FuwaerMImtung
25. Jatzrqanc
Sfutoa, Freitag, den 9. Dezember 1898.
JK 281
© Das Präsidium des Reichstages
jetzt ist Graf Ballestrem
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Inserate: Die einspalt. (Sarmonb» zeile oder deren Raum 15 Pf., Re- klamea die Petil- zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprecheno. Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der Fuldaer Actieudruckeret petersgaäe tlr. L (Larmonie).
Graf Ballestrem, Präsident des Reichstags.
Reichstages geworden, nicht mehr wie Herr von Buol in Folge des Ausstandes der Kartellparteien, sondern durch die Stimmen dieser Kartellparteien. Feierlich ist das Centrum als nicht nur gleichberechtigte, sondern als führende und regierende Partei anerkannt worden . . . Stolz und frei flattert das schwarze Banner über dem Reichstage. So ändern sich die Zeiten.." Mit diesen Worten gibt die freisinnige ,B o s s i s ch e Z e i t u n 9' ihren Gedanken über die Wahl des neuen Präsidenten des Reichstages Ausdruck. Feindschaft, in Worte des Hohns gekleidet, kann nicht greller und bitterer dem Centrum angesagt werden, als eben hier. Aber zum Glücke vertritt dieser Ausspruch weder die Anschauungen des Volkes, noch auch die Ansichten, die in der freisinnigen Partei selbst für die Beurtheilung der Wahl des Reichs- tagsprästdenten als maßgebend gelten. Das beweist ja der Ausfall der Wahl selbst, und wenig bentbar ist es gegen das Centrum gehandelt, in dieser hämischen Weise den Präsidenten seiner Wahl anzugreifen, nachdem gerade das Centrum es gewesen ist, das durch seine Stimmen dem freisinnigen Abg. Schmidt-Elberfeld den Platz des zweiten Vizepräsidenten verschafft hat. Aber in einem Punkte hat die ,Voss Ztg.' recht, und nur deswegen erfahren ihre Worte hier die Ehre der Wiedergabe: seit einem Vierteljahrhundert ist so manches anders geworden. Und wenn es auch eine sehr falsche Ausdrucksweise ist, daß „die schwarze Fahne stolz über dem Reichstagsgebäude flattert", so darf es doch das Centrum als eine sehr erfreuliche Genuathuunq für sich in Anspruch nehmen, daß es allen Anfeindungen, -allen Verdächtigungen und Verleumdungen zum Trotze allmählich den Platz und den Rang im deutschen Parlamente sich errungen hat, der ihm von Rechtswegen gebührt als der stärksten Partei des Parlaments." Und daß es an diesem Platze steht, das ist doch wohl kein schlechtes Zeugniß für die Politik und für die Grundsätze, die es unverändert von jeher vertreten hat und vertritt. Sehr unklug aber ist es, gegen den Ausfall
Rodenhager Gärten besichtigt und war schließlich in den Stall gewandert, um vor der Abfahrt des Grafen Pferde zu bewundern. Dasjenige, das er zu reiten gedachte, wurde eben gesattelt. In der Neben-Abtheilung stand schnaubend und pustend, mit rollenden Augen, ein prachtvoller Eisenschimmel, an den sofort einige Herren, worunter Hohenbruck, herantraten.
Dieser, der sich berufen fühlte, über alles und jedes seine Meinung abzugeben, sprach Graf Bodenstein seine Verwunderung aus, daß er nicht lieber den Schimmel reite, anstatt seines unscheinbaren Braunen. Lächelnd entgegnete der alte Herr, vorläufig zöge er es vor, das Pferd auf weniger hügeligem Gelände zu benutzen, wo er es ordentlich austoben laffen könne. Durch dessen Schönheit bestochen, habe er, wiewohl vor seinen Tücken gewarnt, es kürzlich gekauft. Nun wüßten Roß und Reiter sich aber erst an einander gewöhnen.
„Will jedoch einer der Herren Bellerophon besteigen. Sie etwa Herr von Knorring, so steht er zu Diensten. Wenn er guter Laune ist, so geht er brillant, und Sie sind ganz der Mann, um mit ihm fertig zu werden."
