Fuldaer M Zeitung
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M 285.
Julöa, M Mw ich, den 14. Dezember 1898.
25. Jahrgang.
Onkel Millionär.
Weihnachtserzählung von Eveline Petrovits.
(Nachdruck verboten.)
Im fruchtbaren Banate, dort wo die syr- mischen Hügelketten freundlich herübersehen auf den majestätisch dahinfließenden Donaustrom, stand in ziemlicher Entfernung von Dorf und Stadt ein einsames Gehöft. Puszta nennt der Angar eine solche Ansiedelung, welche aus dem Wohnhause des Besitzers und den angrenzenden Wirthschaftsgebäuden besteht. Stephan, ein stolzer Magyar und liebenswürdiger Wirth, der Herr und Gebieter dieser Puszta, schritt eben über den -großen verschneiten Hof. Es war ein kräftiger Mann von imponirender Haltung, dessen gebräuntes Gesicht mit den noch immer feuerigen Augen von bereits stark ergrautem Haupt- und Barthaar umgeben war.
„Janos!" rief er dem Kutscher zu, der mit Schneeschaufeln beschäftigt war, „in einer halben Stunde spannst Du an, hörst Du!"
„Zu Befehl, gnädiger Herr."
Der Hausherr stieg mit seinen knarrenden Stiefeln die ausgetretenen Steinstufen zur Wohnung hinan. Geräuschvoll öffnete er die Thüre des Speisezimmers und blieb dann gutmüthiq an der Schwelle stehen.
„Hier stecken die Frauenzimmer! Also, seid Ihr bald fertig? Ein herrlicher Christbaum, in der That!"
„Lieber Papa, komm' her!" rief eine glockenhelle Mädchenstimme hinter den glitzernden Zweigen einer schönen Tanne hervor, die in der Mitte des Zimmers auf einem schweren Eichentische stand und fast bis an die Decke reichte. Eine ältere Dame und drei Mädchen waren emsig mit ihrer Ausschmückung beschäftigt.
Mariska, die jüngste der drei Schwestern und Besitzerin der glockenhellen Stimme, ein hübsches Mädchen mit braunen Zöpfen und pechschwarzen Augen, trat vor und zog den Vater ganz nahe «n den Weihnachtsbaum heran.
„Diese Seite habe ich allein geschmückt, es ist die schönste, nicht wahr?" Hierher legen wir alles, was Onkel Karl von uns bekommt."
„Natürlich, mein Täubchen," gab der Vater zärtlich zurück, dann wandte er sich an seine Frau und die beiden anderen Mädchen.
„In einer halben Stunde fahre ich nach Neusatz, dann wird es Zeit sein, unseren Gast abzuholen."
„Ob der Onkel sich unser noch erinnert?" fragte Ilona, die Aelteste, ein Mädchen von etwa fünfundzwanzig Jahren.
„Vielleicht an Dich," antwortete Elise, die dritte Schwester, „bi-nn Du warst doch schon fünf Jahre alt, als Dich der Onkel das letzte Mal sah."
„Und Du drei, das ist ein Unterschied!" gab Ilona mit spöttischem Lächeln zurück, „Du thust immer, als wäre ich schon eine alte Jungfer!"
„Geh', ärgere Dich nicht," schmeichelte Mariska und steckte der Schwester ein Chokoladen- herz zwischen die schmollenden Lippen, „wie froh wäre ich," setzte sie dann flüsternd hinzu, „wenn ich schon Dein Alter hätte, dann wäre ich vielleicht schon die Frau meines lieben, guten Emil. So aber mit meinen armseligen achtzehn Jahren muß ich jeden Tag hören: warte auf bessere Leiten! Warum hast Du Dir just einen vom Militär erwählt? Wie soll der Vater dreier Töchter für die Jüngste nur so ohne weiteres die hohe Kaution aus dem Aermel schütteln? Ach, das Leben ist schwer!" schloß sie mit einem komischen Seufzer und schnellte dabei gar leichtfüßig auf, um der Mutter einen großen Kuchen- teller abzunehmen.
„Meine liebe kleine Hausfrau ist sie!" nickte ihr der Vater zu, der sich mit einer großen Pfeife in der Nähe des grünen Kachelofens niedergelassen. .„Mir thut das Kind leid," sprach er dann leise zu seiner Frau, „nicht, daß mir der Emil als Schwiegersohn nicht recht wäre, aber" — er klimperte mit ein paar Münzen in seiner Tasche — „die letzten Jahre waren schlecht; weiß Gott, wie lange sie noch warten muß!"
