FuldaerMZeitung
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mit Anterhattungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung" petersgaS« Nr. a Cfcarmonte).
JIS. 275,
JuLöcr, Freitag, den 2. Dezember 1898.
25. Jahrgang.
& Zum Jubiläum des Kaisers von Oesterreich.
Kaiser Franz Joseph I. von Oesterreich begeht heute den Tag seiner 50jährigen Thronbesteigung. Großartige Festlichkeiten hatte man Anfangs für diesen Tag in Aussicht genommen, aber durch den schweren Schlag, der vor einigen Wochen das Kaiserhaus getroffen hat, sind alle diese Feste zu Nichte geworden. Mit freudiger Begeisterung zwar, aber ohne lauten Jubel feiert das österreichische Volk heute das goldene Regierungsjubiläum seines allverehrten Kaisers, und wir Deutschen nehmen an dem Ehrentag des uns verbündeten Nachbarvolkes innigen Antheil.
Kaiser Franz Joseph wurde geboren am 18. August 1830 zu Wien als der älteste Sohn des Erzherzogs Franz Karl, welcher der zweite
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Kaiser Franz Joseph I. von Oesterreich.
Sohn des Kaisers Franz II. war. Am 1. Dezember 1848 wurde Franz Joseph für großjährig erklärt und am folgenden Tage trat er nach der Abdankung seines Oheims Ferdinand I. die Regierung an, da sein Väter auf die Thronfolge Verzicht leistete. Am 24; April 1854 vermählte sich Kaiser Franz Joseph mit der Prinzessin Elisabeth, Tochter des Herzogs Max von Bayern.
Welcher Beliebtheit sich Kaiser Franz Joseph bei seinen Landeskindern erfreut, das zeigte sich bei den Regierungs-Jubiläen 1873 und 1888. Davon legte aber auch die Antheilnahme Zeugniß ab anläßlich des Todes des Kronprinzen Rudolf, der am 31. Januar 1889 Hand an sich selbst legte. Vielmehr noch als bei diesen Anlässen zeigten sich die Antheilnahme und die Beliebtheit, deren sich der greise Monarch bei seinem Volke erfreut, als jüngst eines der schauderhaftesten Verbrechen vollführt ward, welche die Weltgeschichte kennt, bei der Ermordung der Kaiserin an den Ufern des Genfer Sees. Diese Schand- that und nicht minder die im Innern des Landes entbrannten Rassenkämpfe werfen Schatten auf den Jahrestag der Thronbesteigung.
Mit bewunderungswürdiger Geduld hat Kaiser Franz Joseph die schwersten Schicksalsschläge ertragen. Unerschütterliches Gottvertrauen und Pflichtbewußtsein halten ihn aufrecht. Von seiner frommgläubigen Gesinnung gibt auch das Antwortschreiben Zeugniß, welches er an Se. Eminenz Kardinal Schönborn, Erzbischof von Prag, aus Anlaß des gemeinsamen Hirtenbriefes der österreichischen Bischöfe gerichtet hat. Das Schreiben lautet:
Lieber Kardinal Graf Schönborn! In dem Hirtenbriefe des österreichischen Episkopates anläßlich des fünfzigjährigen Gedenktages Meiner Thronbesteigung erblicke Ich mit inniger Rührung einen neuerlichen Beweis stets bewährter hingebungsvoller Ergebenheit an Meine Person und treuer Vaterlandsliebe. Vermag Ich auch den Tag, welchen die Liebe Meiner Völker zu einem Freudenfeste gestalten wollte, angesichts des unersetzlichen Verlustes, den Ich erlitt, nur in stiller Trauer zu begehen, so kann sich doch mein Herz dem Gefühle der aufrichtigsten Befriedigung über eine so loyale, von echtem Gottvertrauen durchdrungene Kundgebung nicht verschließen. Indem Ich Eurer Eminenz und den mitunterzeichneten Kirchenfürsten auf das Wärmste für dieselbe danke, vereinigen sich Meine Gebete mit jenen der frommen Gläubigen in dem innigen Wunsche, daß der Segen des Allmächtigen stets auf dem Reiche ruhen möge, beffen Leitung seine Gnade Mir an- vertraut hat.
