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sar Inserate s,mit Anterhakkungs-Aeikage „Issustrirte Sonntags-Zeitung" petersgajfe Nr. o (Barmouie)

JuLöa, Freitag, den 23. Dezember 1898.

Jfä 293.

25. Jahrgang.

© Gras Zedlitz-Trützschler.

Der liberalen Presse ist ganz klapperbeinig M Muthe, als sei ihr ein Gespenst erschienen. Stehen die Tobten wieder auf? stammelt die ,Vossische Zeitung', die immer auf der Wache steht, ob nicht irgendwo „die finstere Reaktion drohend das Haupt erhebt". Es hat nichts zu bedeuten, sucht sie sich dann zu be­ruhigen ; d r erstarkende Einfluß der Orthodoxie und Reaktion sei ja eine offenbare Thatsache und brauche nicht erst durch neue Zeichen bestätigt zu werden. Und doch, eben weil es so ist, scheint die Ernennung des Vaters des „vom Sturm der Volksentrüstung hinweggefegten" Volksschul- gesetzes, wie die .Freisinnige Zeitung' „so schön sagt", zum Oberpräsidenten von H:ffen- Rassau dermaßen bedenklich, daß das Blatt ihr noch einen eigenen Leitartikel widmet. Da kommt es dann nach gründlicher Erwägung des Für und Gegen zu der Ansicht, 1) daß die Ernennung kein Beweis für die reaktionäre Richtung des allerneuesten Kursus sei, und 2) daß Graf Zedlitz wieder Kultusminister werden und sein „unglückliches Schulgesetz" wieder vorlegen iönnte. Zu, Gute kommt ihm, daß Dr. Bosse es längst mit den Liberalen verdorben hat und die ,Voss. Ztg.' in diesem Augenblicke besonders böse über die Maßregelung des Professors Del­brück ist. „Graf Zedlitz hätte niemals eine so freiheitsfeindliche Verwaltung geführt, wie Herr Bosse", spricht sie als ihre „feste Ueberzeugung" aus.

Wir wollen dem „freisinnigen" Blatte gestehen, daß wir darin seine Ansicht theilen. Graf Zedlitz ist überhaupt kein „Reaktionär", sondern «in Mann, der R)cht und Gerechtigkeit auf­richtig, ohne Voreingenommenheit und ohne bureau- kratische Engherzigkeit und Verknöcherung anstrebte. Wir haben die Ueberzeugung, daß auch die Be­schwerden der Katholiken und ihrer Ver­treter bei ihm nicht die tauben Ohren gefunden hätten, die sie bei seinem Nachfolger finden. Er ist von viel zu ritterlicher Gesinnung, als daß er z. B. die polizeilichen und bureaukratischen Be­lästigungen katholischerOcdensschwestern mit „wohl­wollenden" Redensarten und der Berufung auf das „bestehende Gesetz" vertheidigt hätte. Eine derartige Behandlung wäre ihm zu kleinlich vor­gekommen, als daß er sie auf die Dauer geduldet hätte. Graf Zedlitz ist vor allem ein Man n. Das hat er bewiesen, als seine Kollegen, die den Schulgesetzentwurf mit unterschrieben hatten, sich vor der künstlichen Entrüstungskomödie zurück­zogen. Er nahm seinen Abschied und ließ sich nicht halten, während seine Kollegen weiter nichts dergleichen thalen und, wie ein Blatt mit Recht bemerkt, heute ohne Zweifel bereit sein würden, ihren Namen unter ein neues Zedlitz'sches Schul­gesetz ,u setzen. Nur Graf Caprivi hatte Selbst- bewußtsein genug, mit ihm abgehen zu wollen. Daß er sich schließlich halb und halb zum Bleiben bewegen ließ, hat ihm vermuthlich später selbst leid g. ihm. Seitdem Rücktritt des Grafen Zedlitz sind nur es nicht mehr gewohnt, daß Minister ihrer Ueberzeugung ihr Portefeuille zum Opfer bringen. Wenigstens traut kein Mensch heute mehr einem Minister zu, daß er nicht die eigene Ansicht in militärischem Gehorsam einer höheren

Mr, Schwert u«d faditl.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Bon Philipp Wasserburg (Laieus).

5 ------ (Nachdruck verboten.)

„@s ist gut, Herr Locana," unterbrach ihn der Junker auffahrend. „Ihr habt mir Euere Ansicht milgetheilt, und ich kann nicht leugnen, fte ist kaufmännisch recht vernünftig. Ich habe aber vom Werthe eines Mannes andere Begriffe, als daß ich ihn einzig in Stellung und Vermögen suchen sollte."

