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mit AnlerhLÜungs-Anlage Sonnlllgs-Anlung" prterrgaAe Nr. 2 (Larmoaie).

M 283.

Adresse der preußischen Kischöse «nd Antwortschreiben des Kaisers

i« ZLelreff der Schenknug der Dormilis«.

Der,Reichs- und Staatsanzeiger' veröffentlicht heute Folgendes: „Die im November zu Fulda versammelt gewesenen preußischen Bischöfe haben an Se. Majestät den Kaiser und König folgende Adresse gerichtet:

Allerdurchlauchtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

Der hochherzige Akt der Ueberweisung des Grund­stücks La Dormition de la Ste. Vierge in Jerusalem an den deutschen Verein vom heil. Lande, welchen Eure kaiserliche und königliche Majestät mit dem Besuche der durch die ehrwürdigsten christlichen Erinnerungen ge­heiligten Stätten zu verbinden geruht haben, hat in den Herzen Allerhöchstihrer katholischen Unterthanen den freudigsten Wiederhall gefunden. Nachdem das Ober­haupt der katholischen Kirche, wie auch der betheiligte Verein selbst ihre dankbare Freude bereits Ausdruck ge­geben haben, drängt es auch uns, im Namen der Katho­liken Preußens als deren kirchliche Vertreter Eurer Majestät ehrerbietigsten Dank zu Füßen zu legen.

Vertrauensvoll blicken die Katholiken Preußens zu ihrem Erlauchten Monarchen auf, wohl wissend, daß sie in Seinem Gerechtigkeitssinne und idealen Streben all­zeit eine sichere Stätte wirksamer Förderung und wohl­wollenden Schutzes ihrer religiösen wie bürgerlichen Jntereffen besitzen, und ste bekunden Euer Majestät ihren Dank dafür nicht allein durch die innigste Anhänglichkeit an Ihre Allerhöchste Person, sondern auch durch treue Mitarbeit an des Staates Wohlfahrt und des Reiches Ehre und Größe.

In tiefster Ehrfurcht verharren als

Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät unterthänigste Diener

PH. Kardinal Krementz, Erzbischof von Köln. G. Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau. Florian von Stablewski, Erzbischof von Gnesen und

Posen.

Dr. Thomas Nörber, Erzbischof von Freiburg.

Wilhelm Sommerwerck, gen. Jacobi, Bischof von Hildesheim.

M. Felix Korum, Bischof von Trier. Andreas Thiel, Bischof von Ermland. Johannes Aßmann, katholischer Feldpropst der preuß.

Armee, Titularbischof von Ph ladelphia i. p. i. Hermann Dingelstad, Bischof von Münster. Dr. Hubertus Simar, Biscoof von Paderborn. Dominicus Willi, Bischof von Limburg.

Adalbert Endert, Bischof von Fulda.

Clemens Lüdtke, Kapitularvtkar von Kulm und Pelplin. Lambert Pohlmann, Kapitularvikar von Osnabrück.

Fulda, im November 1898.

Sei ne Majestät der Kaiser und König erwiderten hierauf mit nachstehendem, an den Kardinal-Erzbischof von Köln gerichteten Schreiben:

Hochwürdigster Herr Kardinal! Euere Eminenz haben Mir in Gemeinschaft mit den übrigen in Fulda ver­sammelt gewesenen preußischen Bischöfen eine Adreffe gewidmet, aus welcher Ich mit Befriedigung ersehen habe, welch' freudigen Wiederhall die Ueberweisung des Grundstückes La Dormition de la Sainte Vierge in Jerusa­lem an den deutschen Verein vom hl. Lande in den Berzen der deutschen Katholiken gefunden hat. Es war iir eine besondere Freude, daß es Mir bei Meiner Anwesenheit im hl. Lande vergönnt wurde. Meinen katholischen Unterthanen einen neuen Beweis Meiner landesväterlichen Fürsorge geben und ihrem langgehegten Wunsche zur Erfüllung verhelfen zu können. Seien Euere Eminenz und die übrigen Mitunterzeichner der Adresse Meines Dankes versichert für den Ausdruck treuer Er­gebenheit und das Gelöbniß freudiger Mitarbeit an der Förderung des Wohles von Reich und Staat!

Ich verbleibe, unter Versicherung besonderer Werth­schätzung

Beilin im Schloß, Euerer Eminenz den 6. Dezember 1898. wohlgeneigter

Wilhelm, I. R.

An den Kardinal-Erzbischof von Köln Ph. Krementz zu Köln.

Kieutenant Koveiare.

Bon L. von Neidegg.

