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Erscheint täglich, -rn. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljährl.

Kezugsprrts ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

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Inserate: Die ein« spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechenv. Rabatt gewährt.

mit Unterhaltungs-Anlage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung!' petersgahe Nr. 2 (Barmonie).

M 290.

JuLdcr, Dicnstag, den 20. Dezember 1898.

25. JahrgMtz.

Kurz vor Neujahr -feine Zeitung zu bestellen, ist wenig ernpfehlens- werth, da gerade in dieser Zeit sich die Arbeit bei den Postanstaltkn häuft. Es empfiehlt sich deshalb für die Leser der .Juldaer Zeitung', welche ihr Blatt durch die Post beziehen, schon jetzt ihre Bestellung für das 1. Vierteljahr 1899 bei dem Postamt oder dem Landbriefträger z» erneuern.

Wer die ,A«kdaer Zeitung' für die Mo­nate Januar, Februar und März bei uns oder auf der Post bestellt, erhält dieselbe bis 1. Januar auf Wunsch gratis.

Die Zahl unserer Abonnenten ist in den letzten Monaten abermals sehr bedeutend gestiegen, und beträgt nunmehr

g: 3400. :g

Die ,Juldaer Zeitung' ist in Folge dieser ihrer hohen, noch fortwährend steigenden Auflage zugleich cas wirksamste Infertions- otgatt.

Mit dem neuen 26. Jahrgange der ,Fuldaer Zeitung' werden wir wiederum manche Der- Sesseruuge» im Inhalte unserer Zeitung vornehmen, die gewiß den Beifall unserer Leser finden werden.

Mit der ersten Nummer im neuen Jahre er­halten die Abonnenten einen Wandkalender gratis.

Durch Wiedergabe der amtliche« Ae- kanutmachuugen und Kolzverkänfe sowie der vollständigen Ziehungslisten der preutz. Klassenlotterie kommt die ,Fuldaer Zeiturg' einem allgemeinen Wunsche entgegen.

Die deutschen Schutzgebiete.

Kurz ehe der Reichstag in die Weihnachts- -fetien gegangen ist, hat der Reichskanzler ihm eine ausführliche Denkschrift über die deutschen Schutzgebiete zugehen lassen, mit Ausnahme von Kamerun, das noch nachträglich in einer besondern Schrift behandelt werden soll. Die vorliegende Schrift ist ein stattlicher Folioband von beinahe 170 Seiten und ist eingetheilt nach den ver­schiedenen Schutzgebieten: Togo, Deutsch Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika und Marschall-Inseln, oder vielmehr Marshall- Inseln, wie es in der Denkschrift noch immer nach englischer Weise geschrieben ist. Als be­sonderer Anhang ist noch eine Denkschrift bei- gesügt über die Verwendung des Afr ikafonds. Diese letztere zu prüfen kann man der Budget- Kommiffion des Reichstages überlassen. Allge-

Mr, Schvkki uni) fadttl.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg. Von Philipp Wasserburg (Laicus).

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So wurde er bald der Liebling des ganzen Hauses; und er — nun er hatte die ganze Welt gern, auf der ganzen Welt aber besonders Eine, und das war Gerda, des Hauses Töchterlein. Das ganze Haus wußte das auch; denn Knechten und Mägden bleibt es nicht unbemerkt, wenn zwei Verliebte sich einander in die Augen sehen. Nur Einer wußte nichts: der Kaufherr selbst. In seiner Gegenwart waren die Liebenden zu befangen und ihre Blicke mieden sich eher, als daß sie sich suchten. In Küche und Keller, in der Packkammer und auf den Speichern bildete die Frage, ob sich die beiden bekämen, den Gegen­stand der lebhaftesten Erörterungen, nur wenn der Hausherr kam, verstummten die Gespräche, und wie sollte er es da erfahren?

