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M 273.

JuLöa, Mittwoch, den 30. November 1898.

25. Jahrgang.

Heeresorganisation im Jahre 1899.

Dem Bundesrath sind die Etats für die Aenderungen in der Organisation des Reichs Heeres auf das Rechnungsjahr 1899 zugegangen. Nach demselben sind, wie die Münchener ,Allgem. Ztg.' mitzutheilen in der Lage ist, innerhalb des preußischen Kontin­gents für das Jahr 1899 in Aussicht genommen: die Neuerrichtung von 1 Generalkommando, 3 Divisionsstäben, 1 Inspektion der Verkehrs­truppen, 18 Feldartillerie-Brigadestäben, 1 In­spektion der Telegraphentruppen, 37 Feldartillerie- Regimentsstäben, 14 Feldartillerie - Abtheilungs- stäben, 35 fahrenden Batterien mit mittlerem Etat, iBetriebsabtheilung derEisenbahn-Brigade, 3 Tele- graphen-Bataillonen, 1 Halbinvalidknabtheilung.

Etatserhöhungen sollen eintreten bei 39 Infanterie-Regimentern, 38 reitenden Batterien, 17 Feldartillerie-Regimentsstäben, der Versuchs- Kompagnie der Artillerie-Prüfungskommission der Eisenbahn - Regimenter, in deren Bestand die württembergische Eisenbahnkompagnie übernommen werden soll, derLuftschifferabtheilung, bei 8 Train- Bataillonen für Bespannungszwecke der Fuß­artillerie, bei 3Train-Bataillonen für Bespannungs­zwecke der Telegraphentruppen, bei 1 Train- Bataillon für Zwecke der Kavallerie-Telegraphen­schule, bei den Bezirkskommandos, durch Etatirung von Lazarethgehülfen für die Sanitätsämter und Divisionsärzte, durch Rationsgewährung für 12 als Mitglieder der Artillerie-Prüfungskommission kommandirte Hauptleute der Feld- und Fußartillerie.

Stärkeverminderungen sind in Aussicht genommen sür die Inspektion der Militär-Tele­graphie durch deren Auflösung, bei 28Jnfanterie- Regimentern, 33 Feldartillerie - Regimentsstäben, 2 reitenden Batterien, 334 fahrenden Batterien, beim Garde-Pionier-Bataillon durch Fortfall der bisher als Telegraphen-Stammtruppe verwendeten 5. Kompagnie, bei den Eisenbahn-Regimentern, schließlich durch Fortfall eines Adjutanten (Haupt­mann) beim General-Kommando des XI. Armee­korps, wodurch sich bestätigt, daß das neue Ar­meekorps mit Zuhilfenahme des Ueberschuffes des gegenwärtigen, 3 Divisionen zählenden XI. Ar­meekorps gebildet werden wird.

Der Zugang wird auf 13,089 Mann, 3146 Pferde, der Abgang auf 1665 Mann, 296 Pferde berechnet, so daß eine Präsenzstands-Vermehrung von 1124 Mann, 2850 Pferden verbleibt. Die Bildung der höheren Kommando - Behörden mit Ausnahme der Feldartillerie-Brigadestäbe und der Inspektion der Telegraphen-Truppen, sowie der Errichtung der Halbinvaliden-Abtheilung erfolgt am 1. April 1899, die Durchführung der übrigen Maßnahmen vom 1. Oktober 1899 ab, so daß für das erste Halbjahr Manquements an der neuen Präsenzstärke von 5820 Mann, 2768 Pfer­den, im zweiten Halbjahre von 76 Mann, 82 Pferden bestehen.

Eine Thräne.

Ein geschickter, aber armer Tischler erhielt durch Empfehlung die Arbeit in einem ange­sehenen Kaufmannshause. Der Kaufmann be­stellte zur Ausstattung seiner Tochter für 200 Thaler Mobilien bei ihm. Der Tischler, hoch erfreut, eilte nach Hause und erzählte seiner Frau das ihnen zu Theil gewordene Glück Aber woher nun die bedeutende Auslage nehmen? Den neuen Kunden um Vorschuß bitten, das ging nicht, denn dadurch hätte man vielleicht den ganzen Handel rückgängig gemacht. Reiche Freunde hatte der arme Mann nicht, wo blieb eine andere Zuflucht, eine so bedeutende Summe herzuschaffen als von einem Wucherer? Der ward auch bald gefunden, und bei ihm war, nachdem er sich von der Richtigkeit der Bestellung überzeugt, die „Menschenliebe", angeregt, gegen einen Wechsel für 12 Prozent auf zwei Monate das verlangte Geld herzugeben. Fleißig arbeitete der Tischler, und kurz vor Weihnachten standen zivei Dutzend der herrlichen Stühle, ein schöner Schrank usw. fertig zum Lobe des Meisters da.

