Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
Hrjugspreis ohneBringerlvhn «nd Bestellgeld in Fulda und aus- tvärtSlM.öOPf.
Inserate: Die et» spalt. Garmond eoder derer
m!5 Pf., Reklamen die Petit zeile 25 Ps.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt
mit Anlerhattungs-Aeikage „Issustrirte Sonntags-Zeitung" pcter»a«Se Nr. e fBarmeuie).
——i^——a—a—sag—b—m—Mama■■iiijwij gjjji ijm > im mim nr~m jm । ■ h ■ im i>hi . . i
M 292. Jutöcr, Donnerst« g, den 22. Dezember 1898. 25. Jahrgang.
Geheime Aktenstücke.
Als vor einigen Wochen die Münchener ,Allg. Ltg/ zum großen Leidwesen minder „wohlunterrichteter" Blätter in der Lage war, allerlei Mittheilungen aus dem Etat über die Militärvorlage veröffentlichen zu können, warnte die ,Nordd. Allg. Ztg/ zunächst bescheiden vor den „unzuverläffigen" Meldungen „Uneingeweihter". Als aber das Münchener Blatt mit seinen Veröffentlichungen ruhig fortfuhr, wurde die Berliner offiziöse Kollegin böse und erklärte, es werde nach dem Thäter geforscht, um das Di sziplinar- verfahren gegen ihn einzuleiten, denn es handele sich um den Verrath geheimer Aktenstücke. Kaum war der Reichstag eröffnet, so fand sich unter den vielen Anträgen auch einer von dem Grafen Klinckowström und Genossen, der dem Verrath vertraulicher Aktenstücke auf dem Wege begegnen will, auf dem man heutzutage allen Nebeln beizukommen sucht: durch einen neuen Paragraphen im Strafgesetzbuch. Man dachte natürlich allgemein an die sozialdemokratische Presse und an die „vertraulichen" Aktenstücke, die dieser von Zeit zu Zeit „auf den Redaktionstisch fliegen". Die ,Deutsche Tagesztg/ versichert demgegenüber, es sei auch auf die Verhökerung geheimer Aktenstücke abgesehen, wie sie jetzt in dem Münchener Blatt, früher bald in der,Kölnischen' oder .Frankfurter Ztg/, bald in anderen Blättern sich bemerklich machte.
Dagegen wehrt sich aber das Münchener Blatt. Die Etats seien keine Aktenstücke, deren Geheimhaltung angeordnet worden sei. Auch aus der ,Nordd. Allg. Ztg/ sei das nicht herauszulesen; denn darin habe nur gestanden, daß das Recht der Veröffentlichung des Etats dem Bundesrathe und dem Reichskanzler zustehe. Damit sollte wohl gesagt sein, die Mittheilungen stammten aus Bundesrathskreisen. Nun kommt aber die ,Nordd. Allg. Ztg/ noch einmal, um gegenüber Auslegungen, die über die Bedeutung ihrer klaren Worte einen Zweifel zuzulassen schienen, zu wiederholen, daß die Verhandlungen des Bundesraths geheim und daher die ihm vorliegenden Aktenstücke naturgemäß ebenfalls geheim seien. Die Veröffentlichung solcher Aktenstücke könne rechtmäßiger Weise nur durch den Reichskanzler oder den Bundesrath veranlaßt werden; Veröffentlichungen von dritter Seite seien nicht statthaft; Etatsentwürfe seien sicherlich in erster Linie mit zu den geheimen Aktenstücken des Bundesrathes zu rechnen. Mit anderen Worten also: die Veröffentlichungen der »Münchener Allg. Ztg/ waren unstatthaft, selbst wenn sie aus Bundesrathskreisen stammen, denn ein BundeS- rathsmitglied ist nicht der Bundesrath. Wie das Blatt über den Antrag Klinckowström denkt, sagt es nicht. Es wird wohl der Ansicht sein, daß man gegen ein Bundesrathsmitglied mit dem Strafgesetzbuche nicht einschreiten würde. Der Sünder erhielt daher nur eine offiziöse Rüge. Immerhin ist auch das ein Beweis, wie die Veröffentlichungen irgendwo verstimmt haben müssen.
In der Presse, mit Ausnahme der konservativen, ist der Antrag Klinckowström überall scharf bekämpft worden, und zwar mit dem Erfolge, daß die konservativen Blätter jetzt schon Lie Form des Antrags preisgeben. Man kann
Feder, Schwert uvd Mel.
Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).
4 ------ (Nachdruck verboten.)
II. Stellung und Vermögen.
In der allgemeinen Festlaune hatte Niemand bemerkt, daß der Kaufherr, Gumbert und Gerda um vieles einsilbiger waren, als man dies heute zu erioarten berechtigt gewesen wäre. Der Kaufherr hing seinen Gedanken nach; denn wenn er sich auch die Festfreude nicht hatte stören lassen wollen, so stand es jetzt nicht mehr bei ihm, die widerstreitenden Gefühle zu beschwören, welche seine Brust durchwogten. Gumbert hatte einen sreien Augenblick benutzt, um Gerda von dem ausweichenden Bescheide in Kenntniß zu setzen, und diese rang zwischen Furcht und Hoffnung.
So ging das Fest vorüber; der Jubel verklang, die Gäste brachen schließlich auf, um noch einige Stunden der Ruhe zu widmen, bis die große Glocke vom Dome sie zu dem feierlichen Hochamte rief. Mitten im Geräusche des Aufbruches fühlte Gumbert eine Hand auf seiner Schulter, und als er sich umkehrte, stand Locana vor ihm. „Bleibt, Junker," sagte er ihm, „ich bin mit mir im Reinen, und Ihr sollt meinen Bescheid gleich fitzt haben."
Gumbert erbleichte. Diese Förmlichkeit deutete nicht auf Willfahrung. Denn wenn der Kaufherr geneigt gewesen wäre, so würde er noch am Schluffe der Festtafel unzweifelhaft die Verlobung nerkündigt haben.
es auch keinem Blatte verübeln, wenn es von neuen gegen die Preffe gerichteten Strafbestimmungen nichts hören mag. Erstens gibt es für die Presse schon Schlingen genug, und zweitens veröffentlicht jedes Blatt gern eine interessante Mittheilung, die ihm „auf dem Redaktionstisch fliegt", die meisten werden selbst dann keine Skrupeln haben, wenn sie wüßien, daß irgend j-mand deshalb eine kleine Untreue begangen haben müffe. Wirksam beikommen läßt sich dem Verrath geheimer Aktenstücke durch den Antrag Klinckowström nicht: der Verräther pflegt sich dem Blatte, dem er Mittheilung macht, nicht zu nennen; er muß schon sehr unvorsichtig zu Werke gehen, wenn man ihm auf die Spur kommen soll. Das Blatt kann an der Bestrafung vorbeikommen, indem es nicht den Wortlaut des Aktenstückes veröffentlicht, sondern nur von seinem Inhalte Mittheilung gemacht, oder es z. B. durch einen andern in einer Versammlung verlesen läßt und dann einen Versammlungsbericht bringt. Will man auch das bestrafen, so kommt man zu ganz ungeheuerlichen Konsequenzen und kann schließlich jede Nachricht über Absichten und Vorlagen der Regierung bestrafen. Auf alle Fälle bleibt für die Bekanntgabe die Uebermitt- lung des Aktenstückes an einen Abgeordneten oder an die ausländische Presse. Geholfen wäre also nicht das Mindeste.
Und ist denn das Hebel wirklich so arg, daß unbedingt „etwas geschehen" muß? Gewiß, mancher Minister, Staatssekretär, Oberpräsident, General usw. ärgert sich nicht wenig, wenn er seine „vertrauliche" Verfügung eines Tages in der Zeitung liest. Aber, so wird mit Recht in einem Blatte betont, alle die „vertraulichen" Aktenstücke, die bisher veröffentlicht worden sind, waren nicht derart, daß die Veröffentlichung dem Staate und dem Gemeinwohl irgendwie geschadet hätten. Im Gegentheil, die meisten waren solche, an denen die Oeffentlichkeit ein unbestreitbares Interesse hatte, die man ihr daher gar nicht hätte vorenthalten sollen.
