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Erscheint täglich, m Ausnahme der Sonn« und Feier­tage. Bierteljährl. .Hrzugspreis öhne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus- »ärtslM.SVPf.

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Inserate: Diem» spalt. Garmond» zelle oder bete» Raum 1b Pf., Re­klamen die Petit- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt

IrrLöa, Donnerstag, den 15. Dezember 1898.

25. Jahrgang.

jn 286.

Druck nnb Verlag der Fuldaer Acneudrnckered Peterrgage Nr. - (Barmonie).

für Inserate 2. Parzelle» in Fulda. mit Zlnterhattnngs-Meikage „Zllullrirte Sonntags-Zeitung"

Deutsches Deich.

Berlin, 14. Dezember.

* Der Kaiser hat heute Morgen Potsdam verlassen und sich zur Hofjagd nach Springe begeben. Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat den Kaiser dorthin begleitet.

* Die Gesammtsumme aller Fonds, welche dem Kaiser aus Ileichsmittek« zur Verfügung gestellt werden, beläuft sich auf 5,550,000 Mark. Diese Summe setzt sich aus folgenden Einzelposten zusammen: erstens aus 3 Mill. Mark, welche das Reichsschatzamt aus den allgemeinen Fonds zu Gnadenbewilli­gungen aller Art zur Verfügung stellt. Dieser Fonds ist nebst etwaigen Rückeinnahmen über­tragbar; sodann werden aus dem allgemeinen Pensionsfonds zur Verfügung, gestellt 1,325,000 Mk. zu Bewilligungen von Gnadenpensionen für Wittwen, von Pflege- und Erzühungsgeldern sür Kinder, für Unterstützungen an Offiziere, Aerzte, Beamte außer Dienst, an Hinter­bliebene, von Pensionszuschüssen für bedürftige Pensionäre, von Kautionszuschüsfen an pensionirte Staatshoboisten, Stabstrompeter, zu Zuschüssen zum gesetzlichen Wittwen- und Waisengelde und endlich zur Unterstützung von Wittwen und Waisen von Offizieren, Aerzten, Beamten und Personen der Unterklassen des So'.datenstandes. Aus dem Reichsinvalidenfonds werden dem Kaiser zu Gnadenbewilligungen aller Art 1,150,000 M. zur Verfügung gestellt, und dazu kommen noch 75,000 Mk. aus dem Etat des Kriegsministeriums.

© Areisierr von Zznok-Aerenverg, der Präsident des voraufgegangenen Reichstages, ist schwer erkrankt. In das Oberlandesgericht zu Karlsruhe ist ein Landgerichtsrath zu seiner Vertretung berufen worden. Mit allgemeinem aufrichtigem Bedauern wird man dies in Cen­trumskreisen vernehmen, und ebenso allgemein ist der herzliche Wunsch, daß es sich mit dem Befinden des Patienten recht bald zum Besseren wenden möge.

□ Herr Reichstagsabgeordnet'r Dr. Freiherr v. Kettling hat, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, die Berufung nach Bonn de­finitiv abgelehnt.

+ Ebenso wie die Rede des englischen Kolonial­ministers Chamberlain in Waüsield ausführ­liche Besprechungen in der deutschen Presse ge­funden hat, widmen die englischen Blätter aufmerksame Betrachtungen der Rede, die Staats­sekretär v. B ülo w am letzten Montag im Reichs­tage gehalten hat. Aber Herr Chamberlain be­handelte in seiner Rede in Wakefield das Thema von dem Verhältnisse der beiden Länder K«g- fanb mib Deulschlavb zu einander ganz anders und viel ausführlicher, als Herr Bülow dies gethan hat. Dieser letztere begnügte sich mit einigen ganz kurzen Bemerkungen, die in dem Satze gipfelten, daß „es allerlei Fragen und mancherlei Punkte gibt, wo wir mit England zusammengehen können, ohne Schädigung und unter vollster Wahrung anderweiter werthvoller Beziehungen". Ader auch diese wenigen Worte werden von der englischen Presse mit einem E fer besprochen und ausgelegt, als handele es sich um en e politische Kundgebung ersten Ranges,

Lieutenant Lovetaee.

Bon L. von Neidegg.

12 ------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß)

„Es bedeutet: zu einem Manne aufblicken und ihn bewundern föunen; es bedeutet: ihm so von Herzen gut zu sein, daß man keinen anoeren Wunsch kennt, als sich ihm unlerzuordnen; es bedeutet ferner: mit Freuden bereit zu sein, ein langes L.ben mit all' seinen Wechselfällen an des geliebten Mannes Seite zuzubringen, und dabei im Be­streben aufzugehen, ihm dessen Prüfungen und Sorgen zu erleichtern."

