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mit Nnterhaktungs-Beikage „Miflrirte Sonntags-Zeitung"

,SL 288.

JuL'öa, Samstag, den 17. Dezember 1898.

Wochen-Rundschau.

^Nachdruck verboten.)

X Fulda, 17. Dezember.

Der Reichstag war in dieser Woche in voller Thä- Itigkeit. Nachdem er am vorigen Mittwoch das aus dem Centrumsabg. Grafen Ballestrem als Präsi­denten, und dem Konservativen Dr. v. Fr ege und dem Freisinnigen Schmidt, als erstem resp. zweitem Vizepräsidenten, bestehende Präsidium gewählt hatte, wurde letzteres am vergangenen Sonntag vom Kaiser -empfangen.

Am Montag begann dann dieEtatsberathung, die sich in der Regel zu einer Generalabrechnung des Reichstages mit der Regierung gestaltet. So war es -auch diesmal, und als Haupt-„Gewissenserforscher" der Regierung gegenüber trat der Abg. Richter auf, der dieses Geschäft sehr gründlich besorgte. Zunächst gab der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Frhr. von Thielemann, sich alle Mühe, die Finanzlage des Reiches in möglichst rosigem Lichte darzustellen. Sie ist ja ckhatsächlich eine günstige: die Einnahmen steigen be­ständig, und es regnet nur so Ueberschüsse, aber man werkle der Schilderung des Staatssekretärs doch gar zu sehr an, daß sie von dem Bestreben getragen war, der Militärvorlage Vorschub zu leisten, dem Reichstage klar zu machen, daß er sich wegen Be­schaffung der Mittel keinen Sorgen hinzugeben brauche; mit Hilfe der Ueberschüsse und — der „kleinen" An­leihe von 90 Millionen Mark seien sie leicht zu be­schaffen! Es fragt sich nun, ob der Reichstag durch diese Schönfärberei sich bestimmen läßt, der Regierung zu Willen zu sein. Ganz selbstverständlich ist das -gerade nicht, denn seine Aufgabe ist doch nicht, den Wünschen der Regierung nachzuleben, sondern die In­teressen des Volkes, das die Einnahmen liefern muß, zu wahren.

Der Etatsredner des C e n t r u m s, der Abg. Fritzen, -der im Uebrigen auch die günstige Finanzlage aner­kannte, ebenso den erfreulichen Stand des Handels und der Industrie, wies auf die Unsicherheit der Ueber­schüsse und die Möglichkeit des Rückganges der Ein­nahmen ausdrücklich hin und zog daraus für die Re­gierung die Mahnung, möglichst sparsam zu wirth- schaften und nicht zu viel für Militärzwecke auszu­geben, schon deshalb nicht, weil sonst für Kulturauf­gaben nichts übrig bleiben würde, lieber die Mili­tärvorlage äußerte er sich nicht näher, weil die Begründung zu dürftig sei. Man müsse erst die nähere, mündliche Begründung abwarten, ehe man ein Unheil abgebe. Dagegen forschte er nach den Ursachen der Reichsverdrossenheit, die er in der unglücklichen innern Politik der Regierung erblickt, insbesondere in der Mißachtung von Reichstagsbeschlüssen durch den Bun­desrath, der beispielsweise fortgesetzt sich weigere, das Jesuitengesetz aufzuheben, trotzdem der Reichstag die Aufhebung schon viermal beschlossen habe. Da sei es kein Wunder, wenn im Volke M ßstimmung herrsche. Auch die Ausweisungen erregten Unzufriedenheit. Redner erwähnte auch die Palästinareise des Kaisers und dankte für die Ueberweisung des Grundstückes der allersel. Jungfrau an die Katholiken.

Außerordentlich scharf rückte der Abg. Richter . der Regierung auf den Leib. Er unterzog alle be- merkenswcrthen politischen Vorgänge des letzten Jahres einer bittern Kritik, auch die Palästinareise, die einen bedenklichen Byzantinismus erzeugt habe, wandte sich scharf gegen die Miliiärvorlagc, die in demselben Augenblicke erscheine, in dem man sich anschicke, eine Abrüstungskonferenz zu halten, und die auch ein Be­weis dafür sei, wie vorsichtig man im Vertrauen zu Versicherungen der Negierung sein müsse, die noch vor einem Jahre erklärt habe, daß eine Vermehrung der Infanterie nicht beabsichtigt sei. Unter dem Beifall der Mehrheit des Reichstages verurtheilte er scharf die Ausweisungspolitik der Regierung, die eines mächtigen Staates unwürdig und auch unschicklich sei. Auch die Lippesche Frage berührte er, und was er hier sagte von dem Verhalten des Großen gegenüber dem Kleinen, hat den Herren am Bundesrathstische sicher ebenso wenig gefallen, wie das Vorhergegaugene.

