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25. Jahrgang.

Iulöa, Momag, den 5. Dezember 1898

.HL 277

Druck und Verlag der Luldaer Acirendrucker« peterrgaAe llr. 2 (Harmonie).

Kurz und gut, an Arbeit wird es wahrlich nicht fehlen, und die Reichsboten können sich schon jetzt gefaßt darauf machen, daß sie bis tief in den Sommer hinein in Berlin werden aushalten und tagen müssen. Wie die einzelnen Parteien zu einander sich stellen werden, wird man gleich im Anfänge bis zu gewisfem Grade aus dem Ausfall der Wahl des Präsidiums entnehmen können. Aber freilich, das Sicherste und viel­leicht auch das Beste dürfte es fein, daß streng festgehalten wird an dem Grundsätze, die drei Präsidenten aus den drei ziffermäßig stärksten Parteien zu entnehmen, vorausgesetzt, daß diese im Präsidium überhaupt vertreten sein wollen. Würde dieser Grundsatz in allen Fällen festge­halten, dann könnten niemals Zweifel und Streitereien entstehen darüber, wie denn eigentlich das Präsidium zusammenzusetzen fei.

neue Armeekorps (je eines in Preußen, Sach­sen und später in Bayern) können nach diesen Angaben aus bereits vorhandenen Jnfanterie- Truppenkörpern gebildet werden. Für diesenZweck stehen zur Verfügung je eine preußische (bezw. hessische), bayerische (5.) und sächsische (34.), außer­dem eine Anzahl der 1897 neu gebildeten In­fanterie-Brigaden zur Verfügung.

Wesentlich vermehrt folldieArtillerie werden, in Preußen, Sachsen und Württemberg zusammen um 48 fahrende Batterien. Damit bekäme dann die deutsche Feld-Artillerie eine Gesammtstärke von 542 Batterien und 3252 Ge­schütze im Kriege, 288 Geschütze mehr als jetzt. Die deutsche Artillerie würde dann nur noch hinter der russischen zurückstehen, aber stärker als die französische sein. In Bayern soll die Feldartillerie dann erst im Jahre 1900 entsprechend verstärkt werden. Diese Verstärkung ist bei den angegebenen Zahlen noch nicht einbezogen.

Die Kavallerie soll nicht vermehrt werden; dagegen soll dies, wie man ja längst weiß, und auch als nothwendig aner kennt, bei den technischen Truppen geschehen. Die neue Telegraphen- Truppe soll für das preußische Heereskontingent 3 Bataillone und außerdem je eine Kompagnie für Sachsen und Württemberg betragen. Auch die Eisenbahn-Truppe und die Pioniere sollen verstärkt werden.

Mit den Erhöhungen in Bayern soll alles zusammen eine Verstärkung der Friedenspräsenz um etwa 17 000 Mann und 4000 Pferde betragen, lieber den Kostenpunkt schweigt diese neueste Mittheilung.

Deutsches Deich.

Berlin, 3. Dezember.

* Der Kaiser hat dem Erzbischof Dr. von Stablewski 20000 Mk. überwiesen zur Erneue­rung des Domes in Gnesen.

* Der ZKundesratH hat am Samstag wie­derum eine Plenarsitzung abgehalten. Ob in dieser Sitzung die Berathung über die neue Heeres-Vorlage zu Ende geführt worden ist, ist bis zur Stunde (Samstag Abend) unbekanut.

x Die Gerüchte von dem bald bevorstehenden Mcktrilte des Kerrr, v. Lucanus erhalten sich. An einer Stelle, die gute Beziehungen zu Berliner Regierungskreisen hat, wird gesagt: es wäre verständlich, wenn Herr von Lucanus (der 68 Jahre alt ist) sich nach einem ruhigern Posten sehnte. Ein Berliner Blatt, das Kleine Jour­nal', will bestimmt wissen, daß Herr v. Lucanus noch vor dem Jahreswechsel aus seinem Amte als Chef des kaiserlichen Civilkabinets scheiden werde.