„Emil kommt heute zur Bescheerung," Hub 'Frau Sofia etwas unsicher an, „schau', Stephan," fuhr sie begütigend fort, als sie einen Schatten über des Gatten Stirne ziehen sah, „ich weiß, es ist Dir nicht lieb, daß die jungen Leute sich unter den herrschenden Umständen oft sehen und sprechen, aber ich mußte den armen Jungen doch einladen, als ich ihn neulich ganz niedergeschlagen vor der Festung in Peterwardein traf und er mir klagte: „Heuer wird es eine traurige Weihnacht werden, das erste Jahr nach der Mutter Tod."
„Nun ja, meinetwegen, mag die Mariska ihn erheitern!" sprach der Hausvater sich erhebend, „ich gehe jetzt, es ist Zeit zur Abfahrt" — — Zwei Stunden später pranaten alle Zimmer des einsamen Wohnhauses in festlicher Beleuchtung. Der Christbaum streckte seine blitzenden Zweige zwischen den beiden Fenstern des Speisezimmers aus, und in der Mitte desselben stand eine reich- besetzte Tafel; Flaschen voll feuerigen Ungarweines erhoben sich da neben leckeren Kuchen und hochgethürmten Aufsätzen voll getrockneter Früchte. Mariska überblickte das Werk ihrer Hände mit prüfendem Auge, dann eilte sie in den anstoßenden Salon, um noch hier und da die reichen serbischen Stickereien, die in Form von Ueberwürfen, Deckchen und Teppichen den Fußboden und die Möbel schmückten, zurecht zu zupfen und den großen getrockneten Sonnenblumen, die phantastisch von dem Mauersimse herabsahen, eine sichere Stellung zu geben.
„Der Onkel ist da!" rief in diesem Augenblicke Ilona zur Thüre herein, und die vier Grazien des Hauses, Frau Sofia an der Spitze, gingen dem ungeduldig erwarteten lieben Gäste mit echt magyarischer Herzlichkeit entgegen.
„Gott zum Gruße!" rief die Hausfrau und schüttelte dem Eintretenden, einem kleinen, beliebten Herrn, der bis zur Stirne seines gelblichen Gesichtes in einem kostbaren Pelze stak, kräftig die Hand.
Onkel Karl war kein wirklicher Onkel, ja nicht einmal ein Verwandter dieser Familie, sondern nur ein guter alter Bekannter, und ein solcher erhält in Ungarn rasch den Namen Onkel.H
„Wie traulich mir die ungarische Sprache klingt, doch ich habe alles vergessen, was ich einst verstand", lächelte er, während drei Paar flinke Mädchenhände wetteiferten, ihn von seiner Hülle zu befreien.
Dann ging es erst recht an's Händeschütteln und Begrüßen, der alte Herr gerieth förmlich in Athemnoth und war froh, in den von Mariska herbeigerückten Fauteuil sinken zu können. Die Hausfrau stellte ihm mit nicht geringem Mutter- stolze ihre drei Tächter vor. Des alten Herrn unruhiges Auge ruhte wohlgefällig auf den an» muthigen Mädchengestalten, aber Mariska schien es ihm besonders angethan zu haben.
„Ihr Ebenbild, verehrte Gnädige!" sagte der Gast, als sich die jungen Mädchen bescheiden zurückgezogen hatten und er mit Frau Sofia allein irn Salon saß. „Wie gut erinnere ich mich der Zeit, da ich das Vergnügen hatte. Sie auf der Redoute in Pest bei einem Balle kennen zu lernen." Er räusperte sich, eine Pause entstand. „Dann waren Sie ungnädig genug, meine Werbung auszuschlagen, aber wir sind gut Freund geblieben; ich gönnte meinem ehemaligen Studiengenossen Stephan den Vorzug gerne, denn Sie waren für einen feuerigen Magyaren geschaffen, an dessen Seite Sie m der Heimath bleiben konnten und nicht für den steifleinenen vierzigjährigen Engländer Colonel Charles Brown, der Sie so gerne nach Indien mitgenommen hätte."
„Wie lange waren Sie dort, Onkel Karl?" Mit echt weiblichem Takt lenkte Frau Sofia das Gespräch in andere Bahnen.
