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KuldaerWZeitung

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mit Anterhattungs-Aeilage „Ikkuflrirte Sonntags-Idfung" pete»»aaSe Nr. « ('Harmonie).

25. Jahrgang.

IuLöa, Freitag, den 25. November 1898.

M 269.

die Schuld trugen, daß ich um jede Lebensfreude gebracht war. Deshalb haßte ich sie alle mit einer Gluth, die mich oft fast wahnsinnig machte, und deshalb lebte ich nur noch für den einen Gedanken, eine so furchtbare und vernichtende Rache zu Üben, wie sie wohl noch nie erdacht worden ist. Ich spann lange an meinem Plane, der erst beim Tode Ihres Vaters die bestimmende Richtung erhielt. Ich erbrach den Schrank, auf welchen ich Sie nachher aufmerksam machte und entnahm demselben ein geschriebenes Buch, das die Lebensbeschreibung Ihres Vaters enthält. Ich fand darin, was ich gesucht. Ich war durch meine Ahnung, die mich vorher schon der Wahr­heit nahe gebracht hatte, nicht getäuscht worden. Nun ging ich ans Werk. Ich berief meinen Neffen Leonhard Bräuning, einen schlauen Menschen, und versicherte mich meines Beistandes dadurch, daß ich ihn zu meinem Erben einzu­setzen versprach. Ich hätte es auch gelhan, denn er spielte die ihm zugetheilte Rolle vortrefflich; er war es, der mit geschickter Hand die ver­schiedenen Schriftstücke verfaßte, die anonymen Briefe, das Habererprotokoll, er hat als Student verkleidet auch das Treiben bestellt und noch vieles Andere gethan. Nur noch wenige Wochen vielleicht trennten mich von meinem Ziele. Durch die Befolgung meines letzten Rathes, Herr Graf, den ich nicht ohne besondere Absicht erlheilte, halfen Sie selber mir zur Erreichung desselben, und es wäre mir gelungen, meine sürchterliche Rache, wenn auch nicht an dem Gehaßten selber, so doch an denen, die sie liebten, auszuüben, da . . ."

Er brach plötzlich ab und der Ausdruck

Szene gesetzt, und manche Leute im Lande mögen wohl damals im Ernste an die Entrüstungs- Komödie geglaubt haben. Wer ein wenig hinter den Kulissen schauen konnte, der wußte, daß die Sache anders lag, nämlich so, daß Herr von Levetzow mit oder ohne Entrüstung sich nicht mehr lange im Präsidentensessel halten konnte; und so stieg er freiwillig von diesem Sessel herunter und sicherte sich den Entrüstungsrummel einen Abgang mit Pauken und Trompeten. Herr v. Levetzow war der Ansicht, er könne als Präsident des Reichstages nicht mehr mit der alten Disziplinargewalt auskommen. Er wollte in diesem Sinne die Geschäftsordnung des Reichs­tages verändert sehen, aber er hatte eine an­sehnliche Mehrheit gegen sich. Nun aber mußte er einstweilen bei der Entrüstung bleiben, und die Konservativen und Nationalliberalen lehnten ihre Mitwirkung bei der Neuwahl des Präsidiums ab. So kam es, daß das Centrum sowohl das Präsidium als auch die zweite Vizepräsidenten­stelle besetzen konnte.

Seitdem haben die Konservativen ihre Ansichten über ihre Mitwirkung im Präsidium geändert. Sie wollen jetzt wieder, wie berichtet, an der Seite des Centrums darin vertreten sein. Das Centrum hat nichts dagegen einzuwenden. Natürlich brauchte es ihm gar nicht unangenehm zu fein, daß es zuletzt durch zwei Vertreter im Präsidium faß. Aber wenn andere Parteien von dem Rechte Gebrauch machen wollen, das ihnen nach der parlamentarischen Ueberlieferung zusteht, und nunmehr wieder im Präsidium vertreten zu sein wünschen, so ist das dem Centrum natürlich ebenso recht. Denn das Centrum fühlt sich stark in dem Bewußtsein, daß das von ihm der Haupt­sache nach allein gestellte Präsidium gegen die Hoffnungen der Kartellparteien sich glänzend be­währt und der Reichstag gerade unter diesem Präsidium Leistungen auszuweisen hatte, wie kaum jemals vorher. Aber wenn jetzt konservative Blätter die Sache so darzustellen suchen, als sei das Centrum von heute nicht mehr das Centrum von 1895, und als könnten nun deswegen die Konservativen wieder neben dem Centrum im Präsidium mitthun, so ist das eine Be­hauptung, die zu beweisen Niemand gelingen wird.

