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M 279.
Jutöce, Mittwoch, den 7. Dezember 1898.
25. Jahrganß.
Papst Keo XIII. «der die Presse.
„Da das Hauptmittel im Dienste der Gegner die von ihnen zum großen Theile beeinflußte oder unterhaltene Presse ist, so ergibt sich die ernste Forderung an die Katholiken, der schlechten Presse eine gute entgegenzustellen, zur Vertheidigung der Wahrheit, zum Schutze der Religion, zur Vertretung des katholischen Rechtes. Die katholische Presse hat die Aufgabe, die schlechten Bestrebungen der Feinde der Kirche bloßzulegen, die Arbeiten der Hirten des Hauses Gottes zu unterstützen und die katholischen Interessen zu fördern. Dann aber ist es auch Pflicht der Katholiken, die Presfe kräftig zu unterstützen; sie sollen der schlechten Presse alleBetheiligung versagen, die gute aber, so weit es Jeder in seiner Stellung vermag, zu Leben und Gedeihen zu bringen suchen."
(Papst Leo in seinem Rundschreiben vom 15. Okt. 1890.)
Die neue Militärvorlage
enthält zwei Gesetzentwürfe, 1) einen Gesetzentwurf betr. die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres und 2) betr. die Aenderung des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai 1874. Der erste Gesetzentwurf fordert eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 23277 Mann, nämlich von 479229 auf 502506. Diese Vermehrung soll bis zum Jahre 1902 durchgeführt sein und in der genannten Höhe bis 31. März 1904 bestehen bleiben. Die Zahl der vorhandenen Formationen soll so vermehrt werden, daß am Schlüsse des Jahres
1902 bestehen:
bei der Infanterie . .
„ „ Kavallerie . .
„ „ Feldartillerie .
„ „ Fußartillerie .
„ den Pionieren . .
„ „ Verkehrslruppen „ dem Train . . .
625 Bataillone, 482 EskadronS, 574 Batterien, Bataillone,
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Im Einzelnen sind an Neuformationen geplant, abgesehen von den Stäben, 1 neues Jnfanterie- bataillon für Sachsen, 10 Eskadrons Kavallerie, davon 8 für Preußen, 1 für Bayern, 1 für Sachsen, 80 Batterien Feldartillerie, und zwar 54 für Preußen, 8 für Bayern, 17 für Sachsen, 1 für Württemberg, 1 Bataillon Fußartillerie für Preußen, 1 Bataillon Pioniere für Preußen und 2 Kompagnien Pioniere für Sachsen, 4 Kompagnien Eisenbahntruppen für Preußen (die württembergische Kompagnie soll in das preußische Militärkontingent übertreten), 1 Kompagnie Luftschiffertruppen für Preußen, 72 la Kompagnien Telegraphentruppen in Preußen, 1 in Bayern, 1 in Sachsen, lla in Württemberg, 1 Kompagnie Train in Preußen, 2 in Bayern, 2 in Württemberg. Die Zahl der Offiziere soll um 861, die der Unteroffiziere einschließlich Zahlmeisteraspiranten, Spielleute und Lazarethgehilfen um 3299 Köpfe vermehrt werden. Die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke in den einzelnen Rechnungsjahren soll der Feststellung durch den Etat unterliegen. Die zweijährige Dienstzeit bleibt für die Dauer dieses Gesetzes, also bis zum 31. März
1904 in Kraft. Der zweite Gesetzentwurf handelt von der Bildung dreier neuer Armeekorps. Für Preußen soll ein neues Armeekorps mit dem Sitz des Generalkommandos in Frankfurt a. M. errichtet werden aus 2 vom XI. Armeekorps abgezweigten Divisionen, ferner soll für Bayern ein drittes und für Sachsen ein zweites Armeekorps gebildet werden. Die Kosten der sänimtlichen Maßnahmen belaufen sich an fortdauernden Ausgaben auf 27 388 Q00 Mark jährlich. Davon sollen für 1899 6 991000 Mk. gefordert werden, während der Rest sich auf die Jahre 1900—1903 vertheilt. Die einmaligen Ausgaben sind geschätzt auf 132 778 000 Mk., von denen für 1899 der Betrag von 43805 000 Mk. gefordert wird.
