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KuIdaerWZeitung

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mit Anterhattrmgs-Mkage „Jllullrirte Sonntags-Zeitung!' pctersgasfe Nr. 2 (Harmonie).

25. JahrgMg.

Ju0öcr, Samstag, den 17. Dezember 1898.

M 288.

0 Der Reichstag

hat eine Etatsdebatte von vier Tagen gehabt und hat sich nun am Donnerstag bis zum 10. Januar vertagt. Aber wer in den Reden dieser vier Tagen etwas vom Etat suchen würde, würde suchen, ohne zu finden. Vom Etat selbst wird im deutschen Reichstage bei der ersten Lesung des Etats wenig und nichts gesprochen, diesmal im wahren Sinne des Wortes nichts; und es würde dem Präsidenten unmöglich sein, einen der Redner zur Sache zu rufen. Denn zur Sache pflegt niemand zu sprechen. Der Rede Fluß sind also die Schranken geöffnet ohne Begrenzung, und den ausgiebigsten Gebrauch von dieser schrankenlosen Redefreiheit hat diesmal am letzten Donnerstag Herr Bebel gemacht: genau drei Stunden weniger fünfzehn Minuten hat er an diesem Tage zu dem schwach besetzten Reichstage gesprochen, bis denn dieser selbst die Geduld verlor und sich allgemach der versammelten Reichs­boten eine solche Unruhe bemächtigte, daß Herr Bebel in übertriebener Bescheidenheit diesen den Rath gab, sie möchten doch hinausgehen, wenn ihnen seine Rede nicht gefiele!

Es ist kaum möglich, mit kurzen Worten ein "Facit zu ziehen aus den Reden dieser vier Tage. Es müßte denn die allgemeine Bemerkung sein, daß diesmal die erste Etatsberathung durch eine ganz besondere Milde der Tonart sich aus­zeichnete, die sich sogar bis auf Herrn von Vollmar erstreckte, der so sprach, als strebe er danach, die Sozialdemokratie zur „regierenden Partei" zu machen. Rur Herrn Bebel gefiel dieser sanfte Ton nicht, und gleichsam, um seinen Genoffen Vollmar zu verbessern, ließ er wieder etwas merken davon, daß die Sozialdemokraten nach wie vor eine revolutionäre Partei sein wollen. Der sanfte oder auch kräftige Spott, der ihm dafür von allen Seiten zutheil geworden ist, mag ihm bewiesen haben, daß er damit gar keinen Erfolg erzielt hat.

Auch derjenige hat sich verrechnet, der darauf gehofft hatte, durch diese erste Lesung des Etats neue Aufschlüsse zu erhalten über die Stellung der Parteien zu der neuen Heeres-Vorlage. Denn daß die Sozialdemokraten diese Vorlage ablehnen wollen, wissen wir schon längst, und daß die Nationalliberalen sie ohne weiteres an­zunehmen gedenken, das ist uns ebenfalls schon ganz genau bekannt. Die nationalliberalen Partei- Organe haben diesmal zu erkennen gegeben, daß ihre Partei die Heeres-Vorlage annimmt, ehe diese überhaupt bekannt war; und fortgesetzt be­mühen sich jetzt sogar dieselben Organe, die Re­gierung in der Behandlung der Frage der zwei­jährigen Dienstzeit scharf zu machen. Sonst aber hat man auch aus der Etatsdebatte nichts Neues er«

Persönliche Armenpflege.

(Eine wahre Geschichte.)

„Es muß sein, mein Kind," sagte die arme Wittwe, indem sie die Thränen abwischte, welche langsam von ihren bleichen Wangen liefen, „es gibt kein anderes Mittel; ich bin zu krank zum arbeiten, und Du kannst sicherlich mich und Deinen kleinen Bruder nicht hungern sehen!"

Der Knabe, ein edelblickender, kleiner Bursche von 10 Jahren sprang auf, und nach­dem er noch einmal seine Mutter umarmt hatte, verließ er ohne ein Wort zu erwidern, das Haus. Er hörte das ängstliche Seufzen seiner kranken Mutter nicht mehr, als die Thüre sich hinter ihm schloß, und es war auch gut, daß er es nicht hörte, denn sein kleines Herz wollte ohnehin schon drechen.

