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M 282.
Jul'da, Samstag, den 10. Dezember 1898.
25. Jahrgang
Einer, der vor de« Barmherzigen Schwestern Respekt bekam.
Aerzte, Priester und Barmherzige Schwestern scheinen bei der Pest in Wien einander über- t> offen zu haben. Dr. Müller, der sich bei der Pflege des ersten Pestkranken die Ansteckung holte und nach Empfang der hl. Wegzehrung dem Tode wie ein Held in Auge sah, sein Kollege Dr. Pöch, der an seine Stelle trat, Dr. Mayer, der den überarbeiteten Mann unterstützte, die beiden Nonnen, welche die Pflege übernahmen, die dritte, die sich freiwillig meldet, die beiden Geistlichen, die das fürsterzbischöfliche Ordinariat, ebenfalls nach freiwilliger Meldung, für die Uebernahme des vollständigen Seelsorgevieastes zur Verfügung stellen konnte, — das ist eine Schaar von Männern und Frauen, vor denen alle Welt den Hut abnimmt.
Der Heldenmuth der Barmherzigen Schwester, die sich freiwillig zum Dienste der Pestkranken gemeldet hatte, um ihren beiden Mitschwestern zu helfen, die sich von Anfang an zu dem Kranken hatte einschließen lassen, veranlaßte Dr. Moritz Haupt, im liberalen .Budapester Tagebl/ folgende Erinnerung zu veröffentlichen.
vom heil. Lande. Diese Stellen berühren sehr syrn- ' mthisch, namentlich die Versicherung des Kaisers, die Feiey in Jerusalem sei ihm ein neuer Antrieb, die ihm verliehene Gewalt auch weiter einzusetzen für die ewigen Grundwahrheiten des Christenthums. Hoffentlich merkt sich das auch die preußische Regierung, denn die hat es besonders nothwendig.
In den Schlußwunsch, daß durch gemeinsame Arbeit der Regierungen und der Volksvertretung für das Volk Ersprießliches zu Stande kommen möge, wird man gewiß gerne einstimmen; aber leider zeigt sich so oft, daß die Bestrebungen der Regierungen dem Volke nicht frommen, und daß es seiner Vertretung manchmal nur unter größter Anstrengung gelingt, Schaden und Nachtheil vom Volke abzuwenden.
Die Ausweisungen von Ausländern aus dem preußischen Staatsgebiete haben nicht nur im Reiche etbft, sondern auch im Auslande unliebsames Aufsehen erregt. Im österreichischen Abgeordnetenhause wurde dieserhalb eine Interpellation eingebracht, auf welche der Ministerpräsident Graf Thun eine Antwort er- theilte, die unsere „nationale" Presse arg verschnupft hat. Der Minister bestritt selbstredend nicht das Recht, der preuß. Regierung, Ausländer, die ihr lästig werden, auszuweisen, und erkannte auch an, daß bisher keinerlei Grund zu Beschwerden vorliege. Dann aber fügte er hinzu, daß, wenn die Ausweisungen einen größeren Umfang annehmen und gegen die bestehenden Verträge und völkerrechtlichen Bestimmungen verstoßen sollten, die Regierung nicht säumen werde, die Rechte etwa in Frage kommender österreichischer Unterthanen zu wahren. Diese Aeußerung bezeichnet die „nationale" Presse als eine „Drohung", während sie doch etwas ganz Selbstverständliches ist und in Berlin sicher eine nicht weniger entschiedene Sprache geführt würde, wenn die Verhältnisse umgekehrt lägen. Man ersieht daraus, daß das Ausweisen eine zweischneidige Waffe ist, bei deren Anwendung sich höchste Vorsicht empfiehlt, weil sie leicht sich gegen diejenigen kehren kann, der sie zuerst gebraucht. Daß, wie weiter befürchtet worden, die Affäre eine Schwächung des deutsch-österreichischen Bündnisses zur Folge haben könnte, ist nicht anzunehmen, obschon Oesterreich an dem Bündniß weit weniger Interesse hat, als Preußen. Es wurde hauptsächlich zu dem Zwecke geschlossen, dem letzter« seinen Besitz zu sichern.