Gödöllö, 18. November 1898.
Franz Josef w. p.
Von den Kindern des Kaisers leben nur noch zwei Töchter: Erzherzogin Gisela, die Gemahlin des Prinzen Leopold von Bayern, und Erzherzogin Maria Valerie, die Gemahlin des Erzherzogs Franz Salvator. In der Familie dieser letzteren auf Schloß Wallsee begeht der Kaiser das heutige Fest in stiller Zurückgezogenheit. In Folge beffen hat man in der Hauptstadt Wien von jeder Veranst ltung Abstand genommen. Die ,Wiener Zeitung' veröffentlicht ein Handschreiben des Kaisers an den Justizminister, in welchem er anläßlich seines Regierungs-Jubiläums volleAmnestiesürVerbrechen betreffend Majestätsbeleidigungen und Beleidigungen von Mitgliedern des königlichen Hauses, welche bis zum 2. Dezember begangen sind, gewähre, und für noch 548 weitere Verbrechen den Rest der Strafe erläßt.
Deutsches Deich.
Berlin, 1. Dezember.
0 Das kaiserliche Saar ist heute in feierlichem Einzüge durch das Brandenburger Thor in seine Hauptstadt Berlin zurückgekehrt. Die alte Feststraße „Unter den Linden" prangte in herrlichem Flaggenschmucke, und eine froh bewegte, dichtgedrängte Menge fluthete schon von früher Stunde an trotz des wenig anheimelnden Wetters durch die Straßen. Am alt- berühmten Brandenburger Thore wurden der Kaiser und die Kaiserin durch eine Abordnung der Stadt Berlin begrüßt, geführt durch den Bürgermeister Kirschner. Nachdem dieser letztere seine Ansprache beendet hatte, reichte ihm der Kaiser die Hand und antwortete ihm in einer längeren Erwiderung. „Von meiner Reise — so sagte darin der Kaiser — hoffe ich, daß sie beitragen wird, deutscher Tha: kraft und Umsicht neue Absatzgebiete zu verschaffen und
Kieutenanl Kovelare.
Bon L. von Neidegg.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Sie gehörte zu jenen Frauen, die wirklich rege Theilnahme nur für die nächsten Angehörigen übrig haben. Für den Mann, die verheiratheten Töchter, vor allem für den Sohn hatte sie eine wahrhaft fanatische Liebe. Anders stand es mit Johanna, der Großnichte ihres Mannes, welche das der Einsamkeit abholde Paar für Wochen bei sich zu halten pflegte; für diese waren ihre Gefühle keineswegs warmer Natur. Zu beschränkt, um das begabte Mädchen zu verstehen, zu gleich- giltig, um sich die Mühe zu geben, überhaupt deren Charakter zu studiren, war es ihr nicht gegeben, derselben immer gerecht zu werden. Wäre es je zu ernsten Streitigkeiten gekommen zwischen Sohn und Nichte, so würde letztere von vornherein den Kürzeren gezogen haben.
Sie athmete denn auch erleichtert auf, als sie erfuhr, es habe sich wieder nur um eine kleine Meinungsverschiedenheit gehandelt, und setzte sich mit wiedergewonnenem Gleichmuth an den Tisch, auf welchen der Diener ein mit Obst und Backwerk beladenes Präsentirbrett gestellt hatte. Wacker sprach sie den Erfrischungen zu und traf sorgfältigste Auswahl unter den Leckerbissen. Dabei plauderte sie unaufhörlich und bemerkte nebenher, daß Johanna ihr seit dem vorigen Jahre etwas verändert scheine; sie Hobe von dem Gleichmuth, der sie damals ausgezeichnet, eingebüßt.
„Hm, hm, ja," stimmte Ludwig bei und drehte
an seinem Schnurrbart. „Kommt bei jungen Mädchen häufig vor."
„Wie meinst Du das, Sulu?" fragte die Mutter, die zarte Anspielungen nicht leicht zu erfassen vermochte.
„Gutes Mamachen, das hast Du doch hundertmal erlebt: junge Mädchen werden eigenthümlich gelaunt, wenn ihr Herz erwacht."