* Dem Ileichslage wird, wie man in unter­richteten Kreisen vernimmt, am Eröffnungstage zunächst nur der Etat vorliegen. Hierzu könnte im besten Falle höchstens die Militärvorlage treten, jedoch müßte alsdann der Bundesrath sich über dieselbe in einer außerordentlichen Sitzung endgiltig schlüssig gemacht haben. Zunächst wird die Präsidentenwahl den Reichstag zu be­schäftigen haben. Die Fraktionen werden zu dieser Angelegenheit bereits in kürzester Zeit Stellung nehmen. Die Konservativen und

O Der Reichstag

Ed.an diesem Dienstag seine Pforten wieder Offnen. Die Eröffnung wird durch den Kaiser lelbst in feierlicher Weise im Prunksaale des Berliner Schlosses erfolgen und bald nachher wird eine kurze geschäftsmäßige Sitzung statt- sinden um die Beschluß fähig keil des Hauses fistzustellen. Am Tage vorher und am Abend del Eröffnungstages halten die einzelnen Frak­tionen ihre ersten Sitzungen ab, und darauf kann dann am Mittwoch die Wahl des Präsidiums vorgenommen werden. Diese beiden ersten Plenar­sitzungen des Reichstages sollte als Alterspräsi­dent Abg. D jeden vom Centrum leiten, „Papa Dieden", wie er allgemein in den Kreisen des Centrums genannt und bekannt ist. Aber Herr Dieben ist von Krankheit heimgesucht, und kann seines Amtes diesmal nicht walten. Es kommt nun die Reihe an das zweitälteste Mitglied des Reichstages. Dieses ist ebenfalls ein Mitglied derCentrums-Fraktion, nämlich Abg. Dr. Lin g en s- Aachen. Derselbe ist im Jahre 1818 geboren. Herr Dr. Lingens hat sich bereit erklärt, das Allerspräsidium zu übernehmen.

Wegen des Festes Mariä Empfängniß bleibt der Donnerstag von Sitzungen frei; aber es ist doch sehr die Frage, ob die erste Lesung des .Etats dann schon am Freitag darauf beginnen kann. Denn den Fraktionen muß Zeit gelassen werden, um sich mit dem Etatsvoranschlage doch wenigstens einigermaßen bekannt zu machen. Neuerdings ist es wieder zweifelhaft geworden, ob die neue Heeresvorlage gleichzeitig mit dem Etat dem Reichstag wird vorgelegt werden können. Der Bundesrath hat seine Berath- ungen darüber noch nicht beendet und könnte diese Berathungen vorEröffnung desReichstages nur noch in einer außerordentlichen Sitzungen Ende führen.

Die Umstände, unter denen der neue, am 16. Juni gewählte Reichstag seine Arbeiten be­ginnt, sind denen nicht unähnlich, die den vor­aufgegangenen Reichstag im Anfänge seiner Thätigkeit hauptsächlich beeinflußten. Denn heute wie damals ist es eine größere Vorlage für das Reichsheer, die den Reigen aller Gesetzentwürfe eröffnet. Aber der Reichstag von 1893 war aus einer Auflösung eben wegen dieser Vorlage her­vorgegangen, aus Wahlkämpfen, die an Heftigkeit ihres Gleichen suchten; und diesmal vollzogen sich die Neuwahlen zum Reichstage so ruhig wie nie zuvor nachdem der Kaiser in seiner Schluß- Thronrede dem Reichstage von 1893 ein so gutes Zeugniß ausgestellt hatte, wie es vorher vorn kaiserlichen Thronseffel aus einem Reichstage noch niemals zu theil geworden war. Die Stimmung also, die über dem Ganzen lagert, ist anders als im Jahre 1893, als damals mitten im Sommer die Pforten für das neu gewählte deutsche Parla­ment sich öffneten. Die Stimmung ist anders; und das wird für jeden wohlmeinenden Mann eine angenehme Empfindung fein. Die Grund­sätze aber, wenigstens beim Centrum, sind d ie- f eiben geblieben; und darüber wird jeder wahre 'Centrumsmann eine noch größere Genugthuung empfinden.

Und noch etwas ist ganz anders damals und jetzt: damals war das Centrum vom Präfi -

gimtntnnt govelare.

Von L. von Neidegg.

------- (Nachdruck verboten.)

„Hornberg, der sehr gut unterrichtet ist, und sich, glaube ich, Schwiegervater fühlt, sagte auch, .Falkenhagm träfe nächster Tage beim Regiment wieder ein," plauderte Ludwig weiter. „Knorring ist heute zurückgekommen. Die zwei müssen nun leider auch zum Feste geladen werden. Fatale Zugabe!"

