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mit Zlnlerhattungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung!'
M 276.
Julöcr, Samstag, den 3. Dezember 1898.
25. Jahrgang
| F IrveitesWtatt.
Wscherr-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 3. Dezember.
Knapp 10 Tage vor seinem Zusammentritt ist der Reichstag einberufen worden. Bei einer regelmäßigen Tagung hat bis jetzt noch niemals eine so kurze Frist zwischen Einberufung und dem Sessionsbeginn gelegen, und es ist daher begreiflich, daß diese Neuerung viel besprochen wird — nicht in einem der Regierung freundlichen Sinne. Es war schon ernstlich der Vorschlag gemacht worden, den Reichstag vor Weihnachten überhaupt nicht mehr einzuberufen, da es wegen der etwa 8—10 Sitzungen, die bis dahin doch nur gehalten werden können, sich nicht der Mühe lohne, die Umstände zu machen und den Abgeordneten die Beschwerden der Hin- und Herreise innerhalb so kurzer Frist aufzuerlegen. Mit Recht auch ist darauf hingewiesen worden, welch geringe Rücksicht auf die Volksvertreter darin liege, daß man durch die Ungewißheit des Einberufungstermins sie in den letzten 3 Wochen genöthigt hat, beständig sozusagen auf dem Sprunge zu stehen, für die nächsten Tage sich für die Abreise bereit zu halten. Das ist für diejenigen, auf deren Schultern große geschäftliche Verantwortung ruht, nicht nur höchst unangenehm, sondern kann auch bedeutende Nachtheile für sie im Gefolge haben. Man wird kaum irren, wenn man annimmt, daß dieser auffällige Vorgang im Reichstage zur Sprache kommt und zu Auseinandersetzungen führt, die der Regierung wenig gefallen dürften.
Durch den späten Zusammentritt des Reichstages ist nun schon gleich von vornherein eine ganze Reihe von Unzuträglichkeiten in sichere Aussicht gestellt. So lange der Reichstag allein tagt, und diejenigen Mitglieder desselben, die im Besitz von Doppelmandaten sind, nicht durch anderweitige Pflichten abgehalten werden, kann er seine Berathungen viel rascher und auch gründlicher erledigen. Dies hätte geschehen können, wenn er etwa 14 Tage früher zusammengetreten wäre; dann hätte er nicht nur die erste Lesung des Etats und einzelner anderer Gesetzesvorlagen sachgemäß absolvireu, sondern auch die am Beginn einer Session gewöhnlich in größerer Zahl vorliegenden Interpellationen zum Theil erledigen und somit alsbald nach den Weihnachtsferien in die zweite Lesung einzelner Theile des Etats eintreten können. Das Alles ist jetzt unmöglich gemacht. Es wird sich fragen, ob in den wenigen Sitzungen vor Weihnachten außer dem Etat überhaupt noch etwas Anderes vorgenommen werden kann; und so bleibt die Session derart belastet, daß nicht nur eine Dauer derselben bis tief in den Sommer außer Frage steht, sondern auch ein Nebeneinandertagen von Reichstag und preuß. Landtag, der Mitte Januar zusammentritt, das auf Monate sich erstreckt. Was das zu bedeuten hat, wie nachtheilig und hemmend es auf die Berathungen beider Körperschaften wirkt, lehren die Erfahrungen früherer Jahre.
Dem Reichstage sollen außer dem Etat alsbald auch die Novelle zum Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsgesetz und die Militär v o r lage zugehen. An Äerathungsmaterial würde es demnach also nicht fehlen. Die neue Militärvorlage wird, wie letzt als feststehend angenommen werden kann, eine neue Heeresvermehrung fordern, trotzdem erst im Jahre 1893 eine Vermehrung um stark 70000 und 1896 eine solche um etwa 25000 eingetreten ist, und trotzdem vor jetzt genau einem Jahre der Kriegs- Minister versicherte, daß eine Erhöhung der Präsenzstärke nicht beabsichtigt sei! Daraus kann man er- sehen, was auf derartige Versicherungen zu geben ist.
