Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret
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petersgaffe llr. 2 (Larmouie).
25. Jahrgang
IuLöa, Mittwoch, den 21. Dezember 1898
M 291
Urrmifchtes
Mann?«
„Im Kinderzimmer," stammelt die Zofe.
Frau Elfe geht so schnell, daß sich ihre kleinen Füßchen in der langen Schleppe verwickeln. Aus der Kinderstube tönt ihr ein heiseres Röcheln entgegen. Einen Augenblick steht sie starr an der geöffneten Thüre, im Wirbel dreht sich alles vor ihr: Das Bettchen, wo auf emporgerichteten Riffen ein kleiner Körper zuckt, nach Lust ringt, röchelt, ächzt — ihr Kind; der Vater mit zitternden Händen bemüht, zu stützen, zu beruhigen, zu
thiit." . , . . .
* Im Air. Frau Krokodil: „Du, mir scheint, letzt kommen auch Franzosen zu uns her." — Herr Krokodil: „Mir ganz recht! Das bringt doch etwas Abwechselung in's Menu. Die ewigen englischen Beefsteaks wachsen mir nachgerade zum Halse heraus."
• Schlechter Dienst. Pepi: „Na, wie bist Du mit Deiner neuen Herrschaft zufrieden?" — Nanm: „Nicht sonderlich — sie läßt mehr zu wünschen als zu essen übrig!"
anders vor."
Arnold sieht seine Frau an; es ist em tiefer, forschender, trauriger Blick in die lebenslustigen Augen des jungen, geschmückten Weibes.
„Wenn ich nicht Arzt wäre," spricht er dann langsam, leise, aber mit einer gewissen Härte, „gehörte die Mutter" er betont das Wort, „unbedingt an diesen Platz. So aber magst Du immerhin gehen. Ich schicke Johann zu Geheimrath hinüber, sie nehmen Dich gewiß gern mit. Rosa, rufen Sie Johann," setzt er laut hinzu.
Ein dankbarer, zärtlicher Blick belohnt den Gestrengen für die ertheilte Erlaubniß.
„Fritzchens Unwohlsein ist, glaube ich, nur ein Vorwand für Dich, den Ball nicht besuchen zu müffen. O, Du böser, gelehrter, einsiedlerischer Mann, hat denn der Glanz der Ballkerzen gar keine Anziehung für Dich?"
Hat denn die Hilflosigkeit Deines Kindes gar keine Macht über Dich? ruft es in dem Herzen des Vaters. Aber er schweigt und glättet Fritzchens Kiffen. Nach einer Weile tritt der Diener wieder ein und meldet, daß der Wagen des Geheimraths v. K. eben vorgefahren sei.
„Lebe wohl, Arnold. Lege Dich nur ruhig nieder. Ich werde mich zurückbeeilen."
„Auf Wiedersehen, Else."
Die Thurmuhr schlägt Zwei. Eine Kutsche rollt über den glitzernden, knirschenden Schnee und hält vor dem Profefforshause. Leichtfüßig springt eine lichte Gestalt heraus.
„Besten Dank für die Begleitung. Gute Nacht."
Zwei Diener erwarten die Herrin am Thore und leuchten über die teppichbelegte Treppe hinauf. Die Lust des genossenen Vergnügens strahlt noch aus Frau Elsens Blick, sie ist angeregt, belebt, sprühend. Die Zofe nimmt Fächer und Blumen in Empfang.
„Siehst Du aber verschlafen aus, Justine, ganz blaß, was ist Dir denn?
„Ach, gnädige Frau, Fritzchen---u
„Was!« ruft Frau Else, und mit einem Schauer kommt die Ernüchterung über sie. „Was ist's? So sprich doch, sprich! Wo ist mein
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kühlen, daneben die Wärterin schreckensbleich, mit gerungenen Händen und naffen Augen.
„Barmherziger Gott!" kommt es wie schluchzend von den Lippen der Mutter. „Arnold, Arnold!" Sie stürzt zu Füßen ihres Gatten nieder, er ist furchtbar blaß, und in seinen Augen teht etwas, wovor sich die junge Mutter fürchtet.