„Wodurch haben sie sich der Ehre unwürdig gemacht?" spottete Johanna. Ist es etwa, weil Ihr im Regiment das Dreigestirn bildet, das durch seine Reiterkünste glänzt, und Du lieber als einsamer Fixstern dort prangen möchtest?"

„Du bist unerträglich mit Deinen vermeint­lichen Witzen, Johanna," sagte Ludwig ärgerlich. „Ich gönne jedem das Seine, beneide Niemand um seine Stellung in der Welt, am wenigsten jenen mürrischen Knorring, dem jedermann aus dem Wege geht."

„Meinst Du das im Ernst? Ich glaube ge­hört zu haben, daß Herr v. Knorri.ig allseitig als ein höchst bedeutender, interessanter Mann bekannt sei," widersprach Johanna.

„Junge Mädchen sollten weniger begeistert fein im Lobe eines Mannes, der eine solche Ver­gangenheit hat," verwies die Baronin, ärgerlich, daß es noch andere „Götter" gebe neben ihrem Sohn, und doch wieder erfreut, daß der Nichte Neigung weniger ausschließlich war, als sie ge­fürchtet. „Eines hat er allerdings für sich, er ge=

dem Gesang der Nichte, die mit ihrem frischen Sümmchen einige Lieder zum besten gab. Ihrem Charakter entsprechend waren sie heitern Inhalts; erst zum Schluß kam eines jener vielen Lieder an die Reihe, welche das alte und doch ewig neue Thema der Liebessehnsucht behandeln. Das junge Ding, das eben noch so frisch in die Welt hinausgesungen, fand dafür solch' schmelzenden Ausdruck, daß die Tante bestürzt aufhorchte. Ihre schlimmsten Befürchtungen sand sie damit bestätigt: so konnte nur fingen, wer die Siebe kennen gelernt hatte.

„Wie gefühlvoll Du sangst, und Liebe ist Drr doch ein Buch mit sieben Siegeln," bemerkte sie heuchlerisch zur Nichte, die das Klavier verlassen hatte, um sich an die Seite der alten Dame zu begeben. |tiSsa

„O Tante Betty," erwiderte das Mädchen heiter, „ein klein wenig träumt wohl jede von uns ab und zu von einem Prince charmant!"

„Träumen sührt zu nichts," tadelte die Tante „Wer allzu lebhaft träumt, erwacht oft unter Thränen, wenn er dasjenige, was er im Traume fein eigen nannte, im wachen Zustande als uner­reichbar erkennen muß."

„Oder er. sagt sich, daß er das Erstrebte er­reichen kann, und dann ist das Erwachen ein seliges!" rief Johanna mit leuchtenden Augen.

Der alten Dame wurde ganz unheimlich zu Muthe. Sollte das Kind die Möglichkeit, jeinen Wunsch durchkreuzt zu sehen, denn gar nicht mehr faffen können? , ,

„Du bist noch sehr jung, Johanna," sagte sie in schulmeisterliche m Tone. „In Deinem Alter zweifelt man an nichts und meint die Sterne

bium des Reichstages so gut wie ausgeschlossen. Jetzt hat es die erste Präsidentenstelle zu besetzen, ohne daß jemand auch nur einen Augenblick daran denkt, dieselbe ihm streitig machen zu wollen!

Dem neuen Reichstage wird ohne Zweifel ein reiches Maß von Arbeit beschieden sein. Und zu allererst wird es bei der neuen Heeresvorlage allem Anscheine nach nicht ohne heftige Kämpfe abgehen. Aber über den Inhalt der vielen schon im voraus angekündigten Gesetzesvorlagen weiß man diesmal erheblich weniger als sonst. Nächst der Heeresvorlage ist bisher stets dem Gesetzentwürfe über den Schutz für Arbeits­willige die größte Bedeutung unter den kom­menden Regierungsentwürfen beigemeffen worden. Es ist indessen sehr fraglich geworden, ob dieser Vorlage wirklich noch diese ungemeine Wichtigkeit beizumessen ist; wer weiß überhaupt, ob sie dem Reichstage Überhaupt noch während seiner ersten Tagung zugehen wird! Dann ist eine Novelle zum Atters- und Jnv aliditäts-Ver- sicherungs-Gesetze angekündigt und auch be­reits fertig ausgearbeitet worden. Zahlreiche Einzeldaten daraus sind öffentlich mitgetheilt, aber in einer fo sonderbaren und verstreuten Art und Weise, daß man fast auf dm Gedanken kommen könnte, es läge nicht die Absicht vor, die öffentliche Meinung darüber auszukläcen, sondern sie vielmehr zu verwirren, lieber das Schicksal dieser Vorlage läßt sich im voraus also ebensowenig sagen, wie über den muthmaß- lichen Ausgang der Berathungen über die neue Heeresvorlage.

