, womit sich der Herr gegen die rauhe Witter» g schützte, die Unbeholfenheit, mit welcher er auf seinem Maulthiere saß, und vor Allem seine Beschäftigung. Der Zügel seines Thieres lag ruhig auf dem Halse desselben. Am Sattel­knopfe hing eine Mappe, aus welcher er ein Papier cherausgenommen hatte, welches er entfaltete und emsig studirte.

Und doch, wer wollte sich vermessen, zu sagen: es ist alles umsonst, und diese all­gemeine Weihnachtsfeier ist zwecklos? Wer kennt die Wege der göttlichen Weisheit, wer ihre Voraussicht? Wer kann wissen, ob es sich nicht, vielleicht eher, als wir ahnen, als heilsam erweist, daß nicht alle Beziehungen zwischen dem Reiche Gottes und den Kindern dieser Welt ge­schwunden sind?

Auch uns, die wir das unverdiente Glück haben, im Lichte des Glaubens zu leben, erwächst hier eine heilige Aufgabe: die Liebe, von der jene, die das Licht des Glaubens nicht mehr oder nur noch dunkel sehen, nur noch einen schwachen Schimmer heute schauen und fühlen, müssen wir der Welt zeigen in ihrer ganzen Macht und Herrlichkeit! Die Welt soll bewundernd schauen die Zeugnisse unserer Liebe zu Gott — unsere Frömmigkeit, unseren lebendigen Glauben, unsere kirchliche Treue, unser festes Zusammenhalten,unsere herrlichen Dome und weihevollen Kirchen — und ebenso die Beweise unserer Liebe zu dem Nächsten, die in Werken der Charitas wie auch im Wirken für die Allgemeinheit, in der Stille wie in der Oeffentlichkeit, das Christenthum, die Kirche als die wahrhaft soziale Macht erkennen läßt.

Wie Johannes, der große Vorläufer Christi, so sollen auch wir Zeugniß geben von dem Lichte. „Dieser kam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß von dem Lichte gäbe, auf daß alle durch ihn glauben möchten." So können und sollen auch wir alle durch unser Zeugniß, unser Beispiel Werkzeuge sein in der Hand der göttlichen Vorsehung. Wir sollen und können zeigen, daß die Grundsätze des Christenthums es sind, die allein das Heil und die Rettung der menschlichen Gesellschaft verbürgen. Die Liebe ist es, die uns dieses Gebot gibt, die uns auf­fordert, uns jedes Elendes, des geistigen zumal, zu erbarmen und von dem, was wir be­sitzen, unseren Nächsten mitzutheilen. Und was besitzen wir Köstlicheres als unseren Glauben an den eingeborenen Sohn des allmächtigen Vaters, an das göttliche Kind in der Krippe, das herab­gekommen ist, um alle Menschen selig zu machen! So muß auch die Welt, die ganze Welt ihn noch als das. wahre Licht er kepnen, dapu wird auch sie voll himmlischer Freude mit dem Evangelisten ausrufen:

„Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit."

Deutsches R^ch.

Berlin, 23. Dezember.

* Zu der Krnenuttug des Hrafen von Zed- kitz Grützschker zum Oberpräsidenten von Hessen- Nassau schrerbtdie,Deutsche Tageszeitung':

Wir bedauern die Berufung, da sie der schlesischen Landwirthschastskammer ihren trefflichen, tüchtigen und hochverdienten Vorsitzenden nimmt. Graf Zedlitz hat in der Bewegung der Landwirthschaftekammern bisher eine führende Rolle gespielt und war dazu geschaffen wie kaum einer. Wir sind überzeugt, daß wir im Namen der deutschen Landwiithschaft sprechen, wenn wir ihm herzlichst danken sür alles das, was er an seiner Stelle für die Land- wirthschaft gcthan hat. Wir beglückwünschen die Provinz zu ihrem neuen Oberpräsidenten und glauben, sicher hoffen

In diese Beschäftigung war er so versunken, daß ej: erst in nächster Nähe durch den Huf­schlag des langsam dahertrabenden Rosses Gum- berts aus seinen Sinnen geweckt wurde, und als er den Reiter aus der Richtung von Magdeburg kommen sah, erschrak er, steckte schnell sein Papier in die Mappe und griff nach den Zügeln. Beim Vorüberreiten warf er Gumbert einen Blick zu, der kühnen Trotz ausdrücken sollte, aber der Junker wußte das nicht zu deuten. Indem er den älteren Mann höflich grüßte, ritt er zur Seite und lächelte dabei im Stillen über den sonderbaren Aufzug.

