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mit Anterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs
s
M 273.
JuLöa, Mittwoch, den SO. November 1898.
25. Jahrgang.
Ganz besonders glauben wir hier auch auf die Zeitungslektüre Hinweisen zu sollen. Gegenwärtig glaubt fast jeder, eine Zeitung lesen zu müssen — der Ungebildete, wie der Gebildete, der Arbeiter wie der Arbeitgeber, der Landmann wie der Städter, der Diener wie der Herr. Deshalb benützt auch der Geist der Finsterniß die Tagespresse, um durch dieselbe das Gift des Unglaubens und der Sittenlosigkeit in die Familien zu tragen. Alle Länder sind geradezu überschwemmt mit Tagesblättern, in denen das, was uns am heiligsten ist, mit Spott und Hohn überschüttet und die christliche Sitte mit Füßen getreten wird. Daher rufen wir euch mahnend zu, vielgeliebte Diözesanen, hinaus aus dem Hause mit den schlechten Zeitungen! Ich frage euch, könnt ihr denn euch selbst noch achten, wenn ihr das, was euch in den edelsten und heiligsten Gefühlen kränkt, sogar mit eurem eigenen Gelde bezahlt? Ist das nicht vielmehr eine Charakterlosigkeit ohne gleichen? Wollt ihr Zeitungen lesen, so sollt ihr gute, katholische Zeitungen halten, die euch ebenso gut unterrichten über das, was in der Welt vorgeht, wie die schlechten Blätter, — aber anstatt unseren heiligen Glauben zu bekämpfen, denselben siegreich vertheidigen, anstatt dem Laster zu dienen, die gute Sitte auf alle nur mögliche Weise befördern. Wenn in manchen Ländern die katholischen Zeitungen das nicht leisten können, was die uns feindlichen Blätter leisten, so sind eben die Katholiken selbst
Uom Fesen und von de« Zeitungen.
(Aus dem Hirtenschreiben des hochw. Bischofs Dr. Fritzen von Straßburg vom Jahre 1892).
„Bon großer Wichtigkeit für das christkatholische Leben ist die Presse. Jedermann wil gegenwärtig lesen, und mit dieser Lesesucht, die nun einmal nicht zu bannen ist, muß auch die katholische Kirche rechnen. Die Preffe ist in unserer Zeit eine Großmacht geworden. Die schlechte stiftet unsäglich viel Unheil an, die gute dient der heiligen Kirche in der Erfüllung ihrer Aufgaben, die ihr von ihrem Herrn und Meister Übertagen find. Ihr wißt es selbst, vielgeliebte Diözesanen, in so vielen Büchern, Zeitschriften und Zeitungen wird unser heilige Glaube beschimpft und der Verachtung preisgegeben; jeder guten Sitte wird Hohn gesprochen, das Laster gepriesen und in den blendensten Farben ausgemalt. Zahllose Jünglinge und Jungfrauen haben schon durch die schlechte Lektüre den Glauben ihrer Kindheit eingebüßt, zahllose haben durch dieselbe ihre Unschuld verloren und sich einer schändlichen Ausschweifung, welche Leib und Seele zu Grunde richtet, hingegeben. O Väter, o Mütter! wachet doch über die Lektüre eurer Kinder — es ist das eure heiligste Pflicht. Vernachlässigt ihr diese Pflicht, so traget ihr die Schuld, wenn eure Kinder, nachdem sie das Gift der schlechten Schriften ein- gefogen haben, an Leib und Seele jämmerlich zu Grunde gehen. Es ist ja, Gott sei Dank, in unserer Zeit für gute Lektüre, die den Geist erhebt und das Herz erbaut, so gut gesorgt, daß auch jeder Schein von Berechtigung fehlt, nach schlechten Schriften zu greifen.
