bitüejiett Orftentlichkeit gemacht und verhandelt. Aber sehr häufig liefert die Praxis den Beweis dafür, daß in Wahrheit das Gegentheil der Fall ist. So geht es von neuem zu bei dem Falle Lütgenau in Dortmund. In mehreren sozialdemokratischen Parteiblättern war der Wunsch ausgesprochen worden, der Parteivorstand möge doch das Material in Sachen Lütgenau's veröffentlichen; der ,Vorwärts' aber gibt auf diese Wünsche den Bescheid, daraus könne „aus zwingenden Gründen" nichts werden. Was für Gründe mögen das sein? In Dortmund^hat fich der „Genosse" Lehmann gerühmt, er könnte „den ganzen Parteivorstand vor den Staatsanwalt bringen". Da scheint also „manches faul zu sein im Staate Dänemark".
+ Zugleich mit dem Etat soll dem preußischen Landtage das ILesott««gsgesetz für die Ilnterveamten zugehen. Dabei wird es sich der Hauptsache nach um Stellenzulagen handeln. Der Offiziosus des preußischen Finanzministeriums kündigt dies mit den Worten an, daß „schwerlich davon werde abgesehen werden können, zum Ausgleiche für besonders ungünstige Theuerungsverhältnisse Stellenzulagen in größerem Umfange, als sie bisher schon bestehen, für Unterbeamte in Aussicht zu nehmen. So wenig die grundsätzlichen und praktischen Bedenken der Errichtung von Stellenzulagen zu verkennen sind, so dürfte doch nothgedrungen auf sie als Aushilfe zur Ausgleichung zwischen dem Dienstein, kommen und den Kosten der Lebenshaltung zurückzukommen sein". Bisher hatte man angenommen, daß der neue Entwurf den Unterbeamten vorwiegend Gehaltserhöhungen, also Erhöhungen des festen Gehaltes, nicht aber nur Stellenzulagen bringen würde.
D Vor einiger Zeit tauchte in der Presse die Meldung auf, daß ein Gesetzentwurf über die Einführung eines AlechnuugsHofes für das Ileich in Vorbereitung fei. Nachher wurde die Meldung als unrichtig bezeichnet, und dann wurde es wieder still von der Sache. Jetzt kündigt die oberoffiziöse /Norddeutsche Allgem. Ztg' selbst an, daß Verhandlungen über die Einführung eines solchen Rechnungshofes im Gange sind. „Die Versuche, — so schreibt das genannte Blatt — im Reiche ein Gesetz über den Rechnungshof und ein solches für den Reichshaushalt zustande zu bringen, und so eine reichsgesetzliche Grundlage für das Rechnungswesen des Reiches zu gewinnen, sind gescheitert, weil der Reichstag die Befugniffe der Regierung einer so weit gehenden Beschränkung unterwerfen wollte, wie sie nach der Auffassung der verbündeten Regierungen weder mit der verfassungsmäßigen Stellung des Bun- desrathes noch des Kaisers vereinbar ist ... . Nachdem in Preußen der große Wurf des Gesetzes über den Staatshaushalt . . . gelungen ist, eröffnet sich die Aussicht, auch im Reiche aus dem Provisorium zu einem Definitivum zu gelangen . . ." Die verbündeten Regierungen „rechnen nunmehr" — nach der erwähnten halbamtlichen Kundgebung — auf „volles Verständ- niß für die Auffassung der verbündeten Regierungen über die Abgrenzung der Rechte der Regierungsgewalt und der Volksvertretung". Nun, an „Verständniß" hat es dem Reichstage niemals gefehlt. Und ob derselbe jetzt mehr Neigung als ehedem zeigen wird, auf die Wünsche der verbündeten Regierungen einzugehen, wird sich ja zeigen. Es eilt mit der Sache ganz und gar nicht. Vielmehr muß man nach der Art der Ankündigung in dem halbamtlichen Blatte darauf rechnen, daß noch eine lange Zeit vergehen wird bis zur Vorlage des fraglichen Gesetzentwurfes.
Ausland.