Das 50jährige Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich ist am 2. Dez. im ganzen Reiche offiziell gefeiert worden, aber nicht in der Weise, wie es schon ein Jahr vorher geplant war. Die Ermordung der Kaiserin und die traurige politische Lage, in welchen das Land sich befindet, haben einen Strich durch das Programm, wie es gedacht war, gemacht. Der Kaiser selbst, der sich ja noch in tiefer Trauer befindet, war nicht in Wien anwesend; er beging den Tag ganz still bei seiner in Ober-Oesterreich wohnenden jüngsten Tochter. Alle größeren Veranstaltungen unterblieben, auch die militärischen; es wurde keine Parade gehalten, und die Festlichkeiten beschränkten sich hauptsächlich auf kirchliche Feier. Die Vereine der Stadt Wien aber ließen es sich nicht nehmen, am Vorabend wenigstens einen großen Fackelzug zu veranstalten. Die schönste und würdigste Ehrung, welche dem Jubilar bereitet wurde, sind zweifellos die vielen und bedeutenden kirchlichen und wohlthäügen Stiftungen, die zur Erinnerung an das Jubiläum gemacht wurden. Der Kaiser selbst hat den Tag durch viele Gnadenakte und Straferlasse ausgezeichnet. Wenn er auf das halbe Jahrhundert feiner Regierung zurückblickt, sicht er nicht -öiet Erfreuliches; am wenigsten in der jüngsten Zeit, in der es fast den Anschein hat, als drohe der alte, ehrwürdige Kaiserstaat auseinanderzufallen. Liberalismus, Bureaukratismus und Josephinismus, das Staatskirchenthum, haben schreckliche Verheerungen in Oesterreich gerichtet, eine religiöse und sittliche Verseuchung zur Folge gehabt, die heute noch wirksam ist.
In Ungarn hat sich die Lage so zugespitzt, daß es den Anschein gewinnt, als müsse das Ministerium Sanfft) „dran glauben", seinen Abschied nehmen. Angesichts der Unmöglichkeit^ den Ausgleich vor Neujahr zu Stande zu bringen, will Banffy versuchen, ein halbjähriges Provisorium gesetzlich hcrbeizusühren. Aber : auch das dürfte ihm nicht gelingen, da die Opposition : mit allen Mitteln der Obstruktion sich dagegen wehren
wird. Dazu hat nun auch der Minister für Kroatien Zeinen Abschied genommen, so daß thatsächlich schon eine Ministerkrisis 'besteht. Ob daher das Kabinet das neue Jahr noch erleben, oder es lange überstehen wird, erscheint sehr fraglich. Thränen wird dem an rüchigen Ministerium Banffy Niemand nachweinen.
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika Mac Kinley hat an den eben zusammenge- tretenenKongreß eineB o t s ch a ft gerichtet, in der selbstver- tändlich der Krieg, oder richtiger gesagt: der Neber- äll und die Ausraubung Spaniens den größten Raum einuimmt. Dieser Theil scheint aber die Amerikaner wenig zu befriedigen, weil die Botschaft sich nicht klar über die den Spaniern widerrechtlich abgenommenen Kolonien und deren Verwendung resp. Behandlung ausspricht. Es wird dadurch indirekt bestätigt, was Hon längst vermuthet wurde: Daß die Amerikaner an ihren Eroberungen nicht viel Freude haben. Kein Wunder: Unrecht Gut thut nie gut! Die Botschaft erwähnt auch, daß Handelsvertrags-Verhandlungen mit dem Deutschen Reiche im Gange seien, und betont die Wichtigkeit einer ständigen Vermehrung des — stehenden Heeres! Warum auch nicht. Dadurch würden die Amerikaner doch ihr überflüssiges Geld los!
