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KuldaerMZeitung

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25. Jahrgang.

Irrtöa, Montag, den 28. November 1898.

Jte 271.

-ÄÄftassr.’ÄL“- mit ZlnKrhallungs-Meilage „Issustrirte Sonntags-Zeitungs

♦ Die Heimkehr des Kaisers.

Der deutsche Kaiser ist mit seiner erlauchten Gattin heimgekehrt. Die Heimkehr ist früher und auf kürzerem Wege erfolgt, als anfänglich beabsichtigt gewesen war. Man weiß in der Oeffentlichkeit nichts von den Gründen, die den Anstoß zu dieser früheren Heimkehr gegeben haben. Aber etwas ist gewiß, und das ist die Thatsache, daß das Volk über die Heimkehr des Kaisers herzliche Freude empfindet. Von mancher Seite her sind zwar über diese Reise des kaiserlichen Paares Besorgnisse in übertriebener Weise laut geworden; aber das steht fest, daß das deutsche Volk im Allgemeinen nicht ganz ohne Besorgnisse auf diese Kaiserreise geschaut hat und nun doppelt froh ist über deren guten Verlauf und die glück­liche Heimkehr.

Nicht als politische Reise war die Fahrt nach dem Orient unternommen worden, und auch nicht als „romantische Wall­fahrt", wie es manche so gern darstellen wollten. Sie entsprach ganz sichtbar aus dem Wunsche, der bei einem christlichen Herrscher nichts Auffallendes an sich hat. Sehr viele der Leute von heute freilich haben gerade für solche Regungen wenig Verständniß, und diesen mag es als „romantische Wallfahrt" erscheinen, wenn jemand, sei es nun ein Herrscher oder ein ge­wöhnlicher Sterblicher, solchen Regungen folgt, wenn er es kann. Der gläubige Christ und namentlich der Katholik hat dafür ein lebendigeres Gefühl, und darum hat gerade diese Reise bei den deutschen Katholiken gar keine Verwunderung erregt.

Das freilich hatte keiner von ihnen geahnt, daß die Orientfahrt des Kaisers den deutschen Katholiken nicht nur, sondern der ganzen katho­lischen Welt und Christenheit ein so herrliches Geschenk bringen würde in der Stätte auf dem Berge Sion, wo die Gottesmutter in seligem Hinscheiden von dieser Erde sich trennte. Von neuem weist Kardinal Krementz, Erzbischof von Köln, in seinem Aufrufe zu Spenden für eine Kirche an dieser geweihten Stätte auf die große Bedeutung dieser hochherzigen Spende des Koffers an die deutschen Katholiken hin: „zum ersten Mal wieder seit 300 Jahren, wo diese Stätte der treuen Obhut der Franziskaner ent­rissen wurde, erhält durch diese Gabe die ganze katholische Welt freien Zutritt zum Berge Sion und zu diesem ehrwürdigen Heiligthum der Gottesmutter". Und dicht dabei liegt „das Cönaculum, jener ehrwürdige Ort, wo der gött­liche Heiland das allerheiligste Sakrament des Altares, das unblutige Opfer des neuen Bundes einsetzte".

Thörichte Gerüchte in Menge sind in Verbindung mit dieser Kaiserreise aufgebracht worden. Man fabelte von großartigen deutschen Kolonisationsplänen in Kleinasien, oder gar in Tunis, die zwischen dem Kaiser und dem Sultan verabredet werden sollten, und augenscheinlich gibt es thörichte Leute, die enttäuscht sind deswegen, weil davon nicht die Rede ist, und nicht hellsichtig genug, um einzusehen, daß davon in Wirklichkeit nicht die Rede sein kann. Ohne Zweifel aber ist das Ansehen des deutschen Kaisers, ist der deutsche

Einfluß im Orient durch diese Kaiserreise ganz mächtig gestärkt und gesteigert worden; und diese Wirkungen der Reise werden ganz gewiß nicht ohne die günstigsten Rückwirkungen bleiben auf die Entwickelung deutschen Handels und Verkehrs im Orient.