Inder Begründung wird ausgeführt, daß die Verhältnisse, die vor 5 Jahren die Verstärkung der Armeen nothwendig machten, sich nicht geändert hätten. Nach wie vor sei Deutschland infolge seiner geographischen Lage bedroht. Die Rüstungen der Nachbarstaaten seien auch in der Zwischenzeit planmäßig und mit großem Aufwande fortgesetzt worden. Zwar biete die Friedenskundgebung des Zaren die Gewähr, daß zur Zeit ein Angriffskrieg von dieser Seite nicht beabsichtigt werde, aber eine Abrüstung sei nirgends erfolgt und unter den jetzigen Verhältnissen auch kaum zu erwarten. Mit erschreckender Klarheit habe der spanisch-amerikanische Krieg gezeigt, wie schwer der Mangel einer sorgsamen und planmäßigen Kriegsvorbereitung im Frieden sich räche. Ein starkes wohlorganisirtes Heer sei der feste Eckpfeiler des Staates und zugleich die sicherste Bürgschaft d<s Friedens. Unsere Nachbarstaaten Frankreich und Rußland arbeiteten rastlos an der Vervollkommnung ihres Heerwesens. Sie hätten ihr Rekrutenkontingent auf 250,000 und 300,000 Mann jährlich gesteigert, während es bei uns nur etwa 227,000 Köpfe betrage. Bei allen Waffen hätten sich im Laufe der Zeit Mängel und Lücken herausgestellt, die beseitigt werden müßten, wenn nicht die Leistungsfähigkeit gelähmt werden solle. Aenderungen und Ergänzungen der Formationen seien deshalb das Kennzeichen eines gesunden, sich innerlich festigenden Heeresorganismus. Die gegenwärtige politische und militärische Lage bieten aber die Möglichkeit, von dem System plötzlicher erheblicher HeereSver- stärkungen abgehen und statt dessen einen ruhigen planmäßigen Ausbau ins Auge zu fassen, das sei ein wesentlicher Fortschritt gegenüber der Vergangenheit sowohl in volkswirthschaftlicher als auch in militärischer Beziehung, lieber die zweijährige Dienstzeit heißt es in der Begründung: „Dank dem unermüdlichen Eifer des Lehrpersonals und der bereitwilligen Gewährung von Mitteln für die Ausbildung der Truppen ist es gelungen, trotz der verkürzten Dienstzeit die Anforderungen des Friedensdienstes vorläufig zu erfüllen. Das ist auch für die Zukunft zu hoffen, wenn die beabsichtigten Verbesserungen unseres Heerwesens Verwirklichung finden. Vorausgesetzt ist hierbei allerdings, daß Offiziere wie Unteroffiziere den erhöhten Ansprüchen dauernd gewachsen bleiben und daß besonders die Ausstattung der Armee mit großen Uebungsplätzen beschleunigt wird. Hebet die Wirkung der verkürzten Dienstzeit auf die militärische Leistungsfähigkeit des Beurlaubtenstandes liegen zur Zeit ausreichende Erfahrungen nicht vor."
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Dezember.
