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verantwortlich: Kirr die Redaktion Ios. Saum, siir Inserate I. parzeller in Lulda.

mit Jtnterhattungs-Meilage „Muflrirte Sonntags-Zeilungf petersgaile Nr. 2 (Harmonie).

25. Jahrgang

Juröa, Mittwoch, den 7. Dezember 1898.

M 279.

von seinen vornehmen Freunden.

„Die warten heute vergeblich auf mich!" lächelte er und nickte dem Vater zu, der, sich zum Weggehen anschickend, flüsterte: „lieber die Eck' am Schwarzenbergplatz wart ich auf di." ---

Unter dessen waltete Frau Kathi, des Dienst­mannes brave Ehefrau geschäftig in ihrem kleinen Heim. Sie hatte in der wohldurchwärmten Wohnstube den Tisch für das Nachtesfen reinlich gedeckt, eine große Schüssel Kartoffelsalat und ein Flasche „Nußdorfer" standen bereit, während Leni draußen in der Küche die letzte Hand an den gebackenen Karpfen legte In der Mitte des Zimmers auf einem weiß überdeckten Tischchen erhob sich ein hübscher Tannenbaum, den bunte Kerzen, Papierrosen und Ketten zierten, welche Leni mit kindlicher Freude gefertigt hatte.

„Jetzt muß der Vater jeden Augenblick kommen, Lenerl, i mein, wir zünden die Lichter an, er hat das Feierliche gern, und so beim Eintritt macht sich's gar schön. Da läut's, er is's. Hast ja nur an g'stickten Pantoffel herg'stellt, Kind, g'schwind, bring' mir den zweiten! Nit aufmachen, bis die Lichter nit alle brennen, so — jetzt ist's g’scheh’n."

„Grüß Gott, Vater!"

„Mutter, Lenerl, i bring' wen mit zum Christ­kindl, faßl's Euch! Ihr errathet's nicht — eine Violin hat er bei sich — 's is —"

„Unser Seppl, Herrgott!"

Frau Kathi stützte sich an den Thürpfosten, als der junge Mann lächelnd vortrat. Die Leni lief aus der Küche herbei und stand mit dem Salzfasse in der Hand wie eine Salzsäule da.

„Joseph! Geht's,wir träumen alle miteinander!"

Aber schon lag der wiedergesundene Sohn an dem Herzen der Mutter, dann umarmte er sein Schwesterchen, dem die Hellen Thränen über die rosigen Wangen liefen.

„Viele Botengäng' hab' i in mein’m Leben g'macht," rief der glückliche Vater, „aber so an noch nie, gelt, Mutter? Gulden und Kreuzer hab' i sonst heim'bracht, heut' hab' i mir mei Goldkind verdient!" Und er erzählte, wie sich alles gut zu­getragen hatte.

Als die erste Aufergung beruhigt war, schaffte der Hausvater die Seinen mit gutmüthiger Strenge in die Küche und schloß die Thüre lachend hinter ihnen ab. Dann baute er neben seinen verdeckten Geschenken die Bescheerung sürFrau undTc chter auf.

„Freili, der Seppl hat nix, wie hätten wir denn so in aller G'jchwindigkeit a Christkindl für ihn herzaubern sollen? Hab'n wir denn aber wirkli gar nix für ihn?"

In diesem Augenblicke kam Frau Kathi von der anderen Seite herein.

„Da, Vater, leg' das Geldbeuterl für den Joseph hin; die Leni und ich hab'n 's heimli' g'stickt, wenn er doch amal wiederkämi, weißt wir hab'n Dir nie was davon g'sagt, damit Du Di' nit kränkst. So hat er auch fein Christkindl. Freili, verblaßt ist die Seid'n vom langen Lieg'»."

Nun war alles bereit. Bruder und Schwester, denen das Warten gar nicht lange geworden war, denn sie hatten sich fo viel zu sagen, traten Hand in Hand ein. Jedes suchte und fand sein Geschenk, keines aber roar so entzückt wie Joseph über die verblaßte Seidenbörse. Die Augen wurden ihm feucht, als er die Geschichte ihrer Entstehung vernahm.

„So und nun werde ich Euch geben, was

weiter durch den knirschenden Schnee. Die Namensgleichheit ließ ihm doch keine Ruhe. Glücklicherweise ist es von der Kärntherstraße bis zum Hotel Imperial nicht so weit, um die Zweifel )er Ungewißheit bis in das Unendliche auszu­pinnen.

Jetzt war der Dienstmann vor dem prächtigen Gebäude angelangt, er trat an den stolz blickenden Portier heran und fragte mit der Mütze in der Hand:

„Wohnt auch richtig auf Zimmer Zwölf etn Herr Joseph Huber?"