Und vor allen Dingen werden Verabredungen und Abkommen wirthschastlicher Art doch gar nicht bei Herrscher-Zusammenkünsten bis zu Ende ge­führt, ganz abgesehen davon, daß der Kaiser un­möglich zu dem Sultan kommen konnte als jemand, der vom Sultan etwas haben wollte. Diese Ar­beit, vorausgesetzt, daß solche Arbeit zu leisten wäre, ist Sache der Diplomaten, und da wir in Konstantinopel durch den Freiherrn Marschall von Bieberstein, ehemals Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, so vorzüglich vertreten sind, so können wir der Entwickelung dieser Dinge mit Ruhe und Zuversicht entgegensetzen.

Das alte, in seiner Bedeutung vielfach ver­blaßte Wort von orientalischer Pracht und orientalischem Festesglanz hat bei dieser Kaiserreise neue Lebensfrische erhalten; und namentlich von dem Empfange des kaiserlichen Paares in Damaskus und seiner feenhaften Pracht wissen die Berichterstatter nicht genug zu erzählen. Ueberschwänglich lesen sich die Schilde­rungen von der Begeisterung, die die Menge dort zur Schau getragen hat. Aber diese Begeisterung dauert wenig länger, als das Feuerwerk, das ihr äußeren Glanz verleiht. Prächtig glänzen die Racketen, mächtig wiederhallen die Donner­schläge, aber nur ein Augenblick — und dann ist alles wieder vorbei. Das ist nicht die Art des Deutschen. So überschwänglich pflegt er nicht seine Begeisterung in knatternden Feuer­künsten zu den Wolken emporsteigen zu lassen! Aber treu ist der Deutsche und in seiner Treue fest; und wem die Treue der deutschen Herzen sich zugewandt hat und wer sie ganz besitzt, der mag sich des köstlichsten Kleinodes rühmen, das die Erde ihm bieten kann.

So ist nun der Kaiser wieder in seine Resi­denz eingezogen, und vielleicht mag ihm der be­reitete Empfang nüchtern erschienen sein nach allem Glanze und nach der funkelnden Pracht des Orients, kühl das nordische Klima im Ver­gleiche zur Sonnengluth Kleinasiens. Und dazu kommt, daß ernste Arbeit drängt und der schleunigen Erledigung harrt! Da möge denn Kaiser Wilhelm dem jähen Wechsel nicht gram sein: das Herrlichste bleibt doch für den Herr­scher die unwandelbar treue Gesinnung des Volkes und im Austausche dafür des Herrschers Hingabe für sein treues Volk!

* * *

Unmittelbar nach der Ankunft des Kaisers in Potsdam hat derselbe die zu seiner Begrüßung am dortigen Bahnhofe erschienenen Minister und Staatssekretäre im Fürstensalon des Bahnhofes um sich versammelt und dort mit den Herren eine volle Stunde verweilt. Nach einer halb­amtlichen Mittheilung sprach der Kaiser über die Ergebnisse seiner Orientreise, sowohl über die bereits erreichten als auch über die, die für die Zukunft noch zu erwarten sind; und

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

31 ------ (Nachdruck verboten.)

„Sie sind in Trauer versitzt worden," warf Römer mit einem forschenden Blicke auf Leonhard hin, „da Ihr Onkel gestern Nacht an den Brand­wunden starb, die er bei einem in seinem Zimmer ausgeb: ochenen Feuer erhielt. Leider sind auch alle seine Staatspapiere, wohl das ganze Vermögen des Alten verbrannt."

Leonhard erblaßte. Er schnappte nach Luft.

„Ja leider", wiederholte der Staatsanwalt, seine durchdringenden Augen fortwährend auf Bräuning heftend, „denn nun ist die Erbschaft ins Wasser gefallen, welche der Onkel Ihnen in Aussicht gestellt hat. Er erzählte vor seinem Tode noch verschiedene Sächlein, woran wir aber erst nachher kommen, wenn ich wegen des Ein­bruchs auf dem Laufenden bin. Ec nahm Platz und schrieb die Angaben nieder, welche er von den zwei Delinquenten erhielt, die ihre Theilnahme an dem Einbruch nicht leugneten.

Er schloß die Vernehmung und die Gauner wurden in Zellen geführt.

Gleich darauf stellte Oskar sich wieder bei dem Staatsanwalt ein.

„Glück auf," rief Letzterer ihm zu, „ich sehe Licht! Leonhard Bräuning ist einer der beiden Diebe und nun in meiner Hand. Wir wollen ihm schon zusetzen, daß er mit der Wahrheit heraus­rückt."