* Aam, 24. Nov. Heber die Konferenz gegen den Anarchismus, die am Samstag hier eröffnet werden wird, gehen der,Pol. Korr.' folgende Mittheilungen zu: Die Konferenz, in der alle europäischen Staaten vertreten sein werden, wird ungefähr vierzig Mitglieder zählen. Man nimmt an, daß die Arbeiten der Versammlung nicht länger als einen Monat dauern, somit wahrscheinlich noch vor Weihnachten beendet sein werden. Den einzelnen Delegirten der Regierungen wird volle Freiheit eingeräumt fein, Anträge einzu- Zimmer schweifen und bemerkte einen Schrank, der geöffnet in der hintersten Ecke stand. Er hatte durch das Feuer nicht gelitten.
Oskar schaute hinein und ein Ausruf freudiger Ueberraschung entfuhr seinem Munde. In dem obersten Fache lag ein braunes Schreibbuch, unverkennbar dasjenige, von dem der Kastellan gesprochen hatte.
Der Graf nahm es mit einer hastigen Bewegung an sich. Seine grenzenlose Ungeduld und Spannung trieben ihn fort. Er rief einen Diener, gab ihm die nöthigen Anweisungen und suchte ein Wohnzimmer aus, wo er sogleich das geheimnißvolle Buch öffnete.
Eine wehmüthige Stimmung überkam ihn, als er die wohlbekannte Handschrift des Vaters sah.
Dieses Gefühl wurde jedoch mehr und mehr durch viel stärkere Empfindungen verdrängt. Zuletzt sprang Oskar in ungeheurer Aufregung von feinem Sessel empor und rang nach. Athem.
»Das ist ja gräßlich," stöhnte er, „unerhört, das fluchwürdige Werk eines Teufels in Menschengestalt. Also das war sein Endziel. Gerechter Gott, Du wärest barmherzig. Du ließest den furchtbaren Frevel nicht zu!"
Er warf sich auf die Knie nieder und stammelte mit aufgehobenen Händen ein inniges Dankgebet.
(Fortsetzung folgt.)
bringen und auch solche Fragen anzuregen, die sich nicht unter den seitens der italienischen Regierung der Konferenz vorzulegenden befinden. Es wird erwartet, daß die Konferenz mindestens zum Beschlüsse, engere Beziehungen zwischen den Polizeibehörden der Staaten behufs Heberwachung der Anarchisten zu schaffen, sowie zu der Vereinbarung, daß alle anarchistischen Verbrechen als gemeine zu behandeln seien, führen werde. Man hegt jedoch die Hoffnung, daß es gelingen wird, auch bezüglich anderer Punkte zu einem Einvernehmen zu gelangen. Die Mitglieder der Konferenz werden vom König und der Königin empfangen werden. Dagegen wird int Hinblicke auf den ernsten Charakter der Konferenz von der Veranstaltung der Festlichkeiten, wie sie sonst bei ähnlichen Anlässen üblich sind, abgesehen werden.
X Madrid, 24. Nov. Die Arbeiten der Pariser Friedens-Kommission schreiten langsam vorwärts. Fast regelmäßig werden die angesagten Sitzungen mehrfach verschoben, ehe sie wirklich stattfinden. So geschah es auf Antrag der spanischen Vertreter auch mit der Sitzung, die für den letzten Mittwoch angesetzt war und der man mit Spannung entgegengesehen hatte; denn es handelt sich um die letzte Entscheidung darüber, wie die Philippinen-Frage geregelt werden soll. Daß die Spanier die Philippinen nicht behalten können, ist ja längst klar und bekannt; aber es handelt sich nun darum, wie Spanien für den Verlust der Philippinen entschädig, werden soll. Neuerdings hatte man angenommen, Spanien werde sich von der Verpflichtung freizumachen suchen, die Schulden von Cuba, Porto- riko und von den Philippinen zu übernehmen. Diese Annahme bestätigt sich indessen nicht. Vielmehr besagt eine halbamtliche Meldung aus Madrid, daß Spanien diese Schulden anerkennen und tilgen müsse, wenn es wieder zu gesicherten Verhältnissen gelangen wolle. Aus Achtung vor sich selbst müsse Spanien das bezahlen, was Cuba nicht leisten könne. Vermuth- lich werden die Vereinigten Staaten eine größere Geldentschädigung für die Philippinen an Spanien zahlen, die dann zur Deckung der Schulden ver- verwendet werden soll.