9 ------ (Nachdruck verboten.)

4.

Ludwig von Hohenbruck hatte seine Befehle erlassen, und in gewohnter Selbstentsagung hatten seine Eltern dieselben ausgeführt. Zwar schüttelte der Vater den Kopf über den Aufwand, der bei jenem Feste entfaltet werden sollte, und der seinem einfachen Sinne so gar nicht entsprach; zwar seufzte die behäbige Mutter über die Mühsal, die ihr aufgebürdel wurde; ernstlichen Einspruch zu erheben, fiel aber den alten Leuten nicht ein. „Er versteht es besser rote wir," trösteten fie ßch, und ließen ihn gewähren.

Aber auch Johanna, sonst diejenige, welche ^"gescheut die Großmannssucht des Vetters zu verspotten pflegte, hielt dies Mal mit ihren Be- merknngen zurück. Sie, die ewig heitere, war in den letzten Tagen nachdenklich geworden, ihr jugendlicher Uebermuth war gedämpft, der Sinn für Spott und Neckereien in ihr erloschen. Nicht ohne Bangen bemerkte die Tante die Veränderung, und Ludwig, in seinem weichen Herzen, fühlte aufrichtiges Mitleid mit dem Mädchen. Gewiß war es die Aussicht, Buchenberg zu verlasfen, Buchenberg und was damit zusammenhing, welche sie verstimmte. Frau von Willmers hatte ge- fchrisben, sie könne die Tochter nicht länger ent­behren, und werde sie nächstens abholen. So wenig die Tante Ludwig auch willkommen war, diese immer nachlässig angezogene, in Kinder- stuben-Erzählt.ngen sich gefallenden Frau, so lieb |

Iulöa, Montag, den 12. Dezember 1898.

0 Das Reichstagspräsidium in Audienz beim Kaiser.

Das Reichstagspräsidium wurde heute, Sonntag Nachmittag 12'/» Uhr, vom Kaiser in AudieW empfangen. Ungefähr eine Stunde vor­her roec der Kaiser, welcher mit seiner Gemahlin der Einweihung der neuen Trinitatiskirche in Charlottenburg beigewohnt hatte, unter Vorauf­tritt einer Ulanenabtheilung im offenen Wagen im Berliner Schloß eingetroffen. — Beim Em­pfang des Reichstagspräsidiums reichte der Kaiser in liebenswürdiger Weise jedem der Präsidenten die Hand. In der Unterhaltung zeigte sich der Monarch sehr zufrieden mit dem Verlauf der Sitzung des Reichstags, in welcher die Wahl des Präsidiums vorgenommen wurde. Sodann kam das Gespräch auf die internationale Lage. Hierbei betonte der Kaiser, daß die Lage, wie jeder Laie leicht beurtheilen könne, ob­wohl wir mit allen Mächten auf friedlichem und freundschaftlichem Fuße ständen, gespannt sei, so daß unser Heer und unsere Flotte bereit zu halten seien, daß aber wieder mit Rücksicht auf die Steuerkraft des Reiches nur das Nothwendigste von der Reichsregierung beantragt worden sei, nämlich die Veränderung in der Organisation der Ar­tillerie und die kleine Vermehrung der Kavallerie. Im weiteren Verlaufe der Audienz, welche dies­mal dreiviertel Stunden dauerte, kam der Kaiser auf die Palästinareise zu reden und theilte von derselben verschiedene sehr interessante Episoden mit. Hierauf nahm der Kaiser die Glückwünsche des Präsidenten des Reichstages, Grafen Ballestrem, der in der Majorsuniform der schlesischen Kürassiere erschienen war, zu dem Resultat der Orientreise und der glücklichen Heim­kehr des Kaiserpaares entgegen. Nachdem der Kaiser das Präsidium unter Handreichung ent­lassen hatte, wurde dasselbe von der Kaiserin empfangen. In der Unterhaltung mit der Kai­serin, die nur kurze Zeit währte, bildete die Orientreise das Gesprächsthema. Außerdem er­kundigte sich die Kaiserin beim 1. Vizepräsidenten v. Frege nach den fächsischen Herrschaften. Beim Abschied reichte die Kaiserin jedem der Herren die Hand.

Deutsches Deich.

Berlin, 10. Dezember.