„Es ist gut, daß Du da bist," sagte er, als ich das Kind etwas beruhigt. Sie senkt den Kopf unter der Last des Vorwurfes, der aus diesen Worten klingt. Unaussprechliches geht in ihrem Herzen vor. Sie drückt die kalten Lippen auf ihres Kindes glühende Hände; sie vergräbt in leidenschaftlichem Weh ihren schönen, geschmückten Kopf in die Decke, so daß die Rosen- ilätter wie Blutstropfen auf die hellblaue Seide allen. Wie der Vater den Umschlag von der Stirne des kleinen Kranken nimmt, entwindet sie ihm eifersüchtig das Tuch und taucht es mit den Arten Armen, auf denen Goldreifen funkeln, in ras Eiswaffer, unbekümmert darum, daß ine Tropfen ihr kostbares Seidenkleid durchnässen. Der Anfall kommt wieder, jetzt zuckt, jetzt röchelt das Kind in ihren Armen in dem furchtbaren Ringen nach Luft. Ihr Herz macht jede Zuckung mit, an die Schläfen pocht's ihr wie mit Hämmern, Liebe und Weh schnüren ihr die Kehle zu. Wie ras Kind erschöpft zurücksinp, reißt sie das feine Goldkettchen von ihrem Halse, als halte sie den Druck desselben nicht aus. Arnold hat die Wärterin hinausgeschickt. Selbst in dieser schweren Stunde, da der Todesengel seine schwarzen Flügel in das traute Stübchen über das weiße Bettlein senkt, ist er aufmerksam gegen seine Frau wie immer. Sie soll sich ihrem Schmerze hingeben, ohne daß die Dienerschaft über den Ausdruck desselben zu sprechen Gelegenheit habe.
„Arnold, Arnold!" flehte sie, „rette mein Kind. O Gott, wie vielen Kindern hast Du geholfen!" Du kannst doch unser Kind nicht sterben
Eine Mutter.
Skizze von Eveline Petrovits. ------ (Nachdruck verboten).
Helles Licht, zartgeblümte, zierlich geschweifte Polstermöbel, ein weicher Teppich, ein großer Ankleidespiegel, ein Toilettetischchen voll Schachteln, Fläschchen und Dosen — bilden die Ausschmückung des eleganten Boudoirs, in welchem Frau Else, die junge Gattin eines Professors der Medizin, lächelnd vor dem Spiegel steht, der ihr ein an- muthiges Bild entgegenstrahlt: eine hohe, schlanke Gestalt von meergrüner Seide duftig umrauscht, ein feines, schwarzlockiges Köpfchen, auf dem Brillanten blitzen und tiefrothe Rosen glühen. Die Zofe reicht der Gebieterin Handschuhe und Fächer, ein letzter, befriedigter Blick in den Spiegel, und Frau Else wendet sich zur Thüre.
„Rasch, Justine, den Ueberwurf, mein Mann wird schon fertig fein."
„Der gnädige Herr —" Das Mädchen hält unsicher inne, „ich glaube, der gnädige Herr ist im Kinderzimmer."
„So, gewiß ist Fritzchen schon besser. Ich gehe gleich hinüber."
Sie schreitet durch die erleuchtete Zimmerreihe. Jetzt öffnet sie die Thüre der Kinderstube. In dem gedämpften Scheine einer rosenfarbenen • Ampel hebt sich weiß ein kleines Bettchen ab, über welches sich eine kräftige Männergestalt beugt. Die Wärterin steht bescheiden im Hintergründe.
„Wa?, Arnold, noch im Hausanzug?" Enttäuschung und Vorwurf klingt aus der melodischen Stimme. „Und sieh', ich hab' mich so schön gemacht für Dich," sitzt sie leise hinzu.
„Else," kommt es ernst und streng zurück, „das Kind hat Fieber. Ich gehe auf keinen Fall."
„Daß Du fo ängstlich bist!" Sie tritt an's Bettchen. „Der Kleine schläft doch ganz gut. Wie schön roth seine Bäckchen sind! Als er neulich wirklich Fieber hatte, kam er mir ganj
lassen!" . m t
, Sie umfaßt seine Kniee, und wie tnt Wahnsinn glühen ihre dunklen Augen zu ihm auf.
„Ich," lächelt bitter der Gatte, „was kann ich thun? Dort oben ist Er, der allein unser Kind retten kann."