mit ihrem Gelde und lasten die katholischen Blätter ein kümmerliches Dasein sristen, weil es denselben an den nothwendigen Mitteln mangelt. Uns will scheinen, daß unser katholisches Elsaß von diesem Vorwurfe nicht ganz freizusprechen ist. Die katholische Preffe wird zu wenig unterstützt und hat deshalb hier zu Lande nicht den Aufschwung genommen, den man hätte erwarten sollen. Wir dürfen überzeugt sein, daß sofort eine Wendung zum Befferen eintreten wird, wenn jeder Katholik, der eine Zeitung hält, es für seine Pflicht erachtet, in seiner Familie ein katholisches Blatt aufzulegen." —
Dieses ernste Mahnwort eines Oberhirten unserer hl. katholischen Kirche verdient die weiteste Verbreitung und Beachtung. Was der hoch- würdigste Herr von der Schädlichkeit der schlechten Blätter und von dem Nutzen und der Noth- wendigkeit der guten Presse sagt, gilt nicht nur sür das Elsaß, sondern für alle katholischen Landestheile. — Ueberall, wo Katholiken wohnen, sollte dieses ernste Wort des von Gott berufenen Hirten vernommen und befolgt werden. In jedem katholischen Hause sollte der Grundsatz streng befolgt werden: Hinaus mit den schlechten Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, welche die guten Sitten untergraben! Das Unheil, welches dadurch angestiftet wird, kann von den Eltern, die von diesem Punkte ihre Pflicht versäumen, nie mehr gut gemacht werden.
K. Literarische Weihnacht»scharr 1898. in.
Als reizendes Geschenk für Damen aus dem Verlage von I. P. Bachem in Köln darf ein neues Goldschnittbändchen von R. Fabri de Fabris, „Lieb und Leid", Geschichten und Bilder, warm empfohlen werden. Fabri de Fabris hat sich durch ihre hochpoetischen Skizzen „Was die Blumen erzählen" (in demselben Verlage erschienen) rasch in die Herzen der Damen eingcschmeichelt. „Lieb und Leid" ist in dem gleichen poetisch-gemüthvollen Tone gehalten und athmet denselben Hauch einer nie versiegenden Künstlerphantasie. Fabri de Fabris besitzt die seltene Gabe, leblose Dinge reden zu lassen, ohne daß die Darstellung jemals ins Gewöhnliche verfällt. Es ist ein ganz eigenartiges Talent, das sich in den beiden Bändchen offenbart.
Als liebe alte Bekannte begrüßen wir Marie von Lindemann's „Die rathende Freundin", Mitgabe für junge Mädchen beim Eintritt ins Leben (Goldschnittband 4 Mk.), in sechster durchgesehener und abermals vermehrter Auflage. Der rasche Absatz dieses herrlichen Schatzes praktischer Lebens- llugheit spricht am besten für seine Beliebtheit und einen Werth. Jungen Mädchen kann ntmt kein besseres Festgeschenk widmen. Das entsprechende Porträt ist eine willkommene Zugabe. Die äußere Aus- tattung ist vornehm gewählt.
Kardinal Wiseman's unübertroffene „Fabiola oder die Kirche der Katakomben" (mit den englischen Originalholzschnitten) hat es bereits bis zur 27. Auflage gebracht, während das nicht minder gerühmte Gegenstück des Kardinals Newman, „Kallista", Roman aus dem 5. Jahrhundert, die 10. Auflage erreichte. Der Verlag hat beide Bände (Preis je 4 Mark) prächtig ausgcstattet. „Fabiola" und „Kallista" haben das Interesse für die Kirche der Katakomben und die Christen der ersten Jahrhunderte in den weitesten Kreisen geweckt und gefördert und können als ernste und belehrende Lektüre nicht nachdrücklich genug empfohlen werden.
UeberBachem's neue illustrirteJugend- .. . • • ■ . ,, . . -" V——i’ schriften für Knaben ist in den letzten Jahren be-
schuld daran. Ste bezahlen die schlechten Blätter | reitd so viel Rühmliches geschrieben worden, daß kaum
mehr viel zu sagen übrig bleibt. Die berufensten Kritiker und namentlich auch hochangesehene Schulmänner stimmen mit uns in dem Urtheile überein, daß für die christliche Jugend, namentlich für Gymnasiasten, Realschüler, Seminaristen rc. nicht leicht eine gediegenere, auf streng christlicher Lebensanschauung begründete Lektüre zu finden ist. Dabei wird die vornehm-solide, das Auge erfreuende Ausstattung (Bilderschmuck und Einband) auch den höchsten Ansprüchen gerecht. Bisher waren 9 Bände erschienen. „Thankmar, der Sugambir", „Der Weg zur Wahrheit", „Die Pyramiden von Gizeh", „Der ägyptische Königssohn", „Von der Picke auf", „Radbert Overstolzen". Zum diesjährigen Weihnachtsfeste ist das Dutzend voll geworden. Die drei neuesten Bände sind: „Der Gießerbursch von Nürnberg", eine Erzählung aus Kaiser Maximilians Tagen von Robert Münchgesang; „Der Altar des unbekannten Gottes", eine Erzählung aus dem alten Griechenland, gleichfalls von Robert Münchgesang, und „Der Sieg des Kreuzes", eine Erzählung aus der Zeit des Kaisers Julian des Abtrünnigen, von Th. Kellner. Diese neuesten Bände stehen den früher» in nichts nach und find gleich diesen auch mit je vier Kunstdruck-Vollbildern nach Zeichnungen von Wilhelm Rohm geschmückt. Jede Erzählung kostet in Prachtband 3 Mark.