„Ihr seid gekränkt . .

Der Junker winkte ihm mit der Hand.

„Als ich arm war und ein Diener Eures Hauses, da hab' ich das nicht bedacht, wie ich mich Eurer Tochter in Ehren und Treuen ergab; unv ich hoffe zu Gott, sie that das ebenfalls nicht. Ich wünsche Euch nichts Böses: aber möget Ihr Stellung und Vermögen verlieren, damit Ihr auch erfahret, was der Mann eigentlich werth ist. Lebt wohl!"

„Ihr wollt gehen?" fragte Locana unangenehm überrascht. „Noch in der Nacht?"

„Ihr zweifelt? Herr Locana, da Ihr mir doch den Weg gezeigt habt. Eure Tochter zu er­langen: ein Geschäft, das uns nährt, ein Haus, worin ich sie führen kann! Das Eure habt Ihr von Euren Vätern geerbt; das meinige mag zwar kleiner sein, aber das hab' ich mir gegründet."

„Nun, so wartet bis morgen; gerade auf Neujahrstag . . wir müssen auch abrechnen."

ohne Wimperzucken unterordne. Wer das „Sich- fügen" am besten versteht, hält sich am längsten auf dem Sessel. Die Anerkennung zollen dem Grafen Zetzlitz selbst seine Gegner, daß er ein offener, fester, ritterlicher Charakter und kluger Mann ist und im Verwaltungs­dienste trotz seines ihm als Minister oft vorge­worfenen unregelmäßigen Bildungsganges aus­gezeichnetes geleistet hat. Auch Fürst Bismarck hat ihm in seinen „Gedanken und Erinnerungen" seine praktische Tüchtigkeit und sein klares, gesundes Urtheil bezeugt, wo er auf den 1884 neu ein­gerichteten Staatsrath zu sprechen kommt.

Ein Zeichen für irgend eine neue politische Wendung vermögen wir in seiner Berufung zum Oberpräsidenten nicht zu erblicken. Dem Kaiser kam s. Z. sein Abschiedsgesuch fast über­raschend und unerwünscht; er hatte gar nicht daran gedacht, daß der Kultusminister den Sturz des Schulgesetzes zum Anlaß für seinen Rücktritt nehmen könne, wohl weil er nach seinen bisherigen Erfahrungen bei seinen Ministern so etwas gar nicht für möglich gehalten hatte. Er sprach in einem Handschreiben an den scheidenden Mini­ster die Hoffnung aus, auch in Zukunft auf seine Dienste rechnen zu können. Nun­mehr hat er auf diese vortreffliche Kraft zurück- gegriffen. Daß mehr dahinter zu suchen sei, kön­nen wir leider nicht glauben. Wenn deute die Einen mit Besorgniß, die Anderen mit Hoffnung an das Zedlitz'fche Schulgesetz erinnern, so liegt weder zur Besorgniß noch zur Hoffnung ein Grund vor. Daß Graf Zedlitz wieder einmal Kul­tusminister werde, ist doch, soweit man gegen­wärtig sehen kann, nicht zu erwarten; und daß ein anderer Minister seinen Gesetzentwurf auf nehme, erst recht nicht. Sind doch selbst die Konservativen, welche, wie die ,Krenzztg.' ver­sichert, „stets mit aller Energie" ein konfessionel­les Volksschulgesetz fordern werden, nicht damit einverstanden. Wer sich heute beklagt, daß im „Ministerium des Geistes" so wenig freiheitlicher Geist waltet, hat nicht minder Grund, den Rück­tritt des Grafen Zedlitz zu bedauern, als die­jenigen, welche aufrichtig das Zustandekommen seines Schulgesetzes wünschen. Denn dieses Ge­setz hätte nicht eine einzige der furchtbaren Folgen gehabt, die man im Paroxysmus der „Entrüstuna" zu sehen behauptet; Graf Zedlitz als Kultusmini­ster wäre aber auch für feine Gegner nicht der engherzige und bureaukratische Reaktionär gewor­den, den sie in ihm entdeckt haben wollten.