* Audapeft, 24. Nov. Die Polizei hat gestern fämmtliche verhafteten Studenten ent- laffen, nachdem ihnen Geldstrafen auferlegt waren. Mittags kam es vor der Universität abermals zu einem Zusammenstöße zwischen der Polizei und Studenten. Die letzteren beklagten sich beim Rektor, welcher die Polizei aus der Aula hinauswies. Die Studenten sandten dann zu den oppositionellen Parteien eine Deputation, welche daraus mit mehreren Abgeordneten zur Aula zurückkehrte. Die Polizei forderte hierauf die wieder angesammelten Studenten abermals auf, auseinander zu gehen und zerstreute sie, als sie dieser Aufforderung nicht Folge leisteten. — Im Abgeordnetenhause wurde die Sitzung suspendirt, da die Opposition wegen angeblicher beunruhigender Gerüchte nicht tagen wollte. Da sich aber diese Gerüchte als grundlos erwiesen, wurde die Berathung alsbald wieder ausgenommen. Der Minister des Innern, Peiczel, erklärte, er werde die vorgebrachten Fälle prüfen und der Untersuchung entsprechend vorgehen. Jedenfalls dürften die Hochschulen aber nicht als Zufluchtsstätten für die Ruhestörer dienen. — Im Abgeordnetenhause legte heute Kultusminister von W l a s s i c s dar, er habe Gottesdienste und Schulfeiern anläßlich des 2. Dezember angeordnet, weil man Gott danken müsse, daß der König, dem man so viel verdanke, noch auf dem Throne sitze und daß Gott den Ungarn ihren ruhmvoll regierenden König erhielt. (Stürmische Eljen- rufe.) Sodann ging das Haus zur Verhandlung der Jndemnitätsvorlage über.
* Audapek, 24. Nov. Bei einem Duell, welches heute zwischen dem Minister (!) des Innern Perczel und dem Abg. Hollo statt- gesunden hat, erhielt ersterer eine ziemlich schwere Stirnwunde. Nach einer anderen Meldung soll die Wunde nur leicht sein. Jedenfalls aber ist die Ehre des Herrn Ministers und des Abg. Hollo wieder zurechtgeflickt.
* Washington, 24. Nov. Die Amerikaner haben in Manila 4000 Mann Verstärkungen gelandet. Diese Thatsache beweist, daß dieselben für alle Fälle sich auf den Philippinen zu behaupten entschlossen sind.
Lokales.
Fulda, 25. November.
Ö Die Tagesordnung für die autzerordevt- kiche Kitznng der Stadtverordneten am nächsten Montag lautet: 1) Wafserwerks-Kasse- Rechnung von 1897/98; 2) Kostenvoranschlag über die Errichtung eines Springbrunnens rc. im Schloßgarten; 3) Bebauungsplan und Flucht- linienplan Sturrniusstraße, Bahnhof, Petersberger- straße und Lindenstraße.
. -r Herr Fabrikant Falke hat seine cfefi- trifche Lichtanlage durch Aufstellen von Accurnulatoren bedeutend vergrößert. Die Arbeit wurde von Herrn Elektrotechniker B. Trabert ausgeführt.
(*) Die kgl. Spezialkornrnission dahier ersucht uns unter ausdrücklicher Berufung auf § 11 des Preßgesetzes zur Ausnahme folgender Berichtigung: „Die in Nr. 259 vom 12. Nov. d. Js. der .Fuldaer Zeitung' enthaltene Notiz: „Herr Wolff, bisher Zeichner bei der königlichen Generalkommission zu Raffel, ist in gleicher Eigenschaft an das Sanbmefferbureau zu Fulda versetzt worden" wird dahin berichtigt, „daß der Zeichner Wolff nicht an das Landmefferbureau, sondern
an die kgl. Spezialkommission versetzt worden ist. Wagener, Oekonomiekommiffar". — Wir haben, abgesehen von der gesetzlichen Verpflichtung, mi Freuden den vollen Wortlaut dieser Berichtigung abgedruckt, weil wir es für sehr wichtig erachten, daß unsere Leser genau wissen, wo das Zeichenbrett des betreffenden Herrn aufgestellt ist, zumal unseres Wissens das Landmesserbureau eine Unter- abtheilung der Spezialkommission ist. Von dem Rechte, welches derselbe § 11 des Preßgesetzes uns gibt, nämlich dem Herrn Einsender der Berichtigung eine Rechnung zuzustellen, nehmen wir gerne Abstand.