Das Centrum ist das alte geblieben. Aber wenn ihm die Konservativen durch ihren Wiedereintritt in das Präsidium eine Genug- thuung geben wollen für den Entrüstungs- Rummel von 1895, so wird das Centrum diese Ge- nugthuung ohneZweifel ohneWiderfpruchannehmen.

Von welcher Partei die zweite Vizeprasidenten- stelle besetzt werden wird, ist noch die Frage. Immer vorausgesetzt, daß die Sozialdemokraten an der Bildung des Präsidiums nicht theilnehmen, handelt es sich dabei darum, ob die Stelle des zweiten Vizepräsidenten einem Nationalliberalen oder einem Linksliberalen zufällt. Sonderlich wichtig scheint uns indessen die Entscheidung dieser Frage nicht zu sein.

Deutsches Deich»

Berlin, 24. November.

* Das kaiserliche Saar hat gestern Nach­mittag 2 Uhr Pola mit der Eisenbahn verlassen

Der letzte Trieb.

Kriminal-Roman von Max Benno.

29 ------ (Nachdruck verboten.)

Hauber erwachte nach Verlauf einiger Minuten, aber nur, um in ein klägliches Ge­wimmer auszubrechen, da er grenzenlose Schmerzen litt.

„Bei dem armen Manne," meinte der Arzt, »wird ein Geistlicher nothwendiger sein, als ich, denn meine Kunst hilft voraussichtlich nichts wehr."

Obgleich diese Worte nur leise gesprochen wurden, hatte der Kastellan sie doch gehört.

Seine Augen drangen weit ans den Höhlen hervor. „Was?" stieß er hervor, „einen Pfaffen! Er soll mir vorn Leibe bleiben, ich willlnichts von ihm!"

Plötzlich schnellte er halb in die Höhe, fiel aber sofort wieder zurück.

„Hu, hu!" stöhnte er, „dort kommt er, dort, dort!" ,, »MW

Er hob seine Hand und wies nach der Ecke.

Oskar und der Arzt richteten ihre Augen dahin, sahen jedoch nichts.

„Seht Ihr nicht?" keuchte Hauber abermals 2?. Kroße Schweißtropfen erschienen auf seiner „er winkt mir zu, er will mich holen ... Einen Priester," schrie er in furchtbarer Angst, "lcy will beichten und bekennen, was ich Böies gethan.«

, t&ein Blick fiel auf Oskar, den er bis jetzt Mcht erkannt hatte.

»Ha, Sie sind da, Herr Graf," stöhnte er,

„das ist gut. Auch Sie sollen wissen, welcher Schurke ich gewesen bin und wozu ich mich durch Haß und Rachgier hinreißen ließ."

Er verstummte erschöpft, begann aber gleich wieder:

„Ja, Haß und Rachgier," wiederholte er, denn seit vielen Jahren kannte ich keine anderen Gefühle als diese, durch sie wurden alle meine Handlungen bestimmt. Nicht umsonst suchte ich Sie von Jugend auf an mich zu fesseln. Mit dem damaligen Kauf des Papageis, mit meiner Dienstfertigkeit, meiner Geduld — kurz, mit allem Thun und Lasten verfolgte ich nur einen einzigen Zweck. Ich war einst auch heißblütig und blieb es bis ins reifere Alter hinein. Ich hegte eine glühende Neigung für die Tochter des früheren Schwertwirths Mundorff, für Ottilie. Ich warb um sie, doch sie hat mich verschmäht. Ich ver­zagte nicht und glaubte sie zwingen zu können dadurch, daß ich das „Schwert" käuflich erwarb und ihr nur die Wahl zwischen meiner Hand und dem Bettelsacke blieb. Ich zweifelte nicht am Erfolg. Da kam Freihofer — er hat alle meine Hoffnungen zu nichte gemacht. Ihr Vater aber, Herr Graf, trug daran die Hauptschuld, denn er gab Freihofer die Mittel zum Kaufe. Ich wagte noch einmal einen Versuch — einen schrecklichen — ich steckte das Anwesen „Zum Schwert" in Brand, um Ottilien noch ärmer und elender zu machen, als sie schon war. Auch das hals nichts. Der Bürgermeister war Zeuge meiner That. Er durste mich zwar nicht ver- rathen, weil ich feine Ehre in der Hand hielt, aber er sagte sich nunmehr von mir los und stellte sich auf die Seite beijenigen Leute, welche

