Sonn- und Stier«
25. Jahrgang
IrrLöa, Samstag, den 10. Dezember 1898.
Fulda und < wärts1M.5OPf.
Inserate: Die tin- spalt. Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wied-rholunge» wird entsprechens. Rabatt gewährt.
tage. Bierteljährl. Kerugspreis ohneBringerlol und Bestellgeld
"SÄSSÄr mit Ilnterhattnngs-Mlage „Illuffrirle Sonntags-Zeitungs pelersgaAe Nr. 2 (Larmoxir).
mÄsnahm/der A A, l mA/AA HA'A' ■ÄlA A'',A/A'1
■‘ss 4riil '4PiTllTi 11
HWI IWk-V
▲ Friede zwischen Spanien und Nordamerika.
Nunmehr hat die Pariser Friedens-Kommiffion ihre langwierige Arbeit beendet: am letzten Donnerstag ist der Friedens-Vertrag vollständig fertig gemacht worden, so daß er nur noch der Unterzeichnung bedarf.
Die ersten Paragraphen des Vertrages beschäftigen sich mit den Gebieten, di« Spanien an die Vereinigten Staaten abtreten muß. Das sind die Inseln Cuba und Puerto-Rico in Westindien und auf der andern Seite die ganze Gruppe der Philippinen in Ostasien. Die Abtretung dieser Gebiete muß eine vollständige sein; die Bestimmungen des Vertrages regeln ganz genau die Fragen, wie es damit in politischer und in administrativer Hinsicht zu halten ist, und ebenso die Uebergabe aller Archive im Staat, in der Provinz und in der Gemeinde.
Die folgenden Artikel des Friedens-Vertrages regeln die Rechts- und Eigenthums-Ver- hältnisse der Spanier in den abgetretenen Gebieten. Besonders erwähnt zu werden verdient die Bestimmung, daß das Eigenthum religiöser Gemeinschaften von jetzt ab dem gemeinen Rechte unterstellt wird. Unter der spanischen Herrschaft war dies auf den Philippinen nicht der Fall.
In einem Punkte haben die Vereinigten Staaten den Spaniern für das Gebiet der Philippinen ein Zugeständniß gemacht: spanische Waaren sollen bei der Einfuhr nach den Philippinen denselben Vorzugs-Zöllen unterliegen wie di? amerikanischen. Im übrigen aber haben die Amerikaner bis zuletzt nach ihrem alten Grundsätze gehandelt: wehe den Besiegten! Davon, daß die Spanier eine Entschädigung an Geld erhalten sollen für die widerrechtlich ihnen genommenen Philippinen, wird nichts berichtet; und für alle die riesengroßen Anleihen, die Spanien sür das ihnen nun verlorene Cuba ausgenommen hatte, müssen nun auch die Spanier selbst aufkommen. Die Amerikaner verweigern auch die Anerkennung der Geldsummen, die als Kautionen aller Art in die kubanische Staatsbank eingezahlt wurden; und es ist nur recht und billig, daß die Spanier gegen diese Härten Widerspruch erheben. Am Schlüsse der Sitzung vom Donnerstag hat Montero Rios, der Vorsitzende der spanischen Vertreter, einen scharfen Protest verlesen, worin Spanien erklärt, daß es nur der Gewalt weicht und Einspruch erhebt im Namen des Völkerrechtes gegen den Mißbrauch der Gewalt, der von den Vereinigten Staaten gegen Spanien ausgeübt wird.
Von einem Ankäufe der Karolinen- Inseln durch die Vereinigten Staaten ist in den Friedensoereinbarungen nicht die Rede. Man hat demnach wohl anzunehmen, daß davon nun abgesehen ist. Freilich folgt daraus noch nicht, daß deswegen die andere gerüchtweise Meldung wahr sein müsse, Deutschland wolle die Ka-
Lieutenanl KoveLare.
Von L. von Neidegg.
8 ------ (Nachdruck verboten.)
„Haben Sie Acht, Hohenbruck," warnte K«orrmg. „Graf Bodenstein hat vorhin erwähnt, Beiteropyon widerstrhe gern beim Springen."