Vergeblich bemühte der Staatssekretär des Innern, Graf Posadowski, sich, den Eindruck der Richterffchen Rede abzuschwächen; es nutzte ihm nichts, nur Ge­lächter und Widerspruch konnte er stellenweise Hervor­rufen. Da Richter auch die auswärtige Politik in den Bereich seiner Erörterungen gezogen und u. A. bemerkt halte, daß die Orientreise des Kaisers leicht unangenehme Verwickelungen zur Folge haben könne, suchte der Staatssekretär des Auswärtigen, v. Bülow, diese Befürchtungen zu zerstreuen und versicherte, daß das Deutsche Reich, dessen Beziehungen zu allen andern Staaten gute seien, sein ganzes Bestreben überall auf die Erhaltung des Friedens richte. Von den Aus­weisungen sei keine Trübung unserer Beziehungen zu einem Nachbarstaat zu befürchten.

Von den folgenden Rednern konnte keiner mehr wesentlich Neues vorbringen, man müßte denn dazu die Ausführungen des Sozialdemokraten v. V o l l m a r rechnen, der noch weit gröberes Geschütz gegen den Bundesrathstisch auffuhr, als der Abg. Richter und u. A. die Ausweisungspolitik der preuß. Regierung eine „barbarische" nannte, wofür er dann den ersten Ordnungsruf dieser Session erntete. Zu bemerken ist übrigens, daß auch der nationalliberale Redner eine gewisse Unzufriedenheit mit den politischen Verhält­nissen im Volke zugab und dieselbe auch in^mancher Hinsicht für berechtigt hielt. So blieben demnach als Zufriedene nur die Konservativen übrig, und diese

sind es nur deshalb, weil die Regierung Fleisch von ihrem Fleische ist. Fünf Sechstel der Volksvertretung aber, und wohl auch des Volkes selbst, sind der An­sicht, daß nicht wenig Grund zur Unzufriedenheit vor­handen sei.

In Ungarn hat die Lage im Parlament sich der­art verschärft, daß ein Zusammenwirken des letzteren mit dem Ministerium Banffy unmöglich geworden ist und auf irgend eine Art eine Aenderung geschaffen werden muß. Da die Opposition das Zustandekommen des vorläufigen Ausgleichs im Parlamente verhinderte, wollte Banffy vom 1. Januar ab verfassungswidrig regieren, und seine liberale Mehrheit, die ebenso skru­pellos ist, wie er selbst, war bereit, ihm dazu ihre Unterstützung zu leihen. Dagegen aber erhob sich die Opposition in schärfster Weise und erklärte, daß sie diesen Verfaffungsbruch mit allen Mitteln, selbst mit Gewalt hi idern werde. Auch ein Theil der Regie­rungsgefolgschaft erklärte, diesen Schritt nicht mit­machen zu können, und die angesehensten Mitglieder der Regierungspartei, etwa 30, sind deshalb aus der­selben ausgetreten, darunter die drei Präsidenten des Abgeordnetenhauses, die dazu auch das Präsidium niedergelegt haben. In seiner Verlegenheit hat Banffy das Abgeordnetenhaus bis Freitag vertagt, aber das wird ihm nichts nützen, trotzdem er das Vertrauen der Krone roch besitzt, denn die Opposition ruht nicht, bis er beseitigt ist.

Nicht viel besser sieht es in Frankreich aus, wo die Dreyfus-Frage wieder einen bedrohlichen Cha­rakter angenommen hat, während man geglaubt hatte, jetzt, nachdem der höchste bürgerliche Gerichtshof die Sache in der Hand hat, werde sie der Politik entrückt und ihre Erledigung in Ruhe abgewartet werden. Eitle Hoffnung! In den Versammlungen, auf der Straße und in der Kammer beherrscht diese Unglücks­frage eben wieder vollständig die Diskussion. Es ist gar nicht unmöglich, daß es zum offenen Aufstand und zum Sturze des republikanischen Regiments kommt, wenn nicht die Dreyfus-Affaire so rasch wie möglich aus der Welt geschafft wird. Bei den Parisern, die, wie sie jeden Tag von Neuem zeigen, nicht mehr zu­rechnungsfähig sind, ist eben Alles möglich. Dazu kommt, daß die Gährung in der Armee, die sich gegen die Beleidigungen der Dreyfus-Leute nicht genügend geschützt glaubt, von Tag zu Tag zunimmt. Wäre ein Halbwegs anständiger Kronprätendent da, so würde der Umsturz vielleicht schon stattgefunden haben. An einem solchen aber fehlt es, und infolge dessen verzögert sich die Katastrophe.