Der Kaiser hat auf seiner Rückreise aus dem Orient in München eine kurze Besprechung mit dem Prinzregenten von Bayern gehabt, und bei diesem Anlaß ist es zu einer Einigung über die immer noch strittig gewesene Frage des obersten bayerischen Militärgerichtshofs gekommen, die aber in Bayern mit Recht bitter als Preisgebung eines weitern bayrischen Sonderrechts angesehen wird. Denn wenn auch ein besonderer bayerischer Senat in Berlin errichtet wird, so ist dies doch kein besonderer bayerischer Gerichtshof, sondern lediglich ein Theil des allgemeinen Reichsgerichtshofes, der im Namen des Kaisers Recht spricht. Man darf sich daher nicht wundern, wenn durch diese Vereinbarung die Reichsverdrossenheit, die in Bayern ohnedies schon einen hohen Grad erreicht hat, neue Nahrung erhält. Die Süddeutschen sehen immer mehr ein, daß die Dinge sich ganz anders entwickeln, als sie bei der Reichsgründung sich vorstellten; daß die Richtung zum Einheitsstaat, der die kleinen aufsaugt, immer klarer hervortritt. Wer möchte es ihnen verübeln, daß diese Richtung ihnen nicht gefällt, und daß sie sich von derselben abwenden?
Auch die Lippesche Streitfrage soll auf dieser Reise, wahrscheinlich in Folge der Vorstellungen des Prinzregenten von Bayern und des Königs von Württemberg, zu einer befriedigenden Lösung geführt worden sein, und zwar, wenn die darüber verbreiteten Mittheilungen zutreffen, zu Gunsten des Regenten von Lippe, der in der Sache ja auch das Recht vertrat. Was diese Angelegenheit dem Ansehen Preußens geschadet, und wie sie die Verstimmung nicht nur in den Einzelstaaten, sondern auch in Preußen selbst mächtig gefördert hat, scheint in den Kreisen, die es angeht, leider viel zu wenig erfaßt und gewürdigt zu werden. Und das ist vielleicht das Schlimmste.
In Wien hielten am 25. November beide Häuser des Reichsraths Festsitzungen zu Ehren des 50- jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich, das erste Mal seit nahezu zwei Jahren, daß eine ruhige, friedliche Sitzung gehalten wurde. Bei dieser einen aber blieb es auch. Gleich darnach begann wieder der Hader und der Streit. Am 18. Dezember will die Regierung den Reichsrath vertagen. Sie hofft, daß bis dahin die Mehrheit, der sie dafür eine Anzahl Konzessionen machen mußte, den vorläufigen Ausgleich gutgeheißen haben werde, und daß er auch im ungarischen Parlamente zur Annahme gelangt fei. Dann haben beide Volksvertretungen einstweilen ihre Dienste gethan, und es kann weiter „fortgewurstelt" werden.
In der französische» Deputirtenkammcr kam es dieser Tage wieder einmal zu einer Spektakelszene wegen der Dreyfus-Angelegenheit. Es war der Antrag gestellt worden, die Regierung solle die Fortsetzung des militärgerichtlichen Verfahrens gegen den Oberst Picqnart, den Urheber des „Falles Drey- fus", untersagen, bis der Kassationshof seine Entscheidung getroffen habe. Der Kriegsminister lehnte ein derartiges Eingreifen in ein gerichtliches Verfahren ab, und das Ministerium Dupuy operirte auch hier wieder so glücklich, daß es die übergroße Mehrheit der Kammer auf seiner Seite hatte.
Die sogenannte Friedenskonferenz, in welcher die brutalen Amerikaner den Spaniern ihren Willen vor- gcschrieben haben, ist nun zu Ende. Nicht nur die Inselgruppen der Philippinen haben die gewissenlosen Yankee's kurzer Hand sich angeeignet, sondern überhaupt alle Inseln, welche die Spanier noch im stillen Ozean besaßen. Und letztere müssen es geschehen lassen — es ist ja Niemand, der sich ihrer annimmt, gegen das schmähliche Unrecht einschreitet, das die Amerikaner verüben. Diese Ausraubung Spaniens durch die übermüthigen Amerikaner ist einer der größten Schandflecke des nun zu Ende gehenden Jahrhunderts und es ist wahrlich keine Ehre für Diejenigen, die ihn hätten verhindern können, es aber nicht gethan haben.
Uor 50 Jahre».
Fünfzig Jahre waren am 24. November verflossen seit dem Tage, wo der hochselige Papst Pius JX. gezwungen war, aus seiner Stadt, deren Bevölkerung die Männer des Unglaubens und der Revolution ihm, dem rechtmäßigen Herrscher, entfremdet hatten, zu fliehen und im Auslande Unterkunft zu suchen. Wie damals so befindet fich auch gegenwärtig der hl. Vater wieder in einer Lage, in die ihn die Nachfolger jener Revolutions-Helden hineingedrängt haben. Und es ist nicht unmöglich, daß eines Tages Umstände eintreten, wo die Frage der Flucht des Papstes aus seiner Stadt wieder brennend werden könnte. Ein Rückblick auf das „Jubiläum" von 1848 mag daher angebracht sein.