Eine halbe Pferdelänge hinter dem Reiter folgte auf einem leichten Rößlein ein Bursche von etwa sechzehn Jahren, von dem man nicht recht mußte, was man aus ihm machen sollte. Das Benehmen des Jünglings schien anzudeuten, daß er in Diensten des Aelteren stehe, aber eine fast ritterliche Kleidung und Haltung ließ den Gedanken an einfachen Diener nicht aufkommen. Auch er trug ein leichtes Schwert an der Seite, und an seinem breitkrämpigen, grauen Filzhute flatterten einige dunkle Federn. Das Gesicht strahlte in harmloser Jugendlust, aber sein munteres Rößlein wußte der Knabe zehnmal besser und leichter zu lenken, als der Herr sein starkes Maulthier zu führen verstand.

Kaum fünf Minuten nach der Begegnung mit diesem so eigenthümlichen Paare, sah Gum­bert, wie der Wind mit einem großen Bogen Papier spielte. Aber sonderbarer Weise wurde das Papier nicht in die Lüfte gehoben, sondern nur aufrecht gestellt, es mußte ein schwerer Gegen­stand an ihm haften, der es nieder hielt; und als

zu können, daß er auch an seiner neuen Stelle die Interessen aller ehrlichen Arbeit in Stadt und Land mit der ihm eigenen maßvollen Entschiedenheit wahren wird.

X Herr Kr«k, Direktor der städtischen Töchter­schule in Schneidemühl, hat sich als Abgeord­neter in den Reichstag wählen lassen. Dies ist nicht mit der Einwilligung der Stadtväter von Schneidemühl geschehen, und nun haben diese bekanntlich beschlossen, auf Kosten des Herrn Ernst eine Lehrerin als besondere Hilfskraft anzustellen, damit die Lehrkraft des Herrn Ernst während dessen Abwesenheit im Reichstage ersetzt werde. In der freisinnigen Presse — Herr Ernst ist näm­lich Mitglied der freisinnigen Vc lkspartei — hat dieses Vorgehen der Schneidemühler Herren einen kleinen Sturm der Unwillens entfacht; und ohne Zweifel widerstreotes dem Volksgefühl. Nach dem Geiste unserer Verfassung soll ja auch Nie­mand an der Ausübung eines parlamentarischen Mandates gehindert werden. Aber die Rechts­praxis, wie sie bisher geübt worden ist, spricht gegen Herrn Ernst. Der konservative Abgeord­nete Kropatschek, j tzt Schriftleiter der,Kreuz- ztg.', war ehedem Oberlehrer am städtischen Gymnasium in Brandenburg a. d. Havel, und als er als solcher ein parlamentarisches Mandat ännahm, mußte er monatlich 150 Mk. für seine Vertretung bezahlen. Und ebenso wird ganz neuerdings noch mitgetheilt, daß es einen ähnlichen Fall in Görlitz gegeben hat. Dort nahm der besoldete Stadtralh R au tke im Jahre 1876 ein parlamentarisches Mandat an und weigerte sich, seine Stellvertretung zu bezahlen. Die Stadt Görlitz verklagte ihn und gewann den Prozeß. Danach kann also kaum noch ein Zweifel darüber bestehen, daß Leute, die in städtischen Diensten sich befinden, nicht ohne weiteres ein parlamentarisches Mandat auf Kosten derjenigen Stadt ausüben dürfen, von der sie ihre Stellung erhalten haben. Im preußischen Landtage soll alsbald nach feiner Eröffnung am 16. Januar von der Regierung ein Gesetz­entwurf ein gebracht werden über die Dienst- Verhältnisse der Komm unal be am t en. Es würde sich vielleicht empfehlen, bei dieser Gelegenheit auch die Frage von der Ausübung parlamentarischer Mandate durch Kommunal­oeamten zur Sprache zu E-ge«. Denn dem allgemeinen Volksgefübl entspricht es auf keinen Fall, daß den Kommunalbeamten diese Ausübung verwehrt werden soll, während sie, wie sattsam bekannt, den Staatsbeamten nicht verw-hrt werden darf.