auch erhabene Beispiele von Pflichterfüllung außerhalb der Nonnenmden. Jene vornehmen Damen, welche im Kriege die Verwundeten pflegen, jene Tochter eines englischen Geistlichen, die vor einigen Jahren auf die Insel der Aussätzigen reiste, um sich daselbst der Pflege dieser Unglücklichen zu widmen, jener Kapitän eines deutschen Schiffes, der imSturme mit seiner Mannschaft Alles that, um die Paffagiere zu retten und dann mit einem Hurrah auf seinen Kaiser mit seiner wackeren Bemannung unterging; jene Aerzte, die bei Epidemien mit Hintansetzung ihres eigenen Lebens sich der Behandlung der Kranken unterziehen, wie jene Aerzte im Wiener Pestspital; sie alle sind leuchtende Beispiele erhabener Menschenliebe. Aber keines dieser vereinzelten Beispiele erreicht die die Regel bildende Hingebung und den Opfermuth derOrdensschwestern, welche sich die Krankenpflege zur Aufgabe gemacht haben. Still, rastlos uno bescheiden'leben und sterben sie dahin, nahezu unbeachtet, und doch haben sie das Höchsts vollbracht, was Menschen vollbringen können. Ein Triumph der ewigen Liebe in diesem irdischen Jammer- und Sündenthale, ein Sieg des Göttlichen im Menschen, ein Beweis von dem Adel der menschlichen Natur, wenn sie geläutert wird durch den Glauben und die Liebe."
Dekans Franz Keller enthält das niedliche Bändches „Himbörla'" (geb. 1.60 Mk.).
Die Herder'sche Bcrlagshandlung in Freiburg (Breisgau), deren Verlagswerke bereits zu Beginn dieser Rundschau nach Gebühr gewürdigt wurden, legte uns noch verschiedene Neuheiten vor, vor allem ein in seiner Art einzig dastehendes, religiöses Prachtwerk, „Das Vater Unser im Geiste der ältesten Kirchenväter in Bild und Wort", dargestellt von Ludwig Glötzle, Historienmaler in München, und Dr. Alois Knöpfler, Professor der Kirchengeschichte an der Universität München (in Ociginal-Goldschnittband 14 Mk.). Dieses herrliche religiöse Kunstalbum in Großfolioformat wird jedem christlichen Hause zur Ehre und zur Zierde gereichen. Der Text und die Bilder stehen an Erhabenheit der Gedanken und Schönheit des Ausdruckes auf gleicher Höhe. Möge dieses „Vater Unser" ein bei Alt und Jung gleich beliebter Hausschatz der christlichen Familie werden!
Von der 7. Auflage der Lindemann'schen Literaturgeschichte (theilweise neu bearbeitet von Dr. P. Anselm Salzer, deren ersten Band toir vor Jahresfrist begrüßen konnten, sind nun auch der Weite und dritte Band erschienen, so daß der neue Lindemann, bis zur jüngsten Gegenwart fortgeführt, vollständig vorliegt. (Preis in Halbsaffiau gebunden 12,50 Mk.) Besonders werthvoll in seiner neuen Bearbeitung ist das achte Buch über die Epoche der neuesten Zeit, das sogenannte „literarische Deutschland". Knappe, trefflichere Charakteristik bei der Be- urtheilung von Schatten- und Lichtseiten ist dem gelehrten Benediktiner in besonderem Maße eigen.
Redeatis, die Verfasserin von „Das Papageikleid" und „Das häßliche junge Entlein", beschenkte die reifere tveibliche Jugend (im Backfischalter) mit vier aus dem Leben gegriffenen, anziehenden Erzählungen, deren erste, „Frau Holle", dem reizend ausgestatteten Büchlein (gebunden 1,30 Mk.) den Titel gab.
In dritter Auflage erschien der von der gesummten Kritik so schmeichelhaft beurtheilte zweibändige historische Roman des Jesuitenpaters Joseph Spillmann: „Die Wunderblume von Wox- indon" (elegant gebunden 6,50 Mk.), in fünfter Auflage desselben Autors zweibändige Novellensammlung „Wolken und Sonnenschein" (in feinem Originalband 6 Mk.), die von berusener Seite als eine Perle der Novellistik bezeichnet wurde, in vierter Auflage die ergreifende Erzählung: „Ein Opfer des Beichtgeheimnisses", nach einer wahren Begebenheit erzählt (in Leinwand mit Goldpressung 3 Mk.)