„An diese Möglichkeit habe ich noch gar nicht gedacht," erwiderte die Baronin erschrocken. Johanna war in ihren Augen noch immer ein Kind. „Aber so was ist nicht unmöglich. Was bringt Dich aber nur auf den Gedanken? Weißt Du etwas?"
„Ich beobachtete verdächtige Anzeichen: Reizbarkeit, Errö'hen ohne jedweden Grund, ungleiche Stimmung."
„Das arme Kind hat keinen Groschen!" tief Frau von Hohenbruck und hielt in ihrer Erregung mit Effen inne. „Die findet so leicht keinen Mann! Gewiß krankt sie an einer unglücklichen Liebe! Hast Du denn eine Ahnung, wer der Gegenstand fein kann?"
Ludwig antwortete nur mit einem Lächeln, von einem bedeutsamen Blick begleitet, der wohlgefällig die eigene Person streifte. Diesmal hatte die Mutter verstanden, und das Stück Kuchen, das sie noch hielt, entglitt ihrer erschrockenen Hand. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen; sie begriff nicht, wie sie hatte übersehen können, daß nalurnothwendig die Nichte dieser Gefahr unterliegen müffe.
„Ach!" stöhnte sie auf. „Und Du?"
„Ich, Mamachen? Ich finde die kleine Kousine niedlich, weiter nichts. Junge Mädchen
den Frieden zu befestigen." Und an anderer Stelle seiner Rede sagte der Kaiser: „Ich darf es wohl aussprechen, daß ich den deutschen Namen überall, wohin wir kamen, in allen Ländern und Städten geehrt und geachtet gefunden habe, wie wohl kaum zuvor." Nach beendeter Rede reichte der Kaiser dem Bürgermeister nochmals die Hand.
ft Im,Reichsanzeiger' findet sich die nachfolgende Kundgebung zum Aegierimgs I«vi- rättm des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich: „Se. Maj. der Kaiser gedenken mit den verbündeten Regierungen und dem deutschen Volke in innigster Antheilnahme des Tages, an welchem unser erlauchter Bundesgenosse Kaiser Franz Joseph vor fünfzig Jahren den Thron der habsburgischen Monarchie bestiegen hat. Möge die Vorsehung das theuere Leben des edeln Herrschers noch lange Jahre erhalten zum Segen Oesterreich-Ungarns und zum Heil des europäischen Friedens!" Niemals und bei keiner Gelegenheit kann eine amtliche Kundgebung mehr und in höherem Grade den allgemeinen Gefühlen des deutschen Volkes entsprechen als eben diesmal.
x Die Gerüchte, Herr v. K«ca««s werde demnächst von seinem Posten als Chef des kaiserlichen Civilkabinets zurücktreten, scheinen sich nicht bewahrheiten zu wollen. In mehreren Zeitungen wird übereinstimmend berichtet, es sei an den Rücktritt des Herrn v. Lucanus nicht zu denken. In sonderbarer Weise bringt dies die ,Deutsche Tageszeitung' zum Ausdrucke, indem sie schreibt: an den Rücktritt des Herrn v. Lucanus glaube sie nicht, wie „man an jeder überraschenden freudigen Nachricht zu zweifeln pflege." Nach einer vereinzelten Meldung, nämlich im ,Berl. Lok. Anz.', soll angeblich jenes Gerücht und feine Aussprengung auf einer Jntrigue beruhen, nicht etwa gegen Herrn v. Lucanus, sondern gegen denjenigen Mann, der als sein vermuthlicher Nachfolger bezeichnet wurde; dieser Herr sollte dadurch „diskreditirt" werden. Das klingt sehr unwahrscheinlich. Immerhin ist das ganz? Gerücht außerordentlich zweifelhaft, obwobl beispielsweise das ,Kleine Journal' noch fortgesetzt ganz bestimmt daran festhält, daß Herr v. Lucanus demnächst von seinem Amte zurücktreten werde. Herr v. Lucanus hat in der That ein sehr hohes Alter erreicht, 68 Jahre, und in eingeweihten Kreisen soll es nach dieser Quelle schon seit Jahren bekannt sein, daß Herr v. Lucanus seine Stellung mit einem minder anstrengenden Amte vertauschen möchte". Die ganze Sache gleicht also vorläufig einem großem Fragezeichen.
