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k»e Inserates.parzeller in Kilda. mit Itnlerhattungs-Meikage „Mustrirte Sonntags-Zeilungi'
JuLöcr, SauMkg, den 3. Dezember 1898.
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25. Jahrgang.
* Die neue Heeres-Borla-^e
soll nach der Angabe eines parlamentarischen Berichterstatters an dauernden Ausgaben ein jährliches Mehr von etwa 28 Millionen Mark verursachen, wovon auf Preußen etwa 20, auf Sachsen rund 4, Bayern 3 Millionen und Württemberg ungefähr */< Million entfallen würden. Außerdem aber sollen rund 133 Millionen Mark im Ganzen für einmalige Ausgaben verlangt werden, und davon soll für das nächste Elats- jahr zunächst etwa ein Drittel zum Ansätze gelangen. Wenn diese Meldung richtig sein sollte, dann würden die neuen Forderungen für das Kriegsheer nicht unbeträchtlich über die gehegten Erwartungen hinausgehen, und auch die Berechnungen des Abg. Eugen Richter in der freisinnigen Zeitung' würden hinter den wirklichen Forderungen nicht unerheblich zurückbleiben. Alsdann darf man auch auf recht lebhafte Debatten im Reichstage über die Hceresvorlage gefaßt sein.
Ein irgendwie bestimmtes Urtheil über diese letztere ist vorläufig noch immer nicht möglich. Und selbst wenn man die soeben angeführten .Zahlen ziemlich hoch findet, so kann man ihre Bedeutung doch nicht eher beurtheilen, als bis man ganz genau weiß, wofür so hohe Summen gefordert werden, und wie diese Forderungen von den verbündeten Regierungen begründet sind.
Merkwürdig genug nimmt sich der Gegensatz aus zwischen den Betheuerungen des Beifalls für die Abrüstungs-Vorschläge des Zaren und der gesetzgeberischen Wirklichkeit in Deutschland, die von allen Abrüstungs-Plänen so weit wie möglich entfernt ist. Unter solchen Umständen wird der Zar in der Abrüstungs-Konferenz einen harten Stand haben, wenn er seine Absicht ausführen und als ersten und vornehmsten Programmpunkt für besagte Konferenz die Verpflichtung der Mächte in Vorschlag bringt, ihre Rüstungen nicht zu vermehren, sondern „höchstens" in gutem Zustande zu erhalten.
Was die neue Heeresvorlage über die zweijährige Dienstzeit in Vorschlag bringen wird, ist noch immer unbekannt.
Deutsches Deich.
Berlin, 2. Dezember.
x In der St. Hedwigskirche fand am heutigen Freitag zur Jubelfeier des Kaisers Irauz Joseph Festgottesdienst statt. Der gesammte Hof versammelte sich in der Hedwigskirche, die höchsten Beamten des Reiches und des Staates, die Vertreter der fremden Mächte, und Punkt ■11 Uhr erschien das kaiserlichePaar mit großem ^Gefolge, um ebenfalls an dem Festgottesdienste theilzunehmen, am Hauptportal der Kirche empfangen vom österreichischen Botschafter und seiner Gattin. Das feierliche Hochamt celebrirte der fürstbischöfliche Delegat, Ehrendomherr Propst Neuber.
Lieutenant Kovelaee.
Von L. von Neidegg.
3 ------- (Nachdruck verboten.)
Der Sohn faßte die Standrede denn auch nicht schlimm auf; es war nicht der Ton eines Reuigen, in dem er sich zu rechtfertigen suchte, sondern mehr die Stimme eines verzogenen schmollenden Kindes. „NachdeMDu mich in ein feines Regiment gethan," bemerkte er nicht ohne Empfindlichkeit, „konntest Du nicht erwarten, daß ich die Gewohnheiten eines Asceten mir in demselben aneignen würde. Wie ein armer Schlucker unter Reichen leben, das bringe ich nicht fertig. Uebrigens bin ich weit besser wie manche andere: weder trinke, noch_ spiele ich, noch habe ich andere kostspielige Passionen. Du könntest, nicht leicht einen billigeren Sohn haben, Papa."
Daß diese negativen Vorzüge in den Augen der Ettern eben so viele Tugenden waren, das sagte ihm der liebende Blick der Mutter, das mühsam unterdrückte Lächeln des Vaters.
