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JE 270.

JuLdcr, Samstag, den 26. November 1898.

25. Jahrgang.

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A«fr«f an die Katholiken Deutschlands.

Durch eine hochherzige Schenkung Seiner Majestät unseres Kaisers ist dem Deutschen Ver­ein vom hl. Lande und damit den Katholiken Deutschlands die Stätte des seligen Hinscheidens der Gottesmutter (lovus dormitionis Beatae Mariae Virginia) auf dem Berge Sion in Jerusalem übergeben worden. Dank diesem großmüthigen Erweis kaiserlicher Huld gegen die deutschen Katholiken hat nunmehr die ganze katholische Welt — zum ersten Mal seit mehr denn 300 Jahren, wo diese Stätte der treuen Obhut der Franziskaner entrissen wurde — freien Zutritt zum hl. Berge Sion und zu diesem ehrwürdigen Heiligthum der Gottesmutter.

»Eine Gabe von hoher Bedeutung ist hiermit in unsere Hände gelegt, aber zugleich mit dieser Gabe nicht minder eine heilige Aufgabe uns ge­stellt.

Ist es doch jene ehrwürdige Stätte, wo der Ueberlieferung zufolge der hl. Johannes im Auf­trage des sterbenden Heilandes Maria als seine Mutter zu sich nahm; wo er dann die allerseligste Jungfrau mit mütterlichem Schutze die Apostel und die ersten Christen stärkte; wo auch ihre Seele in heiligem Tode den Heimweg zu Christus, ihrem göttlichen Sohne, ging, um bald nachher glorreich mit ihrem heiligen Leibe wieder ver­einigt zu werden.

Diese Gnadenstätte ist zudem von Erinnerungen an die erhabensten Geheimnisse des Erlösungs­werkes umgeben. In nächster Nähe liegt das hl. Cönaculum, jener ehrwürdige Ort, wo der göttliche Heiland das allerheil. Sakrament des Altares, das unblutige Opfer des neuen Bundes einsetzte, durch welches sein blutiges, auf Gol­gatha dargebrachtes Kreuzesopfer bis zum Ende der Zeiten unter uns vergegenwärtigt und er­neuert wird. Dort hat der Herr im Uebermaß feiner Liebe sich selbst mit eigenen Händen seinen Jüngern zur Speise gegeben, dort hat er sie zu Priestern des neuen Bundes geweiht; dort erschien der auferstandene Heiland seinen Züngern, den Frieden verkündend; dort stieg der hl. Geist am Pfingsttage in Gestalt feuriger Jungen auf die allerseligste Jungfrau und die Apostel hernieder; dort trat die hl. Kirche ins Leben, die, vom hl. Geiste geleitet, das Wort und die Gnade des gekreuzigten und auferstandenen Heilandes allen Völkern der Erde zu bringen berufen ist. Das hl. Cönaculum auf Sion ist die Stätte des Triumphes des göttlichen Heilandes. Dort auf Sion gebührt ihm Lob: Te de et Deus hymnus in Sion. (Pf. 64, 1.) „Das Szepter deiner Macht wird der Herr von Sion aussenden," weissagt der königliche Sänger von Christus, »herrsche mitten unter deinen Feinden!" (Psalm 109, 2.)

Sollten wir deutsche Katholiken nicht an dieser durch so erhabene Erinnerungen geheiligten, nun- u>ehr unserer Obhut anvertrauten Stätte ein ganz besonderes offenkundiges Zeugniß unseres Glau­bens und unserer Liebe zum göttlichen Heiland und seiner gebenedeiten Mutter ablegen, indem wir hier einen Tempel zu Ehren Marias errich­ten, in welchem das so lange unterbrochene Opfer chres göttlichen Sohnes tagtäglich dem himmlischen Vater wird dargebracht werden? Die Aufforde­rung der Kirche: „Lauda Sion Salvatorem,“ »Sob.j Sion dein n Heiland!" soll auch in buch­stäblichem Sinne wieder zur vollen Wahrheit wer­ben. Und wie Maria, die Schmerzensmutter auf Golgatha, nicht von dem Kreuze ihres sterbenden Lohnes wich, so erhebe sich auf dem heiligen Sion 'w Tempel zum Triumphe der Himmelskönigin.