Die Reihe der Unthaten, die Pius IX. zur »lucht r.öthigten, hebt an mit der schändlichen Ermordung seines Ministers Peregrin de Rossi, der am 15. November 1848 unter der Hand eines von der Revolution bestellten Meuchelmörders fiel. Wüste, ja ekelhafte Szenen schloffen sich an diese Greuelthar an. Das papstfeindliche Parlament hielt es nicht für der Mühe werth, ?en entsetzlichen Frevel zum Gegenstand einer Be- iprechung zu machen und ging zur Tagesordnung Uder. Die Söhne des Ermordeten erhoben Protest, wurden aber ausgezischt. Der aufgehetzte Pöbel selerte m den Straßen Roms den Mörder. Man ^ug'hn am Abend bei Fackelschein umher. Den ^>olch führte man an einer Stange befestigt im Zuge mit. Die Rotte zog zunächst zur Wohnung
de Rossis. Die Familie hatte sich aber bereits nach dem Quirinal geflüchtet. Hierher wendete man fich nun. Durch einen Schuß in den päpstlichen Palast wurde der Sekretär des Papstes getödtet. Man verlangte ein Volks-Ministerium. Pius, der sters in väterlicher Liebe nur das Beste seiner Uuterthanen wollte, gab dem allgemeinen stürmischen Verlangen endlich nach und gewährte, wenn auch schweren Herzens, das gewünschte Ministerium. Man forderte ferner die Auflösung der Schweizer-Garde, der Leibwache des Papstes, und an deren Stelle die Errichtung einer Bürgerwehr. Auch hierin willigte der Papst ein.
Glaubte aber Pius, das Volk werde jetzt zufrieden sein, so war er im Jrrthum. Die Volks- verhetzer setzten ihre Wühlarbeit im Geheimen fort, und nach und nach wurde die Lage des Papstes unerträglich. Für den 27. November war ein allgemeiner Aufstand geplant. Man erfuhr davon. Die Gesandten der katholischen Mächte drängten nun auf die Flucht des Papstes.
Am 21. November wurde Pius ein Geschenk übermittelt, das ihm ein Wink vom Himmel zu sein schien. Es war die Büchse, in der Pius VI. auf dem Wege in die napoleonische Gefangenschaft eine konsekrirte Hostie mit sich geführt hacke. Der Papst begab fich alsbald in seine Hauskapelle und kniete zum Gebete nieder. Als er sich wieder erhob, war sein Entschluß, zu fliehen, gefaßt. Wohin sollte er sich aber wenden? Man rieth ihm die verschiedensten Gegenden an. Pius entschied sich für Gaeta, an der Küste des Tyr-
S. K. Sozialpolitische Aufklärung des Volkes.
Die Wahlen zum^Reichstage sind vorüber, aber die Arbeit an der sozialen Aufklärung des Volkes darf nicht rasten. Es wäre schwer gefehlt, wollte man sich nun bis kurz vor den nächsten Wahlen fünf Jahre lang zur Ruhe begeben, nachdem man vor den Wahlen sich flüchtig dem Volke auf der einen oder andern Versammlung gezeigt oder einige Flugblätter herumgestreut hat. Einsichtige Kenner der Verhältnisse machen immer wieder die Erfahrung, daß man dann beim Appel im letzten Augenblicke fast nur mit den noch ganz treuen Parteianhängern Fühlung gewinnt. An die gleichgültigen, schwankenden oder schon von unserer Fahne Abgeirrten dringt man nicht heran. Diese sind eben nur durch andauernde Agitationsarbeit in Zeitungen und Versammlungen u. s. w., die in der von Wahlen nicht aufgeregten Zei schon einsetzt, zu gewinnen.
Eine unliebsame Erscheinung bei den letzten Reichstagswahlen war die schlechte Wahl- betheiligungin mehreren dem Centrum sicheren, sogenannten gut katholischen Wahlkreisen. Die Wahlenthaltung hat mit dazu beigetragen, daß die Zahl der Stimmen für das Centrum sei der vorigen Wahl nicht gestiegen ist. Sie läßt aber leider auch den Schluß zu, daß in jenen Kreisen eine ziemliche Jntereffenlosigkeit für die großen sozialen Aufgaben unserer Zeit, besonders auf dem Gebiete der berufsgenossenschaftlichen Selbsthilfe durch Innungen, ländliche Vereine und Genossenschaften rc. herrscht, die sehr zu bedauern ist. Hier muß mehr für sozialpolitische Aufklärung, für Agitation und Organisation gesorgt werden.
