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verantwortlich: Siir bie Redaktion Jof. Saum, für Jnferate I. parzeller in Fulda.
mit Nnterhattungs-Aeilage „Mustrirle Sonntags-Zeitung" petersgaä'e Nr. 0 (loui’inonie).
M 273.
Iurdcl, Mittwoch, den 30. November 1898. 25. Jahrgang.
Geben ik seliger dem iktjmfu.
Skizze von Eveline Petrovits.
----— (Nachdruck verboten.)
In einer der stillsten Straßen eines kleinen deutschen Städtchens erhob sich hinter einem hohen Gartengitter ein einstöckiges Haus, dessen große Bogenfenster mit ihren tiefherabgelassenen Spitzengardinen vornehm ruhig auf das Vorgärtchen herabsahen. Frisch gefallener Schnee lag in zierlichen Schnörkeln auf dem grauen Mauerwerke des Hauses; er malte weiße Streisen auf die schwarzen gußeisernen Zacken des Gartengitters und schmückte die Klingel an der Pforte mit einem schimmernden Krönchen. Darunter standen auf blankem Messingschilde die Worte: Löwe Hildegard Thyssen.
Die Trägerin dieses Namens "und Besitzerin des hübschen Hauses, eine junge Frau von kaum fechsundzwanzig Jahren, saß oben im Salon des ^erstes Stockes. Müde ließ sie das Haupt mit den schweren schwarzen Flechten an dem hellblauen Sammtpolster der Sessellehne ruhen, die dunklen Augen sahen schwermüthig vor sich in's Leere, ihre feinen weißen Hände lagen müßig in ihrem Schoße. An demselben Trsche saß ein junges Mädchen, das mit seinen rosigen Wangen und heiteren Augen einen eigenthümlichen Gegensatz zu der in tiefes Schwarz gehüllten Gestalt ihrer Herrin bildete. Fräulein Elisabeth, die Gesellschafterin der jungen Witwe, hielt ein Buch in den Händen, eine Sammlung von Weihnachts- -erzählungen, und las mit herzlicher, wohlklingender Stimme schöne Worte von Weihnachtsfriede und Weihnachtssegen. Die Stimmung, in welcher der Dichter diese Worte niedergeschrieben, fanden jedoch nicht den leisesten Abglanz in dem Antlitz der Frau Hildegard. Morgen war es Weih- nachten, ja, aber für sie brachte dieser heilige Tag nichts als die schmerzlichste Erinnerung an die Vergangenheit.
Vor zwei Jahren hatte sie noch mit ihrem Gatten und ihrem lieben, herzigen Jungen unter dem Christbaume gesessen, jetzt lagen beide im Friedensgarten draußen unter einer entlaubten Trauerweide, und sie war allein. Reichthum und alle Behaglichkeiten, die er schafft, sowie ein Kreis angenehmer Bekannter waren ihr geblieben, — aber was ist all' das für ein liebebedürftiges, - inniges Frauengemüth? Sie besuchte keine Gesellschaften und gab keine mehr. Ihr Schmerz war so tief, so frisch, daß sie auch ihren besten Bekannten gegenüber nicht im Stande war, davon zu sprechen, und was man ihr erzählte, um sie zu erheitern und zu zerstreuen, das alles hatte so gar kein Interesse sür sie. Zu jeder Erwiderung, zu jedem Lächeln mußte sie sich förmlich zwingen, und so zog sie sich nach und nach in die Einsamkeit zurück. Da kam Schwermuth über sie und drückte sie vollends nieder; ihre Gesundheit litt darunter, und ihr langjähriger Hausarzt zwang ihr mit väterlicher Strenge eine Gesellschafterin auf, Fräulein Elisabeth, eine junge Waise ohne Vermögen, aber reich an Geistesund Herzensbildung.