Jndeffen was nützen solche rückblickenden Be­trachtungen über das, was hätte fein können? Für die Centrumspartei heißt es, sich mit dem beschäftigen, was ist. Diebevorstehende Landtags-Session wird zeigen, daß das Centrum mit sehr vielen Dingen im Gebiete des Kultus­ministeriums nach wie vor nicht zu finden und durchaus nicht willens ist, dazu zn schweigen, etwa weil es im Reichstage ausschlag­gebende Partei ist und Angst hätte, es mit der Regierung zu verderben.

lieber den Lebenslauf des neuen Ober- präsidenden unserer Provinz Hessen-Naffau dürften folgende Daten von allgemeinem Jntereffe fein:

Karl Eduard Robert Graf v. Zedlitz und Trützschler, einem alten schlesischen Geschlechte ent­stammend, das 1764 in den Grafenstand erhoben wurde.

„Es ist jetzt drei Uhr; bis um vier Uhr hab' ich meinen Mantelsack gepackt. Noch steht mein Pferd und mein Schwert in der Herberge, wo ich abstieg, bevor ich Euch aufsuchte. Einer Ab­rechnung bedarf's nicht. Gehabt Euch wohl, wir sehe» uns wieder."

Der Junker schritt stolz zur ThÜre; als et sie öffnete, stand er vor Gerda.

„Gott Dank, daß ich nicht gehen muß ohne Abschied. Gedenke meiner, mein Lieb, bewahre mir die Treue, wie ich es auch Dir lhue; jetzt reißt uns Dein Vater auseinander; aber es wird der Tag kommen, da wir uns Wiedersehen, um uns nicht mehr zu trennen!"

Der Junker hatte die Hand Gerdas ergriffen, jetzt drückte er einen Kuß auf ihren Mund, und fort stürmte er, ohne eine Antwort abzuwarten, auf fein Kämmerlein, um dort seine Siebensachen zusammenzuraffen.

Cleophas Locana hatte das ruhig geschehen lassen. Gumbert ging; darüber war kein Zweifel, und das that ihm sehr leid; aber unter den gegenwärtigen Umständen war das doch das Beste, was geschehen konnte, und dann schien ihm die Liebe der beiden jungen Leute keine besondere Bedeutung mehr zu besitzen. So ließ er sie in feiner Gegenwart gewähren und erachtete die Zeit als den besten Verbündeten, um diese Liebe, deren Aufrichtigkeit ihm außer Zweifel stand, im Sande verrinnen zu lassen. Denn aus den Gründen, welche er dem Junker gesagt, glaubte er nicht, daß diese Ehe das Glück seiner Tochter verbürge.

Inzwischen eilte Gerda aus ihren Vater zu.

ist am 8. Dezember 1837 geboren, also kürzlich 61 Jahre alt geworden. Er stand von 1856 bis 1862 als Offi­zier im Regiment der Gardes du Corps und übernahm sodann die Verwaltung seines väterlichen Gutes Nieder- Großenborau im Kreise Freistadt. Den Feldzug gegen Oesterreich machte er als Adjutant der 11. Kavallerie- Brigade mit und war während des Krieges gegen Frankreich Adjutant beim stellvertretenden Kommando des Gardekorps. In den folgenden Jahren war er sehr thätig auf dem Gebiete der Kreis- und Provinzial­verwaltung sowie in dem landwirthschaftlichen Vereins­leben Schlesiens; er wurde u A. Vorsitzender des Pro- vinzial-Ausschusses und Mitglied des Landesökonomie- Kollegiums. 1881 wurde er, ohne je vorher im Ver­waltungsdienst gestanden zu haben. Regierungspräsident in Oppeln. Nachdem er 1884 zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat Excellenz ernannt, Mitglied des Staatsrathes geworden war, wurde er am 12. Juli 1886 Oberpräsident von Posen und gleichzeitig Präsident der neu errichteten Anstedelungskommiflion. Im März 1891 erfolgte seine Ernennung zum Minister der geist­lichen rc. Angelegenheiten; er kam in diese Stelle für Herrn v. Goßler. Ein Jahr später nölhigte ihn das Schicksal des Schulgesetzes, seine Entlassung einzureichen, die ihm unter Belassung des Titels und Ranges als Statsminister be­willigt wurde. Den Anlaß zur Einreichung des Ent­lassungsgesuches hatte er in hervorragender Weise Herrn Johannes v. Miquel zu danken, dem jetzigen preu­ßischen Finanzminister und Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums. Herr v. Miquel stand damals als Anführer an der Spitze des liberalen „Rütli-Bundes", der das Zustandekommen des vortrefflichen Zedlitz'schen Volksschulgesetzes auf konfessioneller Grundlage vereitelte.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Dezember.