Auch in manchen Wahlkreisen, in denen das Centrum heute noch kaum Hoffnung hat, in eine Stichwahl zu kommen, aber doch eine ansehnliche Stimmenzahl ausbringen könnte, müssen die Katholiken noch zu reger Betheiligung aufgerüttelt werden. Da die Gegner meistens in verschiedene Richtungen zersplittert sind, könnten die Katholiken bei Aufgebot aller Kräfte sehr oft den Ausschlag geben, duß Dv-n den beiden Kandidaten derjenige, welcher auf sozialem Gebiete uns näher steht, gewählt würde. Derselbe könnte verpflichtet werden, uns gewisse Zugeständnisse zu machen, die indirekt die parlamentarische Thätigkeit des Centrums unterstützen. Aber ehe wir diesen Einfluß gewinnen, muß dort in unseren weiteren Kreisen andauernd aufgeklärt, agitirt und orga- nisirt werden.
Vor Allem aber ist dies überall dort noth- wendig, wo unsere Gegner Jahr für Jahr andauernd an der Arbeit sind und uns die Leute hinter dem Rücken wegzustehlen suchen. Es ist das meist in solchen Gegenden der Fall, wo die Katholiken ihre geistige Nahrung und politische Belehrung nicht aus katholischen Blättern und Zeitungen, sondern in ihrer bekannten „Gut- müthigkeit" aus gegnerischen, liberalen oder konservativen Zeitungen, Kreisblättern und Generalanzeigern schöpfen. Man sollte es nicht glauben, daß es im deutschen Vaterlande heute noch solche Katholiken gibt — und doch es gibt ihrer noch gar viele. Es ist eben schwer, dem deutschen Michel die Zipfelmütze ganz abzuziehen.
An allen diesen Orten ist die politisch* Unwissenheit die größte Feindin des Centrums' Hierzu hat kurz nach den Wahlen „Der Arbeiter" in München beherzigenswerthe Worte gesprochen, die auch in weiteren Kreisen Beachtung verdienen. Die Parteien, die nur von der Verlästerung des Centrums und von windigen Versprechungen künftiger Großthaten leben, insbesondere die Sozialdemokratie, würden ihre Schaaren bald gelichtet sehen, wenn ihre Wähler einmal die Thätigkeit und die Grundsätze dieser Parteien kennen würden. Leider schaut Mancher, der den Beruf hätte, das Volk über die Parteiströmungen der Gegenwart aufzuklären, von seinem Kanapee aus gemächlich zu, wie Bündler und Sozialdemokraten den Leuten den Kopf verdrehen, oder wiegt sich vertrauensselig in dem tröstlichen Gedanken, daß in seine weltfernen Gefilde kein Feind einbrechen werde. Wie die Tochter des Phäaken- fürsten, die schöne Nausikaa, sprechen diese schlafenden Wächter voll fröhlicher Zuversicht:
Wahrlich, der lebt noch nicht, und niemals wird er geboren.
Welcher käm' in das Land phäakischer Männer mit Feindschaft
Unsere Ruhe zu stören; denn sehr geliebt von den Göttern
Wohnen wir abgesondert im wogenrauschenden Meere, An dem Ende der Welt und haben mit keinem Gemeinschaft.
Odyssee 6. Gesang, 101—5.
Die Wahlen haben gezeigt, daß keine Insel und keine Einödie „am Ende der Welt" gegen die bündlerische und sozialdemokratische Stimmenfängerei gefeit ist. Das Volk will sich heute in immer größeren Kreisen am politischen Leben betheiligen und darin liegt ein zu begünstigernder Kulturfortschritt, Man muß darum aber auch dem Bedürfnisse des Volkes entgegenkommen und es unterrichten, wenn es in seiner politischen Unschuld nicht dem Verführer in die Hände fallen soll. Die sozialpolitischen Schriften des „Volksoereins für das katholische Deutschland" leisten dazu vortreffliche Dienste. Sie sind auch das einzige Material für Maffenagitation, welches wir besitzen.