Aber bei uns herrscht noch immer der bureaukratische Zopf, der in anderen Ländern schon längst abgeschnitten ist. Jede Lappalie, mit der ein Regierungsbeamter zu thuN hat, ist heilig zu hütendes Staatsgeheimniß, und ein „Geheim"-Rath ist eben ein Mann, der nur mit den tiefsten „Geheimniffen" zu thun hat und seine Feder stets zu einem „geheimen" oder „vertraulichen" Schriftstück an setzt. Thäte man weniger wichtig und suchte man nicht allem möglichen mit dem „Geheimniß" einen besonderen Nimbus zu geben, die Versuchung für die Beamten, ihre Dienstpflicht durch einen Vertrauensbruch zu verletzen, wäre längst nicht so groß. Es braucht ja nicht alles, was in Regierungskreisen geschieht, brühwarm in die Presse gebracht zu werden, wie es anderswo der Fall ist, man soll aber auch keine überflüssige Geheimniß- krämerei treiben. Daß man das jetzt thut, geben selbst die Freunde des Antrags Klinckowström zu. Uebrigens braucht keineswegs immer Vertrauensbruch eines Beamten vorzuliegen, wenn ein „Geheimniß" „verrathen" wird. Jedenfalls sollte man, ehe man mit neuen Strafparagraphen „einschreitet", bedenken, daß bls jetzt
Fünf Minuten später standen Locana und Gumbert allein in dem öden Saale. Selbst Gerda hatte der Vater hinausgehen heißen.
„Herr Junker," begann der Kaufherr, „ich hab' mir Euren Antrag hin und her überlegt. Mein Entschluß ist mir schwer geworden; denn ich bin Euch zugethan. Aber Eurem Anträge kann ich nicht willfahren."
Eine jähe Röthe überzog das bleiche Gesicht des Junkers. Aber er sprach kein Wort, er zuckte stumm die Achseln und griff nach seiner pelzverbrämten Mütze.
„Ihr geht und wollt nicht einmal die Gründe hören, die mich bestimmten?" fragte der Kausherr überrascht und einigermaßen verletzt.
„Ich wollte den Vorzügen meiner edlen Geburt mich entschlagen, um ganz ein Bürger dieser Stadt und Kaufherr zu sein wie Ihr. Eure Sippe sollte die meine sein, und Euch wollt' ich ehren, wie nur einSohn seinen Vater ehren kann. Ihr wollt das nicht; bedarf es da der Gründe? Daß Ihr es nicht wollt, ist für sich Grund genug!"
„Bei Gott, junger Mann," meinte der Kaufherr mit einem gewissen Sarkasmus; „seit ein paar Stunden zermartere ich mein Gehirn, um alles Für und Gegen sorgsam abzuwägen; hätte ich gedacht, daß Ihr Gerda so leichten Kaufes aufgeben würdet, das wäre Grund genug gewesen, auf der Stelle Euch Bescheid zu sagen."
Jetzt richtete sich der Junker hoch auf.
„Aufgeben?" fragte er erstaunt. „Gerda aufgeben? Da könntet Ihr ebenso gut sagen, ich gebe eS auf, zu athmen! Ich geb' es auf, um Eure Einwilligung zu werben. So lange Gerda
noch nie ein Beamter, der ein geheimes Aktenstück in die Presse gebracht hat, entdeckt worden ist, wiewohl man es doch gewiß an eifrigen Nachforschungen in keinem Falle hat fehlen lassen.
Deutsches Weich»
Berlin, 21. Dezember.
h, Der Kaiser hörte heute früh in Potsdam den Vortrag des Polizeipräsidenten von Berlin und des Branddirektors von Berlin, welcher einen Offizier und einige Mannschaften der Berliner Feuerwehr in einer neuen Uniform vorführte, weiter den Vortrag des Finanzministers v. Miquel. Später hatte er eine Besprechung mit dem Admiral Hollmann.
* Das Kaisermauöoer wird im Jahre 1899, wie der ,Eldg. Ztq/ „von hoher militärischer Seite" mitqetheilt wird, zwischen dem 13. und 14. Armeekorps abgehalten. Fest steht, daß das 13. Armeekorps besichtigt wird, welches am längsten von dem Kaiser nicht gesehen wurde. Im Etat für Württemberg sind deshalb auch für die große Herbstübung 300,000 Mark ausgeworfen.
0 Aus Anlaß des heutigen Jahrestages des Ablebens der Iürfiin Marie zu KoHeutoHe SchiMngsfürst wurde heute früh in der Marienkapelle in der Karlstraße in Berlin eine Seelenmesse gelesen, welcher der Reichskanzler mit seiner Familie, sowie Angehörige und Freunde des fürstlichen Hauses an wohnten. Der Reichskanzler ist heule Nachmittag nach Kalmar ab- gereift, um dort das Weihnachlssest bei seinem Sohne, dem Prinzen Alexander Hohenlohe zu verleben.