Der Gefängnißwärter erschien. Der Mann sah ausgeregt aus.

„Herr Staatsanwalt," meldete er, „es ist etwas passirt, an dem mich aber keine Schuld trifft. Ich durchsuchte die beiden Häftlinge genau und nahm ihnen ihre Sachen ab, aber der eine, Leonhard Bräuning, hat doch eine kleine Metall­säge zu verbergen gewußt, mit welcher er sich die Adern öffnete und der nun nach der Aussage des schnell herbeigeholten Dokto: s ganz schlimm daran ist.

Römer wechselte einen Blick mit Oskar. Er sann ein paar Sekunden lang nach. „Da gilt es rasch zu handeln", sagte er dann, „damit uns nicht dieses wichtige Zeugniß entgeht. Folgen Sie mir."

Die Beiden begaben sich in den Gefängniß- raum, wo Leonhard untergebracht war. Das Bett und der Fußboden waren mit Blutspuren bedeckt. So gefährlich aber, wie der Wärter gemeint hatte, schien der Zustand Leonhards nicht zu sein. Er richtete seine Blicke auf Oskar und ein boshaftes Grinsen zuckte um seinen Mund.

„Ah, der Herr Graf von Waldheim", sagte er, „ich kann mir schon denken, warum er mir durch seinen Besuch eine so hohe Ehre erweist. Da der Onkel das Maul nicht gehalten, wie ich bereits herausfand, fo liegt auch für mich hierzu keine Ursache vor, wenn auch meine Absicht durch den Aderlaß nicht erreicht worden ist. Ich will schon dafür sorgen, daß der traurigen Geschichte auf dieser miserablen Welt ohne mein Zuthun ein Ende gemacht wird. Ich will nun gleich selber beichten, dann bleibt mir das dumme Gefrage erspart. Eine Ruhe bekommt man vor Euch doch nicht, ehe Ihr unser einen wie eine Citrone aus­gepreßt habt. Ihr dürft aber ja nicht glauben, daß dies durch einen reuigen Sünder geschieht.

gleichzeitig gab der Kaiser seiner Befriedigung über die erzielten Erfolge Ausdruck.

Am Samstag hatten auch die Straßen Berlins zur Feier der Rückkehr des kaiserlichen Paares vielfach reichen Flaggenschmuck an­gelegt. Namentlich ist auch hervorzuheben, daß sämmtliche katholischen Kirchen in den deutschen und päpstlichen Farben geflaggt hatten und daß Vormittags von 11 Uhr eine Viertelstunde lang alle ihre Glocken läuteten. Um 11 Uhr nämlich fuhr der kaiserliche Hofzug in die Halle des Potsdamer Bahnhofes ein.

Deutsches Deich.

Berlin, 26. November.

* Der Kaiser wird am 23. Januar nächsten Jahres sich nach Gotha zur Theilnahme an der Feier her silbernen Hochzeit des Herzogs Alfred begeben und im herzoglichen Schlosse Wohnung nehmen. Der am 6. August 1844 als zweiter Sohn der Königin Viktoria von England geborene Herzog vermählte sich bekanntlich am 23. Januar 1874 mit der am 17. Oktober 1853 geborenen Großfürstin von Rußland, Tochter Kaiser Alexanders II., welcher Ehe fünf Kinder entsproffen. Im deutschen Heere bekleidet der Herzog den Rang eines Generals der Infanterie und in der russischen Marine den eines Chefs der 2. Flottenausrüstung des Schwarzen Meeres. Bei seiner Thronbesteigung am 22. August 1893 als Nachfolger des kinderlos verstorbenen Herzogs Ernst II. von Sachsen-Koburg- Gotha legte der Herzog die Stellung eines britischen Großadmirals und Mitgliedes des englischen Ge­heimen Rathes nieder. Außerdem ist der Herzog Chef des 2. Rheinischen Husarenregiments Nr. 9 (Trier) und des 6. thüringischen Infanterieregiments Nr. 95 (Gotha, Hildburghausen und Koburg.)