Sie hatte mit Wärme gesprochen, und sah bildhübsch aus in diesem Augenblick. Ihre Wangen brannten, ihre Augen leuchteten, alles an ihr glühte vor tiefgehender Empfindung.

Das war etwas anderes als jene frostige Mathilde, die steif und würdevoll blieb, selbst wenn sie von ihrem Auserwählten sprach! Den Lieutenant durchrieselte es mit Wonne, als er die beredten Worte hörte. Wie glücklich durfte er sich preisen, solche Gefühle erweckt zu haben!

„So tief empfindest Du, Johanna?"

Zärtlich versuchte er, ihre Hand zu fassen. „Und derjenige, für den Du dies alles fühlst, wer ist es doch. Du liebes, herziges Kind?"

Sie zog die Hand zurück, machte ihm einen tiefen Knix und lachte hell auf: „Nicht Du, Herr Vetter, sondern Arnold Falkenhagen!"

Er fuhr zurück. „Johanna, alles hat seine Grenzen, auch der Scherz! Nicht wahr, es war ein solcher, und Du hast mich gemeint?"

obwohl gleichzeitig natürlich auch die englischen Blätter hervorheben müssen, daß ein Bündniß zwischen den beiden Ländern nicht besteht. Man ersieht daraus, daß das Bedürfnis nach Anschluß an andere Mächte gegenwärtig in England be­sonders stark ist. Außerdem hat man gerade in London naturgemäß mit großer Aufmerksamkeit die Stimmen verfolgt, die in Frankreich in neuester Zeit für ein besseres und freundschaft­licheres Verhältniß zu Deutschland sich erhoben, und da hält man es für nothwendig, Deutsch­land zu warnen vor dem Lande, das „eine Politik der Nadelstiche" verfolge. Die Warnungen sind sehr eigenütziger Natur und ziemlich über­flüssig. Aber für Deutschland kann es ohne Zweifel nur angenehm fein, wenn andere Länder in dieser Weise um seine Freundschaft sich be­mühen und eifersüchtig darüber wachen, wie es sich zu den einzelnen Mächten stellt; und außer­dem ist das kein schlechtes Zeugniß für die Leitung der auswärtigen deutschen Politik.

0 Es ist auffallend, mit welchem Eifer das Partei-Organ der Nationalliberalen, die ,Natl. Korr/, gegen die gesetzliche Festlegung der zweijährige« Dienstzeit mobil zu machen sucht. „So lange von autoritativer Seite — meint das genannte Organ — die Bewährung der zwei­jährigen Dienstzeit noch nicht anerkannt werde, sei auch die gesetzliche Festlegung noch nicht an der Zeit. Die militärischen Autoritäten der Heeresverwaltungen erklärten aber, ein ab­schließendes Urtheil über die zweijährige Dienst­zeit noch nicht fällen zu können . . ." That- sächlich hat sich der preußische Kriegsminister von Goßler vor Jahresfrist im Reichstage ganz günstig über die Wirkungen der zweijährigen Dienstzeit ausgesprochen, so daß man nicht recht versteht, warum das nationalliberale Partei-Organ in dieser Weise sich ereifert. In weiten Kreisen des Volkes besteht jedenfalls der dringende und berechtigte Wunsch, diese Frage endlich gesetzlich geregelt zu sehen, und man darf als ziemlich sicher annehmen, daß dieser Wunsch auch im Reichstage unzweideutigen Ausdruck finden wird.

0 In Bestätigung unserer gestrigen Nach­richt ist mitzntheilen, daß der Reichstag vor Weihnachten einzig und allein die erste Lesung des Etats erledigt und darum am Donnerstag oder spätestens am Freitag bis nach Neujahr sich vertagen wird. Der Verlauf der Etatsdebatten zeigt gar zu deutlich, daß gegenwärtig wenig Stimmung für Berathungen großen Stils vor­handen ist, fo daß an eine erste Lesung der Heeres-Vorlage vor dem Weihnachtsfeste nicht mehr zu denken ist.

