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Erscheint täglich, «.Ausnahme der

Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl. §t;ugsprtis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 5V Pf.

Fuldaer MZeitung

Inserate: Die et* spalt. Garmond­zeile oder der« Raum 15 Pf., Re- Namen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

25. Jahrgang.

IrrLöa, Dienstag, den 20. Dezember 1898.

M 290.

Druck und Verlag der Fuldaer Aciiendruckeret PetersgaAe Nr. i (Harmonie).

mit Unlerhaltungs-Aeilage „IKustrirte Sonntags-Zeitung!'

< Soziales Wirken ist fruchtbarer als Almosen.

Es ist einer der schönsten Züge im Leben unseres katholischen Volkes, daß es immer eine offene Hand für ein gutes Werk hat. Für Heidenmissionen wie für Kirchenbauten in der Diaspora zahlen alle bereitwillig ihr Scherflein. Unsere Gotteshäuser sind in den letzten dreißig Jahren äußerlich und innerlich erneuert, und für ihren Schmuck fließen unaufhörlich die Gaben. Und wie viel ist nicht geschehen für das Werk der Charitas, der barmherzigen Nächsten­liebe? Wer für einen dieser oder ähnlicher Zwecke Opfer heischt, findet ohne Zögern Er- hörung, weil man dafür überall Verständniß und ein Herz hat.

Für gar manchen anderen guten Zweck, durch den auch ein dringendes Bedürfniß befriedigt werden soll, klopft man aber selbst bei den Best­gesinnten oft vergeblich an und doch müssen wir als Christen auch für diese Zwecke unseren Opfersinn in heutiger Zeit bethätigen.

Welches Zögern und Bedenken zeigt sich, wenn man Beiträge verlangt für die Gründung oder Unterstützung eines katholischen Arbeiter­vereins oder Arbeiterhospizes, Lehr­lingsvereins, von Haushaltungsschulen für Arbeiterinnen, eines Arbeiterwohnungs-Bau­vereins? Man scheint diese Werke gar nicht unter die „guten Zwecke" zu zählen.

Wie mancher auf dem Lande stutzt nicht, wenn man ihn um seinen Beitritt zu einem länd­lichen Darlehnskassenverein oder einem Bauernverein oder einer ländlichen Genossen­schaft bittet mit dem Hinweise, es sei dies ein wichtiges und höchst einflußreiches Werk christ­licher Nächstenliebe und echter Menschenliebe. Tausenden sei dadurch schon geholfen worden. Wenn man durch diese Mittel viele Familien vor dem wirthschaftlichen Niedergange und der Ver­armung rette, so sei das weit nützlicher und

verdienstvoller, als wenn man später den Ver­armten durch Almosen ein Leben friste, in dem sie es doch nicht wieder zu geordneten Verhält­nissen bringen. Wie selten findet man dafür Verständniß!

Wie viele Handwerker bleiben den Innungen fern, durch die so mancher nothleidende Standes- genosse über Wasser gehalten werden könnte? Und es sind oft dieselben Männer, die es als eine Ehrensache ansehen, thätige Mitglieder in verschiedenen christlichen Wohlthätigkeitsvereinen zu sein.

Geht man aber noch höher hinaus, fordert man Unterstützung, um durch Versammlungen, durch Schriften und Flugblätter den für den Glauben unseres Volkes verderblichsten Bestreb­ungen unserer Zeit, denen der Sozialdemo­kratie nämlich, entgegenzuwirken, dann fehlt es dafür leider allzuoft, auch bei Gebildeten, an Sinn und Verständniß, daß man auch an diefem guten Werke mitarbeiten müsse.

Spricht man aber gar davon, daß der wirth- schaftliche Niedergang und die Nothlage in fast allen Erwerbsständen, daß der drohende Zerfall des Mittelstandes, daß die körperliche, geistige und sittliche Verelendung Hunderttausender Arbeiter und Arbeiterinnen infolge ungenügenden Lohnes, übermäßiger Arbeitszeit, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnoth, infolge der Zerstörung vieler Zehn­tausende von Arbeiterfamilien durch die Fabrik­arbeit der Frau und Mutter, dringend fordere, daß die öffentliche Meinung für die Grundsätze einer besseren, christlichen Sozialpolitik gewonnen, sodann zu deren Ausführung dieThätig- keit der Gesetzgebung, wie der berufsgenossenschaft­lichen Selbsthilfe angeregt und in die Wege ge­leitet werde — dann schütteln noch weit mehr Gutgesinnte ihr Haupt über die Zumuthung, daß auch sie dabei mitwirken sollen. Stillschweigend oder mit diesen oder ähnlichen höflichen Worten lehnen sie ihre Mitwirkung ab: „Dafür fehlt mir die Zeit. Ich habe mich mit diesen Fragen auch noch nicht beschäftigen können. Es gibt dringlichere Aufgaben, und deren lasten schon gerade genug auf meinen Schultern. Ich bin überhaupt nicht für diese sogenannten sozialen Bestrebungen, von denen man seit einigen Jahren so viel Aufhebens macht. Ich meine, wir sollten uns überhaupt auf

die kirchliche und religiöse Wirksamkeit beschränken. Von allen diesen sozialen Vereinen und Veran­staltungen halte ich nicht viel: sie schädigen ost mehr als sie nützen."