* Für das nächstjähr. Keereserfatzgeschäft wird denjenigen jungen Männern, welche in dem Zeiträume vom 1. Januar bis 31. Dezbr. 1879 geboren sind, in Erinnerung gebracht, daß sie zur Vermeidung von Nachtheilen und Weiterungen sich mit Geburtsscheinen oder sonstigen Ausweismitteln über die Zeit und den Ort ihrer Gebur zu versehen haben. Die für diesen Zweck aus den Geburtsregistern der Standesämter zu er« theilenden Bescheinigungen werden kostenfrei ausgefertigt. Der Zeitpunkt für die Anmeldung zur Rekrutirungs-Stammrolle wird bekannt gemacht werden.
Aus dem Aachbargebiet.
2 Dücheuverg, 24. Nov. Dem Lehrer Bott in Büchenberg ist vom 1. Dezember l. I. ab die vakante Schulstelle in Jossa übertragen und vom gleichen Zeitpunkte ab ist der Lehrer Hans von Eckardroth nach Büchenberg versetzt worden.
* Mevra, 24. Nov. Dieser Tage wurde Georg Schulz, Dienstknecht des Metzgermeisters Großkurth hier, verhaftet und nach Rotenburg abgesührt. Er soll im Verdacht der Brandstiftung stehen.
* Aoteuöurg, 24. November. Ein junger Knecht Namens Greiling sprang gestern während der Fahrt von seinem vollbeladenen Wagen, ge- rieth dabei unter die Räder und blieb auf der Stelle tobt.
* Maksfekd, 24. Nov. Ein auf dem hiesigen Rittergute dienendes Mädchen hatte sich wegen eines Gichtleidens die Hände vor dem Schlafengehen mitKampherspiritus getränkter Watte umbunden. Als dasselbe am anderen Morgen nach dem Erwachen schnell ein Licht anzünden wollte, fing das Verbandsmaterial plötzlich Feuer. Aus das laute Hilfegeschrei eilte ein auf demselben Gute beschäftigter Knecht herbei und brachte der Aermsten Hilfe. Die Verletzungen an den Händen waren derartig schwer, daß eine alsbaldige Ueberführung in das Kasseler Landkrankenhaus nothwendig wurde.
* Kassel, 24. Nov. Nach Ausweis des Medizinalkalenders sind jetzt hier in Kassel 101 Aerzte ansässig. Diese Zahl erhöht sich durch die in den Vororten und nächsten Dörfern wohnhaften auf 116. Von diesen sind 22 Militärärzte. Zahnärzte sind in Kassel 13. — Am nächsten Sonntag tagt im Kasseler Hof unter Vorsitz des Herrn Pros. Kaiser aus Hannover der Verein kurhessischer Thierärzte. — Gestern ist auf dem Bahnhofe Zimmersrode beim Rangiren von Güterwagen nahe dem Güter- chuppen der Bremser Plettenberg aus Ober- zwehren schwer verletzt worden. Er gerieth zwischen einen Güterwagen und die Rampe und erlitt so starke Quetschungen, daß er mit dem nächsten Zuge nach Kassel und durch die Sanitätswache nach dem hiesigen Landkrankenhause trans- portirt werden mußte.
* Kanan, 24. Nov. Die dem Bundesrathe zugegangenen Aenderungen in der Organisation >es Reichsheeres enthalten unter den einmaligen lusgaben auch die Forderung von 2 400 000 Mark für eine neue Kaserne in Hanau. Zweifellos ist hiermit eine Artil lerie-Kaserne in Aussicht genommen. Die Organisations- änderungen werden für Hanau auch noch weitere Neuerungen zur Folge haben.
* Kana«, 24. Nov. Die Eröffnung des Kornhauses, das bekanntlich mit Hilfe von Staatsmitteln errichtet wurde, findet nunmehr am 28. d. M. statt; an diesem Tage wird zugleich >er Unterverbandstag der Raisseisenvereine ür den Kreis Hanau dahier abgehalten.