„Erst fünf Jahre, bann kehrte ich in die Heimath zurück, um meine angegriffene Gesundheit wieder herzustellen, es war damals, als ich auch nach Ungarn kam und Sie hier auf der Puszta besuchte. Fräulein Mariska war zu der Zeit noch ein ganz kleines Kind. Sie ist der Liebling Aller, nicht wahr?"
„So ziemlich, und sie verdient auch, es zu sein."
„Ja, das sah ich ihr gleich an; aber, um in meinem Berichte fortzufahren, nach einem Jahre etwa reifte ich zum zweiten Male nach Indien und blieb weitere vierzehn Jahre daselbst. Nach und nach wurde ich reich und griesgrämig, endlich zwang mich ein zunehmendes Leberleiden den Dienst zu quittiren. Seit zwei Jahren bin ich nun wieder in Europa und lavire beständig zwischen London, Karlsbad, Nizza und Ostende umher. Meine Neffen und Nichten haben sich vergeblich mit schönen Briefen an den Onkel Millionär bemüht, sie sind, gleich meinen anderen nächsten Verwandten vor mir gestorben. So stehe ich allein und langweile mich manchmal gründlich, deshalb habe ich mir erlaubt, mich selbst zu einem Weihnachtsfeste auf die Puszta einzuladen."
„Damit sind Sie nur unseren eigenen Wünschen entgegengekommen."
„Freilich, Bruderherz," fiel kräftig des Hausherrn Base dazwischen, „selbst am Weihnachtsabend, und wenn man einen lieben Gast im Hause hat, kommt man von der Plackerei mit ber Wirth - schaft nicht los. Hat mir der Kerl, der Paul, wieder die Stallthür offen gelassen, so daß zwei Schweine ausgekommen sind, wohin, das weiß der Kuckuck, jetzt bei den schlechten Zeiten!"
„Sophie, meine Liebe," wandte er sich bann an seine Gattin, „Mariska läßt Dich fragen, ob sie ben Christbaurn schon iHuminalni kann."
„Jllurniniren heißt es," verbesserte lächelnb die Hausfrau.
„Kommt auf eins heraus. Wo bleibt benn aber nur unser junger Herr Emil?"
„Ich will hinübersehen, vielleicht ist er schon bei ben Mäbchen. Wenn es läutet, bitte ich bie Herren, im Speisezimmer zu erscheinen," erroiberte lächelnb bie Gattin unb verschwanb.
„Ich bin neugierig, wie Dir bet Emil gefallen wird, mein Freund!"
„Voraussichtlich gut wie alle Ungarn," lächelte der Indo-Brite.
„Er ist Oberlieutenant und stationirt seit zwei Jahren in Peterwardein gegenüber von Neusatz. Auf einer Unterhaltung lernte Mariska ihn vergangenen Winter kennen unb lieben. Der junge Mann hat auch schon um ihre Hanb bei mir an» gehalten, ich habe nichts gegen biefe Verbinbung. Emil ist ein Prachtkerl, aber ich mußte ihn ad- weisen, bas heißt, auf später vertrösten; ich bin jetzt nicht in ber Lage, für meine Jüngste so viel zu thun, wie bie hohe Kaution verlangt. Drei Töchter, bazu Mißernte, Hochwasser, bas ist keine Kleinigkeit."
„So stehen also bie Dinge," murmelte Onkel Karl, unb dachte mit einer vorher nie empfundenen Freude an seinen Reichthum. „Der Tochter des stolzen Stephan ein Helrathsgut zu schenken, ist ein schwieriges Ding," überlegte er, „man muß es recht zart anfassen oder noch besser, die Eltern überrumpeln, und dazu bietet ja die bevorstehende Christbescheerung die beste Gelegenheit. Wenn nur der Janos nicht vergißt, meine Kiste unter ben Weihnachtsbaum zu schaffen," setzte er laut hinzu.
„Sei ohne Sorge, sie steht schon bort, ich habe sie vorhin gesehen, unb Mariska zappelt wie närrisch vor Neugierbe bavor herum. Da, es läutet, gehen wir, mein Freunb."
Die beiden Herren traten in bas lichtburch- fluthete Speisezimmer. Mariska, Ilona unb Elise führten ben Onkel nach bem Platze, wo neben einigen Flaschen eblen Tokayers, ben ber Gastgeber seinem Freunbe verehrte, allerlei nette, von geschickter Frauenhanb gefertigte Dinge lagen, unter anberem auch ein gesticktes Hanbtuch, bas in leuchtender, hellblauer Seide die Inschrift trug: „Jo reggelt!“ „Guten Morgen!"