Sion als ihre Wohnstätte weisen bereits Weissagungen des alten Bundes hin. Auf Sion nanden Davids Burg und Davids Thurm; sie und das Vorbild jener geworden, welche wir als n^hurm Davids" begrüßen. In der Bundeslade, w auf Sion thronte, hat das Seherauge des . ?uiglichen Sängers, vo n Geiste Gottes erleuchtet, ^Gottesmutter, „die Arche des Bundes", voraus- Uchuut. Die Errichtung einer Marienkirche auf . soll gleichsam zur Erfüllung jenes Wortes

dem Buche Jesu Sirach dienen, welches die ■• 7 der hl. Jungfrau in den Mund legt: „Und ein • . ich eine feste Wohnung aus Sion." „Et

™ Sion firmata aum.“ (Eccles. 24, 15.) itnk a§ un§ f° von der Liebe zur Mutter Gottes ' hegelegt wird, hat der hl. Vater in einem lih#tei .' welches er vor einigen Tagen an » gerichtet, allen deutschen Katholiken dringend "pfählen. „Wir hegen das zuversichtliche Ver- auen," so lauten seine Worte, „daß nunmehr k 6olze dieser Schenkung) die Katholiken d.^tlchlands mit einer von Tag zu Tag wachsen- n Verehrung der Gottesmutter fromme Wall­

fahrten nach dieser Stätte unternehmen werden, welche nach der Ueberlieferung dem Dahinscheiden der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht ist. Durch solch' fromme Verehrung werden gewiß diese Gläubigen nicht nur für sich selbst die huld­volle Liebe der hehren Gottesmutter in reichlichem Maße erwerben ; sie werden auch durch ihr Gebet zu erlangen suchen, daß sie auf das gesummte deutsche Volk in besonderer Huld herabblicke und demselben sowohl in den religiösen wie in den bürgerlichen Angelegenheiten mit ihrem mächtigen Schutze beistehe."

So wollen wir denn, dieser Mahnung des hl. Vaters entsprechend, an's Werk gehen, und unsere^.Ehrenschuld als deutsche Katholiken ab­tragen, indem wir auf Sion eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter errichten. Folgen wir dem glorreichen Beispiele der gläubigen Vorzeit, die bereits in den ersten Jahrhunderten eine herrliche Basilika, „die Mutter aller Kirchen" genannt, auf dem Berge Sion aufführte; stehen wir nicht zurück hinter den Kreuzfahrern, welche, als es ihnen gelang, die geweibte Stätte wieder in ihren Besitz zu bringen, sofort die zerfallene Marienkirche auf Sion in neuer Herrlichkeit er­stehen ließen. Dasselbe Ziel hat sich unser Deutscher Verein vom hl. Lande gestellt. Die Schenkung der dormitio beatae Mariae Virginia bedeutet den Beginn einer neuen, wie wir hoffen, segensreichen Epoche in seiner Wirksamkeit. Da­her geben wir der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß aus diesem Anlasse die deutschen Katholiken zahlreich unserem Vereine beitreten werden.

Für den Bau der Marienkirche erbitten wir hiermit besondere Gaben, welche an uns oder an Herrn Weihbischof Dr. Herm. Jos. Schmitz, den stellvertretenden Präsidenten, oder an den Schatz­meister unseres Vereins, Herrn Bankdirektor Elkan in Köln, gesandt werden können. Es ist auch sehr erwünscht, wenn sonstige Vereinigungen und zu­mal die Presse, wie es bereits angeregt worden, Sammlungen für den Bau der Marienkirche veran­stalten.

So wird nunmehr unaufhörlich von Sion das Lob der allerseligsten Jungfrau, der Königin des Himmels, zum Throne ihres göttlichen Sohnes emporsteigen, um als Strom himmlischen Segens auf Jerusalem und das hl. Land, auf das deutsche Vaterland und seinen erlauchten hochherzigen Kaiser, auf die ganze heilige katholische Kirche und ihren glorreich regierenden Oberhirten herabzufließen.

Köln, am Tage Mariä Opferung 1898.

t Ahikippns Kardiuak Arenreutz,

Erzbischof von Köln, Präsident des deutschen Vereins vom hl. Lande.

Cmr kaiserliche Märtyrerin.

Als der Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten beendet war und diese eine vollständig gerüstete und für jedes Unternehmen bereite Armee zur Verfügung hotten, war es um die französische Expedition in Mexiko geschehen. Die Republik, welche den Kaiser Maximilian als einen Usur­pator ansah, hatte beschlossen, diesen seine An­gelegenheiten mft den Mexikanern allein, unter Ausschluß der Franzosen, ausfechten zu lassen. Napoleon mußte feine Armee zurückziehen. Die Kaiserin Charlotte, der man die Situation ver­schwiegen hatte, beschloß sofort, als sie von der Lage der Dinge erfuhr, persönlich bei dem Kaiser Napoleon zu Gunsten ihres Gemahls und seines Thrones zu interveniren.