Im Sonntagsüberrock ging unser Tischler neben den Bahren her, und hoch pochte ihm das Herz vor Freude, wenn Vorübergehende die schöne Arbeit lobten. Als man im Hause des Kunden angekommen, lief Alles zusammen, das Neue zu schauen. Auch der Hausherr wurde ge­rufen und lächelte beifällig und zufrieden. „Er soll in Zukunft mein Tischler sein, denn die Sachen sind lobenswerth; laß Er nur Alles be­hutsam niedersetzen. Gott befohlen;" Und da- mit ging er aufs Komptoir, der Tischler nebst

Für das sächsische Kontingent sind in Aussicht genommen: die Neuerrichtung 1 Generalkommandos, 1 Divisionsstabs, 1 Jnfan- triebrigadestabs, 1 Feldartilleriebrigadestabs, von 3 Feldartillerieregimentsstäben, 4 Feldartillerie- abtheilungsstäben, 12 fahrenden Batterien mit mittlerem Etat unter Verwendung einer vor­handenen reitenden Batterie mit niedrigem Etat, 1 Pionierbataillon unter Verwendung von 2 vor­handenen Kompagnien, 1 Detachement bei der Betriebsabteilung der Eisenbahnbrigade, 1 Tele­graphenkompagnie, 1 Trainbataillon zu 3 Kom­pagnien unter Verwendung einer vorhandenen Trainkompagnie und einer vorhandenen Stabs­offiziersstelle, 1 Halbinvalidenabtheilung durch Theilung der vorhandenen Halbinvalidenabthei­lung. Der Zugang wird auf 2485 Mann, 893 Pferde, der Abgang auf 412 Mann, 6 Pferde, die Präsenzstandsvermehrung auf 2073 Mann und 887 Pferde berechnet, wovon jedoch im ersten Halbjahr 1899 fehlen: 1143 Mann und 833 Pferde, im zweiten Halbjahr 10 Mann und 54 Pferde. Die Zeit der Durchführung ist wie in Preußen in Aussicht genommen.

Für das württembergische Kontingent ist be­absichtigt die Neuerrichtung von 1 Feldartillerie- Brigadestab, 2 Feldartillerie-Regimentsstäben, 1 fahrenden Batterie mit mittlerem Etat, 1 Tele- graphen-Detachement. Die württembergische Eisen­bahnkompagnie wird auf das preußische Militär­kontingent übernommen. Der Zugang ist auf 431 Mann, 84 Pferde, der Abgang auf 158 Mann, 2 Pferde, die Präsenzstandsmehrung auf 273 Mann, 82 Pferde berechnet; von letzterer fehlen jedoch im ersten Halbjahr 1899 noch 96 Mann, 82 Pferde, im zweiten Halbjahr 3 Mann. Die Durchführung der Organisationsänderung ist für 1. Oktober 1899 in Aussicht genommen.

Für das bayerische Kontingent enthalten die bezeichneten Etats noch keine Angaben.

Die Vorlage läßt ferner nicht erkennen, ob mit der für 1899 in Aussicht genommenen Er­weiterung der Organisation die Erledigung aller der beabsichtigten Militärvorlage zur Grundlage dienenden Punte abgeschloffen ist oder ob weitere Organisationsändernngen noch für die nächsten Jahre vorbehalten bleiben. Jedenfalls aber liefert sie einstweilen den Beweis, daß die Mili­tärvorlage im Großen und Ganzen nur mit Schaffung der noch fehlenden höheren Verbände, mit einer kleinere Regimenter und mehr Brigaden schaffenden zweckmäßigeren Organisation der Feldartillerie und mit Errichtung der längst entbehrten Telegraphentruppen begnügt — Punkte, bezüglich deren unsere Nachbarn bereits vorausgeeilt sind und hinsichtlich deren die Mili­tärverwaltung wohl auf die Zustimmung Aller rechnen kann, welche die Sicherheit des Reiches in einer leistungsfähigen zweckmäßig organisirten Arme erblicken.