Er befand sich in einer Nebenstraße in Philadelphia! und wie er so auf dem Seiten- rvege auf und abging, schaute er erst auf die eine Person und dann auf die andere, wie sie vorbeigingen, aber keine blickte freund­lich auf ihn, und je länger er wartete, desto schneller schwand sein Muth dahin. Die Thränen rannen von seinen Wangen, aber Niemand schien sich darum zu bekümmern; denn obwohl reinlich, sah Heinrich doch ärmlich und elend aus, und für den Armen und Leidenden ist ja das Weinen etwas Gewöhnliches.

Jeder schien Eile zu haben und der arme Junge war vollends der Verzweifelung nahe, als er zuletzt einen Herrn erblickte, der gemächlich seinen Morgenspaziergang machte. Er war schwarz gekleidet, trug einen dreieckigen Hut und hatte ein wohlwollendes Aeußere. Als Heinrich ihn näher anblickte, fühlte er alle seine Angst <ruf einmal verschwinden und näherte sich ihm.

Seine Thränen waren so lange gefloffen, daß

fahren, als höchstens die überraschende Lehre des freikonservativen Parteiredners v. Kar dorff, daß es ganz egal sei, ob wir hundert Millionen Mark mehr Reichsschulden haben oder nicht. Auch Herr Eugen Richter hat sich sehr gehütet davor, in der Beurtheilung der Heeresvorlage sich durch voreilige Aeußerungen im Reichstage irgendwie festzunageln. Seine .Freisinnige Zeitung' stellt sich zwar so an, als wolle sie spotten über das Centrum, daß dieses noch nicht Farbe zu beken­nen wage; aber sie selbst hütet sich ebenso sehr davor, ein bestimmtes Urtheil darüber abzugeben, bei dem sie später wieder gefaßt werden könnte. Diese außerordentliche Sanftheit in der Tonart der Rede hat auch der Herr Schatzsekretär Frei­herr v. Thielmann walten lassen, und zwar dieser in so hohem Grade, daß Herr Minister von Miguel ihm dafür durch seinen Leibosfiziosus eine schlechte Censur ertheilen ließ — vermuthlich eine Freude ganz besonderer Art für den Herrn Schatzsekretär! Ganz schüchtern hat er es unter­nommen, wieder einmal hinzudeuten auf die große Reichs-Finanz-Reform nach dem Plane seines Ministers v. Miquel! aber sehr deutlich ist ihm dafür von Herrn Dr. Lieber am Donnerstag der Rath ertheilt worden, diese so­genannte „Reform" doch ja ruhig in seinem Schranke liegen zu lassen, wenn er sich nicht eine ganz gehörige Niederlage im Reichstage holen wolle. Gleichzeitig nahm Dr. Lieber Gelegenheit, vor neuen Flottenplänen zu warnen. Im Reichs­tage gingen Gerüchte um, als halte man in den höheren Regionen das soeben erst angenommene Flottengesetz für unzureichend; da stellte denn Herr Dr. Lieber auch gleich von vorn herein fest, daß an die Verwirklichung folcher Luft- schlöffer nicht zu denken sei.

Das Centrum ist durch seine beiden Redner Fritzen und Dr. Lieber glänzend bei dieser ersten Lesung des Etats vertreten gewesen. Und von Neuem haben schon diese allerersten Debatten im neuen Reichstage den erfreulichen Beweis da­für erbracht, daß das Centrum des Reichstages in unveränderter, geschlossener Einmüthigkeit da­steht. Ein römisches Blatt hatte einige Aeußer­ungen des Abg. Fritzen über das Protektorat der deutschen Katholiken im Orient unrichtig auf­gefaßt und war infolge dessen zu der Meinung gelangt, Herr Fritzen habe dabei nur seine eigene Meinung gesagt. Mit dieser Legendenbildung hat nunDr.Lieber gründlich aufgeräumt: „Ich habe — so sagte er am Donnerstag wörtlich — zu erklären, daß der Abg. Fritzen alles das, was er über das Protektorat von der Rednerbühne des Reichstages aus gesagt hat, im ein« müthigen Einverständnisse aller seiner politischen Freunde gesprochen hat..." „Wir sind — so fügte Dr. Lieber hinzu — genau ebenso deutsch, wie wir katholisch sind; aber wir sind auch ebenso katholisch wie deutsch." Und deswegen wollen wir nun auch als ebenbürtige Deutsche behandelt sein!

