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FuldaerMZeitung
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mit Nnterhaltungs-Beilage „Muflrirte Sonntags-Zeitung!'
Druck und Verlag der Fuldaer Acnendrnckerei peterogake Nr. 2 (Darmonie).
25. Jahrgang.
Iul'öa, Dienstag, den 20. Dezember 1893
M 210.
[] Fröhliche Weihnachten!
Mich hielt die Pflicht draußen zur Weihnachtszeit. Immer hatte ich Weihnachten daheim gefeiert mit Eltern und Geschwistern. Ach ja, es sind selige Tage, die uns die geweihte Nacht bringt und das Christbäumchen mit seinem heiligen
Ich fand alles inHülle und Fülle, und ich brauchte nur zu wünschen und die beiden Gebinde wollte man bereitwilligst an Ort und Stelle besorgen. Ich dankte, packte das eine rechts, das andere links und eilte nach der Thüre, die mir ein Ladendiener gesälligst öffnete. Und nun eilte ich vorbei an den großen Fenstern, aus denen reichlicher Kerzenschein mit dem Hellen Lichte der Kronleuchter um die Wette auf die Straße fluthete; Wie stille gehts darauf her, fast schweigsam, und die Wenigen, die da noch wandeln müssen, huschen eilig vorbei und selbst die Schaufenster mit ihren verlockenden Schönheiten und Nützlichkeiten finden kaum Beachtung; wohl kauern hier und da Gestalten davor, große und kleine und bin besorgt, ob nicht auch die Kleine vielleicht darunter sei, denn wer wollte es ihr verübeln, wenn sie so wenigstens heute am Weihnachtsabend sich vergnügte. Die da wie festgewurzelt stehen, sind sicherlich aus jenem Viertel, zu dem ich eilig meine Schritte lenke. .
Ich brauche nicht zu schellen, die Thüre steht sperrweit offen, den holperigen Flur hellt spärlich ein mattes Licht. Eine Fcau wie's mich, indem sie die beiden Päckchen und mich eines kurzen Blickes würdigte, auf eine gebrechliche Treppe am Ende des langen Flures und meinte: „Bis die aufhört." Da nirgends ein Licht war, so war das Unternehmen fast halsbrecherisch. Es ward auch manche Thüre geöffnet und neugierige Köpfe wurden sichtbar, die jedoch bald wieder verschwanden, da sie merkten, daß es ihnen nicht gilt. Da endlich — ich höre sprechen „Christkind" klingts aus Kindermund und dann vernehme ich eine schwache Stimme, kann jedoch die Worte nicht versteh'». Ich klopfe. . .., letzt wieder, die Kleine öffnet selbst und fahrt erschrocken zurück; sie erkennt mich nicht in dem großen Mantel. ,
„Das Christkind schickt Euch hier Wnhnachts- gaben", mit diesen Worten betrat ich die Stube. Dann öffnete ich das eine Bündel und reichte der Kleinen die Sachen Stück um Stück und sie lief immer mehr jubelnd jedesmal zur Matter, die freudig nickte — auch ich sprach kein Wort. Und als ich so an dem Glücke der Kleinen theil- genommen und mich zur Mutter wenden wollte, um auch ihr einige frohe, trostreiche Worte zu sagen, leuchteten mir aus ihren abgehärmten Zügen zwei freudig verklärte Augen entgegen und ihre hageren Hände lagen gefaltet auf der Decke. Ich vermochte kein Wort zu reden, schnell schnitt ich noch den Faden entzwei, der das andere Gebinde zusammenhielt, drückte der Frau die Hand und eilte mit ihren herzlichen Wünschen und einem Blick auf die Kleine, inmitten der Sachen, von bannen. , ., , .
Ja, Geben ist feliger als Nehmen, ich habe doppelt, ja dreifach Weihnachtsfreude empfunden. Das beseligende Gefühl einer guten That, die wohl Nächstenliebe billigkr Weise fordert, die aber des Herzens Drang opferwillig auszubeuten weiß, hall Du Leser wohl schon öfters empfunden. Nun wohl Dir, und ist den milden Händen em Ziel gesetzt, so wollen wir sie falten zum Gebete gleich den frommen Hirten, die, weit sie guten Willens sind, des hehren Weihnachts-Glückes zuerst theilhaftig wurden, dann wird uns der Friede des Herzens, den Gott durch der Engel Mund als beste Weihnachtsgabe verheißen hat, in besonderem Maße zutheil.
Zauber vermag die Wehmuth zu scheuchen, daß die Freude hell aufrieselt. Mein Cyristbäumchen stand da hübsch sinnig geschmückt, und jedes der Lieben daheim war bedacht. Ich wollte ja Weihnachten mit ihne.i feiern, und ihr Lächeln, ihre freudestrahlenden Mienen sollte mir das Gedenken treulich malen, und ich wollte ihre Gaben unter dem strahlenden Weihnachtsbaume wie aus ihrer Hand in Empfang nehmen und so blieb das Körbchen unberührt.