+ Ueber die Ausweisungen ans Word schkeswig äußert sich in dem neuesten Hefte der .Preußischen Jahrbücher' auf Wunsch des Herausgebers Professor Delbrück jetzt auch der auSNord- schleswig stammende Professor Ser protestantischen Theologie in Berlin, Dr. Kaftan. Er erklärt, die Ausweisungen durchaus nicht so verdammen zu können, wie es Delbrück thue, findet aber, daß wir jetzt die dänisch redenden Nordschleswiger ebenso schlecht behandeln, wie die Deutschen Schleswigs seinerzeit von den Dänen behandelt worden seien, und daß, was damals Unrecht war, auch heute noch Unrecht sei. In doppelter Beziehung sei den Dänen in Nordschleswig ungewöhnlich hart mitgespielt worden, sodaß sich ihre Stellung zu Deutschland und zum deutschen Regiment daraus vollauf erkläre. Der erste Punkt sei die Wiederaufhebung des Artikels 5 des Prager Friedens, wonach über das Verbleiben Nordschleswigs bei Preußen die Bevölkerung befragt werden sollte. Man hätte, führt Kaftan aus, die dänische Bevölkerung in nationaler Beziehung schonend behandeln und ihr Zeit gewähren sollen, sich an das Unabänderliche zu gewöhnen. Der zweite Punkt sei die Behandlung der dänischen Sprache in der Schule. Damit sei überboten worden, was die Dänen in den 50er Jahren geleistet hätten. Sie seien in der Danisirung der schleswigschen Schulen nie so weit gegangen, wie die deutsche Regierung in der Germanisirung. Ob nun auch gegen Dr. Kaftan das Disziplinarverfahren eröffnet werden mag? Allerdings wird man wohl
mir in Treuen gewogen bleibt, so lange werde ich nicht zögern, in Treuen ihr anzuhängen."
„Wie? Ihr wollt gegen meinen Willen . . ."
„Glaubt Ihr, daß Euer Wille unserer Treue Stand halten werde?" fragte Gumbert.
„Ja," antwortete der Kaufherr entschieden, „denn er ist vernünftig."
„Ich wäre begierig ..."
„Ich wollte das Euch sagen, was bedarf's der Gründe? meinet Ihr."
„Vergebt!" sagte Gumbert rasch; „wenn Ihr Euren Willen auf Gründe stützt, dann lasten sich diese Gründe widerlegen und dann . . ."
„Dann ändert sich mein Wille," erwiderte der Kaufherr ruhig.
„O, so sprecht," rief Gumbert in neu erwachender Hoffnung erglühend. „Verzeiht dem Ungestüm meiner Jugend. Ihr wißt, wie weh es thut, das in Trümmer fallen zu sehen, worauf man das Glück eines ganzen Lebens gebaut hat."
„Ihr sähet einen betenden Engel und ein zitterndes Mädchen, das sich änstglich an Euch schmiegte."
„In der That, so ist'sl"
„Und mit den nämlichen Augen saht Ihr meine Tochter."
„Verblüfft schaute der Junker den Kaufherrn an. Dieser fuhr ruhig fort:
„So oft Ihr sie sähet, erschien das eine oder andere Bild vor Eurem Geiste. Und dabei übersaht Ihr, daß Gerda ein Weib ist, wie andere auch; daß man sie weder wie einen Engel verehren, noch ihr großmüthigen Schutz und Rettung angedeihen lassen kann. Im ersten Bilde überschätzt Ihr sie, im zweiten Euch. Und diese
sagen, es sei die Form der Delbrück'schen Kritik, die an ihm bestraft werden soll.
* Der österreichisch-ungarische Botschafter Herr v. Szögyeny Marich, der auf fein Ersuchen am Montag vom Kaiser empfangen worden war, hatte gestern nochmals eine Audienz erbeten, um dem Kaiser einen Brief des Kaisers Franz Joseph zu überreichen.