Deutsches Reich»

Berlin, 29. November.

* Das ,Berl. Tageblatt' will wiffen, daß der Kaiser beabsichtige, eine Geschichteseiner Orientreise zu schreiben und zu veröffent-

Gesellen bald darauf aus dem Hause. „Meister," sprachen diese, „der Herr schien ganz zufrieden, und wie reich muß er nicht sein, da hat der Meister einen guten Kunden erhalten."

„Jawohl Leute, das habe ich und bin auch hocherfreut darüber." Doch auf dem Gesichte des guten Mannes war eben keine Freude zu sehen, denn er dachte daran, daß die zwei Monate in acht Tagen verflossen sein würden, und der reiche Kaufmann hatte ihm von Bezahlung keine Silbe gesagt. Wie sollte das nun werden? Trübe saßen, als -sieben Tage vergangen, die beidenEheleutezusammen; da sprach dieFrau: „Auf, lieber Mann, fasse ein Herz, geh' zu unfeim neuen Kunden und bitte um Bezahlung. Er wird ein Mensch sein, und Einsicht haben." — Und der Meister ließ sich bereden.

Schwer schlug ihm das Herz, krampfhaft drückte er die Krempe seines Hutes zusammen, als er nun die Thür des Komptoirs geöffnet und rechts und links an hohen Pulten ein Dutzend emsig vertiefter Schreiber gewahrte. Er bot ihnen laut einen guten Tag, Keiner ant­wortete ihm. Er wiederholte nach einer Pause noch einmal die Begrüßung, und mit einem scharfen Blick ihn messend, fragte der Nächst­sitzende: „Was haben Sie?" — „Bitte unter- thänigst, ich möchte gern den Herrn Chef sprechen." — „Dort unten," war die Weisung, indem er rückwärts nach einer Ecke des großen Zimmers zeigte. Langsam und schwer schritt der Tischler durch den Saal; es war ihm, als wenn Blei in seinen Füßen läge. Da saß der stolze Kauf­mann; die Stirn nachdenklich in die linke Hand g«stützt, in der rechten die Feder haltend, wollte er eben ein wichtiges Handelsprojekt zu Papier

lichen. Die Nachricht klingt doch sehr unwahr­scheinlich.

0 Von verschiedenen Seiten wird bestätigt, daß die «e«e Mitilärvorkage dem Reichstage alsbald nach seinem Zusammentritt, jedenfalls noch vor Weihnachten, zugehen wird. Ueber ihren Inhalt ist im Zusammenhang noch nichts weiter bekannt geworden als das, was man schon weiß: eine Erhöhung der Friedensstärke des Heeres, Schaffung mehrerer neuer Armeekorps, neue Or­ganisation der Artillerie u.s.w. — nur ist es auch noch fraglich, ob diese letztere in dem Rahmen der Militärvorlage selbst enthalten sein, oder sonstwie an den Reichstag gelangen wird. Von anderer Seite wird auch das bestritten, daß die Militärvorlage noch vor Weihnachten dem Reichs­tage zugehen werde; also die ganze Sachlage ist noch sehr unklar und nur eines ist sicher, daß nämlich der Reichstag bei seiner Eröffnung diesmal weniger Arbeitsmaterial vorfinden wird als in anderen Jahren vorher. Später freilich wird es nicht an Arbeitsstoff fehlen; denn allein aus dem Reichsamte des Innern sind eine ganze Reihe von Gesetzentwürfen hervorgegangen, die gegenwörtig die Einzelregierungen oder den Bundesrath beschäftigen, und weitere Entwürfe werden nachfolgen. Von dem so vielfach be­sprochenen Gesetzentwurf zum Schutze der Arbeits­willigen wird übereinstimmend berichtet, daß er noch immer nicht fertig gestellt sei; sogar darüber soll noch keine Einigkeit erzielt sein, ob für be­sonders böse Fälle Zuchthausstrafe eingeführt werden soll oder nicht. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird es mit dieser Vorlage enden wie häufig mit Dingen, die unter so lauten und heftigen Tamtam-Schlägen zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit traten: sie wird klägliches Fiasko machen, und die Freude davon werden die Herren „Genossen" haben. Denn, ein so trefflicher Ge­danke der Schutz für Arbeitswillige ist, so kann er doch schwerlich auf dem Wege zur Wirksamkeit gelangen, der bisher durch die vereinzelten Mit­theilungen über den vorbereiteten Gesetzentwurf angedeutet worden ist.