„Jawohl!" gab der Thürsteher mit einer imposanten Neigung seines Hauptes zurück.

„Is der Herr Violinkünstler?" fragte Franzl mit begreiflicher Aufregung weiter, „hübsch, jung, nit wahr?"

„Jawohl!" erwiderte der Portier mit einer abermaligen imposanten Kopfneigung.

„Joseph Huber, Violinkünstler!" Wieder und immer wieder sagte sich der Dienstmann diese Worte vor, während er die hellerleuchtete, teppich­belegte Treppe, welche reich mit Blattpflanzen ge- chmückt war, hinaufstieg. Dann klopfte er an jer Thüre Nummer Zwölf an.

einmal in meiner Vaterstadt feiern und dann Euch suchen."

. „Und daweil hab' i di g’funben, o die Mutter und 's Lenerl roet’n Aug'n mach'»!" „Vater, komm', führe mich zu ihnen!"

„Du bist mei gut's Kind blieb'n, Seppl, aber weißt, i geh' voraus, es thät ft doch nit schicken vor die vornehmen Leut' und b'sonders vor dem tolzen Herrn Portier — und daß i nur den Bries vom gnä' Herrn aus der Kärnthnerstraß'n nit vergess', auf der Erd'n liegt er, nein, was lie Freud' nit all's aus ein'm macht!"

Der junge Künstler schnitt das Couvert auf, es enthielt eine Einladung für benfelben Abend

„Herein!" ,

Des alten Mannes Hand zitterte, als er die Klinke niederdrückte, und vor feinen Augen tanzte alles, als er eintrat, die dunkelrothen Blumen der Tapete, der Kamin, in dem ein Helles Feuer flackerte, der Tisch mit der Damastdecke und der blitzenden Caraffe. Dort auf dem Sopha, über eine Zeitung gebeugt, faß ein junger Mann. Er hob das Haupt, welches ein reiches blondes Haar schmückte, und wandte die großen braunen Augen voll dem Eintretenden zu. Dieser machte einige Schritte nach vorwärts, dann wankten seine Füße, der Bries entfiel seinen zitternden Händen.

„Herrgott!" murmelte er mit versagender Stimme, „Mei Seppl, mei Kind!" Ja, es war fein Kind, die lieben Aeugerln, die blonden Locken, welche die Nachbarn schon an dem Knaben bewundert hatten! Wenn auch die Hand der Zeit viel an feinen Zügen, an feiner Erscheinung verändert hatte, der Vater erkannte den Sohn, hätte ihn unter Tausenden erkannt — aber, der seine schwarze Anzug, das blüthenweiße gesteifte Hemd, die glänzenden Lackschuhe, die vornehme Haltung, mit der sich der junge Mann erblassend erhob!

„Seppl, kennst Dein' Vatern nimmer?"

Da kam's wie ein Aufschrei von des Jüng­lings Lippen, der schwarze Salonanzug und die graue Dienstmannsjoppe mußten sich die engste Berührung gefallen lassen, ob sie wollten ober nicht. Die Botschaft war vergessen, Joseph zog ben Vater neben sich auf bas Sopha.

„Lebt bie Mutter noch unb bas Lenerl unb bann, sag', ob Du verzeihen kannst?"

„Die Mutter lebt unb 's Lenerl auch, bie roet’n schau'»! Verzeih'«, schau, Joseph, sprich nicht so!"

Dem armen alten Manne rollten bie Thränen über bie braunen Wangen in ben Bart hinab.

„Ich roar hart gegen Di, aber schau, es is aus lauter Sieb g'scheh'n. Wer hat's benn ge'roußt, baß 's so gut ausgeh'n wirb, baß b’ a wirklicher Violinkünstler wirst? Sie hab'n mir's unten g'sagt, unb i, meiner Seel', i hab' m'r's nit zu glauben traut, baß Du 's wirkli bist; Seppl, bist es benn, ober träum’ i? Das is a Weih­nacht, a Weihnacht wie im Himmel!"

Wie es ba zuckte unb strahlte in bem wetter­harten Gesichte bes alten Mannes! Dann warb er aber plötzlich sehr ernst, wie traurig sah er in bem vornehmen Zimmer umher.

„Da gibt's wohl a lange G'schicht' zu erzähl'», wie Du zu so an Glanz kommen bist, i hoff' nix Schlechte, unb noch was, richt's Dir nur ein mit uns, wie's Dir paßt, ich mein’ halt," er fuhr sich, fast verlegen roerbenb mit ber Hanb burch bas struppige Stirnhaar, „wir sinb einfache arme Leut' blieb'n, wenn Du unser Stüber! siehst gegen bem ba!"

