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JuLöa, Dienstag, den 29. November 1898.
HL 272.
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Erscheint täglich, j». Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl. gdugsyrtis ahne Bringerlohn und Bestellgeld in Kulda und aus- LärtslM.SVPf.
ferenz nicht besprochen werden sollen. Frankreich würde gern die „elsaß-lothringische Frage" besprochen gesehen haben, da man sich nun einmal in Frankreich noch immer nicht in den Gedanken finden will, daß Elsaß-Lothringen zum Ausgleiche früherer Ungerechtigkeiten bei Deutschland bleiben muß. Aber Rußland hat sofort abgewinkt und hat betont, daß es auf dem Standpunkte des Frankfurter Friedens stehe und diesen anerkenne. Daraus geht hervor, daß es nicht angeht, praktisch-politische Fragen auf das Programm der Konferenz zu setzen. Sonst würde dieselbe eher neue Verwickelungen heraufbeschwören, als dem Gedanken einer europäischen Abrüstung die Wege ebnen.
h In mehreren Zeitungen wurden Mitthei- lungen gemacht über den angeblichen Inhalt des ZLattk Gesetzes, das bekanntlich dem Reichsage vorgelegt werden soll. Dazu wird halbamtlich geschrieben: Die in manchen Zeitungen enthaltenen Nachrichten über den Inhalt des dem Reichstage vorzulegenden Bankgefetz - Entwurfes sind verfrüht, da dieser noch keineswegs feststeht.
* Eine strengere Kandhavnng des netten Wargarinegefetzes über den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmittel ist in einer vom ,Reichsanzeiger' veröffentlichtest Ministerialverfügung angeordnet. Insbesondere ist nach dieser Verfügung darauf Bedacht zu nehmen, thunlichst häufig Proben untersuchen zu lassen, die Einhaltung der Deklarationsoorschriften im Handelsverkehr und die Befolgung der Anmeldepflicht für R.mme, in denen Kunst- fpeisefett gewerbsmä ig hergestellt wird, zu überwachen, die strafrechtliche Verfolgung von Zuwiderhandlungen herbeizuführen und von de.. Behörden eingeräumten Befugnissen zur Vornahme von Revisionen in den Räumen, wo Kunstspeisefett hergestellt, ausbewahrt, feilgehalten oder verpackt wird, möglichst weitgehenden Gebrauch zu machen. .
* Eine Konferenz zur Neuregelung der Ge- tzeimmiltelfrage hat, wie bereis mitgetheilt, in der vergangenen Woche getagt. Als vorläufiges Ergebniß ver Berathung wird mitgethM, daß ein scharfes Anpr'eisungsverbot der Geheimmittel in Aussicht steht. Die Kommission bestand aus Vertretern der chemischen Industrie, Arzneigroßhändlern, Apothekern und Droguisten, die alle in der Lage waren, ihre geschäftlichen Interessen in der Kommission zu vertreten. Das Preßgewerbe, das dem Anscheine nach die gesummten Kosten der Neuordnung des Geheimmittelwesens tragen soll, war in der Kommission unvertreten.
That zu Ende, aber der Form nach ist und bleibt noch immer der Sultan der Oberherr dec Insel. Ein Gouverneur kann also nur mit Genehmigung des Sultans eingesetzt werden; aber einen Kommissar können die Mächte auch ohne die Genehmigung des türkischen Großherrn ssnach Kreta senden. Natürlich hat sich der Sultan heftig ragegen gesträubt, daß Prinz Georg überhaupt nach der Insel Kreta gehe. Aber alle seine Widersprüche find ohne Erfolg geblieben, und auch das letzte Mittel, ein eigenhändiges Schreiben des Sultans an den Zaren, hat nichts genützt. Ind thatsächlich wird Prinz Georg von Griechenland sehr bald als neuer Herr auf der Insel einziehen. Von der türkischen Herrschaft verbleiben dort nur noch als allerletzte schwache Anzeigen einige Fahnen in der Hauptstadt Kanea. Die Admirale der vier Kreta-Großmächte verlassen dann die Insel ebenfalls, und nur einige europäische Kriegsschiffe werden in den kretischen Gewässern zurückbleiben, um aller Welt klar zu machen, daß nach wie vor die Großmächte die Geschicke der Insel in der Hand behalten wollen und daß der mit den vier Großmächten anbinden muß, der in Kreta etwas anderes will als diese.