VonBachem's illustrirten Erzählungen für Mädchen (Preis pro Band mit vier Kunstdruckbildern in Prachtband 2,50 Mk.) sind zwei neue Bände erschienen: „Wie das Grafendorli glücklich wird" von Hedwig Dransfeld und „Nach harter Prüfung" von derselben Verfasserin. Diese Erzählungen für junge Mädchen reihen sich den früheren („Aus Wildfangs Jugendjahren", „Draußen in der Welt", „Die Tochter des Marquis", „Wildfang im Pensionat", „Führungen und Fügungen", „Das Grafendorli") würdig an. Wir können uns keine edlere, Herz und Geniüth erfrischende, auf gesunder christlicher Lebensanschauung basirende Unterhaltungslektüre für junge Mädchen im „Backfischalter" denken.
Auch die kleinen Jugend-Erzählungen (für Kinder von 9—14 Jahren) wurden durch ein neues, hübsch ausgestattetes Bändchen bereichert: „Die Tochter des Bergmanns" von Lorenz Heitzer (geb. 1,20 Mk.) wird dem jungen Volke eine sehr willkommene Festgabe sein und viel Nutzen stiften.
Vermischtes.
* Sott man Sei Gische lesen? Dieses für lernbegierige und in der Zeit beschränkte Leute ganz interessante Frage beantwortet, wie die ,Bohemia' mittheilt, das Pariser Fachblatt ,L’hygiene moderne* mit folgenden Sätzen: Wenn wir allein find, fühlen wir uns, sei es beim Frühstück, beim Mittagessen »der beim Nachtmahl, zumeist bewogen, uns während der Zeit des Essens mit Lektüre zu beschäftigen. Diese Gewohnheit ist schlecht, und man muß ste entschieden bekämpfen; sie ist umsomehr zu bekämpfen, wenn man, um keine Zeit zu verlieren, bei Tische eine begonnene Arbeit,ein angefangenes Studium fortsetzt. Wenn man schon liest, sei es wenigstens etwas Belustigendes und Leichtes. Der gewöhnliche Brauch, zum Frühstück die Zeitung zu lesen, ist nicht völlig zu verurtheilen; er liefert Stoff zur Unterhaltung und ermüdet das Gehirn nicht allzusehr. Am besten allerdings ist es, während des Essens überhaupt nicht zu lesen. Die Verdauung geht immer besser von statten, wenn der Geist frei ist und wenn die natürlichen Prozesse sich abspielen, ohne von der Arbeit des Gehirns gestört zu werden. Aeußerst zuträglich für die Gesundheit ist es, in Gesellschaft lustiger, freundlicher Leute zu speisen. Die Anregung, die damit der Neroenthätigkeit gegeben ist, wirkt fördernd auf die Verdauung; im Gegentheil vermag ein Mensch, der gelangweilt, ermüdet oder gereizt ist, die Verdauungsarbeiteit, wie jede andere Funktion nur mangelhaft zu leisten.
' AnfretwiMger Knmor „Tüchtiger Geschäftsmann mittleren Alters sucht betreffend Berheirathung ein Fräulein von 70-90 Jahren." (Groß wird da die Auslese nicht sein.) — Eine Zeitung berichtet über eine neue Mode: „So ließ eine junge Frau ihr Bild in Lebensgröße auf die kostbarsten Sevresteller malen". (Derartige Ri-fenteller müssen wohl erst ange
fertigt werden). — Einer Zeitung wurde gemeldet- „Die Forts gaben beim Erscheinen der „Hohene zollern" mit der Kaiserflagge Salutschüss) a b." (Und die Kanonen wehten im Winde. — In einen Steckbriefe gegen eine Arbeiterin wurde als Bekleidung aufgeführt: „4 bunte Oberröcke, 2 Unterröcke, 1 Korb, 1 schwarze Jacke, 1 Paar K inder- strümpfe, 1 emaillirter Topf ohne Ohr." (Besonders an letzterem Gegenstand wird die Person kenntlich sein.) — In einem Roman hieß es: „Die Liebe klammert stch ja bekanntlich an den dümmsten Strohhalm." (Aber dann muß er mindestens auf fruchtbarem Boden wachsen.) — Nach einer Verlustanzeige ist „einer weiß und schwarzgkfleckten Katze ein schwarzes und ein weißes Auge abhanden gekommen." (Das war mindestens ein Glasauge.)