Sie reiste -daher zum großen Aerger des Marschalls Bazaine, der allen Grund hatte, zu wünschen, daß der Kaiser nicht aus unparteiischem Munde von seiner elenden Leitung der Expe­dition erfuhr, von Vera Cruz nach Paris. Die Kaiserin war voller Vertrauen nach Frankreich abgereist, aber schon bei ihrer Landung in Frank­reich erlitten ihre Hoffnungen einen ernsten Stoß.

Kein Beamter war auf der Landungsstelle, um sie Namens der französischen Majestäten zu begrüßen, obwohl sie ihre Ankunft den Touilerien angezeigt hatte. Sie suchte ihren Unwillen zu verbergen und reiste Hals über Kopf nach Paris. Hier war dieselbe Geschichte. Sie wurde nicht nach dem ihr gebührenden Zeremoniell im Palaste empfangen, und die Hofkreise behandelten sie als wenig mehr als eine Person von Stellung, die sich auf einer Reise befand, bei welcher sie ge­legentlich dem Staatsoberhaupte einen Besuch abzustatten wünschte. Sie aber fühlte sich nun um so lebendiger, daß sie als Kaiserin gekommen war, und daß ihre Fahrt nach Europa eine solche auf Leben und Tod war. Endlich kam der Tag der Audienz. Nach der förmlichen Vorstellung der beiderseitigen Gefolge zog sich der Kaiser mit der Kaiserin Eugenik und seinem Besuche in die inneren Gemächer zurück, während die Hofdame der Kaiserin Charlotte, mit deren Worten die folgenden Vorgänge erzählt sind, mit dem Hof­staate draußen blieb.

O, diese angstvolle Zeit des Wartens, diese Stunden unsagbarer Pein! Ich war in einem fieberhaften Zustande der Aufregung. Weder vermochte ich der in meiner Umgebung geführten Unterhaltung zu folgen, noch meine Gedanken zu sammeln; mein Herz und Sinn waren bei der Kaiserin. Ich betete zu der gesegneten Jungfrau von Guadeloupe und flehte sie an, für meine arme Herrin zu wirken, ihr körperliche und geistige Kraft zu verleihen, um dieser furchtbaren Prüfung zu bestehen; ich warf mich im Geiste vor den Thron des Allmächtigen und sandte glühende Gebete für das Gelingen ihrer Mission zu ihm empor.

Ich hatte vollständig meine Umgebung ver­gessen, als mich plötzlich laute Worte aus meiner Weltvergessenheit aufscheuchten. Wir horchten alle erstaunt auf. Man vernahm ganz deutlich die Stimme der Kaiserin Charlotte, die zornic, ausrief: „Ich hätte in der That nicht vergessen sollen, wer ich bin und wer Sie sind. Ich hätte mich daran erinnern sollen, daß bourbonisches Blut in meinen Adern rollt, und mein Geschlecht nicht dadurch erniedrigen sollen, daß ich mich bittend beugte." Dann hörte man ein Geräusch wie von einem Körper, der fällt, gefolgt von einigen Minuten tödtlichen Schweigens. Alles um mich lauschte.

Endlich öffnete der Kaiser die Thür und rief in vor Erregung zitterndem Tone nach mir. Schneller, als ich dies zu sagen vermag, flog ich zu den Füßen meiner Herrin, die ich auf einem niedrigen Sopha ohnmächtig, starr, todtenbleich und kalt wie eine Statue liegen fand.

Die Kaiserin Eugenie kniete an der anderen Seite mit einer Flasche „Kölnischen Wassers" in ihrem Schooß, aus der sie mit ihren wunderbar kleinen Händen die Stirne der unglücklichen Dulderin, ihre Hände und Füße rieb. In herz­licher Schwesternliebe hatte die gute und freund­liche Kaiserin das Kleid Ihrer Majestät auf­geheftet, ihre Schuhe und Strümpfe ausgezogen, um ihre Füße und Sohlen reiben zu können.

Tiefbekümmert flüsterte mir die Kaiserin zu: „Ihre Majestät ist seit 10 Minuten bewußtlos. Halten Sie es nicht für bester, nach ihrem Leib­arzt zu senden? Ich wünsche nicht Conneau oder sonst Jemanden zu rufen, den die Kaiserin nicht kennt!"

Um mir ihre Thränen zu verbergen, die ihren Augen entströmten, holte sie ein Glas Wasser, aus welchem sie die trockenen Lippen der Leiden­den benetzte. Sie kniete darauf wieder neben der Kaiserin nieder und stand eben im Begriffe, den Becher an ihre Lippen zu führen, als diese die Augen öffnete.