Hohenbruck's Laune war ernstlich getrübt. Beller opdon halte sich als ein höchst unbequemes P erd erwiesen, mir einem reichhalligen Repertoire von Unarten, die nur unausgesetzke Wachsamkeit in Schranken halten konnte. Dadurch hatte sein R iter sich mehr mit dec Bändigung des Thieres als mit dem Minnedienst befassen müssen, und zum Schaden hatte natürlich der Spott nicht ge- sehlt. Außerdem war Gras Bodenstein, an den er sich heranzumachen suchie, ihm kühl ausgewichen, hatte hingegen Knorring mit auffälliger Liebens- wär 'gkett behandelt. Und nun kam noch dieser seldN, und behelligte ihn mit einer Warnung, im Augenblick, wo es ihm endlich gelungen, an Aialhlloens Seite heranzureiten! Eine Warnung ihm, dem unübertrefflichen Reiter, dazu in Gegenwart seiner Herzensdame, mit einem Lächeln, das wahrhaftig eiwas von spöttischer Ueberlegenheit an sich hatte! Das war zu viel. •
In Hellen Zorn ausflammend, erwiderte er scharf: „Sie werden mir doch nicht zumuthen, zurückzuweichen, da wo Sie auf Ihrem Adolar sich vorwagen!"
„Adolar ist ein zuverlässiges Pferd!"
„Und Bellerophon ein vorzügliches!^ unterbrach Hohenbruck grimmig. „Meinen Sie nicht.
rolinen erwerben. Aber das kann man als wahrscheinlich annehmen, daß die geldbedürftigen Spanier gern zu einem Verkaufe der Karolinen geneigt sein werden, denn für sie selbst haben diese Inseln keinen Werth mehr, und für andere können sie sehr werthvoll werden.
Wie werden sich nun die Vereinigten Staaten in ihren neuen Kolonien einrichten? Vorläufig, so belehrt uns darüber Präsident Mac Kinley in seiner Botschaft an den nordamerikanischen Kongreß, soll in diesen neuen Besitzungen die Militärherrschaft bestehen bleiben. Diese Art der Herrschaft werden die Vereinigten Staaten sicherlich auch sehr noth- wendig brauchen; denn namentlich die Engeborenen der Philippinen lassen bis jetzt noch gar keine Neigung dazu erkennen, der amerikanischen Herrschaft sich zu unterwerfen, und die Vereinigten Staaten werden ihre neuen Besitzungen noch theuer genug an Gut und Blut erkaufen müssen. Die nächste unangenehme Folge für sie ist eine starke Vermehrung ihres bisher sehr kleinen Friedenheeres, und andere unangenehme Folgen werden schwerlich lange auf sich warten lassen.
Wie die Cubaner sich zu der „Militärherrschaft" der Vereinigten Staaten stellen werden, ist noch ungewiß. Ein freies Cuba wollten die Cubaner, und die Vereinigten Staaten stellten sich auch im Anfänge so an, als führten sie gegen Spanien nur Krieg aus uneigennütziger Freiheitsbegeisterung für die angeblich unterdrückten Cubaner. Jetzt ist das Ende vom Liede „Militärherrschaft" auf Cuba unter den Verein. Staaten ebenso wie unter Spanien. Die Cubaner sind also zunächst von den schlauen Uankees tüchtig genasführt worden. Es ist nur die Frage, ob nun die Aankees auch sehr große Freude an ihren neuen Kolonien erleben werden. Fast muß man das bezweifeln. Und sehr leicht könnten später auch einmal die Amerikaner von der Wahrheit des alten Spruches sich überzeugen, daß unrecht Gut nicht gedeiht.
Deutsches Reich»
Berlin, 9. Dezember.
0 Angeblich sollte der Kaiser in Beirut getadelt haben, daß dort der deutsche Honorarkonsul neben den deutschen auch österreichische Firmen vertrete; so hat ein Mitglied des österreichischen Abgeordnetenhauses behauptet und deswegen auch die österreichische Regierung inter- pellirt. Nunmehr wird von Berlin aus halbamtlich festgestellt, daß an der Geschichte kein wahres Wort ist.
4- Daß die Nachricht von der beabsichtigten Uebernahme der Koste« der kaiserliche« H»ie«t- fahrt auf preußische Staatskosten zunächst eine halbamtliche Ableugnung entgegengesetzt werden würde, war zu erwarten. Man wird ja sehen, inwieweit die erste Nachricht falsch und die Ableugnung richtig war. Nach einer neuen Meldung der.National!. Storr.' sind vom Hofe her keine Anregungen in diesem Sinne an die preußische Staatsregierung ergangcn. Danach könnte bei dieser letztem dennoch die bezeichnete Absicht selbständig entstanden fein und bestehen. — Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' schreibt offiziös in auf-
daß ich ihn bezwinge, Gräfin?" wandte er sich an Mathilde.