-j- Bei den angekündigten Aufbesserungen von Ankünften der Beamten handelt es sich zunächst um die Unterbeamten bei der Reichspostund Telegraphen-Verwaltun g. Nach dem Etats- Vorschlage für 1899 soll das Endgehalt der Landbriefträger, entsprechend einer Resolution des Reichstages, von 900 auf 1000 Mark und die Anfangs-Bezüge der Postschaffner von 800 auf 900 Mark erhöht werden. In mehreren anderen Verwaltungen sollen die Gehälter statt 700—900 nachher 700—1000 Mark betragen und statt der mit 800 Mark beginnen« den Unterbeamtm-Gehälter überall mit 900 Mark beginnenden Stufenfolgen eingeführt werden.
fangen gar so leicht Feuer. Unsereins ist aus widerstandsfähigerem Stoffe geschaffen."
Frau von Hohenbruck nahm ihren Kuchen wiederauf. „Golt sei Dank!" sagte sie erleichtert. „Dein Vater mißbilligt entschieden Ehen unter Verwandten, außerdem sprechen noch andere Gründe gegen Johanna . . . Aber das arme Ding," fuhr sie fort, mitleidig geworden, seit sie die Nichte als ungefährlich erkannt; „das arme thörichte Ding! Ich sollte sie wohl gleich nach Hause schicken, wäre es mir nur nicht so furchtbar unbequem. Neffe Willmers mit seinem Rudel Kinder ist auch froh, wenn er eines eine Zeit lang los ist. Was soll ich nur thun? Vor Deinem Vater könnte ich es nicht verantworten, härmte die Kleine sich hier ab."
„So gefährlich ist die Sache nicht, Mamachen," tröstete der Lieutenant. „In wenig Tagen ist ja mein Urlaub zu Ende. Wenn meine Station auch nicht weit entfernt ist, so komme ich bann nur selten hierher."
„Leider!" bemerkte die Mutter vorwurfsvoll. „Ueberall bist Du mehr und länger wie bei uns."
„Das läßt sich nicht ändern. Will ich nicht als Muttersöhnchen gelten, so kann ich die Einladungen nicht ausschlagen, die es förmlich regnet," erwiderte er mit Hochgefühl. „Wie ist es aber nun mit der Bitte, die ich neulich an Dich richtete? Hat sich Papa endlich mit dem Gedanken an das Gartenfest ausgesöhnt? Es muß nothwendig vor meiner Abreise gegeben werden, um die Freundlichkeit zu vergelten, mit der ich hier überhäuft worden bin."
„Ach!" seufzte die Mutter abermals. „So viel Mühe, so viel Umstände! Gälte es Deine
Außerdem sollen in der Post- und Telegraphen- Verwaltung bei etwa 5000 Stellen widerruflich Stellenzulagen bis zum Höchstbetrage von 300 Mk. gewährt werden. So wird mitgetheilt. Diese Mittheilungen genügen noch nicht zur vollständigen Kennzeichnung dessen, was beabsichtigt ist. Um sich ein genaues Urtheil darüber bilden zu können, muß man wissen, innerhalb welches Zeitraumes die Höchstbezüge erreicht werden können. Ebenso ist dazu eine genauere Bezeichnung nothwendig, welchen Unterbeamten außer denjenigen der Post- und Telegraphen-Verwaltung ebenfalls eine Gehaltserhöhung zugedacht ist.