* Das deutsche Ileichspok und Gele- grapyengebiet nrnfaßr 445,115,24 Quadrat­kilometer ohne die Meerestheile, Hoffe :c. Die Gesammtzahl der Postanstalten betrug 1897 31,076 gegen 30,019 im Vorjahre, die der Reichstelegraphenanstalten 14,735 gegen 14,237, der Verkaufsstellen für Postwerthzeichen 20,249 (20,022) der Postbrieskasten 92,306 (89,640), der reichseigenen Post- und Telegrophengrund- stöcke455 (452),der Beamten,Unterbeamten u.s.w., 167,877 (161,000), der durch die Post beförderten Sendungen 3,839,320,288 (3,587,475,002), der beförderten Telegramme 36,693,259 (34,856,455),

„Dich? Dich?" Sie schien förmlich zu wachsen, und die braunen Augen sandten Blitze. „Wie kannst Du nur die Vermessenheit haben, so etwas zu glauben ? Liebe ist ein Kleinod, Ludwig; man muß sie erringen, man darf sie nicht wie eine zufällig gebotene werthlose Gabe ansehen, die man je nach Laune mit dem Fuße von sich stoßen oder allerhuldreichst annehmen kann."

„Verzeihe, Johanna!" erwiderte er betroffen. Verwundert betrachtete er das junge Mädchen, das ihm so ganz verändert, gereift, verschönert vorkam. „Verzeih', Deine Nachricht kam fo un­erwartet. Falkenhagen? Nicht möglich! Wieselten hast Du ihn bei uns gesehen!"

„Um so häufiger in Trier." Helle Röthe über­zog ihr Gesichtchen. „Wir lieben uns schon länger; da wir beide aber ohne Vermögen sind, mußte Arnold seine Beförderung abwarten."

„Und von dem allen hast Du niemanden ein Sterbenswort gesagt!" verwies Ludwig in gekränk­tem Tone. „Du hast Geheimnisse gehabt vor Onkel und Tante, hast hinter dem Rücken Deiner Eltern gehandelt!"

Sie unterbrach ihn: „Sei unbesorgt. Papa und Mama wußten und billigten alles. Sie waren es gerade, die wünschten. Deinen Eltern solle über die Angelegenheit nichts mitgetheilt werden, bevor eine Entscheidung getroffen sei. Wir alle kennen die Vorurtheile Deiner Mutter, welche gegen den bürgerlichen Neffen sich erklärt haben würde. Deshalb bestand auch Mama darauf, ihr die Nachricht selbst beizubringen, mit aller Schonung natürlich." Sie lächelte. „Als Mama jedoch heute Morgen eintraf, mochte sie Deine vielgeplagte

der von den Stadt-Fernsprechvermittelungsan- stalten ausgeführten Verbindungen 646,909,628 (562,255,778). Der Gesammtwerth der durch die Post vermittelten Geld- u. f. w. Sendungen 26,650,812,024 Mark (21,426,452,271). Das Gesammtgewicht der durch die Post beiörberten Bäckereien 619,002,480 Kilogr. (579,359.910). Es beliefen sich die Gesammteinnahmen im Etats­jahr 1897/98 auf 324,783,290 Mk. (299,739,240 im Etatsjahr 1896/97), die Gesammtausgaben auf 290,956,745 Mark (273,010,211 Mark), der Uebirschuß hiernach auf 33,826,553 Maik gegen 26,72'9,029 im Vorjahre.

h Das Schietzeit von Wachtposten und von Patrouillen auf Verhaftete hat, wie bekannt, in neuerer Zeit vielfach unliebsames Aussehen erregt. Die Vorschriften, nach denen bisher dabei verfahren wurde, sind nicht weniger als 50 Jahre alt. Inzwischen sind unsere Schuß­waffen so ganz anders geworden, daß die Aus­führung dieser alten Schießoorfchriften regelmäßig eine allgemeine Gefahr für Leib und Leben derer bedeutete, die ruhig und nichts ahnend ihre Straße do^erwandellen. Nunmehr hat der Kaiser Er­gänzungen erlassen zu den Garnisondienst- Vorschriften, wonach von jetzt ab „in ver­kehrsreichen Straßen der Transport verhafteter und vorläufig festgenommener Personen (Militär und Civil) möglichst in geschlossenen Wagen zu erfolgen hat." Je nach der Lage des einzelnen Falles soll der Festgenommene gefesselt werden, um ihn auch so von Fluchtversuchen abzuhalten.

x Tas Verbot der Kinfnhr von lebendem Rindvieh aus der Bukowina ist vom Land- wirthschaftsminister aufgehoben worden. Eine halbamtliche Mittheilung fügt ausdrücklich hinzu, daß die Aufhebung dieses Verbotes „selbstver­ständlich mit der Fleischnoth nichts zu thun habe".

♦ Krefeld, 14. Dez. Nachdem nunmehr die sämmtlichen Arbeiten des Katholikentages zu Ende gebracht sind, soll auf Beschluß des Vorstandes am Donnerstag, 15. Dezember, Morgens 71/» Uhr' in der Dionysiuskirche ein feierliches Dankamt und Abends 8 Uhr in der „Erholung" Berichterstattung, Rechnungsablage und Schlußfeier für das Lokalkomitee und die einzelnen Kommissionen statt finden.