„Pharisäer/'brummte dieser und polterte weiter: „Großartig! Was mir als junger Ehemann wie Reichthum dünkte, reicht für den gnädigen Herrn Sohn entfernt nicht aus! Und so einer will hei- rathen!"
„Bewahre Papa; Ihr seid es, die mich ver- herrathen wollet, namentlich Mama. Mw ist sehr wohlan meiner jetzigen Lage."
„Freilich möchte ich dich verheirathet sehen," wagte die Mutter schüchtern zu bemerken. „Ich hoffe, du könntest dann genügsamer in Deinen Ansprüchen, häuslicher werden/und..."
X Der Ausfall des österreichischen Ministerpräsidenten Grafe« GH«« gegen die deutsche Regierung findet in halbamtlichen Berliner Preßäußerungen eine sehr ruhige Beurtheiluna. Und in der That konnte man sehr bald aus allen Anzeichen ersehen, daß Graf Thun im österreichischen Abgeordnetenhause sprach, ohne daß er sich vorher mit seinen Ministerkollegen über die Sache berathen hatte. Der österreichische Minister des Aeußern namentlich, GrafGoluchowski, hat in der Preffe andeuten lassen, daß er an der Stellungnahme des Grafen Thun nicht belheiligt sei. An eine ernstliche Erschütterung des Bundesverhältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich war also von vorn herein nicht zu glauben. Immerhin denken in Oesterreich zweifelsohne sehr viele Leute über die Ausweisungen österreichischer Untertanen aus Deutschland genau ebenso wie Graf Thun; und für die deutsche Politik wird es sich sicherlich empfehlen, mit solchen Maßregeln so vorsichtig wie möglich umzusp»tagen. Daß das Verhalten des Grafen Thun gegen den diplomatischen Brauch verstößt, wird in offiziösen Berliner Auslassungen bestätigt: „wenn Graf Thun — so wird dem ,Harnb. Korr.' aus Berlin geschrieben — die Eventualität vorsieht, daß die österreichische Regierung zu Gegen- maßregeln schreiten müßte, so steht die Ankündigung im Parlament ohne eine vorhergehende vertrauliche Benachrichtigung des Berliner Auswärtigen Amtes im Widerspruch mit dem diplomatischen Gebrauche."
h Die Keutrumsfrakliou des ILeichs- lages wird sich zum erstenmal am Dienstag 6. Dezember, abends 7*/2 Uhr im Fraktionszimmer des Reichstages versammeln. Als erster Berathungs- Gegenstand wird, wie sich von selbst versteht, die Präsidenten-Wahl auf der Tagesordnung stehen. Am Tage danach, am 7. Dezember, muß ja die Konstituirung des neuen Reichstages und damit auch die Wahl des Präsidiums erfolgen.
0 Halbamtlicher Mittheilung zufolge sind die Maßnahme» gegen die anarchistische Gefahr, die zwischen den deutschen Bundesregierungen, wie berichtet, gemeinsam und einheitlich getroffen wurden, bereits mit diesem 1. Dezember in Kraft treten.
x Die Errichtung von Aröeiterkamutern oder Arbeitskammern ist von Sozialpolitikern des Centrums schon mehr als einmal empfohlen worden. In diesem Jahre ist die Frage der Errichtung von Arbeitskammern ausführlich in der Generalversammlung besprochen worden, die der Verein katholischer Industrieller und Arbeiterfreunde am 13. Oktober in Straßburg abgehalten hat. Damals ist an dieser Stelle ausführlich darüber berichtet worden: Die Herren Fabrikbesitzer Brandts-M.-Gladbach und Abg. Prof. Hitze hatten in jener Versammlung die leitenden Referate und fanden allgemeine Zustimmung für dieselben. Jetzt erklärt, etwas verspätet, die konservative ,Kreuz-Zeitung', „dieser Gedanke sei ein durchaus konservativer". „Die konservative Partei — so meint das genannte Blatt — vertritt schon seit langen Jahren die Forderung einer Organisation der Berufsstände mit Einschluß der Arbeiter und Angestellten." Der Plan, Arbeitskammern nach dem Vorschläge
„Weht daher der Wind!" tief der Sohn, aufstehend. „Wenn selbst mein Mamachen sich gegen mich kehrt und mir böse wird, dann entfliehe ich. Ohnehin ist es höchste Zeit zu Horn- bergs hinüber zu reiten zur Lawntennis-Partie. Ich mußte es dem Oberförster versprechen, es ist Besuch bei ihm eingetroffen; weiblicher Besuch. Auf seine blonde Tochter bin ich also nicht ausschließlich angewiesen; das wird Dich wesentlich beruhigen, Nicht, Mama?"
