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FiüdaerMZeitung

verantwortlich: Für die Redaktion Jof. Baum, f-r Inserate I. Parzeller in Fulda.

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mit Zlnterhattungs-Aeilage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung"

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M 289.

IrrLöa, Montag, den 19. Dezember 1898.

25. JahrgMg.

□ Ter Verband der katholischen Studentenvereine Deutschlands

hat an den Kaiser aus Anlaß der glücklichen Heimkehr von der Orientreise und der Schenkung der Dormition die nachstehende künstlerisch aus­geführte Adresse gerichtet:

Allerdurchlauchtigster, großmächtigster Kaiser, Allergnädigster König und Herr!

Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestäten Heim­kehr begrüßt Allerhöchst Ihr getreues Volk voll Freude und mit Dank gegen Gott. Sein Schutz hat Ew. Ma­jestäten wohlbehalten zum Grabe unseres Erlösers und wieder zuruck in unsere Mitte geführt.

Ew. Majestät wollen geruhen, auch von den Mit­gliedern des Verbandes der katholischen Studenten­vereine Deutschlands die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche zu der Vollendung der bedeutungsreichen Reise entgegen­zunehmen.

Ew. Majestät hatten die Huld, das Geschenk des Grundstücks der Dormition zu Jerusalem an Ihre katho- lischen Unterthanen zu vollziehen. Das feierliche Wort, womit Ew. Majestät diese Schenkung begleiteten: daß Sie allen Ihren Unterthanen gleichen Schutz gewähren werden, hat einen mächtigen Widerhall in unser aller Brust geweckt. Wir alle haben es tief empfunden als einen anspornenden Zuruf, uns dicht um den Thron unseres gottgesetzten Führers zu sammeln.

Deutschlands Universitäten waren stets der Hort der vaterländischen Gesinnung. Stolz darauf, durch sie für den Dienst des Staates und öffentlichen Lebens vor­bereitet zu werden, bitten wir Ew. Ma;estät, unseren Jubel über die für das vaterländische Gefühl des deutschen Volkes unvergeßliche Thal kundgeben zu dürfen. Mehr als Tausend katholische deutsche Stu­denten, von dreitausend ihrer Alten Herren geleitet, er­neuern auf Ew. Majestät Ruf dankerfüllten Herzens das Gelöbniß, allzeit treu und begeistert zu Kaiser und Reich zu stehen.

Im Namen des Verbandes der katholischen Stu­dentenvereine Deutschlands

Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät allerunterthänigste

(Folgen die Namen des Borortspräsidenten, Schrift­führers und Beisitzers.)

Auf diese Adresse ist aus dem Geheimen Civilkabinet Seiner Majestät folgende Antwort eingelaufen:

Berlin, 10. Dezember 1898.

Seine Majestät der Kaiser und König haben die Adreffe, welche der Verband der katholischen Studenten­vereine Deutschlands Allerhöchst Ihnen aus Anlaß der Ueberweisung des Grundstücks der Dormition an die deutschen Katholiken gewidmet hat, huldvollst entgegen­zunehmen geruht und sich über die Kundgebung treuer Ergebenheit seitens der katholischen akademischen Jugend gefreut.

Allerhöchstem Auftrage zufolge sehe ich den Verein hiervon mit dem Bemerken in Kenntniß, daß Seine Majestät die Gnade gehabt haben, die Adresse dem Hohenzollernmuseum zur Aufbewahrung zu überweisen.

Der Geheime Kabinetsrath

Wirkliche Geheime Rath v. Lucanus.

An den katholischen Studentenverein Askania zu Berlin.

GNochmalsdieSchutzherrschaftüber die Katholiken im Orient.

In der Beurtheilung katholischer Dinge leisten liberale und geistesverwandte Blätter und Menschen oft Erstaunliches. Daran sind wir bereits gewöhnt und in den meisten Fällen pflegen wir derlei mit stiller Ergebung oder aber mit fröhlichem Lächeln über uns ergehen zu lassen. Aber jetzt bekommt es ein Berliner freisinniges Blatt fertig, in einer Besprechung der letzten Rede des Abg. D r. L i e b e r

Feder, Schwert mid Ficket.

Eine Erzählung aus der Geschichte der Stadt Magdeburg.

Von Philipp Wasserburg (Laicus).

------ (Nachdruck verboten.)