Diese soziale Aufklärungsarbeit darf nicht rasten. Die Wahlen find vorüber, aber die Jrrthümer und Lügen, die von den Centrums- feinden ausgestreut wurden, sind geblieben. Darum werft aufklärende Schriften ins Volk hinaus! In den Städten wie auf dem Lande sollte namentlich der „Volksverein für das katholische Deutschland" eingeführt werden. Wenn der Siegeswagen der Sozialdemokratie am Rhein und in Bayern stecken geblieben ist, wie es die letzten Wahlen gezeigt haben, so ist das sicher auch dem Volksverein zu verdanken, der durch seine gediegenen sozialpolitischen Flugblätter mächtig zur Aufklärung des Volkes beigetragen hat, der sich deshalb auch des wohlverdienten Haffes von Seiten der Sozialdemokratie und ihrer Helfershelfer erfreut.
Aus der Ernte schöpft der Landmann die Lust zu neuer Saat. Auch die Wahlurne muß uns zu neuer Arbeit anfeuern. Wo aber eine Mißernte gemacht wurde, — und man hat im Lande der phäakischen Männer wirklich schlecht geerntet — dort hat man noch mehr Ursache, endlich einmal zum Pfluge zu greifen. Sammelt dort nur die Anhänger des Centrums, ihr werdet sehen, wie sie sich unter eurer Hand vermehren!
rhenischen Meeres, im damaligen Königreich Neapel. Von hier wollte er nach Barcelona übersetzen und in Spanien seinen Aufenthalt nehmen. Als Tag der Flucht wurde der 24. November bestimmt.
Nur die allernächste Umgebung wurde von dem Plan unterrichtet. Das nöthigste Gepäck schaffte der Maggiordomo zu dem bayerischen Gesandten, Grafen Spaur, der seiner Gemahlin insgeheim mittheilte, um was es sich handle. Die Gräfin fuhr dann schon im Voraus ab.
Das neue Ministerium meldete sich beim Papste zur Antrittsaudienz. Es wurde in der dem hl. Vater eigenen liebenswürdigen Weise empfangen.
Am 24. November fuhr nach Vereinbarung der französische Gesandte beim Quirinal zur Audienz vor. Er wurde nach den päpstlichen Privatgemächern beschieden. Hier nahm er eine Anzahl Zeitungen, die er mitgebracht hatte, zur Hand und fing nun an, um die Wachen zu täuschen, laut daraus zu lesen. Unterdessen kleidete sich der Papst um und machte sich, so gut es ging, unkenntlich. Damit jedes Aufsehen vermieden würde, war bestimmt worden, daß die gewöhnliche Tagesordnung des Papstes genau innegehalten werden solle.
Durch eine seit langer Zeit verschlossen gewesene Thür sollte die Flucht erfolgen. Nur mit größter Mühe gelang es, die Thür zu öffnen. Pius bestieg den bereit stehenden Wagen. Ein Diener erkannte den Papst und fiel auf die Kniee, um den päpstlichen Segen zu empfangen. Man gab ihm ein Zeichen, und schnell erhob er sich. Kein Uneingeweihter hatte den Vorfall bemerkt. Der I
Wagen nahm den Weg nach dem Kolosseum. Mit dem Papste fuhr der Maggiordomo. Am Kolosseum bestieg Pius den Wagen des Grafen Spaur. Am Stadtthor wurde der Wagen angerufen. Auf die Antwort, es sei der des bayerischen Gesandten, konnte man passiren. In Albano erwartete die Flüchtlinge die Gräfin Spaur.
In Rom las inzwischen der französische Ge- ändte unausgesetzt laut aus seinen Zeitungen. Als er annehmen konnte, daß der Papst bereits weit genug weg sei, stellte er das Lesen ein und verließ den Quirinal. Nach dem Gesandten kam ein Prälat mit einem großen Aktenstoß zum Vortrag. Dann folgte der Sekretär, um mit dem Papst Brevier zu beten. Man trug das Abendessen auf. Die Schüssein wurden leer herausgetragen.
Auf der weiteren Flucht traf inzwischen der Papst mit einigen Gensdarmen zusammen. Der Papst hatte eben den Wagen verlassen. Er wurde nicht erkannt. Als er dann den Wagen zurFort- etzung seiner Flucht wieder besteigen wollte, öffneten ihm die Gensdarmen höflichst die Wagen- hür und wünschten gute Reise. Bei diesem Zu- ämmentreffen hätte die Gräfin Spaur fast die Geistesgegenwart verloren, doch faßte sie sich schnell wieder und redete den Papst mit Herr Doktor an.
Im Quirinal hatte unterdessen ein nicht ein« geweihter Prälat bemerkt, daß die stets geschlossene Thür, durch die Pius entronnen war, offen stand und gerielh darüber in die größte Bestürzung. Da kam zum Glück ein Bruder des Papstes hinzu, der den Prälaten am Arme faßte, ihn aufklärte und so Schlimmes verhütete.