0 Der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin, Herr von Szögyeny-Marich, hatte für letzten Dienstag eine wiederholte Audienz beim Kaiser erbeten. Diesmal geschah das zu dem Zwecke, um einen Brief des Kaisers Franz Joseph zu überreichen. — In den nächsten Tagen wird der Kaiser den russischen Botschafter, Baron von Osten-Sacken, empfangen, um ein Handschreiben des Zaren Nikolaus entgegenzunehmen.

0 Das preußische Staalsmiuisterium hat heute (Donnerstag) eine Sitzung unter dem Vor­sitze des Staatsministers von Miquel abge­halten. In der letzten Sitzung vor dem Weih­nachtsfeste pflegt über die verschiedenen Aus­zeichnungen und Beförderungen berathen zu werden, die von den, verschiedenen Ressorts beantragt sind.

* Der ,Reichsanzeiger' meldet in seinem amt­lichen Theile: Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, den Oberpräsidenten, Wirklicken Geh. Rath Issagdeönrg zu Kassel zum Chef-Präsidenten der Oberrech­nungskammer zu ernennen.

X Eine längere Darlegung an der Spitze der oberoffiziösen ,Nordd. Allgem. Zeitung' be­schäftigt sich mit der beabsichtigten Wlutzregekung des Professors Kans Dekvrück. Man er­sieht daraus zunächst, daß der Herr Kultusminister Dr. Bosse es gewesen ist, der die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen Delbrück verfügte. „Za diesem Vorgehen — so wird in der offi­ziösen Darlegung bemerkt — war ein Beschluß des Staatsministeriums nicht erst nöthig. Der Herr Kultusminister hat in der letzten Sitzung des Staatsministeriums lediglich davon Mitthei- lung gemacht, daß er ein Einschreiten gegen den Prof. Delbrück wegen dessen außeramtlichen Aeu-

„Laß' ihn nicht gehen, Vater," rief sie ver­zweifelt. „Du vernichtest mein Glück!"

„Ich bewahre Dein Glück, Gerda! Es ist sehr spät; ruhe noch einige Stunden; ich will es auch!"

„Vater! Ich erkenne Dich nicht wieder!" sagte sie, die Hände ringend; „Du bist mir stets gütig gewesen."

„Und heute noch mehr als je. Du hast ge­horcht, Gerda; das ist nicht recht; aber ich ver­zeihe es Dir. Es ist mir sogar angenehm; denn ich brauche Dir jetzt nicht zu wiederholen, was ich ihm gesagt. Ich werde Dich nie einem Manne zur Frau geben, welcher Dir nicht eine Stellung und ein Heim anbieten kann."

„Wohlan, Vater! Du willst es," erwiderte Gerda; „und ich werde nie einen gndern Mann nehmen, als ihn."

„Gerda," bemerkte Lscana ernst, „ich bin Deinen Wünschen durchaus nicht entgegen, wenn Du sie in kindlicher Demuth mir vorbringst. Du sprichst im Trotze. So sage ich Dir, Du wirst den Mann nehmen, den ich Dir zuführe, und das wird ein Mann sein, der an Stellung und Ver­mögen mir ebenbürtig ist."

„Vater! Verzeihe!"

„Nichts mehr!" erwiderte Locana streng. „Ich bin Raths Herr dieser angesehenen Stadt, meine Worte werden selbst im kaiserlichen Rache be­achtet, und da kommt ein Fant, der nichts hat, als feinen Stammbaum, ein Roß, ein Schwert und einen Rock, und verlangt meine Tochter zur Frau, damit sie fein Wappenschild vergolde.

fjetungen im letzten Hefte der Preuß. Jahrbücher für nothwendig gehalten habe. Daß inbeffen das Staatsministerium die Disciplinirung des Prof. Delbrück ebenso rückhaltlos billigt, wie es die Ausweisungsmaßregeln im nördlichen Schleswig einmüthig gutheißt, kann auch nicht dem Schatten eines Zweifels unterliegen." Diese letzte Ver­sicherung klingt insofern ein wenig auffällig, als bisher Niemand eine Uneinigkeit des Staats­ministeriums in dieser Sache vorausgesetzt, oder doch eine solche Vermuthung nicht öffentlich ausgesprochen hatte. Weiterhin wird auf den „groben Klotz" des Professors Delbrück ein bei­nahe noch „gröberer Keil" gesetzt. „Unerhörte Beschimpfung des Vaterlandes" — „empörende Bloßstellung desselben (des Vaterlandes) dem Auslande gegenüber" — „Unfähigkeit zum Amte eines Geschichtsproftssors" — „unwürdige Be­schimpfung der Regierung", das sind die Ge­schosse, die der Offiziosus gegen den Professor Delbrück auffährt. Aber man kann unmöglich zugeben, daß die Sache dieses letztem durch ein solches Schimpfen schlechter wird. Der Sache der preußischen Staatsregierung gegen den Pro­fessor Delbrück wäre mit einer etwas vornehmem Tonart besser gedient gewesen. Inzwischen ist das Januar-Heft der Preußischen Jahr­bücher erschienen, und in diesem äußert sich Prof. Delbrück neuerdings über dasselbe Thema in so gemäßigter Weise, daß die Regierung schon da­raus ersehen sollte, wie höchst übeifluffig ihr Vorgehen gegen Pros. Delbrück ist. Aber auf jeden Fall ist es eine höchst wunder licke Auffassung, demjenigen P.osessor die Fähig­keit zum Amte abzusprechen, der es wagt, der Regierung und ihren Maßregeln Oppo­sition zu machen.