I. In der Syloesternacht.

Das Jahr 1629 neigte sich dem Ende zu. Es hatte für die deutschen Lande nicht viel Gutes gebracht; seit länger als zehn Jahren loderte überall die Fackel des 30jährigen Krieges, und wenn dieselbe auch gerade eben zu verlöschen schien, so lag doch des Brandstoffes so unendlich viel vor, daß man ein Wiederaufflammen des­selben in Bälde voraussah. Das Restitutions- edikt Ferdinand's*), dessen Gerechtigkeitallerdings Niemand bezweifeln konnte, mußte die prote­stantischen Stände aus's höchste erbittern, und wenn sie sich von ihren erlittenen Schlappen er­holt, f0 konnte Niemand wissen, ob sie nicht aufs Neue die Fahne des Aufruhres gegen Kaiser und Reich aufsteckten.

Die Nacht, welche das alte in das neue Jahr hlnüberführte, war rauh und stürmisch. Vom Krockenlhor in Magdeburg fegte der Wind die »breite Gasse" entlang, und trieb Schneewirbel längs der Straße, daß es die wenigen, in der mnsterniß dahin huschenden Leute bis auf das -llcark der Knochen fror. Der Stadtknecht, der oie Wache am Kröckenthor hielt, zog den Kragen

Ferdinand II. hatte am 6. März 1629 ?Vi2 nnt exaffnad) welchem alle seit dem Jahre ben2ffnrhniibfen Protestanten eingezogenen Kirchengüter oen Karholiken zurückgegeben werden sollten.

im Reichstage in einem Athemzuge folgende Be­hauptungen an einander zu reihen: „Die ,Voce della verita‘ (ein römisches Blatt) vertritt (näm­lich in der Beurtheilung der Frage von der Schutz­herrschaft über die Katholiken im Orient) den jesuitischen Standpunkt, und von diesem Stand­punkte hat sich der deutsche Katholizismus tos gesagt. Läßt sich da noch die Behauptung aufrecht erhalten, daß die Jesuiten den Stand­punkt der deutschen Katholiken vertreten und daß die deutschen Katholiken ein Recht auf die Wirk­samkeit der Jesuiten haben?"

Das ist ein wahrer Rattenkönig von Unwissen­heit und von Verdrehung; und da zu befürchten ist, daß ähnliche Thorheiten und gehässige Unter­stellungen auch noch anderwärts auftreten, ist es nöthig, bei ihnen einen Augenblick zu verweilen.

Zunächst ist es nothwendig, darauf hinzu­weisen, daß es sich bei der ganzen Sache ja gar nicht um eine kirchliche oder auch nur kirchen­rechtliche Frage, sondern lediglich um etwas Politisches handelt. Und außerdem befinden sich die deutschen Katholiken gar nicht im Wider­streite gegen eine Auffassung des Vatikans, oder gar gegen eine Meinung des hl. Vaters, wie unsere deutschen Gegner das neuerdings zu be­haupten lieben, sondern es handelt sich lediglich um einen Widerstreit der Meinungen in Frank­reich auf der einen, und in Deutschland auf der andern Seite. Die Franzosen wollen sich nicht darein finden, daß sie auf ein Recht verzichten sollen, welches sie durch Nachlässig­keit und Uebelwollen selbst verscherzt haben. Das französische Protektorat im Orient — so hat jüngst ein hoher kirchlicher Würden­träger sein Urtheil darüber abgegeben — ist nicht eine protectio, sondern eine persecutio, also nicht ein Schutz, sondern eine Verfolgung. Und selbst angenommen, es sei noch nicht ganz so schlimm damit, so steht doch jedenfalls das Eine fest, daß von dem modernen, allem kirchlichem Geiste längst vollkommen abgewändten Frankreich die Katholiken int Allgemeinen nicht mehr den Schutz zu erwarten haben, wie von den christlich ge­sinnten französischen Königen früherer Zeiten, und namentlich die deutschen Katholiken nicht, denen die Franzosen mißgünstig gegenüberstehen, weil sie Deutsche sind. Niemand also kann von den deutschen Katholiken verlangen, daß sie den mäch­tigen Schutz ihres eignen Landes verschmähen, um zu ihrem eignen Schaden an einer alten politischen Ueberlieferung festzuhalten, die längst von denjenigen durchlöchert und in den Staub getreten worden ist, denen ernste und heilige Pflichten daraus erwachsen wären, wenn sie wirk­lich daran hätten festhalten sollten, und die sich jetzt in ihrer Eitelkeit verletzt fühlen, weil von den deutschen Katholiken die einzig richtige und einzig mögliche Schlußfolgerung daraus gezogen wird.