Aus dem Verlage von I. P. Bachem in Köln, dessen neueste Erscheinungen wir auch bereits Revue passiren ließen, seien noch einige zu Geschcnkzwecken und für den Weihnachtstisch hervorragend geeignete Roman- und Novellenbände in empfehlende Erinnerung gebracht. Der Roman „Das Kind seines Herzens" von M. Herbert (Therese Keiter) zeigt uns, daß die Dichterin seelische Zustände wohl zu beobachten und auch elegant und geistvoll zu gestalten vermag. Dasselbe gil auch von dem Herbert'schen Roman „Jagd nach dem Glück". Beide sind in dritter Anflage erschienen (in Salonband je 4,25 Mk.). Der Novellensammlungen „G e m i s ch t e G e se l l s ch a f t" (Salonband 5,50 Mk.) und „Baalsopfer" (Salonband 4,50 Mk.) bringen der Dichterin ganze Eigenart zum Ausdruck, die besonders in der Darstellung seelischer Prozesse und in der spruchartigen Beleuchtung von Lebensfragen besteht. Das religiöse Element tritt selten, nirgends aufdringlich hervor. Auch die farbenprächtige Novelle „Aglaö" aus dem alten heidnisch-christlichen Rom (Salonband 3,50 Mk.) und die giftsprühenden „Aphorismen" (Goldschniltband 4 Mk.) von M. Herbert seien als passenve Weihnachtsgaben empfohlen.
Aus der reichen Auswahl der übrigen Bachem'schen Romane und Novellen mögen noch die vielgerühmten Romane von D. und E. Gerard: „Lady Baby" (geb. 7,50 Mk.), „Eine geheime Sendung" (geb. 4,50 Mk.), „Die Mexikanerin" (2. Auflage geb. 7,50 Mk.), „Plündere den Nächsten!" (geb. 5,50 Mk.) ferner die oft empfohlenen Werke von A. Veldenz, HeribKt Bauer, E. v. Dincklage, Lady Fullerton, A. Jüngst, A. v. Limburg, M. Lenzen, A. Freiin v. Lilien, Ernst Lingen, L. v. Neidegg, E. v. Pütz, . C. Haaß, Don Luis Coloma in Erinnerung gebracht sein.
gezeichnetes fahles Antlitz bei ihrem Anblick annahm. Als sie nach einigen trostreichen Worten, die sie an den Kranken richtete, wieder entschwebt war, flüsterte er mir zu: „Diese Schwestern sind Engel, wirkliche Engel. Wenn ich Nachts nicht schlafen kann, sehe ich sie dort auf dem Rundsitz in der Mitte des Saales stricken und wachcn, und da fühle ich mich glücklich, denn ich weiß, daß ein Auge mit Liebe und Barmherzigkeit an uns armen Kranken hängt. Gott segne sie!" Seit diesem trüben Winternachmitlage begann ich mich für diese heftigen Frauen zu intereffiren; ich sah sie in Spitälern am Bett von Kranken und Sterbenden, in Schulen, wo sie mit einer Aufopferung sondergleichen den Keim des Guten in die Seelen der ihnen anvertrauten Zöglinge legen, die ihnen noch nach langen Jahren den Zoll innigster Liebe und Verehrung widmen. Und überall, wo ich sie bei ihrem erhabenen Werke sah, zeigten sie sich als Beispiele einer Pflichterfüllung, die sich mit mchts vergleichen läßt, weil sie lhatsächlich das Maß des von Menschen zu Fordernden oder Erwartenden übersteigt, ohne Anspruch auf Lohn oder Dank, lediglich dem Gefühle der Liebe folgend, das sie bis zum höchsten Maße der Selbstvergeffenheit erfüllt. Es gibt sicherlich
K. Literarische Meihnachtsschau 1898. • VIII.
Der Verlag von Josef Kösel in Kempten läßt in diesem Jahre neben der allgemein beliebten „Katholischen Kinder"- und „Katholischen Jugendbibliothek" auch eine „Katholische Volksbibliothek" er- cheinen. Der Name des Herausgebers, Konrad Kümmel, bürgt für die gute Anlage des Planes, owie sür die zu treffende Auswahl. Die Erzählungen, Lebensbilder rc. sollen zu den religiösen und sittlichen Herzens- und Gewissensfragen unserer Zeit Stellung nehmen und ein wohlmeinender Wegweiser auf dem Lebenswege sein. Die Volksbibliothek schließt den Kreis einer christlichen Unterhaltungslektüre für das katholische Volk und jedes Lebensalter in passender Weise ab. Konrad Kümmel selbst hat im ersten Bande (mit 27 Original-Illustrationen, in Ganzleinen geb. 3 Mk.) mit einer prächtig entwickelten, kernigen Volks erzählung „Der Schreinermax", acht Geschichten ans dem Leben eines christlichen Handwerkers und seiner Familie, den Anfang gemacht. Der zweite Band enthält ein Zeitgemälde aus dem Schwedenkriege: „Pater Jeremias" von P. Kaspar Kuhn und „Von Angsburg nach Lima" oder „Des Lebens wechselvolles Spiel" von demselben Verfasser. (Mit 6 Illustrationen geb.2.10Mk.)