Und damit gelangt man zu einem zweiten Grunde, der dahin geführt haben mag, den Prinzen nicht sofort als Generalgouverneur, sondern vorerst nur als Kommissar einzusetzen: die Mächte wollen das Regiment auf der Insel nicht aus der Hand geben. Zunächst will man erst einmal eine Probe machen mit der Selbstständigkeit der Insel, und diese Probe ist sicherlich außerordentlich notwendig. Zu wild waren die Geister durcheinander gerührt, zu sehr sind die Kreter daran gewöhnt, ihre Rechte mit den Waffen in der Hand zu verteidigen und zu schießen, anstatt zu sprechen und diplomatisch zu unterhandeln, als daß man nun sofort ohne weiteres die Insel für immer wieder ihrem Geschicke übeilassen könnte. Und am Ende denkt auch die eine oder andere Großmacht an die Möglichkeit, daß auch Prinz Georg abwi.th- schaften und sie dann ganz allein für sich an seine Stelle sich setzen könnte; namentlich den Engländern würden solche Gedanken ganz gut zu ihrem Gesicht stehen.
Wir aber warten es ruhig ab, was wohl nun noch mit Kreta werden mag.
seiner Brust. Oskar verließ nach einer Weile das Haus. Er begab sich zu dem Bürgermeister und händigte diesem, ohne eine Bemerkung daran zu knüpfen, einen von dessen eigener Hand ge- schrikbenen Brief ein, den er in dem Schreibbuche seines Vaters entdeckt hatte. Sodann setzte er den Bürgermeister von den neuesten Ereignissen und der bevorstehenden glänzenden Rechtfertigung des Sohnes in Kenntniß. Gleichzeitig ei klärte er Raimund in den nächsten Tagen besuchen zu wollen, um ihn über alles aufzuklären und auf das Glück vorzubereiten, welches ihm bevorstand.
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Die abermalige Verhandlung in Sachen Raimund Erdmann lockte noch viel mehr Zuhörer als die erste herbei. Diesmal fehlte auch die Freihofersche Familie nicht, bei welcher sich Graf Oskar befand.
Raimund saß nicht auf der Anklagebank, sondern zwischen seinem Vater und dem Ver- theidiger auf einem besonderen Platze.
Der Präsident rührte die Glocke und erhob sich. Er verlas die protokollirten neuesten Erhebungen, welche theils in den Geständnissen Haubers und Leonhard Bräunings bestanden, theils in den Erklärungen Konrad Kallers, der bei einer abermaligen Vernehmung sein Stillschweigen gebrochen und ausgesagt hatte, soviel ihm bekannt war.
„Es ist für mich eine peinliche, aber gewissermaßen doch wohlthuende Pflicht", fuhr der Beamte dann fort, „einzugestehen, daß das Gericht mit seinem erstmaligen Urlheile einen schweren Jrrthum beging. Es gereicht uns jedoch zur Entschuldiguna, daß wir durch eine abgefeimte
Ausland.