* Für sein „unterseeisches, unbemanntes und unverbundenes Torpedoboot" kündigt der bekannte Elektrotechniker Tesla ein Patent an. Das Boot ist ausgerüstet mit sechs 14 Fuß Whitehead Torpedos, welche durch eine einzige Röhre geschleudert werden. Das ganze Boot kostet 200,000 Mark. Es führt keinerlei Besatzung; diese ist vielmehr gänzlich durch zum Theil sehr komplizirte, theils elektrisch, theils komprimirte Luft in Bewegung gesetzte Maschinerie vertreten. Das Boot und seine gesammte Maschinerie werden ausschließlich vom Lande aus, und zwar durch einen einzigen Operateur in Bewegung gesetzt. Das Boot ist nicht etwa durch Drähte mit dem Lande verbunden, Tesla benutzt lediglich Erde und Lust als Leitung für den nöthigen elektrischen Strom. Er be-, festigt den Mechanismus zum Abfeuern der Torpedos am Steuer und jedes einzelne Instrument an einem besonderen elektro-magnetischen Synchronismus. Ein ähnliches Tableau synchronistischer Instrumente ist mit einem einzigen Umschalter in der Hand des Operateurs verbunden, welcher allein alle Bewegungen des Bootes leitet, es untersinken, emporsteigen, seine Torpedos abfeuern läßt u. s. w. Tesla behauptet, das Torpedoboot könne auf weite Entfernung in dieser Weise benutzt werden und zwar mit Hilfe eines starken TeleflopS
* Auch Königinnen sind Franc». Die junge Herrscherin Hollands hat kürzlich einen ganzen Satz Briefmarken vernichten lassen, weil ihr ihr Porträt auf denselben zu wenig anmuthig erschien. Die Haare waren ihrer Meinung nach hinter dem Ohr zu straff angezogen. Diese unterdrückte Marke dürfte nun für die wenigen Sammler, die so glücklich waren, sich ein Exemplar verschaffen zu können, ein jvahrer Schatz geworden sein. Ein ähnlicher Fall kam im Jahre 1863 in Frankreich vor, als man die ersten Silbermünzen mit dem Bildniß Napoleons III. prägte. Die Prägung hatte bereits begonnen, als der Herrscher die Stellung einer Haarlocke nicht für richtig fand und Umprägung der Münze anbefahl. Einige Stücke des ersten Modells waren jedoch schon im Umlauf gekommen, und die wenigen Numismatiker, die im Besitz einer solchen sind, wahren dieselben heute noch als einen kostbaren Schatz.
* Modernes Daheim. Mama: „Dein Herr Lehrer hat sich heute bitter beklagt, daß Du während des Unterrichts so viel schwätzest; Du kannst doch daheim genug sprechen, aber in der Schule mußt Du schweigen." — Töchterchen: „Aber, Mama, zu Hause kann ich ja mit niemand sprechen. Du spielst immer Klavier, der Papa dichtet und in die Küche darf ich nicht."
* Pumpe». Bei einem Brande sagte einer zu einem Nebenstehenden, indem er auf das brennende Haus zeigte: „Wissen Sie was? soviel ist dem Manne ein Lebtag noch nicht gepumpt worden."
* Ei» praktischer Arzt. „Halten Sie 's Radeln ür vortheilhaft, Herr Doktor?" — „Gewiß! Mir hat's erst jüngst wieder drei schwere Patienten eingebracht!"
* Auch eine Rache. Tochter: „Siehst Du, Mama, der Herr Doktor hat wieder so kalt geschrieben." — Mutter: „Dieser Mensch ist mir so zuwider, daß ich ordentlich Lust hätte, seine Schwiegermutter zu werden."
* Paula: „Ich möchl' wiffen, ob der Herr im Hause drüben mich hört, wenn ich singe." — Julie: „Ganz sicher! Erwacht jedesmal sein Fenster zu."
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