Die Mutter bejahte. Für sie stand es fest, daß alle weiblichen Herzen durch Ludwig's Zauber bestrickt würden.
„Du bleibst doch nicht zum Thee dort?" fragte sie bittend.
„Gewiß nicht; sei unbesorgt," tröstete er herab- lasfend. „Mit Dunkelwerden kehre ich heim. Ich könnte ja allenfalls absagen lassen, im Grunde ist es aber klüger, ich mache mich hier ein wenig rar; nicht wahr, Mamachen?"
Er tauschte einen verst."ndnißinmgen Blick mit der Mutter aus. küßte ihr die Hand, nickte dem Vater zu, und fort war er.
Die bewundernden Blicke der alten Leute sollten ihm; für ihre blinde Liebe war er thatsächlich derjenige, wofür er sich ausgab und selber hielt.
„Man kann dem Kerl nicht böse sein," sagte der Vater. „Was aber war der Sinn seiner letzten Andeutung?"
Die Mutter beeilte sich weitläufig auseinander zu setzen, wie sie fürchte, daß Johanna dem Vetter ihr thörichtes Herz geschenkt habe.
Sie war etwas verstimmt über die Aufnahme, die ihre Mittheilung fand. Statt sich über die Vermessenheit zu ereifern, mit welcher Johanna
der Herren Brandts und Professor Hitze zu errichten, „verdiene darum volle Sympathie in allen konservativen Kreisen". Mit Worten der Sympathie für die Sozialreform sind die Konservativen gewöhnlich sehr schnell bei der Hand, weniger schnell aber mit Thaten. Wäre das nicht so, dann würden wir wahrscheinlich schon weiter gekommen sein auf dem Wege der Sozialreformen. Aber in sehr vielen Fällen sind gerade die Konservativen der Hemmschuh gewesen durch ihre Furcht vor ganzer Arbeit. Auch hier kommt der Ausdruck „Arbeiter-Kammern" der ,Kreuzztg.' verdächtig und sozialdemokratisch anrüchig vor, und sie bringt deshalb die Bezeichnung „Industrie-Kammern" in Vorschlag. Auf die Bezeichnung kommt es wenig an. Die Hauptsache ist die reitende That!
0 Im Oberbergamts - Bezirke Dortmund geht das Oberbergamt mit einer De.ordunng gegen die AuHäufmrg fremdsprachlicher Ar- öeiler vor. Fremdsprachliche Arbeiter dürfen danach in Bergwerken und deren Nebenanlagen nur dann beschäftigt werden, wenn sie genügend deutsch verstehen, um mündlich Anweisungen ihres Vorgesetzten und Mittheilungen ihrer Mitarbeiter richtig aufzufassen. Als Aufseher und in ähnlichen verantwortlichen Stellungen dürfen sie nur dann Verwendung finden, wenn sie der deutschen Sprache so weit mächtig find, daß sie dieselbe fertig sprechen und in Schrift und Druck fertig lesen können. — Diese Verordnung richtet sich natürlich gegen den Massenzuzug von polnischen Arbeitern, und man kann einmal ausnahmsweise nichts dagegen haben, daß die Behörde hier einschreitet. Denn das ist klar, daß der gefährliche Dienst im Bergbau und in feinen Nebenbetrieben nur bann ordnungsgemäß gehandhabt werden kann, wenn alle Arbeiter und alle Leute, die dabei beschäftigt find, die ihnen er= theilten Befehle richtig verstehen. Sonst können große Unglücksfälle in Folge des Gegen- theiles kaum ausbleiben.