„Gewiß, ganz gewiß," versicherte diese, der es darum zu thun war, den Streit zu ersticken, eifrig. „Versuchen Sie getrost Ihr Heil; kein Zweifel, daß Sie siegen."
Hohenbruck sah mit triumphirendem Lächeln zu Knorring hinüber, der die Achseln zuckte, und jede weitere Bemerkung unterließ. Das Zeichen zum Starten wurde gegeben, und fort sprengten die Reiter, Hohenbruck allen voran. Bald mußte er aber erleben, daß Knorring, der sein Pferd klug geschont hatte, ihm vorkam, sowie daß Bellerophon durch die unruhig gewordene Hand des Reiters unangenehm berührt, ungeberdig wurde, und statt auszuschreiten, in Unarten sich erging, die das Weiterkommen erschwerten. Nicht Knorring allein, auch andere Kameraden sah er an sich vorüberfliegen, — der letzte Rest seiner Kaltblütigkeit war dahin. In blindem Zorn feuerte er Bellerophon zum Nachstürmen an, ohne zu beachten, daß er ihn darüber nicht mehr völlig in der Gewalt behielt. Erst als das Thier in rasender Eile dem Graben sich näherte, da fragte er sich, ob denn noch die Möglichkeit gegeben sei, zum Sprunge auszuholen. Ehe die Frage noch ausgedacht, war sie schon beantwortet. Das Pferd, das toll vorgestürmt, blieb am Ra.de des Grabens mit einem jähen Ruck stehen, der den Reiter aus dem Sattel warf.
Als Hohenbruck sich einigermaßen von seiner Betäubung erholt und, gequetscht und geschunden, mühsam aus dem mit Schlamm gefüllten Graben emporgearbeitet hatte, fand er, daß durch diesen Zwischenfall das Rennen beendigt worden war.
fallender Druckart: „Die von der ,Franks. Ztg.' gebrachte Nachricht, daß zur Deckung der Reisekosten des Kaisers auf der Fahrt nach Palästina dem Landtage eine besondere Vorlage zugehen werde, entbehrt jeder Begründung."
x Trotz aller Berichtigungen erhalten sich die Gerüchte von dem bevorstehenden Ilücktritte des Kerr« v. Lncanns Einem schlesischen Blatte zufolge soll als Nachfolger für denselben Herrn. Moltke ausersehen sein, jetzt Regierungspräsident in Oppeln.
+ Der ,Nat.-Ztg.' zufolge haben sich in der kippesche« Angelegenheit die verbündeten Regierungen dahin geäußert, daß der Bundesrath die Berechtigung der lippe-detmol- dischen Landesgesetzgebung zur Regelung der Erbfolgefrage anerkennen wird. Diesem Beschlüsse wolle man eine Erklärung in dem Sinne vorausschicken, daß der Bundesrath sich zwar für zuständig halte, von dieser Zuständigkeit aber keinen Gebrauch machen wolle. Die Anerkennung jener Berechtigung ist ohne Zweifel das einzig und allein Richtige in dieser Sache. Hoffentlich geht nicht wiederum lange Zeit ins Land, bis diese Anerkennung auch wirklich erfolgt. Vielleicht wird die Betreibung der Sache ein wenig beschleunigt durch die Interpellation, die die Freisinnigen in der lippe'schen Angelegenheit im Reichstag angekündigt haben. Nach einer Meldung aus Detmold soll der lippe'sche Landtag gegen Mitte Januar zu einer kurzen Tagung zusammentreten. Es ist aber noch ungewiß, ob er sich schon in dieser Tagung mit der Thronfolgefrage wird befasfen können.
x Nach allen den Erfahrungen, die man bisher gemacht hat, konnte man es sich beinahe im voraus denken, daß mit der Iiesorm der 'Ne» fsnentarise bei den preußischen Staatsbahnen nichts werden würde. Auf die Umfrage des Ministers Thielen haben, wie berichtet wird, die königlichen Eisenbahn-Direktionen erklärt, daß sie „den gegenwärtigen Zeitpunkt für eine derartige Reform nicht für geeignet halten. Es werden infolge dessen grundsätzliche Aendernngen im Per- synen>.Tarifweftn zunächst nicht vorgenommen". Zunächst nicht und wahrscheinlich auch noch eine ganze lange Weile nicht, wenigstens so lange nicht, als Herr Staatsminister v. Miquel die preußischen Finanzen regiert.