Die ganze Sache ist also rein politisch und hat mit den Jesuiten nicht das Allergeringste zu thun. Im Gegentheil ist sehr leicht zu beweisen, daß gerade auch die deutschen Jesuiten ihren Theil dazu beigetragen haben,um die Sch a 11 e n- seiten der angeblich noch immer bestehenden französischen Schutzherrschaft über die Katholiken im Orient deutlich zu machen. Von deutschen Jesuiten seines Mantels über den Kopf und lehnte seinen Spieß an die Mauer, indem er sich durch Umher­trippeln die Füße zu erwärmen suchte. Heute kam doch kein Rathsherr, um nachzusehen, ob er ordnungsgemäß seinen Dienst thue. Hinter einem Vorsprunge vor dem Winde ein wenig geschützt, sah er nicht ohne Schadenfreude zu, wie die paar späten Nachtwandler alle Mühe hatten, gegen Wind und Schnee zu kämpfen und dabei ihre Laterne in Brand zu behalten, denn das war des Rathes gestrenge Vorschrift, daß Nie- mand, wer immer es auch sei, sich nach dem Angelusläuten ohne brennende Laterne auf der Straße betreten lasse.

Bot die Hauptstraße von Magdeburg, die bereits genannte breite Gaffe, einen recht un- wirthlichen Anblick, so war es dagegen im Innern )er an ihr gelegenen Häuser desto behaglicher. Da wohnten die Rathsherren, die alten Patrizier- !)eschlechter hatten dort ihre Stammsitze, dort und n den ihr zuführenden Straßen fanden sich in )en Stockwerken zu ebener Erde die Komptoire )er Kaufleute, deren Reichthum damals den Neid des Halberstädtischen und Brandenburger Landes erregten, in den oberen Stockwerken waren glänzende Prunkgemächer und in den Hinterbauten refanden sich große Lager.

In einem dieser Häuser, nahe dem alten Markte, wohnte auch Cleophas Lccana, ein Mit­glied des Rathes und hochangesehen unter den Kaufleuten, welche feine Unterschrift baarem Gklde bedeutend vorzogen.

Der Raths Herr stand Ende der vierziger Jahre. Aber bereits begann sein Haupthaar sich mit Grau zu untermischen, und fein Bart, der

nämlich wird, wie jeder einigermaßen unterrichtete Mann weiß und wissen muß, die bekannte und vortreffliche Zeitschrift herausgegeben, die den Titel.Stimmen aus Maria Laach' führt, und gerade in dieser Zeitschrift ist erst ganz neuer­dings auf Grund von Thatsachen schlagend nach­gewiesen worden, daß das sogenannte französische Protektorat der katholische Kirche und den Katholiken im Orient Schaden, aber keinen Nutzen bringt. Das moderne Frankreich läßt sich nämlich auch hierbei nur von seinen politischen Voreingenommen- heilen leiten, und so ist es dazu gekommen, das russische Schisma in Palästina gerade­zu vor der römisch-katholischen Kirche zu begünstigen. Unter diesem sogenannten französischen Protektorat entwickelte sich dieses russische Schisma im heiligen Lande in erstaun­licher Weise, so daß beispielsweise allein in Nazareth mehr als hundert katholische Familien zur russischen Kirche absielen, und dem modernen Frankreich ist es ganz unmöglich wegen seiner politischen Ab­hängigkeit von Rußland, gegen diese russische Propaganda im Orient erfolgreich aufzutreten — selbst wenn es das wollte. Aber auch von einem solchen Willen ist keine Spur zu bemerken gewesen. Das sogenannte französische Protektorat gereichte also der katholischen Kirche nicht zum Nutzen, sondern unmittelbar zum Schaden. Und daß es so ist, haben in ganz hervorragender Weise I e s u i t en in der Zeitschrift .Stimmen aus Maria Laach' dargethan.