Es ist ferner eine Aufbesserung einzelner Unterbeamten in Aussicht gestellt worden. In die Zuständigkeit des Reichstages gehören vor Allem die Beamten der Reichspost, und die Reichs­regierung folgt nur der dringlichen Forderung des Reichstages und namentlich der Centrums- Fraktion desselben, wenn sie nunmehr mit For­derungen für die Besserstellung von Unterbeamten auf den Plan tritt. Im letzten Reichstage waren ja sogar die geforderten Erhöhungen der Bezüge einiger Staatssekretäre auf Antrag des Centrums mit der Erklärung gestrichen worden, daß diese Erhöhungen niemals Aussicht auf Bewilligung haben würden, wenn nicht gleichzeitig den Unter­beamten Aufbefferung zu Theil würde.

Bekannt ist im allgemeinen der Inhalt einer Vorlage, die den Nacheid an die Stelle des Voreides bei Zeugenvernehmungen fetzen und die Zahl der Eide vor Gericht einschränken, sowie eine Strafe auch für solche falsche Aussagen vor Ge­richt einsühren will, die ohne @ib gemacht werden. Die Vorlage entspricht dem Anträge, die der tonferoatioe Abg. vonSalischim letzten Reichs­tage stellte, und hat im allgemeinen sicher auf Annahme zu rechnen. Bekannt ist ferner ein Entwurf über die reichsgesetzluche Regelung des privaten Versicherungswesens. Angekündigt endlich sind noch ein Fleischbeschau-Gesetz, ein Entwurf mit Schutzb eftimmun gen für die Angestellten im Handelsgewerbe, ein Gesetz zur Regelung des Geschäftsbetriebes der Patent­anwälte und manches Andere mehr; und außerdem wird noch so manches kommen, von dem wir heute noch gar nichts wissen.

hört zu uns, während Falkenhagen nur ein Ein­dringling in unsere Kreise ist."

„Ein Offizier!" warf ihr Mann ein. „Willst ihn wohl gar ausschließen?"

„Bitte mir zuzutrauen, daß ich recht wohl weiß, es ginge nicht an, einen Offizier auszu­schließen," antwortete die Baronin verletzt. „Leider, muß ich sagen; denn jede Beimischung bürger­licher Elemente in meinem Gesellschaftskreise berührt mich unangenehm. . . Es wäre übrigens Zeit, daß wir aufhörten, uns mit jenem Herrn zu befassen; erzähle Du von deinem Nachmittag, Ludwig."

Sehr lebhaft fing nun Ludwig die luftige Lawntennis-Partie zu schildern an. Zwar wäre Elsa Hornberg ungewöhnlich still gewesen, dafür hätten aber ihre beiden Cousinen die übermüthigste Heiterkeit an den Tag gelegt. Das wären Pracht­mädel, wahre Wildfeuer! Funkelnde Augen, blinkende Zähne reizend! „Es mag Else, unan­genehm berührt haben, daß ich mich ihren Cousinen beinahe ausschließlich widmete," schloß er. „Es ist nun aber so der Laus der Welt: die Gesell­schaft, die einem zusagt, sucht man auf, die andere läßt man links liegen.“

„Ob nicht Else ähnliches dachte, als sie sich still bei Seite hielt?" fragte Johanna anscheinend harmlos.

„Kleine Wespe!" sagte Ludwig, sich nach ihr umdrehend. „Weil Du von Verlangen branntest mitzuthun, brauchst Du nun Demen Stachel gegen mich."

„Die Anwesenden sind immer ausgenommen, das weißt Du, Ludwig," versicherte Johanna mit treuherzigster Miene.

L Zur neuen Heeresvorlage.