+ Bei der Beurtheilung der neuen Heeres- Vorlage spielt, wie sattsam bekannt, eine ganz be­sondere Rolle die zweijährige Dienstzeit. In der Heeres-Vorlage ist es unbestimmt gelassen, ob die zweijährige Dienstzeit wiederum nur als eine vorläufige Einrichtung bestehen bleiben, oder ob sie endgiltig und für immer einge­führt werden soll, so daß bei späteren Berathungen im Reichstage über die Organisation des Reichs­heeres gar nicht mehr die Rede von ihr sein, die zweijährige Dienstzeit vielmehr als etwas Selbst­verständliches betrachtet werden würde. So wie die Dinge liegen, kann die zweijährige Dienstzeit als eine Art Tausch- und Handels-Artikel von der Regierung gehandhabt und als etwas behandelt werden, das ihr erst jedesmal von frischem ab­gehandelt werden muß. Das ist kein guter Zustand.

war es ihm, daß ihr Kommen' Johanna aus einer peinlichen Lage befreien würde.

Das arme, verliebte Ding! Die Nachricht seiner Verlobung mit einer andern mußte ja rein niederschmetternd auf sie wirken. Er hatte daran gedacht, ihr eine Andeutung über seine Absichten zu machen; aus Furcht vor einem peinlichen Auf­tritt hatte er cs aber unterlassen. Nun tröstete er sich damit, daß Johanna's mädchenhafter Stolz sie hindern würde, sich bloß zu stellen, wenn sie an jenem Fest-Abend einer vollendeten Thatsache sich gegenüber befände; ihre heitere Natur würde ihr dann weiter über die Ent­täuschung hinweghelfen. Daß ihr um seinetwillen das Herz brechen könnte, das zu glauben, war er denn doch zu sehr Kind seiner Zeit.

*

* *

Mathilde Durbach hatte der Lieutenant seit jenem Ausfluge nicht wiedergesehen; sie war bei ihren Verwandten in Rodenhagen geblieben, wo er sie nicht aufsuchen mochte. Es hatte ihn oft gewurmt, gerade in jenem Hause nur kühl aus­genommen zu sein, und es war nicht einer der geringsten Vorzüge Mathildens, daß er durch sie dort festen Fuß fassen würde. Die Rodcnhager hatten versprochen, mit der Nichte zum Gartenfest herüberzukommen; das war die erste Anbahnung eines freundschaftlichern Verkehrs und eine Genug- thuung für den eiteln jungen Mann. Was würde das für ein stolzer Augenblick sein, in dem Mathilde ihn dem Oberjägermeister, dem ange­sehenen Magnaten, als ihren Bräutigam und seinen zukünstigen Neffen vorstellte!

* ♦ *

Wenn die zweijährige Dienstzeit sich bewährt hat, dann liegt gar kein Grund dafür vor, sie noch immer nicht dauernd bei unserem Heere einzuführen, und auch diejenigen unter den Konservativen, die sehr gern die Rückkehr zur dreijährigen Dienst­zeit bei der Infanterie sehen würden, geben jetzt unumwunden zu, daß in der That eine solche Rückkehr nicht mehr möglich ist. Um so eigen- thümlicher berührt eine Aeußerung der,National­liberalen Korrespondenz', des national­liberalen Partei-Organs, über diesen Gegenstand. Wenn man nach dieser Aeußerung urtheilen will, lehnen es die Nationalliberalen schon im vor­aus a b, eine dauernde Festlegung der zweijährigen Dienstzeit zu verlangen. Eine solche Forderung „könne nur den Zweck haben, direkt in den Militär- konflckt hineinzusteuern". Das heißt gouvernemen- taler sein als die Regierung selbst, und obwohl noch keine einzige der Fraktionen die Berathungen über die Heeres-Vorlage begonnen hat, ist doch kaum anzunehmen, daß diese Anschauungsweise von der Mehrheit des Reichstages gebilligt und angenommen werden sollte.

* 2,171,252,093 Mark Iteichsschulde«! Dem Reichstage ist eine Denkschrift des Staats­sekretärs Frhrn. v. Thielemann über die Aus­führung der seit 1875 erlassenen Anleihe- Gesetze zugegangen. Nach dieser Schrift belief sich die Gesammtheit der Anleihekredite am 22. November 1897 auf 2,154,340,320 Mk. Der Betrag ermäßigt sich um die Ersparnisse, welche im Etatsjahr 1897/98 bei den aus Anleihemitteln zu deckenden Ausgaben gemacht sind, und um die den Etat überschreitenden Einnahmen, soweit sie auf die Anleihekredite in Anrechnung kommen, das ist 1,218,217 Mark. Außerdem sind durch das Gesetz vom 31. März 1898 aus dem für das Etatsjahr 1897/98 aufgekommenen Ertrage der Zölle und der Tabaksteuer zur Verminderung der Reichsschuld überwiesen worden 37,500,000Mk. Es bleiben somit 2,115,622,102 Mk. Dagegen sind neu hinzugetreten laut Reichshaushalts-Etats für das Rechnungsjahr 1898 55,629,991 Mark, so daß zur Zeit die Anleihekredite sich im Ganzen auf 2,171,252,093 Mk. beziffern.