Der amerikanisch spanische Friedensvertrag ist am 10. ds. in Paris unterzeichnet worden. Damit hat das Trauerspiel, das für alle Zeiten ein Schand­fleck der viel gerühmten „Civilisation" des 19. Jahr­hunderts bleiben wird, sein Ende erreicht; die Gewalt- that der Ausplünderung eines Schwachen durch einen Starken ist „feierlich" sanktionirt worden. Die fest­ländischen Mächte haben, echt biedermännisch, alledem ruhig zugesehen. Wer von ihnen mag jetzt zuerst an die Reihe kommen?!

△ Aus der Klause des Malddruders.

Regen, Regen, nichts als Regen, den ganzen lieben langen Tag, gestern, heute, unaufhörlich. Solch ein endloser düsterer Regentag im Gebirge ist doch etwas unsäglich trostloses, man meint, die Welt müsse so vor Langeweile laut aufgähnen. — Von der heißen Arbeit des Spätsommers ist die Sonne müde geworden. Sie zieht nur mehr in niederem Bogen am Himmelsgewölbe einher, fröstelnd hat sie sich eingebüllt in ihren dichten Wolkenmantel. Wald und Berg stehlen still in sich versunken da, unter leise auf sie niederrinnenden R gen seufzend. Nur leise zieht der Wind durch die regennassen Zweige der Tannen, die verwundert die Köpfe wiegen über das seltsame Winterwetter. Die gegenüberliegende Häuslingspitze, die sonst um diese Zeit schon längst die Schneehaube über den barhaupten Kopf gezogen hat, verbirgt sich hinter Wolkenfetzen. Weltvergessen schaut die Klause aus dem Dunst und Nebel auf, nur ein blaues Wölkchen, das dem Kamin entsteigt, kündet von Licht und Leben im Innern. Mein Hans sitzt träge zwischen den Erika- und Geranienstöcken auf dem Fensterbretts und blinzelt mürrisch mit einem Auge hinaus in den Regen und sagt nichts.

Während draußen der Regen eintönig nieder- rinnt, wcll.n wir wieder im warmen Stübchen ein kurzes Plauderstündchen halten. Mir scheint, )aß das feuchte wolkentrübe Wetter so recht timmungsvoll in die Adventszeit hinein paßt. Wenn ein klarer, heiterer Wintertag rings über den schneeigen Feldern lacht, oder wenn einem der schneidende Wind um die Ohren saust, oder auch wenn im lustigen Schneegestöber draußen die Flocken wirbeln, das sieht doch nach etwas aus. Das ist Kraft, das i t Leben! Aber dieses düstere Zwitterwetter, nicht Winter und nicht Sommer, das ist sprecht ein Bild der Schwäche, der Kraft- und Thatenlosigkeit. Auch im alten Bunde befand sich die Menschheit in einem düsteren Dahindämmern. Sie schmachtete unter dem Fluche der Sünde und rote ein dumpfes Sehnen nach dem Erlöser ging es durch die Welt. Diese Hoffnung auf den kommenden Welterlöser war das einzige Licht, welches wie in unbestimmter Dämmerung durch die Nebel der Finsterniß brach, bis die Ankunft des Heilandes endlich wie die leuchtende Sonne Helligkeit allüberall verbreitete.

Zu Weihnachten möchte ich mir deshalb ein klares derbes Winterwetter wünschen, wo der glitzernde Schnee unter den Füßen knirscht und die Aeste schneeschwer sich beugen. Das gehört zur Poesie des Weihnachtstages: Draußen Frost und Todesstarre, aber drinnen Liebe, die goldene warme, lebendige Liebe! Auch das Christkmdlein ist ja gekommen als Zeichen der unerschöpflichen Gottesliebe hinein in die liebekalte Welt.

