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KuldaerMIeituna

JuLöa, Donnerstag, den 8. Dezember 1898.

25. Jahrgang.

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für Jnfevate 3. parzeller in Lnl»a. mtt Nnterhaüungs-Weilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgaffe Ur. 2 (Larmonie).

0 Die Vereinigten Staaten von Nordamerika

ziehen gegenwärtig mehr als sonst die Aufmerk­samkeit der Welt auf sich. Nicht allein der Krieg mit Spanien hat dies zuwege gebracht. Auch die ganze Politik der Vereinigten Staaten ist neuerdings in einen andern Kurs eingeschwenkt, namentlich auf kolonialem und auf wirthschaft- lichem Gebiete, und unter diesen Umständen hat die Eröffnung des Kongresses der Ver­einigten Staaten mit der Botschaft des Präsi­denten Mac Kinley an den Kongreß doppeltes Interesse. Dieser Kongreß ist am letzten Montag eröffnet worden, und ganz wie die Thronreden in den Monarchien bei Eröffnung einer parla­mentarischen Sitzungsperiode benützt auch die Botschaft des Präsidenten diese Gelegenheit, um sich über alle schwebenden politischen Fragen zu äußern.

Den Löwenantheil an der Botschaft hat der Krieg mit Spanien. Aber auf andere Leute als auf die Nordamerikaner selbst wird Präsident Mac Kinley mit diesem Theile seiner Ausführungen wenig Eindruck machen. Seine Botschaft sucht die Sache nämlich so darzustellen, als hätten die Vereinigten Staaten bei der ganzen Kriegsaffäre gegen die Spanier eine wunderbare Langmuth bewiesen, indem sie nach der Zerstörung des amerikanischen Kriegsschiffes „Maine" im Hafen von Havanna durch eine Explosion nicht sofort mit Waffengewalt gegen Cuba loszogen, sondern noch ein wenig warteten, bis das nordameri­kanische Marineamt seine Untersuchungen darüber beendet hatte. Wie mögen die Herren, die die Botschaft des Präsidenten ausarbeiteten und be- riethen, bei dieser Stelle verständnißvoll einander zugelächelt haben —! Die Wahrheit liegt doch gerade beim Gegentheil: die Vereinigten Staaten suchten Händel mit Spanien, weil sie auf dessen Kosten ihre neuen Kolonialpläne ins Werk setzen wollten, auf gut deutsch ausgedrückt, weil sie den Spaniern die herrlichen westindischen Inseln wegnehmen wollten. Spanien — so stellt Herr Mac Kinley den Fall dar — konnte auf der Insel Cuba den Frieden nicht herstellen, und so hielten sich die Uankees zur Rolle des Friedens­engels berufen . . .! Mehr an „Frisirung der Thatsachen" kann kaum geleistet werden.

Fortan wollen sich nun die Vereinigten Staaten auch lebhaft für die Vorgänge in China in- teressiren. Die Botschaft des Präsidenten em­pfiehlt in diesem Sinne die Ernennung eines besonderen China-Ausschusses, um die wirthschaft- lichen Verhältnisse von China zu studiren und neue Mittel und Wege zu finden für den Absatz von nordamerikanischen Erzeugnissen dorthin. Außerdem sind Kriegsschiffe im Hafen von Tientsin stationirt, und in allen Stücken wollen von nun an die Vereinigten Staaten ebenso angesehen und behandelt werden in China wie die anderen Mächte. Die Vereinigten Staaten von Nord­amerika beanspruchen also von jetzt an einen ebenbürtigen Platz unter den alten Großmächten.

Wie sie sich zu diesen letzteren stellen wollen, darüber gibt ein anderer Theil der Botschaft Aufschluß. Mit Deutschland verhandeln gegen«

Lieutenant Lovrtaee.

Bon L. von Neidegg.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Weg, welcher anfangs glatt zwischen Feldern und Wiesen dahingeführt hatte, fing nun an, rauher zu weiden. Man kam durch Gehölze, Vorläufer des Waldgcbietcs, dem man zustrebte; die Gelände-Hindernisse mehrten sich. Hohenbruck, bemüht, den errungenen Vortherl zu verfolgen, erging sich unausgesetzt in Reiterkunststückchen. Bald sitzie er über eine Hecke, bald flog er über einen Graben, bald ließ er sein Pferd steile Hänge hinanklimmen. Als kühner und gewandter Reiter hatte er Freude an solchen Hebungen; über alles werlh war ihm aber das Bewußtsein, Dinge zu vollbringen, an welche Knorring sich nicht wagte. Selbstzufrieden erntete er die Lobsprüche seiner beiden Begleiter ein und beachtete m seinem Siegestaumel gar nicht, daß sie eifrig miteinander plauderten, während er in der Ferne seinen Triumphen nachjagte.