Im Uebrigen hatte sich das Liebesverhältniß Zwischen Gumbert und Gerda bis in die letzten Wochen darauf beschränkt, daß sie sich suchten und errötheten, wenn sie sich fanden; daß sie sich merk­würdig viele Dinge zu sagen hatten, wenn sie einander ferne waren, und verstummten, wenn sie einander begegneten. Vor wenigen Wochen erst hatte die Gelegenheit sich förmlich ihnen aufge­drängt, daß sie sich nicht länger verheimlichten, was sie eigentlich längst wußten, und dabei hörte Gerda zu ihrer richt geringen Ueberraschung, daß Gumbert ihr eigentlich schon früher zugethan ge­

meines Interesse haben mehr die Angaben über die einzelnen Schutzgebiete.

In unseren afrikanischen Schutzgebieten haben sich während des letzten Berichtsjahres von 1897 zu 1898 mancherlei besondere Uebelstände fühlbar gemacht. Namentlich haben dieselben unter großer Dürre gelitten, und ganz besonders ist dies in Ostafrika der Fall gewesen, das außer­dem auch von zahlreichen Heuschrecken-Plagen heimgesucht worden ist. Man sieht daraus, daß der landwirthschaftliche Betrieb in jenen Gegenden unter Umständen mit außerordentlich großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat; und kommt dann noch dazu, daß ein solches Gebiet, wie unser süd­westafrikanisches Schutzgebiet gegenwärtig, unter allerhand Seuchen und ihren bösen Folgen zu leiden hat, dann wird die Lage recht mißlich.

Im deutscben Süd west afr ika ist unter dem Einflüsse der Rinderpest der Viehbestand stark zurückgegangen, und noch mehr als die Rinder­pest hat eine Fieberepidemie der Entwicke­lung des Landes geschadet. Im Jahre vorher wurden die nördlichen und östlichen Theile des Landes vom Fieber befallen; während des Be­richtsjahres hatten darunter nach der letzten, an Niederschlägen ganz besonders reichen Regenzeit das Hereroland und die südlich davon gelegenen Gebiete zu leiden. Während dieser Fieberepidemie ist eine überraschende Beobachtung gemacht worden: die Weißen jener Gebiete, die vom Fieber er­faßt wurden, wurden zum größern Theil wieder gesund; von den fieberkranken Eingeborenen starb dagegen ein erschreckend großer Theil. Der Charakter dieser Krankheit, die dort gemeinhin Fieber genannt wird, erinnert sehr an Unterleibs­typhus. Aber die genaueren Untersuchungen haben ergeben, daß Typhusbacillen fehlen, wohl aber der charakteristische Bacillus des Malariafiebers vorhanden ist. Infolge großer Sterblichkeit unter den Eingeborenen entstand eine große Noth an Arbeitern, so daß der Bau der in Angriff genommenen Eisenbahn ebenso ins Stocken gerieth, wie die Arbeiten auf dem Acker und an den Wegen. Nach den Erfahrungen früherer Perioden darf man aber hoffen, daß diese Malaria- Epidemie nunmehr überstanden ist. Man glaubt, daß das in Folge der Rinderpest massenhafte Sterben der Rinder und die als weitere Folge eingetretene Verunreinigung der Wasserstellen viel zur Heftigkeit der Epidemie beigetragen hat. Jedenfalls muß wohl also Bedacht darauf ge­nommen werden, daß die Wasserbehälter für die Zukunft vor solchen Verunreinigungen geschützt werden. Daß der Aufstand der Zwart- b o o i-H o 11 e n t o 11 en vollkommen niedergeschlagen worden ist, weiß man bereits aus den vorauf­gegangenen Zeitungsberichten. Mehrere eingeborne Häuptlinge haben willig bei der Unterdrückung dieses Aufstandes Hilfe geleistet. Die Ein­wanderung ist besonders in Swakopmund gewesen. Dies kommt davon her, daß dort viele Leute beim Bahnbau Beschäftigung suchten. Das ganze Schutzgebiet steht noch immer in den aller­ersten Entwickelungsstufen. In Swakopmund wurden während des Berichtsjahres im Ganzen 15 neue Gebäude errichtet (Wohnhäuser und Lagerschuppen), und diese Thatsache erwähnt die Denkschrift als etwas Besonderes. Am 1. Januar wesen, und daß er nur deßhalb seine Dienste ihrem Vater angeboten, weil er in ihrer Nähe weilen wollte. Und er hätte ihr wohl noch mehr von seiner Vergangenheit erzählt, aber da kam gerade der dicke Buchhalter, Jonathan Spärlich, der auf der anderen Seite zwischen dem leeren Stuhle Gerda's und dem behäbigen Sessel der alten Linnenbeschließerin, einer wichtigen Person im Haushalte Locana's, saß, und schnitt den beiden die Rede ab. Die kurzen Unterredungen, welche die Liebenden später verstohlener Weise hatten, drehten sich nicht um die Vergangenheit, sondern vielmehr um eine in rosigem Lichte erstrahlenden Zukunft, und gerade die Neujahrsnacht sollte ihren Plänen zufolge den ersten Tag hervor­bringen, welchen die Sonne ihres Glückes von unumwölktem Himmel herab beschien.