+ Gerade zur rechten Zeit hat Staatssekretär eo»ä^obOiefsRieinen Erlaß an die Beamten­schaft der Reichspost gerichtet, der sich mit der Behandlung und dem Verhalten der Unter­beamten beschäftigt. Staatssekretär v. Podbielski findet sicherlich die allgemeine Zustimmung, indem er davor warnt, Anstellungen auf Lebenszeit zu verfügen, ehe die gesammte dienstliche und außer­dienstliche Führung eines Beamten oder Unter­beamten genau geprüft ist, vorausgesetzt, daß diese Zeit der Prüfung nicht ungebührlich in die Länge gezogen wird. Denn das muß geschehen im Interesse des Postdienstes. Ebenso tadelt der Staatssekretär mit Recht, daß Beamte und Unterbeamte nicht rechtzeitig aus dem Dienste entlassen worden sind, obwohl sie sich als ungeeignet für den Postdienst erwiesen hatten. Im Interesse der Beamten selbst liegt es ja, so zeitig wie möglich nach einer anderen, für sie geeigneten Beschäftigung sich umzusehen. „Mit einer „ernsten Aufrechterhaltung der Dienstzucht — so sagt der Leiter der Reichspost in seinem Erlasse — muß strenge Gerechtigkeit gegen die Unterbeamten und wohl­

bringen, als aus Verlegenheit plump und halb blind gemacht, der Tischler gegen die offene Thüre des Gitters rennend, den Tiefsinnigen plötzlich unsanft aus seinen Gedanken riß. Barsch fuhr er empor: „Was will Er?" Doch war an keine Antwort zu denken. Alle Worte, die der Tischler im Sinn gehabt, waren dahin. Er stand wie versteinert. „Nun, was will Er?" fragte der Hausherr den Sprachlosen und er­kannte ihn nicht wieder. — „Verzeihen Sie, mein Herr, ich war, ich bin, ich komme, — der Tisch­ler, der die große Ehre hatte, für Sie zu ar­beiten." „So, so, und? Er will vorfragen? Ich habe noch Nichts wieder. Ec braucht sich auch nicht zu bemühen, ich werde schicken, wenn ich Seiner benöthige. Vielleicht bald, Adieu!" Und damit neigte sich sein Haupt und seine Hand wieder zu dem Papier. „Ach", fing der zer­schmetterte Handwerksmann an, „der Herr möge nicht böse werden, aber ich möchte sie wohl bitten, um den Betrag des Gelieferten; ich habe kein Kapital und" — verdrießlich erhob sich der Kaufmann. „Ich bezahle nur halbjährlich; auf solche Kleinigkeiten können wir uns nicht einlassen, das macht uns zu viel Um­stände. Laß er sich dort beim Kassirer aus­zahlen. Doch das ist ein Mal gewesen. Er muß keine Arbeit annehmen, wenn er nicht voll­ständig kreditiren kann." Und so winkte er einem ihm zunächst sitzenden älteren Mann, demselben befehlend, dem Tischler die Summe auszuzahlen. Stumm nahm dieser das Geld in Empfang, und an das Pult des Kaufmanns gehend, um zu unterzeichnen, floß, erpreßt von dem Gedanken, du kannst in Zukunft eine solche Arbeit doch nicht annehmen, denn deine Ärmuth verschließt dir

wollende Förderung ihrer Interessen ge­paart sein. Verständige persönliche Wünsche und Anliegen der Beamten und Unterbeamten müssen jederzeit bei den Vorgesetzten williges Gehör und insoweit Erfüllung finden, als diese mit den dienstlichen Einrichtungen . . . vereinbar ist. . .Selbstverständlich muß der Verkehr der Vorgesetzten mit ihren Untergebenen sich in angemessenen, das Ehrgefühl nicht verletzenden Formen bewegen. . . " Und außerdem ermahnt der Erlaß des Staatssekretärs dazu, Untergebene, die in ihren Leistungen oder in ihrem Verhalten nicht genügen, auch „in solchen Fällen auf den richtigen Weg zurückzu- führen, wo Strafen versagen würden". Der ganze Erlaß , macht in seinen Gedanken und Grundsätzen und auch in seiner Ausdrucksweise dem Urheber alle Ehre; und wenn überall die That diesen Worten entsprechen würde, dann müßte die Reichspost eine Musteranstalt werden für geeignete Behandlung der Beamten. Gerade dieser Erlaß des Herrn Generalpostmeisters aber regt von neuem zu der Frage an: wie konnte es möglich sein, daß, wie in Hannover, Hildesheim und Hameln geschehen ist, Beamte deswegen kurzer Hand aus dem Dienste entlassen werden, weil sie ein Blatt lesen, das der Oberleitung der Reichs­post unbequem ist? Dort scheint man sich also keine Mühe gegeben zu haben, die Beamten „auf den richtigen Weg zurückzuführen", wie es in dem Erlasse des Staatssekretärs heißt.