Dem Einflüsse ihrer stets gleichmäßigen, angenehmen Heiterkeit hatte sich Frau Hildegard nicht ganz zu entziehen vermocht. Seit Fräulein Elisabeth im Hause war, nahm sie ihre früheren Spaziergänge wieder auf und öffnete den prachtvollen Flügel im Salon, jedoch nicht, um selbst darauf zu spielen; das hätte ihr zu wehe gethan, sie zu schmerzlich an jene glücklichen Abende erinnert, da ihr Gatte sie mit der Violine begleitet und Klein-Maxchen, munter umherspringend, mit Händeklatschen gejubelt hatte: „Bao Papa, bav Mama!" Oft aber forderte sie Elisabeth auf, zu spielen. Es war fein brillantes, feuriges Spiel, sondern einfache, zartempfundene Tonbilder, die dem kranken Herzen und dem matten Geiste der jungen Wittwe sanfte Anregung boten. Dann färbten sich wohl ihre Wangen höh^c und feucht schimmerte es in ihren Augen, bis Thräne um Thräne unter den Wimpern hervordrang. Wenn Elisabeth in solchen Augenblicken erschreckt in ihrem Spiele innehielt, winkte sie ihr, sortzu- fahren, denn die Thränen thaten ihrem bedrückten Herzen so wohl. Oftmals in der Dämmerung weinte sie sich dabei in den Schlaf wie ein krankes Kind, und wenn sie dann die Augen wieder auf» schlug, schien sie die gewinnende Herzlichkeit, die innige Güte ihres früheren Wesens wieder erlangt zu haben; stets aber kehrte die trostlose Schwermuth zurück, und es gab Tage, welche alle Hoffnung, sie jemals einem heiteren, thätigen Leben wieder zu gewinnen, grausam zu Nichte machten.
Ein solcher Tag war heute! Voll herzlichen Mitleides sagte es sich die junge Vorleserin, denn
sie hing mit Verehrung und Liebe an der schönen, trauernden Frau. Wie glücklich hätte es sie gemacht, heute, am Vorabende des Weihnachtsfestes, dessen weihevollen Frieden ihr kindliches Gemüth voll empfand, ein Lächeln auf die festgeschlosfenen Lippen oder doch wenigstens eine erlösende Thräne in die schmerzerfüllten Augen der Trauernden zu bringen!
Sie ließ das Buch in den Schoß sinken.
„Es wird schon dunkel", sagte sie, „das Lesen geht nicht mehr. Soll ich spielen, ein Weihnachtslied vielleicht? Ich weiß mehrere auswendig."
„Was sagten Sie, Elisabeth?" Frau Hildegard fuhr aus tiefen Träumen auf. „Nein, lassen wir das Klavier heute, ich möchte einen Gang in's Freie machen, es ist so dumpf und gedrückt hier. Bringen Sie mir Hut und Mantel, liebes Kind, und machen Sie sich auch bereit."
Bald fchritt Frau Hildegard mit ihrer Begleiterin unter den hell anfflackernden Straßenlaternen dahin, einige Wegbiegungen, und sie waren außerhalb des Städtchens und seiner Weihnachtsgeschäftigkeit. Jetzt mäßigte Frau Hildegard das Tempo ihrer Schritte, Elisabeth sah mit Entzücken auf die zierlich bereisten Bäume nah und fern, über denen die Sterne am klaren winterlichen Abendhimmel wie Silberfunken aufleuchteten. Roth erschienen dagegen die Lichter in den Fensterscheiben unter den beschneiten Dächern zur Rechten. Wunderbarer Friede lag über der ganzen Landschaft.
Elisabeth wußte nicht recht, wovon sie sprechen sollte; ihr eigenes Herz war tief ergriffen, sie dachte an ihre Eltern und Geschwister, welche sie früh verloren hatte, und unwillkürlich schmiegte sie sich enger an den Arm der jungen Frau.
„Ach, Weihnachten ist ein schwerer, trüber Tag!" sprach diese wie zu sich selbst. Gleichsam als Bekräftigung dieser Worte drang in diesem Augenblicke "klagendes Weinen aus einem Hüttchen, an bem die beiden Fußgängerinnen eben vorbeischreiten wollten
„Was war das?" flüsterte Elisabeth. „Ich glaube ein Kind rief nach Hilfe, es muß hier im Hause fein." Und sie war auch schon an der Thüre.
Frau Hildegard folgte ihr, sie klopften, dann traten sie ein — ein ergreifender Anblick bot sich ihnen dar. Der düstere Schein eines flackernden Lämpchens war gerade ausreichend, um ihnen ein schlechtes Lager zu zeigen, auf dem ein fahles, abgezehrtes junges Weid anscheinend mit dem Tode rang. Zu ihren Füßen kauerte ein etwa sechsjähriges, nothdürstig gekleidetes Mädchen, das beim Eintritte der Fremden erschreckt verstummte.
„Liebe Kleine, weine nicht!" Mit diesem Worte beugte Elisabeth sich zu dem Kinde nieder „Wir wollen Deiner kranken Mutter gerne Helsen; war der Doktor da?"