Endlich hatte man den Wald erreicht. Langsam ritten die drei neben einander her. „Brs jetzt ist die Partie herrlich gelungen und macht meinem Vater alle Ehre," meinte Mathilde. „Wie schade, daß Ihre Kousine Johanna nicht dabei ist. Warum eigentlich!"

Ludwig stockte mit der Antwort. So an­genehm es ihm einerseits war, daß die sparsamen Eltern Pfennig auf Pfennig zurücklegten und da­durch in Gegenwart und Zukunft ihm die Be­friedigung seiner kostspieligen Gewohnheiten er­möglichten, so war ihm doch jede Erinnerung an

wärtig die Vereinigten Staaten, um dieses von der Gründlichkeit der amerikanischen Aufsicht über die zur Ausfuhr bestimmten Schweine-Produkte zu überzeugen, ebenso zu dem Zwecke, um sowohl Deutschland als auch die Schweiz zu Erleichterungen zu bewegen für die Einfuhr getrockneten Obstes aus den Vereinigten Staaten. Nun, die Botschaft hören wir wohl. Aber nicht die Vereinigten Staaten allein haben darüber zu reden; und in Deutsch­land wird man ohne Zweifel nach wie vor ein aufmerksames Auge auf die amerikanische Einfuhr haben und wissen, was man zu thun hat. Eine besondere Verbeugung macht die Botschaft Mac Kinley's vor Großbritannien: „höchst freund­lich" werden die Beziehungen zwischen den beiden Staaten genannt, die Minister Chamberlain so gern in einem festen „angelsächsischen Bunde" vereinigt sehen möchte.

Neues lernt man nicht aus der Botschaft des Herrn Mac Kinley; höchstens das, daß die Uankees ihre viel gerühmten und ebenso viel gescholtenen Geschäftspfiffe nunmehr auch auf das Gebiet der hohen Politik übertragen zu wollen scheinen. Im übrigen ist die Botschaft des nordamerikanischen Präsidenten mit feiner sogenannten „imperialisti­schen" Politik getreulich in der Manier abgesehen den Thronreden der europäischen Herrscher. Wer weiß, ob Herr Mac Kinley es nicht auch recht gern sähe, wenn er von den Monarchen mit dem Titel eines „Vetters" beehrt würde!

Deutsches Deich.

Berlin, 7. Dezember.

* Der Zreichstzaushaklselat für 1899 beläuft sich in Einnahme und Ausgabe auf 1,554,530,650 Mark. Von den Ausgaben ent­fallen 1,300,845.810 Mark auf die fortdauernden, 162,473,651 Mk. auf die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats und 91,211,189 Mark auf den außerordentlichen Etat. — Der Mehr­bedarf des ordentlichen Haushalts be­läuft sich auf 44,465,859 Mk. Die gewöhn­lichen Einnahmen sind um 30,238,599 Mk. höher veranschlagt, so daß zur Deckung des Mehrbedarfs noch 14,227,269 Mark fehlen. Diese sind bei den Matrikularbelträgen in Zu- schag gebracht. — Für das Reichsheer sind diesmal zwei Etats vorgelegt. Der eine ent­hält die gewöhnlichen Forderungen. Er weist in den fortdauernden Ausgaben des preußischen u. s. w. Kontingents ein Mehr von l11» Millionen auf. Für einzelne Stellen, so die Jntendantur- räthe, Divisionspfarrer u. a. sind Besoldungs­aufbesserungen vorgesehen. Zur Errichtung weiterer besonderer Militärgottesdienste sind 10,000 Mark mehr ausgeworfen. In Saar­brücken soll eine Eisenbahnlinien-Kommission ein­gerichtet werden. Die Organisationsänderung im Sanitäts - O;fizierko>ps wird fortgesetzt, das Gehalt der Büchsenmacher, Regiments­sattler und Waffenmeister von je 700 bis 1100 Mark auf 1200 bis 1600 Mk. erhöht. In den verschiedensten Bezirkskommandos soll das Personal vermehrt werden. Der Ansatz für Uebungs- mannjchaften ist berechnet für 6850 Unteroffiziere und 7000 Gemeine auf 56 Tage, 9686 Gemeine auf 49 Tage, 300 Untere;fixiere und 1580 Ge-

ihre einfache Lebensweise verdrießlich; ihm war, als verbliche dadurch etwas von dem Nimbus, der ihn umstrahlte: „Ich, ich weiß nicht, ob ein passendes Pferd sich für Johanna gefunden hätte," brachte er endlich hervor. Um keinen Preis hätte er eingestehen mögen, daß die ehrwürdigen Buchen­berger Fuchsen den ganzen dortigen Marstall darstellten. „Papa ist so eigenthümlich."