0 Nach einer Meldung der Berliner ,Nat.- Z g/ ist „an unterrichteten Stellen nichts davon bekannt, daß die Absicht bestehe, im Reiche eine Instanz zur Kntschcidrmg von Ghroufokge- streiligkeite« zu schaffen". Es hieß, der Bundesrath soll für zukünftige Fälle diese Zu­ständigkeit erhalten. Nun, es würde wohl nie­mand Trauer empfinden darüber, wenn dem Bnndesrathe diese Zuständigkeit auch nicht zuge­sprochen würde. Hoffentlich bewahrheitet sich die andere Meldung desselben Blattes, daß „die lippesche Angelegenheit noch vor Er­öffnung desReichstages erledigt werden soll".

Ö Von den Klimme» aus de« MokRs- verei« für das katholische Deutschland ist das achte (letzte Heft für 1898) erschienen und gelangt in Fulda und Umgegend dieser Tage zur Vertheilung. Der Inhalt desselben ist: Siebenter praktisch-sozialer Kursus. Ein Einwand gegen den Volksverein. Ländliche Arbeiter- und Dienst- botenverhältniffe. Christliche Gewerkoereine der Arbeiter. Soziale Konferenzen von Geistlichen. Ein bischöfliches Wort über die Nothwendigkeit des Volksvereins. Erzählung des Lohnbuches. — Am letzten Sonntag hielt der Volksverein in Osnabrück eine große Versammlung ab, von der berichtet wird, daß die Diözese Osnabrück 11,000 Mitglieder zähle, daß jeder vierte Mann von allen Katholiken der Diözese dem Volks­vereine angehöre und daß derselbe dort eine auf­fallend segensreiche Wirksamkeit entfalte. — Auch in der Diözese Fulda hat der Volksverein bereits eine erfreuliche Ausbreitung gefunden, aber die soziale Aufklärungsarbeit darf nicht rasten. Die Wahlen haben gezeigt, daß keine Gegend gegen die sozialdemokratische Stimmensängerei gesichert

jede Hoffnung dazu, eine Thräne über die Wange. Der Kaufmann bemerkte sie. Stumm verneigte sich der unglückliche Tischler und ging. Als er die Hälfte des Zimmers durchschritten hatte, rief ihn der Kaufmann zurück. „Hört einmal, Meister, von den Stühlen kann Er mir noch ein Dutzend liefern, und ich habe auch in der nächsten Woche Mehreres. Doch damit Er mir in der Zukunft nicht alle Augenblicke beschwerlich wird, und weil Er mir doch kein halbes Jahr Kredit geben kann, so will ich Ihm kreditiren. Zahlen Sie dem MaNne noch 400 Thaler," sprach er zum Kassirer und blickte aufs Papier.

Sprachlos stand der Tischler da, im Innersten erschüttert, doch jetzt ging er rasch auf den Kauf­mann zu, ergriff dessen Hand und drückte sie herzlich an seine Lippen. „Dank," stammelte er, „Dank, guter Herr!" — „Laß' Er das, lieber Freund. Wenn Er ein ehrlicher Mann ist, so braucht es des Dankes nicht. Doch hier kein Aussehen. Geh' Er mit Gott! Ich komme vor bei Ihm und will einmal selbst nach Seiner Wirthschast sehen. Adieu!"

Froh und überglücklich kehrte der Tischler zurück. Fleißig arbeitete er und durch des an­gesehenen Kunden Hilfe war er bald ein gemachter Mann. Der stolze, reiche Kaufmann aber fühlte an jenem Morgen eine so sonderbare Regung im Herzen, die ihm seit dieser Stunde noch manche Thräne hervorlockte. Ec harte begriffen, daß man das Handwerk ehrt und mehrt, wenn man ihm nach Recht und Gebühr für g lieferte Arbeiten auch prompte Bezahlung leistet.