An jedem Sylvesterabende pflegte der Kauf­herr sein ganzes Hausgesinde um sich zu ver­sammeln. Wie sie das ganze Jahr über gemein­sam gearbeitet, so wollten sie das alte Jahr mit gemeinsamen Erinnerungen in Freuden beschließen und das neue mit gemeinsamen Hoffnungen be­grüßen. Abgesehen von dem Ehrentische, zu dem der Kaufherr die ihm nächststehenden Arbeiter be­rief, gab's in dieser Nacht keinen Unterschied zwischen Herrn und Knechten. Ec hatte es gern, wenn die Gesichter zufrieden strahlten, und wenn die Fröhlichkeit mit der Zunahme des genoffenen Weins auch etwas lärmend wurde, so schien ihm das ganz behaglich zu sein; daß keine rohen Aus­brüche, die ihn verletzen mußten, stattfanden, deß war er von vornherein überzeugt; dazu verehrten ihn feine Leute zu hoch, und die Anwesenheit Gerda's gestattete keinerlei Ueberschreitung der

1898 wurden in Südwestasrika 2544 Weiße gezählt, darunter 1242 männliche Deutschen.

Das Schutzgebiet von Togo befindet sich nach den Angaben der Denkschrift in erfreulicher Entwickelung. Als Haupterzeugnisse sind zu erwähnen Oelpalmen, Kaffee, Kautschuk, Mais und Erdnüsse. Namentlich die Kultur von Kokus- palmen und Kautschuk ist in guter Entwickelung. Aber der Handel hatte während des Berichts­jahres unter den Folgen der Dürre zu leiden. An Palmöl wurden 473,788 Liter ausgeführt, kaum weniger als >m Jahre vorher.

Eine erfreuliche Mittheilung bringt die Denk­schrift aus Ostafrika. Danach macht die Be­siedelung dort gute Fortschritte, und „das Ge­fühl der Ruhe und Sicherheit im Lande" be­wirkt es, daß „manche, vorher durch den Sklaven­raub verödete Gebiete nach und nach wieder be­völkert werden". Merkwürdig ist, daß selbst in Ostafrika der Zug nach den Städten sich unan­genehm fühlbar macht. Die Denkschrift sagt darüber: „Hindernd für die ausgiebige Besiede­lung des Landes ist die große Anziehungs- kraft der Städte für die Neger, wo sie ihren Lebensunterhalt leicht und schnell finden können, ohne mit der Hacke mühsam die Felder bestellen zu müssen." Mit Bergbau hat mau Ver­suche gemacht; aber bisher ist es noch bei den Versuchen geblieben. Ein neuer Erwerbszweig, von dem man sich viel verspricht, soll die Muschel- und Perlenfischerei werden. Zumal an der Insel Mafia erhofft man davon gute Ergebnisse.

Auf den Marschallinseln spielt nach wie vor die Kokospalme nicht nur die Hauptrolle unter den wirthschaftlichen Erzeugnissen, sondern verdient unter diesen fast allein ernstliche Beachtung.

Die weiße Bevölkerungistamzahlreichsten in Südwestafrika. Dort gibt es, wie erwähnt, mehr als 3500 Weiße. In Ostasrika beträgt deren Zahl nur etwa 900, darunter drei Viertheile Deutsche. Togo beherbergt unter 112 Europäern 101 Deutsche an 16 Wohnplätzen.

Deutsches Deich.