Mathilde unterbrach ihn; sie war durch Jo­hanna über die Verhältnisse in Buchenberg unter­richtet und half ihm mit der Liebenswürdigkeit einer vornehmen Natur aus der Verlegenheit heraus: „Nicht alle Herren billigen das Reiten der Damen. Mir schien, Johanna hätte uns gern begleitet, daher die Frage; sie hätte ja fahren können."

Ja, fahren! dachte Hohenbruck bei sich, und in einen Gesellschaftswagen geklemmt sehen müssen, wie ich mit dieser glänzenden Mathilde weiter eilte! Das arme Ding! „Es wäre für sie nur die halbe Freude gewesen," versicherte er. „Uebrigens ist sie vernünftig genug, einzusehen, daß Scherze wie dieser für sie nicht gemacht sind. Sie roiffen es so gut wie ich, es ist eine Art Wohlthat, welche die Eltern der Kleinen damit erweisen, daß sie sie öfter bei sich haben; sie ist arm."

„Sie muß ja nicht nothwendig arm bleiben," erwiderte Mathilde, indem sie ihn scharf ansah. „Sie könnte ja eine gute Partie machen."

„Ein armes Mädchen?" sagte er in auf­richtigem Erstaunen. „Von keiner besonderen Familie? Ohne Connexionen? Wo denken Sie hin, Gräfin?"

meine auf 42 Tage, 70 Unteroffiziere und 1590 Gemeine auf 28 Tage, 200 Unteroffiziere und 1315 Gemeine auf 20 Tage, 442 Unteroffiziere und 3360 Gemeine auf 16 Tage, 14,502 Unter­offiziere und 126,875 Gemeine auf 14 Tage, 2800 Unteroffiziere und 25,200 Gemeine auf 13 Tage und für 200 Gemeine auf 12 Tage, sowie an Ersatzreservisten je 640 Mann auf 10, 6 und 4 Wochen. Der Fonds für Unterhaltunc; von Fahrrädern ist in einen besonderen Titel gebracht und um 50,798 Mark erhöht. U. a. ist auch eine Summe eingesetzt: für Wiethe einer Kaserne in Inkda vom 1. Oktober 1899 ab. — Unter den einmaligen ordentlichen Ausgaben erscheinen neue 3000 Mk. für die Anschaffung von Schreibmaschinen 760,000 Mk. zur Her­stellung von Versuchseisenbahnbrücken für Kriegszwecke, erste Raten für Magazingebäude in Potsdam, Breslau, Köln, Celle, Mainz, 20,000 Mk. zur Herstellung von Wafferoersorgungs- und anderen baulichen Anlagen an Eifenbahnstationen für Kriegs Verpflegungszwecke; erste Rate für eine Kaserne der Luftschiffer-Abtheilung in der Nähe des Schießplatzes bei Tegel - Berlin, eines Bataillons Infanterie in Glatz, für vier Eskadrons in Bonn, ein Bataillon Infanterie in Stade, zwei Bataillone in Mainz, in Alt­breisach, in Mannheim, für ein Haupt-Sanitäts- bebot in Berlin, Garnisonlazarethe in Ostrowo und Brieg, sowie für den Neubau eines Lazareths und für die neue Heeresorganifation nach der Militärvorlage die erste Rate für eine Feld­artiller ie-Kaser ne in Hanau. — Der Etat der Reichs schuld sieht in den fortdauernden Ausgaben ein Mehr von 1,7 Millionen vor. Die 3^/iprozentige Reichsschuld beläuft sich auf 1240 Millionen, die 3prozentige auf 926,8 Millionen, die ganze auf 2166,8 Millionen. Dazu sollen im Laufe 1899 noch 89,9 Millionen in der An­leihe kommen. Der Etat der Reichs - Po st­und Telegraphenverwaltung beläuft sich in der Einnahme auf 360,4 Millionen (-)- 28,9), in den fortdauernden Ausgaben auf 313,4 Mill., sodaß der Heberschuß 47 Millionen beträgt. Die Porto- und Telegraphengebühren sind um 27,5 Millionen erhöht. Es sollen die verschiedensten neuen Stellen geschaffen werden. In Postämter erster Klasse sollen verwandelt werden die zweiter Klasse in Bad Nauheim, Dresden-Blasewitz, Frankfurt-Bornheim, Groß-Lichterfelde, Klingen­thal (Sachsen), Nauen, Neheim, Oranienburg, Ruhla, Saßnitz und Schwerte-Ruhr und die Telegraphenbetriebsstellen in Bielefeld und Bonn sowie das Postamt in Windhoek. — Unter den einmaligen ordentlichen Ausgaben, die sich auf 12,6 Millionen (+ 3 Millionen) belaufen, sind Neubauten vorgesehen: Ecke König-Spandauer- Heilige-Geist- und Kleine Poststraße, sowie in der Prinzessinnenstr. 25 und Tempelhoferufer Berlin, Eckernförde, Frankfurt (Ober), Neunkirchen, Neu­strelitz, Neuwieb, Stargard (Pommern). Breslau, Düsseldorf (Hauptbahnhof), Essen (Ruhr), Jena, Grundstückserwerbungen in Gr. Lichterfelde, Kalk, Peine, Pirna, Stettin.