Und er faßt die Hände seines Weibes, faltet sie in den seinigen, und beide sehen durch das Fenster hinaus in die Dämmerung des Wintermorgens, hinauf zu den Sternen, die licht, still und milde niederstrahlen auf all' das menschliche Leid. Tiefer Schmerz durchschauert die Mutter. In diesem großen Weh aber kommt wie eine Erlösung, wie ein Trost die Überzeugung über Arnold, daß seine Else doch ein tiefes Gemüth, ein Herz voll echter Mutterliebe habe, daß ihre Freude an Vergnügungen nur schäumende Jugendlust, nicht Leichtfertigkeit sei. —
Das Kind liegt ruhig und starr. Das brennende Roth der Wangen ist einer fahlen Blässe gewichen. Mit ängstlicher Aufmeiksamkeit beobachtet es der Arzt, er möchte die Hand an des Kindes Herz legen, doch er kann es nicht thun der Mutter wegen. Sie aber scheint seine Gedanken errathen zu haben, zart legt sie den Kopf an ihres Knaben Brust. Sein Herzschlag ist so schwach, daß sie glaubt, er athme nicht mehr. Da schlägt ihre Stirne gegen den harten Bettrand.
„So kann ich's denn nimmer sühnen!" schluchzt sie. „Kann ihm nicht mehr Mutter sein!" Und sie weint, als sollten ihr die Thränen das verzweifelnde Herz sprengen. — — — —
Vom nahen Thurme tönen sieben Helle Schlage in die Morgenluft hinaus. „Else, er athmet, er schläft, unser Kind ift gerettet!" jubelt der Vater leise, als sein ängstlich beobachtendes Auge bemerkt, daß sanftes Roth das starre Gesichtchen überhaucht und die Brust des kleinen Kranken sich hebt in ruhigeren Athemzügen, welche erquickenden Schlummer anzeigen. Die Mutter faßt nach dem Herzen; stille senkt sie den Kopf auf des Gatten Schulter. Das Morgenroth wirft ein flimmerndes Netz rothgoldener Fäden auf das Fenster.
„Kannst Du mir vergeben, Arnold? Fritzchen wird von nun an eine Mutter haben.
Uieh-. Gesinge!- und Bienenzucht.
Da die Schafzucht in Folge der meistens niedrigen Wollpreise nicht mehr so rentabel rote früher ist, sind wiederholt Versuche gemacht worden, den Konsum ins Schaffleisches zu heben, die allerdings nicht immer den gewünschten Erfolg hatten. Wie man ber der Schweinezucht immer mehr davon abkommt — falls nicht besondere Gründe dagegen sprechen — früher üblichen Sveck-Kolofse heranzuzüchten und zu mästen, so so Ule man imAllgemeinen auch mehr Fleischschafe züchten und mästen. Vielfach kommt nämlich die Abneigung, welche manche Leute gegen Schaffleiich haben, daher, daß> sie immer zu fettes Fleisch zu essen bekommen Schafe sollten immer fo gefüttert werden, daß sie em schnelles Wachsthum zeigen, dann wird deren Fleisch im richtigen Verhältnih zum Fette stehen. . r »1,,^
Legen alte Hennen auch im Winter Eier. Winterleger sind in erster Reihe die jungen Thlere aus der Frühbrut (März, April), dann die em- und zweijährigen Aeltere Hühner erfordern, damit sie im Wmter legen, eine besondere Pflege. Wenn die Mauser e»ntritt, hält man ste warm und trocken und reicht ihnen Kraftfutter. Besonders achte man darauf, daß es den Thieren, sobald das neue Federkleid sich entwickelt hat, niemals an frischem Grün, an gehacktem Fleisch und warmem Kraftfutter fehlt. Auf die Eierbildung wirkt auch die Darreichung von Brennnesfeln günstig.
Ueberwinterung der Bienen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Bienen am besten auf leeren Seilen überwintern, wenn sie dentzonig nur über oder um sich haben. Auf gefüllten Waben können sie sich nicht nahe genug zusammenziehen, sitzen darum kälter und müssen weit mehr zehren, um die erforderliche Warme erzeugen zu können, was hinwiederum eine größere Abnutzung der körperlichen Kräfte der Bienen zur Folge hat. Enthält das Brutnest leere Zellen, so kriechen die Bienen bei großer Kälte sogar in diese hinein, so daß sie sich mit ihren Leibern fast überall berühren und ber Sten einen möglichst dichten, nach außen beinahe vollständig avge- schlosfenen, kugeligen Knäuel bildet, der für das Zusammenhalten der hier mühelos erzeugten Eigenwarme die denkbar günstigsten Bedingungen bietet. Der Ueberwmterungs- Wabenkörper muß daher, wenn die besten Garantien gut für eine Ueberwinterung geschaffen fern sollen, wenigstens n den mittleren Waben bis zur, halben Höhe leer fern, während die obere Hälfte oder beimGebrauche von Halb- rahmen die obere Rahmenreihe lauter gedeckelte Bor- rätde enthalten soll. Vorne und hinten darf und soll auch die untere Etage mit gefüllten Waben abschließen.