Wenn darum Katholikenfeinde aus der Stellung­nahme des deutschen Centrums zu der orien­talischen Protektorats-Frage einen Gegensatz her­ausdrechseln wollen zwischen dem Centrum auf der einen und der höchsten kirchlichen Autorität und dem Jesuiten-Orden auf der andern Seite, so oerrathen sie dadurch eine erstaunliche Unwissenheit in allen den Dingen und That­sachen, auf die es hierbei ankommt, und eine ausnahmsweise keck hervortretende Verdrehung? - kunst. Die deutschen Katholiken hegen die zu­versichtliche Hoffnung, daß die im Deutschen Reiche maßgebenden politischen Personen über diese gehässigen und non Grund aus unwahren Darstellungen ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen werden.

Deutsches Deich.

Berlin, 17. Dezember.

x Nach Meldungen aus Kiel ist im Bau- baffin der Kaiserwerft ein Umbau und eine neue Ausschmückungder Kaiser Dacht „Koße« zokker«" in Angriff genommen worden und soll bis zum März 1899 beendet sein. Man erzählt in Kiel, alsdann solle sie nach Italien gehen, um dort dem Kaiser zu der beabsichtigten Reise nach Italien zur Verfügung zu flehen.

© Der MnrrdesratH hat in seiner letzten Sitzung am Donnerstag seine Zustimmung zu der Vorlage des Reichspostamtes ertheilt, wonach die Gebühren für Postanweisungen anders als bisher festgesetzt und auch die Be­handlung der Waarenproben durch die Post geändert werden soll. Bekanntlich handelt es sich dabei um kleine Postanweisungen bis zum ihm bis auf die Brust reichte, war völlig ergraut. Vor wenigen Jahren hatte er sein geliebtes Weib verloren, und das hatte den jugendfrischen Mann rasch altern lassen. Als er vom frischen Grabe seiner Frau heim kam, da erschien ihm Alles so öde, weit und teer; und es war Niemand da, der ihn mit Liebe umfing, als Gerda, fein vier­zehnjähriges Töchterlein.

Die alte Brigitta, welche er bei der Gründung seines Hausstandes von seiner Mutter übernom­men hatte, führte ihm nun die Haushaltung weiter; aber wenn ihm nun auch da nichts mangelte, das sah er bald genug ein, daß sie fein Kind nicht zu erziehen vermöge; denn sie war nicht im Stande, dem Kinde irgend etwas zu versagen; und er hatte keine Zeit von feinen weitausgedehnten Geschäften übrig, um sich dieser Erziehung zu widmen.

So kam Gerda zu den Ursulinerinnen, und Cleophas fühlte sich jetzt ganz vereinsamt. Das war eine Lage, die ihm unerträglich gewefen wäre, wenn er nicht einige Zerstreuung in der Arbeit gesucht und gesunden hätte. Er kannte nichts mehr, als sein Geschäft, in welchem er vom frühen Morgen bis zum späten Abend thätig war. Darin ging er ganz auf, seine Unternehmungen vergrößerten sich; sein Reichthum wuchs. Wenn er aber des Abends todtmüde in feine Wohnräume sich zurückgezogen, dann war er ein stiller, trauriger Mann. Er dachte an fein todtes Weib, und entwarf Pläne für die Zukunft, die seinem Kinde das beneidens- wertheste Loos sichern sollten. Nur die voll­ständige Erschöpfung machte diesen Grübeleien ein Ende. g

Dieses aufreibende Leben dauerte so lange.

Betrage von 5 Mk. für 10 Pfg. Porto und um Sendungen von Waarenproben in höherem Ge­wichte als bisher gegen eine Porto-Erhöhung um 10 Pfg.

X Der Antrag von Schaumburg-Lippe in der Sache der kippescheu THroufokge-Irage ist am Donnerstag dem amtlichen Berichte zufolge „den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden".