Berlin, 19. Dezember.

x Es ist berichtet worden, daß der Bundes­rath in seiner letzten Sitzung am Donnerstag voriger Woche einen Antrag von Schanmönrg- Lrppe zur; lippeschen Thronfolgefrage an die ständigen Ausschüsse überwiesen hat. Man wußte nicht genau, um was es sich dabei handele. Jetzt wird berichtet, es habe sich dabei „nur um ein neues Rechtsgutachten gehandelt. Fortgesetzt würden dem Bundesrathe von beiden Seiten derartige Dokumente in großer Zahl zu- gestellt, und alle diese würden einer ganz sorg­fältigen Prüfung unterzogen". Diese Erklärung genügt nicht ganz. Warum hielt man es gerade diesmal für nothwendig, der Sache in dem amt­lichen Berichte Erwähnung zu thun und früher nicht?

0 Urb er das Befinden des Finanzministers von Wiquek gelangen roch immer ungünstige Berichte an die Oeffentlichkeit. Seit seinem letzten Unwohlsein soll sich des Ministers nervöse Abspannung und Müdigkeit bemächtigt haben,

nöthigen Grenzen, innerhalb deren die Freude vollauf Raum hatte, die Gemüther anzuregen.

Diese herannahende Freudennacht war der Zeitpunkt, welchen Gumbert und Gerda bestimmt hatten, dem Vater sich anzuvertrauen und ihr Glück in seine Hände zu legen. Wenn je, so war er in diesen Stunden dem Gedanken zu­gänglich, daß fein Eidam kein Sprosse einer an­gesehenen Magdeburger Kaufmannsfamilie fein müsse, sondern daß nur das Glück seiner Tochter ihn in seinem Entschlüsse bestimmen dürfe. Gum­bert hatte sich für diesen Fall die schönsten Reden ausstudirt, und wenn er allein war, entwickelte er eine Beredtsamkeit, über deren Kraft und Feuer er selber sich höflichst erstaunte, so daß er nicht im Entferntesten am Gelingen zweifelte, und sich schon im Geiste als den Nachfolger Locana's dis- poniren sah, während dieser sich ausschließlich der Uebung seiner Rathspflichten hingab und im Uebrigen eine würdige Zurückgezogenheit von den Geschäften beobachtete. Er hatte gearbeitet, er war berechtigt, den Rest seines Lebens zu ruhen.

Gumbert war, wie der Leser sieht, von den edelsten Absichten beseelt; er hatte im Verein mit Gerda den Alten auf den Händen getragen, und er meinte, ihm das auch überzeugend klar legen zu können. Die Zeit war jetzt gekommen, das zu thun. Als gutes Zeichen nahm er, daß Cleo- phaS ihn an feine Seite berufen hatte, welche Stelle sonst der alte Buchhalter einnahm, dem diesmal fein Platz an Gerda's Seite angewiesen wurde. Aber gerade jetzt, wo es darauf ankam, konnte er nicht den richtigen Eingang finden. Seine Beredtsamkeit war. nach allen Winden; stumm und in sich gekehrt saß er und betrachtete

deren er sich bisher noch nicht erwehren konnte. Besserung erwartet man erst von der Ruhe während der Weihnachtszeit.

X Im amtlichen,Reichsanzeiger' wird eine Mittheilung gemacht, die unbedingt großes Auf­sehen erregen muß. Gegen den ordentlichen Pro­fessor an der Berliner Universität, 3>r. Kans Delöriick, Herausgeber der preußischen Jahr­bücher', ist das Disziplinär - Verfahren eingeleitet worden. Dieses Verfahren wird be­gründet unter Hinweis auf § 2 des preußischen Gesetzes vom 21. Juli 1852 über die Dienstver­gehen der nicht richterlichen Beamten, und es ist eingeleitet worden wegen Dr. Delbrück's Aeuße- rungen über die Ausweisungen aus Nord­schleswig im letzten Hefte feiner preußischen Jahrbücher', Diese Aeußerungen richteten sich gegen diese Ausweisungs-Maßregeln des Ober» Präsidenten v. Köller, für die ja nach neuerer Versicherung die preußische Hauptregierung die Verantwortung übernehmen und die sie im preußi­schen Landtage gegen alle Angriffe vertheidigen will. Herr Professor Delbrück hatte in den letzten Jahren stets viele Angriffe auszuskehen aus den Reihen seiner eigenen, also der konservativen Par­tei, weil er kein Mann nach der konservativen Partei-Schablone ist, sondern sehr oft feine eigene Meinung hatte und diese auch in seinen .Preußi­schen Jahrbüchern' stets freiheraus betonte. Man wird wohl ziemlich in's Schwarze treffen mit der Vermuthung, daß ihm feine eigenen Parteifreunde dieses Disziplinär-Verfahren bereitet haben.