feine Augen roth und geschwollen waren und seine Stimme zitterte, aber das geschah aus Schwäche, denn er hatte seit vierundzwanzig Stunden nichts aegesfen. Als Heinrich mit leiser und guter.^er stimme um ein Almosen bat, stand der Herr sogleich still, und sein freund­liches Herz wurde zum Miileid gerührt, als er in das offene Antlitz dcs armen Knaben bückte, das tiefe Roth bemerkte, welches sich über dessen Gesicht verbreitete und auf die bescheidene, an­spruchslose Stimme horchte, welche die Bitte be­gleitete.

„Du siehst mir doch nicht aus, wie ein Knabe, der daran gewöhnt ist, fein Brod zu betteln," sagte er, indem er freundlich seine Hand auf dessen Schulter legte, „was hat Dich denn zu diesem Schritte getrieben?

„In der That," erwiderte Heinrich und seine Thränen begannen von Neuem zu fließen, „in der That war ich nicht in dieser Sage geboren, aber das Unglück meines Vaters und die Krankheit meiner Mutter haben mich zu diesem Schritte getrieben."

„Wer ist denn Dein Vater?" fragte der Herr mit noch größerer Theilnahme.

„Mein Vater war ein reicher Kaufmann in dieser Stadt, aber er leistete Bürgschaft für einen Freund, welcher bald nachher Bankerott machte, und so war auch er ganz ruinirt. Er konnte diesen Verlust nicht lange überleben und starb einen Monat nachher vor Gram, und fein Tod war das Schlimmste für uns; denn meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich sanken bald auf die tiefste Stufe der Arrnuth. Meine Mutter hat bisher sich und meinen kleinen Bruder durch ihrer Hände Arbeit ernährt und ich habe verdient, was ich vermochte, durch Schneeschaufeln und andere Arbeit welche ich finden konnte; aber vor­letzte Nacht wurde sie sehr krank und sie ist feit«

Deutsches Reich*

Berlin, 16. Dezember.

* Die Kiuöerrrfung des preußische« Land­tags wird der ,Post' zufolge nicht schon zum 10. Januar, sondern erst zum 16. Januar, zum letzten verfassungsmäßigen Tage erfolgen und zwar aus dem Grunde, weil bei der Wahl eines früheren Eröffnungstermines das alte Ab­geordnetenhaus noch aufgelöst werden mußte.

-f- Am Horizonte tauchen allerhand Meldun­gen auf, als sei im Hintergründe schon wieder ein «euer Ikotteupka« in Vorbereitung. In den Wandelgängen des Reichstages erzählte man sich mehrfach, daß es Leute gibt, die das soeben erst beschlossene neue Flottengesetz für un­zureichend erklären. Vorläufig hat man es dabei wohl nur mit Gerüchten und Vermuthungen zu thun. Sollte es sich um mehr dabei handeln, so würde bald genug die Einsicht kommen, daß die Verwirklichung solcher Gelüste zu den Unmög­lichkeiten gehört. Dafür gibt es keine Mehrheit im Reichstage.

ft In der Behandlung der Frage der zwei­jährige« Dienstzeit schlägt nun gleich der ,Nationalliberalen Korr.' auch die freikonser­vative .Post' einen scharfen Ton an. Diese erblickt genau nach dem Muster des national- liberalen Partei-Organs die „ernste Gefahr eines Militärkonfliktes" in der gesetzlichen Festlegung der zweijährigen Dienstzeit, bringt das aber noch schärfer zum Ausdruck als jenes, wie man das auch von diesem Scharfmacher-Blatte im eigentlichen Sinne des Wortes kaum anders erwarten kann. Es ist nur sehr die Frage, ob die Regierung in diesem Punkte wird scharf machen lasten. Die Opposition dagegen, die zweijährige Dienstzeit in unentschiedener und vor­läufiger Form als ein Tauschobjekt gegen aller­hand Zugeständnisse des Reichstages, in der Schwebe zu lassen, befindet sich in der Zunahme. Abweichend von ihren norddeutschen Kolleginnen wehren sich neuerdings auch einige süddeutsche nationalliberale Blätter ganz entschieden gegen solche Pläne.