„Heule Morgen; er sagte: Laß die Mutter ruhig liegen, .es Hilst nichts mehr." Die furchtbare, doch wahrscheinlich nur halb verstandene Bedeutung dieser Worte durchbebte das Kind mit neuem Schluchzen.
Erschüttert stand Frau Hildegard vor der Sterbenden, die traurige Lässigkeit war aus ihren Zügen gewichen.
„Elisabeth," sprach sie, „eine von uns muß zurückeilen zum nächsten Doktor."
„Ich gehe,", erwiderte das junge Mädchen.
In diesem Augenblicke öffnete die Kranke ihre großen, brennenden Augen.
„Laßt den Doktor," hauchte sie, „es geht zu Ende!"
Mit fragenden, erstaunten Blicken suchte sie sich zu vergewissern, ob sie in den Fremden wirkliche Menschen ober Fiebererscheinungen vor sich habe. Frau Hildegard ergriff sanft ihre erkaltende Hand.
„Beruhigt euch, liebe Frau, der Doktor wird gleich kommen; indessen will ich ein Feuer an- machen, es ist hier zu kalt für euch und die Kleine."
Frau Hildegard nahm ihre warme Sammt- pelerine ab und legte sie dem zitternden Kinde um die Schultern, bann trug sie flink Reisig, das in der Ecke der Kammer aufgeschichtet war, zu dem kleinen eisernen Oeschen hin, und bald prasselte ein lustiges Feuer darin. Leider hatte sie nichts bei sich, was sie der Erschöpften zur Stärkung hätte reichen können; doch ein in Gold gefaßtes Fläschchen aus Opal, das mit Kölner Wasser gefüllt, an ihrem Gürtel hing, bot sie der Verschmachtenden dar, welche den starken Duft mit allen Kräften ihres vergehenden Athems einsvg. Dann fiel ihr Kopf kraftlos zurück.
„Wenn nur das Kind nicht wäre," röchelte sie heiser, „aus dem Ende mache ich mir nichts. Was habe ich gelitten! Mein Mann war gut im Anfang, aber dann — das Trinken — da hat er Weib und Kind verflucht, mißhandelt, — — bann ist er gestorben, ich habe gehungert mit bet
Kleinen, gearbeitet, bis ich nicht mehr konnte --— o, mein armes Kinb!"
Frau Hilbegarb schnitten ber Blick und die Stimme der Sterbenden in das tiefste Herz. Sie sah nach der Kleinen hin, die sich mit Thränen auf den Wangen aber mit dem Schimmer kindlichen Behagens in den Augen, die rothen Händchen am Feuer wärmte.
„Seid ohne Sorge wegen eueres Kindes", sagte Fran Hildegard. Ein fester Entschluß war in den wenigen Augenblicken in ihr gereift. „Ich nehme es zu mir, ich werde ihm Mutter fein, ich habe ja kein Kind mehr, ich will es zu einem guten, glücklichen Menschen erziehen."
O, welch' ein Strahl von Dankbarkeit brach da aus dem erlöschenden Auge der armen Mutter! Sie wollte etwas sagen, ihre Lippen zuckten, da legte sich ber Schatten einer surcht- baren Veränderung auf ihre Züge — ein letzter Seufzer und die arme Frau hatte ausgelitten. Frau Hildegard drückte der Tobten die Lider zu.
In diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre, und Elisabeth trat mit dem Arzte ein. „Es ist vorbei", sagte Frau Hildegard.
Der Arzt legte das Ohr auf die Brust des regungslos ruhenden Körpers. „Jawohl", bestätigte er.
„Haben Sie die Güte, Herr Doktor, für eine anständige Beerdigung zu sorgen," sprach Frau Hildegard, indem sie dem Arzte ihre Visitenkarte mit ihrer Adresse überreichte, „ich will für alle Kosten auskommen. Die kleine Waise nehme ich mit mir, um an ihr Mutterstelle zu vertreten."
„Ich gehe, um gleich das Nöthigste zu besorgen," erwiderte der Arzt. „Die Damen sind wohl so gut, bis zu meiner Rückkunft hier zu bleiben."
Mit einer tiefen Verneigung entfernte sich ber Arzt. Währenb bie Damen mit ihm an ber Thüre verhanbelt hatten, war bas Kind in der Meinung, ber Doktor habe seinem Mütterchen geholfen, weil es so ganz still batag, an bas Lager derselben geschlichen. Ein markerschütternder Schrei rang sich von seinen Lippen, als es die kalte Hand ergriff und diese schwer und starr auf den Bettrand nieder fiel.