* Dem Reichstage ist folgender Entwurf eines Gesetzes bett', die Aufnahme einer An- keihe fürZwecke der Verwaltungen des Reichs­heeres, der Marine und der Reichseisen­

„Gibt es nicht so etwas wie Neigungshei- rathen?"

Er sah sie etwas verblüfft an und schwieg. Statt seiner ergriff Knorring das Wort. „So glauben Sie demnach noch an Romane, in dieser nüchternen Zeit?" fragte er mit lebhaftem Interesse.

„Ich glaube, daß es zu jeder Zeit Menschen gegeben hat und geben wird, für die das Leben mehr als ein bloßes Rechen-Beispiel ist," war ihre rasche Antwort.

„Aber Opfer bringen ein ganzes Leben lang, auf liebgewordene Gewohnheiten verzichten, sich zu einem bescheidenen Dasein bequemen, wer bringt das heutzutage noch fertig?" Knorring sah voll Spannung in die hübschen, entschlossenen Züge der jungen Dame.

„Ich denke, noch gar mancher, mit Gottes Hilfe und festem Willen." entgegnete sie, ohne aufzusehen, wobei eine flüchtige Röthe ihr Gesicht überflog.

„Jedenfalls müßte es ein wahrer Ausbund von Vollkommenheit fein, dem ober der man solche Opfer brächte," meinte kopfschüttelnd Hohen­bruck, der nie und unter keinen Umständen sich für die Entsagungslehre erwärmen konnte.

„Vollkommenheit?" erwiderte Mathilde. „Um solche bei anderen beanspruchen zu können, müßte man ja selbst vollkommen sein. Nein, die er­wartet Niemand."

„Sie dächten also groß genug, um über Fehler und Thorheiten Yinwegzusehen?" fragte Knorring mit bewegter Stimme weiter.

„Von mir ist gar nicht die Rede," verwahrte sie sich. „Wir sprechen über ein gegebenes Thema, und da meine ich denn, daß es keine Frau gibt,

bahnen, wie solcher vorn Bundesrathe beschlossen worden, zugegangen:

§ 1. Der Reichskanzler wird ermächtigt, die außer­ordentlichen Geldmittel, welche in dem Reichshaushalts- Etat für das Rechnungsjahr 1899 zur Bestreitung ein­maliger Ausgaben der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichseisenbahnen mit 89,921 189 Mark vorgesehen sind, bis zur Höhe dieses Betrages im Wege des Kredites flüssig zu machen und zu diesem Zwecke in dem Nominal-Betrage, wie er zur Beschaffung jener Summe erforderlich sein wird, eine verzinsliche, nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 19. Juni 1868 (Bundes-Gefetzbl. S. 339) zu verwaltende Anleihe auf­zunehmen und Schatzanweisungen auszugeben.

§ 2. Die Bestimmungen in den §§ 2-5 des Ge­setzes vom 27. Januar 1875 betr. die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Marine- und Telegraph en-Ver- waltung (Reichs-Gesetzbl. S. 18) finden auf die nach dem gegenwärtigen Gesetze aufzunehmende Anleihe und aus­zugebenden Schatzanweisungen mit der Maßgabe An­wendung, daß Zinsscheine auch für einen längeren Zeit­raum als 4 Jahre ausgegeben werden dürfen.