* Das nette preußische General - Kom­mando, welches nach der Militär-Vorlage am 1. April 1899 errichtet werden soll, wird seinen Standort in Frankfurt a. M. erhalten. Das Armeekorps setzt sich nach dem Plane der Regie­rung aus der 21. Division (ebenda) und 25. Divi­sion (Darmstadt) zusammen und bedarf zu seiner Vervollständigung nur noch einer dritten Kompagnie beim großherzoglich hessischen Train - Bataillon Nr. 25. Die 83. Infanterie-Brigade in Hanau scheidet aus dem Verbände der 21. Division. Hin­sichtlich des großherzogl. Hess. Feldartillerie-Regi­ments Nr. 25 in Darmstadt treten noch Aende- rungen ein, die im Zusammenhänge mit der Neu­ordnung der Feldartillerie stehen, ebenso erfolgt eine Theilung des nassauischen Feldariillerie-Re- giments Nr. 27. Die Feldartillerie-Brigadestäbe werden erst zum 1. Oktober 1899 errichtet. Das bisherige 11. Armeekorps trgänzt sich durch eine in den anliegenden Theilen der Provinz Sachsen aus vorhandenen Truppentheilen neu aufzustellende Division. Das neue Armeekorps in Frankfurt o. M. wird das 18. sein.

Liebe und Eitelkeit sind starke Kräfte. Von ihnen an gefeuert, von angeborenem gutem Ge­schmack unterstützt, leistete Ludwig sein Bestes. Die zahlreich herbeigeströmten Gäste waren denn auch einig in der Bewunderung deffen, was ihnen geboten wurde Das freundliche, im besten Stil des vorigen Jahrhunderts erbaute Wohnhaus, mit seiner von Schlinggewächsen umrankten Frei­treppe, sah ungemein wohnlich aus. Weislich hatte man es vermieden, an dem schönen Sommer­tage die Gäste in die Wohnräume zu zwingen, hatte ihnen nur durch die weit geöffneten Flügeltbüren einen Blick nach der blumengeschmückten, äußerst einladend sich bietenden Halle gestattet. Auch die Klippe, die Geladenen zu einem Massen­schmaus zusammenzudrängen, war umgangen. An den schattigsten Plätzen des durch seinen Reichthum an alten Bäumen bekannten Gartens waren Buffets mit Erfrischungen aufgestellt, an denen man sich zwanglos zusammenfinden konnte. Für die Unterhaltung der Gäste war reichlich gesorgt: die Kampflustigen fanden auf Kegelbahn und Lawntennis-Platz Gelegenheit, ihre Kräfte zu meffen, während denjenigen, die ruhigere Ge- nüffe oorzogen, dieselben auf bequemen Sitzen int Schatten hoher Bäume winkten, in deren Nähe eine Militär-Kapelle ihre schönsten Weisen spielte.

„Ei! ei! Ueberaus geschmackvoll ungeordnet!" bemerkte zu Hohenbruck die Frau eines seiner Regiments-Kameraden, die mehr durch über­sprudelnde Munterkeit als durch Takt sich aus­zeichnende Frau v. Ahlimb. „Ihre Eltern haben sich ja unglaublich angestrengt! Sollte etwas Ungewöhnliches in Aussicht stehen? Eine Ver­lobung gar? Wie, Herr v. Hohenbruck?"

25. Jahrgang

x Der Gesetzentwurf, durch den die Ein­richtung eines vayerische« Senates beim Reichs-Militärgericht erfolgen soll, ist nun­mehr fertig gestellt worden. Aber es ist noch unbestimmt, wann dieser Entwurf an den Reichs­tag gelangen wird. Zunächst muß er dem Kaiser, dann dem Prinz-Regenten von Bayern vorgelegt werden, und hernach unterliegt er noch der Be- rathung im preußischen Staatsministerium und im Bundesrathe. Einer halbamtlichen Meldung zufolge befindet sich jetzt der Entwurf noch in dem ersten der vier genannten Entwickelungs­stufen.