0 Das Präsidium des Reichstages.

Es hat eine Zeit gegeben, in der das Centrum dem Präsidium des Reichstages fern bleiben mußte, weil ihm eine Theilnahme daran verwehrt war. Das war die sogenannte liberale Aera der Herren Lasker, von Forckenbeck und Genossen, die Aera des Kulturkampfes, in der die Katholiken als „Reichsfeinde" verschrieen und verlästert wurden und in der man sich nicht entblöbete, dem Centrum den Mörder Kullmann an die Rockschöße zu hängen. Dann kam mit 1879 die Zeit der neuen und bessern Wirthschastspolitik. Der liberale Reichstagspräsident von Forcken­beck verschwand von dem Präsidentenstuhl. Die Konservativen besetzten diesen und haben ihn die ganze lange Zeit hindurch besetzt von 1879 bis »um 23. März 1895, an welchem Tage Freiherr von Buol als erster Präsident aus den Reihen des Centrums das hohe Ehrenamt übernahm.

In jenem ersten Zeitabschnitte des Reichs­tages also konnte das Centrum nicht in das Präsidium gelangen. Im Jahre 1879 aber wurden die beiden Stellen des Präsidenten und des ersten Vizepräsidenten von den Konservativen und dem Centrum besetzt, und neben dem konser­vativen Herrn von Seydewitz als dem Präsi­denten wurde Freiherr zu Franckenstein erster Vizepräsident. Zweiter Vizepräsident wurde ein Konservativer, und bei dieser Parteizusammensetzung blieb es bis zum Jahre 1887; bis zu den Zeiten des bismarckischen „Kartells". Da mochte das Centrum nicht im Präsidium vertreten sein, und Freiherr von Hertling lehnte die auf ihn gefallene Wahl als zweiter Vizepräsident ab, da die Kar­tellparteien gegen Recht und Brauch das Centrum aus der Stelle des ersten Vizepräsidenten ver­drängten. Aber mit der Herrlichkeit des Kartells dauerte es nicht lange. Schon die nächsten Wahlen von 1890 brachten ihm eine Niederlage, dafür erschien im Reichstage die freisinnige Partei mit feiner stattlichen Zahl von Mannen, und somit ergab sich nach der Stärk-e der Parteien eine neue Zusammensetzung des Präsidiums, so, daß die Konservativen die Präsibentenstelle be­setzten, bas erste Vizepräsibium dem Centrum zufiel (Graf Ballestrem), das zweite dem Freisinn. Nach den Wahlen von 1893 wurde der Freisinnige durch einen Nationalliberalen er­setzt, 1895 aber fielen dem Centrum zwei Stellen im Präsidium anheim, demselben Centrum, dem 20 Jahre vorher dieses Präsidium gänzlich verschlossen gewesen war.

Wie kam das? Das war die Folge des großen Entrüstungs - Rummels, als die Mehrheit des Reichstages unter der Führung des Centrums und durch bin Ausschlag desselben es ablehnte, bem Fürsten Bismarck zu feinem 80. Geburtstage von Reichstags wegen beffen Ergebenheit burch feierlichen Glückwunsch zu bezeugen. „Diesem" Reichstage wollten bie Mitglieber ber ehemaligen Kartellparteien nicht mehr präsidiren, unb so stiegen ber Präsibent v. Levetzow unb ber national- liberale zweite Vizepräsibent mit großem Ent­rüstungs-Pompe von ihren Sesseln hernieber. Die Sache war äußerlich nicht ohne Geschick in

und traf heute Vormittag in München ein. Zum Empfang waren alle in München weilende Mit­glieder des Königshauses auf dem Bahnhofe er­schienen. Um 1 Uhr wurde die Reise nach Stuttgart fortgesetzt, wo das Kaiserpaar auf dem Bahnhofe eine Stunde Aufenthalt nahm. Der König unb die Königin von Württemberg waren zur Begrüßung von Bebenhaufen in Stuttgart angekommen. Von Stuttgart fuhr das kaiserliche Paar nach Baden-Baden weiter.