* Saris, 28. Nov. Die Annahme der amerikanischen Friedensbedingungen ist heute erfolgt. Die .Agence Havas' bringt folgende Meldung: Die spanisch-amenkanische Friedenskommission tagte heute Nachmittag von 2 bis 23/t Uhr. Die Spanier nahmen die Bedingungen der Amerikaner an, nämlich: Aufgabe der Philippinen und des Sulu- Archipels gegen eine Entschädigung von 20 Verbrecherbande und durch fast unglaubliche Ränke absichtlich in die Irre geführt worden sind. Herr Raimund Erdmann mußte Schweres erdulden, aber es würde gewiß ein trostreicher Ersatz für ihn sein, wenn sein Schicksal sich zu einer sozialen That gestaltete und das Haberfeldtreiben in Bayern von nun an mit demjenigen Maßstabe gemessen würde, den man nach dem Vorausgegangenen unbedingt an dasselbe anlegen muß. Nach diesem Gesichtspunkte hat das Gericht den ganzen Prozeß schon das erste Mal behandelt und darum die empfindlichen Strafen geschöpft. Jetzt aber, nachdem die Erfahrung gemacht ist, daß dieses sogenannte Volksgericht nur den gemeinsten Leidenschaften, dem Haß und der Rachsucht dienen mußte, daß man einen Unschuldigen mit systematischem Raffinement ins Unglück stürzte, wird sich schwerlich mehr ein Unbe- fangener finden, der diese Volkssitte zu recht- fertigen wagt. Man suchte seither das Haberfeldtreiben immer wieder mit dem goldenen Scheine der Romantik zu umgeben, den es ehedem vielleicht gehabt hat. Dieser Schein ist jetzt gründlich zerstört. Vor dem Jahre 1848, als der Bauer, namentlich bei den Gerichtshaltern eines selbstherrlichen Adeligen nur schwer zu seinem Rechte kommen konnte, hatte das feldtreiben wenigstens noch einen Sinn. Aber heute, wo Polizei und Gerichte rasch bei der Hand sind, um jede Ungebühr zu ahnden, braucht man eine Selbsthilfe nicht Möchten wir uns deshalb in dem vorliegenden beklagenswerthen Falle mit „dem letzten Trieb" beschäftigt haben, bann hat er doch etwas genützt und aus dem bayerischen Volksleben verschwindet eine Unsitte,
amerikanischen Kriegs gezeitigt hat — Hinweis endlich darauf, daß auf eine Verwirklichung der russischen Abrüstungs-Vorschläge in absehbarer Zeit noch nicht zu rechnen sei. Leider wird dieser letztere Hinweis die Wahrheit treffen. Alle Mächte aber sollten ernstlich bemüht sein darum, das Gegentheil zur Wahrheit zu machen.
© Die konservative ,Kreuzztg.' thut sehr erstaunt über die von ihr nun doch endlich gemachte Entdeckung, daß in der Niederlegung eines Kranzes am Sarge des Iürsten Mismarck durch dieAbgg. Dr. Spahn und Dr. Bachem nicht eine Kundgebung der Centrumspartei zu sehen sei. Die Abgeordneten haben vielmehr nur als Vertreter des Reichstages gehandelt, denn Dr. Spahn war zweiter Vizepräsident und Dr. Bachem einer der Schriftführer desselben; mit der Centrums-Fraktion des Reichstages hatte die Niederlegung des Kranzes nichts zu thun. Der,Kreuzztg.' ist das unangenehm. Die Konservativen hatten eingesehen, daß es unklug von ihnen gehandelt war, aus dem Präsidium des Reichstages auszuscheiden. Da sie nun aber im März 1895 erklärt hatten, mit dem Centrum zusammen wollten sie nicht im Präsidium sitzen, weil dieses die feierliche Ehrung des Fürsten Bismarck durch den Reichstag ablehnte, brauchten sie jetzt einen Vorwand,' um wieder in das Präsidium zu gelangen und doch am^sich selbst nicht bloßzustellen für jenen EntrüstuNgs-Rummel von 1895. Diesen Vorwand sollte jener Kranz abgeben; das Centrum sollte seit 1895 „ein anderes" geworden sein. Natürlich ist davon keine Rede, und die gejammt? Centrumspresse lehnt diese Unterstellung ganz entschieden ab. Die Konservativen werden also mit der Gesellschaft des alten Centrums im Präsidium des Reichstages vorlieb nehmen müssen, und ohne Zweifel werden sie es auch thun, ob-nun der Kranz der Abgeordneten Dr. Spahn und Dr. Bachem ein Centrumsoder ein Reichstags-Kranz gewesen ist.
4- Mit großer Beharrlichkeit kehren in den halbamtlichen Darlegungen Hinweise auf die anarchistischen Gefahren wieder, die von verschiedenen Seiten drehen — oder vielleicht auch nur drohen sollen. Es war in München in weiten Volkskreisen mit lebhaftem Bedauern empfunden worden, daß im und am Staatsbahnhos weitläufige Abgrenzungs-Maßregeln während der Anwesenheit des kaiserlichen Paares vorgenommen wurden; und ähnliche Maßregeln waren diesmal auch in Stuttgart getroffen worden, wo man derlei sonst noch weniger kennt als in München. Jetzt wird nun halbamtlich berichtet, von Italien aus sei die Anzeige nach München gelangt, der Anarchist Zanardi sei von Mailand nach Süddeutschland abgereist und daraufhin ist eine peinliche Ueberwachung der Bahnstrecke angeordnet worden, die der kaiserliche Sonderzug durchfahren mußte und noch mehr der Bahnhöfe. Sowohl in Karlsruhe als auch in Baden-Baden sind einige Personen verhaftet worden, die man für verdächtig hielt.