* Dernngkücknngen des Kisenvahnper fonats bei Prüfung der Fahrkarten im rollenden Zuge gehörten bekanntlich früher zu den regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen. Nach den Ermittelungen des Reichseisenbahnamts wurden aus diesem Anlaß auf den preußischen Staatsbahnen in den Jahren 1885 bis 1893 getödtet je 2 bis bis 9, verletzt je 11 bis 31 Fahrbedienstete. Auf den übrigen deutschen Eisenbahnen lag die Sache ähnlich. Diese be- klagenswerthen Umstände gaben nach der amtlichen ,Berl. Korr.' hauptsächlich den Anlaß, die Fahrkartenprüfung von den Zügen an die Bahnsteige zu verlegen und die Bahnsteigsperre einzuführen, eine Maßregel, mit der in Preußen am 1. Okt 1893 begonnen wurde, und die nun fast vollständig zur Durchführung gelangt ist. Die Folgen dieser Maßnahme auf Leben und Gesundheit des Fahrpersonals sind außerordentlich günstig gewesen. Im Jahre 1894 wurden bei der Fahrkartenprüfung nur noch 2 Personen getödtet und 12 verletzt. In den Jahren 1895, 1896, 1897 und 1898 (bis 1. Oktober) sind Tödtungen überhaupt nicht mehr vorgekommen, es wurden 1895: 3, 1896: 2, 1897: 4 Fahr- bedienstete auf den preußischen Staatsbahnen verletzt, und in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Oktober 1898 sind auf diesen auch Verletzungen jener Bediensteten aus solchem Anlaß nicht prehr vorgekommen. Sind schon diese Folgen der Einführung der Bahnsteigsperre gewiß in hohem Grade erfreulich, so ist vielleicht noch größer der Gewinn zu veranschlagen, den die bessere Erhaltung der Gesundheit des hier in Frage kommenden Fahrpersonals darstellt. Die Witterungseinflüsse, denen die auf den Trittbrettern sich bewegenden Beamten namentlich in der rauheren Jahreszeit ausgesetzt waren, erwiesen sich für den Gesundheitszustand derselben geradezu verderblich.
* Ueber die Veranstaltung einer Sndpokar- expedilion mit Unterstützung des Reiches finden gegenwärtig innerhalb der Reichsoerwaltung Vorbesprechungen statt. Es ist zu hoffen, daß dieselben zu dem Entschluß führen werden, eine Expedition zur Erforschung der Südpolargegenden, welche hinter der Nordpolforschung seit langer Zeit zurückgeblieben ist, von Reichswegen zu unterstützen; doch befindet die Angelegenheit fich noch im Stadium de: ersten Vorbereitung.
△ Der Deutsche Radfahrer-Bund, beffen erster Vorsitzender Herr Theodor Boeck- ling in Effen-Ruhr ist, hat an alle Radfahrer des Königsreichs Preußens einen Aufruf gerichtet zur Unterzeichnung einer Setilion an das Av- geordnetentzans betreffend Aufhebung der
Verlobung zu feiern, wäre es etwas anderes, aber so für nichts!"
„Für nichts? Aus Dankbarkeit, weil man Deinen Sohn so sehr feiert, liebes gutes Mamachen. Und mit der Verlobung? Wer weiß!"
Sie sah mit gänzlich verändertem, glückstrahlendem Gesichtsausdruck zu ihm auf. „Wirklich Ludwig, das wäre herrlich. Mit wem?"
Er lachte. „Mit einem halben Dutzend, wenn ich will, folglich mit Niemand. Es war nur fo eine Redensart, um Deine gute Laune wieder herzustellen. Gebt aber darum nichts desto weniger das Fest, ich bitte Euch. Alle Mühe will ich Euch abnehmen, ich besorge die Einladungen, ich treffe alle Anordnungen, die Last kommt auf mich allein."
Sie hatte nie dem Sohne ein ernstes Nein entgegengesetzt. „Gut, gut, Du sollst Deinen Willen haben," sagte sie denn ergeben. „Papa ist ja beinahe schon herumgebracht. Nun aber, um auf Johanna zurückzukommen, sage mir genau: waS war es eigentlich mit ihr?"
„Was?" Unwillkürlich stockte er. „So etwas bespricht man nur ungern. Sie war eifersüchtig und gab sich eine Blöße. Augenscheinlich kann sie es nicht vermeiden, daß Durbachs so viel aus mir machen, daß der Kommandeur, daß seine Tochter, ach. . .Du verstehst mich, Mama?"
Freilich verstand sie ihn und nickte sichtlich erfreut. „Mathilde Durbach ist eine höchst aristokratische Erscheinung; Graf Durbach ist aus uralter Familie und hat eine sehr vornehme »Verwandtschaft. Bei all diesen Vorzügen kann man darüber hinwegseben, daß Mathilde kein Vermögen mitbringt. Den Obersten zum Schwiegervater zu