* Die Novelle zum Znvakiditäts- und Attersverstchernugs - Gesetz ist noch immer nicht bekannt gegeben. Dagegen werden fast täglich Bruchstücke des neuen Entwurfes der Presse vermittelt. Eine solche theelöffelweise Verabreichung, schreibt mit Recht der ,Hann. Cour/ ist unseres Wissens noch nicht dagewesen. Welchen Vortheil es haben soll, ist absolut unfaßbar. Der Erfinder dieser wunderlichen Methode hat offenbar geglaubt, durch Vorsetzung kleiner Portionen die Materie dem Verständniß der Leser um so leichter nahe zu bringen. Leider ist dabei nur übersehen worden, daß das Zeitungspublikum nicht geneigt ist, sich vier Wochen lang über denselben und obendrein noch recht trockenen Gegenstand unterhalten zu lassen. Aber auch Diejenigen, welche ein eifriges Interesse an der Sache nehmen, ärgern sich über die zerstückelten Mittheilungen, die ihnen ein Gesammturtheil über die Vorlage erschweren. Wäre der Entwurf, so wie derjenige über das Prioatversiche- rungswesen, sofort in seinem vollen Wortlaut veröffentlicht worden, so würde Mancher, dem diese oder jene der zuerst bekannt gegebenen Einzelheiten nicht gefallen hat, vielleicht zu einer weit günstigeren Meinung von dem Ganzen gelangt sein, wenn er die späteren, ihm besser zusagenden Theile gleich hätte mit übersehen können. Es scheint, so hörten wir jüngst von eingeweihter Seite, daß man es nicht gewagt hat, das Ganze mit einem Male der Kritik preiszugeben, weil man einen ungünstigen Eindruck befürchtete. Um so schlimmer wird die Vorlage des Entwurfes im Reichstage wirken.
0 Es ist in diesen Tagen offiziös bestätigt worden, daß dem Reichstage noch eine Vorlage zugehen wird über die Ausführung dec neuen Militär - Strafprozeß - Ordnung, namentlich also über die Errichtung eines Aeichs-Wttttä.gerich tes und eines besonderen bayerischen Senates bei demselben. Im Anschlüsse daran ist die Streitfrage aufgeworfen worden, ob nun dieser bayerische Senat im Namen des Kaisers oder im Namen des Königs von Bayern seine Urtheilssprüche fällen solle. Dazu bemerkt die ministerielle,Augsb. Abendztg/, es „sei anzunehmen, daß die bayerische Regierung sich wohl dagegen sichern" werde, daß „die Hrtheile des bayerischen Senates im Namen des Reiches oder des Kaisers erlassen werden . . ." Thatsächlich ist es aber gar nicht nöthig, daß die Urtheile mit einer solche» Formel beginnen. Im deutschen Reiche haben wir solcheUrtheile bereits. Beim Reich s- g e r ich t e wird geurtheilt „im Namen des Reiches", ebenso beim Reichs-Versicherungsamte, und gerade in der militärischen Rechtspflege in Preußen ist eine solche Formel niemals üblich gewesen. Ja Bayern sind bisher allerdings stets dieUrtheils- Ausfertigungen der Militärgerichte eingeleitet worden durch die Formel: „Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern." Aber ohne Zweifel kann auch Recht gesprochen werden ohne solche, und das Begnadigungsrecht über die Angehörigen des bayerischen Heeres steht ganz selbstverständlich dem König von Bayern zu. Man darf sich wohl der Hoffnung hinqeben, daß gerade über diese Frage der äußern Form verhältniß- mäßig leicht eine Verständigung zu erzielen sein wird. In diesem Sinne meint auch die oberoffi
ziöse ,Nordd. Allgem. Ztg/: „Es stehe zu erwarten, daß der für den Reichstag bestimmte Gesetzentwurf „alle etwa noch offenen formellen Fragen in einfacher und allseitig zufriedenstellender Weise erledigen wird."
Vermischtes.
* Ein Geschenk des Kaisers ans Gethsemane. Als die katholische Geistlichkeit am Freitag Morgen vor dem Festgottesdienst in der Hedwigskirche zum Jubiläum des Kaisers von Oesterreich das Kaiserpaar erwartete, überreichte Vize-Oberceremonienmeister Graf Kanitz dem Delegaten Neuber imNamendesKaisers einen aus Olivenholz (welches im Garten Gethsemane gewachsen ist)geschnitzten Rosenkranz mit der Aufschrift: „ex olivis Gethsemane“; den Rosenkranz hatte der Kaiser für den Delegaten aus Palästina mitgebracht.
* Anspruchsvoll. Fremder (der die Nacht betrunken in einer Gasse gelegen, früh ärgerlich aufwachend) : „Das ist doch eine heillose Unverschämtheit in dem Neste, daß Einen Niemand hier aufgehoben; ich werde mich beim Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs beschweren!"