Kaiserin Charlotte starrte wild auf die neben ihr knieende Kaiserin Eugenie mit dem Becher in der Hand, stieß das Glas heftig von sich, so daß das Wasser sich über das Kleid der Herrscherin von Frankreich ergoß, schrie laut auf und rief in einem Zustande höchster Erregung aus: > »•

„Fort! Fort! Nehmt den tödtlichen Trank, fort, fort!" Dann warf sie sich weinend in meine Arme und flüsterte mir in's Ohr: „Hast Du den schändlichen Trank gesehen? Sie wollen mich ver­giften, um mich zu beseitigen. Verlasse mich nicht, verlasse mich nicht, Manuelite!" jammerte meine Herrin, „Du bist meine einzige Freundin, und wir sind von dem Geschlechte der Mörder um­geben. Rette mich, ich flehe Dich an!" Und zum dritten Male ohnmächtig werdend fiel die arme Frau regungslos in meinen Schooß. Die un­glückliche Kaiserin hatte durch die Nachricht, daß ihr Gemahl seinem Schicksale überlassen bleiben müsse, den Verstand verloren. Es hatte sich bei ihr die fixe Idee eingestellt, daß sie durch Gift beseitigt werden solle, eine Idee, die sie nie wieder verließ.

Sie ging nach Rom, um eine Audienz bei Pius IX. nachzusuchen, und wurde von diesem mit väterlicher Sympathie und Besorgtheit empfan­gen. Dieses Gefühl gab aber einem solchen der Beklommenheit Raum, als die Kaiserin erklärte, im Vatikan bleiben zu wollen. Sie wünschte, wie sie sagte, den gedungenen Mördern zu entfliehen, die sie ständig verfolgten.

Niemals hat vielleicht wieder eine solche Be­wegung und Ausregung im Vatikan geherrscht. Trotzdem war Alles in einer halben Stunde bereit. Die Erschöpfung und physische Schwäche der erlauchten Kranken war eine derartige, daß wir sie zu Bette tragen mußten. Nachdem der Arzt ihr einen beruhigenden Trank gegeben, hatten wir die Genugthuung, die hohe Frau'ein- schlafen zu sehen.

Die Dienerinnen wurden mit dem Auftrage fortgeschickt, am Morgen frühzeitig bei der Hand zu sein. Ich blieb allein bei ihr, wagte jedoch nicht, obwohl ich thatsächlich vor Ermüdung mich nicht mehr auf den Füßen halten konnte, zu Bette zu gehen, bis ich vollständig überzeugt war, daß das Chloral seine Wirkung gethan.

Am nächsten Morgen überredeten wir die Kaiserin, den Palast zu verlassen und nach einem benachbarten Kloster zu gehen. Sie schien ruhiger und gefaßter geworden und ließ sich von der Oberin durch das Kloster, welches ein großes Waisenhaus war, führen. Man brachte sie auch in die Küche, wo sie im Begriffe war, ein appe­titliches Ragout zu probiren, als sie den Teller von sich stieß und auf einen kleinen Rostfleck ihres Messers zeigend auf das Gift an der Meffer- scheide aufmerksam machte.

Man war noch im Begriffe, sie zu beruhigen, als sie plötzlich ihren Arm bis an den Ellbogen in das glühend heiße Ragout versenkte und ein Stück Fleisch/herausholend, sich zu der Oberin beugte und ihr im Flüstertöne sagte: „Ich war so hungrig, und das können Sie doch nicht ver­giftet haben." Ihr Arm war schrecklich verbrannt.

Von diesem Augenblicke an wurde die be- beklagenswerthe Frau unter strenge Ueberwachung gestellt und weilt nun seit mehr als 30 Jahren, geistig umnachtet, auf ihrem Schlöffe in der Nähe von Brüssel.

Fütterung der Pferde.