Die Sternlein, die da allgemach am Himmel erscheinen, sind es nicht Engelein, die voll Ehrfurcht herniederschauen auf die armselig^ Welt! Ja, fürwahr, armselig ist die Welt zur Weihnachtszeit, da Gottes Sohn die Armuth liebreich erkor, damit wir werden Himmelreich. Und ich höre die Engelein singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die ein-s guten Willens sind" und ich falte die Hände, und die weißen Flöckchen weben der Erde das Feierkleid. Nun, Kerzchen um Kerzchen flammt auf an meinem Bäumchen und wie Weihrauch durchzieht der Tannenduft das trauliche Stübchen und das holde Jesulein lächelt mir aus dem Krippchen so liebevoll zu. Ganz leise schlage ich einige Akkorde an und singe voll heiliger Lust: „Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein, das hab' ich auserkoren, sein eigen will ich sein" — da, war es nicht, wie wenn jemand anklopft, wer mag der Störenfried wohl sein? — Ich öffne die Thüre — ein bleiches Kind blickt mich bittend an. Mir war's als flehe das Jesuskind selbst mich an. Schnell führe ich die Kleine in die warme Stube, führe sie hin zum Bäumchen, da soll sie wählen nach Herzenslust, und zeige ihr das Jesuskindchen in der Krippe, das alle die schönen Sachen bringt. „Jesukind," spricht sie mit eintöniger Stimme und nickt dazu, und wiewohl die großen blauen Augen im Kerzenschimmer leuchteten, so entging mir doch nicht, daß die kindliche, herzinnige Theilnahme fehlte. Nachdem sich ihre Augen genugsam geweidet hatten an der Pracht des Bäumchens, reichte ich ihr das darunter liegende große Stück Lebkuchen und setzte sie auf den Stuhl nahe bei dem Ofen und erzählte dann: „Das Christkind schickt auch Dir heute hübsche Sachen: ein warmes Kleidchen, neue Schuhe, Strümpfe und ein warmes Tuch und Aepfel, Nüsse und Zuckerpuppen, noch größer, wie diese da Es sah mich groß an und biß behaglich in den Lebkuchen, und ich musterte das Kind — wie hüllt es dürftig ein ärmliches Kleidchen aus vergilbtem Sommerstoff, und die Füßchen, wie werden sie kalt sein! — Meine Worte machten nicht den gewohnten Eindruck — wohl schon manches Mal hat es solche verheißenden Worte gehört und dann bemühte man sich wohl, mit anderen die wehmuthvolle Enttäuschung zu scheuchen. Jetzt hält es inne mit dem Effen, legt den Rest in sein Körbchen, rutscht von dem Stuhle und eilt zur Thüre: „Will's der Mutter bringen," spricht sie, „Mutter ist krank". Doch erst, als sie mich beschieden und mir das Gebetchen nachgesprochen :
Jesukindlein, komm' zu mir In mein Herz, ich schenk' es dir. Dir soll's sein ein Krippelein, Darum halt' ich's allzeit rein. Und vertheilst du Weihnachtsgaben, Jesulein, will auch was haben!
ließ ich sie gehen. Also Graberweg, Nummer 79. Ja, dort wohnt die Armuth zu Hause._________
ft Die Kavallerie des katholischen Volkes,
wie der hochw. Herr Bischof Dr. Haffner die katholische Presse auf dem Mainzer Katholikentage genannt hat, findet leider in manchen Kreisen der Katholiken noch immer nicht diejenige Unterstützung, welche sie einerseits im Hinblicke auf die vielen und großen Opfer, die sie nicht nur in den stürmischen Tagen des „Kulturkampfes" gebracht hat, sondern noch fortwährend Dringt, andererseits in Anbetracht der wachsenden Macht der antikatholischen, glaubensfeindlichen Presse verdient. Wir wollen hier nicht der! Näheren auf den Werth und die Bedeutung der Presse überhaupt eingehen; jeder nur Halbwegs politisch geschulte Bürger weiß es ja zur Genüge, welche Macht die Presse in unserer Zeit erlangt hat, so daß es im öffentlichen Leben kaum etwas gibt, was dieser Macht ebenbürtig zur Seite gestellt werden kann. Unsere Gegner und Feinde haben dies längst erkannt und daher der Presse ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Sie haben weder Mühe noch Opfer gescheut, um die Preffe, in welcher sie ihre Ideen zum Ausdruck bringen, im Volke zu Derbreiten, und wenn wir heute mit tiefem Weh sehen, wie die religiöse Gleichgiltigkeit die weiten Kreise des Volkes für die verderblichen Ideen der Sozialdemokraten empfänglich macht, in unserem Vaterlande verbreitet ist, dann müssen wir uns sagen, daß diese Thatsache in erster Linie mit das Ergebniß der Wirksamkeit der „liberalen", christenthumsfeindlichen Preffe ist.
Es muß daher als durchaus verwerflich bezeichnet werden.wenn seitens katholischerFamilien- Däter und Bürger jene Presse direkt oder indirekt unterstützt wird, wenn sie dieselbe bezahlen, in ihrem Hause auflegen und ihr Anzeigen — gleichviel welcher Art zuwcnden. Die Pflicht eines I e d e n K a t h o l i k e n, eines jeden gläubigen Christen ist es, mit aller Entschiedenheit gegen eine Preffe aufzutreten, welche systematisch den Glauben bekämpft und darauf ausgeht, dem Volke das Gift der modernen „Aufklärung" einzuimpfen.