* Wegen Ueberweisung der Dormitivn in Jerusalem an die deutschen Katholiken hat wie die ,Köln. Volksztg/ meldet, der Episkopat auf Anregung Sr. Eminenz des Hrn. Kardinal- Erzbischofs von Köln in den letzten Tagen eine Dank Adresse an den Kaiser beschlossen, über Die auf der jüngsten Bischofs-Konferenz in FuldaVorbesprechungenstattgefunden haben. Die Adresse wird gegen Mitte der nächsten Woche in die Hände Sr. Majestät gelangen.

0 Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht die Verordnung über die Kinvernfnng des Ikeichs- tages. Danach erfolgt die Eröffnung am Dienstag den 6. Dezember. Die Verord­nung trägt das Datum Baden-Baden, den 25. November. Die Tagung vor Weihnachten wird naturgemäß nur einige wenige Sitzungen aufzuweisen haben. Am 8. Dezember muß die Sitzung wegen des Feiertages Mariä Empfängniß ausfallen, und schwerlich wird der Reichstag länger als bis zum 17. Dezember zusammenzu­halten sein.

* Eine Reihe von Personenfragen wird jetzt nach der Rückkehr des Kaisers nach Pots­dam alsbald ihre Erledigung finden. Zunächst handelt es sich um den Posten des Prästdenten der Oberrechnungskammer in Potsdam. Als Kandidat für diese Stelle wird jetzt der Höer-

ich erzähle vielmehr meine hübschen Stücklein nut deshalb, um Euch gelehrten Herren zu beweisen, daß Ihr noch lang nicht die Gescheidtesten seid und daß Euch sogar ein Zuchthäusler an der Nase herumführen kann. Das Hauptoerdienst gebührt freilich meinem Onkel, der alles so schön ausgedacht hat. Ich war es, der den jungen Erdmann an den Garten des „Schwerts" bestellt hat, ich habe in der Gestalt des Herrn Barons mit Kathi in der Jasminlaube verkehrt und sah den Lauscher an der Hecke recht gut, wie er auch mich, denn gerade das wurde von mir bezweckt. Ich habe das vom Onkel verfaßte Protokoll zum Haber- felbtreiben mit den Schriftzügen Raimunds ab« geschrieben, was für mich ein Kinderspiel war, denn das habe ich im Zuchthaus gelernt; ich besorgte im Auftrag des Onkels den Schwindel mit den Orakeln für die Herrschaften auf dem Oktoberseste in München, ich fertigte auch an Sie, Herr Staatsanwalt, die Denunziation bezüglich der Haberer an, und ich habe den Studenten Erdmann zu dem Gewölbe bestellt. Von einem Genoffen, dem Zigeuner Franz Reinhard, den man nachher erschaffen auf dem Marktplätze fand, war er kunstgerecht nieder­geschlagen und ins Gewölbe geschleppt, wo dann genau das mit ihm geschah, was er vor Gericht ausgesagt hat. Wir spekulirten darauf, daß man ihm nicht glauben werde und unser Schluß war nicht falsch. Ich habe aber auch noch etwas Anderes gethan, und wenn ich es erzähle, so spreche ich mich damit um meinen Kopf, aber gerade das beabsichtige ich. Nachdem mein Erbe futsch ist, bedanke ich mich dafür, wieder jahre­lang im Zuchlhause zu sitzen und nachher den

Präsident von Kesse« Zkassa« KxzeKenz Magdevnrg genannt der angeblich in derPersondes Frhrn v. d. Recke, des preußischen Ministers des Innern, einen Nachfolger erhalten würde. Daß Frhr. v. d. Recke aus dem Staatsministerium ausscheiden wolle, ist bekanntlich schon wiederholt behauptet worden; ob die jetzige Angabe stich­haltiger ist als die früheren, entzieht sich unserer Kenntniß.

ft. Auch bei den Konservativen scheint eine sehr ruhige Auffassung darüber sich Bahn gebrochen zu haben, wie das Reichstags - ^räsidi«m zu­sammenzusetzen sei, ob nämlich die zweite Vize­präsidentenstelle den Nationalliberalen oder den Freisinnigen zufallen soll. „Die Konservativen — so bemerkt die,Kreuz-Ztg.' — werden der Ent­scheidung in diesem Punkte mit um so größerer Seelenruhe entgegensehen, je mehr die National­liberalen es sich angelegen sein laffen, gegen unsere Partei gehäffige und grundlose Angriffe zu richten." In der That ist es schwer ver­ständlich, was die Zeitungen anderer Parteien als derjenigen die es selbst etwas angeht, Auf­regendes bei der Frage finden können, ob die zweite Vizeprästdentenstelle den Freisinnigen oder den Nationalliberalen anheimfällt.