+ In der Provinz Posen werden syste­matisch die geistliche« Llreisschnkinspeklore« ihres Amtes enthoben und durch weltliche unmittelbare Staatsbeamten ersetzt. Im Regier­ungsbezirk Bromberg hat man damit, wie bekannt, begonnen; jetzt soll damit im Regierungsbezirk Posen fortgefahren werden. Das ist, so wird berichtet, die sogenannte „Reform", die der preußische Kultusminister in der letzten Sitzungs­periode des preußischen Landtages angekündigt hat. Vielleicht kommt doch noch einmal der Tag, an dem es den Konservativen ktar wird, welche Dummheit sie begangen haben und noch fortgesetzt begehen mit ihrer bedingungslosen Unterstützung der Schulpolitik der preußischen Gumbert näher kam, sah er, daß das eine höl­zerne Kapsel war, wie solche die Bleisiegel an öffentlichen Urkunden zu verschließen pflegen.

Gumbert hielt sein Pferd an und stieg ab. Das Papier konnte wohl für irgend Jemanden ein großes Interesse haben, und das mußte sich ja aus dem Inhalte des betreffenden Schreibens ergeben. Er hob das Papier auf und las vor allem die Unterschrift, welche zu seinem nicht ge­ringen Erstaunen lautete: „Wilhelm von Branden­burg, des Reiches Markgraf und Administrator des Erzbisthums Magdeburg." Nicht ohne Neu­gier las nun Gumbert den Eingang. Derselbe lautete: „Unserem lieben und getreuen Ralhs- herren unserer guten Stadt Magdeburg Bruno Gilden, und dem ihm zugewandten Personen im Rath und Bürgerschaft senden wir anmit durch unseren Gcheimschreiber Peter Meyer unseren landesherrlichen . . ."

Durch den Hufschlag eines herangaloppirenden Rosses wurde 'Gumbert in der weiteren Ent­zifferung des Schriftstückes unterbrochen. Als er ausblickte, sah er den jungen Gefährten des Maulthierreiters heransprengen und im nächsten Augenblicke parirte er sein Roß vor Gumbert.

„Ich sehe, Herr Ritter," sagte er, seinen Filzhut im Gruße berührend, „Ihr habt den Brief gefunden, den mein Herr verloren haben muß, als er feine Mappe öffnete. Bitte, gebt ihn mir; für uns ist er wichtig, und Euch kann er nichts nützen."

„Gemach, mein junger Fant!" meinte Gum­bert lächelnd. „Den Brief habe ich hier ge­funden, ob er aber Deinem Herrn gehört, das weiß ich nicht. Wie heißt Dein Herr? '

Regierung, wie sie unter dem gegenwärtigen Regimente des Herrn Ministers Dr. B o s f e und seines allgewaltigen Volksschul - Geheim­rath es sich gestaltet.