Des alten Herrn Auge ruhte mit besonderem Wohlgefallen auf diesem Meisterwerke weiblichen Fleißes.
„Das hat mir gewiß Mariska gestickt."
Lieblich erröthend nickte die Genannte; gleich darauf blitzte der Schalk aus ihren Augen.
„Bitte, Onkel Karl, lesen Sie doch einmal die ungarischen Worte: J6 reggelt! Es muß zu drollig sein, wenn ein Engländer es ausspricht:
Das war es auch.
„ Dscho riggilt!“ kauderwelschte gutmüthig der alte Herr und mußte es wiederholen, bis Mariska endlich erklärte, nun spreche er es aus wie ein geborener Magyar. Dann flog sie zu den Eltern hin und führte sie an ihre Plätze. Mit natürlicher Kindlickkeit jubelte sie auf, als sich plötzlich die Thüre öffnete unb Emil in ber kleidsamen Uniform auf ber Schwelle erschien.
„Die Herrschaften entschulbigen gütigst mein verspätetes Kommen. Die Achse bes Wagens ist unterwegs gebrochen, unb ich habe ben letzten Theil des Weges durch den Schnee waten müssen. Bitte auch um Vergebung wegen meiner berangirten Toilette."
Von einer solchen bemerkte man nun allerdings wenig, stramm unb schmuck trat ber junge Offizier in bie Gesellschaft. Er würbe bem Onkel Karl vorgestellt, unb bie beiben Herren sprachen eine ganze Weile miteinanber. Mariska würbe ungebulbig, endlich bauerte es ihr zu lange, unb sie tief Emil's Name aus; was soviel zu bebeuten hatte, daß er sich auf feinen Platz zu begeben habe, um feine Geschenke in Empfang zu nehmen. Jlonka unb Elise berounberten bereits bie ihrigen mit lebhaften Ausrufen des Entzückens, Mariska überbot sie im nächsten Augenblicke. Aber was waren bie netten Schürzen, bie buntgeränberten Taschentücher, bie parfümirten Glacehanbschuhe, das duftige Briefpapier gegen bie Pracht, bie aus ber Kiste von Onkel Karl zum Vorschein kam! Die herrlichste inbische Seibe unb zartrosa Korallen für bie Mädchen, echte Perlen unb eine Diamantbroche für Frau Sofia, ferner ein wahres Prachtstück von einer Pfeife für ben Hausherrn.
Mariska küßte bem Onkel roieber unb immer roieber bie Hänbe, währenb ihre Schwestern sich eifrig über ben Schnitt ber neuen ©eibenbloufen besprachen, wobei ihnen ber junge Offizier, bet anerkannt guten Geschmack besaß, verschiebene Rathschläge ertheilen mußte. Inzwischen würbe seine Auserwählte von Onkel Karl in Beschlag genommen.
„Nun, es freut mich, daß ich bas Rechte getroffen habe unb daß Ihnen bie Kleinigkeiten so gut gefallen, Fräulein Mariska. Es sinb Ihnen heute wohl alle Wünsche erfüllt worben?"
„O ja," lächelte sie mit kinblicher Dankbarkeit; gleich barauf aber wurde sie ernst unb senkte bas Köpfchen. „Alle, bis aus einen, ben größten."
„Darf Onkel Karl wissen, was für ein Wunsch bas ist?"
„Ich glaube nicht, Papa hat mir gesagt, ich möchte mit Niemanben bariiber sprechen."
„Nun benn, Mariska, so will ich es Ihnen sagen: Sie lieben Emil unb möchten sein kleines Frauchen werben."
Betroffen, verwirrt, mit tiefem Erröthen sah bas junge Mädchen zu bem alten Herrn auf.
„Ja", sagte sie ganz leise, „bas ist's."
„Papa hat mir alles gesagt," fuhr der Onkel gütig fort, „ich weiß auch, warum bie Hochzeit nicht ftattfinben kann."
„Ach, lieber Onkel, sprechen Sie boch nicht bavon. Sie Derberben mir bie ganze Weihnachtsfreude."