0 Mit der wirthschasllichett Vereinigung, deren Gründung vom Bunde der Landwirthe be­trieben wird, will es nicht recht vorwärts gehen. Die .Deutsche Tagesztg.', das leitende Organ des Bundes der Landwirthe, theilt mit, daß die Mel­dungen in der Presse unrichtig seien, wonach die genannte Vereinigung entweder schon gegründet oder ganz nahe daran sei, gebildet zu werden. Die wirthschaftlicheVereinigung „bestehe vielmehr noch nicht und werde auch heute oder morgen noch nicht gegründet werden. Sonach konnte auch noch keineFraktion zumBeitritt aufgefordert werden".

X Offiziöser Mittheilung zufolge ist die im Reichsjustizamte ausgearbeitete „lex Keirrze" vom preußischen Staatsministerium angenommen worden und wird dem Bundesrathe noch vor Weihnachten zugehen, so daß dieser Ent­wurf bis Februar in den Händen des Reichstages wird sein können.

(* *) Vom Centrum (Abgg. Dr. Lieber und Dr. Hitze) ist ein Antrag betr. die Errichtung von Arveiterkammer« eingebracht worden. Der Antrag lautet:

Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, thunlichst bald dem Reichstage einen Gesetzentwurf zum Zwecke der Errichtung von Ar­beitskammern vorzulegen, um so „den Arbeitern den freien und friedlichen Ausdruck ihrer Wünsche und Be­schwerden zu ermöglichen und den Staatsbehörden Ge­legenheit zu geben, sich über die Verhältnisse der Arbeiter fortlaufend zu unterrichten und mit den letzteren Füh­lung zu behalten." (Kaiserliche FebruarErlasse vom 4. Februar 1890.)

Wir haben in der,Fuldaer Zeitung' den Plan der Errichtung von Arbeiterkammern mehrfach ausführlich erörtert, so daß heute der einfache Hinweis auf die Einbringung dieses Antrages für das volle Verständniß der Angelegenheit genügt. Daß das leitende konservative Partei-Organ, die ,Kreuzztg.', die Centrums-Vorschläge zur Errichtung solcher Arbeiterkammern sympathisch besprochen hat, haben wir vor einiger Zeit eben­falls berichtet. Auch das sozialdemokratische Central- Organ .Vorwärts' konnte seinerzeit den Vor­schlägen des Abg. Prof. Hitze seinen,Beifall nicht versagen. Es handelt sich dabei, kurz gesagt, um Körperschaften, in denen Unternehmer und Ar­beiter gleichmäßig vertreten sein sollen. Unter solchen Umständen würde auf einen durchschlagen­den Erfolg des Centrums-Antrages zu hoffen sein, wenn auch die Regierung der dringenden Noth- wendigkeit dieser sozialpolitischen Forderung sich nicht verschließt. Dieses muß man abwarten.

x Dem Bundesrathe sind die Berichte über den gemervttche« Attsfichtsdierrst int Deutschen Reiche während des Jahres 1897 zugegangen.

Ludwig lächelte verschmitzt und machte ein ungeheuer schlaues Gesicht.

„Also errathen! O, so sagen Sie mir doch, wer es ist?"

„Wäre ihre Vermuthung auch richtig, so dürfte ich doch nichts ausplaudern, gnädige Frau. Sie wiffen ja:

Hüte Dein Liebstes in heimlichem Sinn.

Sprichst Du die Freude, so sprichst Du sie hin usw.

„Ach freilich kenne ich das altväterische Ge­dicht, gebe aber nichts darauf. Ich möchte zu gern zuerst die große Neuigkeit erfahren. Sagen Sie mir's int Vertrauen: wer ist es?"

„Errathen Sie es, wenn sie können, gnädige Frau." Dabei blieb sein Blick aus einer Gruppe junger Mädchen haften, deren Mittelpunkt Mathilde war, die durch ihre hohe Gestalt und vornehmes Wesen hervorragte.

„Ah so! Ich verstehe und gratulire. Aber — Benedikt the married man! Nun Sie sich ewig binden — wer tröstet da die vielen bluten» Herzen?"

„Niemand auf der Welt ist unersetzlich, gnädigste Frau, am wenigsten ich," erwiderte er mit einem Ausdruck, der an der Aufrichtigkeit seiner Worte zweifeln ließ.

„Doch, gerade Sie!" betheuerte die Frau. „Wir Regimentsfrauen legen alle Trauer an, wenn die Blume der Ritterschaft in Fesseln ge­schlagen wird. Nicht wahr, Helene?" wandte sie sich an eine mittlerweile herangetretene Dame.

„O, freilich!" erwiderte diese int gleichen Tone. „Es wird uns sehr schwer fallen."

„Bitte meine Damen, ich habe ja gar nichts gesagt, das sind alles nur müßige Vsrmuthungen,"