Aber nicht nur gegen die Presse, welche sich offen zum Unglauben bekennt, muß seitens der gläubigen Elemente energisch Front gemacht werden, auch gegen jene Preffe gilt es vorzugehen, die da in einem „farblosen" Mäntelchen auftritt, aber in ihren Spalten alles Mögliche bringt, was dazu dient, das religiöse Bewußtsein zu schwächen und die politische Gesinnung zu beeinträchtigen. Die sogenannte farblose Presse, welche es mit Niemandem verderben und jedem „Jntereffantes" bringen will, wirkt bezüglich der Kraft der religiösen Ueberzeugung und der politischen Anschauung wie Opium, sie schläfert ein nnb entnervt, sie macht aus ihrem stänbigen Leser eine politische Wetterfahne, die sich von jedem Winde hin und her bewegen läßt und niemals einen festen Standpunkt einnimmt. Die Folge dieser Wirkung kann auf die Dauer nicht «uSbleiben: Leisetreter und politische Kautschuk- und Hampelmänner sind das Resultat der Lektüre der farblosen Blätter.
Da wir aber solche Leute namentlich in der Gegenwart im katholischen, im christlich-konservativen Lager nicht gebrauchen können, sondern charakterfester, üb erzeugungstreuer Männer bedürfen, so ist die wiederholt ausgesprochene Mahnung: Weg mit jeder antikatholischen, weg mit jeder farblosen Zeitschrift und Zeitung! dringend geboten. Es ist bekannt, daß zur Zeit und vielleicht lange Jahre hindurch ein Riesenkampf gekämpft wird, in welchem die Parole gilt: Hie Glaube, hie Unglaube! und in diesem Kampfe muß die katholische Preffe sehr Vieles leisten. Sie muß aufklären, belehren, aufmuntern, begeistern, sie muß der Herold, der Führer der breiten Massen des katholischen Volkes sein, aber sie kann dieser Aufgabe nur dann gerecht werden, wenn sie Kraft und Stärke aus dem Volke empfängt. Alle Anstrengung, alle Aufopferung seitens der katholischen Redakteure, der Mitarbeiter und Verleger unserer Presse ist von geringem Nutzen, wenn das eigentliche Volk nicht alles daransetzt, um dieser Thätigkeit und Opferfreudigkeit den geeigneten Boden zu bereiten und zu sichern, das heißt, die katholischen Zeitungen durch Abonnement und Zuwendung von Inseraten zu unterstützen.
DaL katholische Volk muß in dieser B eziehung von seinen Gegnern und Feinden lernen! Kein Gegner, kein Feind unserer Sache steht seiner Presse gleichgiltig gegenüber, kein „Liberaler", kein Logenbruder unterstützt eine katholische Zeitung, wohl aber setzt er alle Hebel in Bewegung, um den seinen Anschauungen huldigenden, seinen Zwecken dienenden Zeitungen und Zeitschriften Eingang in alle Kreise zu verschaffen. Unsere Gegner und Feinde verlangen daher — ost mit einer Arroganz, die ihresgleichen sucht — daß in den öffentlichen Lokalen, Wirthschaften, Hotels rc. ihre Zeitungen gehalten werden, sie drohen, in jenen Lokalen nicht mehr zu verkehren, wenn ihre Organe nicht aufgelegt würden rc. und leisten auf jede Weise ihrer Presse Vorschub.
Sollen es nun die Katholiken und gläubigen Christen nicht ähnlich machen? Sollen sie in den Wirthschaften, Hotels rc., in welchen sie verkehren, mit der „liberalen" Kost sich begnügen, die man ihnen vorsetzen will? Wer Katholik oder gläubiger Christ nicht nur heißen, sondern auch wirklich sein will, der muß auch i m ö f f e n t- lichen Leben Farbe bekennen, allüberall zu seiner Fahne stehen und, da bieje Fahne burch seine Presse repräsentirt wirb, ber letzteren immerdar Achtung zollen und sie zur Geltung zu bringen suchen. Ganz besonders muß er das, je größer sein Einfluß ist! Nur wenn die Selb stach tu ng sich genügend kundgibt, kann man auf die Achtung Anderer Anspruch erheben. Die Zeit des Sichduckens muß für die Anhänger der Religion vorüber fein, sie müssen als Männer dastehen und aller Welt zeigen: ;das sind wir und das wollen wir!
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QM QM OM oj o] ol pl ofo
Ausverkauf
nachstehender Artikel wegen Aufgabe derselben:
Kleiderstoffe, schwarz und farbig
als: KHeviots, Werges, Loden, Krßpes, gLatte und ßarrirfe Mcrids etc nur in reinwollenen, besten Qualitäten.
Tischdecken etc.
Um mit vorstehenden Waarenvorräthen zu räumen, gewähre ich auf die Preise derselben
w- 2O°|e Nachlaß. "WH
Carl Künstler