* Zahlreiche Deräuderrmge« i« de« Ite- gierurrgs Srästdie« sind in der Presse seit einiger Zeit angekündigt worden. Nach einer Meldung der .Köln. Volksztg.' werden die Re­gierungen in Königsberg, Köslin, Brom­berg, Liegnitz, Hildesheim,Osnabrück, Aurich, Kassel, Wiesbaden und Koblenz ihre Vorsitzenden wechseln. Für die Präsidenten der genannten Regierungen werden bereits Nach­folger genannt, unter welchen sich aber kein einziger katholischer Name befindet. Unter den Regierungspräsidenten, welche angeblich den Inhaber wechseln sollen, befinden sich mehrere in Bezirken mit überwiegend katholischer Bevölkerung, andere mit einem starken Prozentsatz von Katho­liken. Von besonderem Interesse würde die even­tuelle Neubesetzung des Regierungspräsidiums in Koblenz sein. Der Bezirk hat nach der letzten Zählung 650 558 Einwohner, davon sind 421886 katholisch, 217504 protestantisch. Der gegen­wärtige Regierungspräsident (v. Trott zu Solz) ist protestantisch. Von den Regierungsräthen waren Ende 1896 7 protestantisch, 2 katholisch; dieses Verhältniß dürfte sich inzwischen nicht ge­ändert haben. Die Besetzung der Stelle durch einen Katholiken würde um so mehr der Billig­keit entsprechen, als auch der Oberpräsident (Dr. Nasse) Protestant ist. Ende 1896 waren des­gleichen der Stellvertreter des Oberpräsidenten, der Justitiar, der Regierungsrarh und vier Asses­soren ausnahmslos protestantisch; seit kurzem ist der Stellvertreter des Oberpräsidenten katholisch. Einen katholischen Oberpräsidenten hat die Rhein­provinz, unter deren Einwohnern 3 610142 katho­lisch und 1427 227 protestantisch sind, nie gehabt.

h. Die Hinweise im Reichstage auf die Ge­rüchte, daß schon wieder ein neuer Ikotten pka« int Anzuge fei, weil man das soeben erst angenommene Flottengesetz angeblich für voll­kommen halte, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. In hochoffiziöser Tonart und in auffallender Druckweise schreibt die .Nordd. Allgem. Ztg.': „Einige Organe der freisinnigen und sozialdemo­kratischen Presse beschäftigen sich mit einem an­geblich in Aussicht stehenden neuen Flottenplan. Wir sind in der Lage, auf das Bestimmteste festzustellen, daß an keiner Stelle die Vorlage eines neuen Flottenplanes oder eine Abänderung des Flottengesehes beabsichtigt wird. An der ganzen Sache ist fein wahres Wort."

* Der Titel eines Kerzogs tum Laueuvurg, von dem Fürst Bismarck niemals Gebrauch gemacht hat, ist auf den ältesten Sohn Bismarcks nicht übergegangen. Im neuen Gothaischen Hof­kalender wird ausdrücklich bemerkt, daß Fürst Otto Bismarck preußischer Herzog von Lauenburg ad perscnam gewesen sei.

* Mit der Ziegekung der Aeamteu-Ge­hälter in Preußen beschäftigt sich die amtliche

bis auch Brigitta das Zeitliche segnete, worauf dann der Rathsherr Gerda aus dem Kloster zmückrief, damit sie nunmehr an die Spitze seines Haushaltes trete. Als Gerda diese Aufgabe übernahm, zählte sie siebzehn Jahre.

Diese Aenderung war für Cleophas von sehr guten Folgen begleitet. Das Gefühl der Ver­einsamung verlor sich und er hatte weniger Zeit und Gelegenheit, Grübeleien nachzuhängen. Gerda war. wenn er nicht int Geschäfte thätig war, beständig um ihn und wachte sorgsam über feine Bequemlichkeiten. Dafür übertrug er immer mehr feine ganze Liebe auf dies Mädchen, das er fchließltch fast vergötterte. Es war ein Glück für Gerda, daß die Ursulinerinnen zu ihrem festen und frommen Glauben eine Schutzwehr in des Mäd­chens Gemüth gelegt, welche allen Lockungen der Eitelkeit, der Selbstliebe und der Ueberhebung Trotz bot. Sie nahm die weit übertriebenen Äußerungen der väterlichen Liebe dankbar an, ohne deßhalb ihren bescheidenen Sinn einzubüßen.

Im großen Prunkgemach war heute um Locana eine zahlreiche Gesellschaft versammelt, welche bei Leipziger Lebkuchen und Würzwein das Nahen der Mitternachtsstunde erwartete. Nichts ließ hier das Unwetter ahnen, das draußen tobte. Die schweren, gewirkten Vorhänge an den Fenstern waren niedergelassen, die Läden geschlossen, und im mächtigen Kamine lohte ein Feuer, das von ganzen Scheitern und Holzblöcken unterhalten wurde. Es herrschte eine überaus behagliche Wärme in dem von vielen Wachskerzen taghell erleuchteten Gemach.

Die ganze Länge des Gemaches hinunter war eine breite Tafel aufgeschlagen, an welcher das