© Wenig erfreulich klingt eine Notiz der mittelparteilichen Berliner .Neuesten Nachrichten', Danach wäre, wenn das genannte Blatt recht be> richtet, eine „Rückwärts-Revidirung" des Gesetzes über die Sonnlagsruye im Werke. Es sollen nämlich von den einzelnen Bundesregierungen Erhebungen über die Wirkungen der Sonntagsruhe veranlaßt worden sein, und das gesammelte Material soll dem Reichsamte des Innern als Grundlage dienen „für etwaige Abänderungen des Gesetzes." Es wäre sehr zu bedauern, wenn Nachricht und Deutung derselben zuträfen.
4- Am 22. Januar d. I. hatte der Reichstag eine Resolution angenommen, in der der Reichskanzler ersucht wird, eine eingehende Berichterstattung über die Meschäfiignrrg veryeiraltzeter Iraue« in Iaörike« in den nächsten Jahresberichten der Gewerbe- Aufsichtsbeamten zu veranlassen. Es sollen ln den Berichten Umfang, Gründe und Gefahren der Beschäftigung, Möglichkeit, Zweckmäßigkeit und Wege der Beschränkung ins Auge gefaßt werden. Entsprechend dieser Resolution ist nunmehr den Fabrik- und Gewerbe-Inspektoren für ihre nächste Berichterstattung die Beschäftigung verheiratheter Frauen in Fabriken und die zweckmäßigste Art der Be-
sich ein so hohes Ziel gesteckt, begnügte sich ihr Mann bedauernd zu äußern: „Ja, wenn die Verwandtschaft nicht wäre!"
Diese war gerade dasjenige, worüber die Baronin sich am ehesten hinweggesetzt hätte. Daß aber ihr Sohn berechtigt wäre, ganz andere Ansprüche zu erheben, daran hielt sie fest. „Die niedliche, aber mittellose Kousine ist durchaus keine Parthie für ihn," erklärte sie kurzweg; „um so mehr als," hier rümpfte sie gewaltig die Nase, „als gar so viel Mißheirathen in der Willmers- schen Familie vorgekommen sind. Mit diesen Leuten wollen wir uns weiter nicht einlassen."
Damit hatte sie ihr Steckenpferd bestiegen und taumelte es eine Zeit lang weidlich herum. Einer sehr vornehmen Familie entsprossen, hatte sie in ihrer glücklichen Ehe es doch nie ganz vermeiden können, von ihrem Range herabgestiegen zu sein. Es war ihr Dichten und Trachten, daß durch eine glänzende Heirath ihr Sohn den Hohenbruck'schen Glanz erhöhe.
Ihr Mann, vertraut mit ihrer Art, ließ sie ruhig weiter reden. Aus ihren Worten hatte er heraus gehört, daß das Mädchen dem Sohne gleichgiltig fei; damit war für ihn die Sache ab- gethan, und jedes weitere Wort verschwendet. Wie man immer wieder offene Thüren einftofjen, über längst Abgemachtes sich ereifern könne, hatte er nie begriffen; vermuthlich war dies fo Weiber- Art. Wie schon so oft in den langen Jahren feiner Ehe, fügte er sich aus diesmal schweigend in das Unvermeidliche.
2.
Die kleine Hausgenoffenschaft hatte sich in heiterer Stimmung beim Abendessen zusammen
schränkung dieser Arbeit als Aufgabe gestellt worden. Während der letzten Jahre ist zwar regelmäßig Statistik davon gemacht worden, wie viele weibliche Arbeiter überhaupt in Fabriken u.f.w. thätig sind, aber feit 1890 ist nicht mehr ermittelt worden wie viele davon verheirathet und wie viele unverheirathet sind. Damals zählte man 130,079 verheirathete Frauen in Fabriken; aber sicherlich ist die Zahl derselben seitdem ganz bedeutend gestiegen. Die Zahl der weiblichen Fabrikarbeiter überhaupt wuchs allein von 1894 bis zu 1896 von 383,094 auf, 429,313. Annähernd wird auch die Menge der in Fabriken beschäftigten Frauen angewachsen sein.
X Auf einem Irrthum beruht der offiziösen ,Nordd. Allg. Ztg.' zufolge die in verschiedenen Zeitungen enthaltene Mittheilung, daß die Reichsregierung beabsichtige, für eine Sarnmel- ausstellung des deutschen Weinbaues in der Pariser Weltausstellung einen Zuschuß von 50,000 Mark zu leisten. Vielmehr sollen nur unentgeltlich geeignete Räume zur Verfügung gestellt werden.