100000 Mk. versteuern, und 289, die etn Mnrommen von.mehr als 100000 Mk. versteuern dürfen. Das sind zusammen 5.9 Prozent der gesammten Steuerzahler, Das Einkommen der 50000-100 000 Mark-Leute beläuft sich auf 35957200 Mk., das der mit höherem Einkommen auf 12 167 100 Mark, das sind 8.15 Prozent 4- 14 09 Proz. des gesammten in Hamburg versteuerten Einkommens. Entsprechend den progressiven Einkommm- steuersätzen ist aber der Antheil dieser Millionäre an dem Gesammtsteuersatz weit größer. Es zahlen die obenbezeichneten 812 Höchstbesteuerten 41.28 Proz. oder reichlich zwei Fünftel der Hamburger Einkommensteuer Außer Acht gelassen sind bei dieser Aufstellung die Aktiengesellschaften, von denen 76 (29 4- 47) ein Em- kommen von mehr als 50 000 Mk. versteuern. Stellt man diese in die Rechnung noch etn, so erhöht sich die Zahl der Einkommen über 50000 Mk. in Hamburg auf 888, der Antheil dieser Einkommen an dem Gesammt-
Neuerungen einführte und jeder der Fabrikwohnungen ein Stück Garten, dazu zwei Apfelbäume, 2 Bintbaume, 2 Pflaumen und 2 Kirschen zuwies, die nach seiner Anweisung gepflanzt werden mußten. Demjenigen aber, der nach einem Jahre den Garten am schönsten hatte, bewilligte er aus Fabrikmitteln einen Preis. Die Arbeiter fingen an in ihren Gärten zu arbeiten, anfangs zum Theil nur gezwungen ta der neue Direktor fast eben Abend einmal an den Gärten vordelspazirte und Lob und Tadel nicht sparte. Allmählich aber wurde die Sache anders, die Arbeit weckte das Interesse, der eine wollte es besser als der andere machen. Das Eis war gebrochen. Dann begann das Tauschen unter Freunden und Bekannten, die Bäume wurden gepflegt und vermehrt und bald wurde auch der gute Einfluß davon bemerkbar. Wenn die Männer von der Schicht kamen und gerastet hatten, legten sie sich nicht vor die Häuser und rempelten die Vorübergehenden an, sondern sie stopften ihr Pfeifchen und gingen zum Garten, sie fanden immer und zwar angenehme und lohnende Beschäftigung. So kam es, daß zunächst die wüsten Raufereien aushörten. Die Frauen aber gewannen den Gartenbau erst recht lieb. Sie konnten jetzt besser und billiger kochen, trotzdem sie durch die jetzige Lebensart der Männer viel mehr Geld zur Verfügung hatten wie früher, als diese soviel in Schnaps umsetzten. Sie griffen daher auch herzhaft mit zu und vermehrten den Verdienst. Endlich entdeckte gar ein Praktikus, daß die geschützte Sage ihrer Gärten sich dazu eigne, Frühpflanzen zum Verkauf heranzuziehen, es gelang und seitdem sah man die Bauern und Gartenbesitzer ebenso fleißig dort Setzpflanzen kaufen gehen, als sie früher den Ort vermieden. Die Pflanzen waren dort immer 1 bis P i Wochen früher zu haben als anderswo. Das brachte einen hübschen Pfennig Geld ein, ebenso der Ueberschuß, den einige auf dem Markte verkaufen konnten. Nach 5-6 Fahren war der Ort nicht mehr zu erkennen. Statt der früheren Raufbolde enthält er ruhige, arbeitsame Leute. Die Kinder sind gut angeleitet. Alle sind besser gekleidet und genährt. Die Sauberkeit und Nettigkeit der Häuschen, die reinen Gardinen, kurz alles in allem verräth einen gewissen Wohlstand. Die Leute sind geachtet, glücklich, zufrieden. Und wem verdanken ste diese wohlthätige Aenderung? Dem Gartenbau und dem hochherzigen Direktor, der dazu verhalf! Dies ist em Beispiel aus dem Leben, aus der Gegenwart! Ich erzähle es, weil ich glaube, daß noch in manchen Gegen- den der Gartenbau in gleich glücklicher Hinsicht wirken
einkommen auf 26.31 Prozent, und der Antheil an dem Gesammtsteuersatz auf 46.55 Prozent.