X Das Abkommen, das zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten von Bayern über die Vertretung Bayerns beim Hversie« Mikr- tärgerichtshofe getroffen worden ist, bedarf noch der gesetzlichen Bestätigung durch den Reichs­tag. Das Einführungs-Gesetz zur neuen Mili­tärstrafprozeß-Ordnung enthält dle Bestimmung, daß die Einrichtung der obersten militärgericht­lichen Instanz mit Rücksicht auf die Verhältnisse Bayerns anderweit gesetzlich geregelt werden soll; dem Reichstage muß also noch eine besondere Vorlage darüber gemacht werden. Wie bekannt, besteht die getroffene Verabredung darin, daß daS Reichs - Militärgericht einen besonderen bay­rischen Senat enthalten soll, dessen Präsident, Militäranwalt und Mitglieder von Bayern er­nannt werden. Tatsächlich handelt es sich also um ein besonderes bayerisches Militärobergericht, das nur seinen Sitz in Berlin statt in München haben wird. Für die andern Senate des Reichs- Militärgerichts werden die Senatspräsidenten und die Räthe (je drei in jedem Senate) vom Kaiser auf Vorschlag des Bundesrathes, die militärischen Mitglieder (je vier in jedem Senate) vom Kaiser auf Vorschlag des Kontingentsherrn ernannt, also desjenigen Landesfürsten, dem der Theil des Reichsheeres angehört, aus dem die Militärmit­glieder eines Senats zu entnehmen sind. Das eine besondere Zugeständniß an Bayern besteht also darin, daß die Ernennungen für den bay­rischen Senat allein und selbstständig von Bayern ausgehen; das andere darin, daß alle bayerischen Fälle ausschließlich vor dem besondern bayerischen Senate verhandelt werden müssen. Alle andern Sachen werden gleichmäßig unter die übrigen Senate vertheilt, ohne Rücksicht darauf, aus welchem Bundesstaate sie stammen.

+ Auch die lippe'scße Streitfrage ist während des Zusammenseins des Kaisers mit dem Prinzrege nten von Bayern in München und des Kaisers mit dem König von Würt­temberg in Stuttgart besprochen worden, wie DM^SMMWSMMWWM—^^»8 Elendkarren durchs Land zu ziehen. Kopf ab — dann ist die Geschichte vorbei! Der Zigeuner Reinhard war zwar kein unrechter Bursche, aber ich traute ihm doch nicht ganz. Wenn er über die im Walde vorgekommenen Sächlein schwatzte, bann war unter Umständen die ganze Arbeit umsonst. Ich ging deshalb den Haberern nach, führte Reinhard auf dem Marktplatze unter einem Vorwant e auf die Seite, und als dann das Schießen und der Höllenspektakel begannen, schoß ich ihn mit einem Revolver nieder. Er fiel um wie ein Sack und war sofort tobt. Ich aber machte mich aus bem Staube. Daß ich auch alles Anbere, was man bem Studenten zuschrieb, die Bestellung der Haberer, die Be­zahlung in Rodenbach u. s. w besorgte, versteht sich von selbst. Uebrigens könnt ihr die von mir getragene Mütze in bem Walbbache bei Robenbach finden, wenn nicht etwa das Wasser sie fortgeschwemmt hat. Jetzt bin ich fertig", schloß er, „und ich bitte, mich in Ruhe zu laffen; ihr wißt wahrscheinlich genug."

Diesem Wunsche entsprach der Beamte vor­erst noch nicht. „Wußten Sie, was Hauber mit all diesen Schädlichkeiten bezweckte?" fragte er.

Leonhard lachte. „Freilich", erklärte er: „er hatte etliche Leute schwer auf dem Strich, weil ihm von denselben auch mehr als ein Streich gespielt worden war."

„Und auch in jenen ruchlosen Plan des Kastellans waren Sie eingeweiht", nahm Römer wieder das Wort, „Sie wußten, daß der Herr Graf von Waldheim bet leibliche Bruber ber Pflegetochter des Schwertwirths Freihofer ist und baß ber Kastellan, obgleich ober vielmehr