Mit diesen Bedenken und Einwendungen wurde bis zur heutigen Stunde den oben genannten, stets nur segensreich wirkenden sozialen Vereinen und Veranstaltungen, auch dem Volks vereine und seinen Bestrebungen gar manche geistliche und weltliche Thüre verschlossen.

Inzwischen fließt unaufhörlich Noth und Elend für Hunderttausende christlicher Brüder und Schwestern aus den falschen sozialen Grund­sätzen, die im wirthschaftlichen und gesellschaft­lichen Leben noch die Herrschaft führen. Viele Tausende haben drob schon anGott und der bestehenden Ordnung verzweifelt. Unge­zählten, die noch treu an ihrem Gott und Glauben hängen, will das Herz brechen ob der Rath- losigkeit, wie sie mit den Ihrigen das Leben noch fristen, das oft nur mehr ein Ringen mit dem Hunger und der Blöße ist. Viele, andere, die noch zu den Besitzenden zählen, Handwerker, Landwirthe, Gewerbetreibende, fühlen mit Schrecken en Boden ihrer Existenz unter den Füßen wankend.

Hat man für alle diese kein Erbarmen, keine Hilfe übrig? Oder habt ihr, die ihr theilnahms- los an den Opfern der Maffenarmuth und des sozialen Elends vorübergeht, nur Verständniß für das Wort: Almosen? Nun denn, welchem Almosen könnt ihr vergleichen, was Kolping in den Gesellenvereinen dem Handwerkerstands, was Raiffeisen in seinen Darlehnskassen dem Bauernstände, was Bischof Ketteler und seine Nachfolger in dem Arbeiterschutze dem Arbeiter­stande schenkten, um nur einige Beispiele zu nennen! Diese Männer legten nicht nur lindernden Balsam auf Wunden, sie heilten Wunden; sie unter­stützen nicht blos für einen Augenblick die Noth- leidenden, sondern verstopfen die Quellen, aus denen das Unheil floß und gruben dafür Brunnen, aus denen ganze Geschlechter Gesundheit, Kraft und Lebensglück für sich und ihre Nachkommen schöpfen können. Diese Werke solcher Männer müßten doch allen die Augen öffnen, daß sie ver­ständen, nicht bloß im Kleinen, sondern auch im Großen und vor allem auf sozialpolitischem Ge­

biete „Gutes unseren Brüdern zu thun" und Gottes Ehre dadurch zu mehren.

Wer hat nicht schon ausgerufen oder dem Rufe zugestimmt: „Nur mit Hilfe des Christen- thums und der Kirche kann die soziale Noth be­seitigt und die soziale Frage „gelöst" werden!" Mit dieser Behauptung allein aber wird nichts geschaffen. Sie ist im Munde dessen, der sich von allen sozialen Vereinen und Veranstaltungen fern hält, eine leere Phrase, die unseren Gegnern nur Anlaß zu Hohn und Spott bietet. Wo an einem Orte Geistliche und Laien nicht Hand in Hand arbeiten auf sozialem Gebiete, da wird die Kirche auch nie etwas leisten zur „Lösung" der sozialen Frage. Wir alle müssen uns bestreben, daß wir die Ersten und Eifrigsten sind, die sozia­len Lehren und Gebote des Christenthums in dem vielgestaltigen wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Leben mit Geduld und verständnißvoller Hand durchzuführen — in der Gesetzgebung zuerst, dann in der genossenschaftlichen Selbsthilfe der einzel­nen Stände, sowie in gemeinnützigem Wirken, wo immer sich uns Gelegenheit bietet.

Wer ein Almosen spendet und die Armuth lindert, thut gewiß ein gutes Werk. Ein weit besseres Werk aber ist es, durch das genannte soziale Wirken vor Verarmung zu schützen und so dafür zu sorgen, daß möglichst wenig Almosen nöthig sind.

Vermischtes.

* Der Blitzjunge. Tante Thrine macht bei der Mama des kleinen Fritz Besuch, und als das Dienst­mädchen Letztere für einen Augenblick herausruft, sagt die Tante zu dem Kleinen, er solle ihr ein Fußbänk­chen holen. Fritz zögert. „Ja, weißt du, Tante “ entgegnete Fritzchen mit einem Blick auf dem Tisch, „dann wärst du ja allein beim Kuchen!"

* Probe. „Du kannst Künstler sein welcher Richtung Du willst — und zweifelst Du an Deinem Werke, so trinke Dir einen tüchtigen Rausch an--

gefällt Dir dann im Kater Dein Werk noch — dann ist es etwas!"

* Die Warnung. Dorfküster: „Kleemaier, ich fürcht, Sie werden noch die Hosen verlieren!" Bauer: „Ich? Wieso? Dorfküster: „Sie werfen jedesmal einen Hosenknopf in den Klingelbeutel."

* Immer höflich. Scharfrichter (zum Delinquenten, welcher niest): „Zur Gesundheit!"____________________

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