Die bem Entwürfe beigegebene Begrünbung lautet:

Der vorliegende Gesetzentwurf schließt sich den gleich­artigen mit Bezug auf den R ichshaushalts - Etat vor­gelegten früheren Entwürfen insofern an, als er die ge­setzliche Grundlage für die Aufnahme derjenigen Anleihe- mittel zu schaffen bestimmt ist, welche in dem Reichs- haushalts-Etat für 1899 in Kapitel 23 Titel 1 der Ein­nahme eingestellt und zur Bestreitung der in der Er- läuterung zu diesem Titel bezeichneten Ausgaben dienen sollen.

* Eine Reihe von Initiativanträge« werben bem Reichstage wie üblich in ben nächsten Tagen von ben einzelnen Parteien zugehen. Das Centrum hat beschlossen, den Antrag auf Auf­hebung des Jesuiteng esetzes wiebereinzu­bringen unb bie Anträge betreffenb bie Berufs­vereine unb bie Einführung von Arbeiter­kammern zu wieberholen.

Die nationalliberale Fraktion wird zwei Initiativanträge einbringen: Der erste, ein Antrag bes Abgeorbneten Freiherrn v. Heys, lautet: Die oerbünbeten Regierungen zu ersuchen, auf Grund der Artikel 4 und 9 der Reichsoer­fassung eine Reichskommisston einzufetzen, welche ben Zustaud ber mehreren Staaten gemeinsamen Wasserstraßen, unb zwar mit Rücksicht auf bie gesundheitlichen Verhältnisse ber angrenzen- ben Stäbte unb Orte unb der Schiffer, sowie mit Rücksicht auf bie Fischzucht zu beaufsichtigen hätte. Der zweite, ein Antrag bes Abgeordneten Baffermann, lautet: Inländische Vereine jeder Art- dürfen miteinander in Verbindung treten. Entgegengesetzte landesgesetzliche Be­stimmungen sind aufgehoben.

Die Freisinnige Vereinigung bringt ben Antrag Rickert betreffend Einführung von Wahlkouverts zum Schutze des Wahlgeheim­nisses und ben Antrag Pachnicke-Roesicke ein, betreffenb Errichtung eines Reichsarbeits­amtes zur Hntersuchung unb Feststellung der Arbeiterverhältnisse im Deutschen Reiche aufs •Jieue im Reichstage ein.

Drei Initiativanträge hat die Freisinnige Volks Partei in Verbindung mit der Deutschen Volkspartei und den Abgg. (Sahin und Riff ein­gebracht. Die drei Anträge betreffen die Auf­hebung des Zeugnißzwanges und des fliegenden Gerichtsstandes fürdiePrefse im Strafprozeßverfahren und bie Abänderung des Paragraphen gegen den groben Unfug im

bie gesühnte, tut gemachte Fehler nicht verzeihen wirb, wenn sie bie Überzeugung hat, baß die Opfer nicht umsonst gebracht sind, daß den Fehlern, denen man sich gegenüber befindet, auch große Eigenschaften entgegenstehen . . Wir sind übrigens vom unmittelbaren Gegenstände unseres Gespräches abgekommen," fuhr sie abbrechend fort und wandte sich an Hohenbruck. „Gewiß ist es auch Ihre Ansicht, daß bei Herzensan­gelegenheiten die Geldfrage erst in zweiter Linie kommt."

Aha! dachte dieser mißtrauisch. Sie interoirt mich, will am Ende eine Erklärung herbeiführen; so reizend sie ist, so weit sind wir noch lange nicht.

„Eine sehr heikele Frage, Gräfin Mathilde," entgegnete er, bedächtig den Kopf hin und her wiegend; „eine Frage, die man nicht so rasch und nicht schlankweg beantworten kann."

„Warum denn nicht?"

„Sonderbar!" antwortete er ausweichend, mit so selbstbewußtem Ausdruck, daß Knorring ihn gern vom Pferde geworfen hätte; „sonderbar, welches Gewicht Damen auf Beantwortung gerade dieser Frage legest. Schon öfter wurde sie an mich gestellt! Neulich erst von Johanna.

„Unb welche Antwort gaben Sie?"

„Wieder eine G ewiffensfrage, Gräfin. WaS hätte ich bem armen Kinbe sagen sollen?" ant­wortete er in bünkelhaftestem Tone. „Ich fürchte, es war nichts, was sie gern hörte."

„Dann dürfen Sie Ihre Antwort nicht wieder­holen!" rief sie lebhaft. „Sie würde uns — ich will sagen, mir — auch nicht gefallen."