Der Bundesrath, so wird amtlich ge­meldet, genehmigte in seiner letzten Sitzung am 3. Dezember ... hie Aufnahme einer An­leihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichs - Heeres und der M a r i n e. Daraus ersieht man, daß die neuen Forderungen für das Reichsheer, die uns bevorstehen, also doch wohl die neue besondere Heeresvorlage, nicht aus den laufenden Reichseinnahmen gedeckt werden können, sondern zur Vermehrung der Reichsschuld bei­tragen müssen, wenn sie vom Reichstage ge­nehmigt werden. Man ersieht aus dem stets äußerst kurz gefaßten amtlichen Berichte aber nicht, ob der Bundesrath damit auch seine Be­rathung über die neue Heeresvorlage über­haupt zu Ende geführt hat.

Wie hoch die Forderungen sich belaufen werden, weiß man ebenfalls noch nicht, denn die vielerlei Angaben, die darüber auf dem Hinter- treppen-Wege in die Oeffentlichkeit durch­gesickert sind, weichen fo sehr von einander ab, daß man daraus irgendwie bestimmte Schlüsse auf die Wirklichkeit nicht ziehen kann. Nur Eines scheint daraus hervorzugehen, daß die in der gedämmten Presse nachgedruckten Angaben der Münchener Allgem. Ztg/ nicht zutrafen.

Dem äußeren Anscheine nach verdient am meisten Beachtung eine ziemlich ausführliche Mit- theilung, die die Berliner ,National-Ztg.' über den Inhalt der neuen Heeresvorlage macht — oder machen zu können glaubt.

Danach sind zunächst Neuformationen (also neue Truppenkörper) bei der Infanterie nicht in's Auge gefaßt. Danach wäre auch die mehrfach ausgesprochene Vermuthung falsch, daß die im Jahre 1897 aus den aufgelösten vierten (Halb-) Bataillonen gebildeten neuen Infan­terie - Regimenter (die nur 2 Bataillone zählen) ebenso wie die alten Regimenter dritte Bataillone enthalten sollen. Aber diese Bataillone selbst scheinen stärker gemacht werden zu sollen. Bei ihnen beträgt die Kopfstärke der Kompagnie nur 125 Mann, bei den alten Regimentern bis 1897 dagegen 150 und seit 1897 je 145 Mann. Eine solche Verstärkung wird als nothwendig bezeichnet un Interesse der taktischen Ausbildung. Drei

„Du solltest nicht immer Streit anfangen, Johanna," verwies die Tante, die jede noch so leise Verspottung des Sohnes als eine Art Maje­stätsbeleidigung ansah.

Ludwig sprang indeß ritterlich der Kousine bei. „Es kommt nie zu ernstlichem Streit," ver­sicherte er; „Johanna muß mir schließlich doch immer Recht geben."

Das Mädchen sah ihn mit schelmischem Lächeln an: „O freilich! Ich blicke auf zu Dir und' fühle mich stolz und glücklich, einen solchen Führer zu haben."

Die Tante betrachtete das Mädchen mit einem mißtrauischen Blick. Fiel es ihr überhaupt schwer, aus den Menschen klug zu werden — bei der Nichte ganz besonders wußte sie nie, wo der Scherz aufhörte, wo der Ernst anfing. Daß diese für Knorring Partei genommen, war tröst­lich; daß sie mit Ludwig unaufhörlich scherzte und plauderte, und trotz gelegentlichen scharfen Ausdrücken und Wortgefechten sich mit ihm recht gut verstand, das gab ihr zu denken. Je mehr sie sich die Sache überlegte, um so noth wendiger erschien es ihr, durch eine Warnung oder durch einen entschiedenen Einspruch hier einzugreifen. Es durfte keine Zeit verloren werden, unverzüg­lich mußte sie emfchreiten, ehe die Kleine un­wiederbringlich ihr Herz verloren.

* *

Gelegenheit dazu fand sich noch am gleichen Abend. Vater und Sohn saßen rauchend auf dem Balkon, Frau von Hohenbruck war mit Johanna im Wohnzimmer zurückgeblieben. Be­quem zurückgelehnt, die Hände im Schooß ge­kreuzt, horchte sie mit halb geschloffenen Augen

mit Ztnterhattungs-Meikage „Mnstrirte Sonntags-Zeitung

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