Von der Katholischen Jugend-Bibliothek erschienen 4 neue Bändchen. 17. „Gottes Führer" — „Robert und Iwan", zwei Erzählungen von Redeatis (drosch. 90 Pf.), 18. „Ludwig Auerbachers Büchlein für die Jugend" (Legenden, Märchen, Volkssagen re.), 2. durchgesehene Auflage mit einem Vorworte von Jos. ©arretier (brosch. 1.50 Mk.). 19. „Bilder aus dem Mädchenleben", vier Erzählungen von Anna Benfey-Schnppe (brosch. 70 Pf.), 20. „Der hl. Kirchenvater Augustinus" von Hugo Wehner (brosch. 75 Pf.). Die genannten vier Bändchen zusammen mit dem 16. (Stanislaus Kostka, Aloysius von Gonzaga, Johannes Berchmanns) erschienen auch in der großen Bandau-gabe zu zwei Bänden (16. 17. und 18. 19. 20.) geb. ä 3 Mk.
In der Katholischen Kind er bibliotbek erschienen in 2. Auflage Berg, „das dreifache Siebengestirn am Himmel der Heiligen" (8. Bändchen) und Koneberg, „die hl. Elisabeth" (kart. 25 Pf., halb- leinro. 35 Pf.).
In kirchlichen Kreisen wird ein neues Buch vom Domvikar Petz in Bamberg, „der Dienst der Assistenten und Mmistri bei Pontifikalfunktiouen" hochwillkommen sein (geb. 3.30 Mk.).
Dem Bändchen sinniger, tief empfundener Gedichte „Stille Stunden" von Arnold Pischinger (geb. 3.60 Mk.) und der sehr zeitgemäßen Schrift „Vernünftiges Denken und katholischer Glaube" Erwägungen für die gebildete Welt von Dekan Hold (geb. 3 Mk.) möchten Nur wiederholt ein Wort wärmster Empfehlung widmen. In zweiter Auflage erschienen die sehr hübsch ansgc- statteten, humorvollen „Gemsen-Eier", 1. Portion, von Dr. E. Bayberger (geb. 4.20 Mk.). Gemüthvolle Gedichte in schwäbischer Mundart aus dem Nachlasse den
„Ich habe von diesen Bräuten des Himmels nicht immer sogedachtwieheute. Auch mir war der moderne Gedankengang nicht fremd, der sie als Wesen betrachtete, die „ihren Beruf verfehlt haben", den Beruf der irdischen Frau nämlich, irdische Liebe zu empfinden und einzuflößen. Heute gestehe ich es ein, daß mir jede dieser Erscheinungen ein Gefühl inniger Verehrung einflößt. Die Wandlung meiner Ansichten geschah plötzlich, und zwar auf die denkbar einfachste Art. Ich besuchte einmal einen armen Schriststellerkollegen, der im Stefani-Spital au den Tod krank lag. Er war arm nicht nur als Kranker, sondern auch an Mitteln, wie so viele und nicht immer tue Schlechtesten aus der Republ: der Geister. Er lag im allgemeinen Krankensaal, und mir schnürte sich das Herz zusammen, als ich den armen Freund in dieser Umgebung, in dieser Spitalsatmosphäre sah. Der kranke Freund aber hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden; er wußte, daß er sterbe« werde, da er früher Mediziner war, und fügte sich mit der Ruhe des Weise« in fein Loos. Da wurde unser Gespräch plötzlich unterbrochen ; denn eine der Schwester« trat auf ihn zu, um ihm Arznei zu reichen. Im meinem Leben werde ich den liebevollen, fast glücklichen Ausdruck nicht vergessen, den sein bereits von dem Tode
Woche«-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 10. Dezember.