Liebe und Versöhnung war die Predigt des Kindes im Stalle zu Bethlehem. Liebe und Versöhnung für alle Gegensätze auf der Welt, Liebe sogar dem Feinde: ein Evangelium so groß und schier unbegreiflich für die Welt, aber es hat mächtig Wurzel geschlagen und die Welt erobert.

Einen schönen Beweis der Versöhnlichkeit des Christen haben die Worte des neuen Reichstags­präsidenten, Grafen Ballestrem, auf das Andenken des Fürsten Bismarck geliefert und sicher hat damit Graf Ballestrem allen Katholiken aus der Seele gesprochen. Wir haben den Mann nicht gehaßt, der zur Zeit seiner Macht unser schärfster und gefährlichster Gegner war, wir brauchten ihn nicht einmal zu fürchten.

Nicht streiten wollen wir darüber, daß da­gegen er manchen aus unserer Mitte, ja unsere ganze Gemeinschaft mit seinem Hasse verfolgt hat. Daß wir ihm besonders herzlich zugethan gewesen wären, wo er uns zu kränken und zu schaden suchte, wie er konnte, das freilich konnte Niemand von uns verlangen. Wohl aber zollten wir ihm jene christliche Liebe, die der Katholik nach Gottes Gebot auch seinem Feinde schuldet. Wir konnten das um so eher, als er ja auch für uns war der große Mann, welcher Erfolge errungen hat, für die ihm das ganze Vaterland Dank schuldet.

Sollte ein Funken von Bitterkeit in unserer Brust übrig geblieben sein, dann hat ihn der Tod vollends ausgelöscht. Nicht über das Grab hin­aus lebt der Zorn des Christen. An sich hat ja der Zorn wohl eine Berechtigung. Wir sollen nicht Alles geduldig hinnehmen, was uns Unge­rechtes widerfährt; wer nicht zur rechten Zeit auch zornig werden kann, der ist kein Mann! Aber der Mann soll die.'Herrschaft über seine Leidenschaften nicht verlieren, wer seinen Zorn nicht beherrschen kann, ist kein Christ!

Vermischtes.

□ Kismet nennt sich ein neues Spiel, welches in. einer ganz eigenartigen Weise sich als Mittelding zwischen Schach und Damenspiel erweist. Die Gegner, welche miteinander spielen, haben nicht nur gewöhnliche Zugfiguren, sondern wie beim Schachspiel noch eine An­zahl anderer Figuren mit besonderen Funktionen, welche durch besondere Formen sich auszeichnen und gewisser­maßen als leichtere Truppentheile ober theilweise auch als Artillerie funttioniren. Das Spiel wird dadurch ganz besonders interessant, weil es g oße Ueberraschun- gen hervorruft und eine Menge von Kombinationen, die nahezu an das Kriegsspiel erinnern, ohne daß es jedoch einen ausgesprochen militärischen Charakter hätte. Es eignet sich sowohl für Erwachsene als für die Jugend. Der Spielplan ist ein verblüffend einfacher und selbst die manchmal verwickelten Situationen, welche durch überraschende Angriffe herbeigeführt werden können, sind bei dem klaren durchsichtigen Spielgang leicht lösbar. Dieses Spiel wird selbst Kenner des Schachspiels inter- essiren. Ganz besondere Anregung ist ei aber für Solche, die leichte Spiele lieben, die bann aber doch etwas mehr Gehalt haben sollten als z. B. Halma ober das Damen­spiel. Dieses ausgezeichnete Spiel (welches u. A. auch in Fulda in A. Maier' s Buchhandlung zu haben ist), zeichnet sich auch durch eine hübsche Ausführung aus und ist bei dem billigen Preise von 2 Mark wirklich sehr zu empfehlen.

* fSttorme Schneemassen sind in Puschlav (Schweizi gefallen; große Lawinen sind schon heruntergestürzt, und bis nahe an die Landstraße und die Güter gedrungen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Beim Hospiz Bernina liegen 3 Meter Schnee.

* Hverammergauer ^assionsfplek 1900. Die Oberammergauer bereiten den Bau einer großen ge­deckten Zuschauerhalle für etwa 5000 Personen vor. Die Eisen-Konstruktion wird von der Münchener Firma L. Kießling 6 Co. ausgeführt. Die Halle soll stehen bleiben. Sie wird mit gewaltigen eisernen Bogen über­spannt, in einer lichten Breite von 43 Meter. Der Sommer 1880 war bekanntlich sehr kühl und regnerisch, so daß damals der offene Zuschauerraum, der nur einem Theil des Publikums Schutz gewährte, sehr unangenehm empfunden wurde. .