* Marvnrg, 24. Nov. Wie verlautet, wird )ie königliche Staatsregierung im nächsten Etat die Bewilligung eines Postulats zu dem Neubau eines Anatomie-Gebäudes für hiesige Universität Vorschlägen. — Gestern Abend bot sich >en Passanten der Grünerstraße ein eigenartiges Schauspiel. Eine großgewachsene Dame fing nämlich mit ausgebreiteten Armen einen auf sie zufahrenden Radfahrer auf und stellte ihn behutsam aus den Boden, so daß weder sie noch er zu Schaden kamen. — Heute Morgen waren die Straßen und Plätze mit einer dünnen Schneedecke überzogen ; int Vogelsgebirge soll es gestern und vorgestern bereits gehörig geschneit haben.
* Macha, 24. Nov. Auf dem Groß'schen Dampfsägewerk gerieth der Arbeiter Daniel Möller mit der linken Hand in die Kreissäge, welche ihm sämmtliche Finger abschnitt. Der Verletzte wurde in die Klinik nach Meiningen überführt.
* Kiserrach, 24. Nov. Der Umbau des biefigen Bahnhofs und die Anlage von Unterführungen werden nun bald zur Ausführung kommen, nachdem die preußische Eisenbahnverwaltung den von hiesiger Stadt bewilligten nicht rückzahlbaren Zuschuß von 500,000 M. unter den gestellten Bedingungen angenommen hat. Der Vertrag ist bereits vollzogen.
* Miesvade«, 24. Nov. In unserer herrlichen St. Bonisaliuskirche wurden aus Berlin
durch den als Kanzelredner berühmten Dominikaner- pater Bonaventura in der vergangenen Woche religiöse Konferenzen abgehalten, die sich allabendlich eines geradezu großartigen, zahlreichen Besuches seitens unserer Glaubensgenossen zu er- freuen hatten ; doch auch zahlreiche Andersgläubige waren, angelockt durch den Ruf des Redners und durch die gestellten Themata, jedesmal erschienen. Zu dem Schlußoortrag über „Die sicherste Stütze der menschlichen Gesellschaft" am Sonntag war der Andrang so groß, daß das große Gotteshaus nicht Alle zu fassen vermochte und wohl mehrere Hunderte wieder umkehren mußten. Möchten die von so erleuchtetemMunde ergangenen Belehrungen nun reiche Früchte tragen!
* Oolha, 24. Nov. Dem Landtage de- Herzogthums Gotha sind ein neues Vermögenssteuergesetz und ein Einkommensteuer, gesetz zugegangen. Ersteres beginnt mit einem Vermögen von 6000 Mk. und besteuert das Tausend durchgängig mit 50 Pf. Das Ein- kommensteuergefetz läßt alle Einkommen unter 500 Mk. frei und durch die gestatteten Abzüge selbst diejenigen bis zu 700 Mk. Der Ertrag der Vermögenssteuer soll von der Grundsteuer abgezogen werden und die Gemeinden sollen be» fugt fein, die für die Staatskasse außer Hebung gesetzten Termine der Grundsteuer zu erheben.
* Oera, 24. Nov. Bei den Ergänzungs-- wahlen zum Gemeinderath wurden acht Ordnungsparteiler und sechs Sozialisten gewählt.
Die Hühnerhaltung im Kleinen.