Bei den Herbstarbeiten werden die Pferde tüchtig mitgenommen und ist deshalb eine genügende Fütte­rung vor und während dieser Arbeiten unerläßlich. Die Hauptfütterung der Pferde sollte am Abend stattfinden, damit die Pferde nicht mit vollem Magen zur Arbeit verwendet werden müssen. Der volle Magen übt einen Druck auf die Lungen, was zur Folge hat, daß die Thiere bei der Arbeit außer Athem kommen; auch wird der Mageninhalt infolge Hin- und Herschüttelns nicht gehörig verdaut, weßhalb Kolik und Durchfall auftreten. Man füttere Morgens drei Stunden vor dem Anspannen und lasse Mittags die Pferde ohne Heugabe zwei Stunden im Stalle stehen. Schwitzende Pferde soll man vor einer halben Stunde nicht tränken und man soll nicht tränken kurz vor dem Anspannen. Es ist stets auf gutes, gesundes und reinschmeckendes Futter zu halten; man verabreiche dasselbe möglichst regelmäßig, sowohl in Bezug auf Zeit als Maß und Gewicht. Ferner achte man streng darauf, daß nie­mals mit eisigkaltem Wasser getränkt werde. Unter keinen Umständen versäume man, dem von der Arbeit kommenden Pferde die nöthige Pflege zu Theil werden zu lassen. Neues Heu und Hafer, sowie auf Haufen warm gewordenes Gras oder Klee sind höchst gefähr­lich. Fast reif gewordene Wicken sollen ebenfalls be­sonders schädlich sein. Klee mit gereiften Samen­körnern erzeugt bei Pferden Hartschnaufigkeit. Grünen schwedischen Klee an Pferde zu verfüttern, ist nicht zu empfehlen, da derselbe häufig eine schmerzhafte An­schwellung des Maules und der Augenlider, sowie der weißen Hautstellen am Kopfe und an den Füßen her­vorruft. Dabei fressen die Thiere fast gar nicht, geifern aus dem Maule, schlagen und stampfen mit den Füßen und benehmen sich zuweilen wie rasend. Wie man glaubt, ist ein Befallen des schwedischen Klees, woran er leicht leidet, wenn er allein angebaut wird (aber loeniger gefährlich ist er im Gemenge mit Gräsern), die Ursache dieser Krankheitserscheinungen bei den Pferden, während das Rindvieh diesen Klee ohne Nachtheil verzehrt. Ein vortreffliches Grünfutter, allein oder mit Rübsen im Gemenge ausgesäet, ist unser Wintervoggen, doch ist es auch bei Verarbeitung dieses Futters nöthig, dasselbe anfänglich mit Stroh zu ver­mengen. Außer gutem Häcksel bleibt natürlich das wichtigste Futter für Pferde der Hafer; trotz aller Berechnungen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, ein annähernd so gutes Kraftfutter für Pferde zu finden bezw. zusammenzusetzen. Ueber das Quetschen des Hafers äußerte sich der verstorbene Prof. Brummer- Jena u. A.: Das Quetschen des Hafers ist nach meinem Dafürhalten nicht blos eine unnütze Zuberei­tung, sondern es kann sogar von nachtheiliger Wirkung sein, wenn nicht besondere Umstände obwalten. An­gezeigt ist es aber oftmals in folgenden Fällen: 1) Wenn Hafer an solche Pferde verfüttert werden soll, die ein mangelhaftes Gebiß besitzen, Fohlen, die noch nicht über ein Vierteljahr alt sind, oder solche, die im Zahnwechsel (besonders im Hauptzahnwechsel, 20s—3 Jahre) stehen. Alte Pferde, Pferde mit fehler­haftem Gebiß (Scheerengebiß, Treppengebiß) und mit Zahnkrankheiten behaftete. 2) Für Pferde, welche gierig und hastig ihr Futter aufnehmen und deshalb mangelhaft kauen. Es dürfte aber besser sein, für ölche Pferde dem Hafer möglichst langen Häcksel zu­zumischen, um sie so zum langsamen Fressen zu zwingen. Geringe Anfeuchtung des Futters kann dann oftmals zweckmäßig sein, um zu verhindern, daß die Pferde den Hafer aussuchen. 3) Wenn die Thiere bei wirk­lich dringenden Fällen und möglichst kurzer Zeit sich ättigen sollen und deshalb den Hafer ohne Häcksel erhalten. Mit gequetschtem Hafer können die Thiere sich in einer Stunde sättigen; die Verdauungszeit, namentlich die Maulverdauung, wird dadurch aber abgekürzt und beeinträchtigt. Wir empfehlen auch in solchen Fällen im.Allgemeinen ganzen Hafer mit ge­ringen Mengen Häcksel zu geben, dabei aber auch zu beachten, daß das Kraftfutter besonders des Abends nach der Arbeit verabreicht, tagsüber nur kleine Mengen gegeben werden.

Uerrnischtes.

* Als thcuerste Briefmarke stellt sich eine kürzlich aufgefundene „One Peyny Post Office Mauritius" dar, für welche man jüngst in London über 1000Pfd. Sterling, also mehr als 20,000 Mark bezahlt hat.