X Die Einladungen zur ASrüstttngs-Kon- ferettj werden in der nächsten Zeit erwartet. Auch die neueren Nachrichten über das Programm der Konferenz bestätigen die frühere Meldung, daß politische Fragen aktueller Art in der Kon-
Der letzte Trieb.
Kriminal-Roman von Max Benno.
32 ------ (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Der Beamte kehrte mit Oskar in sein Amtszimmer zurück. „Das hätte ich nicht geglaubt", bemerkte er hier; „umso mehr aber freue ich mich darüber, daß die Sache diese unerwartete Wendung nahm, wenn diese auch weder für mich, noch für die Richter besonders angenehm ist. Ein Vorwurf kann uns freilich nicht gemacht werden. Kein Gerichtshof hätte den vorliegenden Beweisen gegenüber anders gehandelt als wir. Die Freiheit kann man dem jungen Erdmann natürlic; auch jetzt noch nicht geben, weil eine nochmalige Verhandlung vorausgehen muß. Ich werde jedoch dafür sorgen, daß fein Aufenthalt im Ge- fängniß, der ja nicht mehr lange dauert, erträglich wird."
Damit verabschiedete er sich von dem Grafen, und dieser reiste nach Waldheim zurück.
Als er ins „Schwert" kam, kniete Kathie vor Senzchen am Boden mit bittenden Händen und weinte bitterlich.
„O, Fräulein", schluchzte sie, „verzeihen Sie wir, daß ich so lange schwieg. Ich wollte immer gestehen, aber ich hatte den Muth nicht dazu. Als die Haderer damals die schändlichen Beschuldigungen gegen Sie und den Herrn Grafen vorbrachten, bekam ich entfitzliche Angst, denn ich bin in der Laube gewesen mit einem jungen Menschen, der mich dringend dahin bestellt batte Amb von dem ich nur weiß, daß er Leonhard
für Inserate I. parzeller in Sulla. mit Ilnteryaktungs-AeUage „Ilkustrirte Sonntags-Zeitung!'
Deutsches Keich.
Berlin, 28. November.
x Nach der Meldung eines parlamentarischen Berichterstatters soll die neue Astikitärvorkage gleichzeitig mit dem Etat dem Reichstage vorgelegt werden. In der Meldung wird von einer „Vorlage über die Erhöhung der Friedens- Präsenz" gesprochen. Da nicht anzunehmen ist, daß die neue Militärvorlage in einzelnen Stücken an den Reichstag gelangt, könnte es sich hierbei nur um die Vorlage handeln, von der schon längst als von der neuen Militärvorlage im allgemeinen die Rede ist. Die Begründung soll angeblich auf folgenden drei Hauptpunkten beruhen: Hinweis auf die Rüstungen der benachbarten Reiche — Hinweis auf die schlimmen Folgen, die mangelnde Bereitschaft im spanisch
heißt. Ich lernte ihn schon in Rodenbach kennen und er hat mich veranlaßt, hier in Dienst zu treten. Er kam Morgens in aller Frühe, wenn ich allein war. Er versprach mir, mich zu hei- rathen und ich glaubte es ihm. Im Garten traf ich ihn nur ein einziges Mal im Studentenanzug, worüber ich mich arg wunderte, da er früher niemals etwas davon gesagt hatte, daß er Student sei. Ich dachte aber nichts Schlimmes dabei. Seither sah ich ihn nicht mehr. Er hat mich also nur zum Besten gehabt." ~
Oskar trat näher und wurde von Senzchen bemerkt. Sie hieß das Mädchen aufstehen und gehen, dann gab sie dem Bruder die Hand.
„Hast Du gehört?" fragte sie.
„Alles", erklärte der Graf, „übrigens war die Hauptsache mir schon bekannt "
Er theilte die Vorgänge beim Staatsanwalt mit; das Geständniß Leonhard Bräunings, welches theilweise nur die Bestätigung dessen enthalten hatte, was schon von Hauber gesagt worden war, sowie die verheißungsvollen Worte des Beamten über die baldige Freilassung Raimunds.