„O, Vater, wie oft habe ich mich banach ge« sehnt, mit Euch Allen roieber in solch' einem Stüber! zu sitzen! Aber Du weißt, ich wollte ja Künstler werben unb erst als solcher roieber» kehren. Seit einem Jahre schon forsche ich nach Euck, ich schrieb nach Graz an bie ehemalige Adresse, ber Brief würbe mir als unbestellbar zurückgefchickt."

„Glaub's gern, wir sind feit fünf Jahren in Wien."

„Ich war währenb ber letzten zwei Jahre in Berlin engagirt; aber mich zog es mächtig nach Wien, sinb wir boch Alle in ber schönen Kaiser- ftabt geboren, unb ich bachte immer, baß ich Euch vielleicht ba finbe. Nachbem ich durch Ver­mittlung einflußreicher Freunde für das neue Jahr eine schöne Anstellung im Orchester ber k. k. Wiener Hofoper erhalten hatte, verließ ich Berlin. Gestern erst bin ich hier angekommen, ich wollte Weihnachten nach langer Zeit roieber

ich halt hab'!" sagte ber junge Künstler unb griff nach feiner Violine. Er stellte sich mit Der­selben bem Christbäumchen gegenüber in einiger Entfernung von ben Sitzen seiner Sieben auf unb begann, erst leise, bann zu seligem Jubel anschwellende herrliche Klänge über die Saiten perlen zu lassen. „O Du mein Oesterreich!" Hier­auf folgte lustig: „'S gibt nur a Kaiserstadt, 's gibt nur a Wien!"

Solch' ein Spiel hatte ber schlichte Dienst­mann in feinem ganzen Seben noch nicht gehört, er fuhr sich immer roieber mit bem Hänberücken über bie Augen. Frau Kathi saß in ihrer neuen Staatshaube wie verzaubert ba, unb Senis Antlitz strahlte voll Stolz über solch' einen Bruber.

Da entstaub plötzlich ein gewaltiges Zischen in ber Küche; in ber allgemeinen Aufregung hatte man bas letzte Stückchen Backfisch in ber Pfanne vergessen. Die junge Köchin eilte hinaus unb erschien halb roieber mit einer buftenben

Schüssel. Dann saßen vier glückliche Menschen beim appetitlichen Weihnachtsschmause. Joseph aß entschieben am wenigsten, benn er würbe nicht fertig zu erzählen, was ihm begegnet war, feit er bas elterliche Haus in Graz verlassen hatte.

„Ich hatte von Beginn an mehr Glück, als ich für meine tolle Waghalsigkeit unb meinen unkinblichen Starrkopf verdiente," sprach er, „benn wenn ich manchmal kaum bas Brob zum Wasser hatte, so ging es boch immer hübsch voran. Als ich so vor acht Jahren bei Nacht ^mb Nebel burchbrannte, brachte mich ber SchnMug viel zu rasch für bie Bangigkeit meines Herzens nach bem großen fremben Berlin. Ich faßte aber bald roieber Muth, mein Säckel roar ja noch ziemlich gefüllt, benn ich hatte mir bas letzte Jahr burch Notenabschreiben unb Musikstunden, bie ich An­fängern ertheilte, ganz heimlich ein hübsches Sümmchen verbient. Ich sprach bei vielen Künstlern vor, als Waisenknabe natürlich, benn ich war bange, roieber zu meinen Eltern zurück- geschickt zu werben, wenn man erführe, daß ich welche hätte. Enblich nahm sich ein guter Meister meiner an, erst unterrichtete er mich nur, bann bürste ich ihn auf seinen Reisen begleiten, ich sah viele frembe Sänber, allerlei Menschen und lernte dabei eifrig auf meiner Violine weiter. Auch in Italien waren wir, aber all' das kann ich heute Abend nicht beschreiben, morgen, über­morgen, all' die kommenden Wochen haben wir mehr Zeit und Ruhe dazu. In Italien begann ich mich erst als etwas zu fühlen, dort wurde ich eigentlich Künstler. Da plötzlich starb der Meister, ich stand allein, schwere Zeiten begannen wieder, ich versuchte dies und das, nichts wollte glücken. Da erhielt ich endlich Engagement sür Berlin, und was für eines! In zwei Jahren roar ich ein gemachter Mann. Doch es zog mich mächtig nach meinem lieben Wien, wo ich die ersten Kinderjahre verlebt hatte. Nun bin ich da unb will hier mit Euch leben, wenn es Euch recht ist. Ihr vergebt mir alles von Herzen, nicht wahr? Auf eine fröhliche Zukunft!"