Man schreibt der .Kölnischen Volkszeitung': Als Besitzer eines kleinen Gartens und eines nicht sehr großen Hühnervölkchens sind es gerade die Artikel der landwirthschaftlichen Beilage der ,Köln. Volkszeitung', welche einen der Gegenstände behandeln, welche für mich das größte Interesse bieten. Es möge mir daher gestattet fein, den Erfolg mitzutheilen, den ich bei meinen Hühnern habe. Vom Jahre 1892 an war es mir erst möglich, Hühner zu halten. Mein Vorgänger überließ mir drei Siebenbürger Nackthälse und eine Glucke mit 5 Küchlein (ausschließlich Glucke, diese war von einem Nachbar geliehen) für den billigen Preis von 7,50 Mk. Leider mußte ich aber schon im ersten Jahre trotz sorgfältigster Pflege eine traurige Erfahrung machen. Mein Vorgänger hatte nämlich die zwischen dem Hühnerstalle und dem Auslaufstalle befindliche Oeffnung nicht verschließbar angelegt. Ich hatte gar nicht gedacht, daß es außer den zweibeinigen Hühnerdieben auch vierbeinige gebe. In der Nacht vom 23. zum 24. Juni 1892, also mitten im Hochommer, hörte ich Morgens gegen 3 Uhr meine Hühner außergewöhnlich schreien. Als ich hin» eilte und nachsah, fand ich vier Küchlein mit wrchgebissener Kehle im Hofe herumliegen; von dem fünften sand ich am andern Morgen außerhalb des Hofes nur noch Federn und Knochen- Mein Nachbar versorgte mir eine neue Glucke,, und ich hatte bald die Freude, acht Küchlein mein eigen zu nennen. Mit diesen habe ich nun von Jahr zu Jahr meinen Stand vergrößert, so daß ich heute 17 Hühner und einen Hahn habe. Die 8 Küchlein, welche am 20. Juli 1892 ausfielen, egten zu Weihnachten die ersten Eier. Die Nackt- iälfe wurden bald geschlachtet, und zwar, weil die Thiere eine zu große Neigung zum Brüten zeigten. Das Jahr 1893 brachte mir einen Zuwachs von nur zwei Stück, wogegen zwei andere eingingen. Diese 8 Hühner haben mir vom 1. Januar 1894 bis 1. Januar 1895 1145 Eier gelegt, und zwar im Januar 22, Februar 82, März 122, April 157, Mai 134, Juni 125, Juli 106r August 97, September 74, Oktober 70, November 72, Dezember 84. Im letzteren Monat be- theiligten sich an dem Legegeschäfte 6 im Anfang Juni 1894 ausgefallene Küchlein. Vom 1. November 1894 bis 1. November 1895 habe ich genau Buch geführt. In dieser Zeit Haden die 14 Hühner 1972 Stück Eier gelegt. Davon verkaufte ich 1029 Stück für 66,21 Mark. Zwei Hühner mußte ich im Juni schlachten, eins legte stets Windeier, ein anderes hatte durch einen Stein» rourf ein Bein gebrochen. Ein Huhn brütete vorr 14 Eiern 13 aus; davon wurden groß 7 Hühnchen und 4 Hähnchen. Von ersteren wurden 2 und letztere alle verkauft. Die Hühner brachten, mir also ein:
Für 1029 Eier........66,21 Mk.
Zwei Hühner geschlachtet ä 1,50 3,00 „
Zwei Hühnchen verkauft ä 1,50 3,00 ,r
Vier Hähnchen „ ä 0,60 2,40 „
74,61
Dieser Einnahme steht eine Ausgabe an Hühnerfutter entgegen von 59,19 Mk. Reinverdienst 15,42 Mk. Dazu kommen noch 943 Eier, welche in meinem Haushalte verbraucht wurden.
Vermischtes.
*Kök«,24.Nov. Wegen fahrlässiger Tödtung hatte sich eine Hebamme aus Rodenkirchen zu veranl- worten. Am frühen Morgen des 29. Juni begab sich die Frau zur Kirche und ließ ihre beiden Kinder, einen zwei- etnhalbjährigen Jungen und ein achtjähriges Mädchen, zurück. Der Knabe stellte eine Bank auf die Kommode, kletterte dann vom Bette ans auf dieselbe, stellte sich auf die Bank und langte aus einem Körbchen, welches ungefähr einen Meter über der Kommode an der Wand hing, eine Flasche mit Carbol heraus. Das unglückliche Kind trank aus der Flasche, und als die Mutter heimkam, lag cs sterbend auf dem Bette und war in wenigen Stunden tobt. Das Gericht mußte die Frau im Sinne der Anklage bestrafen, da sie verpflichtet gewesen sei, die Flasche zu verschließen; es wurde auf das geringste Strafmaß, einen Tag Gefängniß erkannt; wegen des Erlafles dieser Strafe rielh der Vorsitzende der bedauernswerthen Frau, die Gnade des Kaisers anzurufen.