Eben wollte Knorring bejahen, da begegnete sein Blick dem Mathildens. Eine Abmahnung lag darin, und ohne sich weiter zu besinnen, lehnte er den ihm gemachten Vorschlag ab. Es sei immer
der Linken. Das Präsidium soll, wenn alles nach altem parlamentarischem Brauche und Rechte zugeht, die Gruppirung der Parteien des Parlamentes zum Ausdrucke bringen. Dies wäre also nicht der Fall gewesen, wenn das zweite Vizepräsidium den Nationalliberalen zugefallen wäre.
Mit einem Akte der Versöhnung hat Graf v. Ballestrem seine schwierige und verantwortungsreiche Thätigkeit als Präsident des Reichstages begonnen: er gedachte in rühmenden Worten, als er der Todten des Reichstages gedachte, auch des ersten Reichskanzlers Fürsten Bismarck als „eines großen Staatsmannes, als eines hervor» ragenden Mitbegründers des Deutschen Reiches". Ganz von selbst erhoben sich die Mitglieder des Reichstages von ihren Sitzen; nur die Sozialdemokraten entfernten sich still aus dem Saale. So hat Graf v. Ballestrem in herrlicher Weise zu erkennen gegeben, wie der Katholik das Große auch am Feinde ehrt und die Feindschaft nicht das Grab überdauern läßt, wenn auch das Centrum niemals gegen seine Grundsätze unter das Joch von Lebenden sich beugen läßt.
Möge auch das eine glückliche, eine große Vorbedeutung sein sür den neuen Reichstag und seine Thaten unter seinem verehrten, allezeit bewährten Präsidenten, dem Grafen von Ballestrem!
Erscheint täglich, ui. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl. Hr,ugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 50 Pf.
Kientenant Kovelace.
Von L. von Neidegg.
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Mittlerweile hatte man gespeist, die berühmten
die Finanzlage wieder ungünstiger werden sollte, recht empfindlich werden könnte . . ." Ja, das ist die Hauptsache. Selbst zugegeben, daß das Reich die neuen Lasten gegenwärtig noch tragen kann ohne ernstliche Gefahr für seine Finanzen, wie soll es werden, wenn nun nach den guten Jahren schlechte kommen? Jetzt, in der guten Zeit, ist für das Etatsjahr 1899 zur Deckung der Heeresausgaben eine neue Anleihe von rund 90 Millionen nöthig. Wie wird die Reichsschuld steigen, wenn einmal die Reichseinnahmen nicht mehr so ergiebig fließen sollten wie jetzt? Natürlich sind die offiziösen Federn, wie immer bei solchen Gelegenheiten, eifrig an der Arbeit, um die Finanzlage sür die Gegenwart und für bte Zukunft außerordentlich rosig darzustellen. Aber nur danach die Sachlage beurteilen zu wollen, würde ohne Zweifel verfehlt sein, eben weil man dieses Manöver schon kennt. Um ein selbständiges Urlheil über die Heeresvorlage und die Stichhaltigkeit ihrer Begründung zu erhalten, muß man sich also noch gedulden, bis die Regierung im Reichstage und namentlich in der Budget-Kommission des Reichstages genauere Aufschlüsse ertheilt haben wird. Die Heeresvorlage spricht sich bekanntlich nicht klar darüber aus, wie die Regierung zu der Frage der zweijährigen Dienstzeit sich stellen wird. Aber im Ernste besteht wohl bei niemandem, selbst bei Konservativen nicht, ein Zweifel daran, daß die zweijährige Dienstzeit nicht wieder beseitigt werden kann. Diese Ansicht sprechen sogar einige konservative Organe ganz offen aus. Einzig und allein die,Kreuz-Zeitung' stellt sich so an, als glaube sie noch an die Möglichkeit einer dreijährigen Dienstzeit bei der Infanterie. Aber auch sie hütet sich vor bestimmten Aeuße- rungen darüber. Ohne die zweijährige Dienstzeit würde die Vorlage aber sicherlich unmöglich sein; und es wäre nur zu wünschen, daß diese nunmehr endgiltig und für alle Zeiten ein- geführt würde.