„Segn's Gott!" rief ber Vater, flüsterte bie Mutter unb sah ihren Erstgeborenen mit über» ftrömenber Zärtlichkeit an, als sie ihr Weinglas kräftig an bas feinige stieß.

„Unb wir, weißt, mei lieber Joseph, wir hab'n nit so viel Außerorbentlich's zu erzähl'n. Wie bu fort warst, ba war i erst lange Monat' burch bitterbös' unb hab' geschwor'n, baß i Di laufen ließ', wohin Du willst. Nachher hat's mir aber's Herz abbrudt, i hab' nit aufg'hört, nach Dir z' fragen unb z' forschen, aber jetzt ver­steh' i ganz gut, warum Dir niemanb auf b’ Spur kommen is bei Deine Kreuz- unb Querzüg! Unb ba hat's mi benn nimmer g’htten in Graz, wir sinb nach Wien zog'n unb i bin beshalb auch hier roieber Dienstmann g’roorb’n, weil man habet viel mit Fremben z' thun hat, unb aus'paßt hab' i alle Tage wie a Haftlmacher, ob’ i was von mei’m Sohn hör' ober seh! Unb.heut' auf amol zum Christkindl is er ba, is a Künstler, hat a schöne Anstellung, soll mir ber Nazi noch amol sag’»: Nix als Unglück is auf ber Welt!"

„Seht's, i hab' recht g'habt: Der Joseph kommt boch noch amal zurück! hab' i immer g'sagt, warf Beni triumphirenb bazwifchen.

„Unb brav kommst zurück, Seppl", sagte bie Mutter, „i seh's in Deinen Augen is nit a bisierl falsch, nit a bisserl Stolz!"

So saß bie glückliche Familie noch lange trau­lich plaubernb beisammen. Die Sichter bes Christ­baumes brannten herab unb verlöschten tnifternb auf den grünen Zweigen. Da nahm der junge Künstler nochmals die Geige zur Hand, und echter, tiefer Weihnachtssriede zog durch aller Herzen, als Beni des Bruders herrliches Spiel mit ihrer lieblichen Stimme begleitete:

„Es kam die gnadenvolle Nacht, die uns den hellsten Tag gebrächt."

H bu selige, stühlilhk WchnchtsM

Erzählung von Eveline Petrovits.

(Nachdruck verboten.)

Saute Weihnachtsgesch ästigkeit wogte durch die Straßen der schönen Kaiserstadt Wien. Die Kärntherstraße, die von dem großartigen Hof- aoperngebäube bis hinauf zu bem majestätischen Stephansbom jeben Abenb Finthen von Sicht aus­strahlt, roar bicht mit Menschen gefüllt; bie einen traten in bie hellerleuchteten Bäben, bie anberen eilten mit geheimnißvollen Päckchen von bannen. Dazwischen stauben hier unb ba an ben Häuser­ecken bleiche, hohlwangige Frauen, welche bunte Papierrosen unb allerlei armseligen Flitter fEil­boten. Große, roirbelnbe Schneeflocken begannen Häuser, Straßenlaternen, Wagen unb Menschen in einen weißen Schleier zu hüllen. ,

„A recht's Christkindlwetter!" lächelte ber stäbtische Kommissionär „Franzl", ber ba an einer Ecke staub, guimüthig unter feinem buschigen, ergrauten Barte hervor, rieb sich bie Hande, bie in bicken Fausthandschuhen steckten, unb stampfte tüchtig im Schnee umher, benn es roar kalt.

„Dienstmann fein, das is fein!", summte er nach einer bekannten Melodie vor sich hin. „Aber so am Weihnachtsabende, ist's halt doch am Schönsten daheim bei ber Alten unb beim Töchterl, gelt, Nazi?" roanbte er sich an seinen Kameraben, der sich mürrisch auf feinen Stiefelabsätzen herum­drehte.

„Ja, roer's bat!" brummte dieser zurück.