Fran Hildegard und Elisabeth eilten hin.
„Liebes Kind," tröstete die erstere, „Deine Mutter schläft, sie wird auf dieser Erde nicht mehr erwachen, ihre Seele ist mit dem Christkinde in den Himmel hinaufgeflogen."
„Mit dem Christkinde?" stammelte die Kleine. „Sagt Mutter ihm, daß es mir etwas bringt?"
„Gewiß," antwortete die junge Frau, deren Herz voll Zärtlichkeit gegen das verlassene Waislein überströmte. Sie nahm bas Kinb auf ihren Schoß und fragte in herzlichem Tone: „Wie heißt Du, mein Herz?"
„Annchen."
„Nun wohl, Annchen, Du kommst mit uns in mein Haus, wohin Mütterchen den Christbaum für Dich bestellt hat."
„Einen Christbaum," staunte die Kleine, „vielleicht einen fo schönen, wie Werners Maria ihn immer bekommt?"
„Elisabeth," flüsterte Frau Hildegard nun dem jungen Mädchen zu, „gehen Sie mit dem Kinde voraus, ich möchte nicht, daß es bie „schwarzen Männer" sieht."
Willig folgte Annchen der freundlichen Dame. Frau Hildegard kehrte an das Todtenbctt zurück. Unbeschreibliche Gefühle durchzogen ihre Seele, als sie, die Spuren des Grames und der Noth, die auch der Tod nicht in dem stillen Antlitz der Entschlafenen verwischt hatte, zu entziffern versuchte. Auch sie war einst ein junges, hoffnungsfrohes Weib gewesen, auch sie hatte lieben wollen und glücklich sein, und wie grausam hatte das Schicksal sie getäuscht! Frau Hildegard schauerte bei dem Gedanken an die Rohheit, die täglichen Qualen der Entbekucung und des Kummers, die solch' arme, schutzlos Frauenexistenzen zu Grunde richten. Reich und glücklich war sie dagegen im Andenken an ihren edlen Gatten, und an ihr liebes Kind, das ohne Leiden von einem irdischen Paradiese in das himmlische hinübergegangen war.
Aus ihrer tiefen Ergriffenheit, die ihre Seele durch und durch erschütterte und alles Kranke und Schwache daraus vertrieb, weckte sie der Eintritt des Arztes und mehrerer Männer. Frau Hildegard entfernte sich und holte Elisabeth, die mit dem frierenden, schläfrigen Kinde nur langsam vorwärts kam, bald ein.
Zum großen Erstaunen der Dienerschaft kehrte die Herrin mit einem kleinen Bettelmädchen an der Hand von ihrem Spaziergange zurück. Oben in Frau Hildegards wohldurchwärmten Schlafzimmer würbe das Kind gewaschen und rein angezogen. Die Kleidungsstücke des kleinen Max lagen ja noch sorgfältig aufbewahrt im Schranke. Von neuem Leben beseelt, widmete sich bie junge Frau bem kleinen hilflosen Wesen mit zärtlicher Liebe. Gar halb versank das Kind,
Atrrarisches.
Die heilige Nacht. Weihnachtsspiel in zwei Abthei- lnngen, 16° 32 S. 4. Auslage, 25 Pfg. Verlag von P. Hauptmann, Bonn.
In der Darstellung keine Schwierigkeiten bietend, zeichnet sich t» 8 schnell populär gewordene Weih- nachtsspiel durch fcrmvollendete, edle Sprache aus, würdig des erhabenen Gegenstandes, den es scenisch geschickt und wirkungsvoll behandelt. Es wird voraussichtlich viele neue Freunde gewinnen.
Uermischtes.