Rarkamentarische Nachricht««.

x Der Seniorenkonvent des Reichstages hielt heute nach Schluß der Plenarsitzung eine Sitzung ab. Die Frage, ob die Beralhung des Etats bereits am Donnerstag ober Freitag zu Ende geführt werden und somit die Weihnachts­ferien beginnen könnten, konnte noch nicht ent­schieden werden. D e Weihnachtsferien werden voraussichtlich bis zum 10. Januar dauern. Hier­aus wurde der Vorsitz und die Besetzung nach Fraktionen in den Fachkommissionen besprochen. Es soll bezüglich des Vorsitzes derselbe Modus wie früher Platz greifen. In der Budget-Kom­mission wird Abg. v. Kardorff, in der Geschärts- ordnungskommission Abg. Singer, in der Wahl­prüfungskommission Abg. Dr. Spahn und in der Petitionskommission Abg. Dr. Kruse den Vorsitz führen. Die Fachsektionen sollen am Donnerstag gewählt werden.

Mutter nicht unnöthig aufregen; morgen aber soll das Geheimniß enthüllt werden."

Ludwig fehlte alle Lust, in der Kousine Lachen ein- zuflimmen. „Aber ich?" fragte er kläglich, und der weibliche Zag in feinem Gesicht trat deutlicher denn je hervor. „Aber ich? Was beginne ich?"

„O Du!" Johanna lachte übermütig auf. „Du nimmst eben eine andere, eine von den Un­zähligen, die Dich glühend lieben; ich hätte ja doch nur denLückenbüßer für Mathilde abgeben müssen."

Er ließ den Kopf hängen und blickte ganz verstört darein; die Wunden, welche seiner Eitel­keit geschlagen worden, gingen zu tief, als daß sie ihn nicht fassungslos zurückgelassen hätten.

„Eine andere nehmen, sagtest Du, Johanna?" brachte er endlich stockend hervor. „Meinst Du etwa Elsa?"

Johanna legte die Hand auf seinen Arm. „Mein guter Ludwig," sagte sie mit mütterlichem Tone, „mein guter Ludwig, an die wage Dich nicht; die hat Höheres im Sinn. Sowie ihre jüngere Schwester herangewachsen ist, ihren Eltern die Trennung somit leichter fällt, weiht sie sich dem Dienste Gottes und der Kranken."

Er sah mit halb unterdrücktem, erschrockenem Ausdruck auf.

„Nicht etwa aus unglücklicher Liebe zu Dir, mein Guter," spottete sie, „sondern aus dem ein­zigen Beweggründe für solch' ein Opferleben: aus Liebe zu Gott. Die also schlag' Dir aus dem Sinn."

Jede Spur von Siegesbewußtsein war aus Ludwig's Gesicht gewichen; gedrückt und ent­täuscht gab er sich jetzt natürlich. „Was fange ich nur an?" flüsterte er vor sich hin.

* Der Nörsenausfchutz hat heute seine Be­rathungen geschlossen. Die Abtheilung für Maaren nahm mit 9 gegen 8 Stimmen den Antrag auf Erlaß eines Verbotes des Terminhandels in Kammzug an.

x Im Reichstage ist der Antrag Dr. Lieber-Dr. Hitze (Centrum) betr. die ein­getragenen Aernfsvereme, auf die wir schon vor einigen Tagen hingewiesen hatten, nunmehr eingebracht worden.

* Der Abg. Dr. Blankenhorn (ntl.) hat einen Antrag auf Revision des Weingesetzes eingebracht.

* Dem Reichstage ist, da die Wählender vom Reichstage zu wählenden 7 Mitglieder für die Kommission für ArSeilersialistiK für die Dauer jeder Legislaturperiode erfolgen, zur Jn- formatio.i das Regulativ für die Einrichtung einer Kommission für Arbeiterstatistik vorn 1. April 1892 bezw. 29. Januar 1894 zugegangen.

* Im Reichstage ist heute vorn Abg. Dr. Hahn (wildkons.) eine der bekannten drei Inter­pellationen eingebracht worden, dieselbe kam jedoch heute noch nicht zur Vertheilung. Wie wir mit­theilen können, ist es diejenige Interpellation, die sich auf die Erhebungen über die Akeisch- «oty bezieht.

Aus dem Reichstage.