* Realistische Kunst. „Direktor einer Schmiere (zu seinem Gehilfen, der den alten Moor spielen soll): „Können Sie die Hungerscene im dritten Akte auswendig?" — Schauspieler: „Auswendig nicht, aber inwendig!"
ChristlmumVerzienmgen.
Vergolden der Nüsse. Klopfe ein feines Stäbchen an das eine Ende der Nuß und bestreiche fle mit Eiweiß, indem du fie am Stäbchen festhältst; dann rolle sie in Rausch- oder Blattgold, sodaß sie von demselben auf allen Seiten bedeckt ist.
Billige Christbaumketten. Sehr hübsche Ketten fertigt man aus den bekannten, schmalen gedrehten Blechstreifen, wie sie zum Anhängen des Baumschmuckes verwendet werden. Man biege dazu jedes Streifchen an den Enden leicht zu einem Ringe zusammen, stecke ein zweites hindurch, forme auch dieses zum Ringe und fahre so fort, bis eine beliebig lange Kette entstanden ist. Bei dieser Arbeit ziehe man Handschuhe an, weil das scharfe Blech die Finger leicht verletzt.
Stanioleier. Ein billiger Ersatz für die blinkenden Glaskugeln find Stanioleier. Ausgeblasene Eier wickle man in Staniolpapier; die vier Eckchen des Papiers drehe man fest zusammen; an den so entstandenen Stiel kommt das Bändchen zum Anhängen.
Schmuck für den Weihnachtsbaum. Tannen- und Fichtenzapfen bestreiche man mit in Bronzelack aufgelöstem Gold- oder Silberpulver ein- bis zwei- auch drer- mal, wenn fie nach dem Trocknen noch nicht vollständig überzogen find, befestigt dann an jedem Zapfen oben ein buntes Bändchen zum Aufhängen. Man kann auch verschiedene Bronzefarben zum Auffärben der Zapfen nehmen, ebenso wie sich auch die Früchte der Eichen und Buchen zu derlei Zwecke verwenden lassen.
Schneebälle, mit Gold-, Silber- oder Brillantstaub bestreut, sind einfach aus Watte herzustellen. Man nimmt feuersichere imprägnirte Watte, die man zu runden Ballen formt, mit Leim oder Gummilösung betupft und mit Flimmern bestreut.
Christbaumschnee. Die Watte wird auf die Zweige gelegt und gegen die Nadeln gedrückt. Dann werden alle Zweige mit Diamantpulver bestreut, was den Schnee dem wirklichen täuschend ähnlich macht.
Kiterarischrs.
Landor's Werk „Auf verbotenen Wegen" (Leipzig, F. A. Brockhaus) hat überall großes Aufsehen erregt, sodaß soeben nach Monatsfrist eine zweite unveränderte Auflage zur Ausgabe gelangt. Das mit einer Fülle von interessanten Abbildungen ausgestattete Buch verdient in der That die allgemeine Aufmerksamkeit, denn die Erlebnisse Landor's, die er auf seinen verbotenen Wegen bei den grausamen Tibetanern hatte, sind im höchsten Grade sensationell. Der billige Preis von 10 Mk. für das elegant gebundene, unter anderem auch 8 künstlerische Chromotafeln umfasiende Werk empfiehlt es als Weihnachtsgeschenk für jedermann, auch für die reifere Jugend.
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J. Mollenhauer & Söhne, Fulda
Hofinstrumentenmacher.
Prämiirt auch auf der diesjährigen Richard Wagner-Ausstellung in Berlin mit dem höchsten Preis, der Goldenen Medaille und Vorschlag zur Staatsmedaille.
Empfehlen zu MDf" Weihnachts - Gesell enken ihre höchst künstlerisch gearbeiteten Holzblasinstrumente:
— — Piccolos, Flöten, Klarinetten, Oboes —
Violinen für Kinder bis zu den feinsten Nummern.
Zithern, Guitarre«, Oeeariuas, Mund- und Ziehharmonikas *
Saiten für alle Instrumente.
Spielwerke, Automaten, Spieldosen, Pianinos, Stimmgabeln, Stimmpfeifen, Singnalinstrumente.