* Nach Meldungen aus Madrid sollen that- sächlich Verhandlungen angebahnt sein wegen des Werkavfes der Karoli«e«-s«fera von Spanien an Deutschland. Verhält es sich so, bann wird man ja bald näheres hören.

-s- Nach einer Berliner Meldung des,Hamb. Korr.', dem man gute Beziehungen zu Berliner Regierungskreisen nachsagt, soll das Gesetz z«m Schutze ArVeilswiMger sich keineswegs auf Bestimmungen gegen Terrorismus unter den Ar­beitern beschränken. Es sollen nach dieser Mel­dung vielmehr auch „strenge Strafvor­schriften" in Aussicht genommen fein, mtt ..etwaigen Angriffen der Koali^.^rriheit der Arbeiter mit aller Eats^ entgegenjutreten". Dabei werde ;„an Fsonders an schwarze '".^nflische Aussperrungen ufro. zu denken haben". I Nun, wir werden ja sehen! Jedenfalls ist die | im ,Hamb. Korr.' angefügte Bemerkung sehr

dem noch schlimmer geworden, sodaß ich fürchte, sie wird Kerben. Ich weiß gar nicht, wie ich ihr helfen soll. Ich habe seit einigen Wochen nicht mehr Arbeit finden können, und habe auch nicht den Muth, zu den alten Bekannten meiner Mutter zu gehen und ihnen zu sagen, daß es so weit gekommen sei, daß sie ihrer Unterstützung bedürfe. Ich dachte. Sie sähen aus wie ein Fremder, mein Herr, und etwas in ihrem An­blick vertrieb mir meine Beschämung und gab mir Muth, Sie anzureden. O, lieber Herr, haben Sie doch Mitleid mit meiner armen Mutter I"

Die Thränen und die einfache, rührende Sprache des armen Knaben trafen eine Saite in der Brust d:s Fremden, die von Mittleid gar häufig zu erzittern pflegte.

„Wo wohnt Deine Mutter mein Junge?" fragte er mit leiser Stimme. „Ist es weit von hier?"

„Sie wohnt in dem letzten Hause in dieser Straße, mein Herr," erwiderte Heinrich; „Sie können es von hier sehen, es liegt in der dritten Häuserreihe auf der linken Seite."

„Habt ihr schon nach einem Arzt geschickt?" „Nein, mein Herr," entgegnete der Knabe, „ich hatte kein Geld, weder um den Arzt, noch um die Arznei bezahlen zu können."

„Hier," sagte der Fremde, indem er einige Geldstücke aus der Tasche zog, .hier sind drei Dollar, nimm sie und laufe schnell zum Doktor."

„Heinrichs Augen flammten von Dankbarkeit auf; er nahm das Geld mit stotternder und bei­nahe unhörbarer Stimme an, und mit einem Blick der wärmsten Dankbarkeit lief er schnell von dannen.

Der wohlthätige Fremde suchte sogleich das Haus der armen Wittwe auf. Er trat in ein kleines Zimmer, worin er nichts als nur einige Werkzeuge weiblicher Arbeit bemerkte; ein ge-

richtig, daß „die Aussichten des angekündigten Gesetzes sich wesentlich verbessern würden, wenn es keinen Zweifel darüber ließe, daß es Arbeitgeber und Arbeiter mit dem gleichen Maße des Rechtes und der Billigkeit messe". Feste Beschlüffe über die Gestaltung des Gesetzes sind, wie sattsam bekannt ist, noch gar nicht gefaßt worden.

0 Angeblich soll Herr von Köller, der Oberpräsident von Schleswig-Holstein, bei der Berliner Hauptregierung keinen festen Rückhalt haben für seine Däne« Ausrveisrmge« aus Nordschleswig. Man will damit sogar die Reise des Reichskanzlers zur Hofjagd nach Springe in Verbindung bringen. Es wird sich ja bald zeigen, ob an diesen Vermuthungen etwas Wahres ist.

X Unter dem Verdachte, ««archistifche Attentats-Gerüste zu hegen, ist im Dorfe Völksen bei Springe ein Mann verhaftet worden. Völksen ist eine Bahnstation vor Springe, die jetzt der kaiserliche Hofzug durchfuhr. Ohne Zweifel hat man es aber auch hier mit keinem Anarchisten zu thun, sondern mit einem Menschen, der durch das Ausstößen von Majestätsbe- leibigungen ein billiges Winterquartier sich ver­schaffen wollte.