X Nach der Meldung eines parlamentarischen Berichterstatters ist nunmehr endlich der Gesetzentwurf über den Kch«tz des gemerkkiche« AröeilsverHättnisses vom preußischen Staatsministerium genehmigt worden und dem Bundes- rathe zugegangen. Dieses Letztere ist nach derselben Meldung auch geschehen mit dem Gesetzentwürfe über die Errichtung eines bayerischen Senats beim Reichs-Militärgericht. — Nach einer anderen Meldung müßte für den Gesetzentwurf zum Schutze Arbeitswilliger gerade das Gegentheil zutreffen. Danach wäre dem Bundesrathtz, noch nicht einmal das Material bekannt, das von dm Bundesregierungen als Antworten auf das Rundschreiben des Staatssekretärs Grafen Posadowsky eingelaufen ist. Die ganze Sache befindet sich eben augenscheinlich noch im Zustande völliger Unklarheit.
Einige seiner Kameraden waren bemüht, Bellerophon einzufangen, andere näherten sich besorgt eilends der Unglücksstätte. Knorring, der glücklich über den Graben gesetzt, wandte den vielgeschmähten Adolar und wagte einen zweiten Sprung, um dem Verunglückien beizuspringen. Diejenigen, welche bloße Zuschauer des Rennens gewesen, darunter Mathilde, ihr Vater und Onkel, kamen eilends herangeritten und erschienen in dem Augenblicke, als des Lieutenants blasses Gesicht über den Rand des Grabens emportauchte. Ein freudiger Zuruf begrüßte sein Wiedererscheinen. Gern wäre «r aber in den Schlamm auf's neue untergetaucht, hätte er nicht aus Mathildens Zügen aufrichtiges Mitleid herausgelesen. Das Mädchen sah bleich und beängstigt aus — war sie es doch gewesen, die Hohenbruck zu seiner Heldenthat ermuntert hatte.
„Sie sind doch nicht verletzt?" fragte sie besorgt, und der mitleidige Ausdruck ihres sonst so kalten, stolzen Gesichtes verlieh ihr in den Augen des jungen Mannes einen unnennbaren Reiz.
Er wäre glücklich gewesen, eine Verletzung aufweisen zu können, die ihn zum Gegenstände allgemeinen Interesses gemacht hätte. Aber triefend und mit Schlamm bedeckt, dabei mit unversehrten Gliedmaßen, bot er nur einen überaus komischen Anblick Dar; das fühlte er selbst, und er las es aus den Mienen der Umstehenden. Seine Eitelkeit verhinderte ihn aber, die Sachlage mit Humor aufzufassen und die Lacher zu entwaffnen, indem er in ihre Heiterkeit einstimmte.
„Ich sühle mich nur zerschlagen," erwiderte er. „Ich bin eben solche Abenteuer nicht gewöhnt. Das erste Mal im Leben, daß mir so etwas begegnet."