© Bei der Beurtheilung des kippe sche« Streitfalles spielt eine Frage eine besondere Rolle. Dies ist die folgende: Hat der Spruch des Schiedsgerichtes, das unter dem Vorsitze des Königs von Sachsen tagte, nur über die Erb­berechtigung des Grasen Ernst zur Lippe- Biesterfeld Entscheidung ausgesprochen, oder auch über diejenige seiner Söhne? In den Zei­tungen, die gegen den Grafen unausgesetzt Krieg führen, wird die Anschauung verfochten, daß das Schiedsgericht einzig und allein dem Grafen die Erbberechtigung zugesprochen habe, nicht aber zu gleicher Zeit feinen Söhnen; und daraus wird bann weiter gefolgert, daß ber König von Sachsen sich auch nicht verletzt fühlen könnte, wenn nunmehr ber Bunbesr ath mit der Erb­berechtigung ber Söhne sich beschäftigen wollte. Für den gewöhnlichen Sterblichen ist diese An­schauung an sich merkwürdig genug. Denn zu­nächst muß man doch annehmen, daß die Erb­folge der rechtmäßigen Söhne des Grafen selbst­verständlich fei, wenn dem Grafen selbst die Erb­berechtigung zugesprochen wird. Um sich ein sach­gemäßes Urtheil darüber bilden zu können, muß man zunächst den Antrag kennen, den der Graf zur Lippe-Biesterfeld dem Schiedsgerichte unter­breitete. Der Antrag bat um ein Urtheil in dem Sinne, daß „die gräflich erbherrliche Linie zur Lippe-Biesterfeld zurRegierungs-Nachfolge im Fürstenthume Lippe zuerst und ausschließlich berufen ist", und ber Schiedsspruch lautet darauf: ......Gras Ernst zur Lippe-Biester-

felb ist nach Erledigung des . . . Thrones zur Regierungsnachfolge berechtigt unb b eruf en." Die Wahl ber Worte des Schiedsgerichtes kann nur bie eine Deutung zulaffen, daß bas Schiebs- gericht bem Anträge bes Grafen entsprechen wollte, daß es also ber Ansicht war, bie Regierungsnach­folge gebühre bem Grafen und seiner Linie. Sonst würde das Gegentheil davon ausdrücklich in dem Schiedssprüche tunbgegeben sein. Außerdem aber wird an einer andern Stelle des Schiedsspruches ganz klar und bündig der Einwand zurück­gewiesen, daß die Kinder des Grafen nicht ebenbürtig seien. Dies geschieht mit folgenden Worten: „Die von dem Professor Lab and . . . vertretene Ansicht, durch den Artikel 14 der deut­schen Bundesakte von 1815 fei jedenfalls die Aenderung eingetreten, daß von da an ber hohe Abel in Deutschland nur aus zwei Gruppen von Familien bestehe, ber souveränen und den ehemals reichsständigen, und daß die Eben­bürtigkeit auf diese Familien unter sich be­schränkt fei, kann in Uebereinftimmung mit ber in Theorie unb Praxis herrschenden Ansicht nicht mehr gebilligt werben." Es fehlt also durch- aus nicht an ber vollen Klarheit barüber, daß ber Schiedsspruch erstens bem Grasen bie Berech­

tigung zur Erbfolge zugesprochen unb für dessen Söhne den Einwand der Unebenbürtigfeit zurück« gewiesen hat, womit auch deren Erbfolge selbst­verständlich wird.