X Die Ktals-ZLeralyuug wird sich voraussichtlich sehr in die Länge ziehen, so daß in der nächsten Woche wohl kaum noch viel daneben getban werden wird. Es liegt eben zu viel Stoff vor. Eine Besprechung der Militär- Vorlage wird man wohl möglichst aus der Etats-Debatte fern zuhalten suchen, allein da die Vorlage eng mit der Finanzlage zusammenhängt, wird man ihr Heranziehen nicht ganz verhindern können. Hat fie doch einen erheblichen Anteil an der vorgeschlagenen Anleihe von 90 Millionen. Die Begründung der Vorlage wird sogar von der ,Nationalztg/ scharf kritisirt. Sie sei weder geschickt noch eindrucksvoll. Besonders fpottet das Blatt darüber, daß die Regierung sich selbst bezeugt, sie habe in den letzten Jahren eine „weile Politik" befolgt und davurch den Frieden erhalten. Der Hinweis auf Spanien und feinen militärischen Zusammenbruch imponiik ihm mit Recht gar nicht; ebenso wenig der Hinweis auf die französische Rekrutirungs- Ziffer, die schon bei der Vorlage von 1893 eine Rolle gespielt hat. Aber die Vorlage selbst hat im Allgemeinen ihren Beifall, wie zu erwarten stand. ’ Nur daß die zweijährige Dienstzeit nicht dauernd festgelegt werden soll, gefällt ihr nicht.
etwas, das den Spott verstummen machte, und vor dem man, wenn auch widerwillig, Achtung bekam.
Hohenbruck war im Zuge, der Held des Tages zu werden, hätte nicht fern Unstern ihn verleitet, im hochfahrendsten Tone auszurufen: „Massagen Sie nun, Herr Graf? Was sagen Sie, Knorring? Wer tut mir das nach? Ich wußte es wohl, es gibt kein Pferd, mit dem ich mcht fertig werde!"
„Dennoch möchte ich Ihnen raten, Bellerophon nicht unbedingt zu trauen," warnte der Graf; „er sammelt sich, um mit neuen Tücken hervorzubrechen, deren er unzählige hat."
„Ich denke, ich habe genugsam bewiesen, daß ich sie ihm auszutreiben vermag."
Reiter und Reiterinnen waren aufgesessen, der Trupp setzte sich 'n Bewegung und hatte bald den Wald erreicht, an dem der bequeme Weg em Ende hatte. Nicht lange, und es begann ein steiler Aufstieg durch ein enges Felsental. Di; Sonne brannte heiß hernieder,keinLuflch-n brachte Kühlung, der mühselige Weg schien gar fern Ende nehmen zu wollen, und manche Klage wurde laut.
Es war eine E-lösung, wenigstens wieder tn den Waleesschcrlten zu gelangen. Als man nun gar, auf dem Hochplateau angekommen, eme weite, grüne $.iil vor sich sah, rmgs von Baumen eingefaßt, da bemächtigte sich der Gesellschaft eine jener übermütigen Stimmungen, in weite man leicht oeräth, wenn man Widerwärtiges hinter sich aeiafsen bat. eine Stimmung, in welcher jeder noch so tolle Vorschlag Gehör findet. Das Ziel war ziemlich nahe: am Ende der Wiesen aus dem Walde heraus leuchtete es weiß hervor, das massive, auf zahlreichen Touristenbesuch eingerichtete
„Wer vor einem Vierteljahrhundert . . vor- ausgesagt hätte, Graf B a 11 e ft r e m werde einst den kurulischen Sessel besteigen, den damals Simson und Forckenbeck geschmückt haben, der konnte gewärtigen, für einen Tollhäusler oder für einen Reichsfeind angesehen zu werden. Und . . Präsident des
Deutsches Deich.
Berlin, 8. Dezember.
ft Nach einer Meldung der ,Franks. Ztg.' sollte angeblich die Absicht bestehen, dem preußischen Landtage eine Vorlage zur Uebernahme der Koste« der Hrieulreife des Kaisers auf die Staatskasse zu unterbreiten. Von halbamtlicher Seite wird, wie vorauszusehen war, dieser Meldung widersprochen: von einer Absicht, die Kosten der Palästinareife ganz oder theilweise durch Staatsmittel zu decken, fei an den beteiligten Regierungsstellen nichts bekannt.