* Die Beiträge zur Anvakidenverficher««g werden bekanntlich nach Lohnklassen bemessen, in welche die Versicherten nach der Höhe ihres Jahresarbeitsverdienstes eingereiht werden. Dabei kommt es aber nicht auf den wirklichen Jahresarbeitsverdienst an; vielmehr sind behördlich festgesetzte Durchschnittslöhne der einzelnen Kategorien der Versicherten für die Einreihung in die Lohnklaffen maßgebend. Nach der Höhe der durchschnittlichen Klaffenlöhne sind vier Lohnklassen gebildet, Klasse I bis zu 350 Mk. einschließlich. Klaffe II von mehr als 350 bis 550 Mk., Klasse III von mehr als 550 bis 850 Mk. und Klasse IV von mehr als 850 Mk. Der Entwurf eines Jnvalidenverstcherungsgesetzes fügt eine Klasse V für diejenigen Versicherten hinzu, deren Jahresarbeitsverdienst den Betrag von 1150 Mk. übersteigt. Es wird hierdurch hochgelohnten Arbeitern und Betriebsbeamten ermöglicht, gegen Entrichtung höherer Beiträge eine ihren Verhältnissen entsprechende höhere Rente zu erwerben. Die aus den gesetzlichen Bestimmungen sich ergebende Lohnklasse soll nun aber schon gegenwärtig nur den Mindestb etrag ergeben, welcher für den einzelnen Arbeiter bei der Versicherung zu Grunde gelegt werden muß. Im Falle eines Einverständnisses zwischen dem Arbeitgeber und dem Versicherten können Marken auch für jede höhere Lohnklasse verwendet werden, der höhere Beitrag muß dann aber, ebenso wie der Beitrag in der an sich maßgebenden niedrigeren Lohnklasse vom Arbeitgeber und dem Versicherten je zur Hälfte getragen werden. Die hieraus sich ergebende Mehrbelastung des Arbeitgebers hat in manchen Fällen das Zustandekommen der Vereinbarung und dadurch die für den Versicherten wünschenswerthe höhere Versicherung gehindert. Die Novelle zum Jnvalidenoersicherungsgesetz steht deshalb, indem sie gleichzeitig die Besugniß zur Höherversicherung in einer ihrer Bedeutung entsprechenden Weise mehr heroorhebt, eine Aenderung insofern vor, als sie die Höherversicherung von der Zustimmung und Mitwirkung des Arbeitgebers unabhängig macht. Der Versicherte soll nämlich die Versicherung in einer höheren, als der gesetzlich für ihn maßgebenden Lohnklasse stets b eanspruchen können, wenn er die Mehrkosten der Höherversicherung allein tragen will; der Arbeitgeber hat dann also auch im Falle dieser Höherversicherung nur den für den Versicherten gesetzlich maßgebenden niedrigeren Beitrag zur Hälfte zu tragen. Einer besonderen Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Versicherten soll es nur noch bann bedürfen, wenn der Arbeitgeber auch den höheren Beitrag antheilig tragen soll. — Bei der freiwilligen Versicherung soll durch die Novelle die bisherige Beschränkung auf die II. Lohnklasse, ebenso aber auch die Zusatzmarke beseitigt werden, weil beide Erschwerungen sich als nicht zweckmäß ig herausgestellt haben. Die freiwillige Versicherung soll fortan in jeder Lohnklasse zu deren gewöhnlichen Sätzen gestattet sein.
* HffenSirrg, 9. Dez. Wegen Wahlfälschungen wurde von der hiesigen Strafkammer der Bürgermeister Hetzel aus Sand zu
„Dafür war das Bad um so gründlicher," lachte einer der Lieutenants.
Hohenbruck's Gesicht röthete sich; er fuhr auf und sah so wüthend drein, als wolle er einen der Anwesenden nach dem Andern zur Rechenschaft ziehen.
„Es hat recht schlimm ausgesehen," fiel wieder rasch die junge Gräfin ein, die durchaus keinen Mißton auskommen lassen wollte; „Gottlob, daß wir uns alle über den Ausgang freuen können."
Der junge Mann drehte sich nach ihr um. Sein Ton war frei von Ziererei, und aufrichtige Dankbarkeit klang aus demselben. „Ein gutes Wort zur rechten Zeit, Gräfin Mathilde! Es thut wohl, ein solches zu hören."
Er fühlte sich wahrhaft gehoben durch ihre offen bewiesene Theilnahme. Nun mußte er ihr aber beweisen, daß er derselben werth sei und mußte vor ihren Augen seinen Ruf als vollendeter Reiter glänzend Herstellen. Mit jener Schneidig- keit, die ihm innewohnte und die einigermaßen mit seinen Schwächen versöhnte, eilte er auf den mittlerweile eingefangenen Bellerophon zu, schwang sich, durchnäßt wie er war, in den Sattel und versuchte das Pferd über den Graben zu bringen.
Er begegnete dabei unbesieglichem Widerstand. Immer und immer wieder versagte das Thier: es bockte, es stieg in den Graben hinein, es verrichtete die unglaublichsten Kunststücke, nur das, was von ihm gefordert wurde, that es nicht. Hohenbruck befand sich schließlich in jener verzweiflungsvollen Stimmung, in welcher es einem gleichgiltig ist, des Pferdes Knochen und den eigenen Hals dazu zu brechen, vorausgesetzt, daß man zum Ziele gelangt. Bellerophon, abzemat-