„Geh' Nazi, sei nit allweil so brummig," er­mahnte Franzl. „Weihnacht is nur amal im Jahr, unb da soll m’r a rechte Herzeusfreud' b’ran hab'n unb nit immer an bas benfen, was man nit hat. Schau, ba wär' i ber erste, ber klagen könnt', wenn i so zurückseh' auf bie Jahr’ in Graz, ba mei Seppl noch bei uns roar, bas Golbkinb mit b’ lieb’» Augerln. — „Vater", hat er immer g’sagt unb sich mit feiner Violin' vor mi hing'stellt, „a Künstler werd' i, a rechter Künstler, wirst seh'n!" Und i, Gott verzeih' mir's, hab' ihn ang'fahr'n: „A Dieustmann wirst, wie dein ehrlicher Vater is, unb bamit basta!" Unb ber Seppl is immer stiller unb trauriger g’roor’n, unb i immer lauter unb barscher mit ihm, i hab's für an Kiuberunsiuu g'halten, unb bann 's Geld, mein Gctt, wo nimmt a armer Dienstmann bas her? So a Ausbildung, das is ka Kleinigkeit! I hab's dem Seppl auch immer g'sagt, aber was hat's g'uutzt? Wie er fünfzehn Jahr' alt roar — Herrgott, als roeuu's beut’ g’scheh’n roar! — Da is er fort, auf unb davon. Na, baß i mi nur nit in bie Aufregung hiueinreb', an fo an heiligen Abenb taugt bas nix, unb Du weißt eh' alles, Nazi, wie oft hab' i 's Dir schon erzählt, Alter, gelt?"

„Freili, freili, aber daß Ihr all’ bie Jahr’ nimmer nix von ihm g’hört habt! A recht's Malheu'r, i fag's ja, bie Welt is voller Unglück. — I geh' auf a Glasl, kommst mit?"

„Nein, i bleib’ noch a bisserl, dann geh’ i beim; mein Lenerl, weun’S auch schon siebzehn Jahr’ alt is, is boch noch a recht's lieb's Kiub unb wart' auf ihr Christkiubl"

Nazi verlor sich in bie stillere Seitenstraße, wo ihm beim „Ablerwirth" bas „Glasl" winkte. Franzl nahm ein Packet aus ber Rocktasche, faltete bas feine Seidenpapier behutsam auseiu- anber, bamit bie muthwillig tanzenben Schnee­flocken e nichts von ber schönen Seidenschürze zu sehen b kämen, bie für das Lenerl bestimmt roar; dabei lag eine prächtige Staatshaube für die ^,Alte'/. Befriedigt lächelte ber gute Hausvater über feinen Weihnachtseinkauf, bann steckte er das Packet rasch in bie Tasche zurück, benn ein elegant getleibeter Herr winkte ihn von ber anderen Straßenecke heran.

„Dienstmann!"

Er drückte dem Kommissionär ein weißes Couvert und ein Geldstück in die Hand. „Tragen Sie den Bries in das Hotel Imperial, Zimmer Zwölf, Antwort bekommen Sie nicht."

„Zu dienen, gnä’ Herr, küßt d' Hand!"

Der vornehme Herr war verschwunden. Franz hielt ben Brief gegen bie nächste Laterne empor.

„Hotel Imperial, Zimmer Zwölf, unb ber Nam' von ber Herrschaft wirb wohl basteh'n. Joseph — Huber — — Herrgott, ber Nam’ — i seh’ nit recht — Huber, mei Nam’ is mei eigener, unb Joseph — Seppl — roär's mögli? Ne in, nein," beschwichtigte er sich selber unb drückte die Hand an bie Stelle, wo sein Vater­herz unter ber grauen Joppe stürmisch hämmerte. „Sei nit kinbisch, Franz!, a Namensgleichheit is — bei Seppl, bei arm's Kind, weiß Gott, au: rvelch'm Kirchhof der schlaft!" und er stampfte

Vermischtes.

• Ein Stndenlinnenverei«. Ein Fräulein,welches sich als Studirende der Medizin unterzeichnet, zeigt dem W. Vaterland' an, daß sich demnächst in Wien etn Sludentinnenverein „Wien" bilden wird. Also auch das noch! Der Verein nimmt nur die ordentlichen und auße^ ordentlichen Hörerinnen einer Hochschule als Mitglieder auf Auf die weitere Entwickelung dieses jüngsten akade­mischen Vereins kann man begierig sein. Werden die jungen Damen auch „bemooste Häupter" unter sich dulden Werden sie fich statt der „alten Herren" — „alte Damen anschaffen ? Werden sie Bummelmützen tragen, eine Kneip- zeitung herausgeben? Lauter ungelöste Fragen.

* * VewaaU Wchanptung. „Guten Tag, lieber Herr Meier! Gratulire Ihnen auch zum Schützenkönig, war ja ein Meisterschuß! Ich hab ja immer gesagt, es gibt

Sie haben beim Einbruch in das Mohegeschafl Hilfe geleistet?" „Jawohl; . . . was wissen die Manner was nwdernist Bedienter: „Herr Professor, das Haus brennt st' - Professor: „Sagen Sie das meiner Frau, ich kümmere mich nicht um häusliche Angelegenheiten.