4- Im Allgemeinen haft die Presse noch zurück mit Urteilen über Sie neue Keeres Iforkage. Auch die Tonart der .Freisinnigen Zeitung' ist nach der Veröffentlichung der Vorlage sanfter geworden, als sie vorher war. In der That erreichen die Forderungen der Heeresverwaltung nicht die riesigeHöhe, die man vorher theilweise gefürchtet hatte. Vorher war von Heeres- verstärkungen bis zu 40 000 Mann die Rede. Jetzt ist mancher angenehm berührt davon, daß es nur 17 000 sind. Auf der andern Seite fehlt es auch im konservativen Lager nicht an Stimmen, die Besorgnisse äußern angesichts der ständig schärfer angezogenen Soldatenschraube ohne Ende. „Es ist — so äußert sich die .DeutsPe Tages» zestung' in diesem Sinne — nicht zu leugnen, daß die von der Regierung beantragte Heeres- vermehrung dem Volke schwereLasten auferlegt . . . Die jährlichen Mehrkosten von 27 388000 Mark fallen sehr bedeutend in's Gewicht, auch wenn für das Jahr 1899 zunächst nur 6 991000 Mark davon beansprucht werden. Mit dem Gesetze wird eine dauernde Belastung für die Zukunft geschaffen, die, wenn ein, daß ich das Pferd zu Paaren treibe; ich habe ja mein Leben lang nur edele und feuerige Tniere geritten. Gilt die Wette?" stufte er-mit jener gewohnten Vordringlichkeit.
„Warten Sie, bis Sie auf Bellerophon sitzen, dann reden Sie weiter davon," war des Grafen trockene Abfertigung.
Das Pferd wurde gefältelt, wobei es schon einige Ungeduld an den Tag legte; seine wahre Gemüchsart offenbarte sich aber erst, als der Reiter sich anschickte, aufzusitzen. Es legte die Ohren zurück, blähte die Nüstern; seine rollenden Augen sandten Blitze, und es machte Mtene, zu steigen.
Ein paar Stalldiener drängten sich diensteifrig herzu, um das Pferd gewaltsam niederzureißen. Hohenbruck winkte ab; er ließ dasselbe ein paar Mal auf und ab führen, und erst als es sich kinigermaßen beruhigt hatte, sprang er flink in den Sattel, wobei er dem Reitknecht blitzschnell die Zügel aus der Hand nahm. Einen Augenblick stutzte das Thier, dann stieg es kerzengerade in die Höhe. Wie angewurzelt saß der Reiter auf ihm, und seine geschickte Hand wußte alle Versuche, sich seiner zu entledigen, meisterhaft zu vereiteln. Nach und nach begann denn auch das Thier, den Herrn zu fühlen; als er es erst eine Zeit lang schonungslos im weiten Schloßhof herumgesprengt hatte, ließ es sich, zitternd vor Erregung und schaumbedeckt, willig zurückbringen.
Ein lautes Bravo empfing den kühnen Reiter. Allerdings hatte man darauf gerechnet, daß er vom Pferde fallen würde, und war im Grunde etwas enttäuscht, daß es anders gekommen: in feinem Mache und seiner Willenskraft lag aber
der Präsidentenwahl in dieser Weise zu eifern. Denn damit greift man ja die Grundsätze eines lebenskräftigen und gesunden Parlamentarismus selbst an, obwohl man ja sonst auf jener Seite so gern sich rühmt, einzig und allein die Grundsätze und Anschauungen des echten Parlamentarismus zu vertreten.
Das Cent rum begrüßt im Grafen Ballestrem als Präsidenten des Reichstages den Mann, dem sich alle Blicke nach seinem Wahlsiege im Wahlkreise Lublinitz Gleiwitz zuwandten^Mser und kein anderer muß der Präftk'dent des neuen Reichstages werden; und der Beifall, der dem neuen Präsidenten nach seiner ersten Ansprache im Reichstage von allen Seiten her zu Theil wurde, hat klar und deutlich bewiesen, daß derselbe sich überall der regsten Sympathien erfreut. Graf Ballestrem war diesmal ebenso der „geborene" Präsident des Reichstages, wie vor einem Vierteljahrhundert nach der Ansicht der Liberalen Herr v. Simon, und als ein glückliches Vorzeichen sür den neuen Reichstag und für seine Arbeiten und Beschlüsse begrüßen wir diese Wahl mit einem überzeugten und fröhlichen „Glück auf!"