Der Reichstag ist nun endlich zusammcngetreten; -am Dienstag den 6. ds. wurde er vom Kaiser unter dem hergebrachten Ceremoniell eröffnet, aber kaum die Hälfte der bereits am Platze gewesenen Abgeordneten wohnte dem Eröffnungsakte bei, der von jeher einen mehr höfischen als volksthümlichen Charakter getragen hat, und man kann es daher den demselben fernbleibenden Volksvertretern nicht sonderlich verdenken, wenn sie sich unter all den Staatswürdenträgern, Hofbeamten, Gxnerälen und Lakaien mit ihren betreßten Kostümen und Uniformen recht überflüssig vorkommen und deshalb erst gar nicht hingehen. Dafür hatten sich aber zu der nach der Eröffnung im Reichstag stattgehabten ersten Sitzung bereits 317 Mitglieder eingefunden und so den Beweis geliefert, daß ein gut besetztes und beschlußfähiges Haus vorhanden sei. Möchte man das für die Folge während der ganzen Session sagen können!
Die vom Kaiser bei der Eröffnung verlesene Thronrede war bedeutend umfangreicher, als man es seit Jahren gewohnt ist, bot aber keinerlei besondere Ueber- raschnngen. Die wichtigsten Vorlagen für die nun eröffnete Session kannte man wenigstens dem Namen nach schon, wenn auch dem Inhalte nach noch nicht vollständig, und von ihnen ist denn auch vornehmlich die Rede. Zunächst von dem Gesetzentwurf zum Schutze Arbeitswilliger, kurz auch Zuchthaus' Vorlage genannt, entsprechend der seinerzeitigen Ankündigung in der Oeynhausener Rede des Kaisers. In der Thronrede wird behauptet, die bestehenden Strafbestimmungen reichten zum Schutze Arbeitswilliger vor Streikern nicht aus und mußten deshalb verschärft werden. Das Koalitionsrecht der Arbeiter werde nicht angetastet. Diese Versicherung dürfte in Arbeiterkreisen nicht viel Glauben finden, was man ihnen auch gar nicht übel nehmen kann. Und was die jetzigen Strafbestimmungen betrifft, so hat man wiederholt gesehen, daß mit Hilfe derselben Streiker, die andere Arbeiter bedrohten, ganz gehörig gefaßt werden können, so daß ihnen die Lust dazu zum zweiten Male vergehen dürfte. Die Thronrede spricht zwar die „Erwartung" aus, daß der Reichstag die Vorlage an- «ehmen werde, aber wenn ihr Inhalt dem entspricht, was bisher darüber verlautete, dürfte diese Erwartung sich nicht erfüllen.
Dann kommt die Militärvorlage, von der aber auch nur im Allgemeinen gesprochen wird. Die Thronrede vertraut, daß der Reichstag sich „von der dringendenNothwendigkeit der Forderungen überzeugen" unb dieselben bewilligen werde. „Dringend nothwendig" waren, nach den Versicherungen der Heeresverwaltung, bisher noch alle Militärvorlagen, und doch zeigte sich oft genug, daß es auch ging, wenn nur ein Theil bewilligt wurde; und man ist ja gewohnt, daß für das Militär immer recht viel gefordert wird, um später etwas ablassen zu können.
Einzelne andere der angekündigten Vorlagen dürften auf verschiedenen Seiten Befriedigung Hervorrufen: so die Reform des Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes und die Ausdehnung der Bestimmungen der Gewerbeordnung über den Schutz vor Gefahren für Leben, Gesundheit und Sitt- Uchkeit auf die Handelsbeflissenen, ferner die Beseitigung von Mißständen in derKonsektionsbranche und Aenderungen im Posttaxwesen. Einen guten Eindruck macht auch die Stelle über die friedliche Sage und die guten Beziehungen des Deutschen Reiches zu den übrigen Mächten. Was aber angesichts der neuen Militärvorlage die Betheiligung des Deutschen Reiches an der Abrüstungsko nferenz bezwecken soll, ist schwer verständlich. Wie zu erwarten war, ist auch die Orientreise des Kaisers erwähnt worden; insbesondere die Eröffnung der „Erlöserkirche" und die Ueberweisung des Besitzthums auf Sion an den Verein