* Das deutsche Volkslied in seiner Zukunft. Seit Monaten hört man vielfach den neuesten Gassenhauer vom „Bienenhaus", mag man durch die Straßen der Stadt oder eines Dorfes wandern. Der eine pfeift das Lied, der andere kreischt es vor sich hin, ein dritter summt es, ein vierter brummt es, und letzthin hörte ich sogar einen Dreikäsehoch, der, obgleich er kaum sprechen konnte, sang: „sie ziehen ein, sie ziehen aus." Aber nicht allein in dem frequenten Ort feiert der beregte Gesang seinen Siegeszug, die Kuhmagd und der Stallknecht, der Schweinehirt und die Gouvernante auf dem entlegensten Gutshofe, sie alle singen und sagen von des „Herzens Klause", jodeln und leiern das „Bienenhaus" herunter. Wie viele solche „Lieder" sind nicht schon mit ähnlichen Glanzperioden ins Land gezogen, vom „Lauterbacher ©1 rümpf" über „Lindenau" in den „Grünewald" bis zur „Denke dir", „Fischerin", der kleinen! — Und ;as Volkslied? Wer ein offenes Auge hat für das, was jetzt das Volk singt und wieder singt, der muß um die Zukunft des wirklichen Volksliedes besorgt sein. Wann und wo hört man noch jene urwüchsigen, lebensfrohen und frischen Töne und Laute, jene Texte und Melodien mit sittlich bildender und veredelnder Kraft, wie sie dem echten Volkslied eigen sind? Selten, immer seltener: als „abgelebte" und ' „abgedroschene" Waare werden sie mit vornehmem Lächeln bei Seite geschoben, als einfältiger Schul- Singsang, der nichts Einschmeichelndes, keine lustige Melodie, keinen pikanten Text hat, als der „Großvater die Großmutter nahm". Ja, unser Volkslied geht seinem Untergange entgegen, die Gassenhauer überwuchern es und feiern nie gesehene Triumphe. Es ist hohe Zeit, darin Wandel zu schaffen, es ist der Zeitpunkt gekommen, da alle Freunde des Volksliedes, alle Kenner seines werthvollen Einflusses sich austaffen, nach Mittel und Wegen suchen müssen, wie dem Uebel zu steuern ist, wie das liebe Volkslied vor dem Untergänge bewahrt wird. Ja, früher konnte der Dichter behaupten: Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, Böse Menschen haben keine Lieder! Aber heutzutage haben leider die Lieder schon viele Menschen böse gemacht, und die Bösen haben oft die meisten Lieder.
* (Haunerhumor. Richter: „Sie müffen nicht in einem fort die Verhandlung unterbrechen. Bilden Sie fich vielleicht ein, daß wir Ihnen zulieb hier den ganzen Tag fitzen werden?" — Angeklagter: „No, und warum denn net, wo i nachher Ihnen zulieb wahrscheinlich zwei Jahr werd'sitzen müffen?"
* Dervkümt. Er: „Hast Du nicht bemerkt, mein Assoeiö war heute auffallend verstimmt! Er hat fich nämlich furchtbar geärgert, weil ich Dir einen neuen Schmuck gekauft habe. Jetzt muß er seiner Frau auch einen anschaffen!" — Sie: „Ein unangenehmer Mensch, Dein Assoeie! Den mußt Du recht oft ärgern!"
* Fin de siede. Mama: „Aber, Kind, Du lieft ein Buch über Kindererziehung? Was soll denn das heißen?" — Lieschen: „Weißt Du, Mama, ich lese nur nach, ob Du und der Papa mich auch richtig erziehen
X Unter der Ueberschrift: „Mas der Hartenvan vermag'- erzählt M. Dunkler im „praktischen Rathgeber im Obst- und Gartenbau" folgende mlereffante Thatsachen: In dem industriellsten Theile des Regler- ungsdezirks Aachen ließ eine Fabrikleitung einen neuen Weg anlegen und besetzte ihn zu beiden Seiten mit Fabrikwohnhäusern. Der Weg war für alle Anwohner viel näher als der alte Kommunalweg, aber die meisten Leute machten lieber den Umweg, als daß fie den neuen Fabrikweg benutzten. Vor den Häusern standen und saßen nämlich die Arbeiter, die nicht von der Schicht zurückgehalten wurden, also am Tage die, welche die Nachtschicht hatten und vertrieben sich die Zeit mit Rauchen, Trinken, Zotenreißen, und wehe demjenigen, der diese Lästerallee paffiren mußte. Die Frauen be- tbeiligten fich nach Kräften und die schwarzen ungezogenen Kinder waren ein Schrecken für die Nachbarschaft und für die Jugend. Da kam ein neuer Betriebsinspektor an das große Hüttenwerk, welcher manche
könnte. .