* Ka««over, 2. Dez. Die gestern erfolgte Verhaftung von sechs Anarchisten gibt zu mancherlei Verrnuthungen Anlaß. Die Annahme, daß ein Plan gegen den Kaiser vorliege, der nächstens nach Hannover und zur Jagd nach Springe kommen wollte, stützt sich darauf, daß die verhafteten Anarchisten erst jüngst aus Berlin und Hamburg zugereist sind. Äa zuständiger Stelle konnte keine Aufklärung erlangt werden.
* Karlsruhe, 2. Dez. Der badische Landtag wird am 5. Dezember zu einer kurzen Tagung zusammentreten. Die Regierung ist damit dem Wunsche des Justizausschuffes der Zweiten Kammer entgegengekommen.
Ausland.
* Wie», 2. Dez. Sämmtliche Zeitungen bringen heute ge ft ar titel. Der offiziellen,Wiener Ztg.' liegt ein künstlerisch ausgestattetes Jubiläumsblatt bei mit einem Festartikel, in welchem es heißt, der Kaiser habe mit tiefem.sittlichen Ernste, klarem ungetrübtem Blicke und begeisterter Energie durch ein halbes Jahrhundert die Zügel der Regierung geführt, fein thatenreiches Leben, seine reichen Geistes- und Herzensgaben stets in den Dienst der Wohlfahrt aller Völker gestellt; er fei ein Wohlthäter des Reiches, ein Förderer jeglichen Aufschwunges, ein Tröster der Armen und Kranken gewesen. Gestützt auf die achtunggebietende, einen neben den gewaltigsten Heerwesen Europas gleich- werthigen Machtfaktor darstellende Wehrkraft und zugleich auf das ausschließlich friedlichen Zielen dienende Bündniß mit den beiden Nachbarstaaten in Nord und Süd, — das als eine der größten Schöpfungen der thatenreichen Regierung des Kaisers gelten müsse, — vermochte der Monarch seinen Völkern die Wohlthaten des Friedens seit zwei Jahrzehnten ungefährdet zu erhalten. Das Blatt gebettet des Aufschwunges der Monarchie, des Wetteifers der Bevölkerung und der Armee in inniger huldigender Verehrung für den Kaiser und schließt: „Der Zwist der politischen Parteien, schweigt; der Hader Oer nationalen und sozialen Gegensätze ist geschwunden vor der einigenden
gefunden. Für die Eltern war ja die bloße Gegenwart des Sohnes hinreichend, um ihre Laune zu verklären, und Johanna besaß Frohsinn genug, um jede Unterhaltung zu beleben. Aber auch der Lieutenant gab sich Mühe, auf feine Weise sich liebenswürdig zu zeigen. Daß er viel, sehr viel sprach und unausgesetzt bemüht war, seine werthe Person herauszustreichen, ließ sich nicht leugnen; immerhin blieb es anerkennenswerth, daß er nicht der ziemlich verbreiteten Ansicht huldigte: für den Hausgebrauch fei jedes Sich-gehen-lassen ganz statthaft, dürfe man jede übele Laune zeigen.
Das Gespräch hatte die verschiedensten Gegenstände gestreift, Ludwig hatte mit Johanna sich gestritten und sich wieder versöhnt, und die mißtrauisch gewordene Mutter hatte besorgt die Scharmützel verfolgt, des Sprüchwortes eingedenk: was sich liebt, das neckt sich. Der fchweigfame Hausherr mischte sich nur selten in die Unterhaltung; erst als die Rede auf Oberförster von Homberg kam, fragte er den Sohn, ob er dort nicht etwa von Rittmeister Falkenhagen gehört.
„O freilich, überaus viel sogar. Herr von Homberg hatte einen Brief von ihm bekommen. Du weißt, er treibt förmlich Kultus mit dem Manne. Gewiß bestimmt er ihn der Tochter; die hat aber anderes im Sinn."
„Das spricht für ihren Geschmack," orakelte die Baronin.
Ihr Mann lachte: „Kannst nicht vergessen daß er Ludwig manchen Rüssel ertheul Hal. Ich vergesse ihm nicht, daß er mich davor rettete, meine Ersparnisse einem gewissenlosen 3 an guter anzuoertrauen."
„Der jedenfalls zu seiner Sippschaft gehört,"