* Das kommt davon. Einen eigenthümlichen Tod fand ein Dieb in Czenstochau (Schlesien). Er stahl einem Nachbar ein geschlachtetes, in der Scheune hängendes Schwein, legte das die Hinterbeine verbindende Krumm­holz um den Hals, hob das Schwein auf seinen Rücken und machte sich davon. Er mußte einen niedrigen Zaun übersteigen, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte nach vorn, während das Thier mach hinten zu hängen kam. So wurde der Hals des Diebes durch das Krummholz gegen den Zaun gedrückt und der Manu mußte elend ersticken.

' Ei« seltsamer Schukamtskandidat. In Bill- wärder (Hamburger Gebiet) ist am 1. Januar 189 9 eine Hilfslehrerstelle zu besetzen. Kürzlich erhielt, wie der ,Berl. Volksztg/ mitgetheilt wird, der Leiter der Schule ein Bewerbungsgesuch des Unteroffiziers der Re­serve M. Siemen, der seine gefammte Vorbildung der Unter öffizierschule in Biebrich verdankt, und der sich nun, nachdem er wegen Mißhandlung eines Untergebenen entlaßen roorben ist, für fähig hält, ein Lehramt zu verwalten. (Hoffentlich hat inan bem Burschen eine recht deutsche Antwort gegeben. D. Red.)

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25. Jahrgang.

* Was ein Flansch kostet, dieses schwierigst? aller Weltiäthsel, fand vor einigen Tagen eine so ge­naue als prompte Lösung in einem schönen Dorfe am oberen Mainstrande Trat da Nachts ein alter Jüng­ling etwas schwer beloben aus dem Wirthzhause, um sich zu Hause der wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Offenbar dem Grundsätze huldigend, der kürzeste Weg sei der beste, bestieg er sofort einen Wagen, der vor dem Wirthshause stand und Eigenthum eines Porzellan- Händlers war. Wohlgemuth bei dem Gedanken, endlich zu Hause in seinem Bette zu sein, legte er sich sogleich zwischen den aufgeschichteten Tellern und Schüsseln zum Schlafe des Gerechten nieder. Doch die Todten reiten schnell und auch die vielen zerbrochenen Schüsseln und Teller ließen nicht lange auf ihre Sühne warten; denn am anderen Morgen erschien vor dem erstaunten Jüng­ling der Rächer in der Gestalt des Porzellanhändlers, um eine Rechnung — von 49 M. 80 Pf. zu präsentier n.

* Nismarck Ksek. ®eneralfuperintenbent Umbeck, bet kürzlich in Kreuznach über seine Erlebnisse auf der Palästinareife sprach, erwähnte u. A. auch folgende Anekdote: In Kairo boten der Reisegesellschaft, zu der der Generalfuperintendent gehörte, Eseljungen, die auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung gewesen waren, Esel an mit dem deutschen Rus: „Herr Baron! Gut Esel! Bismarck-Esel, nicht Caprivi-Esel!"

* Fürbitte. Frau (zum Manne, der spät aus dem Gasthause kommt): „Heute kommst Du schon wieder so spät nach Hause? Ich habe kein Auge zu­gethan!" — Mann: „Nun, so drück' wenigstens jetzt eins zu!"

* Berrathen. Mama: „Lina, sei hübsch artig und gib dem Fräulein Anna, eh' Du zu Beit gehst, einen Kuß!" — Lina: „So! daß sie mir auch eine Ohrfeige gibt, wie gestern Abend dem Papa!"

* Doktoren-Handschrift. Braut eines Arztes (schreibend): „Lieber Alfred! Da ich soeben die letzte Zeile Deines vor vier Wochen erhaltenen Briefes glücklich entziffert habe, bitte ich Dich um ein neues Lebenszeichen."

Allerlei Nützliches.