5. Sitzung vom 14. Dezember.

Am dritten Tage der Etats-Berathung zeigte der Reichstag noch mehr das Bild der Ermüdung, als am Tage vorher. Nicht nur der Sitzungssaal war noch schwächer besetzt, büsmal ließen auch die Tribünen nicht mehr das stolze Bild der Fülle erkennen wie gestern und vorgestern; und selbst am Tische des Bundesrathes war die Besetzung nicht mehr so dicht und so hervorragend. Es fehlte des Reichskanzlers Gestalt während bet ganzen Sitzung. Von Staatssekretären waren nur Graf Posa- dowsky und Freiherr von Thielmann sichtbar und außerdem der preußische Kriegsminister v. Goßler.

Herr v. Kardorff von der sreikonservativen Partei eröffnete den Reigen der Redner mit einem Schlagworte, das unter debattelustigeren Umständen als heute ohne Zweifel den großartigsten Eindruck gemacht haben würde. Er wandte sich nämlich gegen die schwarzen Schilderungen der Reichsfinanzen des Abgeordneten von Bollmar vom Tage vorher, kennzeichnete den Stand unserer Finanzen als außerordentlich günstig und verstieg sich dabei zu dem einzig schönen Satze: „Wir brauchen uns aus 100 Millionen Maik Schulden mehr nicht allzu viel Sorge zu machen!" Mit großem Nachdrucke aber und auch nicht ohne Geschick widerlegte Herr v. Kardorff die wunder­lichen Darstellungen, die Herr v. Vollmar über länd­liche Arbeiterverhältnisse, namentlich in den preußischen Ostprovinzen, entworfen halte; und ein vielstimmiges „Sehr richtig" erscholl, als Redner von einer „geradezu grotesken Unwissenheit" des sozialdemokratischen Partei­führers in solchen Dingen sprach Nachher w indte sich Redner zu den verschiedenen angekündigten Gesetzesvor­lagen und begrüßte zunächst freudig den in Aussicht ge­stellten Gesetzentwurf zum Schutze Arbeitswilliger. Ob er großen Eindruck damit erzielte im Hause, daß er die Arbeiterpoliiik „seines Freundes Stumm" als nachahmens- werlhes Beispiel empfahl, lassen wir dahingestellt. Aber man kann es füglich bezweifeln. Noch weniger Zustimnr ng erntete der Redner mit der Behauptung, daß die Zu­nahme der Arbeiterausstände von der Aufhebung des Sozialistengesetzes heriühre. Daß die Ausweisungen aus Schleswig den vollen Beifall des Redners haben, braucht kaum noch besondershervorgehoben zu werden; ein wenig mißtrauisch stellt er sich zu dem Verhältnisse zwischen Deutschland und England. Das.verlangsamte Tempo in der Sozialpolitik hat dagegen den vollen Beifall des Abg. v. Kardorff. Große Heiterkeit entstand nach der Bemerkung des Redners, daß eigentlich Herr Eugen

Vor feiner liefen Niederg-schlagenheit schwand die Schadenfreude der Kousine. „Du hast wohl roch Besonderes auf dem Kerbbolz? Was hast Du nur angestellt? . . . Hast natürlich aus- posaunt. Du würdest Dich heute verloben? Wir schlossen cs aus verschiedenen Aeußerungen, die wir auffingen."

Er antwortete nur durch stummes Nicken

„Hast dich als Mathildens Ve>lobten auf­gespielt, während Du nur einen Korb eingeheimst hast?"

Er zuckte förmlich zusammen unter der un­verblümten Rede. „Ich kann es gar nicht fassen, daß sie wirklich Knorring heirathen will," mur­melte er.

„Knorring!" rief Johanna entzückt und schlug vergnügt beide Hände in einander. „Das ist ja herrlich I Ja, sie hat ein Herz, und nun habe ich sie erst recht lieb! . . . Aber zu Dir, Du Un­glücksmensch! Wen alles hast Du Deines Ver­trauens gewürdigt?"

„Hauptsächlich Frau von Ahlimb; sie hat ein förmliches Kreuzverhör mit mir angestellt."

„Das ist die Wahre, diese Plaudertasche! Blicke aber nicht fo trostlos drein, Ludwig; ich kann das gar nicht sehen. Ich will Die- jetzt einen ganz prächtigen Rath geben; wenn Du ihn auf­merksam anhörst und, wie ich nicht bezweifele, billigst, suche ich Mama und Mathilde auf und weihe sie in meinen Plan ein. An Dir ist es, mit Deinen Eltern die Sache in Ordnung zu bringen. Gib Acht, ich reiße Dich heraus, fo wenig Du es auch um uns drei verdienst. Aber," sie drohte schalkhaft mit dem Finger, „bessere Dich!" Darauf legte sie ihren Arm in den feinen