X/ Wer treibt konfessionelle Ketze? In Nr. 51 (18. Dezember 1898) der Wochenschrift ,Der Sonntagsfreund' (herausgegeben zur Förderung der Berliner Stadtmiffion von Pastor Ernst Evers), finden wir unter der Uederschrift „Arbeitsgelegenheit imWinter" folgende allerliebste Sätze: „Eine furchtbar verheerende und zerstörende Macht ist hereingebrochen und bedroht Eigenthum, Gut und Blut und Leben unseres Volkes. Es ist die mthe und die schwarze Internationale: Der Katholizismus einer- und die Sozialdemokraue andererseits. Soll unsere Provinz, die Wiege unseres Zollernhauses, mit ihrer ausschließlich (?) evangelischen Bevölkerung, ruhig zusehen und stillstehen, während die internationalen Feinde sich den Raub vertheilen? Es gilt aufzustehen vom Schlafe und sich zum Geifteskampfe zu rüsten — nicht mit weltlichen Massen (warum nicht gar?!) sondern mit den Waffen des Geistes. Wann hätten sie schon je (!) einen Fortschritt und Segen gebracht? Und doch dieses unfaßliche Vorwärtsdringen!" u s.w. u.s w. — Eine ,/urcht- bar verheerende Macht" scheint auch über den Herrn „hereingebrochen" zu (ein, der das geschrieben hat. Wir fragen aber: Wer treibt konfessionelle Hetze? Zu wie viel Monaten Gefängniß würde etwa der verantwortliche Redakteur der ,Fuldaer Zeitung' verurtheilt werden, wenn er solche oder ähnliche Ausdrücke über den Protestantismus schreiben wollte?
0 Der Entwurf eines IkeischSeschangesetzes ist soweit fertiggestellt, daß er demnächst dem Bundesrath zugehen kann. Der Zweck dieses lange in Aussicht gestellten Gesetzes, schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.' wohl im Hinblick auf Amerika, ist, wie allbekannt, die Einführung einer allgemeinen obligatorischen Fleischbeschau für das Deutsche Reich. Es handelt sich also um eine rein deutsche Angelegenheit, welche uns eine Aufgabe stellt, an deren Erfüllung wir allein beteiligt sind.
n Im Reichstage sind, wie jetzt amtlich festgestellt ist, 83 Wahkproteste eingelaufen. Angefochten werden 22 nationalliberale, 21 konservative, 8 reichsparteiliche, 8 Centrums, 5 freisinnige Volkspartei, 5 freisinnige Vereinigung, 2 sozialdemokratische, 1 antisemitische, 1 Deutsche Volkspartei-Wahlen. Weitere 10 Proteste betreffen Wahlen von Abgeordneten, die keiner Fraktion angehören.
0 Etwas, was in der parlamentarischen Geschichte noch nicht dagewesen fein dürfte, wird ans Schneidemnhl gemeldet. Der dortige Mäd- chenfchuidirektor Ernst ist in den Reichstag und Landtag gewählt worden und die Stadtverwaltung hat somit für feine Vertretung zu sorgen. Der Maqistrat hat denn auch eine weibliche Hilfskraft gewonnen. Das wurde dem Direktor Ernst vom Bürgermeister mitqetheilt
falschen Schätzungen halten vor, bis man sich in der Ehe näher getreten ist Dann zerreißt ein lieblicher Wahn nach dem andern, und wenn nicht die Vernunft den Abschluß der Ehe genehmigt hat, dann bleibt auf dem Boden deS Gefäßes nichts Anderes übrig, als die Hefe einer vergeblichen Reue, welche so lange das Leben verbittert, bis der Tod die Ehe scheidet."
„Sind das Eure Erfahrungen?"
„Ja; nicht Erfahrungen, die ich an mir selbst gemacht. Meinen Ehebund schloß die Vernunft und die Neigung kam mit der Zeit von selbst. Aber ich habe andere kennen gelernt . . ."
„Und worin liegt, abgesehen von unserer Neigung, das Unvernünftige unserer Ehe?"
„Junger Mann!" bemerkte Locana nach einer langen Pause zög rnd; „ich will Euch nicht wehe thun; denn Ihr steht meinem Herzen näher, als Ihr glaubt, und ich thue mir Gewalt an, demselben nicht zu folgen."
„Folgt ihm doch, Herr Locana!"
„Ihr seid edlen Standes, ich bin bürgerlichen Herkommens. Ihr seid ein nachgeborener Sohn, ich das Haupt eines Hauses und meine einzige Tochter wird dereinst in den Vollbesitz dessen treten, was ich erwarb. Meine Tochter ist die Herrin dieses Hauses. Ihr habt der Diener deS Hauses werden wollen. Wenn diese Gegensätze in der Ehe auf einander platzen, wie mag das gut thun? Ihr haltet meine Tochter geringeren Standes, als Euch selbst, sie thut das Gleiche mit Euch."
Gumbert hatte bei den Worten des Kaufherrn mehrfach die Farbe gewechselt. Locana erwartete, daß er erwidern werde, aber der Junker blieb