* Die Antianarchisten Konferenz in Rom wird vermuthlich am 21. d. M. geschloffen werden. Ueber ihre Beschlüsse erfährt man noch nichts Genaueres. Vielleicht fehlt es auch an eigentlichen, gemeinsamen Beschlüssen von wich­tiger Bedeutung.

-f- Vor einiger Zeit machte durch die Presse mehrfach die Nachricht die Runde, daß die Marine- Verwaltung die Errichtung eines Kriegshafens großen Stiles in Danzig plane. Daraufhin hatten die städtischen Körperschaften von Pillau eine Petition an den Reichstag und an das Reichs- Marine-Amt gesandt, worin sie darum baten, in Pillau eine Torpedoboots- Station zu errichten. Jetzt hat das Reichs-Marine-Amt diese Petition beantwortet und in seiner Antwort mitgetheilt, daß die Nachricht von der Errichtung eines Kriegs- Hafens in Danzig „jeder Grundlage ent­behre"; der Pillauer Hafen genüge als Stütz­punkt für Torpedoboote und kleinere Fahrzeuge allen Anforderungen.

st Die weibliche Linie des Freisinns, die Ireistnnige Bereinigung, schließt sich in der Behandlung der Frage der zweijährigen Dienstzeit den Nationalliberalen und Frei­konservativen an. Die Wochenschrift der Frei­sinnigen Vereinigung, die ,Nation', theilt mit, daß ihre Partei nicht versuchen werde, die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit herbeizuführen. Denn derlei habe vorläufig nur „theoretisches Interesse". Die Freisinnige Vereinigung stellt sich also auch hier in geraden Gegensatz zur Freisinnigen Volks­partei.

X Tie Gehälter der Iluterveamten bil­den gegenwärtig ein Thema, das zu vielfachen seinen Teller, so daß der Kaufherr, dem schließ­lich diese hartnäckige Schweigsamkeit auffiel, ihm mehrfach von der Seite einen Blick zuwarf, und ob dieser ungewohnten Seltsamkeit den Kopf schüttelte.

Die Schüffeln wurden aufgetragen, dem Weine wurde zugesprochen, die Stimmung wurde eine angeregtere, Gumbert aber blickte immer noch auf feinen Teller. Gerda tarn und nahm ihren Platz ein; sie war so aufgeregt, daß sie kaum einen Bisst n zu essen vermochte. Sie schaute verstohlen zu Gumbert hinüber, der immer noch auf feinen Teller sah.

„Ja, ja," meinte endlich einmal Herr Felix Wiehre, ein Mann des Komptoirs, der ebenfalls zu den Bevorzugten gehörte, „das wird erst schön werden, wenn in diesem Jahre der Friede vollends geschloffen wird!"

„Das wäre ein Segensjahr," meinte darauf der alte Locana mit einem tiefen Seufzer.

„An die zwölf Jahre schon geht die Kriegs­furie durch das Reich," fuhr der Buchhalter fort, „und von keinem Wagenzug mag man wissen, ob ihn nicht die Banden, die noch von Mans- ftld's Zeiten herumziehen, oder die Kroaten für gute Beute erklären."

„Gott sei's geklagt," bemerkte Locana darauf. „Da sagen sie, es sei nur die Religion; und unter diesem Vorwande sammelt sich alles Räuberge­sindel im deutschen Reiche und will der Tyrannei des Papstes wehren! Gott schütze uns vor jenen Tyrannen; der Tyrannei des Papstes wollen wir uns schon selber erwehren!"

„Ich hatte es nicht für möglich gehalten, da unser hochwürdigster Herr ein Weib nehmen un