© Die Schutzherrschaft uver die deutsche« Katholiken im Orient bildet seit einigen Tagen von neuem das Thema für verschieden­artige Auseinandersetzungen in der Presse und auch anscheinend für diplomatische Ver­handlungen. Diese letzteren finden gegen­wärtig in Paris statt, wie von dort berichtet wird, nämlich zwischen dem deutschen Botschafter Grafen Münster und Herrn Delcaffö, dem französischen Minister des Auswärtigen. Die französische Regierung, so wird gemeldet, soll ge­neigt sein zu Zugeständnissen in dieser Frage, unter der Voraussetzung, daß im Grundsätze die Schutzherrschaft Frankreichs über alle Christen im Orient anerkannt werde. Nun „im Grund­sätze" kann man ja vieles zugestehen, wenn man gleichzeitig weiß und sicher ist, daß der andere Theil niemals Anspruch darauf erheben wird, diesen Grundsatz auch in die Praxis zu Über­tragen. Thatsächlich hat sich ja Frankreich in neuerer Zeit gar nicht mehr um diese seine Schutzherrschaft sonderlich gekümmert. Eine Wiener Meldung, wonach in dieser Angelegenheit die deutsche Reichsregierung demVatikan eine diplomatische Rote unterbreitet haben sollte, ist an dieser Stelle gar nicht erst berücksichtigt worden. Sie trug zu deutlich den Stempel der Erfindung zur Schau. Ebenso unrichtig war eine frühere Meldung, wonach Rußland in einer diplomatischen Note beim Vatikan für die Aufrechterhaltung der französischen Schutzherr­schaft sich verwendet haben sollte. Arn nächsten Montag wird eine päpstliche Allokution in dieser Frage ergehen, durch die voraussichtlich alle Zweifel zerstreut werden. Zunächst klingt es auch noch sehr zweifelhaft, daß diplo­matische Verhandlungen zwischenDeutsch- land und Frankreich angebahnt sein sollen. Dabei könnte es sich doch nur um einige Formeln der äußern Höflichkeit für Frankreich handeln; denn zu welchem Zwecke sollten noch.'ernsthafte Verhandlungen gepflogen werden über etwas, das, wenigstens für Deutschland, vollkommen klar ist?

ft Bei der letzten Generalversammlung des sogenannten Kvangekische« ILnndes, die in diesem Jahre bekanntlich in Magdeburg abge­halten wurde, fehlte eine Gestalt, die sonst in diesen Versammlungen in ganz besonderer Weise hervorzutreten pflegte, nämlich die Gestalt des Hetzpredigers Thümmel in Remscheid. Der Bruder desselben war, wie bekannt, protestantischer Prediger in Altena, und es waren dort böse Dinge oorgefommen, die seinerzeit großes und unliebsames Aufsehen erregten. Herr Thümmel in Remscheid suchte zunächst seinen Bruder zu vertheidigen, ist dabei in seiner bekannten Heftig­keit zu weit gegangen und wird sich nunmehr ins Privatleben zurückziehen. Der sogenannte Evan­gelische Bund verliert also gleich zwei seiner be- beutenbfhn Größen auf einmal: Herrn Thümmel aus Remscheid und den Grafen Paul v. Hoensbroech.

x Die Herren „Genossen" stellen sich stets gern so an, als würde ihre ganze Politik vor der unbeschreiblichen Entsetzens erschien auf feinem Gesichte.

„Ho," keuchte er, „dort ist er schon wieder, es hilft Alles nichts, ich muß mit ihm."

Man vernahm das Rollen eines Wagens, der unten anfuhr.

Hauber hörte es. Eine unerwartete Ver­änderung ging mit ihm vor.

Sein Gesicht verzerrte sich, Schaum trat vor den Mund und der ganze Körper zuckte wie in furchtbarem Krampf.

„Laßt den Pfaffen nicht herein," zischte er, „ich brauche ihn nicht — dem dort gehöre ich, denn —!"

Er schlug mit den Armen ein paar Mal durch die Luft, dann rührte er sich nicht mehr.

Der Kastellan Anton Hauber war tobt.

Der Priester kam zu spät — ein augenschein­liches furchtbares Gottesgericht.

Man kann sich denken, in weich' ungeheuere Aufregung Oskar durch das Vernommene versetzt worden war. Dieser schreckliche Mensch, den er als Freund behandelte, hatte in geradezu teuflischer Weise mit dem Glück und der Ehre von Leuten gespielt, die ihm niemals etwas zu Leide gethan. Und das schien nicht Alles zu sein. Es mußte noch etwas Anderes, etwas Gräßlicheres im Hintergründe liegen, was durch den plötzlichen Tod Haubers noch nicht ans Tageslicht ge­kommen war. .

Das Tagebuch des Vaters! Wie em Blitz durchzuckte ihn di-ser Gedanke. Wo mochte es sein? Hatte das Feuer vielleicht das Buch ver­nichtet?

Der junge Graf ließ seine Augen durch das