Graf von Ballestrem gehört bekanntlich nicht zum ersten Male dem Präsidium des Reichstages an. In dem Reichstage, der i. I. 1890 gewählt wurde, nahm er die Stelle des ersten Vizepräsidenten ein; und damals wie jetzt war das Präsidium zusammengesetzt ans einem Konservativen, einem Freisinnigen und einem Centrumsmanne, nur freilich mit dem großen Unterschiede, daß der Konservative und der Centrumsmann die Rollen mit einander vertauscht haben. Damals stand der konservative Herr von Levetzow am ersten und Graf von Ballestrem am zweiten Platze; heute ist dieser an die erste Stelle gerückt, und der konservative Abg. von Fr ege steht als erster Vizepräsident an zweiter Stelle.
In den Kreisen der Nationalliberalen hatte man vorher vielfach angenommen, daß die Konservativen auf die Stelle des ersten Vizepräsidenten verzichten würden, wenn die Wahl des zweiten Vizepräsidenten auf den freisinnigen Abg. Schmidt fiele. Jetzt haben sie die Enttäuschung erleben müssen, daß die Konservativen auch in der Gesellschaft des Centrums und der Freisinnigen sich einrichten wollen und die Unterstützung der Nationalliberalen bei der Führung der Geschäfte recht wohl zu entbehren verstehen. Das wird den Nationalliberalen hoffentlich eine heilsame Lehre sein und zur Klärung der ganzen Sachlage beitragen; um so mehr muß es ihnen eine heilsame Lehre sein, als gerade sie die Wahl des Grafen v. Ballestrem zum ersten Präsidenten nicht unterstützten, sondern ihrer großen Mehrzahl nach weiße Stimmzettel abgaben.
Auch in anderem Sinne kommt dieser Zusammensetzung des Reichstags-Präsidiums eine politische Bedeutung zu: sie ist ein Ausdruck für die zweifache Mehrheit, die das Centrum zusammen mit anderen Parteien im Reichstage bilden kann. Auf der einen Seite steht die „positive Mehrheit", die durch ein Zusammenwirken des Centrums mit der Rechten des Hauses entsteht; auf der anderen die „Abwehr-Mehrheit", gebildet aus dem Centtum im».
eine mißliche Sache, ein fremdes Pferd zu reiten, versicherte er; auch fei es klüger, vor zahlreicher Gesellschaft keine Reiterkunststücke zum besten zu geben, zu leicht käme da Hochmuth vor dem Fall.
„Besonderer Kunstsert'gkert bedarf es ja gar nicht," milchte sich Hohenbruck in das Gespräch. Es verdroß ihn, daß Graf Boden stein nicht ihn als den bestenReiter für würdig erklärte,Bellerophon zu besteigen. „Das einzige, dessen es bedarf, ist eine leichte, einigermaßen geübte Hand," belehrte er hochfahrend weiter. „Ein richtiger Kavallerist wird mit jedem Pferde fertig."
„Ober das Pferd mit ihm," warf Knorring trocken ein.
Allgemeines Gelächter erschallte. Trotz seiner unleugbaren Gutherzigkeit und Freigebigkeit war Hohenbruck nicht beliebt.
„Möglich," erwiderte er, durch den Spott gereizt. „Sie werden das wohl besser wissen, als ich; mir ist eine solche Erfahrung bis jetzt erspart geblieben .... Wenn Sie mir das Thier an- oertrauen wollen, Herr Graf," wandte er sich an den Hausherrn, „so wäre es mir eine große Freude, dasselbe zu reiten."
Graf Bodenstein zögerte mit der Antwort. Hohenbruck war ihm — so wenig es dieser ahnen mochte — durchaus zuwider. Hätte er ihn nicht als vorzüglicher Reiter gekannt, würde er ihm die Bitte rundweg abgeschlagen haben. „Versuchen Sie Ihr Heil," sagte er endlich kühl. „Ein Reitknecht folgt mit Ihrem Pferde, damit Sie es für den Heimweg benutzen können, oder aber es für den Fall eines Mißerfolges bei der Hand haben."
„Ader, Herr Graf, so etwas sollte man nicht einmal denken! Ich gehe jede Wette mit Ihnen
mit Ilnlerhattungs-Aeikage „IÄuflrirte Sonntags-Zeitung"