* 3><r Ändere. Auf einem der berühmten Pullmann Cars passirte folgende Geschichte: Ein Passagier kommt Abends stark angeheitert auf den Zug und gibt dem Kondukteur einen Dollar mit dem Bemerken, daß er ihn Morgen auf der Station Omaha mit seinem Gepäck heraussetzen solle. Er bedeutet ihm, daß er fich vielleicht in nicht ganz liebenswürdigem Zustand befinden wird, aber er müßte da aussteigen, wofür jener zu sorgen verspricht. Am nächsten Tag um 9 Uhr wacht der Passagier auf, lange nachdem der Zug die Station Ohama passirt hatte und schellt nun wüthend dem Kondukteur. Dieser kommt mit geschwollenem, zerkratztem, blutunteilaufenem Gesicht und der Passagier fährt ihn an, weshalb er ihn in Ohama nicht geweckt habe. „Oh--" antwortete der Neger langsam, „sind Sie
der Herr, der in Omaha heraus wollte? Wenn Sie der Herr sind, der in Omaha heraus sollte, dann möchte ich wohl wissen, wer der Herr war, den ich in Omaha herausgesetzt habe."
* Deutscher Koufektiousyqmuus (dem deutschen Sprachverein gewidmet und deshalb mit deutscher Aussprache zu lesen):
Hautes Nouveautes, Robes Modes, Bluches, Capes, Costumes, Chales, Doubles, Pelerines, Dentclles de Bruxelles:
Fremde Namen, fremde Sachen Will der Deutsche, für sein Geld — Deutschland, Deutschland über alles, Ueber alles in der Welt!
Jupons, Robes, tailor-made, Jaquettes und Cravattes, Dresses für die Promenade, Ladies, Skirts und Matinees — Heißt's nur englisch und französisch, So erobert stets das Feld — Deutschland, Deutschland über alles, lieber alles in der Welt!
Noppes und Diagonales, Treppes, Tulles, Boiles, Bengalines, Grenadines, Armures und Moires. Nur recht kauderwälsche Namen, Ob das Zeug auch gar nichts Halt- Deutschland, Deutschland über alles, Ueber alles in der Welt!
• ^Selche ?"ude. Sonntagslager (zu einem Treiber den er angeschossen): „Wie heißen Sie - — Treiber: „Kern". — Sonntagslager (freudig): „Ah, da hab ich ja 'n Kernschuß gethan!"
nachbern es reichlich gesättigt worben war, in tiefen Schlummer.
Inzwischen hatte Frau Hilbegarb ein Christ- bäumchen herbeischaffen lassen, unb an ben bem- felben Tische, wo sie vor einigen Stunben noch trauernb unb mübe gesessen, arbeitete sie jetzt mit Elisabeth am glitzernden Christbaumschmucke, unb in ihr Herz zog bas frohe Bewußtsein, einen neuen Lebenszweck, eine neue heilige Aufgabe zu haben.
„Elisabeth," sprach sie, „nun ist's doch Weihnachten in biesem stillen Hause; Sie haben sich banach gesehnt, Kinb, nicht wahr? Mir haben bie Erlebnisse ber letzten Stunben über vieles bie Augen geöffnet. Ich will D r eine Mutter sein, Elisabeth, komm' an mein Herz; Du hast viel unter meinem trüben Sinn gelitten, ich war krank, Kinb, aber ich glaube, all' ber Jammer, ben ich heute miterlebt, ber Wille, biefer kleinen Waise eine Mutter zu sein, haben mich geheilt."
„Wie glücklich mich bas macht!" flüsterte Elisabeth unb schmiegte sich innig an bie junge Frau. „Darf ich helfen, Annchen zu erziehen? Ich habe noch eine Schiefertafel unb Griffel von meinem Brüberchen, bie will ich ihr auch unter ben Weihnachtsbaum legen, unb nach ben Feiertagen kann sie bann anfangen zu lernen, nicht wahr?"
Frau Hilbegarb nickte lachelnb. „Unb ich will roieber beglücken lernen, bas soll man nie verlernen, unb ich war nahe daran, aber es läßt sich nachholen, benle ich."
Liebevoll umarmte Frau Hilbegarb bas junge Mäbchen, bann trugen beibe ben Tisch, auf bem ber Lichterbaum prangte, vor bes fchlafenben Kindes Bett und legten allerlei niedliche Geschenke darunter, Eben waren sie fertig, als Annchen plötzlich die Augen aüfschlug. Geblendet von all' bem Glanze ringsum, stumm vor seliger Ueberraschung erhob sie sich in ihren Kissen unb klatschte bann in bie kleinen Häubchen.
„Christkinbchen war ba!" jubelte sie endlich.
„Christkindchen war da!" wiederholte ergriffen Frau Hildegard, die sich, an Elisabeths Arm gelehnt, hinter dem Vorhang ber Thüre an bem Anblicke des glücklichen Kindes weidete. „Es hat mich gelehrt, daß Geben seliger ist denn Nehmen!"