Für Senzchen trat demgegenüber alles Andere in den Hintergrund. Raimund frei! Seine Ehre wieder hergestellt! Der barmherzige Gott hatte ihre Gebete erhört.
„Nau wundere ich mich nicht mehr darüber", nahm der Bruder wieder das Wort, „daß Raimund mich damals so frostig empfing. Er mußte ja glauben, wir treiben mit ihm ein falsches Spiel, aber nun wird Alles gut werden, Schwesterchen, und wir schenken ihm die Abbitte wegen seines schlimmen Verdachtes nicht."
Senzchen barg hocherröthend ihr Köpfchen an
L Die Insel Kreta.
Für die Insel Kreta hat ein neuer Abschnitt . begonnen, und damit nicht nur für die Insel Kreta selbst, sondern auch für einen ganzen Theil Orientpolitik. Ob es der Schluß ab schnitt sein wird in diesem Theile kretischer Geschichte? Diese Frage läßt sich heute nicht beantworten. Mau kann nur hoffen, daß es so sein möge; im ; Voraus urtheilen kann man darüber nicht. Und uns Deutsche regen ja die kretischen Angelegenheiten bei weitem nicht so auf, wie das bei den vier Kreta-Mächten Rußland, Frankreich, England und Italien der Fall ist. Deutschland hat sich längst von der thätigen Betheiligung an dem Vorgehen auf der Insel Kreta zurückgezogen, und seinem Beispiele ist Oesterreich gefolgt; und damit hat Kreta für uns nur noch so weit Interesse, als chie europäische Politik überhaupt von der : Kreta-Frage beeinflußt wird.
Wunderlich ist es der Türkei gegangen mit Kreta. Die Kreta-Frage war die Veranlassung zum griechisch-tückischen Kriege. Die Griechen zogen in den Krieg, um die Insel und die Stam- mesgenoffen auf derselben von der türkischen Herrschaft zu befreien. Griechenland wurde besiegt, wie es vorauszusehen war; aber feine Niederlage kam so schnell und in einer Art und Weise, daß man sagen mußte, Griechenland war jämmerlich besiegt. Nach dem Ausgange des Krieges mußte die Türkei also die Insel Kreta nun wieder für lange Zeit als ihr unbestrittenes Eigenthum anfehen — aber nun ist es ganz anders gekommen. Was die Griechen in dem Kriege erreichen wollten, dessen Ende eine jammervolle Niederlage für fre war, das haben sie nun ganz ohne ihr eignes Zuthun erreicht, und die Türkei muß es erleben, daß sie einen erfolgreichen Krieg geführt hat und der Lohn, um den gestritten wurde, dem Besiegten zufällt. Denn nunmehr ist es entschieden: "mit der türkischen- Herrschaft auf der Insel ist es ganz und gar zu Ende. Der türkische Gouverneur Dschewad Pascha ist allen seinen Truppen nachgezogen, die Insel ist frei von türkischem Militär, die moslemitischen Familien beginnen auszuwandern, die Griechen erhalten vollkommen die Oberhand, und ein grie- . chischer Gouverneur, der zweite Sohn des Königs " Georg von Griechenland, Prinz Georg, zieht als neuer Gouverneur auf der Insel ein.
Noch zwar führt er nicht diesen Gouverneurtitel. Zunächst soll er nur der „Oberkom - missar" für die Verwaltung der Insel sein, und damit ist angedeutet, daß auch dieser neue Zustand nur ein vorläufiger fein soll. Aber die Neuerungen, die unter diesem „Oberkommiffar" in der Verwaltung der Insel eingesührt werden sollen und zum Theil schon in Angriff genommen find, sollen doch für immer gemacht werden, und deswegen darf man getrost von einem ganz neuen Abschnitte in der Entwickelungsgeschichte der Insel reden, obwohl die Einsetzung des Prinzen Georg von Griechenland nur als eine vorläufige Maßregel zunächst gelten soll.
Noch etwas Anderes kann man als Grund dafür anfehen, daß der Prinz zunächst nur der „Kommissar" der vier Kreta-Mächte fein soll. Mit der Türkenherrschaft ist es zwar in der
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25. Jahrgang.