Wie stellt man alte Sachen wieder neu her? Ein gutes Mittel, das jeden Schmutz und jeden Fleck aus dem Stoff fortnimmt, ist fol­gendes : Ein Eidotter wird geschlagen und allmählich zu einem Seifenwasser zugegossen, das matt aus 16'/» Gr. venetianischer Seife, die man klein schneidet, mit etwas Flußwasser zergehen und dann erkalten läßt, be­reitet hat. Man bürste den wollenen Stoff mit einer kleinen, weichen Bürste, eingetaucht in dieses Seifen­wasser, und wasche dann mit klarem Wasser nach. Hat man Theer- ober Wagenschmierflecke im Stoff, so must man diese vorher mit Baumöl erweichen. — Hat man Flecke im Samt, so fülle man heißen Sand in ein feines, leinenes Beutelchen und überreibe die Flecke so lange, bis sie herausgezogen sind. Ist Sammt aber durch Regen rauh und hart geworden, so mache man ihn auf der Rückseite feucht und ziehe diese über ein heißes Eisen. — Will man baumwollenen Kleidern ihre frische Farbe wiedergeben, bereitet man sich eine Mischung aus 66 Gr. Alaun, 16'/« Gr. Indigo, etwas Scheidewasser und 4 Liter Wasser, läßt alles 6 Tage in der Sonne ober am warmen Ofen stehen, macht es bann kochenb heiß unb legt bie Sachen hinein. Nach dem Trocknen plättet man sie tüchtig. — Um rothen Stoffen die frische Farbe wiederzugeben, bereitet man die Mischung aus 66 Gr. Fernambuk, 66 Gr. Alaun, 8'/« Kilo Zinnober, 21/« Liter Essig und 1'/- Liter Wasser, läßt bann das Ganze 8 Tage stehen unb behandelt bie Stoffe wie oben. — Um grüne Kleider aufzufrischen, kochl man aus 2 Händen voll Buchenasche eine Lauge und benetzt den Stoff damit. — Die beste Art, um farbi ge Seide zu reinigen, ist folgende: Man bestreicht den trockenen Stoff völlig mit Seife, indem man diese in Wasser taucht und den Stoff vorsichtig dem Faden nach reibt. Dann wäscht man das Zeug im kalten Waffer rein. Wo besondere Schmutzflecke sind, reibe man etwas mehr, und wiederhole das Spülen und Seifen so lange, bis die Flecke verschwunden sind, doch hüte man sich, den Stoff auszuringen; er muß stets vor­sichtig ausgedrückt werden.

Kiterarisches.

Maria Immaculata. Jllusttirte Marien- und Missions- Zeitschrist. Zugleich Organ des Mar. Missions­vereins. Belobt unb gesegnet von Papst Leo XIII. 6. Jahrgang. Herausgegeben von der deutschen Orbensprovinz ber PP. Oblaten M. I. Verlag bes Missionshauses St Bonifatius in Hünfeld. Druck ber Fulbaer Aktiendruckerei in Fulda.

Die Zeitschrift, deren Reinertrag zur Heranbildung von Missionären bestimmt ist, erscheint am 1. jeden Monats und kostet bei Frankozusendung mit der Bei­lage „Freie Stunden" jährlich 2 Mk. Das kürzlich er­schienene Dezemberheft hat folgenden Inhalt: Gruß an Se. Bischöflichen Gnaden den Hochw. Herrn Bischof Adalbert Endert. Das 19. Jahrhundert und die Un­befleckte Empfängniß. Die Makellose (Gedicht). Der Wallfahrtsort der heil. Anna auf der Insel Ceylon. Tageblätter aus der deutschen Mission Deutsch-Südwest- afrita. Die ersten Anfänge meines Missionslebens. Verschiedenes aus den Missionen. Nachrichten aus der Kongregation. Danksagungen u. s. w. Die Beilage „Freie Stunden" enthält: Eochen (Gedicht). Die letzte Bitte eines Kindes. Treue Pflichterfüllung in jedem Stande (Gedicht). Von Marseille nach Ceylon. Ein Blick auf Marseille vom Meere aus.

Gottesdienstordmmg in Fulda.

Sonntag, 18. Dez. Dom. 5‘/i, 6, 6'/« und 7’/« Uhr Messen, 9 Uhr Umgang, Amt und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl.Messe, l'/.Uhr Andacht, 4 Uhr Pfarr-Bruderschast, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Htadtpsmrktrchr. 51/« Uhr hl. Messe und Predigt, 7 Uhr hl. Messe, '8 Uhr hl. Messe, Predigt und Kom­munion der Schulkinder, 9>, Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1'/- Uhr Christenlehre, 5 Uhr Andacht. — Michaels- Kirche. 10 Uhr hl. Messe mit Exposition. — Pfarrkirche ?um hl. Grifte. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr An­dacht mit Segen. — Konnenkirchr. 2 Uhr Herz-Jefu- Bruderschaftsanbacht. — Frauenberg. 5, 61/» und 8 Uhr hl. Meisen, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Versammlung der Fünf-Wunden-Bruderschaft.