* Z-ürstkiche Trinkgelder. „Ein fürstliches Trinkgeld", diese bekannte Redensart entspricht mcht immer den Trinkgeldern, die Fürsten zu verabreichen pflegen, wenigstens nicht denjenigen Summen, die man sich Darunter vorzustellen geneigt ist, so geht z. B. Kaiser Wilhelm sehr ökonomisch mit Trinkgeldern um und gibt selten mehr als 2 bis 3 Mk. Ganz das entgegengesetzte Prinzip befolgt Zar Nikolaus II., der als ganz besonders freigebig bekannt ist. Selbst Bediente, die ihm nur den geringfügigsten Dienst erwiesen haben, erhalten selten weniger als 20 Mk., während der Kutscher, der Bedienung des Zaren zugestellte Diener nicht feiten bis zu 100 Mark etnfteden können. Der als recht knauserig verrufene Präsident der Vereinigten Staaten, Mae Kinley, macht seltsamer Weise in der Trinkgelderfrage eine Ausnahme. Auch er gibt stets mehr als „fürstlich".
• Aon den 88 vis 90 OOO Inden Irankreichs wohnt gut die Hälfte in Paris; etwa 19 000 sind tn den östlichen Grenzgebieten niebergelaffen, die übrigen in den größeren Städten. 14 von 15 Juden sind deutscher Abstammung, etwa 6000 stammen aus Portugal. Biele Juden haben indeß ihre Namen frunzosirt oder haben neue französische Namen angenommen. Die ärmeren Juden stammen meist aus Elsaß, Lothringen, Deutschland, Polen, Rußland; leben als kleine Händler, Trödler, Waarenhändler in den Straßen, Handwerker, Kaufgehilfen, Schreiber. Die reichen Juden find alle schon als reiche Leute ans den verschiedensten europäischen Ländern nach Paris übergesiedelt. Sie sind Bauherrn, Börsenleute, Gründer, Großspeeulanten. Die Evhrussi kamen aus Odessa, bemächtigen sich fast des gesammten Getreidehandels von Rußland nach Frankreich und haben so ihre Millionen rasch vervielfacht. Die Rothschild, Caheu d'Anvers, Oppenheim, Hirsch, Erlanger, Heine, Königswarter, Schnapper Haber, Seligmann, Hellmann,Goldschmidt, Mann' eimer,Bischofs- heimer stammen all aus deutschen Landen. In Frankreich werden über 200 Offiziere zu den Juden gezählt darunter Generäle (Hinstin, Lambert, Levy, Seel und Obersten. Indische Regierunasstatthalter (Präfekten) gibt es vier oder fünf (Cohn, Hendle, See, Beil), Unterpräfetten noch mehr, viele Einnehmer, besonders auch Oberschatzmeister der Regierungsbezirke — Stellen, welche 100 000 bis 200000 Frank einbettigen — Jnge- neure, höhere Bahn und Bergbeamten. Jüdische Aerzte sind zahlreich, ebenso jüdische Schriftsteller. Jüdische Minister hat es schon mehrere gegeben (Leon Saly, Rannal, Cremieux, Gambetta ufro.
* Aamvnrger Millionäre. Nach der soeben in dem Berichte der Hamburger Steuerdeputatlon veröffentlichten Statistik über die Ergebnisse der Einkommensteuer in dem letzten rechnerisch abgeschloffenen Steuerjahre kann Hamburg wieder seinen alten Ruhm bewähren, nach dem Durchschnittseinkommen der Bevölkerung die reichste Großstadt Deutschlands zu sem 136872 Steuerzahler (Einkommen unter 900 Mk. sind steuerfrei) versteuern ein durch Selbsteinschätzung oder Schatzung festgestelltes Einkommen von 441254 900 Mk., das macht für den Steuerzahler ein Durchschnittseinkommen von nahezu 3224 Mk. Außerordentlich hoch ist unter den Hamburger Steuerzahlern der Prozentsatz der großen Einkommen. Es verzeichnet die Statistik nicht weniger , als 523 Personen, die ein Einkommen von oOOOO bis
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mit IlnterHaltungs-Meitage „Itkustrirte Sonntags-Ieitung