0 Die Sozialdemokraten wollen im Reichstage einen Antrag einbringen auf Ab­änderung des § 316 des Strafgesetzbuches, und zwar in dem Sinne, daß neben der an gedrohten Gesängnißstrafe für Gefährdung eines Kiserr- vahuz«ges auch Geldstrafe zugelassen werde.

* Aus dem Wahlkreise Siegen ist beim Reichstage ein Protest gegen die Wahl des Abg. Stöcker eingelaufen. Man sagt, dieser Protest habe einige Aussicht auf Erfolg.

-4- Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des Reichstages nach den Weihnachtsferien steht bekanntlich die Interpellation des Frei­herrn von Wangenheim, des Vorsitzenden des Bundes der Landwirthe über die Ikeischnotst. Es ist intereffant, den Entwickelungsgar.g dieser Interpellation genauer zu betrachten. Vor Er­öffnung des Reichstages waren es drei Inter­pellationen, die der Bund der Landwirthe ein­bringen wollte. Daß die konservative Partei sofort sich hinter den Bund der Landwirthe stellen würde, genauer ausgedrückt hinter dessen Ober­leitung, betrachtete man einfach als selbstverständ­lich. Aber es kam anders. Zunächst wurden die drei Interpellationen nicht eingebracht und gleichzeitig fiel zunächst ins Wasser die andere Unternehmung, die die Leitung des Bundes sich ausgedacht hatte: die Wirthschastliche Vereinigung. In verschiedenen konservativen Blättern wurde dann ganz klar und deutlich gesagt, daß die Mehrheit der Konservativen dieses selbstherrliche Vorgehen der Leitung des Bundes der Laud- wirihe durchaus mißbillige; und nun ist also eine der drei Interpellationen M Herrn Frei- herrn von Wanaenhem eingebpqcht würden. Aber

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geworden. Hier fei der Warnau» Nebeneinander gestellt, der Interpellation wie sie beabsichtigt brechlicher Tisch, eine alte Kommode, ein kleines Bett, worauf die Kranke lag, standen in der Ecke. Sie schien schwach und beinahe erschöpft, und auf dem Bette zu ihren Füßen saß ein kleiner Knabe, welcher bitterlich weinte.

Tief gerührt bei diesem Anblicke trat der Fremde näher an das Bett der Kranken, und indem er sich stellte, als ob er der Arzt wäre, fragte er nach der Natur der Krankheit. Die Symptome waren in wenigen Worten erklärt, als die Wittwe mit einem tiefem Seufzer hinzu­fügte: „O, meine Krankheit hat eine tiefere Ur­sache, und zwar eine, die keine ärztliche Kunst heilen kann! Ich bin eine Mutter, eine unglück­liche Mutter. Ich sehe, wie meine Kinder täglich in tiefere Noth sinken und habe nicht die Mittel, ihnen zu Helsen. Meine Krankheit liegt am Herzen, und nur der Tod kann meine Sorge lindern. Aber gerade der Tod ist schrecklich für mich, denn er weckt in mir den Gedanken an das Elend, in welches meine Kinder sinken würden, wenn ich —"

Hier erstickte ein Strom von Thränen ihre Stimme und floß unaufhaltsam von ihren Wangen. Aber der vermeintliche Arzt sprach so tröstend zu ihr und zeigte ein solches Mitgefühl für ihre Sage, daß das Herz der armen Wittwe von einer Freude schlug, die ungewohnt war.

„Verzweifeln Sie nicht," sagte der Fremde, „denken Sie bloß an ihre Genesung und daran, ein Seben zu bewähren, das so kostbar für ihre Kinder ist. Kann ich hier ein Rezept schreiben?"

Die Wittwe nahm ein kleines Gebetbuch auS den Händen des Kindes, welches bei ihr auf dem Bette saß, und indem sie ein weißes Blatt herausriß, sagte sie: „Ich Hobe kein anderes, aber vielleicht genügt dieses."

Der Fremde nahm einen Bleistift aus seiner Tasche und schrieb einige Zeilen auf das Papier.