* Die ,Voss. Ztg.' bringt einen „Do« Simfon z« ZLatkeftrem" überschriebenen Ar­tikel, der den Zweck verfolgt, den „Niedergang" hervorzuheben, der nach Ansicht der.Vossischen Ztg.' darin liegen soll, daß auf den ersten Präsidenten des deutschen Reichstags, Sim so n, heute der Centrumsabgeordnete Graf Balle­st rem als Präsident gefolgt ist. Wir können der,Vossischen Ztg.' es lebhaft nachsühlen, daß ein Simson auf dem Präsidentensitze des Reichs­tages ihr sympathischer wäre als der deutsche Graf Ballestrem, und daß sie auch lieber einen Muhamedaner oder Buddhisten an der Stelle sähe als den Centrumsabgeordneten; aber da wir nun einmal nicht im Orient leben, sondern im deutschen Reiche, wird sie sich damit ab­finden müssen, daß es doch richtiger ist, einen Deutschen zum Präsidenten zu wählen als den Abkömmling einer orientalischen Rasse. Die Flegelei gegen den Grafen Ballestrem, die sie am Schluffe zwar unterdrückt, aber doch andeutet, hätte sie ruhig verüben können, denn die ,Vossische Ztg.' ist kaum im Stande, anständige Leute zu beleidigen.

x Die Entscheidung des Bundesrathes in der lippescheu Ghroufolge-Irage soll nach neuesten Meldungen angeblich im Anfänge des Monats Januar erfolgen. Auch diese Meldung sei hier gleich den vielen verzeichnet, die ihr vor­aufgegangen sind. Gleichzeitig soll schon jetzt feststehen, daß der Bundesrath „fast einstim­mig" sich für zuständig in dieser Sache er-

Meinen Eidam suche ich mir in den rathsherr­lichen Familien."

„Es ist gerecht, daß Ihr mit so strenge Worte sagt," bat Gerda; „ich habe sie verdient; aber, Vater, das werdet Ihr nicht thun! Sagt mir nun auch das verzeihende Wort!"

„Was ich gesagt, dabei bleibt's," antwortete Locana kalt, „und jetzt gehe zu Bett!"

Einen ängstlick flehenden Blick warf Gerda noch auf ihren Vater; dann verließ sie mit einem kaum hörbar geflüsterten „Gute Nacht, Vater!" den Saal.

Der Kaufherr schritt noch lange Zeit sinnend in dem Saale auf und nieder. Zuweilen steckte eine Magd den Kopf herein, welche die Kerzen löschen und einige Ordnung Herstellen wollte, aber noch weilte der Herr in Gedanken versunken in dem ungastlichen Raume, und bereits ertönten die Glocken zum Frühgottesdienste, als er endlich mit einem tiefen Seufzer sich anschickte, sein Lager aufzusucken.

Junker Gumbert hatte inzwischen das Haus verlassen. Er schleppte feinen Mantelsack nach der Herberge, klopfte den Herbergsvater heraus und machte" fein Roß fertig. Dabei überraschte ihn das Geläute der Glocken, und während der Kaufherr die Ruhe suchte, folgte der Junker ihrem Ruse; denn er wollte sobald als möglich die Stadt verlassen, wo er für jetzt nichts zu hoffen hatte. Noch lag Dunkelheit auf der Erde, als er durch die Vorstadt Suderburg der Landstraße zuritt, die nach dem Halberstädtischen führte; denn er gedachte jetzt Pappenheim aufzusuchen, der dort stehen sollte. (F. f.)