„Glauben Sie wirklich, Kind, baß ber alte Onkel fo grausam fein könnte? Nun, Sie werben gleich sehen. — Gestrenger Herr Papa, liebens- würbigste Frau Mama," roanbte er sich bann an seine Gastgeber, inbem er gleichzeitig den jungen Offizier heranwinkte, „ich möchte noch ein kleines Weihnachtsgeschenk speziell für Fräulein Mariska hinzufügen, Herr Emil geht auch nicht ganz leer dabei aus," er legte bie Hand ber tieferröthenben Mariska in bie des jungen Mannes — „Vater, Mutter, segnet Eure Kinber, ich will bas Meine thun, um biefe Verbinbung nach außen hin zu ermöglichen, bas heißt, mit ben nothwenbigen Münzen zu vergolden."
Alle waren sprachlos, bie Mutter faßte sich zuerst unb zog ihr weinendes Töchterchen an das mütterliche Herz.
„Gott segne Sie!" rief der Vater, und feine mächtige Stimme bebte.
„Fräulein Ilona und Elise werden in meinem Testamente bedacht, inzwischen wollen wir nach braven Männern für sie suchen. Seht, dec Onkel Millionär ist alt und krank, und es ist die reine Barmherzigkeit, ihm bas lange Nachdenken über seine letzten Verfügung n zu ersparen."
Mit Blitzesschnelle hatte sich im ganzen Hause bie Runde verbreitet, daß Fräulein Mariska, und der schmucke Offizier, sich unter dem Weihnachtsbaume verlobt hatten. In der Gesindestube, wo es hoch herging, denn der Herr hatte Wein und Geld gespendet, steckte man erst die Köpfe zusammen, dann ging es mit den gefüllten Gläsern nach oben. Jarnos, der Kutscher, Mickles, der Stallbursche, Jstoan, der Schweinehirt, Pali, der Knecht, Derka, die Köchin, Jalcsi, die kleine Hausmagd, sie alle standen an der Thüre der Bescheerungsstube, erhoben ihre Gläser und riefen dreimal: Esten! Daß es wie Donner durch das stille Haus schallte. Mariska dankte Allen mit liebreizendem Lächeln. Es war das schönste Weihnachtsfest, bas sie je erlebt hatte.
Vermischtes.
Der kleine Kerrscher.
Unser Portier hat ein Enkelkind, Dem alle im Hofe gewogen sind; Es »st aller Bewohner Entzücken: Es kann so groß und verwundert blicken; Hat Lockenhaare fo hell wie Flachs, Und schlafen kann es wie ein Dachs. Wenn es im Lichthof im Körbchen liegt, So recht faul in die Kissen geschmiegt, Da geht keiner so leicht vorbei, Ob er auch ernst und beschäftigt sei. Ohne dem Kindchen die Hand zu reichen, Oder die rothen Bäckchen zu streichen. Wenn es aber mal schlafen will. Dann ist's im Lichthof mausestill.
Man merkt die Zeit seines Schlafens leicht. Weil dann der Portier wie ein Kater schleicht; Weil alle im Hofe wie auf Filzschuh'n schlürfen. Weil Musiker dann nicht spielen dürfen. Der Drehorgelmann wird sortgejagt. Sobald er die Kurbel zu drehen wagt; Die Harfenjule darf sich nicht zeigen. Und selbst der blinde Geiger muß schweigen. So übt das Kindchen im Hinterhaus Eine strenge, doch freundliche Herrschaft aus. Der alle gern unterworfen sind: Besser bewacht wird kein Königskind! — Kindchen, könnte im ganzen Leben Dich so Liebe und Sorgfalt umgeben I
* Kriegshekde«. Wirth (erzählend): . ja
und wahrend der Belagerung der Stadt verbargen sich mein Großvater, der damals noch unverheirathet war, und mehrere seiner Freunde tief im Keller, um sich vor den feindlichen Geschossen zu sichern; aber nach drei Tagen fand man die ganze G sellschaft bewußtlos am Boden . . ." — Alle: „Ach, hatte eine Bombe eingeschlagen?" — Wirth: „Nein, aber sie waren in einen Weinkeller gerathen!"
* Makak. Junger Ehemann beklagt sich bei seinem Freunde, daß seine Frau nicht kochen kann. „Mir geht's nicht viel besser," tröstete der Andere. „Meine Frau kann zwar alles kochen, aber esien kann man's nicht."
* chefängnißinlpektor: „Sie sind also zu 30 Mk. Geldstrafen oder sechs Tagen Arrest!" — Strolch: „Möchten Sie mir nicht 5 Mk. herauszahlen — dann bleibe ich gleich eine ganze Woche hier!"