G In einer westpreußischen Versammlung des Kundes der Landwirthe hat dessen Präsident, Herr Freiherr von Wangenheim, eine absonderliche Aeußer ung über das Centrum gethan. Er hat nämlich dort gesagt, das Centrum nehme zum Bunde der Landwirthe noch eine „unklare Stellung" ein; deswegen müsse es der Bund der Landwirthe „als seine Aufgabe betrachten, seine Ansichten auch in diese Partei hineinzutragen". Natürlich steht es dem Bunde der Landwirthe frei, diesen Versuch zu machen. Aber nützen wird ihm das nicht viel. Denn nichts auf der Welt kann klarer fein, als die Stellung des Centrums zum Bunde der Land­wirthe: in der Beurtheilung mancher wirt h- fchaftlichen Fragen werden sich beim Centrum sowohl, als auch beim Bunde der Landwirthe Leute finden, die einer und derselben An­schauung huldigen. Aber das ist auch alles. Davon dagegen kann niemals die Rede sein, daß das Centrum auch äußerlich irgend wie gemeinsame Sache mit dem Bunde der Landwirthe machen möchte. Das Centrum macht sich zur Aufgabe die Versöhnung der wirth- schaftlichen Gegensätze; der Bund der Landwirthe aber f chürt diese Gegensätze durch seine einseitige, zum Theil maßlose Agitation ohne Unterlaß. In diesem Sinne passen also Centrum und Bund der Landwirthe zu einander wie Waffer und Feuer, und Herr von Wangenheim hat durch seine west- preußische Rede eine Unkenntniß der Verhältnisse verrathen, wie er sie in seinem eigenen Interesse besser nicht hätte erkennen lassen sollen; und that- sächlich lehnen ja sogar die ausschließlich land- wirthschaftlichen Körperschaften nach der Art der Bauernvereine in Schlesien, Westfalen und der Rheinprovinz jede Gemeinschaft mit dem Bunde der Landwirthe ab.-Was in aller Welt also kann hierbei noch „unklar" sein?

(Weitere politische Nachrichten befinden sich im zweiten Blatte.)

Ausland.

ft Karis, 23. Dez. Der frühere Minister Constans wird französischer Botschafter in Konstantinopel. Diese Ernennung be­deutet gewissermaßen ein Programm. Erstens weiß man, daß Herr KonstanS der Frage von der Schutzherrschaft über die Katholiken im Orient wenig Bedeutung beimißt. Zweitens aber gilt Herr Constans als ein Mann von sehr energischen Anschauungen in der ägyptischen Frage. Für Deutschland ist die Ernennung also angenehm, für England aber das Gegen- theil davon.

* Gonkonse, 23. Dez. Gestern Abend drang eine Schaar Antisemiten in eine zu Gunsten Dreyfus' einberufene öffentliche Versammlung in dem Augenblick» ein, als Pressensö das Wort er­griffen hatte; es entstand eine Schlägerei, bei welcher mehrere Personen verletzt wurden. Als die Polizei den Saal räumte, wurden auf der Straße die Kundgebungen fortgesetzt; einige Schau-

„Nikolaus Werner," antwortete treuherzig der Knabe.

„Siehst Du, bann gehört der Brief nicht Deinem Herrn, denn gleich im Anfänge steht ge­schrieben, daß der Ueberbringer dieses Briefes Herr Peter Meyer heißt."

Der Knabe schlug erröthend das Auge zu Boden; aber nur einen Augenblick, dann sagte er vollständig ruhig:

„Das ist ganz richtig, Herr; hättet Ihr mich danach gefragt, so würd' ich Euch das gleich gesagt haben. Wir sollen den Brief an Herrn Peter Meyer in Magdeburg bringen."

„Dann wirst Du mir jedenfalls auch sagen können, an wen der Brief gerichtet ist?"

„Gewiß, gnädiger Herr!" antwortete der 'Knabe mit anscheinender Harmlosigkeit. „An den Ralhsherrn Bruno Gilden in Magdeburg."

„Das ist richtig; und hier hast Du den Brief. Wenn Du mich vorhin mit dem Namen Deines Herrn belogen hast, dann nimm Dienste in einer hochfürstlichen Kanzlei; Du wirst es als Unter­händler und Gesandter noch weit bringen!“

„Ich danke für Euren guten Rath und will sehen ob es sich lohnt, denselben zu befolgen," meinte der Jüngling, indem er sein Roß wandte und in sausendem Galopp dahin stob.

Bei seinem Herrn a-gefommen, reichte er diesem den Brief hinüber.

„Da habt Ihr Eure Vollmacht wieder. Euer Gnaden; aber eine Dummheit ist's, die Akten unter Eurem wahren Namen auszustellen, wenn Ihr Euch hier als Nikolaus Werner aufspielen wollt."